Die Zehntenlüge - Kapitel 4 - Anhang


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Die Zehntenlüge

*

Vom Opfer,
dem Gebannten
und der Barmherzigkeit

*

IV. Anhang: „... daß du die Liebe verlässest”




Inhalt

Gefallen * Von Klerikern und Königen: Streifzüge durch die Geschichte * Die trennende Wand *
Das Königsrecht
* Könige und Oberste: So soll es bei euch nicht sein



Titel
Anmerkungen
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Gefallen

    Das dritte Kapitel führte uns an den Anfang der Gemeinde als der von Gott aus der Welt Herausgerufenen und Zusammengeführten, wie er uns aus der Apostelgeschichte heraus bekannt gemacht worden ist. Hier haben wir gesehen, wie sehr die Liebe die neugeborene Gemeinde noch erfüllt hatte – die Liebe zu dem gegenwärtigen Gott und zu dem Bruder und der Schwester. Wie haben aber auch miterlebt, wie gerade dieser Weg frühzeitig schon verlassen wurde, die gemeinsame Liebes- und Lebensgemeinschaft der ersten Jünger auseinanderzubrechen begann. In diesem letzten Kapitel nun soll uns der weitere Werdegang interessieren. Wie wurde die Gemeinde zu dem, was wir heute gemeinhin als Kirche, ja als die Zahl der vielen Kirchen bezeichnen? Wie kam es zu jenen dramatischen Fehlentwicklungen, die wir heute vor Augen haben, und was ist der Ausgangspunkt von Leiterschaft und neuerlicher Zehntenforderung? Warum haben wir heute denn wiederum einen alttestamentlich-levitisch anmutenden, abgesonderten „Dienst” vorliegen, der abermals von einem ebenso alttestamentlich anmutenden „Volk” in derselben alttestamentlichen Weise, nämlich unter Zuhilfenahme von Opfern und Zehnten, ausgehalten werden soll, wenn doch die Schrift selbst sagt, daß eben dieser Bund mit genau demselben Dienst nichts ausrichtete, so daß Gott die Notwendigkeit sah, einen anderen, neuen und sehr viel besseren Bund ins Dasein zu rufen (Hbr 8. 6 - 13)? Die Zehntenlüge” – so ist diese Schrift genannt worden. Am Anfang hatte sie noch einen anderen Namen getragen. Wir nannten sie Vom Opfer, dem Gebannten und der Barmherzigkeit”, mit der Fügung „Die Zehntenlüge” lediglich im Untertitel. Später jedoch, nach vielem Überdenken und Überarbeiten, haben wir diesen Untertitel zum Hauptthema gemacht. Es geht bei dieser „Zehntenlüge” ja nicht nur um eine einzige Lehre unter vielen anderen, die es zu beleuchten galt. Vielmehr geht es in ihr um ein ganzes Lehr- und Lebensprinzip, das dahintersteht – ein Prinzip der Lüge, eine Lebenslüge. Ich hielt es jedoch für einen gravierenden Fehler, diese Lüge isoliert zu sehen. Ist sie nicht vielmehr eingebettet in eine ganze Entwicklung, die viel älter, tiefer und weitreichender ist, als viele unter uns auch nur zu denken wagen?

    Anhand der Apostelgeschichte ist uns der tiefe Fall der Urgemeinde vor Augen geführt worden.

    „Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlassen hast!” –

    so lautete dann auch der Vorwurf, den der Auferstandene der noch verhältnismäßig jungen Gemeinde zu machen hatte, und zwar in dem ersten der Sendschreiben, die sich an die Gemeinden Kleinasiens zu richten hatten (Off 2. 1 - 7). Daß du die Liebe verlässest” – so haben wir demnach dieses letzte, anhängende Kapitel genannt. Dieses Fallen aus der ersten Liebe aber, der Liebe der ersten Zeit, stellt einen Fall – den Fall schlechthin – dar, von dem die Gemeinde sich bis heute nicht wieder erholt hat. Wie präzise etwa die Apostelgeschichte – gerade in der Knappheit ihrer Berichte – diese Entwicklung schon von ihren Anfängen her beschreibt, das haben wir gesehen. Und diese Sicht wird sich noch sehr viel klarer, eindeutiger und in sich noch verschärfender Weise präsentieren, wenn wir die kirchengeschichtliche Entwicklung betrachten, die im Grunde genommen nichts anderes ist als die geschichtliche Fortsetzung jenes Berichtes, den der Arzt Lukas verfaßte und der uns, wie wir ja wissen, als die „Apostelgeschichte” (wörtlich: praxeis apostolon, die Taten oder Praktiken der Apostel) überliefert ist. Wohl kaum hat man sich diesem Thema wirklich einmal gestellt; wenn aber doch, dann zumeist in der Weise, daß die jeweils eigene Position möglichst unangetastet blieb. Und so ist dies eine Problematik, die sich bis heute ständig neu ereignet, weil sie in vieler Augen unerkannt geblieben ist. Damit aber verfallen wir alle immer wieder denselben Fehlern. Zu unserer Blindheit trug stets auch der zwar weitverbreitete, jedoch falsche Denkansatz bei, nach dem der Verlauf der Geschichte so und nicht anders stattgefunden habe, weil dies der Wille oder die Zulassung Gottes gewesen sei. Mit diesem Wort ließe sich allerdings jede Sünde rechtfertigen. Was unserer Erkenntnis an dieser Stelle vielfach im Wege steht, ist eine im Nachhinein idealisierende, schönfärberische Interpretation der Bibel, besonders, was die Apostel betrifft; eine Interpretation, die die Schrift jedoch keineswegs teilt. Die Apostel waren Menschen wie wir, und sie machten durchaus auch Fehler wie wir. Jakobus, der zwar selbst keiner der Apostel, wohl aber einer derer war, die von Anfang an maßgeblich dabeigewesen sind, etwa hat in seinem Brief dazu recht klar Stellung bezogen (Ja 3. 2). Die Heilige Schrift verbirgt nichts, wo es nichts zu verbergen gibt; sie deckt vielmehr auf; es ist gerade ihre Stärke, auch die von Gott Berufenen so zu zeigen, wie sie in Wirklichkeit waren, damit wir auch aus diesen Dingen lernen können. Und gerade darin wird Gott alle Ehre zuteil.

    Die oben angesprochene, ganz offensichtliche Schönfärberei fand nicht nur in der Interpretation der Heiligen Schrift statt. Nein, sie setzte sich auch in der kirchengeschichtlichen Forschung und Betrachtungsweise fort. Und so ist sie bis heute wohl maßgeblich dafür verantwortlich, daß unsere Erkenntnis in weiten Bereichen im Dunkel blieb. So stehen auch weiterhin Tabus im Raum, seien sie ausgesprochen, seien sie unausgesprochen; noch immer hält man es in vielen kirchlichen wie außerkirchlichen Bereichen offenbar für gefährlich, den Dingen auf den Grund zu gehen, erscheint das Lüften des Schleiers unerträglich. Diese Schrift ist unter anderem deshalb entstanden, weil der Autor es wagen wollte, seine eigenen Handlungen, Denkmuster und Verhaltensweisen aufzuarbeiten – gerade auch in Bezug auf die ganz offensichtlichen Irrtümer der aktuellen Glaubensbewegung, in denen er sich jahrelang befand. Wer den Maßstab an andere legen will, der muß denselben Maßstab erst an sich angelegt haben; wer Gottes Gericht – im Sinne von Richtigstellung – über den Umständen verkünden will, der muß zuvor durch dasselbe Gericht gegangen sein. Da gibt es dann immer auch genügend Grund für die eigene Beugung vor Gott, denn nur in solcher Beugung bleiben wir vor dem Hochmut gefeit. Im Folgenden soll und darf über die Väter also kein „Stab gebrochen” werden. Dies stünde uns, wie wir gesehen haben, in keiner Weise zu; wer das folgende Kapitel so liest, der hat das Anliegen dieser Schrift und, wie ich meine, auch das Anliegen Gottes in dieser unserer Zeit nicht verstanden. Vielmehr geht es – gerade auch im Hinblick auf unser eigenes und oft so gern verschwiegenes Versagen – darum, Antworten für unser Warum?” zu finden: Warum ist dieses so geworden, und jenes so, wenn die Bibel doch etwas ganz anderes sagt?”Welchen Einfluß hatte dieses Werden auf die Christenheit, und welchen hatte sie auf die eigene Entwicklung?” Wir gehen dabei von den Erkenntnissen aus, die wir aus der Apostelgeschichte gewonnen haben, um nun den weiteren Weg bis in unsere Zeit zu betrachten. Dabei wollen und können wir im Rahmen dieser Schrift keine umfassende Geschichtsbetrachtung liefern. Es geht vielmehr darum, einige der maßgeblichen, weithin noch verborgenen Entwicklungen aufzuzeigen, Licht in das Dunkel zu bringen. Hierzu sei das Vorliegende ein Versuch.


Von Klerikern und Königen: Streifzüge durch die Geschichte

    In diesem Kontext ist es als notwendig anzusehen, sich mit dem Begriff des Klerus bzw. des Klerikers – und vor allem seiner Entstehung – inhaltlich auseinanderzusetzen, beleuchtet er doch wie kein anderer die Hintergründe des hier beschriebenen und verhängnisvollen Werdeganges, der die Christenheit – gerade trotz des vermeintlichen Reichtums einer immer äußerlicher werdenden Frömmigkeit – mehr und mehr von Gott wegführte und zuletzt in jene zahlreichen Abspaltungen und Denominationen mündete, die wir noch heute vor Augen haben. Bereits in der Apostelgeschichte hatte man damit begonnen, besondere, von der „Menge” abgesonderte „Dienste” einzusetzen. Wie der aufmerksame Leser ihrem sechsten Kapitel nicht nur im Gegensatz zu dem vorausgehenden vierten und fünften, sondern auch im Kontext der nachfolgenden Berichte – entnehmen kann, waren die Apostel selbst von den sich hier aufzeigenden Denkansätzen nicht wirklich frei gewesen. Dies zeigt sich nicht nur in der Einsetzung besonderer Dienste, sondern auch daran, daß sich die Apostel, kaum nachdem sie sich zum Dienst in Wort und Gebet separiert hatten, alsbald auch von der Menge der Gläubigen abgesetzt hielten, so daß sie, als die Gemeinde unter der sich bald anhebenden Verfolgung in die Gegenden Judäas und Samrias zerstreut wurde, für sich in Jerusalem verblieben sind (Apg 8. 1). Daß es von der Einsetzung gesonderter Dienste auch zu einer Entwicklung hin zum Stand einer mehr oder weniger abgesonderten, dem „gemeinen Volk” gegenüberstehenden „Geistlichkeit”, dem Klerus, geradezu kommen muß, ist also folgerichtig. Das aus dem Lateinischen übernommene Wort Klerus ist seinerseits wiederum von dem griechischen Begriff kleronomos (gesetzlich festgelegter Besitzer eines Losteils, Anteilsinhaber) abgeleitet und kennzeichnet im landläufigen Sinn Menschen, die berufsmäßig an geistlichen Dingen teilhaben, und sich darin von allen anderen unterscheiden, ja abheben.

    Ist eine solche Unterscheidung von „Geistlichen” und „Nichtgeistlichen” zwischen der Welt und der Gemeinde noch lebenswichtig und segensreich, so erscheint dieselbe Unterscheidung, wenn sie innerhalb der Christenheit angewandt wird, als eine Lüge mit geradezu fatalen, weil in der Folge tödlichen Auswirkungen. Ist es doch genau diese Unterscheidung und Abtrennung, die den Klerus erst entstehen läßt; seine Glieder erscheinen nun als von der Gemeinde Abgesonderte, Herausgehobene; sie bilden fortan einen eigenen, für sich und in sich abgeschlossenen Stand, nämlich den der „Geistlichen”, „der Priesterschaft” etc., ein Gedanke, der sich bis zum heutigen Tage in der Betonung einer vermeintlichen „Leiterschaft” immer wieder fortsetzen wird. Hat der Kleriker besonderen Anteil an der Geistlichkeit, so stellt der Laie im Wortsinn „nur” ein Glied des einfachen Volkes, einen Volksangehörigen dar, wie dies der Begriff zeigt, welcher sich aus dem griechischen Wort laos, Volk ableitet. Als angeblich hervorgehobene, alleinige Anteilseigner, die eine Teilhabe an besonderen Erweisungen des Geistes Gottes, am Gottesdienst, an theologischer Schulung und Erkenntnis, überhaupt an geistlichen Dingen für sich reklamieren, heben sich die Kleriker nun von diesem gemeinen, in ihren Augen unmündigen und später auch unmündig gemachten Kirchen- bzw. Gemeindevolk” ab – als von denen, die ihrer Ansicht nach diesen Anteil nicht haben und daher, da diese in ihren Augen nun als Unkundige gelten, ihrer besonderen Vermittlung, Schulung, ja Herrschaft bedürfen.

    Im Zuge dieser Entwicklung verweltlicht die Christenheit immer mehr. Wie wir sehen, ist diese Entwicklung also keineswegs gottgewollt; weder ist sie „aus dem Himmel gefallen”, noch stellt sie ein „Naturereignis” dar; sie ist vielmehr ein nur allzu folgerichtiges Ergebnis menschlicher Selbstbestimmung an einem Ort, wo diese Selbstbestimmung nie hätte verwirklicht werden dürfen. Beginnt sie schon zur Zeit der Apostelgeschichte erst schleichend und unerkannt, weil angesichts der damals noch gegenwärtigen Segnungen und Gnadenbekundungen Gottes für vieler Augen verdeckt, so gewinnt sie später jedoch immer mehr an Eigendynamik, da man das Haupt ständig beiseite setzt und den der Gemeinde innewohnenden Geist Gottes fortwährend betrübt, so daß dieser Sich mehr und mehr zurückzieht und der Mensch zunehmend die Oberhand gewinnt (vgl. Eph 4. 30, Mt 21. 33 – 46). Alsbald geht man daran, den Dienst der Älteren und damit auch Reiferen, die auf die Jüngeren achthaben und auf die diese Jüngeren wiederum hören sollen (1Ptr 5. 1 - 7), zu einem festgefügten, immer mehr erstarrenden und sich über alle anderen erhebenden und geradezu verherrlichten Bischofsamt (vom griechischen episkopos, Aufseherdienst abgeleitet) umzubauen. Später werden aus diesem die Päpste hervorgehen, die vorgeben werden, auf dem Stuhl Petri” zu sitzen (vgl. Mt 23. 2). Hier wird allerdings ganz klar die Mahnung eben dieses Petrus in den Wind geschlagen, der die Älteren noch dazu angehalten hatte, die Losteile” nicht zu beherrschen und damit nicht für sich in Anspruch zu nehmen, sondern vielmehr Vorbilder des Herdleins” zu werden (1Ptr 5. 1 - 3). Statt dessen reißt man eben diese geistlichen Losteile an sich und besetzt sie für sich selbst, indem man sich nun zu ihrem alleinigen, zumindest aber vorrangigen Inhaber erklärt. Damit wird Gottes Wort in sein ganzes Gegenteil verkehrt. Bereits in der hier beginnenden, menschlichen Überhebung Einzelner liegt also die Wurzel dessen, was wir heute mit der Entwicklung des Klerus bezeichnen – als der eines Standes besonderer geistlicher Anteilseigner bzw. Losteilinhaber, wie wir oben gesehen haben.

    Reife sieht sich zunehmend durch menschliche Ordination (Amtseinsetzung) respektive kirchliche Weihen ersetzt, und es gilt bis heute als ein besonderes Glück, wenn beides doch einmal in einer Person zusammenfällt. Hat sich mit diesem Bischofsamt erst einmal eine Leiterschaft etabliert, die sich zunehmend in einer Vermittler- und Herrschaftsrolle sieht, wird diese als nächsten Schritt dazu übergehen, wichtige Inhalte neutestamentlicher Erkenntnis fallenzulassen, zu verwässern oder umzudeuten, um sie für diese ihre Rolle und den Bestand der sich nun entwickelnden Kirche – als organisierte klerikale Form anpassen zu können. Wie sehr sich dieses Vermittlerdenken und das Hervorheben besonderer Dienste schon um das erste Jahrhundert herum durchgesetzt hatte, das beweisen die mannigfaltigen Zeugnisse, unter anderem auch aus der apokryphen Literatur jener Zeit. So prägt vor allem der erste Clemensbrief den Begriff klēros (Klerus) und gebraucht diesen Begriff, im Unterschied zu den vor ihm verfaßten und im späteren neutestamentlichen Kanon zusammengeführten Schriften, für die Bezeichnung eines Amtsinhabers im Gegensatz zum Begriff des laïkós, des einfachen „Volksangehörigen” (1Clem 40 ff, um 96). Im Grunde ist dieses „Volksdenken” an sich bereits ein Rückfall in Sichtweisen, wie sie sich schon in alttestamentlicher Zeit durchgesetzt haben; wir werden später auf sie zurück kommen. Mehr und mehr werden diesen „Amtsträgern” und besonderen „Dienern” Sonderrechte gewährt, werden sie zu Unantastbaren. Alle anderen aber weichen zurück, haben zu schweigen und werden verpflichtet, sie zu bedienen.

    Nur kurze Zeit später untersagt etwa die so genannte Apostellehre, die wohl erste, um das Jahr 100 entstandene Form einer Abendmahlsliturgie, einen Propheten (...) auf die Probe zu stellen oder zu kritisieren”. Sie ...begründet das mit dem Wort über die unvergebbare Sünde gegen den hl. Geist. Sie billigt den Propheten Anspruch auf Unterhalt von Seiten der Gemeinde zu, bei der sie sich niederlassen. Man soll ihnen den Anbruch geben von allem, was man zu des Leibes Nahrung und Notdurft gebraucht.” Dieser Anbruch ist ohne Zweifel eine Erstlingsgabe; bereits dies dürfte auf den Gebrauch eines Zehnten, wie er im alttestamentlichen Levitendienst geboten war, zumindest aber auf den einer besonderen, zehntähnlichen Abgabe hinweisen, die vor allem anderen abzuführen war, eben als Anbruch (vgl. 4Mo 18. 12 - 13 u. a.). Bereits hier haben wir wieder eindeutige Elemente gesetzlicher Frömmigkeitsformen vorliegen, mit Merkmalen verbunden, die uns vom levitischen Dienst her nur allzu geläufig sind. und ganz ähnlich auch in sogenannten freien Gemeinden aus der Wort-des-Glaubens-Szene gehandhabt werden. Lesen wir nun die Begründung dieser besonderen Anweisung: Denn sie sind eure Hohenpriester”. So sagt man. Als Priester, als Hohepriester gar wollen sie nun zwischen dem „Volk” und Gott „vermitteln”. Ob man inzwischen vergessen hat, daß wir alle nur einen einzigen Hohenpriester, nur einen einzigen großen Mittler haben, und zwar den des Neuen Bundes, der Jesus Christus heißt?

    Doch damit nicht genug. Sie, die zwischen Gott und der versammelten Gemeinde zu vermitteln gedenken, wollen nun auch besonders geehrt sein. Die Gemeinde verstummt; sie allein reden, und nur ihnen steht der Zugang zu Gott offen. So lesen wir weiter: Sie bilden mit Bischöfen, Diakonen und Lehrern die ,Geehrten’. Sie haben allein das Recht, bei der Feier des Abendmahls frei zu beten” (Zitiert aus: Neues Göttinger Bibelwerk, Das Neue Testament Deutsch, Das Evangelium nach Markus; Hermann Strathmann: Die Entstehung und der Wortlaut des Neuen Testamentes, Einleitung, Seite 14, Verlag Bandenhoek & Ruprecht in Göttingen, 1937). Hier haben wir ganz klar die sich immer weiter zementierende Fortsetzung jener verhängnisvollen Entscheidung vorliegen, die – keine siebzig Jahre zuvor – die Apostel in Jerusalem einst getroffen hatten:

    „Es ist nicht wohlgefällig, daß wir das Wort Gottes vernachlässigen und die Tische bedienen... Seht euch nach sieben Männern... um... Wir aber wollen im Gebet und dem Dienst am Wort anhalten.”

Apg 6. 2 - 4

    Erinnern wir uns? Jene sollten allein die Tische bedienen, während diesen das Gebet, der Zugang zu Gott, und das Wort, d. h. also die Lehre, gesondert offenstehen. Es sei sonst nicht wohlgefällig, so sagten sie. Wohlgefällig – in wessen Augen? In den Augen Gottes? In ihren eigenen? In den Augen derer, die gemurrt hatten? Darüber schwiegen sie allerdings.

    „Dieses Wort war wohlgefällig in den Augen der Menge”,

heißt es dann (Apg 6. 5). Sollte das die Antwort gewesen sein? Von Gott jedenfalls fällt hier kein Wort mehr...

    Uns erst das Gebet, und dann das Wort, euch, den anderen, aber die Tische – so heißt fortan die Parole, nachdem der Fokus von dem Wohlgefallen Gottes einmal auf den der Menschenmenge gefallen ist. „Uns gehört der Himmel, euch die Erde”. Hier wird getrennt, was nach Gottes Willen zusammengehört. Der Zugang zu Gott, und damit das Himmlische, wird ab sofort reserviert; die, die diesen Zugang an sich gerissen haben und nun für sich besetzen, die stellen fortan auch die Regeln auf – für die, denen man die Tische, das Irdische also zugewiesen hat.

    „Seit den Tagen Johannes des Täufers bis jetzt wird dem Königreich der Himmel Gewalt angetan, und Gewalttätige reißen es an sich”,

    sagte Jesus (Mt 11. 12). Die, die Mündige sein sollten, Freie, Geistgeleitete und -Begnadete unter Gottes Himmel, die werden nun zu Unmündigen, Unwissenden gemacht – und darum zu Sklaven, regiert durch Vormünder (Ga 4. 1 - 7), dienstbar gemacht an den Tischen, abgestellt zur Versorgung und zum Unterhalt ihrer neuen „Herren” als den „Amtsträgern”, den Wissenden”. Und so machten auch die Tische ihre Veränderung durch. Dienten sie erst den Bedürftigen, Niedrigen, denen, die nichts hatten, aß und trank man in der Anfangszeit noch gemeinsam, war man also ein Herz und eine Seele, gehört nun das Erste, was die Gläubigen zu geben haben, vorzugsweise den Oberen, denen also, die etwas zu geben versprachen (s. a. 1Kor 11. 20 - 22, Ju 12). Erinnern wir uns noch an den Zehnten, der einst, dem Volk auferlegt, dem Priesterstamm des Alten Bundes zu gewähren war? Hier kommt das Gesetz mit seinem eigentlich überholten Levitendienst wieder zum Tragen, nachdem man das Himmelreich weggerissen hat, und so wird auch der Vorhang vor dem Allerheiligsten, den Gott Selbst doch geöffnet hatte, in der Wahrnehmung wieder zugezogen. Der zerrissene Vorhang aber, das ist Jesu Fleisch; das ist gleichsam Sein zerrissener Körper (Hbr 10. 19 - 22), der uns den Weg zum Vater eröffnet hat! So wird Sein Opfer, das uns den Himmel erschloß, für die ihnen Folgenden unwirksam gemacht, wird die Vermittlung von Neuem eingeführt, nachdem man den freien Zugang erst verstellte. Nachdem das Himmlische verbaut ist, verblaßt auch die Erwartung zu dem Himmlischen, Jesus, der will, daß wir seien, wo Er schon ist (Jo 17. 24), treten andere Erwartungen an Seine Stelle (Hbr 10. 23 - 25). An die Stelle des himmlischen tritt ein irdisches Reich. Fortan geht es um die Kirchenstruktur, bestenfalls um das „Wie” und „Wo” des christlichen Glaubens, um Satzungen und Dogmen. Wo ist der Ruf der Brautzeit, das Komm, Herr Jesus”, geblieben? Das Maran atha!” der ersten Christen – bei den Kirchenvätern ist es kaum noch zu finden!

    Von der Geistbegabung der Glieder des Leibes (1Kor 12 und 14) führt die Entwicklung herab zu materiellen Erwägungen, nachdem diesen seinen Gliedern ihre Geistbegabung nicht nur abgesprochen, sondern zunehmend auch abgewürgt worden ist. In der Folge bleibt ihnen auch kaum etwas anders übrig als diese Wurzel der Weltförmigkeit; die frommen Worte werden immer mehr zur christlichen Fassade. Das Wort des Herrn, im Zusammenhang des an sich selbst gerissenen und vor allen anderen verschlossenen Königreichs an die Pharisäer gerichtet

    Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt das Königreich der Himmel vor den Menschen. Denn ihr geht nicht hinein, noch lasst ihr hineingehen, die hineingehen wollen.

Mt 23. 13

    erlangt wieder traurige Aktualität. Folgerichtig erklärt sich das Amt zur Tür ins Himmelreich; der, der die Tür ist, wird beiseitegesetzt und aus der Mitte gestoßen. Denn die nun das Wort führen, die haben dann auch das Sagen. So regiert man die eigenen Geschwister, nachdem man sie von Gott abgeschnitten hat; so sind sie zu Unmündigen gemacht worden, da ihnen erst das Gebet und dann das Wort, d. h. erst also der Zugang – die Beziehung und dann auch die Erkenntnis genommen worden ist (Mt 23. 13, Lk 11. 52). In der Folgezeit nimmt – ganz folgerichtig – das Bischofsamt an Bedeutung zu, gewinnt vollends die Oberhand. Wir haben uns weiter oben schon dazu geäußert. Mehr und mehr wird also eine religiöse Machtstruktur an die Stelle des früher noch gemeinsamen neutestamentlichen Lebens und Lehrens gesetzt. Die Grundregel des Neuen Bundes, den anderen höher zu achten als sich selbst (Phil 2. 1 - 4), ist nun nicht mehr nur aufgehoben, sondern wird in ihr völliges Gegenteil verkehrt – mit gravierenden Folgen: Der, der die Liebe verläßt, der weiß nun nicht mehr, wohin er geht (1Jo 2. 8 - 11, 3. 13 - 16); finster wird es um ihn; der Leuchter, der ihm den Weg erhellen sollte, ist umgestoßen (Off 2. 4 - 6). Anstelle des lichten Tages, dem die Gemeinde entgegengehen sollte (1Kor 15. 51 - 53, Eph 4. 30, 1Thes 5. 1 - 11), steht ihr nun eine lange Zeit des Abfalls und des Gerichts bevor (2Thes 2. 1 - 12). Der Herr warnt nicht, und tut dann nicht danach. Der, der sündigt, wird immer auch die Folgen zu tragen haben, solange er in dieser Sünde bleibt. Der Lohn der Sünde aber ist immer der Tod, der sich in dem nun anbahnenden, erst noch allmählich einsetzenden Verlust des geistlichen Lebens kundtut. Was nutzt es da noch dem Sünder, wenn er nicht umkehrt und sich in seiner Sünde dennoch auf die Gnade beruft? Nichts (Rö 6. 1 - 2, 23).

    Doch nicht nur für diesen hat es Auswirkungen, sondern vor allem auch für die Generationen, die nach ihm kommen sollen. Denn hier werden Weichen für die Zukunft gestellt, die man nur als verhängnisvoll charakterisieren kann. Die Folgen der hier einbrechenden Finsternis sind also ganz unausweichlich: der Weg Gottes verdunkelt mehr und mehr, und Menschenlehren, verbunden mit den hellenistischen Philosophien und Denkansätzen jener Zeit, gewinnen vermehrt an Einfluß. Schon nach relativ kurzer Zeit kommt es dann auch ganz folgerichtig zu zahlreichen Entlehnungen aus der griechisch denkenden, heidnisch-okkulten Welt, die sich geradezu dammbruchartig über die noch relativ junge Christenheit ergießen. Hierzu dürfen wir uns das Jahr 100 merken; geradezu durchgängig scheint es diesen Einbruch zu markieren, und zwar in fast allen Bereichen. In der Folge entstehen zahllose Sonderlehren. Bald schon genügt die Vermittlung lebender Heiliger nicht mehr, und man nimmt Zuflucht zu den gestorbenen, sucht den Lebenden bei den Toten (vgl. Mt 22. 32, Lk 24. 5).

    Erste Tendenzen einer eigenen Heiligen- und Marienverehrung treten auf, die die spätere römische Kirche so sehr kennzeichnen wird. So ist es gleichfalls in etwa das Jahr 100, in dem die erste uns bekannte Madonnendarstellung entsteht, und zwar als Wandmalerei in der Priscilla-Katakombe in Rom (siehe: Daten der Weltgeschichte, Weltbild-Verlag, erweiterte und aktualisierte Ausgabe 2001, S. 273, rechte Spalte). Tauflehre und -praxis des Neuen Testamentes werden, neben denen des gemeinsamen Herrnmahls, ebenfalls als eines der ersten Dinge unterwandert und schließlich, mit wenigen Ausnahmen, ganz verlassen; die Sitte der Kindertaufe, die sich mehr und mehr ausbreitet, geht vermutlich auf die zweite bis dritte Generation nach der Urgemeinde zurück, kommt also aus derselben Zeit. Sie wird die Taufe derer, die auf das Wort hin gläubig geworden sind (vgl. Mt 28. 19; Apg 2. 37 - 39, 8. 12, 35, 36; 10. 44 - 48, 18. 8 usw.) zunehmend verdrängen und stellt, wie die zu ihrer Rechtfertigung herangezogene Erwähnung der Erbsünde zeigt, den nur allzu menschlichen Versuch dar, durch eine von außen vollzogene, christlich-religiöse Handlung Erlösung von vorn herein sicherzustellen, indem man sie zum frühestmöglichen Zeitpunkt selbst vermittelt und dem Menschen ohne sein Zutun gewissermaßen überstülpt. Auch hier steht also der eigene Vermittlungsanspruch am Anfang. Damit aber nimmt man wiederum die Gnade aus der Hand Gottes in die eigene; doch nicht nur das – jetzt verschafft man sich ein Mittel, das von sich aus („ex opere operato) in der Lage wäre, in den Zustand der Gnade zu versetzen und damit Bestand und Einfluß der noch jungen Kirche auch weiterhin zu sichern.

    Tertullian (150/155 - 222/223) bekämpft in seiner Abhandlung Über die Taufe diese Sitte zwar noch mit Vehemenz. Der in hellenistisch-philosophischer Tradition argumentierende Gelehrte Origenes (185/186 - 254) aber ist der erste, von dem uns gesicherte Aussagen als von einem ihrer Befürworter überliefert sind; er spricht von ihr erstmals auch als von einem Sakrament (d. h. Gnadenmittel). [1] Zwar behauptet er, daß die Kindertaufe apostolisch sei, muß den Beweis seiner bis heute umstrittenen Behauptung jedoch schuldig bleiben, da solches nirgends in der Bibel steht. Ausgerechnet auf ihn beruft man sich heute noch, obwohl zahlreiche Kirchenväter erst in reiferem Alter getauft worden sind. Auf der Synode zu Karthago (256) werden weitere Beschlüsse über die Kindertaufe gefaßt. Immer mehr setzt sich ein heidnisch-magisches bzw. ritualistisches Tauf- und Glaubensverständnis durch, und das um so mehr, je mehr die aus diesen Entwicklungen erwachsende Weltkirche erstarkt [2]. Um das Jahr 300 hat sich die Kindertaufe bereits fest eingebürgert, wofür die Lehre von der Verdammnis der Ungetauften Sorge getragen hat. Im Zuge der durch die späteren Kaiser Honorius (395 - 423) und Theodosius II. (408 - 450) erlassenen zahllosen Ketzergesetze kommt es zur blutigen Verfolgung derer, die anders denken; Täufer und Täufling werden demnach, hat man sie einmal aufgegriffen, aneinander gebunden und miteinander hingerichtet. Im fünften Jahrhundert wird die Kindertaufe also zur Pflicht für jedermann; die Taufe der Gläubigen wird ganz unterdrückt. Unter Justinian I. (527 - 565) wird sich dieser Umstand weiter verschärfen, solange, bis er schließlich zur feststehenden Tradition ganze zwölf Jahrhunderte hindurch geworden ist [3].

    Die alsbald deutlich werdende, völlige Verwerfung des Volkes Israel und die mit dieser Verwerfung einhergehende Ersatztheologie, die nun die Kirche an die Stelle Israels gerückt wissen will, tun ein Übriges. Auch damit beginnt man früh, eben auch zu derselben Zeit, aus der uns die ersten Vorkommen der Kindertaufe und eines anfangenden Marienkultes überliefert sind. Der Bruch, der sich um das Jahr 100 in allen Bereichen ebenso deutlich wie einheitlich zeigt, ist also auch hier unübersehbar. Und wieder ist es dieselbe Wurzel, aus der diese Entwicklung sich nährt aus der Verfinsterung, die der Einführung religiöser Machtstrukturen folgte, und aus den daraufhin sehr schnell einbrechenden Elementen griechisch-heidnischen Denkens. „Man fing an, in den Begriffen der griechischen Philosophie zu denken und die christliche Botschaft in ihnen auszudrücken. Dabei wandte man sich von dem alttestamentlichen Lebensgrund und von den Wurzeln des hebräischen Denkens ab. ‚Die junge Christenheit schloß zumeist die Tore zum Alten Testament und öffnete weit die Tore zur griechischen Geisteswelt’ (H. J. Kraus). Die Verbundenheit zum jüdischen Volke, den Brüdern Jesu, lockerte sich und es begann zunächst eine Entfremdung, dann eine Feindschaft” (Zitiert bei: Arthur Richter, Die Juden und wir, Seite 11 unten, Edel 1985).

    Sehr bald schon also wendet man sich von der Hebräischen Bibel ab, der Bibel, die wir das Alte Testament nennen, obwohl dies doch die Bibel Jesu wie die der Apostel gleichermaßen war. Ja man vergißt überhaupt, daß die erste Gemeinde aus Juden bestanden hatte, und beginnt, die Geschichte in großem Stil umzudeuten. Später können wir bei Eusebius, dem „Vater der Kirchengeschichte” (um 260-340) nachlesen, daß die Kirche älter sei als die Juden; diese wären Abtrünnige; die Hebräer, die noch nichts vom Gesetz gewußt hätten, seien schon Christen gewesen u. v. a. m. („Chronik” über die „2016 Jahre seit Abraham”, um 323). In der nachfolgenden Zeit wird sich ausgerechnet die Kirche dazu berufen fühlen, Gottes Zorn an dem ihrer Meinung nach verworfenen Volk der Juden zu vollstrecken; diese seien es nicht wert, Israel zu heißen; überhaupt sei dieser Titel auf die Kirche übergegangen. Wir wollen es bei der Erwähnung dieser Dinge belassen und beschränken uns darauf, nachfolgend an weitere Aussagen verschiedener Kirchenväter zu erinnern, wie die von Justinus (dem Märtyrer, etwa 100 - 165) [4a], später die von Ambrosius (340 - 397) [4b] , von Johannes Chrysostomus (349 - 407) [4c] oder auch von Aurelius Augustinus (356 - 430) [4d] und zahlreicher anderer, die mit Ausdrücken des Judenhasses geradezu gepflastert sind. Und gerade solche Aussagen sind es, die sich in der Folgezeit immer mehr zu einer Grundlage des Antisemitismus verfestigen, auf die die ganze Kirche, das späte Luthertum wie zuletzt auch die Nationalsozialisten immer wieder zurückgreifen und sogar noch stolz darauf sein werden...

    Je mehr die Zeit vergeht, um so mehr trüben weltliche Einflüsse das Bild. In der Folge wird es zu einer Wende kommen, die als so genannte „Konstantinsche Wende” in die Geschichte eingehen soll. Hat man die Christen bis dahin noch grausam verfolgt, weil sie u. a. den römischen Kaiserkult, die damit zusammenhängenden Götzenopfer und den Kriegsdienst verweigerten, trifft der römische Kaiser Konstantin I. (um 274 - 337) mit seinem späteren Gegner Licinius (um 250 - 325) eine Übereinkunft, die als das sogenannte Toleranzedikt von Mailand in die Geschichte eingehen soll (313). Diese Übereinkunft hat zuächst das Abstecken von Einflußsphären, die Teilung Roms in West und Ost zum Inhalt. Ihre Bedeutung für die Christenheit aber erlangt sie dadurch, daß nun endlich Toleranz proklamiert, allgemeine Religionsfreiheit also öffentlich garantiert werden soll. Was aber ist der Preis für diese von einem weltlichen Herrscher gewährte Toleranz, der sich ja nicht nur als Kaiser Roms bezeichnet, sondern auch als einen Gott, und nebenher auch den Titel seines obersten Priesters, eines Pontifex maximus führt? Wir finden ihn einige wenige Jahre danach. Im Jahre 325 findet das Konzil zu Nizäa statt – unter dem Vorsitz (!) des noch ungetauften römischen Kaisers. Damit unterstellt man die Christenheit erstmals einer weltlichen Obrigkeit, und zwar weniger im Sinne der normalerweise gebotenen Unterordnung (vgl. Mt 22. 15 - 22, Rö 13. 1 - 7), als vielmehr im Sinne der Gewährleistung eines Führungsanspruches.

    Der Pontifex bleibt Pontifex; war er es bislang nur über den römischen Götterkult, so ist er es nun auch über der Christenheit. Später werden die römischen Päpste diesen Titel weiterführen.Hat Konstantin sich etwa nicht bekehrt? Er möchte wohl gerne den Anschein erwecken, und nicht wenige glauben ihm dies bis heute. Schon 312 hat er die Fahne des kaiserliche Heeres mit dem Christusmonogramm versehen lassen, nachdem er seinen Rivalen und Vorgänger Maxentius vom Thron gestürzt hat. Ist das der Ausdruck christlicher Frömmigkeit, der Frömmigkeit derer, die selbst den Kriegsdienst verweigerten? War irdisches Machtstreben etwa ein Kennzeichen der Jünger Jesu? War Gottes Reich doch eines von dieser Welt? Bediente Sich Gott jetzt menschlicher Heere? Sollte Er Seine Meinung also wieder geändert haben? – „In diesem Zeichen siege!”, ist fortan das Motto, nachdem man die, deren Zeichen man nun verwendet, blutig verfolgte. Aus der magischen Verwendung dieses Zeichens verspricht Konstantin sich weiteren Erfolg und Machteinfluß; ihm geht es nicht um den Himmel, sondern um die Festigung und Einigung seines zerfallenden Reiches. Um dieses Reich zu befrieden, braucht er, neben vielen anderen, auch das Christentum. Hier wird also nicht weniger als die verhängnisvollste Umkehrung aller Zeiten eingeleitet.

    Wird man den römischen Göttern abschwören? Wirft man die Götzen etwa auf den Müllhaufen der Geschichte? Oder vermischt man nicht vielmehr etwas, fügt man aneinander, was nicht zusammengehört, um es für seine Ziele dienstbar zu machen? In der Folge werden Götterkult und christlicher Anspruch einander überlagern, wie die Symbole, die man verwendet, und die mehr und mehr ineinander überzugehen scheinen. In diesem Sinne wird bereits im Jahre 320 das Kreuz zum römischen Reichssymbol, der Sonne, synkretistisch hinzugefügt [5]. Die Sonne aber ist wiederum das Symbol des im Römischen Reich weitverbreiteten Mithraskultes, der Verehrung des heidnischen Sonnengottes. Mithras stellt eine persische (iranische), Mitra eine indogermanische Gottheit dar. Die Römer nennen ihn Mithras, den Gott des Lichts; seit dem Jahre 307, von der Herrschaft Cesar Diokletians an, gilt er als Beschützer des Reiches” (fautor sui imperii); unter ihnen avanciert er auch zum Gott der Soldaten und Händler. Wörtlich übersetzt „Mithras” ist gleichbedeutend mit Vertrag; wer auch immer ihm dient, will nicht nur, daß seine Verträge gedeihen; er geht auch selbst einen Vertrag, eine rechtskräftige Verbindung ein – mit dieser Gottheit. Als stiertötender Mithras wurde er in der römischen Kaiserzeit zu einem Mysteriengott, dessen Kult im 3./4. Jh. bes. unter den römischen Legionen verbreitet war. Er galt hier als ‚unbesiegbarer Sonnengott’, dessen Geburt am 25. Dezember gefeiert wurde.” (Zitiert aus: Meyers Neues Lexikon, Bd. 9, S. 435, Bibliographisches Institut Leipzig 1974). Im Jahre 337 stirbt Konstantin, nachdem er das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt hat; auch sie sollen das Reich als augusti führen, als „Erhabene”, „Ehrwürdige”, „den Göttern Geweihte”, ja Gottgleiche wie er. Der hier ganz offensichtlichen Lästerung des einen, wahren Gottes ist also kein Ende gesetzt worden. Erst auf dem Totenbett läßt er sich taufen – von Eusebius, dem Bischof in Rom – und gilt fortan als „dreizehnter Apostel” der Christenheit. Doch wo steht solches in der Bibel?

    Wollte Konstantin die Christen „nur tolerieren”, damit aber für seine Zwecke einnehmen, instrumentalisieren und beherrschen, geht der nachfolgende Kaiser Theodosius (347 - 395) noch einen Schritt weiter: Im Edikt cunctos populos (380) erklärt er das nunmehr vermischte und in römischem Sinne verdrehte Christentum ganz zur Staatsreligion. Damit setzt sich die Welt endgültig an die Spitze der Christenheit und gebraucht sie fortan ganz für ihre Zwecke. Und um ihre Ziele zu erreichen, kommt ihren Herrschern die zahlenmäßig zwar weitverbreitete, doch geistlich geschwächte, weil sich immer mehr von Gott entfremdende und zunehmend verweltlichende Christenheit gerade recht, ist sie doch zu einem Teil derselben Welt geworden, die sich inzwischen aus den gleichen Quellen nährt. So haben die Christen längst ihre Gefährlichkeit, Kraft und Schärfe verloren; das Salz, das sie nach dem Willen des Herrn doch sein sollten, ist so kraftlos geworden, daß es nach Gottes Wort nun unter die Heiden geworfen und zertreten werden wird (Mt 5. 13, Lk 14. 34). Allzu lange hat man in der Sünde verharrt; damit aber hat man Satan Raum gegeben und den Geist Gottes betrübt, da man Menschenherrschaft an die Stelle des göttlichen Hauptes setzte (Eph 4. 27, 30). Gibt man dem Teufel Raum, dann gewährt man ihm Anrechte, Anrechte, auf die er keineswegs verzichten wird, wie die Folgezeit beweist. Während Gottes Geist sich noch mehr zurückzieht, hat der alte Feind nun endlich bekommen, was er haben wollte; und so fügt sich Schachzug an Schachzug in einem Kampf, der doch so gerne verborgen bleiben will – und noch lange verborgen bleiben soll. Hier also erreicht die Entwicklung ihr vorläufiges Finale, und so wird – aus der Herrschaft des römischen Reiches und der damit einher gehenden okkulten Verbindung heraus – nicht weniger als der Anfang eines vermeintlich „christlichen Weltreiches” eingeläutet!

    Der Grundsatz des Herrn, daß das Reich Gottes ein unsichtbares Reich ist (Lk 17. 20 – 21), zwar in, so doch nicht von dieser Welt (Jo 18. 36), ist nun ganz aufgegeben, nachdem man ihn schon im Vorfeld immer weiter ausgehöhlt hat. Der Unterschied zwischen der Christenheit und der sie umgebenden Welt verwischt danach völlig. Hier haben wir nicht nur einen offenen Einbruch, sondern eine Übernahme des Christentums durch okkulte Mächte vorliegen, wie sie gründlicher kaum sein kann. Damit aber kommt es zur endgültigen Vermischung und Verquickung mit dem Heidentum, einem Heidentum, das sich fortan nur noch „christlich” nennen wird. Die Umdeutung heidnischer Elemente zu christlichen Inhalten setzt sich fort, und die alte Götterwelt darf unter christlichem Namen ihre Einflüsse weiter geltend machen. Besonders bei der Einführung von Festtagen wird dies deutlich. So wird das Fest der Geburt des Herrn auf den Tag der heidnischen Sonnenwende, dem 25. Dezember, gelegt, nachdem dies vordem als heidnischer Brauch noch erkannt und zurückgewiesen worden war. Erste Erwähnung findet es um das Jahr 217 unter dem Papst Hypollyt, einem frühen Gegenpapst. Unter Konstantin II. wird auch in Rom die heidnische Sonnenwendfeier (natalis sol invictus, Geburtsfest der unbesiegbaren Sonne) begangen, eine Festlichkeit, die ab 388 ganz offiziell als Geburtsfest Jesu gilt. Auch hier begegnet uns der bereits seit etwa 450 vor der Zeitrechnung weitverbreitete Mithras- oder Sonnenkult wieder; Mithras, der Sonnengott oder vermeintliche Gott des Lichts, soll, wie oben angeführt, an gerade diesem Tag [6] geboren sein.

    Und so geht die Religionsvermischung immerfort weiter. Das biblische Passahfest wird zum Osterfest, benannt nach dem Namen der Astera oder Astarte, der altbabylonischen Fruchtbarkeitsgöttin, deren Verkörperung wir auch in der germanischen Frühlingsgöttin Ostara (Ostern althochdeutsch: Ostarun) wiederfinden. Man legt es dementsprechend auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Mit diesen und anderen Maßnahmen hofft man die tief im Heidentum verstrickten Nationen, besonders die germanischen Stämme, zu gewinnen. Auch soll nichts mehr an das alte Bundesvolk Israel erinnern, das man unterdessen so sehr haßt, weil man meint, daß Gott es aufgegeben und Sich statt seiner der nun entstandenen Kirche zugewandt habe. Fortan schaltet und waltet man nach Gutsherrenart. Glaubenssätze werden vom Kaiser erlassen und gelten als weltliches Gesetz, einem Grundstock einer alsbald heranwachsenden und schnell erstarkenden Inquisition. Weiter vorn haben wir einige dieser Gesetze erwähnt. Im Zentrum steht nun nicht mehr der Wille Gottes, sondern mehr und mehr die Durchsetzung wirtschaftlicher und politischer Interessen, die regelmäßig zum Willen Gottes umgedeutet werden. Spätestens hier gerät „der Klerus auch an weltliche Macht; hat er anfangs sich nur über die Brüder erhoben, weil er mehr sein wollte als sie, wird er später ein ganzes, als christlich bezeichnetes, weltlich-politisches Gemeinwesen zu regieren und über Gut und Böse zu richten haben. Der, der sein Schwert einst hatte in die Scheide stecken sollen, der gebraucht es nun, wähnt er sich doch von Gott gesandt. „Deus lo vult, heißt es jetzt, „Gott will es”.

    Schließlich erheben sie, nachdem sie zu Kirchenfürsten und damit zu Teilhabern politischer Macht geworden sind, wie jeder Staat auch Steuern; ihr inzwischen angehäufter Landbesitz ist so immens, daß sich die Kirche in der Lage sieht, Ländereien als „Lehen” sogar an Könige vergeben zu können. Eine immer weiter verarmende Landbevölkerung kann die Abgaben für diese Ländereien, von denen sie ein karges Leben fristen muß, kaum mehr aufbringen; Frondienst wird eingeführt, um so die schnell entstehenden Schulden abarbeiten zu lassen; Leibeigenschaft entsteht. Die dem Alten Testament entlehnte und auch in heutigen Gemeinden häufig anzutreffende Sitte, einen Zehnten einzufordern, findet auch hier seine reichliche Verwendung – im Osten vom vierten Jahrhundert an, im Westen spätestens seit dem sechsten (2. Synode von Mâcon 585, Synode von Heristal 779 für das Frankenreich). Das zum Teil gewaltsame Eintreiben von Zehnt- und anderen Abgaben, das in seiner Unnachgiebigkeit und Unbarmherzigkeit gerade in deutschen Landen zahlreiche Bauernaufstände und schließlich die Bauernkriege (1524 - 1525) auslöste, wird im Mittelalter zum besonders herausragenden Merkmal. Als Form der Kirchensteuer wird der Zehnte – er beträgt etwa die Hälfte aller Einnahmen – bis weit in das achtzehnte Jahrhundert hinein überdauern. Noch heute haben sich in so manchen süddeutschen Klosterarealen jene Vorratshäuser erhalten, die man seit jeher als Zehntscheunen bezeichnet; eine Übernahme des alttestamentlichen Kornhauses aus der Zeit Maleachis (vgl. Mal 3. 10). Hier wird die Spitze einer Entwicklung erreicht, die bereits um das Jahr 200 einsetzte, als man schon damals die bislang übliche, allgemeine Verurteilung des Reichtums aufgegeben hat und seither die Verwendung des Überschüssigen nicht mehr für die Bedürftigen, sondern für die Kirche einfordert.

    Die vormals Armen sind nun zu Reichtum gekommen, die zum unmündigen Volk Degradierten dagegen bleiben nicht nur arm, sondern werden immer ärmer. So werden aus Dienern Herren, aus Benachteiligten Bevorzugte, aus Verfolgten schließlich Unterdrücker. Der Knecht, der dem Gesinde nach Jesu Wort doch allein Speise reichen sollte, spricht nun: Mein Herr kommt noch lange nicht! und fängt an, die, die doch nur seine Mitknechte sind, zu schlagen und zu berauben (vgl. Mt 24. 45 - 51). An die Stelle des klaren Wortes Gottes ist längst ein Wust von Menschen- und Kirchenlehren getreten. Das Lesen der Bibel wird unterbunden und bleibt, wenn überhaupt, allein dem Klerus vorbehalten; das Lesen der Messen erfolgt in Latein, einer Sprache, die das einfache und ungebildete Volk ohnehin nicht versteht [7]. Wohl gibt es Bibelübersetzungen auch in deutscher Sprache. Und es sind nicht wenige; immerhin 18 zählt man vor Luthers Zeit. Sie sind jedoch nur wenig verständlich und kaum lesbar; auch sind sie aus der Vulgata, der lateinischen Übersetzung der Kirche entnommen, während Luther später den griechischen Erasmus-Text, den textus receptus verwenden wird, der sich im Wesentlichen auf den byzantinischen Reichstext, die Koine, gründet. Es gibt allerdings auch nicht viele, die überhaupt lesen und schreiben können, weswegen man die Fenster der Kirchen mit bunten, teils prächtigen Mosaiken ausstattet, die einzelne Begebenheiten aus der Bibel oder auch Heiligengeschichten darstellen. Die Wenigen, denen der Himmel geöffnet ist und die den engen Horizont ihrer Zeit zu durchbrechen wagen, enden in den Kerkern der Inquisition oder auf dem Scheiterhaufen. An Stelle der klaren Gnade stehen längst Kirchengesetz und Ablaßhandel.

    Damit ist in etwa die Situation umschrieben, die wir an der Schwelle jener Zeit vorfinden, in der Gott Sich den Augustinermönch Martin Luther (1483 – 1546) zum Werkzeug erwählen wird. Der unter eigener Sündenerkenntnis zusammengebrochene Bruder, den die Frage umtreibt, wie ein gnädiger Gott zu finden sei, bricht schließlich auch zu dieser Erkenntnis durch. Vom Werk gelangt er zur Gnade, vom Gesetz zum Glauben. Die mächtigen Schläge seines sola gratia, sola fide, sola scriptura (allein die Gnade, allein der Glaube, allein die Schrift) hallen durch die Lande. Die sächsische Kanzleisprache, die Grundlage unseres heutigen Hochdeutsch, entsteht. Erstmals kann eine verständliche Bibelübersetzung herausgegeben werden; Luthers Septembertestament(1522) erblickt, nach nur elfmonatiger Übersetzungszeit, das Licht der Welt; endlich gefolgt von der ganzen Biblia Deudsch” (1534). Es ist in der Tat eine gewaltige Erschütterung, die die Reformation auslöst. Die Welt wird danach eine andere sein als vorher. Doch die geistliche Höhe der Urgemeinde wieder zu erreichen, das gelingt auch der Reformation nicht. Es klafft doch ein allzu großer Unterschied zwischen dem, was Gott mit der Reformation wirken wollte, und dem, was aus ihr schließlich durch Menschenwillkür geworden ist. Und so finden wir auch hier jenen großen Fall vor, der uns anhand der Apostelgeschichte schon beschäftigt hat und im weiteren Verlauf noch weiter beschäftigen wird.

    Kann das Werk, in dem der Reformator stand und dessen gute Früchte wir auch heute genießen dürfen, mit solchen Betrachtungen geschmälert werden? Wir denken nicht. Beachten wir doch nur einmal die Zeit vielfältigster Wirren, des weithin verbreiteten, nicht nur katholischen Mystizismus, alles Dinge, in denen auch Luther steckte; vergessen wir dabei auch nicht jene gewaltigen inneren wie äußeren Kämpfe, denen er ständig ausgesetzt war, und nicht zuletzt seinen großen Mut, den Gott ihm verliehen hatte – in einer Zeit, in der das Leben eines wahrhaftigen Gläubigen unter ständiger Bedrohung stand. Und doch ist es die Wahrheit, der wir hier auf die Spur zu kommen suchen; wir suchen Wahrheit als Antwort auf unser großes Warum”. Die heute leider vorherrschende Idealisierung und Schönfärberei, deren Verbreitung das Bild jener Tage zu unserem eigenen Nachteil so sehr verfälscht hat, hilft uns hier nicht weiter; sie führt den, der ihr allzu leicht glaubt, vielmehr in die Irre und sorgt geradezu dafür, daß die Wahrheit auch weiterhin nicht ans Licht kommt. So tappen wir im Dunkeln wie schon Tausende vor uns, ziehen falsche Schlüsse und bauen unser Leben weiter auf ein Fundament, das keines ist.

    Im Folgenden werden wir des Öfteren vom jungen und vom alten Luther zu sprechen haben, eine Unterscheidung, die auch in der Lutherforschung nicht unbekannt sein dürfte. Anhand dieser Unterscheidung also, die ja einen Werdegang kennzeichnet, wird alsbald deutlich werden, daß zwischen dem, was Luther am Anfang darstellte, als Gott Sich ihm offenbarte, und dem, was am Ende von dieser Offenbarung in seinem Leben übrig geblieben war, ganze Welten auseinander klaffen. Und so erleben wir vor allem, wie der alte Luther sich mehr und mehr aus Wahrheiten zurückzieht, die der junge Luther unter dem klaren Einfluß des Geistes Gottes noch als richtig erkannt hat. Dieser Rückzug findet insbesondere in der lutherischen Tauf- und Rechtfertigungslehre ihren Niederschlag. Das Hin und Her, das Schwanken zwischen Licht und Schatten, das Sowohl-als-auch des umstrittenen simul justus et peccator, „gerecht und Sünder zugleich – wird zum herausragenden Merkmal der Theologie derer, die sich später lutherisch nennen werden. Luther, der anfangs klare, richtungsweisende Aussagen über Glauben und Taufe des Neuen Testaments macht und in ersten Ansätzen die diesbezügliche kirchliche Sakramentspraxis recht deutlich in Frage stellt [8], fällt alsbald doch wieder in das alte magisch-ritualistische Taufverständnis und den damit verbundenen Sakramentalismus der römischen Kirche zurück. Ihre Theologie, nach der die kirchlichen Sakramente – Gnadenmittel – ex opere operato, d. h. durch bloßen Vollzug wirksam werden, also ohne Mitwirkung des Menschen, wird zum entscheidenden Bestandteil auch der lutherischen Gnadenlehre.

    Luther wird nicht einfach „nur” der Säuglingstaufe verhaftet bleiben. Bald wird er auch zu deren heftigstem und unnachgiebigstem Verfechter; die so genannten „Wiedertäufer” wird er später mit abgrundtiefem Haß bekämpfen und vielfach der weltlichen Obrigkeit ausliefern. Die vermeintliche Notwendigkeit der Vermittlung durch die Kirche – im Sinne des sie regierenden Klerus – bleibt bei Luther unangefochten; allein sie spendet die Gnadenmittel; nur sie vermittelt auch das Wort; ohne sie, ohne ihre Vermittlung gibt es also auch bei ihm kein Heil. Luther, der doch so viele unverzichtbare und wertvolle Sätze von Freiheit und Dienst des Christenmenschen darzulegen hat, vermag diese Unfreiheit zuletzt nicht aufzugeben. Großen und lebenslangen Einfluß wird sein Freund Philipp Schwarzerdt, genannt Melanchthon (1497 – 1567) auf ihn ausüben. Obschon er viele wichtige und unverzichtbare Dinge beizutragen hat – er führt Luther u. a. ins neutestamentliche Griechisch ein – ist er in vielen Dingen ein schlechter Ratgeber; er ist nicht nur im Humanismus, sondern auch zutiefst im Okkultismus seiner Zeit verstrickt. Zu nennen sind ganz offenbar spiritistische Einflüsse; ganz besonders aber hat die Astrologie, eine Form der Wahrsagerei, es ihm angetan. Melanchthon spricht einige Male davon, daß ihm Verstorbene begegnet seien, ein Phänomen, das sich für gewöhnlich nur bei okkult Belasteten ereignet (siehe: Melanchthonis, Ph.: Opere quae supersunt omnia, hrsg. C. G. Bretschneider, Bd. XIII, Halle 1846, Spalten 101, 175). An der Wittenberger Universität hält er jahrzehntelang Vorträge über die Sterndeutung, und mehrere Landesherren und Fürstenhäuser lassen bei ihm regelmäßig ihre Horoskope erstellen! Luther ist zunächst sogar selbst von der Astrologie überzeugt; ihm kommen erst dann Zweifel, als mehrere Vorhersagen Melanchthons in seinem eigenen Lebensumfeld sich nicht erfüllen; fortan wird er sie lediglich „eine schäbichte Kunst” und „eine subtile Narretei” nennen und auch als eine solche abtun. Offensichtlich ist es ihm eine Not, daß derlei Künste für ihn nicht wirklich funktioniert haben. Über die geistlichen Bindungen an Satan jedoch, die in der Tat der eingeht, der ihre Dienste begehrt, verliert er nicht allzu viele Worte.

    Okkulte und mystische Einflüsse liegen wie ein Schatten auf dem Werk der Reformation, verderben und verunreinigen die Quelle Gottes, die sie nach Seinem Willen doch sein sollte, mehr und mehr. Dazu kommt, daß die Reformation eben nicht nur ein geistlicher, sondern vor allem ein politischer Vorgang ist. Im Zuge solcher Vermischung gelingt es Luther dann auch immer weniger, sich vom Einfluß der weltlichen Fürsten zu lösen, wie dies besonders unter dem Eindruck der Bauernunruhen um Mühlhausen und anhand seiner Reaktionen auf diverse Fehlentwicklungen um die Person Thomas Müntzers ersichtlich wird. Müntzer will das Reich Gottes in die eigene Hand nehmen, indem er den Sturz der Fürsten betreibt; ihm schwebt so etwas wie ein Paradies auf Erden” vor. Luther vermag dieser Schwärmerei allerdings nicht auf geistliche Art zu entgegnen, indem er etwa weiter das Gespräch gesucht und die dortigen Entgleisungen in Liebe und Geduld richtiggestellt hätte, um wenigsten das Schlimmste abzuwenden. Vielmehr läßt er sich – in seiner ihm ganz eigenen Art – zu beispiellosen Haßtiraden über Müntzer und seine Schar hinreißen. Wohl hat er anfangs versucht, auch die Fürsten auf ihre Verantwortlichkeit gegenüber dem von ihnen ausgepreßten und mithin leidenden Volk hinzuweisen. Doch erscheinen all diese Ermahnungen unentschlossen und viel zu blaß; so verhallen sie zumeist ungehört. Schließlich erscheint 1525 Luthers umso deutlichere Schrift Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, in der er einseitig für die Fürsten Stellung bezieht und von ihnen gnadenlose, brutale Vergeltung an den Aufständischen fordert. Viele der Fürsten, die bis dahin noch ihr Gewissen zögern ließ, greifen erst wegen dieser Schrift hart durch, veranstalten ein Blutbad, metzeln die Aufständischen nieder. Daraufhin wenden sich breite Volksmassen von Luther wieder ab. Ihr Luther ist er nicht.

    Um des Schutzes und des Einflusses der Fürsten willen weicht Luther immer mehr von der Wahrheit zurück, gibt mehr und mehr auf, was er einst erkannte. Im Jahre 1540 wird er etwa die Doppelehe Philipps von Hessen billigen. Seine ständige, zuweilen heftig ausufernde Unduldsamkeit und die damit verbundene, offensichtlich kaum ausgeprägte Fähigkeit, erkannte Fehlentwicklungen in Liebe geradezurücken, dabei aber gleichzeitig auch das Gute anzuerkennen und stehenzulassen, sind schmerzliche Stolperfallen, aus denen Luther bis zu seinem Tode nicht herauskommen wird. So wird nur allzu oft „das Kind mit dem Bade” ausgegossen, ein Erbe der Reformationszeit, das bis auf den heutigen Tag überdauert hat. Gleichzeitig leidet gerade das Luthertum an einer kaum überbietbaren Vermischung mit ungeistlichen Elementen, woraus sich dann auch seine zahlreichen inneren Widersprüche herleiten lassen. Nichtsdestotrotz erstarrt es in der Folgezeit immer mehr zu einem festgefahrenen Hort toter Orthodoxie. Aus der persönlichen Glaubensbeziehung zu dem lebendigen Gott wird zunehmend eine Hingabe an ein zu glaubendes Bekenntnis. In geradezu panischer Angst, immerfort getrieben von dem Gespenst der Schwarmgeisterei, wird das noch junge Luthertum sich schließlich zur Verfolgung derer anschicken, die „ganz und gar” mit Gott gehen wollen, eine Tatsache, die etwa mit der Verfolgung der Schwenckfelder in Schlesien oder auch der Täuferbewegung traurige Höhepunkte erreicht.

    Besonders Luthers Schüler entwickeln dabei einen bislang nie dagewesenen Fanatismus. Man begnügt sich inzwischen nicht mehr mit einer Entgegnung in Wort und Schrift. Treue Bekenner der Wahrheit werden nun auch gewaltsam bekämpft, verschleppt und gefoltert; gläubige Frauen zerrt man an den Haaren aus ihren Häusern, schleift sie in die lutherischen Kirchen, damit sie „die reine Lehre” hören sollen; Täufer werden mißhandelt, gehenkt oder ertränkt. So grenzenlos ist der Haß, daß er in seiner Intensität und Schroffheit Luthers Ablehnung des Katholizismus noch übersteigt und ihn in dieser Frage mit den Gegnern von Einst gemeinsame Sache machen läßt. Schon 1529, im selben Jahr also, in dem Luther seinen Katechismus verfaßte, haben auf dem Reichstag in Speyer Protestanten und Katholiken gemeinsam (!) beschlossen, alle „Wiedertäufer” auszurotten. Die Ablehnung nicht nur des Täufertums und der ihr innewohnende tiefe Haß bestimmt Luthers spätere Theologie maßgeblich, zieht sie am Ende mit sich hinunter und verdirbt damit all das Gute, das ohne Zweifel auch in ihr zu finden ist. Schon ein klein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig, schrieb Paulus einst; mit dieser Durchsäuerung aber wird nun der ganze Teig unbrauchbar (Ga 5. 9; vgl. auch 1Kor 5. 6 - 8). Wie einseitig zudem die sich immer mehr auf die Bekämpfung Andersgläubiger ‚einschießende’ lutherische Orthodoxie inzwischen geworden ist, offenbart die von Melanchthon verfaßte Confessio Augustana, die Augsburger Konfession, die sicherlich als das Zentraldokument der Bekenntnisschriften der späteren Lutheraner schlechthin angesehen werden kann; bis auf den heutigen Tag werden evangelische Pfarrer auf sie hin ordiniert und festgelegt. Sie verschwendet allein fünf Artikel darauf, die „Wiedertäufer” zu verdammen (CA, Art. 5, 9, 12, 16 und 17). Die Verfolgung der Täufer geschieht also nicht zuletzt auch auf das Betreiben Melanchthons hin. Der verfaßt 1531 ein Gutachten, in dem diese als Gotteslästerer und Aufrührer bezeichnet werden; Luther unterzeichnet mit placet mihi Martino Luthero, „mein Einverständnis, Martin Luther. Schwere Ausschreitungen sind die Folge. Im Jahre 1536 folgt ein weiteres Gutachten, diesmal von Beiden, in dem schließlich die Hinrichtung der so Verhaßten befürwortet wird. So werden noch im selben Jahr in Jena – in Anwesenheit Melanchthons! – drei Täufer gehenkt; Hunderte werden ihnen um der Wahrheit und um ihres Glaubens willen in den Tod folgen, und Blutschuld fügt sich an Blutschuld. Die Verfolgung schriftgläubiger Kinder Gottes, während seitens der Reformatoren zugleich doch der Anspruch biblischer Rechtgläubigkeit immer wieder erhoben wird, ist gewiß eines der dunkelsten und widersprüchlichsten, darin aber zugleich auch eines der bezeichnendsten Kapitel der Reformationsgeschichte. Schon früh wird berichtet, daß im Verlies der Wartburg ein Täufer einsaß, während Luther nicht weit von ihm sein Neues Testament übersetzte – ganz gewiß symptomatisch für jene Zeit.

    So wird im Nachhinein vieles zum Licht erklärt, was keines ist; damit aber wird es den vielen, deren Augen allzusehr auf Luther ausgerichtet sind, nicht nur zur theologischen Falle, sondern auch zum Stolperstein des Lebens der Vielen, die ihnen folgen wollen. Die tragischen Folgen einseitiger Lutherverherrlichung sowohl in der Forschung als auch in der Theologie sind bis heute vor aller Augen. Gerade die Pfarrer lutherischer Prägung, die – jenseits aller unsachgemäßen Bibelkritik – wirklich Gott und Sein Wort aufrichtig suchen, um darin „mit Ernst Lutheraner sein zu wollen”, tragen schwer an ihrem übernommenen Erbe, brechen wegen des Wustes seiner Theologie kaum in die Freiheit durch; haben sie sich doch an sie gebunden. Freilich; das Leben Gottes ist stark; es hat ein unvergängliches (wörtlich: athanasion, unertötliches) Wesen (1Kor 15. 53, 54; 2Tim 1. 10), und so wird es sich immer wieder durchzusetzen wissen, durch alle menschliche Verdunkelung hindurch (Hi 38. 2) – ganz gleich, wie die Umstände auch immer sein mögen. Hier gibt es kein „Weil”, aber doch gibt es das „Trotzdem!” der Gnade Gottes; wenn dem nicht so wäre, wären wir noch tot in Sünden. Seien wir also niemals undankbar für die zahlreichen geistlichen Aufbrüche gerade im kirchlichen Bereich, seien wir dankbar für die Väter, die Gott uns gab, und die uns trotz ihrer Mühsal geistlich gezeugt haben durch das Evangelium (vgl. 1Kor 4. 15)! Und doch kommen wir nicht an der Wahrheit vorbei; wir nicht, und – darf ich's wagen? – auch ihr, liebe Väter nicht. Ist es nicht die Liebe, die uns treibt, was treibt uns dann? Was ist unsere Motivation? Dieselbe Liebe, die die Brüder ehrt, freut sie sich nicht gleichermaßen mit der Wahrheit (1Kor 13. 6)? Können wir das jemals voneinander trennen? Können wir Gemeinschaft mit der Wahrheit eintauschen? Sollten wir nicht vielmehr um der Wahrheit willen diese Gemeinschaft gerade von Neuem suchen, um sie dort, wo sie zerbrochen ist, wieder aufrichten zu helfen? So muß doch einander in Liebe gesagt werden, was zu sagen ist, muß endlich gemeinsam aufgearbeitet werden, was aufzuarbeiten ist. Hier ist kein Ausweichen mehr möglich, nachdem wir diesen Fragen nun zu lange schon ausgewichen sind und jeden auch noch so kleinen Versuch, sie zu beantworten, immer wieder neu tabuisiert haben.

    Wer also an das gebunden ist, was wir auf diesen Seiten nicht ohne inneren Kampf zu erklären gewagt haben – anhand der Fakten, wie wir meinen – , der mag wohl an dieser und jener Stelle in einzelne Bereiche der Freiheit eintreten, seine „Decke” auch einmal durchbrechen. Wir haben ja weiter oben gesehen, daß das Leben Gottes sich immer wieder durchzusetzen vermag. Und doch lebt der an einer Kette, der so gebunden ist; er wird von ihr festgehalten und zurückgezogen; so wird, ja muß er folgerichtig immer wieder in das Alte zurückfallen, kann nicht wirklich davon frei werden, solange diese Bindung noch besteht. Und darum bleibt diese Decke, unter der er lebt, schließlich doch vor seinen Augen, geschieht ihm dasselbe, was mit dem Volk Israel geschah, solange es noch das Gesetz des Mose las: ihre Gedanken wurden verstockt. Und nur in Christus Selbst – nicht in Glaubensformeln über Ihn, nicht von Hörensagen, nicht vom Buchstaben, sondern in dem Offenbarwerden Seiner Person! wird die Decke abgetan, wird also unser Denken frei (vgl. 2Kor 3.12 – 18; siehe auch Hi 42. 5 - 6). Hier geht es in der Tat darum, eine schwere Gebundenheit zu lösen, die der Gefangene selbst nicht erkennen kann. Denn solange er diese Decke noch vor Augen hat, sieht und fühlt er seine Ketten nichtganz besonders dann nicht, wenn man die Dunkelheit der Decke zum Licht erklärt, das seinen Betrachter fortan leiten soll! Meint hier vielleicht irgend jemand von uns, davonzukommen? Gilt dies etwa nur für lutherische (katholische, baptistische, pfingstlerische...) Theologen? Oder tragen hier nicht allzu viele das Wort „frei im Namen, die gar nicht wirklich frei sind und die, ohne sich ihrer Gebundenheit je gewahr zu werden, in den Ketten eines anderen Evangeliums umherlaufen, in Dingen, die wir im Verlaufe dieser unserer Schrift, wie ich meine, zur Genüge betrachtet haben?! Wie sagte doch unser Herr, wie wichtig unser Auge sei

    „Dein Auge ist die Leuchte des Körpers. Folglich, wenn dein Auge klar ist, wird auch dein ganzer Körper licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, wird auch dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist – wieviel dichter ist dann die Finsternis!

Mt 6. 22 – 23

    Wie also steht es um unser Auge – ist es klar?

    Fahren wir nun mit unserer Geschichtsbetrachtung fort, und schlagen wir ein anderes Kapitel auf, das seitens einiger Kirchenhistoriker nur allzu gern übergangen wird. Wir können dies nicht, solange wir wahr sein wollen. Es ist das der kirchlich-abergläubischen Praxis der Hexenverfolgung, die auch in der lutherischen Tradition lange ungebrochen scheint. Bis dahin eher selten praktiziert, lebt sie gerade in der Reformationszeit kräftig auf; sie wird die Lutherzeit noch bis weit ins achtzehnte Jahrhundert hinein überdauern, bis schließlich 1792 in Posen die Letzte dieser Unglücklichen hingerichtet werden wird. Die wenigsten von ihnen werden wohl wirklich etwas mit Satan zu tun gehabt haben. Dennoch wird sich Luther, in Anlehnung an das Gesetz des Alten Bundes (vgl. 2Mo 22. 18), mehrfach dafür aussprechen, diese vermeintlichen „Hexen” zu töten. Wie handelte Christus, um Menschen von ihren Gebundenheiten zu befreien? Er löste sie von ihren Ketten und heilte sie; vor allem aber befreite Er sie, indem Er die Dämonen aus ihnen austrieb; wohl belehrte Er sie auch Gehe hin und sündige nicht mehr (Jo 5. 14, 8. 11) ; damit aber versetzte Er sie in einen Stand der rechten Gottesbeziehung, der Ordnung und damit des Friedens (vgl. Mt 17. 14 – 18, Mk 5. 1 – 15 u. v. a.). Hier aber will man nicht dienen, nein – man will sich eines Problems entledigen, indem man tötet; und so scheint in der Tat nicht nur Gottes Wort, sondern auch die Gnade und das Erbarmen vergessen, von dem Luther andernorts so viel Wertvolles und Gutes zu schreiben und zu sagen weiß.

    Und doch predigt er am 6. Mai 1526, in der schier grenzenlosen Frauenfeindlichkeit seiner Zeit stehend, das Böse mit dem Weiblichen gleichsetzend: Das Hexen ist ihnen von der Mutter Eva (?!) angeboren, daß sie äffen und betrügen., und weiter: Die Zauberinnen sollst Du nicht leben lassen... Es ist ein gerechtes Gesetz, daß sie getötet werden. Sie richten viel Schaden an... sie können auch ein Kind bezaubern... schaust du solche Weiber an, wirst du sehen, daß sie ein teuflisches Gesicht haben. Ich habe deren etliche gesehen ... man töte sie nur. Auch dem Gedanken der Folter ist er nicht abgeneigt: Wenn sie sich nicht bekehren, so sagt er, werden wir sie den Folterknechten befehlen [9]. Ob diese Dinge wirklich etwas mit der ganz allgemeinen Haltung der Reformationszeit zur Frau zu tun haben? Sie bleibt jedenfalls bei Luther zeitlebens eine sehr problematische, biblisch nicht nachvollziehbare. Daran ändert auch die in der Geschichtsschreibung oft als Idealbild dargestellte Ehe mit Katharina von Bora (1525) im Wesentlichen nichts. Für ihn ist die Frau lediglich ,,ein halbes Kind, ein tholl Tier; sie habe vor allem sich zu bücken. Noch 1672, sechsundzwanzig Jahre nach Luthers Tod, wird in Wittenberg die reformatorische Schrift Femina non est homoDie Frau ist kein Mensch erscheinen!

    Bald, gegen Lebensende, kommen offene antisemitische Ausfälle hinzu; die Schrift „Von den Jüden und ihren Lügen” wird verfaßt (1543). In den Nürnberger Prozessen wird, mehr als fünfhundert Jahre später, der Judenhasser Streicher sich ausgerechnet auf diese Schrift berufen und sagen, daß Luther neben ihm in der Anklagebank stehen müsse, wenn er zu seiner Zeit gelebt hätte. Der junge Luther hatte sich 1523 in seiner Schrift Daß Jesus ein geborener Jude sei zwar noch wohlwollend und verständnisvoll über das jüdische Volk geäußert. So heißt es darin: Wäre ich ein Jude gewesen und man hätte mich so behandelt, wie es die Christen getan, ich wäre niemals ein Christ geworden. Denn sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde und nicht Menschen. Doch die Juden widerstehen seinen Missionierungsversuchen. Und so wird der alte Luther, enttäuscht, verbittert und in Verwerfung früherer Erkenntnisse offen dazu auffordern, Juden zu harter Zwangsarbeit abzuführen, ihre Häuser zu schleifen, ihnen ihre Schriften und Gebetbücher zu rauben und ihre Synagogen zu verbrennen...

    Immer mehr kristallisiert sich eine Entwicklung heraus, an deren Ende neben der römischen Kirche schließlich eine ebensolche evangelische stehen wird. Schon 1527 beschließen Luther und Melanchthon die Bildung staatskirchlicher Verbände, der Landeskirchen. Deren Durchsetzung soll ausgerechnet in den Händen der Fürsten liegen; sie sind deren Oberhäupter – Oberhäupter, die in der Regel nach biblischem Urteil nicht einmal geistlich wiedergeboren sind! Und so wird wieder einmal das göttliche Haupt aus der Mitte gedrängt, soll der Mensch das richten, soll die Welt in das hineinreden, was doch nur das Haupt verfügen kann – mit verhängnisvollen Folgen. Die Verknüpfung von Kirche, Politik und Menschenherrschaft bleibt also auch hier aufrechterhalten. Religionsfreiheit gewährt man später zwar den Ständen, nicht aber dem einfachen Volk. Cuius rego, eius religio (wessen das Land, dessen die Religion), so lautet das Edikt des Augsburger Religionsfriedens von 1555. Wer welcher Konfession anzugehören hat, bestimmt also auch weiterhin nicht das Gewissen, sondern der Landesherr; das Haus des Pfarrers (eigentlich des Pfarr-Herrn, des „Herrn über einen genau abgesteckten, religiösen Verwaltungsbezirk) repräsentiert, besonders in ländlichen Gegenden, gleichzeitig die weltliche Obrigkeit. Was von wem also „zu glauben” ist, das läßt sich daher „notfalls” auch mit landesfürstlicher Gewalt durchsetzen. Man macht in der Folgezeit fleißig Gebrauch davon. Fortwährend züngeln Kriege durch die Lande, in denen es vorgeblich um die Religion, in Wahrheit aber immer um Macht und Pfründe gehen wird. Das Land kommt nicht zur Ruhe. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) erreicht dieser Verlauf einen vorläufigen Höhepunkt. Doch aufgegeben wird diese Haltung nie. Auch in der Zukunft geht es stets um Rechte auf Seiten der Herrschenden und um Pflichten auf Seiten der Untergebenen, und allezeit wird man dies mit der Einsetzung durch den höheren Willen Gottes zu rechtfertigen wissen...

    Wir machen einen Sprung. Der Kontinuität solcher Entwicklungen tut dies keinen Abbruch. Wir von Gottes Gnaden” – mit diesem Schriftzug unterzeichnet schließlich auch das deutsche Kaiserhaus jene Erlasse, die sein Volk in einen Krieg stürzen werden, der den Rüstungsbaronen Milliardenprofite, den ins Feld Gezogenen Tod und Verwundung, den Daheimgebliebenen Not und Entbehrung bringen soll. Es ist die Zeit Wilhelms II., der nicht nur der Kaiser aller Deutschen, sondern auch ihr oberster – protestantischer – Bischof ist. Er, der niemand anderem als Gott allein Rechenschaft schulden will, sehe sich dazu berufen, das Volk einer herrlichen Zukunft entgegenzuführen, verkündet er mehrfach. Doch wie diese Zukunft aussieht, das stellt sich nur zu bald heraus. Der erste von Deutschland aus angezettelte Krieg ist verloren, nachdem man die Jugend des Landes wie die vieler anderer im Felde geopfert, sinnlos dahingeschlachtet hat. Das arbeitende Volk verelendet, und der Winter des Jahres 1918 geht als „Kohlrübenwinter” in die Geschichte ein. Die Parole „Butter statt Kanonen” wird zum geflügelten Wort jener Zeit. Schließlich bricht die Monarchie selbst zusammen, muß der Kaiser abdanken. Die hungernden, orientierungslosen Massen fallen in der Folgezeit vielfach rechten wie linken Bauernfängern anheim. Aus dem Sumpf von Unmoral und Profitgier wird sich alsbald eine verderbliche Ideologie erheben, eine Ideologie, die sich die Gottlosigkeit offen auf die Fahnen geschrieben hat, als Antwort darauf, daß jenen, die das Wort „Gott” im Munde führten, das Schicksal der Massen gleichgültig blieb. Jenen war ihr eigener Stand wichtiger; und so war die damit verbundene Notwendigkeit, ja ihr innerer Zwang zur Erhaltung dieses Standes längst an die Stelle der Liebe getreten – durch lange Jahrhunderte hindurch. Gott freilich hatten sie, die sie doch immerfort bemüht waren, ihre „Sendung” von eben diesem Gott herzuleiten, längst schon aufgegeben. Fortan sollte nur noch Sein Name dafür herhalten, ihr nur allzu irdisches Begehren, ihr Machtstreben und ihre Profitgier zu rechtfertigen.

    Und so brachten die, die der Welt einst doch das Leben bringen sollten, ihr schließlich den Tod, befehligten am Ende Armeen, mordeten und unterjochten sich so die Völker, wie schon Satan Jahrtausende vor ihnen tat – das Ganze stets „im Namen des Herrn”, wie man stets zu versichern wußte (vgl. Jes 14. 12 – 17). – Gott mit uns”, das war immerfort die Devise; eine Devise, die wir zuletzt an den Koppelschlössern der faschistischen deutschen Wehrmacht und der SS eingraviert wiederfinden. Damit war auch hier ein Gipfelpunkt einer Entwicklung erreicht, eines Verhängnisses, das einmal damit begonnen hatte, daß Brüder sich über Brüder erhoben, weil die einen sich zu Höherem gesetzt wähnten als die anderen. Und immer war es genau diese Erhebung, die zum Abfall führte, und der Abfall zum Verlust der brüderlichen Liebe. Inzwischen haben wir die Schwelle des einundzwanzigsten Jahrhundert überschritten; die Wiederkunft unseres Herrn ist näher denn je. Schon werden die ersten Schalen der Gerichte Gottes ausgegossen. Und noch immer hat man aus der hier vorliegenden Entwicklung nichts gelernt, und erklärt menschliche Leiterschaft zum Maß aller Dinge...



Die trennende Wand

    Eine geradezu plastische Anschauung über die Anfänge, die Wurzeln der hier vorliegenden Entwicklung finden wir etwa in der Bauweise mittelalterlicher Klosterkirchen vor, in denen ein so genannter Lettner das Kirchenschiff quer durchteilte: eine trennende Wand, zumeist in Verbindung mit einem gesonderten Altar, der die „drinnen”, im Chorraum Betenden, von dem „draußen” versammelten „gemeinen Volk” absonderte und dieses „Volk” vom inneren Chor gleichermaßen fernhielt. Durch den Lettner führte in der Regel eine kleine Pforte; durch sie hindurchgehen konnte nur der Priester zum Zwecke der Vermittlung „von drinnen nach draußen”, wie der Abhaltung von Messen u. a.; das „Volk” aber blieb „außen vor”. Zwar kann man in dem Bau dieser Kirchen durchaus das Grundmuster der Stiftshütte wiederfinden; ihre Dreiteilung in Vorhof, Heiligtum und Allerheiligstes (das „Heilige der Heiligen”) erscheint hier wieder. Wir haben dieses Thema im zweiten Kapitel unserer Schrift, anhand des Hebräerbriefes, ja schon ein wenig besprochen. Richtig angewendet, kann sich diese Dreiteilung, da sie von Gott kommt und Seine Bauordnung des himmlischen Tempels repräsentiert, als äußerst segensreich auswirken; dies setzt allerdings voraus, daß der „von außen” Herzutretende, durch jene „enge Pforte” hindurch auch bis in das Heiligtum, ja bis in Gottes Allerheiligstes selbst geführt werden kann (vgl. Mt 7. 13 – 14).

    Hier aber hat man „das Volk” gelassen, wo und wie es war; man band es nicht an den Herrn, sondern an die Kirche; und so ist es, da man ihm den Zugang verweigerte, unmündig geblieben bis auf den heutigen Tag. So wurde das erneut zur Wirklichkeit, was unser Herr den Frömmsten Seiner Zeit vorzuwerfen hatte: Waren sie es doch, die das Reich Gottes zuschlossen vor den Menschen; „wehe euch”, sagte Er; „denn ihr geht nicht hinein, noch laßt ihr die hineingehen, die hineingehen wollen” (Mt 23. 13). Und so sind jene Bauten, die sich auch in ihrem Äußeren durchaus als segensreich hätten erweisen können und teilweise auch erwiesen haben, all ihrer Pracht zum Trotz, zuletzt doch zu Stein gewordenen Dokumenten religiös verbrämter, menschlicher Überhebung geworden; einer Haltung, die sich von Anfang an, bis heute, unter der Christenheit erhalten hat, sie durch die Jahrhunderte hindurch so überaus lähmt, in Menschenfurcht gefangenhält und, was darüber hinaus noch viel bedeutsamer ist, der unmittelbaren Gegenwart und der mit dieser Unmittelbarkeit verbundenen Vollmacht unseres Herrn beraubt hat.

    Es gibt nur einen Mittler zu Gott, den Menschen Christus Jesus (1Tim 2. 5); doch hier wollen es viele sein. Dabei ziemt es sich nicht, scheel auf die Katholische Kirche herabzusehen, hat man doch selbst diese noch übertroffen; hat sie nur den einen Papst, so gibt es hier die Vielen, die sich anmaßen, als „Stellvertreter Gottes auf Erden” zu handeln, „im Namen des Herrn” zu schalten und zu walten und den Leib des Herrn zu dirigieren, ganz wie es ihnen beliebt und die anscheinende Notwendigkeit es ihnen diktiert. Ja freilich, das haben sie von Gott empfangen, sagen sie, führen diverse, zumeist aus dem Zusammenhang herausgerissene Schriftstellen an, so daß der, der ein solches Gebaren auch immer in Frage zu stellen wagt, vor der Menge als Rebell gegen Gott dargestellt und so aus der Gemeinschaft ungestraft ausgegrenzt werden darf (vgl. 3Jo 9 – 10). Und so gibt es statt des einen Hauptes, das doch alle gemeinsam wie gleichermaßen führen will, heute deren viele; an der Stelle des einen Leibes, dessen Glieder alle gleichermaßen unter diesem einen Haupt stehen und erst durch diese unmittelbare Verbindung zu dem göttlichen Haupt auch untereinander verbunden sind, gibt es nun die vielen, wiederum aus der Allgemeinheit herausgehobenen und abgesonderten „Geistlichen”, die sich als vorgesetzte „Priester- oder Leiterschaft” dazu gesetzt wähnen, diese Allgemeinheit, als ein Volk von „Laien” und „Nichtwissenden”, regieren und bevormunden zu dürfen.

    Sind sie es denn etwa nicht, die als besonders „Eingeweihte” den Weg Gottes kennen und diesen nun dem „gemeinen Volk”, dem „gewöhnlichen Gläubigen” erst zu vermitteln haben, als denen, die diesen Weg vorgeblich nicht kennen? Sind sie, die als „Amtsinhaber dem so genannten „Volk” gegenüberstehen, denn etwa nicht die „Professionellen”, die vorgeblich „Wissenden”? Haben sie dazu denn nicht studiert, Bibelschulen besucht, einen besonderen Beruf ergriffen und Seminare besucht? Weist sie denn nicht ihr Titel (ihre herausgehobene „Dienstgabe”) als etwas Besonderes aus gegenüber denen, die diese Bezeichnung nicht führen? Und so wird der Weg alttestamentlich anmutender Führerschaft bis heute immer wieder eingeschlagen, durch alle Zeiten, Denominationen, Kirchen, Freikirchen und vorgeblich „freien” Gemeinden hindurch. Hier wird in der Tat getrennt, was in Christus geeint sein wollte. „Ich bin des Kephas, ich des Paulus, ich des Apollos”, hören wir da wieder sagen; „ich folge dieser und du jener Leiterschaft”. Menschliche Leiterschaft aber trennt Brüder voneinander. Denn dort, wo einst der freie Zugang, nicht nur der von dem Bruder zu seinem Haupt, sondern auch der Brüder untereinander stand, dort steht nun der, der eigentlich nichts als Bruder, als Gleicher unter Gleichen sein sollte, als Leiter, zu dem man aufschauen und von dem man Weisungen empfangen soll.

    Und so wird Paulus genau dies Gehabe dann auch als Sektenbildung, wörtlich: hairesis, Seiten-Setzung brandmarken, als Ausdruck von Unmündigkeit, dann als Eifersucht und Hader, als fleischliches Werk also (vgl. 1Kor 3. 1 – 17). Über jene aber, die diese vermeintliche „Ordnung” aufzurichten suchen, ruft er aus:

    „Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr” (Verse 16 – 17).

Und so werden die, die solches verüben, keinen Anteil am Königreich Gottes haben bzw. diesen ihren Anteil ganz unweigerlich wieder verlieren (Ga 5. 19 – 21). Wann wird diese „trennende Wand" zwischen Brüdern, die menschlich angemaßte „Leiterschaftaufgerichtet hat, endlich einmal fallen, wann das Menschenwerk aufhören, wann die Menschenherrschaft ihr Ende finden? Wann wird man damit aufhören, das göttliche Haupt beiseite und Seinen Leib zugunsten menschlicher Hierarchie außer Kraft zu setzen? Gibt es für Gott überhaupt einen Schmerz, der noch größer sein könnte?



Das Königsrecht

    Wie wir in unseren Betrachtungen über die Kirchengeschichte gesehen haben, hat es immer den Drang gegeben, Menschen als Leiter zu suchen und ihnen dann zu folgen. Es ist jedoch ein Weg, der von Anfang an bestand. Auch im alten Israel suchte man sich die vermeintliche Sicherheit menschlicher Führung als einer sichtbaren, scheinbar verläßlichen Größe im Gegensatz zu dem unsichtbaren und aus menschlicher Sicht nie berechenbaren allmächtigen Gottes, der jedoch zu Seinem Wort steht. Als besonders einprägsames Beispiel für diesen verhängnisvollen Weg mag uns das Erleben des alten Samuel dienen, den die Ältesten Israels bedrängten, ihnen einen König einzusetzen, – in erklärtem Widerspruch zum geoffenbarten Willen Gottes – , weil sie dies bei ihren heidnischen Nachbarvölkern so gesehen hatten und auch so sein wollten wie sie (2Sam 8. 1 – 8). Damit werden wir zugleich über die Quelle unterrichtet, woher diese Ordnung kommt: sie speist sich aus dem Heidentum der Nationen, derer also, die unseren Gott nicht kennen bzw. Ihn ganz ablehnen. Die hier vorhandene Neigung, sich immer wieder Könige zu suchen und sich eher unter menschlich-hierarchische Herrschaftsstrukturen zu begeben, als auf die Stimme Gottes zu hören, durchzieht die ganze Geschichte Israels von den Anfängen bis auf den heutigen Tag. Schon Mose hatte sich durch seinen heidnischen Schwiegervater Jethro, dem Priester Midians, dazu überreden lassen, eine solche Ordnung von Oberen „über Tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn einzuführen, obwohl Gott zu ihm nicht darüber gesprochen hatte – und das sehr früh schon; denn Israel war gerade erst dem Sklavendienst Ägyptens entronnen (vgl. 2Mo 18. 1, 13 - 23).

Daß diese Ordnung keineswegs fruchtbringend war, erkennen wir allein daran, daß die Zusage Jethros nicht eintraf, das Volk werde, wenn Mose nur nach dieser Regel täte, „in Frieden an seinen Ort kommen”; das Ziel des von Gott verheißenen Landes wurde auf diesem Wege gerade nicht erreicht, und Mose selbst starb noch vor den Toren desselben Landes, in das er mit dem Volk doch hatte hineingehen sollen (4Mo 20. 2 – 13, 5Mo 34. 1 – 6). Auch war Moses Belastung im Vollzug dieser Ratschläge, wie versprochen, keineswegs geringer geworden – im Gegenteil (4Mo 11. 10 - 15). So waren immer wieder Problemlösungen ersonnen worden, statt auf Gott zu hören; nur allzu oft rückte das „funktionierende Prinzip” an die Stelle des unvermittelten Hörens auf die Stimme Gottes, ohne freilich dabei eine wirkliche Lösung zu bekommen, die auch auf Dauer hielte. Immer wieder sollte der Mensch das vollbringen, was doch nur Gott Selbst möglich war und darum auch Ihm allein vorbehalten bleiben sollte. Das, was weder Israel noch die Gemeinde bis heute wirklich akzeptiert haben, ist vor allem die Tatsache, daß Gott Sein Volk anders führt, grundverschieden von den Völkern ringsumher. Wenn sie nur Seine Stimme hören und ihr gehorchen würden, so sagte Er,

    „sollt ihr vor allen Völkern Mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde ist Mein; ihr aber sollt Mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.”

2Mo 19. 5 – 6

    Gott wollte, daß jeder in dem Volk Seine Stimme unvermittelt höre (Vers 9) und ihr gerne, aus freiem Herzen gehorche; Er wollte nie die Vermittlung, sondern immer die unvermittelte Beziehung durch Liebe.

    Woher kam dann die Herrschaft des Menschen über den Menschen, woher der Vermittlungsanspruch, wenn Gott diesen doch nicht wollte? Nun, es bedarf eines nicht allzu ausführlichen Bibelstudiums, um dies herauszufinden. Zunächst müssen wir bemerken, daß Vermittlung immer mit Sünde, mit der Trennung von Gott zu tun hat; wegen der Sünde sandte Gott Seinen Sohn, den Menschen Christus Jesus, uns zum einzigen Mittler, damit er uns mit Seinem Blut aus der Macht der Sünde loskaufe und uns dem Vater wieder zuführe (1Tim 2. 5). Wenn Christus aber der einzige Mittler ist, der zu Gott führt, dann haben wir zu lernen, daß jeder andere, der diesen selben Anspruch erhebt, uns nicht zu Gott führt, sondern uns in der Finsternis beläßt oder wieder in sie hineinführt. Wir müssen also den Ursprung der Sünde suchen und werden darin auch die Quelle des immer wieder vorgetragenen Leitungs- und Vermittlungsanspruches, soweit er den des Sohnes Gottes nicht betrifft, vorfinden. Auch gilt es zu bedenken, daß ein und dieselbe Quelle nicht Süßes und Bitteres zugleich hervorbringen kann (Ja 3. 11 – 12). Die Quelle, um die es hier geht, ist der Teufel. Satan, vormals Luzifer, war einst ein von Gott geschaffener Cherub, dem besonders die Anbetung und Lobpreisung Gottes oblag; die Engelwelt war sein Zuhause, und stets hatte er auch Zugang zum Thron Gottes gehabt (vgl. Hi 1. 6 - 7). Die Welt der Engel, der Boten Gottes (hbr. ma´lak JHWH, grie. angelos theou) also, wird auch mit den Lichtern des Firmaments bzw. den Sternen beschrieben, die zu Lichtern und zu Zeichen gesetzt sind (1Mo 1. 14). Es geht der Engelwelt demnach immer auch darum, ein gewisses Licht zu geben, Wege anzuzeigen. Wenn wir also über diese Welt reden, dann reden wir daher auch vom Botendienst als einem Dienst der Vermittlung (vgl. Hi 33. 23). Satan nun, den die Bibel als den „schönen Morgenstern” beschreibt, hatte sich vorzeiten allerdings überhoben wegen seiner Schönheit und Klugheit; und so beschloß er, der doch selbst nur ein geschaffenes Wesen war, sich über alle anderen Sterne zu setzen – als ein Gott, der einen Thron aufschlug, der dem des Gottes Jahwe ebenbürtig sei. Die Engelwelt sollte sich zuerst ihm unterordnen; dazu der Thron, der ihn weit über diese anderen Engelwesen erheben würde. „Willst du zu Gott? Dann kommst du nicht an mir vorbei.” Alle, die Gott dienen wollten, sollten ihm nun nachfolgen, ihm huldigen, ihn aufsuchen und sich vor ihm verneigen. Suchte jemand Leitung? Suchte jemand gar einen Gott? Dann sollte dort vermittelt werden, sollte dort der Thron sein...

    Und doch war dieser falsche Gott, den die Bibel auch den Gott dieses Äons nennt, so grundverschieden von Jahwe, dem Gott der Bibel, den wir in Christus auch unseren Vater nennen dürfen. Ja, Vater ist das rechte Wort für diesen Gott, denn als ein Vater hat Er Sich uns geoffenbart – fürwahr ein Gott der Liebe. Er, der immer dienen wollte, war immer der Gebende, was schließlich seinen Gipfelpunkt darin fand, daß Er sogar Seinen eigenen Sohn sandte; in Ihm erschien Gott in Menschengestalt; so hatte Er Seine eigene Herrlichkeit abgelegt, Sich Selbst völlig entäußert und für die Vielen, die im Dunkel der Sünde wohnen, Sein eigenes Leben gegeben. Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er... gab (Jo 3. 16). Wie anders sieht da die Herrschaft Satans aus! Während Gott Sich zu allen in Liebe herabneigte, erhob sich der Teufel über alle, unterjochte sich dann die Völker, plünderte und zerstörte dabei die ganze bewohnte Erde. Lüge, Raub, Gewalttat und schließlich der Tod bilden die Spur, die er hinterließ. Er wollte nicht die Menschen durch Liebe gewinnen, indem er gab, wie es der Vater tat; im Gegenteil – er war es, der immer haben wollte; Handel und Gewerbe, das Erzielen von Reichtum und Gewinn also, waren ja sein Metier! Geben ist immer der Ausfluß der Liebe, Begehren aber der Ausfluß des Herrschens, und damit das Gegenteil der Liebe – denn die Liebe sucht ja nicht das Ihre (1Kor 13. 5). Wir wollen uns diesen zeitlos gültigen Satz ruhig immer wieder ins Gedächtnis rufen lassen.

    Doch um seine Begierde zu stillen, mußte auch Satan stets herrschen – „von oben herab”, herab „nach unten”, auf dem Wege der von ihm angezettelten Machthierarchie, der in diesem Weg liegenden Vermittlung und dann auch Durchsetzung des, gewissermaßen, „höheren Willens” (vgl. Jes 14. 12 – 14, Hes 28. 1 – 7, 11 – 19; siehe auch Lk 10. 18). Dies alles hatte damit begonnen, daß jener „schimmernde Cherub”, den wir hier beschreiben wollen, nicht auf die Schönheit Gottes, sondern auf die eigene sah; er begehrte in einem Umfeld, in dem doch das Dienen im Mittelpunkt stehen sollte; so erhob er sich schließlich über alle anderen Himmelsgeschöpfe, die er damit weniger wert achtete als sich selbst, und setzte sich endlich über sie. „Ihr habt euch mir, dem Leiter, unterzuordnen” – in diesem Satz ist schon die ganze Überhebung Satans über die Ordnungen Gottes enthalten. Wie sagte doch Gottes Wort? Sollten wir den Anderen, den Bruder und die Schwester nicht in jedem Fall höher achten als uns selbst? So sehen wir in solcher Überhebung das genaue Gegenteil des Weges vorliegen, der uns als Weg der Liebe ans Herz gelegt worden ist. Bei solchem Handeln gilt nicht mehr der Maßstab Gottes, sondern ich selbst mache mich zum Leiter und damit zum Maßstab. Das Schauen auf die eigene Person ist immer schon ein Fallstrick gewesen; das Betrachten meiner Gabe, das Anschauen meiner Erkenntnis, das Herausstellen meiner Klugheit und so fort. „Ich habe etwas Besonderes an mir gefunden, deshalb habe ich dir etwas zu sagen, und du mußt mir folgen.Die in der heutigen charismatischen Bewegung leider üblich gewordenen „Gabentests”, nach denen jeder seine besondere Gabe herausfinden, betrachten und natürlich auch den anderen gegenüber herausstellen soll, gehören in genau denselben Bereich religiös verbrämter Selbstsucht, die stets etwas in sich selbst sucht, hinein. Luzifer, einst Lichtträger, kam auf diesem Wege zu Fall; zu Satan geworden, fand er sich aus dem Himmel Gottes verbannt und auf die Erde geworfen, wo er sein schändliches Werk fortsetzte – diesmal mit dem Menschen, der einst über die Erde, das Werk der Finger Gottes, gesetzt worden war (Ps 8. 4 - 10).

    Der Weg, sich erst einen „Leiterzu suchen, um dann, durch das Wirken dieses Leiters, vermeintlich zu Gott zu gelangen und erst durch eine solche Vermittlung dann auch von Gott zu hören, nimmt also genau hier seinen verhängnisvollen Anfang – repräsentiert durch die alte Schlange, die, erst listiger als alle anderen Tiere, dann auch dem Menschen anbietet, ihn zu dem hin zu leiten und das zu interpretieren, was Gott gesagt haben soll (1Mo 3. 1 - 6). Hörst Du, wie die Schlange wispert? Höre besser nicht darauf! Du brauchst mich, um Gott zu verstehen; ich führe dich zur Erkenntnis; höre zuerst auf mich, und du wirst so klug werden, ja sein wie Gott Selbst. Nicht als Teufel zeigte die Schlange sich; sie stellte sich vor als Leiter. Das erste Beispiel so genannter „Leiterschaft” neben Gott finden wir also bereits auf den ersten Seiten der Bibel! Und auch hier kennen wir den Ausgang: Der Mensch ließ sich von dem Angebot der Schlange betören und fiel, da nun von dem Leben Gottes geschieden, fern von dem Baum des Lebens, dem Tode anheim (1Mo 2. 16 – 17, 3. 19 – 24). Durch Vermittlung werden zu können wie Gott, sich gewissermaßen die hingehaltene „Stufenleiter” zu göttlichem Wesen emporarbeiten zu können, indem man die auf diesem Wege dargebotene Frucht der Erkenntnis nähme und sich einverleibe – das war nur allzu verlockend; wer konnte da widerstehen? Und doch war das Ende der Vermittlung der Tod; da eine Person es wagte, sich zwischen Gott und den Menschen zu stellen, schied diese Person ihn von Gott, der Quelle des Lebens, und das immerfort verbunden mit dem Anspruch, zu göttlichem Wesen hin überhaupt erst vermitteln zu wollen – fürwahr eine geradezu perfide ausgeklügelte Taktik. Es erschien dem Menschen wohl auch zu leicht, ganz einfach nur nah bei Gott zu bleiben und auf Ihn zu hören, und dann aufgrund dieser Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott dann diese später auch mit seinen Brüdern und Schwestern zu teilen, die ebenso auf Gott hören würden wie er selbst – im Wandel in der Liebe zu Gott und dem Nächsten.

    Schon jetzt erfahren wir von dem tiefen Bruch, der sich uns an dieser Stelle auftut: geschah erst die Entzweiung mit dem lebendigen Gott, so folgte bald danach auch die mit dem Bruder, den Gott dem Menschen zur Seite gestellt hatte. Am Ende stehen schließlich die Söhne Adams, von denen der eine den andern erschlägt, der ungerechte Kain den gerechten Abel (1Mo 4. 1 – 8). Und so führt Leiterschaft, da sie sich zwischen Gott und den Menschen stellt, immer zur Trennung, und zwar zur Trennung sowohl zwischen Gott und Mensch, als auch zur Trennung der Menschen untereinander; die Trennung aber bringt unweigerlich den Tod – zu allen Zeiten. Nicht umsonst warnte auch Paulus – ausgerechnet im Hinblick auf die so genannten „überragenden Apostel – davor, daß es da jemanden gäbe, der die Gemeinde von ihrem Haupt wegführen wolle, ganz so, wie die Schlange vorzeiten Eva von ihrem Mann getrennt hatte –

    hinweg von der Herzenseinfalt und Lauterkeit, die auf den Christus gerichtet ist(2Kor 11. 3 - 6).

    Christus aber, der Bräutigam, auf den die Gemeinde, die Braut, allein sich ausrichten sollte, ist nicht umsonst der, den die Schrift den Letzten oder den Zweiten Adam nennt (1Kor 15. 45, 47). Er aber, Paulus, wolle die Gemeinde dem Christus als eine lautere Jungfrau anvertrauen (2Kor 11. 2). Ja, Paulus wußte um die hier anstehenden Gefahren; er war sich nicht unbewußt dessen, was Satan, die alte Schlange, zu allen Zeiten im Schilde führte (2Kor 2. 10 - 11). Und auch hier, unter den Gläubigen von Korinth, finden wir am Ende dieses Weges Zustände von Zerstrittenheit, Trennung, Hader und Zwietracht vor – hervorgerufen durch die vielen Namen, denen man doch folgen wollte und die zu hofieren man begonnen hatte (vgl. 1Kor 3. 1 - 4). Die Parallelen zur eingangs erwähnten Entwicklung im Garten Eden sind also auch hier ganz offensichtlich. Dies alles sind allerdings sehr tiefe, noch weiter führende Zusammenhänge, die an dieser Stelle leider nur ein wenig angerissen werden können.

    Und so besteht dieser Weg auf der Erde von der Zeit an, in der Satan auf sie gelangt war; immer und immer wieder wurde die Menschheit verführt, diesen falschen Weg zu beschreiten, wurde die Lüge verschleiert bis auf den heutigen Tag, starb die Liebe einen wohl millionenfachen Tod – durch all die Jahrtausende der Geschichte hindurch. Das, was Satan in der Himmelswelt angerichtet hatte, das sollte nun auch die Erde erfüllen; nur sollte jetzt der Mensch am Menschen das wiederholen, was Satan lange vor ihm an einem Drittel der Himmelswesen tat (vgl. Off 12. 4). Der Ruf danach, Häupter über sich einzusetzen, nur um nicht selbst auf Gott hören zu müssen, war immer gegenwärtig. Das Volk Gottes, von der Sünde und der daraus resultierenden Angst vor dem Zorn gezeichnet, fiel früh schon auf diese Strategien herein; stets erwählte es sich selbst einen anderen Weg als den, zu dem Gott es berufen hatte; so bestimmte es Mose zu seinem beständigen Mittler, statt sich von ihm in die Gegenwart Gottes, in das Hören Seiner Stimme führen zu lassen –

    „Rede du mit uns”,

    so sagten sie,

    „wir wollen zuhören; aber Gott soll nicht mit uns reden, wir müssen sonst sterben!”

2Mo 20. 19, Schlachter

    Schon hier wird uns ein plastischer Anschauungsunterricht erteilt darüber, daß Furcht nicht in der Liebe ist, da sie vor der Strafe zittert (1Jo 4. 18); wo Furcht ist, kann Liebe nicht sein; die Liebe aber lebt von der ungebrochenen, unvermittelten Beziehung; sie will immer unmittelbar sein, sich unvermittelt ausdrücken, immer ganz nah bei dem sein, den sie liebt, sonst ist es keine wirkliche Liebe. Und genau diese Liebe ist es, an der es dem Volk Gottes zu allen Zeiten immer wieder gebrach. Wir haben im Eingang den alternden Propheten Samuel erwähnt. So wollen wir im folgenden einen Rückblick dorthin wagen und uns anschauen, wozu der hier beschriebene Weg schließlich führte.

    „Als aber Samuel alt war, setzte er seine Söhne zu Richtern über Israel... Aber seine Söhne wandelten nicht in seinem Wege, sondern neigten zum Gewinn und nahmen Geschenke und beugten das Recht. Da versammelten sich alle Ältesten Israels... und sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen; so setze nun einen König über uns, der uns richte, nach der Weise aller andern Völker! Dieses Wort aber mißfiel Samuel... Und Samuel betete darüber zu dem Herrn. Da sprach der Herr zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volkes in allem, was sie dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht König über sie sein soll. Sie tun auch mit dir, wie sie es immer getan haben, von dem Tage an, als ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag , indem sie mich verlassen und andern Göttern gedient haben.

1Sam 8. 1 - 8, Schlachter

    Dieses Wortes belehrt uns nicht nur eindrucksvoll darüber, daß die Art und Weise, Könige über Gottes Volk einzusetzen, aus den Israel umgebenden Völkern entlehnt worden ist (Vers 5). Es unterrichtet uns auch darüber, daß Gottes ursprüngliche Absicht dies nie gewesen war, obgleich Er für eine solche mögliche Entwicklung, die sich immer wieder auch einstellte, im Gesetz vorausschauend Vorkehrungen getroffen hatte (vgl. das Königsgesetz in 5Mo 17. 14 - 20), und es demzufolge später von Gott gesalbte und eingesetzte, ja mächtige Könige in Israel gab, die durchaus nach Seinem Willen fragten. Wer denkt da nicht an Könige wie David, einem Vorläufer unseres Herrn, der seiner Zeit weit voraus war, oder an den weisen Salomo, seinen Sohn! Allerdings muß dazu auch gesagt werden, daß die meisten dieser Könige taten, was dem Herrn mißfiel. Diese Linie zieht sich durch die ganze biblische und nachbiblische Geschichte hindurch. Auch wenn der Herr also auf eine solche Vorstellung eingegangen und dann auch dabei geblieben ist, bleibt es in seinem Ursprung dennoch ein selbsterwählter Weg. Ein solches Begehren ist gleichbedeutend mit der Ablehnung Gottes und Seiner Führung; Gott sagt hier ganz klar und eindeutig, daß es keinerlei Alternative gibt zwischen menschlich gesetzten Häuptern und Ihm – entweder Er Selbst, oder aber Jene – dann jedoch ohne Ihn.

    Wer daher einen menschlichen Leiter bestimmt, der bestimmt zugleich, daß Gott nicht mehr König sein, Selbst also nicht mehr leiten soll. Und so sagt Gott dann auch ganz klar, daß sie Ihn mit diesem Begehren verlassen haben; es ist gleichbedeutend mit Götzendienst (Vers 8). Welches aber sind die anderen Götter, die hier erwähnt werden? Es sind all die, die neben Gott auch noch Gehorsam einfordern und somit die Stelle eines Gottes einzunehmen suchen, die also für sich genau das wiederholen, was wir weiter oben in dem Gebaren Satans bereits gesehen haben. Ein Gott – der Sinn des hebräischen elohim und des griechischen theós gleichen sich hier – ist ein Platzanweiser, Schiedsrichter und Unterordner. Der Weg also, nach menschlicher Leiterschaft zu suchen, die von ihr zugewiesenen Plätze einzunehmen, sich ihrem Urteil zu beugen und ihr sich schließlich unterzuordnen, ist der Weg des Abfalls vom lebendigen Gott und der Nachfolge anderer, die sich nun zu Göttern erhoben haben. Klarer kann es nicht, weniger klar sollte es nicht gesagt werden!

    Mithin ging Gott auf ihr Ansinnen – schon auf dem Wege eines Gerichtshandelns – ein; allerdings, bestimmte Er, hätte der von ihnen begehrte König fortan auch ein Recht auf ihr Leben. Damit ist also klar ausgesagt, daß der, der sich einen menschlichen Leiter erwählt und sich diesem unterordnet, künftig gewisse und einschneidende Rechte dieses Leiters über seinem Leben zu respektieren haben wird. Diese Rechte werden ein wenig später in der Weise von Gott bestätigt, daß Er dem Volk mitteilen läßt, daß Er, Gott selbst es sei, der diesen König einsetze (1Sam 12. 13)! Und so ist dies nicht nur einfach eine Zulassung, sondern es ist eine feststehende Ordnung von Gott her, so daß Samuel sie schließlich verwarnen (Vers 9) und ihnen die Rechte des von ihnen begehrten Königs, der sie nun regieren würde, zu erklären hatte:

    „Das wird das Recht des Königs sein, der über euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmen und sie seinen Kriegswagen und seiner Reiterei zuteilen und daß sie vor seinem Wagen herlaufen; und daß er sie mache zu Obersten über Tausend und zu Obersten über Fünfzig und daß sie seinen Acker pflügen und seine Ernte einbringen (Frondienste) und daß sie ihm seine Kriegswaffen und sein Pferdegeschirr anfertigen. Eure Töchter aber wird er nehmen und sie zu Salbenmischerinnen, Köchinnen und Bäckerinnen machen. Auch eure besten Äcker, eure Weinberge und eure Ölbäume wird er nehmen und seinen Knechten geben; dazu wird er den Zehnten von eurer Saat und von euren Weinbergen nehmen und ihn seinen Kämmerern und Knechten geben. Und er wird eure Knechte und Mägde und eure schönsten Jünglinge und eure Esel nehmen und sein Geschäft damit ausrichten. Er wird den Zehnten eurer Schafe nehmen, und ihr müsset seine Knechte sein. Wenn ihr dann zu jener Zeit über euren König, den ihr euch erwählt habt, schreien werdet, so wird euch der Herr alsdann nicht erhören.

1Sam 8. 11 - 22; Schlachter,

    was nichts anderes bedeutet, daß nun nicht mehr Gott, sondern ihr eigener König sie leiten würde, und sie mit allem, was sie hatten, diesem König in der beschriebenen Weise, in dessen Struktur und nach dessen Vorstellungen würden zu dienen haben. Und genau dazu kam es dann auch; es entstand eine Struktur, die das Volk Gottes nicht mehr losließ bis auf den heutigen Tag. Wir wollen unseren Abschnitt nun ein wenig näher betrachten und vor allem herausfinden, was dieser uns in der heutigen Situation zu sagen hat. Insbesondere gilt es also, aus dem gesamtbiblischen Kontext heraus den notwendigen Bezug auf die heutige, die neutestamentliche bzw. die nachneutestamentliche Zeit herzustellen.

    Das erste Wort, um das es hier geht, ist das Wort Kriegswagen. Ihn gilt es zu ziehen; sein Weg soll vorangetrieben werden. Die Notwendigkeit, sowohl zum Kampf zu rufen, als auch ständigem Kampf ausgesetzt zu sein, ist das erste Symptom des Abfalls von Gott, den man soeben vollzogen hat. Der Weg, den es fortan also zu beschreiten gilt, ist ein kriegerischer; denn den des Friedens, dem also, in dem Gott Selbst König ist (Jes 52. 7), hat man gerade verlassen. Der Passus des Eroberns – des sich selbst Nehmens – ist hier zu einem ständigen Begleiter geworden. Aber es gilt auch, das Eroberte immerfort zu erhalten und es unentwegt gegen die „Feinde” zu verteidigen. Wer also nicht in ständigem Kampf steht, der verliert das, was er sich gerade erobert hat. Eine solche regelrechte Atmosphäre des Krieges, die hier entsteht – niemand kommt zur Ruhe – , spricht auch von großen Bedrängnissen, in die hinein man auf diesem Wege ganz unweigerlich gerät, und gegen die man sich ständig zu erwehren haben wird. Krieg und kriegen hängen nicht nur im Deutschen eng zusammen. Etwas zu erstreiten und dann in seinem Besitz zu behalten (zu „kriegen”), weil man es unbedingt haben will, und zwar im Hier und im Jetzt, wird unter der Herrschaft des neuen Königs zum Maß aller Dinge erklärt. Vergessen scheint die Weisung der Bibel, gerade nicht zu begehren: „Laß dich nicht gelüsten!” (2Mo 20. 7 u. a.). Aufgegeben, ja in sein Gegenteil verkehrt ist das Wort: Habe deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz sich wünscht!” Was aber wünscht sich das Herz wohl, wenn es seine Lust doch an dem Herrn hat? Gold, Silber, Edelsteine? Erfolg und Reichtum nach den Maßstäben dieser Welt? Oder wünscht es sich nichts so sehr wie die beständige Gegenwart des Herrn Selbst, wissend, daß Er dann alles andere, was wir für unsere Versorgung benötigen, ohnehin hinzufügen wird, solange wir nur Ihn im Blick behalten?

    Auch der verlorene Sohn in Jesu Gleichnis rief zu seinem Vater: „Gib mir das Erbe, das mir zusteht und begehrte damit vor der Zeit – um eines Tages, nachdem er sich an einen Menschen angehängt hatte, hungernd und elend bei den Schweinen zu enden (Lk 15. 11 - 32) . Kennen wir diese Lehre nicht zur Genüge – Du mußt begehren, mußt selbst das an dich nehmen, was dir zusteht? Der, der diesen Weg geht, der findet sich in jenem Gleichnis bald in einem fernen Lande wieder, weit weg von dem Haus des himmlischen Vaters, der Nähe Gottes und der des Bruders (Lk 15. 13). Nicht zuletzt kennzeichnet dieser Weg damit auch das Leben in der Hierarchie des Abgefallenseins von dem lebendigen Gott und dem Nächsten – des Verlustes der direkten Beziehung. Und so verläßt er nicht nur seinen Vater; er läßt auch den Bruder dahinten, den Erben und Mitteilhaber (Vers 12); er sondert sich ab, geht und macht die Türen hinter sich zu. Er will eben doch mehr darstellen als sein Bruder, der bei dem Vater Gebliebene, will sein Glück selber machen. Und da er etwas ganz Besonderes sein will, bekommt er auch etwas ganz Besonderes, etwas, was die Anderen, allen voran sein Bruder, so nicht haben. Der, der große Dinge begehrte und dabei so gerne über anderen stehen wollte, daß er darüber sein Vaterhaus verließ, der findet sich in der Tat alsbald über eine Herde gesetzt wieder. Doch was für eine Herde ist dies? Es ist eine Herde von Schweinen, dem Inbegriff der Unreinen in Israel schlechthin. Und was ist das für einer, der ihm diese Herde gibt und dem die Felder gehören, auf denen sie zu finden ist? Es ist ein Ausländer, einer, der nichts mit Israel, dem Volke Gottes zu tun hat, ein Bürger jenes Landes, in das der Sohn da geraten ist (Vers 15). Den aber, der über das Erdreich herrscht, benennt Gottes Wort als  Fürsten dieser Welt – andere Bezeichnung: Satan.

    Wir wollen die hier enthaltenen Gedanken ruhig einmal zu Ende denken! Eine Herde hat er nun; doch wovon will er leben, der zum Schweinehirten Gewordene, wo er doch sein Erbe mit Huren – nicht zuletzt auch ein in Israel ganz geläufiger und vielgebrauchter Hinweis auf geistliche Hurerei und Verbindungen mit den Mächten dieser Welt – und mit Liederlichkeit durchgebracht hat (Verse 13, 30)? So will er schließlich von der Herde nehmen – von dem, was die Schweine essen; doch niemand gibt es ihm, auch der nicht, dem er selbst untertan ist und dem die Herde gehört (Vers 16). Nun, Schafe geben Wolle, in die man sich kleiden, geben Milch, von der man sich nähren kann; Schweine aber muß man immer töten, um ihr Fleisch zu essen oder um ihre Haut zu gewinnen; sonst haben sie gar keinen Nutzen. Spätestens jetzt sollten wir also bemerkt haben, daß das hier Ausgesagte von tiefer, allegorischer Bedeutung ist, und zwar als Versinnbildlichung eines Weges, der mit menschlichem Begehren beginnt, dann zu großer Härte verleitet, um zuletzt in tiefer Not und Verzweiflung zu enden – fürwahr ein Weg bitterster Verlorenheit und tiefster Seelennot, der für nicht Wenige, die sich hoch verstiegen haben, zuletzt bis ganz hinein ins Elend führt.

    Und so muß der, der sonst nichts mehr hat als eine Schweineherde, an sich reißen, muß der rücksichtslos einfordern, rauben und kämpfen, ja gewissermaßen sogar töten, der zuvor die Gnade der Führung Gottes aufgegeben hat – und zwar um des eigenen Überlebens willen. Ist das dein Weg? Hast auch Du Dein Erbe vor der Zeit eingefordert, weil man dich so gelehrt hat? Wolltest auch Du ihn haben, den ach so großen „Dienst”, dessen „Höhe” auf diesem Wege zu erklimmen man Dir nahegelegt hat? Bist auch Du an ihn geraten, einen der Bürger jenes Landes, und hast diesem Dich angeschlossen, weil man Dir gesagt hat, daß er Dich befördern und hochbringen würde (Lk 15. 15)? Weidest auch Du eine Herde, die in ihrer Unreinheit nicht die Herde Gottes, sondern die Herde eines Anderen ist, in dem Bilde nicht die Schafherde Gottes, sondern eine Schweineherde? Bist auch Du also an einen Menschen geraten, der Dir in Deiner Not noch nicht einmal das gewährt, was man „den Schweinen”, den Unreinen in der Welt also zukommen ließe? Arbeitest auch Du für eine Struktur, der man alles gibt – nur denen nicht, die für sie arbeiten? Der verlorene Sohn aus Lukas fünfzehn – bist Du es? Dann mache Dich auf zu Deinem himmlischen Vater, gib dem Menschen mit seiner Schweineherde den Laufpaß und kehre um – zurück in das wahre Vaterhaus, zurück dorthin, wo die Liebe und die Freude Gottes, des Vaters sind!

    Hatte nicht auch Paulus zu lernen gehabt, daß ihm in jeder Situation Gottes Gnade genügen sollte (2Kor 12. 9)? Hatte Petrus etwa nicht dazu gemahnt, sich ganz auf die Gnade zu verlassen, die uns in der Offenbarung Jesu Christi dargereicht wird (1Ptr 1. 13)? Und – so der Hebräerbrief – sollten wir nicht endlich in die Ruhe Gottes eingehen, in die Ruhe von den eigenen Werken? Ruhen aber kann nur der, der völlig vertraut; und zwar auf die gewährte Gnade und Vorleistung eines anderen; die Gnade selbst aber ist immer Geschenk, ist Empfangen ohne eigene Vorleistung. Hier aber gilt es, sich gewisse „Segnungen” immer wieder erst selbst erkämpfen zu müssen! Und doch ist und bleibt Raub immer ein Merkmal des Feindes; er setzt nämlich voraus, daß andere beraubt werden – und zwar mit jenem Gut, das ich mir zur Unzeit selbst anzueignen suche, ohne dabei auf Gottes Führung und Zulassung, sowohl in meinem Leben, als auch in den Leben anderer Geschwister Rücksicht zu nehmen (vgl. Jo 10. 8 – 9). Nein, das hat unter dem neuen „König” nun keine Priorität mehr; es muß ja erobert werden, koste es, was es wolle.

    „Von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt leidet das Himmelreich Gewalt, und die, welche Gewalt anwenden, reißen es an sich”,

sagte der Herr (Mt 11. 12, Schlachter). Wir wollen nicht müde werden, diesen Vers auch ein drittes Mal zu erwähnen. Denn diese Gewalt hat nichts mit Gott zu tun – das Himmelreich leidet darunter, wird ihm doch Gewalt angetan. Und immer sind es Leiter, Könige und Regenten, also Herrschaft Ausübende, von denen diese Gewalt ausgeht. Die hier erzeugten Leiden fangen an mit der Enthauptung Johannes des Täufers, fahren fort mit der Folterung und Hinrichtung Jesu; ihre Blutspur zieht sich über die Leiden und Märtyrertode der ersten Apostel und durch die Verfolgung und Ermordung der Heiligen aller Zeiten hindurch – bis zum heutigen Tag. Zu diesem Leiden gehört auch die in unserer Zeit oftmals sehr subtil und unterschwellig ausgeübte Verfolgung, Bedrückung, Verleumdung und Ausgrenzung wirklicher Gläubiger – nicht nur in der „Welt”, sondern gerade auch in solchen Körperschaften, die sich heute „Gemeinde” zu nennen wagen. Und immer wird dieses Leiden durch Herrschaft ausgelöst – nennen wir sie dort, wie Samuel, den König, nennen wir sie hier Leiterschaft oder bezeichnen wir sie als überkommene kirchliche Hierarchie. Da nützt es dann auch wenig, wenn seitens dieser Gremien vorgegeben wird, sie wollten dem Leib Christi dienen; denn der, der sich über andere erhebt, der dient nicht, der herrscht. Es ist dieselbe Herrschaft, unter der Jesus litt; war es damals Sein fleischlicher Körper, der diese Leiden trug, so ist es heute der geistliche, der Leib Seiner Herausgerufenen, der wahren ekklesía. Hier wird dem Rechnung getragen, daß Christus im Fleisch gekommen ist und wir demnach Anteil an dieser Seiner Leiblichkeit und der damit verbundenen Leiden haben; wer dies also ablehnt oder einfach nur „vergeistlicht”, der folgt bereits dem Geist des Antichrists (1Jo 4. 1 - 4, 2Jo 7). Denn immer geht es, wollen wir Jesus nachfolgen, um den Leib dieser Erniedrigung (Phil 3. 21; vgl. 2. 7 - 8). An diesem Leiden, das hier willig getragen wird, ohne dabei zurückzuschlagen, erkennen wir schon die wahre Lammesnatur des Reiches der Himmel, des Reiches und damit der Herrschaft Dessen, der Selbst zum Lamm wurde:

    „Da er mißhandelt ward, tat er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das vor seinem Scherer verstummt und seinen Mund nicht auftut.”

Jes 53. 7, Schlachter

    Hier aber, bei der Zurschaustellung eines anderen Evangeliums, das von seinem ganzen Wesen her einen Raub zum Inhalt hat, begegnet uns die Natur des gefallenen Menschen, die Wolfsnatur, die des Diebes, der kommt,

    „um zu stehlen, zu schächten und umzubringen” (Jo 10. 10).

    Eine ganze „Theologie” des Gewinnens und Eroberns hat sich bis heute einem solchen Diktat unterworfen. Dies betrifft nicht nur diverse Lehrverirrungen bezüglich der Leiterschaftsthematik und der damit verbundenen Zehntenlehren. Erinnert sei dabei auch an die vielfältigen Übertreibungen diverser pseudocharismatisch-christlicher Kreise auf dem Gebiet des so genannten „geistlichen Krieges”. Ich gebrauche den Ausdruck „pseudo-charismatisch” deshalb, weil dieser Weg nichts mit den Gnadengaben (charismata bzw. Charismen) Gottes zu tun hat; es ist ein Pseudo, ein Ersatz, den man hier präsentiert, und damit eine Fälschung, der weite Teile des bibelgläubigen Christentums inzwischen auf den Leim gegangen sind (vgl. 2Kor 11. 13 - 15). Hier ist besonders die Charismatische Bewegung, die von ihren Wurzeln her nach wie vor als von Gott kommend zu sehen ist, in großem Maße unterwandert worden, da man hier nicht allein bei der Wahrheit geblieben ist und vor allem Menschen als Leiter auf den Thron erhoben hat. Wer die hier angesprochenen Dinge also mit charismatischen Äußerungen gleichsetzt, sei es einerseits, um sie auszuüben, oder sei es andererseits, um sie zu bekämpfen, der irrt in einer höchst gefährlichen Weise. Denn es ist beides Krieg, sowohl der Kampf, als auch der Gegenkampf, und Beides bringt auch dieselben Ergebnisse hervor. Und doch ist dies der normale Zustand unter der Herrschaft eines Königs, wie Samuel sie beschreibt. Es ist Gericht wie Zulassung Gottes gleichermaßen [10], da der Mensch diese Leiterschaft haben wollte, anstatt dem lebendigen Gott selbst zu folgen. Und daß der nun zu gehende Weg ein Weg des Krieges sei, davon haben wir ja vorhin schon gesprochen bzw. sprechen noch davon.

    Die Bibel aber sagt, daß der Kampf die Sache des Herrn ist; Gott würde kämpfen, wir aber sollten stille sein und dabei erfahren, wie Er es herrlich hinausführt (2Mo 14. 14, 2Chr 20. 15, vgl. auch Sa 4. 6b). Somit gehören die weitverbreiteten „Glaubenslehren” heutiger pseudo-charismatischer Prägung, die die willkürliche Anwendung geistlicher Gewalt verherrlichen und damit geradezu zum Inbegriff rechter Frömmigkeit erklären, ganz klar in das Grundmuster des sich selbst Nehmens und an sich Reißens vermeintlicher „geistlicher Segnungen” – ein Tempelraub, ein Bestehlen von Weihestätten, wie Paulus den Pharisäern ins Stammbuch schrieb (vgl. Rö 2. 23). Hier proklamiert man den Weg des Erfolges, statt den Weg des Lebens und des Gehorsams, des Kreuzes also zu gehen. Wie? ‚Es’ hat doch ‚funktioniert’ – da muß es doch von Gott sein?Nein! Niemals! Gewiß mögen Dinge dabei zustandekommen, die man dann – unter Begründung mit Hilfe diverser und willkürlich zusammengesuchter Bibelstellen – für geistlich hält. Doch Gottes Weg ist dies nicht; es ist vielmehr die Art und Weise Satans (vgl. Mt 4. 1 – 4). Und wieviel Zertrennung, wieviel Kämpfe, wieviel Wunden und immer neue Verletzungen gibt es gerade auch unter denen selbst, die den hier beschriebenen Weg gehen! Spaltungen, immer neue Gruppenbildungen und fortschreitende Entzweiung unter Brüdern scheinen herausragende Merkmale jener geworden zu sein, die diesem Muster, dem Muster des Krieges, folgen.

    Aber weit mehr noch: Die, die nach Samuels Wort vor dem Wagen ihres selbsterwählten Königs herlaufen sollen (1Sam 8. 11), die ziehen ihn, die sind in ihn eingespannt, laufen in seinem Joch; die müssen fortan die Wege dieses Königs, ihres Leiters bereiten – allein zu seinem Nutzen und zur Verwirklichung seiner Ziele. Denn fortan geht es nur noch um das, was er, der Leiter, „im Blickbehält; um seine „Vision, um seine „Schau, um seine Vorstellungen. Als „soeben ernannter König” wird er nun dazu übergehen, sich Oberste und Bedienstete („Minister”, „Fachleute”, die sog. „Fachabteilungen”) einzusetzen. Wer denkt da nicht an die so genannten „großen”, „mächtigen” und sich damit über alle anderen erhebenden christlichen ministries unserer Tage! Und doch ist es etwas völlig anderes, wirklich zu dienen, als ein solcher „Bediensteter” mit Rang, Namen und Titel zu sein, vor dem das „Gemeindevolk” in Ehrfurcht zu erstarren, dessen Reden es bedingungslos hinzunehmen und dessen „Dienst” es mit seinen Gaben auszuhalten hat.

    Schon gibt es sie wieder, die „Ordinierten”, die „Doktoren”, die ganz Besonderen, über allen anderen Stehenden. Vor Jesus, dem Lamm aber, ist all dies leer und eitel; es ist gar nichts wert und in Wahrheit, da es hoch und angesehen ist in den Augen der Menschen, ein Greuel vor Gott (Lk 16. 15). Symptomatisch für diese Struktur ist also vor allem, daß eine Minderheit herrscht, während die Mehrheit ihnen zu dienen hat. Und so entsteht menschliche Leiterschaft; genau das ist ihr Weg – Leiterschaft in verschiedenen Ebenen, die gesetzt sind zu Obersten über Tausend und zu Obersten über Fünfzig, wie Samuel es beschrieb. Die Liebe wird dabei mehr und mehr von der Herrschaft Einzelner überdeckt und schließlich ganz verdrängt; Kämpfe um die Rangordnung, Hader und Zwietracht werden zum Tagesgeschehen (vgl. 1Kor 3. 1 – 4). Jeder will der Erste sein oder, wenn ihm das nicht gelingt, wenigstens ganz nach „oben”, ganz in die Nähe der angeblichen „großen Männer Gottes” gelangen und sich unter ihrem Namen sonnen. Diese Namen aber sind es, die den Leib Christi mehr und mehr zerteilen (vgl. 1Kor 1. 10 – 13, 3. 1 – 4). Das, was einmal mit Spaltung begonnen hat, kann immer auch nur mit Spaltung fortfahren; fortwährende und immer neue Spaltungen und Entzweiungen sind zum Merkmal einer ganzen Bewegung geworden.

    Und doch haben all diese Gruppierungen und „Gemeinden”, die sich untereinander oftmals „spinnefeind” sind, die einheitlich herausragenden, ihnen allen gemeinsamen gleichen Merkmale: Dort, wo zuvor noch Brüder unter Brüdern lebten, erhebt sich nun eine Hierarchie, die die Interessen des „Königs” von der Spitze bis hinein in die soeben eingerichteten, ineinander verschachtelten Gruppierungen durchsetzen soll – erst die der Tausend, in diesen Tausend dann jeweils die der Fünfzig oder, um es in die heutige Situation zu übersetzen, erst durch „Hauskreisleiter” oder „Älteste”, dann erst durch die obere „Leitung” einer solchen „Gemeinde”, nennen wir sie „Pastor” oder „Ältestenrat”, dem diese „unteren” Leiter wiederum rechenschaftspflichtig sind und so weiter. Auch die vielen christlichen Dachverbände funktionieren letztlich nach diesem Muster. Die direkte Beziehung zu dem Bruder und der Schwester wird nun unterbrochen oder ganz unterbunden. Das Praktizieren der Gnadengaben hat sich immer mehr den Regularien der „Gemeindeleitung” unterzuordnen, wird darum immer seltener und fällt schließlich ganz weg. Es wird weder zum gemeinsamen Gebrauch dieser Gaben ermutigt, noch wird ihre rechte Anwendung innerhalb der Gemeindeversammlung wirklich einmal eingeübt; der notwendige Eifer (Luther: Fleiß), den Paulus für diese Dinge anmahnt, wird vernachlässigt und schließlich ganz aufgegeben (vgl. 1Kor 14. 1, 39, 40). Durch das zunehmende Fehlen dieser Gaben können die gegenseitige Auferbauung des Leibes wie die notwendige Korrektur durch diesen bald nicht mehr gewährleistet werden (Apg 17. 11, 1Kor 14. 12, 26, 1Thes 5. 6 – 11, 19 - 22). Diese innere Auferbauung durch das untereinander geteilte Wort, das damit zum Brot aller wird, wird nun für eine rein äußerliche eingetauscht – mit der Errichtung und der möglichst perfekten Organisation einer Gemeindestruktur. Alle sollen nun in erster Linie damit beschäftigt werden, Gemeinde zu bauen, wie man unaufhörlich betont.

    Das besonders Verführerische an diesem System ist, daß es mit zahlreichen Schriftstellen geradezu gepflastert ist – mit Schriftstellen, die anscheinend etwas ganz Ähnliches ausdrücken, aber doch etwas völlig anderes im Sinn haben als das, was hier vor Augen ist. Hatte Paulus denn etwa nicht „Gemeinde gebaut? Ja, ist die Antwort; er hatte in der Tat nicht nur gebaut, er hatte sogar ihren Grund gelegt (vgl. 1Kor 3. 5 – 11)! Und doch ist dieser Bau, an dem Paulus arbeitete, so grundverschieden von dem jener Gemeindestruktur, die heute vor aller Augen ist und die man ständig mit dem verwechselt, was Paulus tat! Nein, Paulus arbeitete nicht an einer äußerlichen Struktur; er arbeitete an den Herzen; sein Bau war kein irdischer, sondern ein geistlicher, sein Dienst war in erster Linie lehrmäßiger Natur; dem hatte sich alles andere unterzuordnen. Da nun seine Arbeit eine besondere, grundlegende war, wie wir eben erkannt haben, ist sie auch keine solche, die sich jemals wiederholen könnte; denn Grund kann nur einmal gelegt werden, solange man keinen andern Bau errichten will – neben dem, der schon errichtet ist. Niemand kann ein Fundament eines Hauses erneut errichten, nachdem man schon begonnen hat, die Wände hochzuziehen, Türen und Fenster einzusetzen. Wenn dies schon im Natürlichen nicht möglich ist, wieviel weniger dann im Geistlichen!

    „Gemäß der mir von Gott gegebenen Gnade lege ich als weiser Werkmeister den Grund”,

    sagte Paulus damals, indem er seinen Dienst beschrieb, der zu seiner Zeit noch im Gange war;

    „ein anderer aber baut darauf weiter. Ein jeder sehe aber, wie er darauf baue! Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, und der ist Jesus Christus.”

1Kor 3. 10 – 11

    Wer also heute noch immer Grund legen will und sich demnach als besonderen Apostel darzustellen wähnt, da er doch „Gemeinde” gründe, der mag wohl irgend einen Grund legen, doch nicht den der Gemeinde als dem Bau, den Gott in den Aposteln und Propheten schon gegründet hat (vgl. Eph 2. 19 - 22). Denn dieser Grund ist gelegt, wie wir sahen; einen anderen, also weiteren, kann niemand legen, wenn er auf dem Weg bleiben will, der uns von Gott gewiesen wurde.

    Und genau aus diesem Grunde kann auch das, was Menschen heute als „Gemeinde” zu bauen gedenken, nicht Gottes Bau sein; jenes Reich äußerlicher Strukturen, das man da errichtet, ist nichts Anderes als ein Reich menschlicher Anmaßung und Verführung. Denn mit dem Reich Gottes hat all das, was wir bauen, herzlich wenig zu tun. Nein; Gottes Grund ist schon gelegt; Sein Reich ist schon errichtet und besteht jenseits unserer Bemühung; wir können nur Gottes Ruf erwidern, indem wir dort eintreten – andernfalls aber werden wir draußen bleiben. Da gilt es dann zuvor all das abzulegen, was dort nicht hineingehört.

    „Allerdings, der feste Grund Gottes besteht und hat dies Siegel: Der Herr kennt, die Sein sind, und: es stehe ab von der Ungerechtigkeit jeder, der den Namen des Herrn nennt.”

2Tim 2. 19

    Gegründet wurde vor zweitausend Jahren das, was bezahlt worden ist auf Golgatha. Für etwas Anderes vergoß Jesus nicht Sein kostbares Blut. Deshalb erscheint auch das neue, himmlische Jerusalem in der Offenbarung umgeben mit einer Mauer, die zwölf Grundfesten hat, darauf die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lämmleins (Off 21. 14). Wer aber sind die, deren Namen auf diesen Grundfesten stehen werden? Das sind genau jene zwölf, die von Anfang an mit Jesus waren und Ihn selbst nach der Auferstehung noch gesehen hatten – mit Ausnahme von Judas, der seinen Dienst nicht bewahrte und den Herrn verriet. Für diesen hatte man noch vor Pfingsten unter Gebrauch des Loses den Matthias gewählt, den man zur Wahl aufstellte neben Joseph, genannt Barsabas, der den Beinamen Justus hatte (Apg 1. 15 – 22). Diese Wahl hat Gott allerdings nicht bestätigt; denn eigener Entschluß, Seine Zusagen „hier” und „gleich”, zum selbst gewählten Zeitpunkt also erfüllt zu sehen, nicht aber Sein geoffenbarter Wille waren für sie ausschlaggebend. Da nützt dann auch das Los nichts, das man nach alttestamentlichem Vorbild wieder anzuwenden gedenkt, in der Erwartung, Gott müsse Sich darauf einlassen, da solches doch in der Bibel stünde. Gott läßt Sich Sein Werk eben nicht aus den Händen nehmen; wir können Ihm durch unser Tun nicht „nachhelfen”, und wenn es in unseren Augen auch noch so geistlich sei. Und es sind eben doch nicht wir, die andere der Gemeinde hinzufügen oder oder in sie einsetzen, und wir sind es ebensowenig, die die Gaben der Gemeinde hervorzubringen haben. Denn dies alles bewirkt allein der Geist Gottes; Er allein ist der Paraklet, der Sachwalter Christi auf Erden; Er gebraucht zwar auch Menschen; doch nie geht Sein Werk von Menschen aus. Auf Ihn, den verheißenen Geist also, hatten sie zu warten; die Errichtung des Reiches sollte nicht ihre Sache sein: so hatte es ihnen der Meister vor Seinem Weggang noch eingeschärft (Apg 1. 1 - 8). Bereits hier also, zu einer Zeit, als der Geist Gottes noch nicht gekommen und damit auch die Gemeinde nicht gegründet war, hatte man Seiner Stimme nicht völlig gehorcht.

    Und so wird Matthias im Neuen Testament nie wieder erwähnt. Er gehört, wie so viele andere neuzeitliche „Apostel” auch, eben nicht zu denen, deren Namen einst auf den Fundamenten des himmlischen Jerusalem zu finden sein werden. An seine Stelle ist – zwar „als unzeitliche Geburt”, aber doch zum Zeitpunkt Gottes – vielmehr der Apostel Paulus getreten, der überdies auch den Auftrag hatte, die bis dahin nur bruchstückhaft vorhandene Überlieferung des Wortes Gottes zu vervollständigen (1Kor 15. 3 – 9, Kol 1. 25). Denn der eigentliche Felsen, um den es hier geht, und auf dem wir unser Lebenshaus bauen sollen – das ist das Wort des Herrn (Mt 7. 24). Und so mag ein Grund, den heute jemand wiederum zu legen gedenkt, wohl den Namen Jesu Christi anführen; und doch ist er ein anderer neben dem, der schon gelegt ist, stellt er einen ganz anderen Weg und ein ganz anderes Ziel dar. Der Grund, der hier gelegt werden soll, ist nicht Christus und Sein Wort, sondern ein System menschlich organisierter Leiterschaft, dem Grundstock einer neuen Kirche neben den vielen, die wir heute schon haben. Und so ist es wieder der Mensch, der seine eigene Herrschaft an die Stelle Christi zu setzen und diese seine Überhebung mit Bibelstellen zu rechtfertigen sucht.

    Das aber, was sich an die Stelle Jesu Christi setzt, ist nach neutestamentlicher Lehre dem Wesen nach antichristlich, denn es setzt ein anti, ein Anstatt an die Stelle Dessen, dem allein dieser Platz gebührt (2Thess 2. 3 - 5, 1Jo 2. 24 – 29). Wieviel menschliche Anmaßung liegt doch in solchem Verhalten, und welche Verführung steckt vor allem dahinter! An dieser Stelle finden wir also ein Beispiel darüber vor, wie geistliche Dinge sehr trickreich und kunstfertig in ihr genaues Gegenteil verkehrt werden – mit Hilfe einzelner Aussagen, die in der Heiligen Schrift zwar enthalten sind, die man aber ihres Sinnes entleert und dann entsprechend umgedeutet hat. Somit darf dann auch Gemeinde längst nicht mehr das sein, was sie ihrem Ursprung nach von Gott her sein sollte: die von Ihm allein Herausgerufene (ekklesía) und von Ihm Versammelte, wörtlich: die Zusammengeführte (synagoge) des Herrn. Statt dessen soll sie vor allem die durch Leiterschaft organisierte äußerliche Struktur – als das durch eigene Anstrengung erreichbare Ergebnis in menschlicher Erfüllung vermeintlicher „Visionen” – zum Ausdruck bringen. Fortan dreht sich also alles nur noch um den strukturellen Ausbau dessen, was man in diesem Sinne unter „Gemeinde” versteht; jeder will die größte, schönste, natürlich die wohlhabendste und vor allem die „erfolgreichste” haben.

    Hierbei treten die Handlungen der Leiterschaft und das Auftreten von besonderen, sich über den ganzen Leib erhebenden, so genannten „Diensten bzw. „Dienstgaben zunehmend in den Vordergrund. Ihr Auftreten ersetzt nun das Reden und Handeln des immer mehr verstummenden Leibes. Christliches „Konsumententum”, Unmündigkeit und eine vielfach bis ins Alltagsleben hineingehende Unselbstständigkeit sind traurige Ergebnisse dieser Entwicklung, die wir heute weithin vor Augen haben. Fortan darf dieser Leib nicht mehr selbst leben, sondern wird gelebt – durch das Ausführen der Anordnungen derer, die sich „Leiter” nennen. Wie der von Samuel angekündigte König, so regieren auch sie über das vermeintliche „Volk” und fordern von ihm alsbald Gaben, Zehnten und „Opfer ein. An dieser Stelle findet also eine nach dem Neuen Testament völlig inakzeptable Überhöhung und Fehlinterpretierung des so genannten „Fünffältigen Dienstes” statt; die Warnung des Herrn, denen gerade nicht zu glauben, die sich – unter Gebrauch diverser Wunderzeichen und Machttaten – als besondere Gesalbte (Christusse) Gottes ausgeben, wird zunehmend ignoriert, mit allen darin liegenden, mitunter verheerenden Folgen (vgl. Mt 24. 5, 25). „Ich bin doch der Gesalbte Gottes; ich bin der große Prophet, Gott redet durch mich, darum mußt du mir folgen.” Wirklich? So sind sie über jeden Einwand erhaben, wähnen sie sich doch „von Gott gesandt”. Folgerichtig läuft jeder, der ihre Verkündigung anhand des Wortes Gottes auch nur zu prüfen wagt, oder, was noch verwerflicher erscheint, seine Anfragen überflüssigerweise auch noch laut werden läßt, unverzüglich Gefahr, angegriffen und ins Abseits gestellt zu werden, weil er es doch gewagt hat, die so genannten „Gesalbten Gottes” anzutasten. Falscher Prophetie wird so Tür und Tor geöffnet. Ihre „Weissagungenorientieren sich immer sowohl an der „Visionals auch der Position des „Leitersund bestätigen diese; damit führen sie immer in die Sichtbarkeit nach den Maßstäben dieser Erde. Und so hat diese Sichtbarkeit, die es hier und heute zu erringen gilt, längst die Erwartung des wiederkommenden Herrn verdrängt.

    „Wenn jemand den Herrn nicht liebhat, der sei in den Bann getan! Maran atha!”,

    schrieb Paulus an die Korinther (1Kor 15. 22). Ich kann hier förmlich den Aufschrei der Entrüstung hören: „Wir alle lieben doch den Herrn, wir dienen Ihm doch!” Dienst du Ihm – wirklich Ihm? Oder bist du gebannt von einem durch Menschenhand erschaffenen Gebilde, das man lediglich nach Seinem Namen benannt hat, und dienst diesem? Jeder will „Gemeinde” bauen, ja das „Reich Gottes” selbst, wie man unaufhörlich und an der Wahrheit vorbei versichert; doch das Wort Maran atha – Herr, komme bald – wo erklingt es noch?

    Wie das ganze Leben, so prägt dieser Weg nun auch die Versammlungen und Zusammenkünfte der vielgepriesenen „Gemeinde”. Das Ritual festbestimmter „Lobpreiszeiten” und der darauffolgenden „Predigt” wird immer mehr zum dominierenden Bestandteil des „Gottesdienstes”. Der Führung Gottes darf nicht mehr gefolgt bzw. Ihm darf nicht gedient werden, ohne immer zuerst den „vorgesetzten Leiter” zu fragen. Allein er hat nun „alle Fäden in der Hand”. Der Ausbau und die Aufrechterhaltung einer sichtbaren, gut durchorganisierten Gemeindestruktur werden zu ganz zentralen Bestandteilen in Lehre und Praxis gemacht. Dieser Struktur wird alles andere untergeordnet und schließlich ganz geopfert. Diverse gesetzliche, falsche Lehren über Finanzen, vor allem solche des Zehnten- und Opferdienstes, von denen wir hier einige betrachtet und analysiert haben, rücken dazu mehr oder weniger in den Vordergrund. Dasselbe betrifft die mitunter exzessiv abgehaltenen Belehrungen über Themen wie „Leiterschaft”, „Gemeinde” und die in diesem Zusammenhang stehende, so genannte „Unterordnung”. Ein über das „gemeine Volk” gestellter Gesetzes- und Levitendienst nach dem Muster des Alten Testaments, den der Hebräerbrief als „veraltet und greisenhaft bezeichnet, und „Leiterschaft” sind zum „Ein und Alles”, zum fast ausschließlichen Glaubensinhalt derer geworden, die diesen Weg immer wieder verfechten. Die Sündeschlechthin besteht nach solchem Diktus weniger in der Trennung von Gott als vielmehr darin, keiner örtlichen Gemeindestruktur anzugehören bzw. keinen menschlichen Leiter über sich zu haben!

    Die „Ortsgemeinde mit ihrer „Leiterschaft sei Dein Schutz, darum bräuchtest Du sie – so sagt man. Wo aber, lieber Bruder, liebe Schwester, steht dieser Satz in der Bibel? Hast Du ihn darin überhaupt schon einmal gesucht? Du hast ihn selbst dort noch nicht gefunden, nicht wahr? Aber etwas Anderes steht dort:

    „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen wohnt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich traue!”

Ps 91. 1 – 2, Schlachter

    Die Gemeinde – Dein Schutz? Hier wird in der Tat jene Organisation, die man für „die Gemeinde” hält, nicht nur mit der ekklesía, der Herausgerufenen Gottes, sondern mit dem lebendigen Gott selbst gleichgesetzt! Und so wird der Dienst Gottes immer mehr ausgehöhlt, ausgetauscht und verwechselt mit dem Dienst an einer durch menschliche Leiterschaft eingerichteten, sichtbaren Gemeindestruktur – dem goldenen Kalb vergleichbar, das die Israeliten als Jahwe, mit dem Namen Gottes also bezeichneten und dem allein sie nun ihr Gehör schenkten, und vor dem sie tanzten, sangen und spielten (2Mo 32. 1 – 6, 17 - 19). Und das, liebe Geschwister, nennt die Bibel Götzendienst (vgl. 1Kor 10. 1 – 12), und fordert noch immer Gottes Zorn heraus! Irrt euch also nicht!

    In solchem Götzendienst kreist letztlich alles um menschliche Führerschaft, da man Gott nicht mehr hören will und auch nicht hören kann. Der Leiter, oder bestenfalls ein Gremium einiger Weniger, entscheidet nun allein über Wohl und Wehe der durch menschliche Anordnung zusammengerufenen „Versammlung”. Menschen werden nicht oder kaum mehr aufgrund der ihnen von Gott verliehenen Gaben und Berufungen gefördert, sondern werden vielmehr willkürlich in die vorhandene Gemeindestruktur eingegliedert – je nach Notwendigkeit, wie sie der „Leitersieht und selbst zu begründen sucht. Die persönliche Entscheidung des Gläubigen aufgrund des ihn von Gott her leitenden Friedens oder des Unfriedens in seinem Herzen (Kol 3. 15) tritt dabei ganz zurück; es gilt, nicht mehr der Führung des innewohnenden Geistes Gottes, sondern in erster Linie den Anordnungen der Leiterschaft Folge zu leisten (vgl. Kol 2. 18 - 23).

    Was ist es da noch ein Wunder, wenn Geschwister innerlich hin- und hergerissen werden, dem zumeist sehr unterschwellig-subtil ausgeübten Druck am Ende nicht mehr standhalten können und darüber in der Seele krank werden. Ja, es macht krank, das andere Evangelium. So manches Menschenkind ist dabei in der Psychiatrie gelandet. Dies ist besonders in der charismatischen und Glaubensbewegung ein ganz verschwiegenes und auch nur allzu gern vertuschtes Kapitel. Vor den Flammenaugen des Auferstandenen aber (Off 1. 14), dessen Name ist treu und wahrhaftig (Off 19. 11), wiegt es schwer. Ihnen entgeht nichts; da mag man verschweigen, vertuschen und zudecken, was man will: jene, die sich in dieser Weise als „Leiterschaft” über andere zu erheben anmaßen, werden über ihr Tun einst ganz unweigerlich Rechenschaft abzulegen haben (vgl. Mt 25. 45 - 51). Denn hier ist geistlicher Mißbrauch derer, die man für „seine Untergebenen” hält, zum Tagesgeschäft geworden, wird antichristlicher Verführung ein weites Tor geöffnet (1Jo 2. 26 - 27).

    Nein, hier ist nicht etwa „das System” krank, so daß man hier und da lediglich etwas daran „verbessern”, die Symptome abändern müsse, damit die Heilung des Leibes Christi endlich voranschritte, wie wir denken mögen; sondern das System an sich ist die Krankheit, an der wir alle so sehr zu leiden und dem wir unseren Schaden zu verdanken haben. Da nützt es dann auch nichts mehr, wenn namhafte „Leiter” Aufsätze über geistlichen Mißbrauch verfassen und christliche Blätter über die allgemeinen Zustände in der Christenheit lamentieren, wobei dann ganz selbstverständlich nicht wir selbst, sondern immer die jeweils „andern” gemeint sind. Andere sprechen zuweilen sogar von Machtmißbrauch. Aber auch das ist eine Verschleierung, und zwar eine gründliche; denn der Herr lehrte uns nicht, übereinander Macht auszuüben, sondern Er sagte, daß einer dem andern zu dienen habe, daß wir uns einander unterzuordnen, einander die Füße zu waschen hätten; wo aber kein Gebrauch von Macht, da ist auch ein Mißbrauch von Macht nicht möglich und von vornherein ausgeschlossen. An den Symptomen herumgepfuscht haben wir also weit mehr als genug – nichts als gefährliche „Doktorspiele” von Menschen, die sich bislang geweigert haben, sich einmal wirklich unter Gottes Hand zu beugen und ihre Sünde zu bekennen, und zwar vor Gott und dem Bruder, den Gott uns an die Seite gestellt hat (1Jo 1. 5 - 10). Das einzige, was wir auf diesem Wege hervorgebracht haben, sind immer neue Verletzungen im Leben kostbarer Geschwister, ohne daß je der Krebsschaden in unser aller Leben jemals mit Namen genannt, geschweige denn wirklich geheilt worden wäre. Denn was hier regiert, ist längst nicht mehr der Herr; es ist ein anderer Jesus, ein anderes Evangelium und ein anderer Geist, die hier Einzug gehalten haben, wie der Apostel Paulus denen schreibt, die das Reden und Wirken falscher Apostel nur allzu leichtfertig begrüßt und aufgenommen haben (2Kor 11. 4). Und damit verkommt, da man die Liebe der Wahrheit zunehmend abweist und Gott – jetzt auf dem Gerichtswege – kräftige Irrtümer sendet, auch die Gemeinde zum Tummelplatz antichristlicher, betrügerischer Geister (2Thes 2. 1 – 12), und zum Austragungsort von Dämonenlehren und -praktiken (1Tim 4. 1 – 2ff). Die aber, die darunter sitzen, werden nun zur leichten Beute.

    Die Gemeinde am Ort hat damit längst aufgehört, Darstellung der vom Herrn Herausgerufenen (im Sinne der ekklesía Gottes) zu sein, und wird von Menschenhand immer mehr zur Sekte umgebaut; der Eine, der das Leben gibt, wird zunehmend aus der Mitte gedrängt und geht leise und unbemerkt, bis Er, der von Herzen Demütige und Sanftmütige, eines Tages ganz vor der Tür steht und anklopft, damit jene, die noch hören können, Ihm auftun, damit Er zu ihnen eingehen und mit ihnen das Mahl halten könne, das Hochzeitsmahl der Vereinigung mit dem Haupt (Off 3. 20). Da mag man indessen reich geworden sein und gar satt in Laodizäa; da mag man sich gar noch bestätigt fühlen, da man diverse „Kraftwirkungen” vor der staunenden Menge zu vollführen vermag – aber doch hat man das Allerwichtigste und damit das Eigentliche verloren – man hat das Leben nicht mehr. Denn dieses aus dem Geist geborene Leben Gottes läßt sich eben nicht kanalisieren und in menschliche Strukturen zwängen, auch dann nicht, wenn man diese Strukturen „nach biblischem Muster” selbst einzurichten gedenkt – es ist und bleibt Menschenwerk (Jo 3. 6 – 8). Denn hier hat man etwas ganz Maßgebliches, Grundlegendes und Entscheidendes übersehen: Gott wohnt nämlich nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind; Er ist also nicht in dem zu finden, was auch nur irgendwie aus dem Wirken von Menschen hervorgegangen ist (Apg 7. 47 – 51, vgl. Jes 66. 1 – 2). Er wird Sich Sein Werk niemals aus der Hand nehmen lassen.

    Es bleibt dabei: Der Herr fügt zusammen, Er baut, und Er sagt uns nicht etwa: „Baut (oder bringt!) Ihr euch ein!”, „Baut selber!”, sondern Er sagt ganz klar: Laßt euch einbauen!” (1Ptr 2. 4 – 6). Er, der der Anfänger des Glaubens ist, ist allein auch sein Vollender (Phil 1. 6, Hbr 12. 2); Er ist Alpha und Omega, Anfang und Ende gleichermaßen (Off 1. 8. 18); Er ist der Erste, der Anfang einer jeden Schöpfung (Kol. 1. 15) und Er wird immer auch der Anfang der Gemeinde als der Herausgerufenen Gottes sein (Kol 1. 18, 19). Er tritt niemals in eines andern Arbeit ein; Er ist und bleibt allein das Haupt der Gemeinde, das eine, einzige Haupt. Er ist der eine Eckstein, den die Bauleute verworfen haben; und so wurde Er für sie, die sich selbst zu bauen anmaßten,

    „ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Strauchelns denen, die sich auch an dem Wort stoßen, weil sie widerspenstig sind, wozu sie auch gesetzt sind.”

1Ptr 2. 6 – 8

    Kann ein Baustein (Vers 5) sich etwa selbst einfügen? Kann er etwa sich und anderen einen Platz aussuchen und – zuteilen? Verfügt er, der er nur ein Baustein ist, etwa über den Bauplan? Nein, nicht wahr? Was sagt unser Gott dazu? Hier die Antwort:

    „Spricht auch der Ton zu seinem Töpfer: ‚Was machst du?’ oder dein Werk: ‚Er hat keine Hände?’ Wehe dem, der zum Vater spricht: ‚Warum zeugst du?’ und zum Weibe: ‚Warum gebierst du?’ So spricht der Herr: Wegen der Zukunft befraget mich! Meine Kinder und das Werk meiner Hände lasset mir anbefohlen sein!”

Jes 45. 9 – 11, Schlachter

    (vgl. Kap. 64. 7; auch Jer 18. 1 – 6; Rö 9. 20, siehe dazu 1Kor 12. 14 – 26, 1Tim 2. 20a)

    So zieht Sich der Geist Gottes in dem Maße aus dem Gemeindeleben zurück, wie man daran geht, Sein Werk in die eigene Hand nehmen zu wollen und selbst zu bauen, Strukturen zu errichten. Ich selbst habe so manchen Kreis, so manche Gemeinschaft, die einmal geistlich, unter der Gegenwart des lebendigen Gottes begonnen hatte, am Ende darüber auseinanderbrechen sehen. Und oft, nur allzu oft stand da die Frage bzw. der Ruf nach einer menschlichen „Leiterschaft” im Raum: „Wer soll der Erste und Größte, der Leiter aller sein?” (vgl. Mk 9. 33 – 37, 10. 35 – 45). Gott aber macht dieses Gebaren nicht mit; Er wirkt nicht mit dem zusammen, was Er nicht geboten hat, da mag man bekennen und „glauben”, jubeln und jauchzen, kämpfen, machen und tun, was und wie man will. Schon das alte Israel jubelte und jauchzte, daß die Erde dröhnte, nachdem es, von den Philistern bedrängt, die Bundeslade herzugeholt hatte; wohl gedachte es, so einen Sieg über seine Feinde zu erringen. Da mußte es erst noch gewahr werden, daß es sich bereits unter Gericht und damit längst in der Niederlage befand (1Sam 4. 1 - 11). Da wurde das, was es in großer Torheit da anzuwenden suchte, ihm zum Gericht, und so wurde ihnen das genommen, was sie zu gebrauchen gedachten – die schöne Bundeslade selbst. Mag man auch anwenden, was man will; es bleibt dabei: Gott wirkt nicht in dem, was Er nicht angewiesen hat, mögen wir hier und da „Erfolge” hervorbringen oder auch nicht; Er kooperiert weder mit Menschenwerk, noch wirkt Er mit Sünde zusammen – niemals (vgl. 2Kor 6. 14 – 18).

    Auch Luther hatte dies erkannt; er soll den Zusammenhang in der Form ausgedrückt haben, daß Gott sich sogar aus Seinen Wort „herausschälen” könne, „so daß ihr nur noch die Hülsen nachbehaltet”.Und so hatte man auch in Israel jenes Wort erst noch zu buchstabieren, das da „Ikabod” hieß – „Die Herrlichkeit ist fort von Israel!”, das schon sprichwörtlich zum Ausdruck der Abwesenheit Gottes wurde. Es war der Schmerzensschrei einer gebärenden Frau, die sich zu ihrer Zeit wohl als einzige (!) der Tragik dessen voll bewußt war, daß mit der Bundeslade – Stätte und Symbol der Gegenwart und der Herrlichkeit Gottes – wegen des Ungehorsams des Hauses Eli auch Gott Selbst von Israel gewichen und das Volk in die Hände des Feindes dahingegeben worden war (1Sam 4. 19 – 25). Der Rückzug des Geistes Gottes ist eine, wenn auch tragische, so doch unumstößliche Tatsache, die immer dann zu beobachten ist, wenn man dazu übergeht, eine Leiterschaft zu begehren und beginnt, über sich „Häupter” einzusetzen – neben dem einen Haupt, das uns von Gott her verordnet ist (Eph 1. 22, 5. 23; Kol 1. 18 u.a.). Geht der Heilige Geist, dann kommen die Geister. Einen Leerraum gibt es nicht. Anstelle der vormaligen Herrschaft des Geistes Gottes gewinnen nun Lehren und Praktiken verführerischer Geister Raum, wie wir gesehen haben, und Knechtschaft entsteht dort, wo zuvor Freiheit zu finden war (2Kor 3. 17 - 18). Denn der Mensch regiert wieder; er nimmt die erste Stelle ein, und nichts, aber auch gar nichts geht mehr ohne die Einwirkung von Leiterschaft.

    Auch die Beziehung zu dem selbsterwählten König ist nicht ohne Vorvermittlung der jeweils zwischengeordneten Instanzen möglich. Das gemeinsame Leben von „Brüdern unter Brüdern”, als von „Gleichgesinnten” (vgl. Phil 2. 1 - 4, 4. 2 - 3) findet also genau hier ihr Ende. Der „Leiter”, Samuel nennt ihn den Obersten über Fünfzig, wird nun zur Bezugsperson aller gemacht. Diese Obersten über Fünfzig, dort zwanzig an der Zahl, haben ihren Bezug wiederum in den Obersten über Tausend. Und erst diese haben mit dem König überhaupt Kontakt. Denn die Obersten über Fünfzig sind zuallererst den Obersten über die Tausend untergeordnet; nur die Obersten der Tausend unterstehen dann dem König direkt und können mit ihm verhandeln. In dieser Struktur haben wir bereits das Grundmuster religiöser Dachorganisationen vorliegen, den Vorläufern gerade entstehender „christlichen Denominationen” oder „Kirchen”, neuer Abspaltungen von dem immer weiter geschundenen Christusleib. Nichts mehr zu sagen hat das „Volk”, als die Masse derer, die „unten” sind, und die nun von den „Obersten”, als den Bevollmächtigten des Königs, „von oben herab” regiert werden. In der Welt können wir genau dieselbe Struktur wiederfinden; denn für die Welt ist sie gemacht, und allein für sie hat sie von Gott her auch ihre Gültigkeit – niemals aber für Gottes Eigentum, Seine Kinder innerhalb des Christuskörpers. Und so gilt in der Welt sehr wohl, der von Gott in sie hinein gesetzten Obrigkeit untergeordnet zu sein – auch für uns, wie Paulus schrieb, denn noch leben wir in dieser Welt, und die Entrückung hat noch nicht stattgefunden (Rö 13. 1 - 6). Kurz danach aber wird Paulus dazu überleiten, daß es gilt, einem jeden das Schuldige zu erstatten; schließlich, nachdem er all dies behandelt hat, sagt er den Römern:

    „Seid niemandem etwas schuldig, außer, einander zu lieben” (Rö 13. 7 - 8).

    Einander lieben, so daß jeder jedem die ihm schuldige Liebe zukommen lassen soll – das gilt jedem einzelnen Glied der Gemeinde in Rom, an die Paulus schrieb; damit gilt es auch uns. Und wir bleiben darin Schuldner; denn die Liebe lebt weder im Gestern, noch im Morgen; sie lebt im Heute, im Hier und im Jetzt. Genauso wird die Liebe niemanden besonders vorziehen können, während andere dabei ins Hintertreffen geraten. Sie kennt nicht „Groß”, noch kennt sie „Klein”, aber sie selbst macht sich klein – immer um des Andern willen. Die Liebe wird niemals hinfällig, ermahnte Paulus dann auch die Korinther – ausgerechnet im Hinblick auf besondere Gnadengaben wie Prophetenwort, Zungenrede oder Erkenntnis (1Kor 13. 8). Denn eine Gabe gilt dem Dienst, wenn sie echt ist, und damit dem Bruder und der Schwester, die Gott mir an die Seite gegeben hat; sie stellt den, der sie ausübt, niemals über andere. Die Liebe ist völlig unabhängig von Gabe oder Berufung! So betrifft nun die Ordnung der weltlichen Obrigkeit, die noch einzelne, von Gott gesetzte Amtsträger besonders hervorhebt und aufgrund dieser Einsetzung auch besonderer Ehren würdig hält, nicht mehr den Umgang miteinander innerhalb dessen, was wir als „Gemeinde” bezeichnen. Denn da gibt es keinen Vorzug – für niemanden: Er, der Christus, ist der Meister, wir alle aber sind Brüder, alle miteinander auf ein und derselben Ebene, in diesem Sinne, obschon mit verschiedenartigen Gaben ausgestattet, als Gleiche unter Gleichen, wobei gleich nicht gleichförmig, sondern vor Gott gleichwertig zu bedeuten hat (Mt 23. 8 – 10) [11]. Noch nicht einmal für das alte Israel war die in den Völkern vorhandene, weltliche Ordnung von Königen und Vorgesetzten ein „anwendbares Modell” – es entsprach nicht dem Willen Gottes, wie wir gesehen haben. Denn anderenfalls hätte Er wohl kaum zu tadeln gehabt, daß Israel sich einen König erwählte:

    „Sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht König über sie sein soll”

1Sam 8. 7

    Das Ergebnis eines solchen Begehrens kam wohl von Gott, jedoch kam es auf dem Gerichtswege – eine Struktur der Trennung entstand, sowohl von Gott, als auch von dem Bruder und der Schwester. Damit aber entwickelte sich zugleich auch ein schwer zu durchschauendes System der Sünde – denn Sünde ist die Trennung von Gott und dem Nächsten, wie die Bibel lehrt (3Mo 19. 18, 5Mo 6. 5; Mt 22. 36 - 40, Rö 13. 8 - 10 u. a.). Offensichtlich hat man also erwählt, daß Gott auf dem Gerichtswege nun auch mit der Gemeinde verfahren soll. Ob vielleicht die vielen Leiterschaftskonferenzen, „Pastorenseminare unserer Tage etc. etwas mit dieser Sünde zu tun haben? Ich denke schon!

    Aber weit mehr noch gilt es herauszustellen, wenn wir den hier eingeführten Dienst recht beurteilen wollen: er ist ein Dienst der Vermehrung, der Vermehrung aber des Irdischen: das Volk soll den Acker des Königs pflügen und seine Ernte einbringen (1Sam 8. 12). Das auf diese Weise gemehrte, irdische Gut aber gehört ihm, dem König, den man sich selbst erwählt hat! In dem Dienst dieser Vermehrung stehen vor allem die weiter oben angeführten Lehren über das Geben des Zehnten. Doch auch der Zehnte fließt in die Kassen des Königs und seiner Bediensteten; sie mehren vor allem ihren Wohlstand und ermöglichen den Erfolg der von ihnen angeordneten Unternehmungen (1Sam 8. 15, 17). Erinnern wir uns noch daran, was Samuel sagte? Es ist ihr Kriegswagen, der rollen, ihr Feld, das bestellt und ihre Versorgung, die gewährleistet werden soll (Verse 11 - 13). Und so wird hier nicht gegeben, aller Mehrung (und vielleicht auch anderslautender Beteuerungen!) zum Trotz. Immer geht es um das Geschäft des Königs und seiner Vasallen, doch nie um die Nöte des Volkes, das diesem König dient (Vers 16). Hier wird genommen; ganze sechs Mal lesen wir „wird er nehmen” (Verse 11, 13, 14, 15, 16, 17). Da spricht alles von Raub und Knechtschaft; von einer Beraubung aber, die sich – neben der Verführung, die hier im geistlichen Bereich geschieht – vor allem im Irdischen, in Hab und Gut der zum Dienst Verpflichteten abspielt. Auch an diesem Muster erkennen wir die Wirkungsweise diverser Glaubenslehren wieder. Ihre Frucht aber ist das Gegenteil dessen, was ihre Verkündiger den Menschen einzureden suchen. Nicht Erfolg und Gewinn, sondern Raub und Mangel stehen für die Mehrzahl an ihrem Ende. Nicht umsonst sehen wir in der Sechszahl die Zahl des Menschen und des Irdischen dargestellt.

    Wer so dient, der verliert früher oder später seine Freude. Denn da ist kein Wort mehr von der Freudigkeit, dem Herrn zu dienen, von der Freiheit des Geistes (um es einmal neutestamentlich auszudrücken), vom Genießen der Gaben, die Gott schenkt; alles, das Beste, was sie haben, die Früchte ihrer Arbeit, ihr Besitz und Lebensunterhalt, ja ihr ganzes Leben, muß nun – statt dessen – dem selbsterwählten König dienen: Ein anderer bestimmt nun Verlauf und Berufung ihres Lebens. Hier verliert man das Beste, was man hat, und erhält den kümmerlichen „Rest” zum Lohn, ohne, daß der eigenen Not jemals aufgeholfen würde. Und so hat auch die Knechtschaft eines sich als „geistlich” gebärdenden Fron- und Zehntendienstes, wie er in zahllosen so genannten „Freien” oder Glaubensgemeinden unserer Tage praktiziert wird, ganz genau hier seine Wurzeln: in dem Abfall von dem lebendigen Gott und dem Erwählen menschlicher Leiterschaft. Und auch hier wird der Fluch, für den sich nur allzu viele durch solchen Abfall entschieden haben, sehr bald eintreten:

    „Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und hält Fleisch für seinen Arm. Er wird sein wie der Strauch in der Wüste; er wird nichts Gutes kommen sehen... Gesegnet ist der Mann, der auf den Herrn vertraut.”

Jer 17. 5 - 7, Schlachter

    So haben auch wir darauf zu achten, daß unser Herz allein auf Gott ausgerichtet bleibt. Verlassen wir diesen uns gebotenen Weg, so geraten wir in die Sklaverei selbsterwählter Leiterschaft, als der Herrschaft von Menschen: ist es doch das verbriefte Recht eines Königs, von seinen Untertanen – und zu solchen werden wir dann – Gaben in der oben beschriebenen Form einzufordern, ja unser ganzes Leben für seine Vorstellungen in Beschlag zu nehmen. Hier wird der Lehrsatz wirksam, wonach wir dessen Knechte werden, wem auch immer wir uns zum Gehorsam ergeben haben –

    „entweder als Sklaven der Sünde zum Tode oder des Gehorsams zur Gerechtigkeit,

    als dem Dienst Gottes also (Rö 6. 16). Der Dienst nach menschlichem Willen ist immer der der Sünde, getrennt von Gott; es ist ein Dienst, von dem Christus uns gerade erkauft hat, damit wir fortan frei seien, ihm allein zu dienen, und erst dann – aus Ihm heraus auch dem Bruder und der Schwester, und schließlich auch den Menschen in der Welt (vgl. Ga 6. 10). Auch und gerade hier gilt also, daß Christus in allem der Erste sein muß (Kol 1. 18). So werden wir, die wir doch Christus nachfolgen sollen, im Hinblick auf den einzigartigen Kaufpreis – Seinem teuren und kostbaren Blut dann auch nicht umsonst dazu ermahnt:

    „Mit einem hohen Preis seid ihr erkauft worden; werdet daher nicht Sklaven der Menschen.”

1Kor 7. 23

    Spätestens hier sollte anschaulich genug geworden sein, wohin die (gerade in den so genannten „freien” Gemeinden!) heute immer mehr um sich greifende „Lehre” über „Leiterschaft” und deren vermeintliche „Unterordnung” führt: sie versklavt die, die sie in ihrem Leben aufzunehmen und zu verwirklichen suchen, und bindet sie damit an jene, denen sie fortan zu dienen haben werden – mit allem, was sie sind und haben, als Gefangene ihres Willens. Die sowohl in geistlicher als auch in materieller Hinsicht überaus schädliche Zehntenlehre ist dabei nur ein Bestandteil unter vielen anderen; und doch ist sie ein sehr wesentliches; sorgt doch vor allem sie für die immer weitere Aufrechterhaltung eines ungöttlichen, gesetzlich-lieblosen, ja zuweilen skrupellosen Systems. Wie viele auf diesem Wege eines fürwahr „anderen” Evangeliums nicht nur arm und ausgeraubt, sondern auch in ihrer Seele ausgelaugt, ja regelrecht krank gemacht worden sind, ist kaum mehr abzuschätzen. An anderer Stelle haben wir uns ja dazu schon geäußert.

    Gesetzlichkeit, Herzenskälte und Lieblosigkeit werden also, zumeist sehr subtil verpackt, mehr und mehr zu Erkennungszeichen dieses Weges, der sich fälschlicherweise „Gemeinde” nennt. Eine liebe Schwester schrieb mir im Frühjahr 2003 zu diesem Thema die folgenden Sätze, die ich mit ihrer Genehmigung an dieser Stelle einmal auszugsweise wiedergeben möchte:

    „Ich... war bis vor einem Jahr praktisch mein ganzes Leben lang in charismatischen Gemeinden beheimatet. Ich kenne alle wichtigen „Stars der Szene (...) und alle typischen Lehren (auch die Zehntenlehre). Ich habe der letzten Gemeinde den Rücken gekehrt, weil ich das Fehlen von Liebe, Annahme, Vergebung, Freude (vor allem in der Leitung!!!) und den Leistungsdruck („Du mußt endlich in Deine Bestimmung kommen...) einfach nicht mehr ertragen habe. Die Gemeinde war ein Ort, an dem unablässig durch subtile Anklagen und Forderungen Schuldgefühle geschürt wurden. Auch wurde sehr großer Wert auf übernatürliche Erlebnisse gelegt.

    Obwohl ich Predigten usw. vermisse, fühle ich mich zum ersten Mal richtig wohl auch geistlich. Meine Beziehung zu Jesus war noch nie so eng und schön. Und das ohne Gemeinde!!! (Hätte ich nie gedacht...) Meinem Mann geht es übrigens genau so...

    Wir rufen damit nicht pauschal zum Verlassen von Gemeinden auf. Doch sind dies gewiß erschütternde Aussagen, die darüber hinaus zeigen, daß ein rechter Stand vor Gott nichts mit Gemeindezugehörigkeit zu tun hat. Zugleich zeugen diese Sätze auch von großer Freiheit, die ein Kind Gottes wieder oder ganz neu erfahren hat. Was kann schöner sein, als diese Freiheit und diese Freude erleben zu dürfen, wenn man zuvor nur die Knechtschaft kannte? [12]

    Die Linie der Überlassung unter menschliche „Autorität” setzt sich nicht nur die ganze Heilige Schrift hindurch fort; sie führt über die Zeit des Neuen Testaments hinaus bis in unsere Tage hinein, wie das obige Zeugnis der Schwester eindrücklich beweist. In genau derselben Tradition befanden sich auch schon die Pharisäer; sie bildeten die zur Zeit Jesu bestehende Leiterschaft, über die der Herr aussagt, daß sie „die Häuser der Witwen verzehren” würden (Mk 12, 40, Lk 20. 47). Nicht umsonst wurde gerade ihnen – im Zusammenhang der Erwähnung des Mammonsdienstes – nachgesagt, daß Geldgier sie umtrieb (Lk 16. 13 - 14). Denn sie begehrten nicht nur den Gehorsam und die Ehre, sondern vor allem auch die Gaben der Menschen; die Einforderung des Zehnten ist ihr herausragendes Merkmal (vgl. Mt 23. 23 - 24). Waren sie es doch, die sich gern selbst zu Leitern und Lehrern des Volkes aufwarfen und die Vordersitze in den Synagogen begehrten (siehe u. a. Mt 15. 14 und 23. 16; Rö 2. 19, 20). –

    So erkennen wir darin ganz unübersehbar deutliche Parallelen zu dem Gebaren so genannter „Leiterschaftunserer Tage, die man sich selbst aufgebürdet hat, weil sie das Gehör ihrer Zeitgenossen zu kitzeln verstanden (2Tim 4. 3). Auf diesem Wege ist man allerdings nicht Gott, sondern Menschen nachgefolgt, und ist damit, wie wir bereits sahen, in die Unfreiheit und Knechtschaft dieser vorgeblichen „Dienergeraten:

    „Denn gern ertragt ihr die Unbesonnenen, die ihr so besonnen seid! Ihr ertragt es doch, wenn man euch völlig versklavt, wenn man euch aufzehrt, wenn man von euch nimmt, wenn jemand überheblich ist, wenn man euch ins Angesicht schlägt”,

    sagt Paulus im Hinblick auf die „falschen” und „überragenden Apostel”, deren Kennzeichen solche Dinge sind (siehe 2Kor 11. 19 - 20; man lese die Verse im Zusammenhang).

    Und so sind es dann auch jene, die in den letzten Tagen Schätze aufspeichern – Schätze auf der Erde, Schätze für die von ihnen errichtete, nur allzu irdische Struktur, die sie „Gemeinde” zu nennen wagen; Schätze für sich selbst, zur Verwirklichung des Fleisches, die sie von denen nehmen und einfordern, die sie nun für ihre „Untergebenen” halten. Gott hat für solche kein Wort des Segens mehr übrig; ihnen, die die Rechte von weltlichen Königen begehren, wird Er vielmehr mit Jakobus zu antworten haben:

    „Siehe, der Lohn, der von euch den Arbeitern, die eure Äcker gemäht haben, entzogen worden ist, schreit, und die Hilferufe der Erntenden sind in die Ohren des Herrn Zebaoth eingegangen.”

Ja 5. 4

    Man merke auf: Gott wird uns hier nicht nur als Gott, sondern als „Herr Zebaoth”; der Herr der himmlischen Heerscharen, vorgestellt! Die Heerscharen Gottes sind die Engel; die Engel aber sind die Schnitter, die die Ernte der Endzeit einzufahren, abzuschneiden haben, um die Guten von den Bösen zu scheiden (Mt 13. 24 – 30, 37 - 43). Die Ernte Gottes ist an dieser Stelle also nicht die Evangelisation in der Welt, die wir zu vollbringen hätten. Gott ist allein der Herr der Ernte; in obigem Zusammenhang steht es da; Er ist es, der ernten läßt – hier nicht durch Menschen, sondern durch die Engel der endzeitlichen Gerichte, jene Schnitter, die Gut und Böse von der Erde abzuschneiden, einzusammeln und voneinander zu trennen haben. Die aber, die bei Jakobus ernten, die ernten für die Reichen, für die „Könige” nach den Maßstäben dieser Welt, ernten für deren Gewinn und Vorteil, gemäß den Vorstellungen derer, die sich nun ihre „Leiterschaft” nennen (vgl. 1Sam 8. 13). Wie das Taumellolch genannte Unkraut des Gleichnisses Jesu (es führt seinem Namen nach also zum Taumeln, zum trunken und unnüchtern sein) [13] wirkt auch hier das Unechte täuschend echt; so bleibt es vielfach verborgen, bis Gott Selbst es offenbart und wegnimmt (Mt 13. 24ff). Deshalb sollen wir es nicht vor der Zeit ausraufen, sondern wachsen lassen bis zur Endzeit; wir würden es sonst mit dem Echten verwechseln, das Gute mit dem Bösen herausziehen und großen Schaden anrichten.

    Doch darauf hinweisen, das sollen, ja müssen wir wohl, allein schon um derer willen, die es hier zu bewahren oder wieder zurück in die Freiheit der Kinder Gottes zu rufen gilt. Denn das Ende der hier beschriebenen „Diener” ist das Gericht, und ihre Werke werden am Tag des Herrn dem Feuer überantwortet werden, in dem all das, was von der Erde ist, brennen wird wie trockenes Stroh (Mt 13. 40 – 42, Ja 5. 1 – 3, 1Kor 3. 10 - 15). Und dennoch ist es ihr verbrieftes Recht, das all jene ihnen immer wieder einräumen, die beschlossen haben, ihnen nachzufolgen, sich ihrer „Autorität” zu beugen. – Was also ist die Lehre des Gesagten? Wer immer sich einen Menschen zum Leiter erwählt, wer noch immer nach menschlicher Leiterschaft ruft, der flehe nicht zu dem Herrn, daß Er diese seine „Leiterschaft” oder die durch diesen Weg hervorgerufenen Umstände ändere; Er würde ihn doch nicht hören (1Sam 8. 18). Bist Du noch auf diesem Wege? Dann bitte Ihn nicht darum, daß Er deine Last leichter mache, bevor du diesen Weg nicht verlassen hast; denn vorher wird, ja kann Gott dein Flehen nicht beantworten! Denn sie alle, die man sich zu Leitern erwählte, begehren das, was ihnen dann auch zusteht: das Königsrecht!


Könige und Oberste: So soll es nicht bei euch sein

    Wir schließen nun diese unsere Betrachtungen ab. Daß Du die Liebe verlässest - das war das große Thema unseres vierten Kapitels. Uns geht es nun darum, zu dieser Liebe zurückzukehren, wie sie der Herr gelehrt und wie sie am Anfang unter den Jüngern auch noch vorhanden war. Und wieviel Mühe der Meister gerade auf diesen Lehrgegenstand gelegt hatte, davon, so hoffen wir, ist auch in dieser Schrift ein wenig deutlich geworden. Es ist also festzuhalten, daß die heutigen Zustände kein Ausdruck des Willens Gottes, sondern gerade eine Folge der Abkehr von diesem Willen und der daraufhin über Jahrhunderte hinweg errichteten Menschenherrschaft sind! Wie sehr die oben beschriebene Ordnung mit dem Willen unseres Herrn in geradezu eklatantem Widerspruch steht, das vermag an dem folgenden, für die Jünger einschneidenden Ereignis deutlich zu werden:

    Dann trat die Mutter des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Ihm und fiel nieder, um etwas von Ihm zu erbitten. Er fragte sie: „Was willst du? Sie antwortete Ihm: „Sage, daß meine Söhne in Deinem Königreich einer Dir zur Rechten und einer zur Linken sitzen mögen. Jesus antwortete ihnen: Ihr wißt nicht, was ihr euch erbittet. Könnt ihr den Becher trinken, den Ich zu trinken im Begriff bin? Sie sagten zu Ihm: „Das können wir! Er entgegnete ihnen: Meinen Becher werdet ihr zwar trinken, aber Mir zur Rechten und zur Linken zu sitzen – das ist nicht an Mir zu vergeben, sondern wird jenen zuteil, für die es von Meinem Vater bereitet ist.

    Als die Zehn das hörten, waren sie über die zwei Brüder entrüstet. Jesus aber rief sie zu Sich und sagte: Ihr wißt, daß die, die als Fürsten unter den Nationen gelten, sie beherrschen und daß ihre Großen sie vergewaltigen (wörtlich: kat-exouziáso, Herab-Vollmacht über sie ausüben). Doch bei euch sollte es nicht so sein; sondern wer groß sein will, soll euer Diener sein, und wer unter euch der Erste (oder der Vordere, grie. proton) sein will, soll euer Sklave sein, ebenso (!) wie der Sohn des Menschen nicht kam, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und Seine Seele als Lösegeld für viele zu geben.

Mt 20. 20 - 28

    Dies ist ein ganz bemerkenswertes, bis heute aber in seiner ganzen Tiefe kaum wirklich verstandenes Wort. Denn hier wird die Ordnung dieser Welt als genau dieselbe Ordnung von Königen und Vasallen beschrieben, wie wir sie in unserer Betrachtung über das Königsrecht bisher erörtert haben, und gesagt, daß dieser Zustand unter den Jüngern Jesu nicht herrschen solle. Was tun nun die Fürsten der Nationen, von denen Jesus spricht? Sie beherrschen die Völker, über die sie als Könige gesetzt sind. Doch dies ist nicht die ganze Wahrheit, denn Jesus spricht hier nach dieser Übersetzung auch von denGroßen, die sie (d. h. die Völker) vergewaltigen. Und diese Großen sind nicht irgendwelche; der Herr nennt sie „ihre, d. h. also die Großen der Könige. Diese Großen üben nun Gewalt aus über denen, die der Herr als „Nationen, als die Menge der Völker also kennzeichnet. Das hierbei verwendete Wort lautet kat-exouziáso, herab-vollmachten. Es wird also eine Macht von oben herab ausgeübt, diese Macht jedoch ist keine eigene, sondern eine verliehene; es ist die Vollmacht der Könige, die diese Großen unter sich eingesetzt haben, um ihre Völker zu regieren und über sie Macht auszuüben. Hier wird also ganz klar eine Hierarchie beschrieben, wie sie in der Welt üblich ist.

Erinnern wir uns noch, welche Ordnung es war, die Samuel denen angekündigt hatte, die einen König haben wollten?

    „Das wird das Recht des Königs sein, der über euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmen und sie seinen Kriegswagen und seiner Reiterei zuteilen und daß sie vor seinem Wagen herlaufen; und daß er sie mache zu Obersten über Tausend und zu Obersten über Fünfzig...”

    Wir sagen es noch einmal: Hier haben wir genau dieselbe Hierarchie vorliegen, von der der Herr sagt, daß eine solche Ordnung unter den Jüngern nicht zu finden sein soll. Und so haben wir hoffentlich auch nicht vergessen, woher diese Ordnung kam, deren Einrichtung das Volk von Samuel begehrt hatte:

    „So setze nun einen König über uns, der uns richte, nach der Weise aller andern Völker!

1Sam 8. 5

    Und auch diese Aussage stimmt voll und ganz mit dem Wort unseres Herrn überein, spricht er doch von denen, die als Fürsten unter den Nationen gelten.

    In unserem Wort „Fürst” haben wir eine zweite Besonderheit vorliegen. Es lautet im Griechischen archon. Von archê, Anfang abgeleitet, weist es - so wörtlich - auf einen Anfänglichen in Vorrangstellung” hin [14]. Unter anderem ist es enthalten in dem Wort archángelos, Boten- oder Engelfürst (wörtlich: Anfangsbote, eingedeutscht: Erzengel, 1Thes 4. 16). Christus wird uns beschrieben als archipoimen, Oberhirte (wörtlich: Anfangshirte, eingedeutscht: Erzhirte, 1Ptr 5. 4), als Anfänger des Glaubens (archegos, Anfangsleitender, Hbr 12. 2) und als Hohenpriester (archiräus, Priesterfürst, wörtlich: Anfangspriester, Hbr 2. 17, 3. 1, 4. 14 u. v. a.; dasselbe Wort auch für die Hohenpriester des Alten Bundes, Mt 28. 11, Hbr 8. 3, 10. 11 u. a.). Wenn das geistliche Priestertum auch eine Hierarchie in sich darstellt, ist doch zu sagen, daß dies keine Herrschaftshierarchie, sondern eine solche des Dienens und des Einsetzens für andere vor Gott ist, in der, wie der Hebräerbrief sagt, das Geringere von dem Höheren, der Unvermögende von dem Vermögenden also gesegnet wird, was mit dem Wort „unwidersprochen” noch bekräftigt wird (Hbr 7. 7). Der, der alle Dinge in Händen hat, beugt sich zu dem Geringeren nieder, um ihm zu dienen und nicht, um sich von ihm dienen zu lassen. In Mk 5. 22 ist archê ebenfalls in dem Wort archisynagôgos, Synagogenvorsteher enthalten (wörtlich: Anfänglicher der Synagoge). Das Wort archon hat sich u. a. im Erzbischof (von episkopos) erhalten, den wir aus dem kirchlichen Vokabular kennen; in weltlichem Sinn finden wir es in allen Begriffen wieder, die eine Herrschaft bezeichnen, wie Monarchie (die Herrschaft eines Einzelnen), Oligarchie (eine reiche herrschende Oberschicht) und eben auch Hierarchie, der Begriff, den wir eben behandelt haben, die hier allerdings das System eines Herrschenden und seiner Bevollmächtigten bezeichnet, die dieser Herrschende über sein Volk eingesetzt hat, um mit ihrer Hilfe seinen Willen bzw. seine Vorstellungen „nach unten” durchzusetzen. Und es ist ganz bezeichnend, daß der Herr, obwohl Er Selbst solche Bezeichnungen innehat, den Zustand eines solchen archon, eines solchen Fürsten bzw. Herrschers also, der zur Ausübung seiner Macht Bevollmächtigte einsetzt, für den Weg, den die Jünger miteinander zu gehen haben, kategorisch und für alle Zeiten ausschließt.

    Aber, mag der Leser einwenden, du hast nicht zu Ende gelesen; ist nicht der Anfang auch der Erste, und steht da nicht von den Ersten in der Schar der Jünger? Doch welchen Begriff verwendet der Herr für diesen Ersten? Er gebraucht für ihn, und auch das ist bezeichnend, nicht mehr das Wort archon, Fürst, sondern proton, Erster oder Vorderer. Und so haben wir auch hier zu lernen, daß für diese Ersten eine jegliche Herrschaft über ihre Mitgeschwister ganz und gar ausgeschlossen ist! Warum aber sind sie die Ersten, wozu die Vorderen? Und wie sieht ihr Dienst aus, den sie vollführen sollen? Und vergessen wir nicht – es sind ja alle und nicht nur einige Wenige, die hier angesprochen werden, den Weg eines solchen Dienens zu gehen!

    Nun, wie das Wort sagt, wir sprechen weniger vom „Dienst”, einem Begriff, der in den hinter uns liegenden Jahren eine gewisse „Spezialbedeutung” im Sinne besonderer „Dienste”, „Dienstgaben”, „ministries”, von „Leiterschaft” usw. erfahren hat; wir sprechen vom Dienen. Und auch der Herr spricht davon! Er meint ja nicht einen solchen „Dienst”, der einen großen Namen anführt und nun – üblicherweise – von allen verlangt, daß sie sich wegen dieses Namens unter ihn zu beugen, ihm Ehre, Ruhm und Darbringung zu erweisen hätten. Wir haben zu akzeptieren, daß der Herr den Seinen zwar Vollmacht über die Mächte der Finsternis gab, auch gab Er ihnen Vollmacht, das Wort zu sagen; doch Er gab uns niemals Vollmacht über das Leben anderer Kinder Gottes. Dirigierst Du noch immer deine Mitgeschwister, der Du Dich ein „Leiter” nennst und Wert darauf legst, als ein solcher begrüßt und geachtet zu werden? Höre auf damit, laß den „Leiter” dahinten, bekenne diese Sünde und kehre um; dann demütige Dich unter die, die Du gerade dirigiert hast, und diene ihnen, wie der Herr will, daß wir einander dienen sollen! Wir haben uns zu beugen, wenn wir Füße waschen wollen, herab unter den Bruder, herab unter die Schwester; nicht umsonst hat uns der Meister gerade dieses Beispiel gegeben, „damit auch ihr tut, wie Ich an euch getan habe” (Jo 13. 15). Denn Er hieß uns nicht, Unterordnung zu verlangen, Macht also auszuüben oder das Gewähren von Macht einzufordern, sondern Er wies uns an, uns alle untereinander unterzuordnen, indem wir jeden andern höher achteten als uns selbst und damit einen jeden Anspruch am Anderen aufgäben!

    Das ist dann wirklich das Ende aller menschlichen Macht; da gibt es in der Gemeinde keine Herrschaft mehr als die des Herrn Jesus, des Hauptes allein. Da kommt die Liebe, über Jahrhunderte verraten und vergessen, endlich wieder auf den Thron – damit aber Gott Selbst, der diese Liebe ist (1Jo 4. 16). Damit aber kann das unter uns Wirklichkeit werden, wovon Paulus schrieb, daß in Ihm, dem Haupt der Gemeinde über alles, alle Dinge unter die Füße getan werden – jede Macht und jede Herrschaft, die nicht allein genannt sind in diesem, sondern auch in dem zukünftigen Zeitalter (Eph 1. 21 - 23). Wenn Gott diesen Christus nimmt, von dem Paulus hier spricht – nämlich dem vervollständigten Christus aus Haupt und Gliedern – dann dazu, um ihn als Ganzes einst als Haupt über jede andere Herrschaft zu setzen! Dazu aber muß schon heute eine jede Herrschaft unter Seinen Füßen enden – unter den Füßen des Christuskörpers, die den Boden berühren, die also noch auf dieser Erde wandeln! Er kann dann ja nur erhöhen, was heute schon gelernt hat, sich zu demütigen (vgl. Mt 23. 11 - 12, Lk 1. 50 - 53, 14. 1 - 11, Ja 4. 10, 1Ptr 5. 6 - 7 u. a.). Und genau dort müssen wir hingelangen, wenn wir in die Reife kommen wollen, damit Gott uns, zusammen mit dem Haupt, einst zu dem setzen kann, was unserer herrlichen, noch ausstehenden Berufung in der Himmelswelt entspricht!

    Des Menschen Sohn ist ja gerade nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben (Mt 20. 28). Will jemand also einer von den ganz „Großen” sein, dann werde er wie der Herr und folge Ihm; er werde klein, komme herunter, und werde aller Diener. Willst Du der „Erste” sein, als der, der anderen vorangeht? Dann mußt Du diesen Weg vor allen anderen gehen, diesen Weg und keinen andern; denn das meint das Wort „Erster” oder „Vorderer” im Wortsinn! Da gilt es, darin Vorbild zu sein, Jesu Niedrigkeit, Seine Selbstentäußerung vorzuleben für die, die diesen Weg noch nicht gegangen sind, ihnen darin Halt zu sein, Hilfe und Orientierung gleichermaßen. Vorbild ist der, der in diesem Sinne wirklich vorne steht und an dem Andere das Wesen des Herrn – einem Bilde gleich – erkennen können; strecke dich also danach aus, dich zum Sklaven aller zu machen, wenn Du vorne sein willst, zum lebenden Anschauungsunterricht für Andere. Da geht es dann nicht mehr darum, die „Vordersitze in den Synagogen” einnehmen zu wollen, wie die Pharisäer taten; da werden wir dann nicht mehr einfordern, eifern und begehren, auch und gerade dann nicht, wenn es doch für „die Belange des Reiches Gottes” sein soll, wie wir vielfach sagen hören. Was für ein „Reich Gottes” soll das denn sein, das da etwas für sich verlangt? Auf keinen Fall kann es das der Liebe sein; denn die Liebe sucht ja gerade nicht das Ihre, wie Paulus schrieb (vgl. 1Kor 13. 5) und wir im Verlaufe dieser Schrift auch mehrfach erwähnt haben! Damit ist dieses Reich dann auch nicht Gottes, und der Gott, dem dieses Reich zu dienen meint, ist nicht der Gott der Bibel. Wenn dieses Reich aber nicht Gottes Reich sein kann – wessen Reich ist es dann? Vielleicht merken wir nun, wie wenig dieses Reich, das wir da vielerorts bauen wollen, mit dem zu tun hat, wovon wir im vorstehenden Absatz gesprochen haben!

    Und noch ein Anderes ist hier wichtig und darf auch an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Der Weg des Begehrens und Eiferns ist ja gerade der Weg, der uns in den Mangel hineinführt und vielfach auch hineingeführt hat (siehe Ja 4. 1 - 3). Und so ist es nicht der, der einfordert, sondern der, der gibt, der empfängt (vgl. Lk 6. 38). Da müssen wir zu Gebenden werden, wie der Herr gab; da ist und bleibt ein jedes Fordern, eine jede Herrschaft ausgeschlossen! Wie aber gab der Herr? Nun, wir lesen überhaupt nichts davon, daß Er etwa große Geldsummen in den Tempel oder in die Synagoge gegeben habe. Er gab überhaupt nicht „etwas. Er gab Sich Selbst; Er legte Seine Seele für die Brüder nieder, und darum sollen auch wir unsere Seelen für die Brüder niederlegen (1Jo 3. 16 - 18). Wollen wir es ganz neu lernen, und so in die Versorgung unseres Herrn hineinkommen? Wollen wir darangehen, diesen Weg der Liebe wirklich gehen zu lernen, Schritt für Schritt zwar, vielleicht erst stolpernd und Hilfe suchend, dann aber immer sicherer, heller und klarer werdend? Dann lernen wir es also!


 
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Anmerkungen und Erklärungen zum Kapitel.

[1]  Bereits um das Jahr 100 wird auch das Abendmahl als Sakrament aufgefaßt; dazu entstehen erste Liturgieformen (nach: Daten der Weltgeschichte, Prof. Werner Stein Hrsg., Weltbild- Verlag, S. 272). Auch die erste der Nachwelt bekannte Madonnenstatue kommt aus dieser Zeit, ein Relikt des Mithraskultes, der sich schon früh in die Christenheit eingeschlichen hat. Näheres dazu in den nächsten Absätzen. Auch in anderen Religionen finden sich solche Abbildungen wieder, wie etwa bei der Darstellung der Göttin Isis mit dem Söhnchen Horus in der altägyptischen Götterwelt. Ebenso ist in dem Zusammenhang der Tammus (auch tammuz) der babylonischen Mythologie zu nennen; er wird dort nicht nur als Sohn des mesopotamischen Mondgottes Sin bzw. des Wassergottes Ea angesehen, sondern auch als Sohn des Jägers Nimrod und der Göttin Semiramis und gilt als Gott der absterbenden und wiedererwachenden Vegetation. Nimrod war der erste König dieser Erde, Herrscher über Babel, das man auch Sinear (nach Sin!) oder Chaldäa nannte; der Turmbau zu Babel geht demnach auf seine Regentschaft zurück (1Mo 10. 6 – 12, 11. 1 – 9). Die spätere Mythologie kennt ihn auch als den Bacchus (Sohn des Chus oder des Kush). Semiramis ist nichts anderes als die alte Astarte (hbr. Aschera´h), Babylons Fruchtbarkeitsgöttin selbst, die auch unter dem Namen Ishthar bekannt ist; und Nimrod wurde zum Kriegsgott, dem Adon oder Adonis Babylons, der auch durch den altgermanischen Odin oder Wotan (Wodan) verkörpert wird. Vorzeiten schon wird die Semiramis als Himmelskönigin verehrt, eine Verehrung, die wir später im römischen Marienkult verschleiert wiederfinden, da auch sie auch dort – in Form der so genannten „Madonna – in gleicher Weise als Himmelskönigin dargestellt wird. Luther etwa hat am Anfang seiner Wirksamkeit und seiner beginnenden Auseinandersetzung mit der römischen Kirche noch sehr folgerichtig erkannt, daß sein Kampf gegen das Reich Nimrods und seiner Frau zu gehen habe. So schrieb er: „… weiß ich jetzt und bin überzeugt, daß das Papsttum das Reich Babylon und die Herrschaft des gewaltigen Jägers Nimrod ist (Martin Luther, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, in: „Von christlicher Freiheit, Zürich: Manesse, 1990, S. 372).

    Beide, Semiramis und Tammus, kennt man überdies auch unter den Namen Rhea und Nin oder „Muttergöttin und Sohn, deren Statuen überall aufgestellt und angebetet wurden. So gibt es also auch vom Tammus Abbildungen, die ihn auf dem Arm der Semiramis-Astarte sitzend zeigen. Sein Insignum ist das T(au), das wir in verschiedenen Abwandlungen des Kreuzzeichens wiederfinden. Nach seinem Tode sei er dann schließlich zu einem Gottmenschen, als dem reinkarnierten Nimrod, erhoben worden. In der Mythologie wiederholt sich dieser Tod allsommerlich, er stirbt in der Hitze und steigt dann in die Unterwelt hinab. Es gibt Darstellungen, nach denen der Sonnengott ihn tötet. Um seinen Tod zu beklagen, wurde er in jedem Jahr rituell „beweint; sein Begräbnis wurde im vierten nach ihm benannten Monat (Tammus = Juni/Juli) begangen. Noch heute existiert derselbe Monatsname im Jüdischen Kalender. Der unbiblische und eindeutig aus dem Heidentum der babylonischen Götterwelt übernommene Marienkult, wie wir nun deutlich genug gesehen haben, hat also sehr zeitig schon eingesetzt, ähnlich, wie auch in Israel die widergöttliche Verehrung des Tammus immer wieder einmal Fuß faßte (vgl. Hes 8. 14); doch hier ist es mehr: hier wird die Finsternis planmäßig zum Licht, werden Dämonen zu Überbringern des Lichts, wird das goldene Kalb zum Gott Jahwe umerklärt (vgl. 2Mo 32. 1 – 6).

    Die bis heute fortbestehende römisch-kirchliche Tauflehre und -praxis hat ihre Wurzeln gleichfalls im Heidentum. Alexander Hislop (1807 – 1865) schrieb 1858 in seinem bis heute kaum übertroffenen Standardwerk „Von Babylon nach Rom (Orginaltitel „The Two Babylons) u. a. folgendes darüber: „Die heidnischen Vorfahren der Engländer, die Anbeter Odins, praktizierten bekannterweise Taufriten, und der Zweck, zu dem sie diese praktizierten, zeigt, daß sie zumindest ursprünglich geglaubt haben müssen, daß die natürliche Schuld und Verdorbenheit ihrer neugeborenen Kinder dadurch abgewaschen werden konnte, daß man sie mit Wasser besprengte oder sie in Seen oder Flüsse tauchte, sobald sie geboren waren. Dieser Taufkult ist weltweit verbreitet; es gibt ihn in Europa, auf dem indischen Subkontinent wie unter den Stämmen Afrikas und Amerikas gleichermaßen. Und so fährt Hislop fort, indem er eine Begebenheit wiedergibt, die sich den staunenden Eroberern Mexikos präsentierte: „Ja, als Cortez und seine Krieger auf der anderen Seite des Atlantik an der Küste Mexikos landeten, sahen sie dieselbe Lehre der Taufwiedergeburt in voller Gültigkeit unter den Eingeborenen... Die Zeremonie der mexikanischen Taufe, wie sie mit Erstaunen von den spanischen römisch-katholischen Missionaren wahrgenommen wurde, wird sehr eindrucksvoll von Prescott in »Conquest of Mexico« beschrieben: »Als alles für die Taufe Notwendige vorbereitet war, wurden alle Verwandten des Kindes versammelt und die Hebamme gerufen, die den Ritus der Taufe durchführte... Bei Beginn der Morgendämmerung trafen sie sich im Hof des Hauses. Als die Sonne aufgegangen war, nahm die Hebamme das Kind auf die Arme und bat um ein kleines irdenes Gefäß mit Wasser, während die, welche bei ihr waren, die Geräte in der Mitte des Hofes aufstellten, die für die Taufe vorbereitet worden waren. Um den Ritus der Taufe durchzuführen, stellte sie sich mit ihrem Gesicht nach Westen auf und begann sofort mit bestimmten Zeremonien… ›O mein Kind, nimm und empfange das Wasser des Herrn der Welt, welches unser Leben ist, welches zum Wachstum und zur Erneuerung unseres Leibes gegeben ist. Es dient dazu zu waschen und zu reinigen. Ich bete, daß diese himmlischen Tropfen in deinen Leib eindringen und dort bleiben mögen, daß sie all das Böse und all die Sünde zerstören und von dir entfernen mögen, welche dir vor Beginn der Welt gegeben wurden, denn wir alle stehen unter ihrer Macht.‹ … Dann wusch sie den Leib des Kindes mit Wasser und sprach: ›Wann immer du kommst, der du dies Kind verletzen willst, verlasse es und weiche von ihm, denn jetzt lebt es von neuem und ist von neuem geboren; jetzt ist es gereinigt und frisch gesäubert, und unsere Mutter Chalchivitlycue [die Göttin des Wassers] bringt es in die Welt.‹ Nachdem die Hebamme so gebetet hatte, nahm sie das Kind in beide Hände, hob es gen Himmel und sagte: ›O Herr, du siehst hier dein Geschöpf, das du in die Welt gesandt hast, an diesen Ort der Sorge, des Leides und der Buße. Verleihe ihm, o Herr, deine Gaben und deine Eingebung, denn du bist der große Gott, und bei dir ist die große Göttin.‹« (...) Unmißverständlich liegt hier das Opus operatum vor. Hier haben wir Wiedergeburt durch die Taufe und auch den Exorzismus vorliegen..., und zwar so gründlich und vollständig, wie es sich ein römischer Priester... nur wünschen kann. Man könnte fragen, welchen Beweis es dafür gibt, daß Mexiko seine Lehre von Chaldäa abgeleitet hatte. Der Beweis ist ganz eindeutig. Aus den Nachforschungen Humboldts geht hervor, daß die Mexikaner genau wie auch unsere Vorfahren Wotan als den Begründer ihres Geschlechts feierten. Der Wotan oder Odin Skandinaviens ist nachweislich der Adon Babylons... (Aus: Alexander Hislop, Von Babylon nach Rom. Der Ursprung der römisch-katholischen Religion, CLV 1997, 2. Aufl. 2002, S. 120 -121).

    Doch das soll hierzu als Beispiel für eine Handlung genügen, die nichts mit der Lehre der Apostel, dafür aber vielmehr etwas mit dem Heidentum der Welt zu tun hat. Spätestens an dieser Stelle sollten wir uns einmal ernsthaft fragen lassen, wohin uns eine Handlung führt, die nachweislich nicht die Taufe des Neuen Testamentes ist, da das Neue Testament nur den einen Herrn, den einen Glauben und die eine Taufe gelten läßt (Eph 4. 4 – 6). Womit wird eine nachgewiesenermaßen okkulte Handlung den verbinden, der sich ihr unterzieht oder sich auf ihre Wirksamkeit in seinem Leben beruft? Und was wird der Herr mit denen tun, die diese Handlung, vielfach wider besseres Wissen und Gewissen, selbst ausüben und darüber auch weiterhin nicht umkehren wollen, da ihnen die Tradition und die Verpflichtung ihrer Kirchenlehre wichtiger erscheint als die einfache Klarheit des Wortes Gottes? Ein lutherischer Pfarrer sagte einmal einer lieben Schwester, als sie ihm diese und andere Wahrheiten sagte, daß sie wohl recht habe; doch „sein Brötchengeber sei nicht Gott, sondern die Kirche. Es war also seiner Kirche mehr verpflichtet als Gott. Liegt darin vielleicht der Grund, weshalb sich so viele kirchlich Gebundene ein ganzes Leben lang so ernsthaft mühen und vielfach doch nicht ganz in die Freiheit eines Lebens in Christus durchbrechen können, nicht wirklich von dem Alten und vor allem von sich selbst loskommen? Gelangen wir nicht erst dann aus der Wirksamkeit von Römer 7 in die von Römer 8, nachdem wir in die Wirksamkeit von Römer 6 – die der Taufe in den Tod und darum auch des realen Mitverbundenwerdens in das Leben Christi – tatsächlich auch eingetreten sind? Würde hier ein schlichter Gehorsam ungetaufter Gläubiger gegenüber Gottes Wort nicht so manche Schwierigkeit beseitigen, indem die Einflüsse der Finsternis in ihrem Leben endlich einmal abgeschnitten würden? Hörte dann nicht der scheingeistliche Betrug durch kirchlichen Mystizismus auf? Und liegt hierin nicht zuletzt auch der permanente Widerstand Satans gegen die Taufe des Neuen Bundes begründet? Antworten auf diese Fragen gebe sich der ehrliche und gegenüber der Wahrheit aufgeschlossene Leser selbst. –

[2] Noch heute wird dieses magische, mit Elementen ritualistischer Zauberei durchsetzte Verständnis gelehrt. Im katholischen Bibellexikon von 1968 etwa ist unter dem Strichwort „Taufe folgendes nachzulesen: „Die Taufe Jesu im Jordan. [...] Die Überlieferung (!) hat in der Taufe Jesu das Moment festgehalten, daß durch Berührung mit Jesu Menschheit dem Wasser die im christlichen Taufsakrament wirksame heiligende Kraft mitgeteilt (!) wurde, d. h. die Einsetzung der christlichen Taufe, obwohl diese erst nach Jesu Tod und Auferstehung gespendet wurde. Auch kann man in der Taufe Jesu den Prototyp des Sakramentes sehen, insoweit der Gläubige durch die Taufe Gotteskind wird (!) und so im gleichen Verhältnis zu Gott steht wie Jesus bei seiner Taufe im Jordan (Aus: Bibel-Lexikon, Benziger Verlag / St. Benno 1968, Seite 1712, Stichwort „Taufe zu „Die christliche Taufe). Auch in evangelischen Kreisen ist diese magische Irrlehre, evtl. geringfügig abgewandelt, weitverbreitet.

[3] Taucht man die Kinder lange Zeit noch unter, wie dies die orthodoxe Kirche bis heute noch praktiziert, wird man sie Jahrhunderte später allerdings nur noch mit Wasser besprengen, wie dies schon die heidnischen Vorfahren vor der Christianisierung in ihren Kulten taten. Wie zahlreiche noch heute erhaltene Baptisterien und übergroße Taufsteine in mittelalterlichen Kirchen zeigen, die bis dahin noch in Gebrauch waren und in denen man die Kinder noch untertauchen konnte, wird erst im dreizehnten Jahrhundert die durch Benetzen geübte „Taufhandlung generell üblich! Von der selben Zeit an wird in der römischen Kirche auch das Abendmahl nur noch in Gestalt des Brotes gereicht; den „Laien bleibt – der „Stellvertretungslehre der Priesterschaft geschuldet – der Wein vorenthalten.

[4a] Justinus der Märtyrer: Dialog mit dem Juden Tryphon

[4b] Ambrosius: Brief an Kaiser Theodosius über die Zerstörung der Synagoge von Kallinikon

[4c] Johannes Chryostomos: Homiliae adversus Iudaeos, Predigten gegen die Juden

[4d] Aurelius Augustinus: Traktat gegen die Juden (429)

[5] a.) Das Kreuz stellt – in all seinen mitunter sehr verschiedenen Erscheinungsformen – ein uraltes Zaubersymbol dar; es ist ein „seit urgeschichtlicher Zeit weitverbreitetes ornamentales und symbolisches Zeichen; (erst!) seit dem 3. Jh. als christliches Sinnbild nachweisbar (Meyers Neues Lexikon, Bd. 8, S. 166, Bibliographisches Institut Leipzig 1974). Der griechische Begriff des Neuen Testamentes ist nicht das Kreuz, sondern ho stauros, der Pfahl (wörtlich: der senkrecht Stehende); Christus ist demnach „der Gepfählte; das zugehörige Verbum lautet in seiner Grundform durchgängig pfählen (stauroo). Wenn mancherlei Sekten (die „Zeugen Jehovas etwa) diese Wahrheit ebenfalls anführen und sie zu ihren Zwecken mißbrauchen, können und dürfen wir dennoch nicht auf sie verzichten; sie ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil des Wortes Gottes. Auch das Konkordante Neue Testament erklärt unter dem Stichwort „Kreuz einen aufrechten „Pfahl, damals ohne Querbalken (Konkordantes Neues Testament, 6. Auflage 1995, Stichwortkonkordanz, S. 510). „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöhte (an einem Pfahl!) also muß der Sohn des Menschen erhöht werden, auf daß jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe (Jo 3. 14, Schlachter; vgl. 4Mo 21.4 – 9; siehe auch 2Mo 4. 1 – 5, 7. 7 - 13). Wenn wir in dieser Schrift weithin das Wort „Kreuz verwenden, dann des allgemeinen Verständnisses wegen; immer geht es dabei darum, diesen Pfahl darzustellen bzw. ihn und seine Wirkungsweise zu erörtern.

    Werner de Boor, der ein Kenner des Grundtextes gewesen ist wie kaum ein anderer, schrieb seinerzeit dazu in der „Wuppertaler Studienbibel: „Das Wort, das wir mit ‚Kreuz' wiedergeben, heißt wörtlich ‚Pfahl'. Vielleicht sollten wir diesen Ausdruck wieder mehr gebrauchen. Aus einem Pfahl läßt sich nicht so leicht ein harmloses und sinniges Schmuckstück machen. Ein Pfahl ist ein rohes und häßliches Ding, das uns besser als das allzu bekannte ‚Kreuz' an die Schrecklichkeit des Endes Jesu erinnert. Es ist eine Frage bis hin zu den Bachschen Passionen, ob dieses Sterben mit dem Schrei der Gottverlassenheit überhaupt künstlerisch verklärt und damit verharmlost werden darf. Es ist zum Erschrecken, daß die Leidensgeschichte zum ästhetisch-musikalischen Genuß werden konnte (WStB., ‚Der erste Brief des Paulus an die Korinther' 1974, Seite 44) - Wenn wir diese Dinge beachten, dann gehen uns viele wichtige Zusammenhänge des NT auf; der des Splitters im Fleisch des Paulus und sein Zusammenhang mit dem uns verordneten Pfahl etwa, an den wir mit Christus zusammengepfählt sind und den wir mit Ihm gemeinsam zu tragen haben – als das uns verordnete Joch des Vaters –, wird so erst recht in seiner ganzen Tiefe verständlich. Näheres dazu haben wir in der kleineren Schrift „Die Zügel Gottes – vom Irrtum des Visionsglaubens niedergelegt.

    Bezeichnend ist, daß Konstantins Mutter in ihrer „Erscheinung das Kreuz in der Sonne sah; damit aber ist die Verquickung dieses Symbols, das man auch als das Mithraskreuz kennt, mit dem heidnischen Sonnenkult deutlich geworden, der bis in den babylonischen Fruchtbarkeitskult und die Zeit der Pharaonen hinein nachgewiesen werden kann. Die Herkunft des Kreuzsymbols aus dem Sonnenkult erhärtet sich noch, wenn man bedenkt, daß das aus dem indogermanischen Sprachraum kommende und dort bis heute gebräuchliche sog. Hakenkreuz die Darstellung des Sonnenrades ist (vgl. Mitra als indogermanische Gottheit!).

    Interessant in dem Zusammenhang ist es, zu erwähnen, daß der Höhlentempel des Mithras sich auf den Hügeln des heutigen Vatikans befand (!) und dort 365 von der Kirche vereinnahmt worden ist; die höchste Stellung in der strengen siebenstufigen Hierarchie des Mithraskultes nannte man den pater, woraus dann der Begriff des Papstes (papa) entstand; die Bischofsmütze des Papstes nennt man noch heute eine Mitra. Der Mithraskult kennt ebenso eine Messe, eine Kommunion, eine heilsbringende Taufe und sieben „Sakramente
! Die Papstkrone, tiara genannt, stammt ebenfalls aus uraltem Heidentum; sie gleicht der Kopfbedeckung des alten babylonischen Fischgottes Dagon und symbolisiert ebenso wie die Mitra, die wie ein Fischmaul zweigespalten ist, einen Fischkopf (vgl. dazu 1Sam 5. 1 – 7). Und „Pontifex Maximus Oberster Priester – als den sich der Papst seit dem fünften Jahrhundert bezeichnet, nannten sich auch schon die römischen Kaiser. Der Pontifex war ursprünglich Priester im römischen Staatskult, zuständig für Sakralrecht, Opfer, Riten und Kalender (Feste); der Pontifex Maximus war der Vorsteher dieser Priesterschaft; bezeichnete er ursprünglich den König, wurde er später Titel des römischen Kaisers, bevor der Papst ihn schließlich übernahm. Zölibat, Nonnen, Mönche, Tonsur usw. gab es auch in diesen und anderen heidnischen Mysterienkulten, die man hier übernahm und lediglich „verchristlichte. Auch den erst seit dem 14. Jahrhundert gebräuchlichen Rosenkranz finden wir in ganz ähnlicher Form hier wie in anderen Religionen, im Hochland Tibets ebenso wie im Islam. Eine Art Heiligenverehrung mit Statuen, Prozessionen, Wallfahrten, Rosenkranz und Reliquienverehrung pflegte man schon im Isis-, Dionysos- oder Attiskult. So wurde bereits im Altertum ein Abbild des Gottes Attis an einen Pfahl gebunden und auf Prozessionen umher getragen. Insofern ist der Katholizismus nichts anderes als die christlich verbrämte Fortsetzung römischen Heidentums, der Vatikan wird zum Nachfolger desselben Römischen Reiches, das er einst ablöste und nun ersetzte. Nicht umsonst nannte man ja auch die deutschen Lande eine lange Zeit „Heiliges Römisches Reich deutscher Nation.

    Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, daß wir nicht in jeder Erscheinungsform der Katholischen Kirche automatisch heidnische Dinge sehen wollen. Das Unglück, dem wir uns ausgesetzt sehen, besteht ja in der kaum mehr auflösbaren Vermischung mit solchen Einflüssen, die christliche Dinge teilweise überlappen und damit auch verdecken und umgekehrt. So kann andererseits die wie ein geöffnetes Fischmaul geformte römische Bischofsmütze auch als Symbol jenes Fisches verstanden werden, den Petrus im Auftrag des Herrn fangen sollte, um aus seinem Maul jenen Stater zu entnehmen, um mit ihm die Tempelsteuer für Beide, für  Jesus und für ihn zu selbst begleichen (Mt 17. 27). Wir anerkennen und lieben all jene auch in dieser Kirche, die Jesus liebhaben und von daher auch von Neuem geboren sind, von ganzem Herzen. Sie sind und bleiben bei allen schmerzlichen Unterschieden und Schwierigkeiten, die ihre Theologie mit sich bringen mag, doch unsere Geschwister.

    5b.) Eine ganz ähnliche Vermischung geschah (und geschieht!) etwa mit der Verbreitung des so genannten „Davidsterns. Wir wollen dies um der Brisanz dieses Themas willen an dieser Stelle einmal mit anfügen, auch wenn es ein wenig über den Rahmen des hier Gesagten hinausgeht. Das „Neue Lexikon des Judentums etwa schreibt über dieses Symbol, daß es „... häufig, aber unrichtig als Davidsstern' bezeichnet werde, und fährt fort: „Die zwei Dreiecke, die ein Hexagramm oder einen sechszackigen Stern bildeten, waren in biblischer Zeit ein... nicht spezifisch jüdisches Motiv. Im Mittelalter wurde das Hexagramm als 'Siegel Salomos' oder 'Schild Davids' bezeichnet. 1527 zum ersten Mal als Symbol der Judengemeinde Prags benutzt, breitete sich das Magen David als Symbol jüdischer Identität aus und wurde durch den Zionismus zum Symbol der Jüdischen Nationalbewegung. Im Flaggen- und Emblemgesetz von 1949 nahm die Knesset (israel. Regierung) das Magen David in Israels Fahne auf (Neues Lexikon des Judentums, hrsg. von Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Gütersloh 2000, S. 538, Stichw. „Magen David, Davidsstern). Hier wird allerdings die Ansicht vertreten, das der sog. Davidsstern ein bloß dekoratives, schmückendes Element aus alter Zeit sei und als solches seinen Weg nach Israel genommen habe. Es ist in Wahrheit jedoch mehr. Wie auch das Pentagramm, der fünfzackige Stern, so ist auch das Hexagramm ein aus dem Heidentum kommendes, uraltes religiöses Symbol, vor allem aber ein magisches Zauberzeichen. Vom Hexagramm weiß man, daß es über Salomos Vielweiberei nach Israel gelangt ist (vgl. 1Kö 3. 1 – 3, 11. 1 – 8). Die richtigere und heute auch noch gebräuchliche Bezeichnung dieses Hexagramms ist demnach das Salomosiegel, wie unser obiges Zitat es bereits angedeutet hat. Salomo tat gerade das, wovor Gott ihn ausdrücklich gewarnt hatte: er nahm sich – neben der Tochter des Pharao – noch über 700 ausländische Haupt- und 300 Nebenfrauen, die alle aus den heidnischen Nationen kamen, und diese neigten sein Herz alsbald anderen Göttern zu (11. 4). Prof. G. Bellinger schreibt dazu: „Er (Salomo) verstand Zaubermacht und Heilkunde. Unter dem Einfluß seiner nichtisraelitischen Frauen führte er u. a. den Kult der syro-phönik(ischen) Astarte in Israel ein, weshalb Jahwe-Elohim nach dem Tod des Sh(elomo) das Großreich Israel in die Teilstaaten Juda und Israel auseinanderfallen ließ (In: Knaurs Lexikon der Mythologie, Knaur/Weltbild, München 1999, S. 449, Stichwort Salomo/Shelomo; vgl. dazu 1Kö 11. 9 - 39).

    Das Salomosiegel stammt demnach aus der Gegend Phöniziens; es ist ein Zeichen finsterster Verstrickungen aus der Welt des Okkulten und der Zauberei, und so kann davor nicht eindringlich genug gewarnt werden. Es wird u. a. auch mit der Hexe von Endor in Verbindung gebracht, zu der Saul einst gegangen war (1Sam 28. 7ff, vgl. Jos 17. 11); der Stern symbolisiert hier zwei Dreiecke, das eine stellt das Auge Gottes von oben dar, das andere das Auge Satans von unten, die sich nach diesem Diktus ineinander verschieben, verflechten und miteinander vermischen sollen. Diese Vermischung aber entspricht dem Wesen Satans von Anfang an; wir finden sie wieder in dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen (1Mo 2. 17, 3.1 – 7) sowie in dem Sauerteig babylonischer Vermischung und Hurerei (vgl. 1Mo 11, Off 14. 8 und 18. 2 - 4). In okkulten Kreisen wird es, bei diversen Initiationsriten etwa, noch heute verwendet. So ist es auch in der Freimaurerei bekannt; dort wird es zur Einführung in den sog. „Meistergrad
gebraucht und löst dabei das Pentagramm ab, das vorher noch Geltung hatte (siehe: Dr. Martin Hohl-Wirtz, Freimaurerei - Wurzeln, Ziele, Hintergründe Reihe Aufklärung Bd. 16, Logos-Verlag 1999-2003, Kap. 3.3.3, S. 48). Jene, die heute allzu leichtfertig dieses Symbol umhertragen und weiterverbreiten, ein Symbol, das oftmals auch mit anderen, als christlich geltende Zeichen verquickt wird (mit dem Fisch etwa oder wieder mit dem Kreuz), sollten sich einmal fragen, wessen Werk sie da verbreiten; ist dieses Hexagramm als „Davidsstern etwa jemals in der Bibel erwähnt worden? Ging David etwa mit einem solchen Zeichen um, so daß man es deshalb nach ihm benannt haben könnte? Wir lesen davon nichts. Das von Gott vorgesehene Zeichen Israels ist es jedenfalls nicht, auch wenn es diesen Stern heute auf seiner Staatsflagge zeigt. Die Zahl 6 ist in der Bibel die Zahl für die menschliche („eines Menschen Zahl), die Zahl 7 die der göttlichen Vollkommenheit. Für Israel stehen nicht umsonst der siebenarmige Leuchter (die Menora), und die zwei Ölbäume (Sa 4. 1 - 14)!

[6] Dasselbe wird auch dem Horus, dem Sohn der Isis in der altägyptischen Götterwelt, nachgesagt. Der 25. 12. scheint in der Welt des Okkulten demnach ein besonders herausragendes Datum zu sein.

[7] 1229 wird auf dem Konzil von Toulouse das Lesen der Bibel in der jeweiligen Landessprache verboten, angeblich, um Sektenbildung vorzubeugen. Diesen Erlaß, der in der katholischen Kirche noch 1622 erneuert wird, wird man dort erst 1902 aufheben.

[8] Die nachfolgenden Zitate vermögen den Werdegang der Theologie Luthers, vor allem aber ihr Abgleiten von der Höhe neutestamentlicher Erkenntnis zurück in die Kirchenlehren seiner Zeit, so recht zu beleuchten. Der frühere Luther schrieb noch: „Wo man jetzt die Großen und Alt sollt taufen, halt ich wahrlich, daß sich der zehnte Teil nicht ließe taufen... Taufe hilft niemand, ist auch niemand zu geben, er glaube denn für sich selbst, und ohne eigenen Glauben niemand zu taufen ist. Der Glaube muß vor oder je in der Taufe sein... wo wir nun nicht können beweisen, daß die jungen Kindlein selbst glauben und eigenen Glauben haben, da ist es mein treuer Rat und Urteil, daß man stracks abstehe, je eher, desto besser, und taufe nimmermehr kein Kind, damit wir nicht die Hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Alfanzen und Gaukelwerk, das dahinter ist, nicht spotten und lästern (aus: Martin Luther, Kirchenpostille, Predigt zum Dritten Sonntag nach Epiphanias zu Mt 8. 1ff., zitiert bei: Friedrich Sondheimer, „... und ließen sich taufen, Dynamis-Verlag CH-8280 Kreuzlingen, S. 55). Und dann: „Die Widersacher haben nichts Gewisses, können nirgends recht sagen oder verständlich davon reden, wie der Heilige Geist gegeben wird. Sie erdichten ihnen eigene Träume, daß durch leibliches Empfangen und Gebrauchen der Sakramente ex opere operato die Leute Gnade erlangen und den Heiligen Geist empfangen, obwohl das Herz gar nicht dabei ist; gleich als sei das Licht des Heiligen Geistes so ein schlecht, schwach, nichtig Ding (Apologie, M. 98; zitiert bei: O. S. v. Bibra: Die Bevollmächtigten des Auferstandenen, Otto Bauer Verlag Stuttgart, 11. Aufl. 1989, S. 94).

    Über den deutlich erkennbaren Gegensatz der später ausgebildeten Theologie Luthers zu der des Apostels Paulus etwa lesen wir bei Prof. Althaus: „Des Apostels Wort vom Christenstande trägt die Züge einer Missions- oder Bekehrungstheologie... Luthers Theologie dagegen ist auf das innerchristliche Problem der Sünde gerichtet. Sie hat es nicht mit Bekehrung und Bekehrten zu tun. Hier fehlt die große Entscheidungsstunde, der Wendepunkt, der Gegensatz von Einst und Jetzt... An Stelle der Sukzession von Einst und jetzt steht das Simultaneum, das simul von Sünde und Gerechtigkeit... Die Sünde liegt nicht im Schatten der großen Wendung, sondern im Lichte der immer neuen Erfahrung eines Lebens, das von Anfang an Christenleben ist (?!) und jene Wendung als einmaliges, grundlegendes Geschehen nicht kennt... Der entscheidende Kairos in Bezug auf die Sünde liegt für Paulus hinter ihm, in der Bekehrung und Taufe, für Luther vor ihm, in Tod und Auferstehung. Den Unterschied zwischen der missionarischen und volkskirchlichen Lage der Erfahrung, zwischen einer Theologie der Missionstaufe und einer Theologie der Kindertaufe kann man sich nicht gründlich genug klarmachen. Wo man ihn vergißt, drohen verhängnisvolle Fehler des theologischen Denkens... (Ders., S. 90).

[9] Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther#Luther_und_die_Hexenverfolgungen

[10] Gott hat auch einen Ismael zugelassen (Ismael = Gott hört) und in allen Dingen dieser Erde gesegnet, obwohl sein Dasein nicht Seinem Willen entsprach (vgl. 1Mo 16 und 17). Interessant ist, daß dieser Segen allein die Dinge dieser Erde betraf. Am ismaelitischen Wesen erkennen wir also bereits eine klare irdische Ausrichtung. Der von Gott ausgegangene Bund jedoch wurde mit Isaak geschlossen, dem Sohn der Verheißung, der nicht nach menschlichem, dafür aber nach göttlichem Vermögen zur Welt gebracht worden war. Und dieser Bund bezieht sich zuletzt doch auf die himmlische Welt. Nicht umsonst ist Jesus, als in dieser selben Linie stehend, ohne Zutun eines menschlichen Vaters gezeugt worden (Lk 1. 28 - 38). Doch immer erhebt sich die Hagar, die Magd, gegen die, den den Sohn der Verheißung hervorbringen soll, kämpft ihr Sohn, der in menschlicher Kraft nach dem Fleisch Geborene, gegen den aus dem Geist Geborenen – bis heute (siehe Ga 4. 21 - 31). Das erste, was mit Ismael geschah, nachdem er mit seiner Mutter vertrieben worden war und heranwuchs, war, daß er zu einem Bogenschützen wurde; auch hier ist der Weg des Krieges vorgezeichnet; und dennoch war Gott noch immer mit ihm (1Mo 16. 12 und 21. 20). „Und er, er wird ein Mensch wie ein Wildesel sein; seine Hand gegen alle und die Hand aller gegen ihn, und allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht – das war die Verheißung, die vor allem über Imaels Leben stand (1Mo 16. 12, rev. Elberfelder). Wir kennen alle ja die fliegende Redewendung: „Da habe ich einen vor die Nase gesetzt bekommen. Hier setzt sich vermeintliche Leiterschaft an die Stelle der Bruderschaft, um sie schließlich zu er-setzen; hier wird der Weg und der freie Blick zu Gott verbaut, die Beziehung zu dem Bruder und der Schwester erschwert, die Gott will, daß wir sie haben sollen, und am Ende ganz unmöglich gemacht – „der Leiter ist es nun, zu dem aufzuschauen wir statt dessen genötigt werden. Denn der, der sich vors Gesicht setzt, das ist der, der den Blickwinkel verstellt und die Beziehung zerstört, die vor seinem Erscheinen noch da war – die Beziehung und das Schauen zu Gott wie die Beziehung und das Schauen zu dem Bruder und der Schwester. Und somit ist es Feindschaft, die sich da vor uns breit machen will: Feindschaft gegen Gott, Feindschaft gegen all die, die allein auf Gott schauen wollen, Feindschaft darum auch gegen die Gemeinschaft, die Gott stiften will und die nur Er allein – durch Seine unmittelbare Gegenwart und Zusammenführung vor Seinem Angesicht – auch stiften kann. Bezeichnend ist dann auch die sofort entstehende Verquickung mit Ägypten, dem biblischen Symbol der Knechtschaft, der Welt und der Feindschaft schlechthin, die wir bei Ismael sehen; Hagar, die selbst aus Ägypten kommt, nimmt ihrem Sohn eine Frau aus ihrem Heimatland (1Mo 21. 21).

    Dem aufmerksamen Bibelleser wird nicht entgehen, daß überall dort, wo sich Menschen in der hier beschriebenen Weise aus dem Willen Gottes herausbegeben, relativ schnell ein Weg militant-kriegerischer Haltungen und Auseinandersetzungen beginnt. Die in zahlreichen Glaubensgemeinden beheimateten, diversen pseudo- charismatischen Lehren, die die Gemeinde besonders als „die militante Gemeinde
, „die Armee des Herrn usw. herausstellen sollen, zeugen von dem falschen, ja verhängnisvollen Weg, der hier eingeschlagen worden ist. Hier ist mit dem Aufgeben der unmittelbaren Gegenwart des Herrn in der Tat auch die Liebe aufgegeben worden. Denn wer Gott verläßt, der verläßt damit auch die Beziehungen, die Er in unser Leben gesetzt hat. Und so muß sich dieser Weg des Krieges am Ende schließlich auch gegen den Bruder, gegen die Schwester wenden. Zwischen dem Verlassen des Gartens Eden bis zum Brudermord Kains steht in der Bibel nur ein Kapitel. Hier haben wir zwei Opfer zweier Brüder vorliegen, wie sie von ihrem ganzen Wesen her unterschiedlicher wohl nicht sein könnten. Opfern, Kämpfen, mit Gewalt etwas erreichen – das ist ja ein auch in der Glaubensbewegung ganz großes Thema, fast das Thema schlechthin. Nahezu der gesamte Kern der Lehre dreht sich in ihr darum, wie durch eigenes Tun Ergebnisse zu erringen, Verheißungen zu erfüllen seien.

    Wie gab nun Abel, und wie gab Kain? Abel gab aus Liebe, und er gab Leben; Kain aber gab, um etwas zu erlangen. Am Ende wird er dem das Leben nehmen, der das Leben gab. So läßt man um des Opferns willen den Bruder dahinten, der unserer Hilfe und Zuwendung bedarf, setzt ihn zurück, mordet ihn. Es erscheint ja auch viel wichtiger, bei Gott etwas zu erreichen (sei es vermeintlicher „Wohlstand
, „Heilung, so genanntes „Gemeindewachstum, „Segnungen im Diesseits, was auch immer), als dem Bruder Gutes zu tun, den hervorzuheben, von dem Gott will, daß wir ihn hervorheben, indem wir ihn – in jedem Falle – höher als uns selbst achten (Phil 2. 1 - 8). Der in dieser Schrift ausführlich behandelte, in den meisten Glaubens- und (leider!) vielfach auch Pfingstgemeinden reichlich vorhandene Opfer- und Zehntenkult ist hier wiederum besonders zu nennen. Er ist Ausdruck der Lieblosigkeit schlechthin, einer Lieblosigkeit, die den Opfernden in der Weise von seiner Pflicht freikauft, indem er ungestraft und gewissermaßen „gesetzlich sanktioniert sagen darf, der Bruder oder die Schwester befänden sich deshalb im Mangel, weil er oder sie es am Zehnten oder am Opfern mangeln ließen usw. usf.. Nein – der Bruder oder die Schwester leiden vor allem deshalb Mangel, weil wir nicht helfen, wo wir helfen können und deshalb auch zu helfen haben; weil wir bestenfalls Almosen geben, wo Gott von echter Hilfe, von Nahrung, Kleidung, Obdach usw. spricht; weil wir uns meistens doch nur herausreden und uns um unsere (zumeist sehr praktisch aussehende) Verantwortung im Christusleib immer wieder herumdrücken wollen! (vgl. 1Kor 12. 20 - 26, Ja 2. 14 - 19; auch Jes 58. 1 - 15 u.a.)

    Wer in solcher Weise Gott zu dienen meint und dabei den Bruder und die Schwester dahinten läßt, der mordet den, um dessen Leben wir uns eigentlich zu kümmern haben. Das sollten, das können wir uns nicht genug in unser vielfach abgestumpftes Gedächtnis einprägen. Johannes nimmt dieses Geschehen in seinem ersten Brief auf und schreibt dann auch ganz folgerichtig: „...Dies ist die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt, daß wir einander lieben sollen, nicht so wie Kain, der von dem Bösen war und seinen Bruder hinschlachtete. Und aus welchem Grund schlachtete er ihn hin? Weil seine Werke böse waren, die seines Bruders dagegen gerecht
(1Jo 3. 11 - 12). Hassen (grie. miséo) bedeutet zurücksetzen, ins Abseits bringen, dahinten lassen; an anderem Ort ist dies schon erörtert worden. Und so kommt Johannes in seiner Darlegung über Kain und Abel zu dem Schluß: „Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschentöter, und ihr wißt, daß ein Menschentöter kein äonisches Leben bleibend in sich hat (V. 15). – Gott lenkte Kain vom Opfer weg zurück zu seinem Bruder. „Wo ist dein Bruder Abel? fragte Gott. „Ich weiß es nicht! Soll ich meines Bruders Hüter sein?, antwortete Kain (1Mo 4. 9, Schlachter). Bin ich meines Bruders Hüter? Ja, ich bin es! – Zwar wird auch Kain von Gott beschützt und bewahrt, damit niemand ihn antaste (1Mo 4. 1 - 15). Es wäre jedoch fatal, wenn wir daraus schließen würden, daß der hier begangene Weg der richtige wäre, nur weil Gott sich gerade trotz der Sünde zum Menschen stellt, den Er so überaus liebt. Es ändert sich nichts; wir können es drehen und wenden, wie wir wollen; das Kainsmal, das Gott dem Bruder gab, der den Bruder so sehr haßte, daß er sich schließlich gegen ihn wandte und ihn am Ende erschlug, bleibt ein Kainsmal.

[11] Die Gemeinschaft der Glieder des Neuen Bundes wird darum auch koinonia genannt, was vom Griechischen her soviel bedeutet wie „eine Gemeinschaft zu gleichen Teilen. Eine Organisation, die dieser Regel nicht entspricht, ist demnach keine Gemeinschaft nach dem Muster des Neuen Testamentes.

[12] Wie angemerkt, legen wir besonderen Wert darauf herauszustellen, daß hier definitiv nicht zum allgemeinen Gemeindeaustritt aufgerufen werden soll und das betreffende Zeugnis auch nicht in dieser Richtung mißverstanden werden darf. Jeder bleibe solange an dem Ort, an den Gott ihn hingestellt hat, bis Gott ihm etwas anderes sagt, auch dann, wenn ihm das Umfeld nicht recht erscheint. Vielleicht braucht ihn der Herr gerade dann - und gerade dort. Es gibt hier eine sehr einfache Regel: Wo wir keinen Frieden haben zu gehen, dann haben wir zu bleiben, und wo wir keinen Frieden haben hinzugehen, da haben wir auch nicht hinzugehen. Wo jedoch zerstörerische Dinge in einer Weise Raum eingenommen haben, daß sie uns bei einem weiteren Verbleib krankmachen und unseren Glauben substantiell schädigen, da sollten wir nicht nur, da müssen wir gehen. Dasselbe trifft genau dann zu, wenn Dinge von uns verlangt werden, die Gott nicht gesagt hat, oder Dinge unterbunden werden, die Gott gesagt hat. Gehen wir jedoch nie in Bitterkeit! Die Liebe steht über allem!

[13] Bezeichnung nach der Wirkungsweise; dem vergleichbar ist der auf unseren heimischen Äckern wachsende so genannte „Mutterkornpilz, der das Getreide befällt und damit verändert; er wirkt bei Einnahme wie eine Droge (LSD vergleichbar) und ist hochgiftig, so daß sein Gebrauch zum Tode führen kann. Das in den Pilzen erzeugte Gift ruft unter anderem auch Krämpfe, Verwirrtheitszustände und körperlichen Kontrollverlust (ähnlich Spasmen) hervor. Die von ihnen befallenen Ähren sind von den gesunden, nicht befallenen kaum zu unterscheiden. Dieser Pilz bzw. die durch ihn hervorgerufene Getreidekrankheit kommt heute allerdings nur noch sehr selten vor.

[14] Zitiert nach Fritz Henning Baader, Die Geschriebene des Neuen Bundes, siehe die u. a. Bibelübersetzungen.




Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel

Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament,
das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage 1994

Konkordantes Altes Testament, Jesaja
 Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage

Konkordantes Altes Testament
Daniel
1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung
(Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift / Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter, Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985”

Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, 75328 Schömberg, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg

Novum Testamentum Graece
26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969



Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Dieser Teil ist am 04. 06. 2011 zuletzt bearbeitet worden.

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