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Die Zügel Gottes > |
Im
Folgenden wollen wir, wie bereits angekündigt, die
beiden
verschiedenen Ordnungen des Alten und des Neuen
Bundes – bezüglich
der
in
ihnen
jeweils
enthaltenen
Segnungen,
ihrer
Gerechtigkeit
und
ihrer
Versorgung
–
etwas
ausführlicher
miteinander
vergleichen, angefangen mit denen des
Alten Testamentes. Es liegt nahe, mit denen des Alten
Testamentes zu
beginnen, um diesen die Ordnung des neuen Bundes
gegenüberzustellen.
Dem Hauptthema dieser Schrift entsprechend soll uns daher
zunächst
die Ordnung der Zehnten als eine ganz bezeichnende
Eigenschaft des
Alten Bundes
interessieren, die die Versorgung seiner Diener, aber auch
des Volkes
betrifft und somit –
im Zusammenhang mit der Opfergesetzgebung –
zu den wichtigsten Grundlagen dieses Bundes gehören
dürfte.
So hatten unter diesem Bund die Landbesitzer u. a. für das Auskommen der zum Tempeldienst berufenen Leviten zu sorgen, wie dies in der Darbringung der Zehnten zum Ausdruck kommt (4Mo 18.21 - 32, 5Mo 14. 27 - 29). Mithin erkennen wir die Quelle dieser Forderung als einer zum Dienst des Alten Bundes zugehörigen. Diese Zehnten waren jedoch nicht nur den Leviten, sondern auch den Armen, Mittellosen, den Witwen und Waisen gewidmet. Sie bildeten gewissermaßen die „Sozialversicherung” Israels; nach heutigem Verständnis wären sie – zunächst – nichts anderes als die Einforderung der gesellschaftlichen Verantwortung der Besitzenden gegenüber denen, die sich nicht selbst versorgen konnten, ein Gedanke, den wir im Neuen Testament, in einer anderen Form zwar, noch viel ausgeprägter wiederfinden werden. Daher waren ausschließlich die Landbesitzer [1] mit der Darbringung der Zehnten – als den „Zehnten des Landes” – beauftragt worden (3Mo 27. 30 - 33), als diejenigen nämlich, denen der Boden zugelost worden war (5Mo 14. 22ff und 26. 1 - 11; vgl. auch Neh 12. 44, 13. 10 und 12). War es doch der Boden, durch den Gott ihnen die Kraft verliehen hatte, Wohlstand zu erwerben (5Mo 8. 17 - 18).
Diese Kraft lag also – ausdrücklich – gerade nicht in dem Bemühen des Säens, sondern einzig und allein in dem Land, durch das Gott ihnen diese Kraft geschenkt hatte (vgl. auch 1Mo 26. 12 - 14). Durch ihr Werk, dem Pflügen und Bearbeiten des Bodens, und durch ihr Säen also, würden sie sich diese Kraft jedoch zunutze machen können, welches konform geht mit dem ihnen gegebenen Gesetz, das ihnen verhieß, daß der, der all seine Gebote hielt, durch sie leben würde. Deshalb ermahnte Gott sie, Seine Gebote zu beachten,
„daß
du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest; denn
der
Herr,
dein
Gott,
führt
dich
in
ein
gutes
Land...
Darum,
wenn du gegessen hast und satt geworden bist, sollst du
den HERRN,
deinen Gott loben
für
das
gute
Land, das er dir gegeben hat.
Hüte dich, daß du des HERRN, deines Gottes
nicht vergessest,
so daß
du seine Gebote, seine Satzungen und Rechte, die ich dir
heute
gebiete, nicht beobachtest; daß, wenn du nun
gegessen hast und
satt
geworden bist, und schöne Häuser erbauest und
darin wohnest;
und
deine Rinder und Schafe, Silber und Gold, und alles, was
du hast,
sich
mehren,
dein Herz sich alsdann nicht erhebe und du vergessest des
HERRN,
deines Gottes...
und
daß
du
nicht
sagest in deinem Herzen: Meine
eigene Kraft und meine fleißigen Hände („mein
Säen!”)
haben mir diesen Reichtum verschafft. Sondern
du sollst des HERRN, deines Gottes gedenken; denn
er
ist es, der dir Kraft gibt, solchen Reichtum zu erwerben;
auf daß
er
seinen
Bund
aufrechterhalte, den er deinen Vätern geschworen hat,
wie es heute
geschieht.”
All dies vermag uns deutlich zu machen, daß von dem Land gesprochen wird, da diese Aussagen über Israel von Gott Selbst getroffen wurden, nachdem sie ins verheißene Land – Kanaan – gelangt waren, und nachdem der Herr ihnen die mannigfaltigen Segnungen dieses Landes beschrieben hatte (5Mo 8. 7 - 14). Demgemäß sagt Jesus in seinem Gleichnis vom Königreich auch, daß die Erde von selbst Frucht bringt (Mk 4. 27 - 28), wodurch uns diese Kraft, die durch den Boden seinen Besitzern zuteil wurde, verdeutlicht werden kann. So begreifen wir etwa auch die Mahnung bei Maleachi, den Zehnten in Gottes Kornhaus zu bringen, als zu dem Ort, aus dem Gott Sein Volk wiederum mit Speise versorgen konnte – einem Speicher für den Ertrag des Landes (Mal 3. 10). Die Fenster des Himmels, die sich daraufhin öffneten, sind jene Regengüsse, die das Land fruchtbar machen würden (vgl. Jes 55. 10), während die Verheißung, den Fresser zu schelten, sich wiederum darauf bezieht, daß Gott, würde Israel dieser Weisung gehorchen, die Frucht des Landes vor Schaden bewahren, und den Fresser zurückhalten würde – so wird eine besonders gefräßige Unterart Afrikanischer bzw. Ägyptischer Zug – Heuschrecken genannt, die stets in großen Schwärmen ins Land einfielen und auf den Feldern, der Ernte und den Früchten des Bodens – verheerende Schäden anrichteten. Wenn Israel in all diesen Fragen zu Gott umkehrte, so verhieß Gott, würden sie ein Land der Wonne werden, so daß alle sie umgebenden Nationen sie preisen würden (Mal 3. 10 - 12).
Wir haben deshalb alle Vorkommen, die im Zusammenhang mit dem Land stehen, besonders hervorgehoben, um aufzuzeigen, daß diese Ordnung eine des Landes, der Erde also ist. und somit ohne diesen Bezug undenkbar wäre. Maleachi will hier nichts anderes erreichen, als daß das damalige Volk Israel zu dieser seiner ihm von Gott gegebenen Ordnung zurückkehrt. Es werden eingangs (Mal 1. 3ff) die Söhne Jakobs benannt, dann aber besonders der Levitendienst, d. h. also der Priesterstamm des Alten Bundes angesprochen (2.1). Der Irrtum heutiger Verkündiger, der in der Anwendung dieser allein an Israel gerichteten Weisung für die Gemeinde des Neuen Bundes besteht, zeigt sich auch in einer wörtlicheren Übersetzung von Maleachi 3. 7:
„Seit den Tagen eurer Väter kehrtet ihr euch ab von meinen Gesetzen, und nicht hütetet ihr sie”.
Es geht also klar um die Rechtsforderung des Gesetzes, die an Israel erlassen worden ist, und deren Anwendung auf die neutestamentliche Leibgemeinde ein unzulässiges Herausreißen aus ihrem Zusammenhang darstellt, wie uns dieser Vers zeigt, den Maleachi an den Anfang des mit diesem Wort beginnenden Abschnitts setzt. Am Ende derselben Ausführungen wird Maleachi dann die Mahnung verkündigen:
„Seid eingedenk des Gesetzes Moses, meines Knechtes, das ich ihm auf dem Horeb für ganz Israel befohlen habe, der Pflichten und der Rechte!”,
bevor er dann darauf zu sprechen kommt, daß Gott den Elia senden werde, der vor dem Kommen des Tages des Herrn
„das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder wieder ihren Vätern zuwenden”
werde,
„damit ich bei meinem Kommen das Land nicht mit dem Banne schlagen muß.”
Mal 3. 22 - 24, Schlachter
Erinnern wir uns nochmals an den Anfang dieser Rede – dort hatte Israel dieselben Väter, das Gesetz als die väterliche Überlieferung also, noch verlassen. Am Ende derselben Ausführung wird dies rückgängig gemacht werden. Die gesamte Abhandlung wird also von dem Hinweis auf das mosaische Gesetz regelrecht eingerahmt. Dieses Gesetz war es also, das die Ordnung darstellte, in die Israel – das Volk des Landes – hineingesetzt worden war. Insofern erkennen wir hier klar die von Gott angestrebte Wiederherstellung der bestehenden Ordnung Israels, die eine Ordnung dieses Landes ist.
Dagegen waren die Leviten von dem Gebot der Zehnten ganz ausdrücklich ausgenommen, weil sie am Erbe Israels – dem Land oder Boden – keinerlei Anteil besaßen (siehe 5Mo 10. 8 - 9; Kap. 12. 11 - 12 und 18 - 19). Sie sollten lediglich die Zehnten, die sie empfangen hatten, nochmals verzehnten, und diesen Zehnten dann an Aaron, ihren Hohepriester, als Hebopfer abführen, und zwar so,
„als gäbet ihr Korn von der Tenne und Most aus der Kelter... Wenn ihr also das Allerbeste davon abhebet, so soll es den Leviten angerechnet werden wie ein Ertrag der Tenne und wie ein Ertrag der Kelter.”
Verse 27 und 30 aus 4Mo 18. 20 - 32, Schlachter
Ein weiterer mit dem Land im Zusammenhang stehender Gedanke ist jene Wahrheit, die auch heute noch jedem gläubigen und die Thora hoch haltenden Juden zu eigen ist, der – in gebotener Treue zu der ihm geltenden Verheißung seines Landes – stets daran denkt, daß dieses Land Gott gehört (vgl. Ps 24. 1), und ihm das Land nur zur Nutzung überlassen worden ist; es ist ihm nur geliehen, wir können auch sagen verpachtet worden. Dies ist auch der eigentliche Grund dafür, daß er dieses Land nicht anderen Völkern überlassen kann – und darf. Bei der Landnahme Kanaans wurde das verheißene, nun eingenommene Land aufgeteilt und den neuen Bewohnern zugelost, d. h. wer welches Land bekam, wurde durch Lose bestimmt (4Mo 26. 52 - 56). Jes 34. 17 spricht davon, daß Gott selbst ihnen das Los geworfen hat,
„seine Hand hat es (d. i. das Land) mit der Meßschnur zugeteilt. Ewig werden sie es besitzen, von Generation zu Generation darin wohnen”.
Demgemäß ist in der Schrift des Alten wie des Neuen Bundes oftmals von Losen oder Anteilen die Rede. Dabei ist jedoch zu beachten, daß die Lose im Alten Bund alle von irdischer oder, wie im Fall des Priesterstammes aufs Irdische bezogener, im Neuen Bund [2] jedoch ausnahmslos von geistlicher oder himmlischer Natur sind, wobei der, der unter dem Gesetz ist, kein Losteil oder Anteil an der Verheißung beschieden ist (Rö 4. 14).. Der hier genannte Zehnte tritt jedoch als Auslöse für das Land (vgl. Los - lösen) in Funktion (vgl. etwa 3Mo 25. 23 - 24), die all denen zugute kommen sollte, denen ein anderes Los zugewiesen war – wie es eben das Los des Stammes Levi war, Jahwe zu dienen, und der aus diesem Grunde keinen Anteil am Land hatte (5Mo 9. 8 - 10). Die Sorge für sich selbst, für die das Land gegeben worden war, sollte nicht dazu verführen, den Nächsten zu vergessen. Der Zehnte war also sowohl eine ständige Erinnerung an den Nächsten – den Leviten, den Armen, die Witwe und die Waise – als auch an die Tatsache, daß dieses Land nicht ihnen gehörte, ihnen also lediglich zur Nutzung übergeben worden war. Bereits hier also greift – wenn auch nur rudimentär – der Gedanke von Verwaltung und Haushalterschaft, der später jedoch, im Neuen Bund, noch sehr viel ausgeprägter und tiefgreifender sein wird, da er dort auf einer ganz anderen Ordnung beruht, die sich weder auf einem Land, noch auf einem dazu gegebenen Gesetz gründet, sondern auf der in die Herzen ausgegossenen Liebe (Rö 5. 5), die sich dem Nächsten hingibt, was im Alten Bund in dieser Tragweite noch nicht gegeben war.
Hier
erleben wir noch das
Gesetz als den Geleiter auf die neue Ordnung, auf Christus
hin (Ga 3.
23 - 25);
denn
damals
stand –
dem Bund des
Landes
gemäß
–
noch die
eigene Versorgung
im Vordergrund. –
Hinzu kommt die Tatsache, daß der Boden verflucht war,
seit Adam
gesündigt hatte (1Mo 3. 17). Der
Zehnte war also auch ein Sühne
– oder Löseopfer für das Land;
um
es
für
Gott
zu
heiligen,
brachte
man
Ihm
die
Erstlinge
des
Viehs
und
die
Zehnten
vor
allem
anderen
dar
(vgl.
3Mo
27).
Demgemäß gab auch Abram dem Melchisedek den zehnten
Teil der
Beute,
nachdem
er in das Land gekommen war und die fremden Könige
besiegt hatte
(1Mo 14. 18 - 20).
In all diesem erkennen wir die Zehnten als eine untrennbar
mit
dem
Segen
Israels,
nämlich
dem
Land,
verbundene
und später –
im Gesetz –
von Gott geforderte Abgabe, mit der Er wiederum all die
versorgen
ließ, die nicht
mit dem Boden in Verbindung standen, welche wiederum einen
Zehnten
gaben, der sich jedoch aus dem Zehnten speiste, der aus denselben Erträgen
des Landes
gekommen war.
Himmel und Erde: Zwei Verheißungen, zwei Ordnungen
Wir halten also fest, daß der Segen Israels ein irdischer, nämlich einer des Landes, während die Verheißung der Gemeinde geistlicher Natur, nämlich des Himmels ist. So wie zu Israel das irdische Jerusalem gehört, so gehört zur Gemeinde des Neuen Bundes das himmlische (Ga 4. 21 - 27, Hbr 13. 22 - 24). Demgemäß schreibt auch Paulus im Epheserbrief davon, daß Gott
„uns mit jedem geistlichen Segen inmitten der Überhimmlischen in Christus segnet” (Eph 1. 3),
während über Israel die Verheißung des Erdbodens – der irdische Segen also – ausgesprochen worden ist. Um all dies zu verstehen und richtig einordnen zu können, müssen wir uns dazu die Geschichte der Urväter anschauen. Abraham gilt sowohl als der Stammvater Israels als auch als Vater aller, die seines Glaubens sind. So wie jeder in Israel durch die Verheißung Sohn Abrahams ist, so ist es jeder in der Gemeinde durch den Glauben – in Christus, der der Same Abrahams ist. Auf Abraham gehen also sämtliche Segnungen des einen Volkes Israel, wie auch – in Christus – die der aus vielen Völkern zusammengeführten Gemeinde zurück. In ihm wurzelt sowohl der irdische Segen Israels – dem Land, als auch der geistliche Segen der Gemeinde, der uns, als denen in Christus, in den Himmeln bereitet ist. So wie das Israel des Alten Bundes aus der Sklaverei Ägyptens erlöst und danach an einen irdischen Ort geführt und darin geborgen worden war, nämlich in das Land Kanaan, dem Land der Verheißung, wurde die Gemeinde in Christus – gegenbildlich – in himmlische Örter versetzt, nachdem sie aus der Macht der Finsternis geborgen worden ist (Eph 1. 3, Kol 1. 13 - 14). Nach dem Neuen Bund gelten die irdischen Vorbilder, wie sie Israel widerfahren sind, lediglich als schattenhafte Vorbildung der geistlichen Dinge selber, die der Gemeinde des Neuen Bundes gehören, so daß Beides, wiewohl das Erstgenannte eine Vorschattung es Zweiten ist, dennoch strikt auseinanderzuhalten ist, um nicht wieder in das alte gesetzliche Wesen zurückzufallen (Kol 3. 16, 17; Hbr 8. 4 - 6 und 10. 1ff).
Dieser Unterschied ist essenziell. Denn während das dem alttestamentlichen Bundesvolk zugefallene Los ein irdisches war, spricht Petrus von dem
„Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns wiedergezeugt hat nach Seiner großen Barmherzigkeit zu einer lebendigen Erwartung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unvergänglichen, unentweihten und unverwelklichen Losteil, das in den Himmeln verwahrt wird für euch.”
1Ptr 1. 3 - 5
Das irdische Los hingegen ist vergänglicher Natur; auch ist es, da die Erde um der Sünde willen verflucht war, nicht unentweiht (1Mo 3. 17 - 19), und seine Früchte sind verwelklich (Ja 1. 11). Hier sagt uns Petrus jedoch, daß unser in den Himmeln verwahrtes Losteil unvergänglich, unentweiht und unverwelklich ist.
Aus der ersten Verheißung, mit der Gott Abraham beruft, wird nun der irdische Segen Israels, als der des Landes und des Volkes, erkennbar. Interessant ist dabei, daß Abraham zunächst den Namen Abram trägt, was aus dem Hebräischen übersetzt heißt „Erhabener Vater”. Dies weist, wie oben schon angedeutet, auf ihn als den Stammvater des Israel nach dem Fleisch (Rö 9. 3 - 5), das eine von Gott auserwählte Volk hin. Erst viel später wird er den Namen Abraham, hbr. Vater hoher Schar oder großer Menge, als der vieler Völker, von Gott bekommen (1Mo 17. 4 - 6), worin wir ihn als den Stammvater all derer erkennen werden, die in Christus, seinem geistlichen Samen, aus den vielen Völkern und Nationen heraus berufen worden sind – das sind all jene, die des Glaubens Abrahams sind, der diesem zur Gerechtigkeit gerechnet wurde (1Mo 15. 6, Rö 4. 3 - 22, Ga 3. 11). – Zunächst aber erhielt Abram die Verheißung Israels, als die des Landes und die des einen Volkes. Und dies war die Verheißung, die Gott ihm gab, und nach der er sich aufmachte, um in das verheißene Land zu kommen:
Jahwe
[3]
sagte zu Abram: Geh du aus deinem Land, aus deiner
Verwandtschaft und
aus deines Vaters Haus in das Land,
das Ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einer
großen Nation machen, und Ich werde dich segnen ... In
dir sollen
alle Familien des
Erdbodens
gesegnet werden.
1Mo 12. 1 - 3 (in Auszügen)
Das Wort, das hier an Abram, dem erhabenen Vater, ergeht – als dem Vater eines Volkes – ist also die einer Nation und die des dazugehörigen Landes. In ihm würden alle Familien des Erdbodens, das sind die Sippen derer, denen nach diesem Wort die Erde gehört und die daher in Beziehung zum Erdboden stehen, gesegnet werden. Dies ist klar die Verheißung des irdischen Segens – als dem des Landes, das Gott ihm geben, und des Volkes Israel, zu dem Gott ihn, Abram, den erhabenen Vater, als dem Stammvater eines Volkes machen würde, um dieses Land zu bewohnen.
Auf dieses Wort hin macht Abram sich auf, wobei er seinen Neffen Lot mitnimmt. So durchziehen sie mit ihren Herden das Land und kommen in den Negev, das südliche Kanaan. Später sind diese Herden bereits so groß geworden, daß das sie umgebende Land sie nicht ernähren kann, solange sie beieinander sind. So entsteht Streit zwischen den Hirten Lots und den Hirten Abrams. Also beschließen sie, auseinander zu gehen „wie Männer, die Brüder sind”, indem Abram dem Lot vorschlägt, sich den Teil zu suchen, wohin er ziehen wolle, dann werde er in den anderen gehen. In der Folge dessen wird Lot sich die fruchtbare Jordansenke wählen, wo er bis hin nach der Stadt Sodom zelten wird. Abram zieht innerhalb Kanaans weiter und wohnt dort (1Mo 13. 5 - 12). Nachdem Abram und Lot auseinander gegangen sind, spricht Jahwe ein zweites Mal zu ihm:
Da sagte Jahwe zu Abram, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: Hebe doch deine Augen auf und sieh von der Stätte, wo du bist, nordwärts und zum Negev hin, ostwärts und zum Meer hin. Denn das ganze Land, das du siehst, werde Ich dir und deinem Samen geben ... Ich will deinen Samen wie den Staub der Erde machen, daß, wenn jemand den Staub der Erde zählen kann, auch dein Same gezählt werden kann. Mach dich auf, geh durch das Land seiner Länge und Breite nach, denn dir will Ich es geben und deinem Samen ... So nahm Abram sein Zelt und ging, um bei den Eichen von Mamre zu wohnen, die bei Hebron sind; und er baute dort Jahwe einen Altar.
1Mo 13. 14 – 18
Damit nimmt Gott nochmals Seine an Abram ergangene frühere Verheißung auf. Abram soll sich umsehen: Alles Land, das er sieht, wird Gott ihm geben – „nordwärts und zum Negev hin, ostwärts und zum Meer hin.” Die enge Verbindung seiner Nachkommen mit dem Erdboden wird erkennbar: Wie den Staub der Erde wird Gott seinen Samen machen, so daß es nicht möglich sein würde, ihn zu zählen. Wieder geht es um das Land, und wieder um die, die in enger Beziehung zu dem Land stehen.
In dieser Eigenschaft – als dem Vater des einen Volkes, der mit der Verheißung des Landes gesegnet worden war und der nun in diesem Land wohnte, sehen wir Abram dann, nachdem er die fremden Könige besiegt hatte, die in das Land eingefallen waren und sowohl die darin wohnenden Menschen, als auch darin enthaltenes Gut geraubt hatten (Abrams Neffen Lot, seine Sippe und seine Habe; siehe 1Mo 14. 11 - 12, 14 - 16), wie er Melchisedek den Zehnten gab – eigentlich den zehnten Teil (wörtlich ein Zehntel) der Beute, die Abram den Fremden wieder abgejagt hatte. Auch hier erkennen wir die Verknüpfung des Zehnten mit den Segnungen des verheißenen Landes, die dem Abram verheißen worden waren, als er noch mit seinem Neffen Lot in Haran war (1Mo 14. 18 - 20).
Erst nachdem Abram die ihn betreffende Verheißung – das Land – mit dem Zehnten eingelöst hat, spricht Gott erneut zu ihm. Jetzt geht es jedoch nicht mehr um die Verheißung des irdischen, sondern um die des himmlischen Segens. Die irdische Verheißung – die des Landes – hatte er gerade eingelöst; nun soll ihm auch der himmlische Segen zugeteilt werden!
Wir erkennen schon an der Person Melchisedeks, die ohne Anfang, ohne Ende, ohne Vater und ohne Mutter ist, wie bereits hier ein Vorgeschmack des Neuen Bundes als der himmlischen Welt auf uns zukommt. Brot und Wein, ein Abbild der himmlischen Speise, womit Melchisedek heraustritt und den Abram hier segnet, deuten dies schon an, und nicht umsonst nimmt der Hebräerbrief dieses Geschehen auf, um auf Christus als den Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks hinzuweisen (Hbr 5. 10 - 11, 6. 19 - 20; Kap. 7). Wir erkennen in Melchisedek niemand anderen als Gott, den Heiligen Geist, da er himmlischer Priester ist, der mit dem Sohn Gottes verglichen wird, aber nicht mit ihm identisch ist (Hbr 7. 3, s. a. Rö 8. 26). In dieser Begegnung segnet Melchisedek ihn mit den Worten:
„Gesegnet sei Abram von El, dem Allerhöchsten, dem Eigner der Himmel und der Erde; gesegnet sei El, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand überantwortet hat.”
1Mo 14. 19 - 20
Gott wird uns hier als der Eigentümer von Himmel und Erde vorgestellt, wobei Er Sich – aus Seiner Sicht heraus – uns zuerst als Eigner der Himmel, und erst dann als Eigner der Erde offenbart (vgl. 1Mo 1. 1). Schon hier zeigt sich uns die Priorität der Himmel als dem eigentlichen Gegenstand der Verheißung, in den alles hineinmünden wird. Der Tatsache, daß Gott die Erde gehört, und ihm dementsprechend den Sieg über die Fremden geschenkt hatte, in dessen Folge ihm deren Beute zufiel, entspricht Abram unmittelbar nach diesem Segen und nicht etwa, um gesegnet zu werden, indem er dem Melchisedek ein Zehntel des Gutes gibt, das er den räuberischen Königen abgejagt hatte.
Ganz klar wird hier aus den Segnungen des Landes gezehntet, wobei hier besonders zu betonen ist, daß dieser Zehnte aus der Habe Lots und seiner Feinde, nicht aber aus Abrams Eigentum stammt. Insofern ist dieses Zehntel erst ein schwaches Vorbild des Zehnten, den Gott Seinem Volk auferlegen wird, wenn es tatsächlich in das ihm verheißene Land käme, das Gott dem Abram – als dem Stammvater Israels – zugesagt hatte. Daher ist dieser Zehnte im Hinblick auf das Zukünftige – die hier noch nicht erfolgte Landnahme durch ganz Israel – zu sehen, was im Hebräerbrief in der Weise aufgenommen wird, daß dort ausgesagt wird, daß mit diesem Zehnten bereits der Stamm Levi verzehntet worden ist, als er noch in der Lende Abrahams, also noch nicht gezeugt worden war (Hbr 7. 9 - 10). Diesen Stamm aus dem Volk Israel werden erst viel später jene bilden, die an dem Land keinen unmittelbaren Anteil haben würden, da sie für den Priesterdienst vorgesehen sind, und daher keine eigenen Einkünfte haben können, weswegen sie aus dem erst noch zukünftigen Zehntendienst – der unmittelbaren Darbringung aus den Segnungen des Landes – ausgenommen sein werden. Wir müssen ja sehen, daß es hier einen festgeschriebenen Zehnten noch gar nicht gab; dieser würde erst viel später durch das dem Mose gegebene Gesetz angeordnet werden, das von dem Tage an wirksam sein würde, von dem an ganz Israel in dieses Land gekommen wäre.
Die
Habe, ja geradezu der Reichtum Abrams,
zu dem er ja allein
auf dem Weg in das Land, aufgrund des Gehorsams gegen die
Stimme
Gottes gekommen war (1Mo 13. 2), ist daher von ihm weder
hier noch an
irgend einer anderen Stelle verzehntet worden;
hier wird der
Zehnte der geraubten Beute
dargebracht, den er dem Melchisedek aus Dankbarkeit
darüber
darbringt, daß Gott ihm den Sieg und die Seelen
gegeben hat. Dies entspricht noch dem Segen des Landes, in das
Abram
–
und mit ihm auch Lot –
bereits gekommen ist, da
auch der Raub die Dinge dieses Landes enthielt,
weist aber schon darüber hinaus. Indem Gott sich ihm zuerst
als Gott der himmlischen Welt, und erst
dann als Gott
der Erde offenbart, zeigt sich dementsprechend, daß Gott
ihn weiter
führen will, als nur bis zu den Segnungen der Früchte
dieser
Erde,
aus
denen er gerade gezehntet hat. In Melchisedek begegnet ihm
schon die
himmlische
Welt, aus der heraus Abram gesegnet wird. Diese himmlische
Welt hebt
ihn über das Land und die zugehörige Ordnung hinaus,
indem
Gott ihn
in seiner Eigenschaft als „Eigner
der Himmel und
der Erde”
segnet.
Abraham, der Fremdling im eigenen Land
Dieses Erlebnis stellt einen Wendepunkt in der Führung und dem Leben Abrams dar; wir erleben hier, wie seine Berufung, der Vater eines Volkes zu sein, und das verheißene Land einzunehmen, zu einem Segen für alle Nationen auswachsen soll. Darin wird es nicht mehr um irdisches Gut, sondern um Seelen – um Menschen gehen. In der nachfolgenden Auseinandersetzung mit dem König von Sodom um die Seelen derer, die Abram in dem Gefecht befreit hat, deutet sich dies schon an (1Mo 14. 21 - 24). Sodom ist ein Gleichnis dieser Welt, die in Sünde liegt und dem Gericht entgegengeht (1Mo 13. 10, Kap. 18 und 19; Lk 17. 28 - 30, 2Ptr 2. 6 - 9, Ju 7). Schon in 1Mo 13. 13 wird gesondert darauf hingewiesen, daß die Einwohner Sodoms
„bösartige und überaus große Sünder vor Jahwe”
gewesen sind. Der König von Sodom ist demgemäß ein Typus Satans, des Fürsten dieser Welt (Lk 4. 5 - 6, Jo 12. 31, 16. 11 u. a.), als einer Welt, die im Argen liegt (1Jo 5. 19). Bereits im Vorfeld, gleich nach dem Ende der Schlacht, war dieser König dem Abram entgegen gerückt; dem kam Melchisedek – als Bild des Christus – zuvor (1Mo 14. 17 - 18a). Nachdem Abram von Melchisedek gesegnet worden ist, verzichtet er auf die ihm von dem König Sodoms angebotenen Güter, und verweigert ihm dafür die Seelen, die aus der Hand der Könige errettet worden sind, um sie bei sich – in Sicherheit – zu behalten. Der Anspruch des irdischen Segens wird hier klar aufgegeben und verlassen um dieser Seelen willen. Dies alles hebt Abram über den irdischen Segen hinaus und weist schon auf einen anderen, einen neuen Bund hin, der eine über den Alten Bund – als dem des Landes – hinausgehende Verheißung hat, die Abram fortan suchen, auf Erden aber nicht finden wird. Denn der Neue Bund ist nicht von der Erde, sondern kommt aus dem Himmel, so daß man ihn in den Gegebenheiten der Erde nicht finden kann.
Demgemäß, da die eigentliche Verheißung, auf die auch die irdische als die des Landes hinzielte, eine himmlische war, blieb Abraham bis zuletzt ein Fremder in diesem Land, was in dem Geschehen bei dem Tode seiner Frau Sara, als er für sie eine Begräbnisstätte suchte, besonders stark zum Ausdruck kommt. Abraham geht hier zu den im Lande wohnenden Söhnen Heths, und bittet sie darum, ihm eine Grabstelle zu geben,
„wiewohl ich doch ein Fremdling und ein Siedler unter euch bin” (1Mo 23. 4).
Der einzige wirkliche Besitz, den Abraham in dem verheißenen Land erlangte, war also ein Grab, das er für 400 Schekel Silber von den Ansässigen kaufte - die Höhle Machpela, wo Sara, und nach ihr auch Abraham bis heute begraben sind, und die noch heute von vielen Touristen in Israel besucht wird. Diese Gegebenheit vermag uns besonders eindringlich zu vermitteln, daß dem, der nach dem Irdischen Ausschau hält, auf dieser Erde nur das Grab bleiben wird, wie dies etwa aus Lk 12. 16 - 21 und Apg 5. 1 - 11 deutlich werden wird. Dieses nur Vorübergehende des Landes wird schon in der früheren Verheißung Gottes deutlich, wonach ihm zugesagt worden war, daß ihm und seinem Samen „das Land deines Verweilens” zum Besitz gegeben werden würde (1Mo 17. 8). Das Wort „Verweilen” (hebr. Gar, im Sinne von Gast sein, gieren, unterschlüpfen) hat eigentlich die Bedeutung eines bei jemandem als Gast vorübergehend Unterschlupf Findenden, um Hunger und Durst gestillt zu bekommen. Der irdische Segen erscheint uns hier also als vorübergehende Sache; alles zielte auf den zweiten als dem eigentlichen Teil der Verheißung hin - dem Himmlischen. Demzufolge wird später im Hebräerbrief stets von ihm als Abraham, dem Vater vieler Völker, als dem, dem der himmlische Segen gehörte, und nicht mehr von Abram als dem Stammvater nur Israels die Rede sein; über ihn wird gesagt werden, daß er
„durch Glauben... im Land der Verheißung als einem fremden” (verweilte)... „Denn er wartete auf die Stadt, die Grundfesten hat, deren Künstler und Baumeister Gott ist... Im Glauben starben diese alle und haben die Verheißungen nicht davongetragen, sondern haben sie lediglich von weitem gewahrt und freudig begrüßt und bekannt, daß sie nur Fremdlinge und Auswanderer auf der Erde sind. Denn die solches sagen, offenbaren, daß sie ein Vaterland suchen (andere, genauere Lesart: daß sie den Vater suchen). Wenn sie dabei an jenes gedacht hätten, von dem sie ausgezogen waren, so hätten sie Gelegenheit gehabt, zurückzukehren. Nun aber streben sie nach einem besseren, das heißt, nach einem überhimmlischen (wörtlicher: nun aber streben sie nach Besserem, daß heißt, nach Überhimmlischem).”
Hbr 11. 9 - 10, 13 - 16
Dementsprechend folgte nach seinen Erlebnissen mit Melchisedek und dem König von Sodom der zweite Segen Abrams – die Verheißung des Himmlischen.
Nach diesen Dingen geschah das Wort Jahwes zu Abram in einem Gesicht: Fürchte dich nicht, Abram, Ich (selbst!) bin dein Schild, dein überaus vermehrter Lohn. Da antwortete Abram: Mein Herr Jahwe, was willst Du mir geben? Ich gehe kinderlos dahin, und der Besitzer meines Hauses – der wird Elieser von Damaskus. Und Abram fuhr fort: Siehe, Du hast mir keinen Samen gegeben; und siehe, ein Sohn des Hauses (d. i. ein Hausgeborener, ein im Haus geborener Sklave) wird meinen Platz einnehmen. – Doch siehe, das Wort Jahwes erging an ihn: Nicht dieser wird deinen Platz einnehmen, sondern der aus deinem Innern hervorgeht, der wird deinen Platz einnehmen. Dann führte Er ihn nach draußen hinaus und sagte: Blicke doch zum Himmel auf und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und Er sagte zu ihm: So zahlreich soll dein Same werden. – Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete Er ihm zur Gerechtigkeit an.
1Mo 15. 1 - 6
Hieran wird uns die Verheißung der Nachkommenschaft Abrams beschäftigen, die so zahlreich wie die Sterne werden soll. Bevor Abram dem Melchisedek den zehnten Teil des irdischen Gutes dargebracht hatte, hieß es noch, Gott wolle seinen Nachkommen wie den Staub der Erde machen, so daß, wenn jemand den Staub der Erde zählen kann, so auch sein Same gezählt werden könne. Dies ist die Verheißung des Landes und des Volkes Israel, aufgrund derer es später die Ordnung der Zehnten gab, der Abram gegenüber Melchisedek ebenso freiwillig [4] wie gleichnishaft entspricht und die dann, erst vier Jahrhunderte später, im Gesetz des Mose aufgenommen werden wird. Beachte, daß es dort nicht hieß, Gott wolle seinen Samen so zahlreich wie den Staub machen, als sei dies eine unbegrenzte Menge. Er sagte einfach nur, Er wolle ihn wie den Staub selbst machen. Hier geht es nicht nur um die Zahl selbst, sondern vielmehr um die Eigenschaften seiner Nachkommenschaft. Wenn wir uns etwa an einem Strand befinden, kann man dies ganz einfach nachvollziehen: Nämlich indem wir uns eine kleine Handvoll feinen, trockenen Sandes nehmen und versuchen, dessen immer wieder durcheinander rieselnde, einzelne Körner zu zählen. Wir werden dann schnell herausfinden, daß dies unmöglich ist.
Wie stark das Bild des rieselnden Sandes die Erdverbundenheit des alttestamentlichen Bundesvolkes verkörpert, zeigt uns ein kleines Bibelstudium all derer Stellen, die vom Staub, von der Erde, von dem Land oder Boden usw. sprechen. Zunächst erkennen wir schon im Schöpfungsbericht die bereits angedeutete Fähigkeit des Erdbodens, von sich aus Frucht hervorzubringen. Denn Gott sagte in Seinem Schöpfungswort:
„Es grüne die Erde mit Pflanzenbewuchs; das Kraut, das Samen aussät, und dem Fruchtbaum, der seinen Samen in sich trägt und auf der Erde Frucht bringt für seine Art. Und es geschah so. Die Erde brachte Pflanzenwuchs hervor, Kraut, das Samen aussät für seine Art, und den Fruchtbaum, der Frucht bringt, der seinen Samen in sich trägt, nach seiner Art. Und Elohim sah, daß es gut war.”
1Mo 1. 11 - 12
Der Erdboden brachte, dem gesprochenen Wort des Schöpfergottes folgend, dies alles hervor; es ist also eine Kraft in dem Boden an sich enthalten bzw. in ihn hineingelegt worden. Beachte jedoch, daß die Erde nicht nur irgendeinen Pflanzenbewuchs hervorbrachte; das, was aus ihr heraus erwuchs, hatte die Fähigkeit, sich seiner Art entsprechend zu vermehren: Denn
„die Erde brachte Pflanzenbewuchs hervor, Kraut, das Samen aussät für seine Art, und den Fruchtbaum, der Frucht bringt, der seinen Samen in sich trägt, nach seiner Art”.
So konnte nun der Mensch, der gerufen war, sich die Erde untertan zu machen und den Erdboden zu bedienen (1Mo 1. 28 - 29, 2. 15), an dieser Kraft teilhaben, indem er den Boden bebaute und Samen säte, der immer wieder zu neuer Saat und neuer Ernte führen würde; einem Segen, der demnach dem zuteil wird, der das Land besitzt, wie dies dem Volk Israel später verheißen worden war. Hieran erkennen wir klar die Ordnung, in die Gott die Erde, und all die, denen das Erdland gehört, hineingesetzt hat.
Wem gehört das Land, wem die Sterne?
Daß dies keine leeren Worte waren, erkennen wir u. a. daran, daß das Land, seit der Staat Israel sich wieder an seinem ihm verheißenen Ort befindet (seit 1948 also), das eine bis dahin brachliegende Wüste war, zu blühen begann (vgl. Jes 32. 15 - 20, 35. 1 - 10, 41. 18 - 20), während wir überall dort, wo wir die Israel umgebenden, sich unter dem Joch des Islam befindlichen Länder vorfinden, diese zum größten Teil (mit wenigen Ausnahmen, wie etwa einigen Oasen, besonderen Parks usw.) aus Wüsten - und Wildnisflächen bestehen und überall dort, wo wir den Islam vorfinden, der Boden unfruchtbar wird bzw. das Land zu verwildern und zu veröden beginnt. Die Verheißung des fruchtbaren Landes gehört eben Israel, wie der Gott Israels auch der Gott „des Himmels und der Erde” genannt wird (vgl. 5Mo 3. 24 und 4. 39, Jos 2. 11, Ps 113. 5, 135. 6 u. a.), eine Bezeichnung übrigens, der von den nicht in Israel befindlichen, überall in der Welt verstreut lebenden Juden auf den Titel „Gott des Himmels” zurückgeführt wird, da sie sich nicht in dem ihnen verheißenen Land befinden. Dementsprechend verfuhren sie demgemäß auch, als sie in die Gefangenschaft anderer Völker, etwa nach Babylon, hineingeraten waren (Dan 2. 19, 44 u. a., Esra 1.2 usw., Neh 1. 4, 2. 20).
Während der Gott Israels also auch der Gott der Erde ist, als der, der das fruchtbare Land gegeben hat, ist dagegen der Gott des Islam (der „Mondgott”) ein Wüstendämon, was sich unzweifelhaft in dem Zustand der Länder („Mondlandschaft”, „Wüste”) und der Wohnorte („Wildnis”) derer niederschlägt, die zu diesem beten und ihm anhängen. Er stellt eine Gottheit dar, die aus den im frühen Kanaan und in den Gegenden Mesopotamiens lebenden heidnischen Völkern stammt, lange bevor Israel nach Kanaan kam, und die mit Beginn des siebten Jahrhunderts mit dem Islam wieder aufgenommen worden ist. Der Mondkult wird in der Schrift einige Male bezeugt (5Mo 4. 19, 17. 3; 1Kö 23. 5, Jer 8. 2 u. a.). Abrahams Vater Terach stammte noch aus dieser Tradition; er war ein Götzenanbeter (1Mo 11. 31 u. a., Jos 24. 2). Die Orte Ur in Chaldäa und Haran, das noch heute auf den Gebiet der südlichen Türkei existiert, waren Zentren der Verehrung des Mondgottes Sin als dem sogenannten „Führer der Karawanen”; hier gab es dessen bedeutendste Heiligtümer. Die Amoriter nannten den Mondgott Jarich, woraus u. a. der Name Jericho abgeleitet ist. –
Der Islam gründet sich im Wesentlichen auf die Lehren des Koran, der Mohammed, dem Begründer dieser Religion, angeblich durch den Engel Gabriel (arab. Dschibrail) aus dem Himmel diktiert worden sein soll, beruft sich aber auch auf andere Überlieferungen, wie etwa den sog. Hadithen der sunnitischen Muslime, den Sprüchen Mohammeds. Der Koran an sich stellt jedoch eine poetische Zusammenfügung verschiedenster Quellen dar, die es weniger zu verstehen, als vielmehr vorzutragen und durchzusetzen gilt. Dem Gott des Islam geht es nicht darum, verstanden zu werden, noch soll man dem zu sehr nachsinnen; denn er, der ein Feind der Menschen ist, wünscht weniger eine persönliche Beziehung zu ihnen, als vielmehr, daß seine Absichten ausgeführt werden. Volle Gültigkeit besitzt der Koran nur in arabischer Sprache, der Sprache Mohammeds; nur durch sie sei er „wirksam”. Magische Vorstellungen, nicht aber Verstehen oder das Eingehen einer Beziehung bestimmen also von Anfang an diese Religion, die zu Recht als „Heidentum in monotheistischer Form” bezeichnet worden ist. So gilt es in jedem Falle, den Koran auf Arabisch – Satz für Satz, Silbe für Silbe – möglichst auswendig zu lernen, damit er dann erst in der islamischen, dann auch in der übrigen Welt als alleinige Richtschnur ausgerufen werden und seine „Wirksamkeit” entfalten kann. Wenn in hiesigen Koranschulen etwa türkische Kinder Arabisch „lernen” sollen, dann also nicht, um diese Sprache oder den Koran selbst einmal zu verstehen, sondern um Koransuren originalgetreu rezitieren, d. h. „aufsagen” zu können! Genau dies entspricht dem Diktus der koranischen Überlieferung; nicht umsonst bedeutet das arabische Wort Qur´an „das zu Rezitierende”.
Sowohl die sog. Kaballah (ein spätjüdischer Mystizismus, der noch immer existiert), als auch Teile der Thora, der alttestamentlichen Gesetzgebung und Geschichte, sind in den Inhalt des Koran eingeflossen. Nicht übersehen dürfen wir die zahlreichen Überlieferungen und Legenden aus dem Christentum, wie Mohammed sie zu seiner Zeit in Arabien vorgefunden haben muß. Auch von ihnen findet sich einiges im Koran wieder. Viele dieser Geschichten können wir in den apokryphen Schriften lesen, namentlich in dem aus dem Syrischen stammenden Arabischen Kindheitsevangelium und dem nach dem Apostel Thomas bezeichneten, aus dem vieles in das erstgenannte übernommen worden ist. Die meisten der von Mohammed verarbeiteten Texte – wir sollten vielleicht richtiger von mündlichen Überlieferungen aus seinem Umfeld sprechen – kommen also aus dem Bereich der Legenden und Fabeln. Daß Mohammed wirklich schriftliche Vorlagen zur Verfügung standen, darf wohl bezweifelt werden, da im Orient von je her die mündliche Verbreitung von Geschichten eine in unseren Breiten nicht gekannte Rolle gespielt hat und Mohammed selbst des Lesens und Schreibens unkundig gewesen ist. Darum konnte er diese Dinge, die ihm im Verlaufe des Jahres 610 erschienen sein sollen, auch nicht selbst niederschreiben, sondern hat sie lediglich anderen vorgetragen; die erste Niederschrift des Koran entstand erst nach seinem Tode unter dem Kalifen Abû-Bakr. Seine heutige Form hat dieses Dokument im Wesentlichen jedoch der Herrschaft des Kalifen Uthmân (644-656) zu verdanken. Aus den sich aus diesen Sachverhalten ergebenden Ungenauigkeiten dürften sich dann auch die zahllosen inneren Widersprüche auf der geschichtlichen Ebene und, daraus resultierend, die teilweise dramatischen Irrtümer des Koran erklären. Beispielsweise werden Maria, die Mutter Jesu, und Mirjam, die Schwester des Mose, als ein und dieselbe Person dargestellt, wird den Christen unterschoben, an eine falsche, aus Gott, Seinem Sohn und der Maria bestehende Dreinigkeit zu glauben und anderes mehr.
Im Wesentlichen aber liegen seinen Aussagen so genannte Offenbarungen zugrunde, die Mohammed allein in der Wüste empfing. Daß diese Dinge keine Offenbarungen Gottes gewesen sein können, das sehen wir schon an der Art und Weise, in der sie zustande gekommen waren; als Kundgebungen von Geistern fanden sie stets unter Zwang statt und gerieten dabei so heftig, daß Mohammed jedesmal mit dem Tode rang, wenn diese geschahen. Hier haben wir es in der Tat mit der Einwirkung von Dämonen zu tun; was für ein Wunder war es da noch, daß er und seine Familie sich bis aufs äußerste fürchteten, von diesen Dämonen völlig besessen zu werden, was in der Tat dann auch geschehen ist. Dieselbe Besessenheit erzeigt sich noch heute an der ausgesprochenen Brutalität und Menschenverachtung jener, die kompromißlos und radikal an dieser Religion des Islam („Befriedung durch Unterwerfung”) festhalten, und denen daher jedes Gefühl einer gewissen Menschlichkeit – im positiven Sinn – abhanden gekommen zu sein scheint, wie Folter, Mord, Verstümmelung und andere im Namen und buchstäblich nach dem Gesetz ihres Gottes begangene Verbrechen – oftmals am eigenen Volk – beweisen. Wir dürfen ja nicht von dem Bild des Islam ausgehen, das uns jene vor Augen malen, die diesen Glauben in unseren Breiten vertreten und deren Religionsausübung zumeist sehr liberale Formen angenommen hat. Hier spielt ganz gewiß auch die in der islamischen Überlieferung enthaltene wie gebotene Kunst der taqiya – Verstellung – eine nicht unerhebliche Rolle. Wir sollten daher nicht alles glauben, was uns hier gesagt wird, sondern müssen uns schon über die Zustände in den Gegenden informieren, in denen Mohammeds Religion die vorherrschende ist und damit auch das öffentliche Leben bestimmt.
So sind aus zwar nicht allen, so aber doch den meisten Ländern, deren Bevölkerung mehrheitlich islamisch ist und sich daher im wesentlichen der Scharia, der islamischen Rechtsprechung unterworfen hat, mitunter furchtbare Dinge zu hören. Hier wird die Religionsfreiheit und Toleranz, die viele der aus diesen Ländern stammenden Moslems in Europa sehr laut und militant einfordern, nämlich keinesfalls gewährt. Diesen Eindruck vermögen sowohl die vielfach vorhandenen „Vorzeigeprojekte” angeblicher islamischer Toleranz als auch die wenigen durchaus gelebten Ausnahmen insgesamt nicht zu entkräften. In Saudi-Arabien, dem Stammland dieser Religion, ist bis heute das Abhalten christlicher Zusammenkünfte strikt verboten, bei Gefahr für Leib und Leben; sowohl die dortige Religionspolizei als auch ein ausgeklügeltes Spitzelsystem überwachen dies. Dasselbe gilt für das Tragen christlicher oder jüdischer Symbole, die auch bei Ausländern nicht geduldet werden. Juden, Christen und auch Andersgläubige werden verfolgt und unterdrückt, sind als so genannte „Schutzbefohlene” zu menschenunwürdigem Dasein verurteilt. Hier, im Ursprungsland des Islam, ist der Wahabitismus, seine rigoroseste und repressivste Form überhaupt zu Hause. Viele der radikalsten Gruppierungen kommen von hier und werden von hier aus finanziert, um den Islam in andere Länder hineinzutragen.
In der Befolgung der vielfach kriegerischen Lehren des Koran sind etwa im Sudan Millionen Andersgläubiger, die meisten von ihnen waren Christen, regelrecht abgeschlachtet worden. Dort wie anderswo werden Kirchen in Brand gesetzt, Synagogen zerstört, folgt ein Anschlag dem anderen, finden Flüchtlingselend, Vertreibung, Hunger und selbst Sklaverei kein Ende. Hier sind es wiederum besonders arabische Milizen, die mit der ganz offensichtlichen Duldung, ja Förderung der radikalislamischen Regierung in der Hauptstadt Khartoum die Scharia, das islamische Recht, im Land ausgebreitet haben. Im Jahr 2004 sind allein im sowohl christlich als auch animistisch geprägten Süden des Landes an die eine Million Flüchtlinge gezählt worden. Mittlerweile ist eine Abspaltung des eher christlichen Südens vom Norden erfolgt, ohne daß darum Ruhe eingekehrt wäre, sieht sich der Süden vom Norden doch wegen seiner Ölfelder angegriffen. An dieser Stelle spielen auch, aber eben nicht nur ethnische oder wirtschaftliche Konflikte eine Rolle, wie immer wieder behauptet wird. Ein ähnliches Bild bieten allerdings auch andere afrikanische und asiatische Länder, in denen der Islam voranschreitet und das von ihm beherrschte Gebiet sich daher ausdehnt. Hier toben vielfach Bürgerkriege. Auch die Kopten in Ägypten kommen nicht zur Ruhe; seit den vorgeblichen Demokratisierungsbestrebungen hat sich hier das Ausmaß der Verfolgung sogar noch erhöht, während die radikalislamische Moslembruderschaft erstarkt ist.
Fast überall dort, wo diese Länder an nichtislamische angrenzen, werden Kämpfe ausgetragen oder herrschen kriegsähnliche Zustände; hier geht es vordergründig zwar meist um die Unabhängigkeit, vielmehr aber um die Einverleibung dieser Länder in die umma islamiya, dem Bereich der islamischen Welt. Selbst in der sich laizistisch gebenden, in die EU drängenden Türkei – dort ist mit Tayyip Erdogans AKP eine sich nach außen hin gemäßigt gebende, nichtsdestotrotz aber doch fundamentalislamische Partei an die Macht gelangt – ist gelebter christlicher Glaube mit erheblichen Schwierigkeiten und Repressionen verbunden; schier unmöglich war es bislang, Kirchen- oder Gemeinderäume jenseits musealer Vorzeigeprojekte neu zu bauen oder auch nur zu renovieren u.v.a.m. Mittlerweile ist das wohl bedeutendste aramäische Kloster, Mor Gabriel, unter fadenscheinigen Begründungen enteignet worden, hat es mehrere z. T. grausame Morde an Christen gegeben. Sehr schwer haben es die Frauen in diesem Land. Noch heute kommt es zu Morden aus Gründen der so genannten Familienehre. Weit mehr als in früheren Jahren ist auch hier der radikale, ursprüngliche Islam sunnitischer Prägung, der sich zudem mit völkischem, teils rassistischem Nationalismus und Großmachtstreben verbindet, auf dem Vormarsch. Diese Welle der Radikalisierung macht auch vor Deutschland nicht halt. so daß einige mittlerweile auch von Islamisierung sprechen. Und sie wird keine Rücksicht auf jene nehmen, die vor ihr nur allzu willig die Augen zu verschließen bereit sind. Doch auch in anderen Gegenden Europas wie etwa in Frankreich, in denen sich mittlerweile sehr viele Moslems ausgebreitet haben, sieht sich nicht nur das öffentliche Leben beeinträchtigt, sondern hat auch die Anzahl und die Schwere besonders antisemitischer Ausschreitungen [5] stetig zugenommen.
Diese
Dinge
freilich
sind
Tatsachen,
die
sowohl
von
den
Medien
als
auch
von
den
Regierenden
dieser
Welt
regelmäßig
verharmlost,
ganz
unterschlagen
oder
ins
Gegenteil
verkehrt
werden.
[6]
Dies ist auch kein Wunder; lockt doch der
islamische
Raum mit
riesigen Absatzmärkten, winken den Mächtigen reiche
Profite,
begehrt man die billigen Arbeitskräfte, vermag man
besonders auf
das
arabische Öl nicht zu verzichten. Noch 2003 sind von der
Europäischen
Union solche Untersuchungsberichte, aus denen
Entsprechendes hervorgeht, monatelang zurückgehalten oder
auf eine
massive Welle zahlreicher Beschwerden hin überhaupt erst
veröffentlicht worden –
allerdings erst
dann, nachdem man diese „Veröffentlichungen” in
der Weise abgeändert hatte, daß die Masse dieser
Ausschreitungen
nicht durch Muslime, sondern durch Rechtsradikale verübt
worden
seien, was keineswegs den Tatsachen entspricht! Ein sehr
ähnliches
Verhalten ist der UNO nachzusagen, in der islamisch
geprägte
Staaten ein seit langem eindeutiges Übergewicht besitzen
und
dieses
automatische Übergewicht regelmäßig zu ihren
Zwecken
mißbrauchen.
Hier werden Täter zu Opfern, Opfer zu Tätern
umstilisiert,
läuft
eine weltweite, von einschlägigen Interessen gelenkte
Propagandamaschinerie auf Hochtouren, wie besonders die nicht
nur
einseitige, sondern auch zumeist verfälschte
Berichterstattung
über
Israel erkennen läßt. Der Schreiber dieser Zeilen
ist sich
durchaus
bewußt, daß auch nur der Versuch einer Kritik an
dieser
Religionsausübung, wie er hier in nur wenigen
Absätzen zum
Ausdruck
gebracht worden ist, nach den Lehren des Islam, wendete man
sie
strikt an, den Tod ihres Urhebers nach sich ziehen würde.
Allein
Jesus vermag diesen von Satan verführten, verirrten und
gepeinigten
Menschen noch zu helfen, sie zu retten, zu befreien und zu
heilen.
Und wir sollten auch nicht vergessen, daß gerade wir als
bibelgläubige Christen das Volk Israel, unseren
älteren
Bruder, in
jeder uns möglichen Weise unterstützen und der
Lüge nach
Kräften entgegentreten
sollten. Mit diesen Sätzen wenden wir uns allmählich
wieder
dem
Hauptthema zu.
Dennoch gehört unser kleiner Ausflug mit in diesen Zusammenhang hinein. Nahezu alle Länder, in denen der Islam die vorherrschende Religion ist, befinden sich in ausgedehnten Wüstenregionen oder geraten mehr und mehr in einen Zustand der Verödung. Mitunter werden auch aus Israel eindrucksvolle Beispiele davon berichtet – dort mag sich ein Kibbuz (landwirtschaftliche Genossenschaft) oder auch ein Ort befinden, in dessen Grenzen es blüht und grünt, und gleich daneben befindet sich der Grundbesitz eines mohammedanischen Nachbarn, das regelrecht zur Wüstenei verkommen ist. Mitunter verläuft die Grenze zwischen beiden so haarscharf, als sei sie, aus der Ferne betrachtet, mit einer Schablone gezogen worden. Der hier zu beobachtende fortschreitende Verfall und die stetig anzutreffende Armut rühren nun freilich nicht daher, daß die Araber, ein Völkergemisch, das sich im Laufe der Jahrtausende eine außerordentliche Klugheit, Kunstfertigkeit und großes Geschick angeeignet hat, etwa nicht in der Lage wären, ihre Anwesen besser zu erhalten, sondern ist zweifellos eine Folge der Einwirkung ihres Gottes und vor allem der Mentalität, die seine Verehrung mit sich bringt. Das Magazin „Stern” hatte die wirtschaftlichen Verhältnisse im Lande Israel in den sechziger Jahren bereits wie folgt beschrieben: „Dort (bei den Arabern) war Allah, und hier (bei den Israelis) war der Fortschritt”. Der Gott, den man verehrt, übt wie der Umstand, ob man Sünde tut oder nicht, also ganz unzweifelhaft einen Einfluß auf das Land aus.
Schon der Teufel verwüstete die Erde, nachdem er vom Himmel herab auf die Erde gefallen war (Jes 14. 12 - 17). Wir sehen daran also, daß Sünde, Mord und Abgötterei immer einen zerstörerischen und mindernden Einfluß auf das Land selbst ausüben, wie wir dies schon anhand des biblischen Berichts von Kain und Abel erkennen: Nachdem Kain den Abel, seinen Bruder, erschlagen hatte, sagte Gott zu Kain:
„Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu Mir vom Erdboden. Hinfort seist du verflucht vom Erdboden hinweg, der seinen Mund aufsperrt, um das Blut deines Bruders aus deiner Hand aufzunehmen. Wenn du den Boden bebaust, wird er dir fortan nicht mehr seine Kraft geben; unstet und umherwandernd sollst du auf Erden sein.”
1Mo 4. 10 - 12
Hier ist es das von Kain vergossene Blut seines Bruders, das die Kraft des Erdbodens zurückgehen läßt, so daß Kain seine Lebensgrundlage verlieren wird. Aber auch das Land Israels selbst würde, sollte Israel ungehorsam werden, unter Dürre, Austrocknung und Verwüstung zu leiden haben (5Mo 28. 22, 24, 1Kö 17. 7, Jes 64. 6 - 11 u. a.), während Gott das Land wieder fruchtbar machen würde, seine Kraft also wiedererlangen sollte, wenn Sein Volk sich demütigte und zu Ihm zurückkehrte, und es wieder in dies Land der Verheißung zurückbringen würde, von dem es in alle Nationen hinein zerstreut worden war, um aus diesem Land heraus gesegnet zu werden und zu leben (siehe 5Mo 30).
Neben dem Bild des Segens, der also ganz unzweifelhaft in der Verheißung liegt, daß Gott Sein Volk wie den Staub der Erde machen wolle, erkennen wir jedoch auch das Vorläufige, Gesetzmäßige und von der Sünde Geprägte. Die Erde ist, wie an anderer Stelle bereits angeführt worden ist, verflucht um der Sünde willen. Dieses Wort hat Gott an keiner einzigen Stelle aufgehoben. Seither sind Dornen und Disteln, Mühe und schweißtreibende Arbeit Teil dessen, der den Boden besitzt und bebaut, bis er selbst wieder zu der Erde werden wird, von der er genommen ist (1Mo 3. 17 - 19). Alles, was mit dem Boden zusammenhängt, ist also vergänglich, und muß ihm mühsam abgerungen und Feindlichem abgetrotzt werden. Dem Erdboden liegt zwar die Kraft inne, das in ihn hinein Gesäte zu mehren; das bedeutet jedoch immer auch, daß eigene Anstrengung notwendig ist, um gesegnet zu werden. Denn der den Erdboden Bearbeitende muß pflügen und säen, um zur Frucht zu kommen. Will er ernten, muß er säen (d. i. das Prinzip „Saat und Ernte!”), d. h. will er gesegnet werden, muß er dafür arbeiten und eine Vorleistung erbringen. Das Befolgen dieser Regel gehört also noch klar in den Alten Bund, und weist unzweideutig auf das Gesetz Israels, das diesem Volk in Bezug auf das ihnen verheißene Land gegeben wurde, und auf die in diesem Gesetz liegende Gerechtigkeit, die spricht: Wer alle Gebote befolgt, wird durch sie leben (3Mo 18. 5, Ga 3. 12). So gilt dem der Segen, der das Gesetz befolgt, und dem der Fluch, der es nicht befolgt – auch hier allein in Bezug auf das verheißene Land, wie Gott es ihnen in der Gegenüberstellung von Segen und Fluch vorlegte (5Mo 28).
Nun aber – 1Mo 15. 1 - 6 – spricht Gott tatsächlich von einer zahlreichen Menge: Die Sterne am Himmel, deren es so viele sind, daß wir nicht fertig würden, wollten wir sie alle zählen. Um dies dem Abram zu verdeutlichen, führt Gott ihn nach draußen, aus seinem – mit Händen gemachten – Hause, das einmal das Haus Israel genannt werden wird, hinaus, weist ihn zum Himmel, und zeigt ihm die Sterne. Dies ist klar der himmlische Segen der Gemeinde, auf den sich auch die Schriften des Neuen Testamentes beziehen, um darzulegen, daß in Christus, Abrahams Samen, der Segen Abrahams unter die Nationen käme, und wir den verheißenen Geist empfingen, der ja das Angeld des uns zugeeigneten himmlischen Segens ist (Ga 3. 5 - 9 und 14, 25; 4. 4 - 7; Eph 1. 3 - 14).
Wir erkennen hier die beiden Ordnungen, die in den Segnungen Abrahams liegen: Der Staub als die Ordnung Israels, und die Sterne als die Ordnung der Gemeinde; das Eine als das von der Erde Genommene, und das Andere, das Gott schon dem Abram am Himmel offenbart – das Eine, das von der Erde ist, das noch – immer wieder – durch irdische Opfer gereinigt werden mußte, und das Andere, als das in den Himmeln, das eines anderen Opfers bedurfte – das unseres Herrn Jesus Selbst, Der – als unser himmlischer Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks – Sich Selbst ein und für allemal darbrachte, wie dies der Hebräerbrief lehrt (Hbr. 9. 11 - 26). Aus diesem Grunde wurde auch das Blut Jesu im Himmel dargebracht, um diesen zu reinigen (Hbr 9. 11 - 12, 24), während das Blut der alttestamentlichen Opfertiere sowohl auf die Gegenstände der Stiftshütte, dem irdischen Abbild des Himmlischen, als auch auf die Erde selbst gesprengt bzw. ausgegossen wurde (3Mo 1. 5, 3. 2, 8, 13; 4Mo 4. 5 - 7 u. v. a. m.). Da das Blut Jesu nicht auf der Erde, sondern im Himmel dargebracht worden ist, spricht Sein Blut auch besser als das Blut Abels, das, wie auch das Blut der Opfer, ebenfalls von der Erde aufgenommen worden war (Hbr 12. 24; vgl. hierzu 1Mo 4. 1 - 10).
So
sind wir
nun –
als die im Neuen Bund Lebenden –
„nicht zu einem betastbaren (d. i. irdischem, auf der Erde befindlichem und mit den Sinnen begreifbaren) oder mit Feuer brennenden Berg getreten...” (sondern wir sind) „zum Berg Zion herzugetreten und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem überhimmlischen Jerusalem, und zu zehntausend Boten, zu einer All-Zusammenkunft und zu der herausgerufenen Gemeinde der Erstgeborenen, angeschrieben in den Himmeln, und zu Gott, dem Richter aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler eines frischen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das besser spricht als das Abels.”
Hbr 12. 18 - 24, auszugsweise
Versorgung unter dem Neuen Bund: Vom Ende des Kornhauses
Betrachten wir nun die Art und Weise, wie Gott Seine Kinder im Neuen Bund versorgt. Im Alten Bund galt noch die Regel von Saat und Ernte. Daher spielte in Israel auch das Kornhaus, in dem die Erträge des Landes bzw. deren Zehnten aufzuspeichern waren, eine so gewichtige Rolle. Wer gesegnet werden, also eine Ernte haben wollte, mußte säen, also etwas dafür tun. Diese Tatsache wies, wie wir gesehen haben, auf das Gesetz hin, welches gebot, daß der, der all seine Regeln befolgt, in ihnen oder durch sie leben wird. Im Neuen Bund jedoch gilt die Gnade, die nämlich, durch die wir in Christus, dem Samen Abrahams, als seine Nachkommen unverdient gesegnet werden, da wir einer anderen Ordnung, nämlich der des Himmels angehören. Da wir – im Unterschied zu Israel – nicht der Erde, sondern dem Himmel angehören, ist die Wirksamkeit des Kornhauses – als die von Saat und Ernte, von Erzeugen und Aufspeichern auf der Erde – für uns nicht nur nicht bindend, sondern sogar tödlich.
All dies wird klar, wenn wir etwa die Reden Jesu betrachten, mit denen Er das Gesetz seiner Vollendung entgegen führt, und dabei gleichzeitig aufzeigt, wie Gott als der himmlische Vater die versorgt, die nicht auf der Erde, sondern im Himmel zu Hause sind. Dabei sucht Er Seine Zuhörer aus der alten Ordnung – der von der Erde – in die neue Ordnung – die des Himmels – zu bringen, und nennt jenes Prinzip, das denen anhaftete, die ihren Segen in dem eigenem Bemühen des Säens und Erntens aus der Erde zogen und für sich speicherten, ein Bedienen des Mammon, der von dem Wahren und Eigentlichen – dem Dienst für Gott – ausschließt, wie der Dienst der neuen, der Ordnung des Himmels als Gottesdienst mit jedem Mammonsdienst unvereinbar ist. Beide Ordnungen – als die zweier Herren – gehen also nicht zusammen; demgemäß wird die eine, die von der Erde kam, beendet und abgelöst durch die neue, die Ordnung des Himmels. Diese Vollendung des Gesetzes als dem von der Erde, die Jesus in menschlicher Gestalt – als das auf Erden fleischgewordene Wort Gottes (Jo 1. 1 - 4, 14; 1Jo 1.1 - 3, 4. 2 - 3) – zu vollbringen aus dem Himmel kam, schließt dieses Gesetz daher für immer und alle Zeiten ab, und seinen Weg als zu gehende Möglichkeit ab sofort völlig aus (vgl. Rö 10. 1 - 5). Hinfort bleibt kein anderer Weg mehr übrig, als der, der ins Himmlische hinein, zum Vater führt: der nämlich des glaubenden Vertrauens hinter Jesus her, als der Weg des Gehorsams gegen den himmlischen Vater, der nämlich, zuerst Sein Reich zu suchen und Seine Gerechtigkeit, auf dem allein uns diese Gerechtigkeit zukommen und Seine Versorgung zugefügt werden wird. Hier gilt, daß Jesus Selbst der Weg ist, den zu gehen wir den anderen, den irdischen Weg, der noch den Erwerb und die Sorge für sich selbst in den Mittelpunkt stellte, aufzugeben haben. – Wenn wir über diesen Zusammenhang zunächst in Matthäus 6, und danach in Lukas 12 lesen, was der Herr Jesus hierzu Seinen Jüngern sagt, werden wir erkennen, daß darin einige noch tiefere Geheimnisse verborgen sind:
„Speichert euch keine Schätze auf Erden, wo Motten und Rost sie entstellen und wo Diebe Wände durchgraben und stehlen. Speichert euch aber Schätze im Himmel auf, wo weder Motten noch Rost sie entstellen und wo Diebe nicht die Wände durchgraben noch stehlen; denn wo dein Schatz ist, dort wird auch dein Herz sein.
Dein Auge ist die Leuchte des Körpers. Folglich, wenn dein Auge klar ist, wird auch dein ganzer Körper licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, wird auch dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wieviel dichter ist dann die Finsternis!
Niemand kann zwei Herren sklaven; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird für den einen einstehen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott sklaven und dem Mammon (grie. mamonas, Treues, Sicheres, Geborgenes; das Aufgespeicherte).
Deshalb sage Ich euch: Seid nicht besorgt für eure Seele (also was ihr essen oder was ihr trinken möget) noch für euren Körper (was ihr anziehen sollt). Ist nicht die Seele mehr als die Nahrung und der Körper mehr als die Kleidung?
Seht die Flügler des Himmels an: sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie in Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Überragt ihr sie nicht bei weitem?”
Mt 6. 19 - 26
Jesus warnt Seine Zuhörer davor, sich Schätze auf Erden aufzuspeichern. Vielmehr sollen sie sich Schätze (griechisch thesáurous, die Gespeicherten) im Himmel machen. Bedeutet dies nun, wie viele lehren, daß wir geben sollen, um hier auf dieser Erde einen Segen, eine Erstattung für unsere Gabe zu erhalten? Keineswegs! Denn wenn wir dieser Lehre folgten, würden wir, da wir uns erneut auf Werke gründen, nicht nur ins Gesetz zurückfallen, sondern würden wiederum Schätze auf Erden sammeln; so blieben wir dem Mammonsdienst verfallen, dem Weg des Speicherns auf dieser Erde. Hier aber geht es nicht um irdische, sondern um himmlische Dinge. Und so macht Gottes Wort uns an anderer Stelle deutlich, wie dieses Schätzesammeln im Himmel geschieht. Dem Jüngling, der bereits alles getan hatte, was das Gesetz ihm gebot, sagte der Herr:
„Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deinen erworbenen Besitz, gib den Erlös den Armen; und du wirst einen Schatz in den Himmeln haben; dann komm herzu und folge Mir.”
(Mt 19. 21; siehe auch Mk 10. 21, Lk 12. 33 und 18. 22),
d.
h. gib
das Irdische daran, um Jesus nachzufolgen, um das
Himmlische also zu
erlangen.
Man beachte
dabei
besonders, daß der Herr den reichen Jüngling nicht
einfach
nur
anweist, seine Habe zu verkaufen. Er gebraucht hier vielmehr
ein
Wort, das im Griechischen mit hyparchonta
wiedergegeben ist; es bedeutet wörtlich das Unten
Angefangene (von
der
Vorsilbe
hyp, unten,
und
archoo, anfangen abgeleitet
und
aus
diesen
zusammengesetzt).
Unser Wort beschreibt also das, was
„von
unten” anfangend, durch Aufeinanderfügen immer weiter
„nach
oben” ausgebaut worden ist.
Wenn vom Besitz die Rede ist, dann also von einer
Daseinsgrundlage,
aufgebaut von unten, vom Grund her; und so spricht der Herr
vor allem
von
dem Weg des Erworbenen,
des Aneinandergefügten, der dem jungen Mann auf dem Weg
in das
Reich
der Himmel so überaus hinderlich ist, und hält ihn
schließlich
dazu an, das auf diesem Weg Erlangte aufzugeben.
„Verkaufe
dein Erworbenes”,
sagt der Herr ihm; also „gib
diese deine Lebensgrundlage auf”.
Und dann „gib
ihren Erlös den Armen, schenke ihn ganz weg, dahin, wo
du mit
Sicherheit keine Verfügungsgewalt mehr über ihn
haben wirst,
so
wirst du einen Schatz im Himmel haben, der nicht vergeht”.
Hier soll also vor allem ein Weg verlassen werden, der den Weg von Erfolg, Gewinn und Erlös darstellt: der Weg des selbst erworbenen Reichtums. Zwischen der Gabe und einer eigenen Erwartung eines Segens sollte kein Zusammenhang mehr bestehen. Und so wird, überein mit dem Wort Mt 6. 3, daß die Linke nicht wissen soll, was die Rechte gegeben hat, dem Jüngling ein Geben nahegelegt, das nichts auf dieser Erde erwartet, geradezu ein Hinweg-Geben an die, die die Gabe niemals werden erstatten können, ein völliges Loslassen also, – „und dann komm und folge Mir”, nicht einem Gesetz, nicht einer Regel, sondern einer Person: Jesus allein.
In dieser Nachfolge allein verwirklicht sich Gottes Reich. Alles in diesem Reich aber zielt auf das Inwendige, Unsichtbare, nicht aber auf das Auswendige und Sichtbare.
„Das Königreich Gottes kommt nicht, so daß man es durch Aufpassen wahrnehmen könnte, noch wird man es ansagen: Siehe hier! oder: Siehe dort! Denn siehe, das Königreich Gottes ist in eurem Innern.”
Lk 17. 20 – 21
Wer also auf dieser Erde eine Erwartung verfolgt, die auch nur irgendwie im Sichtbaren liegt, der sollte sich gewahr werden, daß das, was er da verfolgt, nichts mit dem Reich Gottes zu tun hat. Es ist eben gerade nicht das Sichtbare, sondern das Unsichtbare, das uns besonders interessieren soll (2Kor 4. 18). Denn der Schatz in den Himmeln, der ist zwar unsichtbar, dafür aber unvergänglich und bleibend; den Schatz auf der Erde hingegen mag man wohl sehen oder anfassen können, und doch vergeht er, rostet und fault; er führt also nicht in das Leben, sondern geradewegs in den Tod hinein. Wenn wir also einer Frucht nachjagen, dann sollten wir uns zuvor der Beschaffenheit dieser Frucht vergewissern: bringt sie uns in die Sichtbarkeit und damit in die Vergänglichkeit, in das Sterben hinein, wie schon die Schlange im Garten Eden tat, oder führt sie uns ins Unsichtbare, Unvergängliche, hin zu dem Baum des Lebens, in die Gemeinschaft mit dem unsichtbaren Gott? Ist die angebotene Frucht irdischer Natur, ist sie schön anzusehen mit unseren Augen, erscheint uns der Baum, von dem sie herkommt, begehrenswert, weil wir uns an ihm, als dem Baum der Erkenntnis, durch das Anwenden seines Wissens noch mehr solcher Früchte erwerben können? Oder bleiben wir allen Einflüsterungen, allen anderen Lehren zum Trotz dabei, der Stimme Gottes allein Gehör zu schenken und ihr zu folgen, Ihm also Selbst, der ja mit uns in jenem Garten wandelt? Es ist für den ernsthaften Bibelleser überaus lohnenswert, den diesbezüglichen Bericht des Ersten Buches Mose einmal unter dieser Warte zu verfolgen, da er sich uns so mit seiner ganzen Dramatik erschließen kann (1Mo 3. 1 – 24, vgl. dazu 2Kor 11. 2 - 5).
Spätestens jetzt also sollte auch dem Letzten deutlich geworden sein, daß mit einem Schatz im Himmel nicht der äußerliche, irdische Ertrag einer Gabe, eine Vermehrung von Geld oder Gut etwa gemeint sein kann. Wer solches lehrt, der vermengt etwas miteinander, was keineswegs zusammen gehört. – Wenn wir nun geben, und uns dann vor dem Herrn auf diese unsere Gabe berufen, als hätten wir uns damit einen Segen erworben und dürften diesen nun etwa einfordern, dann haben wir keine Erkenntnis; wir haben noch nicht gegeben, wie der Herr will, daß wir geben sollen, und bewegen uns, fromm getarnt zwar, noch immer auf dem alten Weg des Aufeinanderfügens von Gütern auf der Erde, den wir doch längst hatten aufgeben sollen. Wenn wir für unsere Gabe überhaupt einen Beweggrund haben, außer der, daß der Herr uns dazu angewiesen hat, dann kann der einzige uns erlaubte Beweggrund nur herzliches Erbarmen und die dem Nächsten erwiesene tätige Liebe sein, denn die Liebe sucht nicht das Ihre (1Kor 13. 5). Die Liebe sammelt also – im Kontext des Gesagten – nicht für sich selbst; ebenso rühmt sie sich auch nicht irgendeiner Gabe (1Kor 13. 4; siehe auch Ga 5. 6, Phil 2. 1 – 8, Ja 2.15 – 16 u. a.). Und, weil wir in dem Zusammenhang nun einmal auch Stellen aus dem Ersten Korintherbrief anführen: Geben ohne die Liebe, so sagt Paulus, und wenn es auch gleich der eigene Leib wäre, ist vollkommen unnütz (1Kor 13. 3)! Und so wird auch hier ein jedes Streben, eine jede Erwartung, ja überhaupt jede Aussicht auf eigenen Gewinn von vorn herein ausgeschlossen. Das in diversen Glaubenskreisen vielfach strapazierte „Prinzip Saat und Ernte” – im Folgenden werden wir uns weiter damit beschäftigen – gehört von nun an der Vergangenheit an! Denn was hatte der Herr Jesus dem jungen Mann noch ans Herz gelegt? „Verkaufe deinen erworbenen Besitz, und gib den Erlös den Armen” – höre auf damit, gründe dich nicht darauf, Besitz zu erwerben und zu speichern, sondern laß los in jeder Weise; verkaufe das, was du erworben hast, und gib den Erlös ganz weg; gib ihn dahin, von wo du mit Sicherheit nichts wiederbekommst!
Du glaubst noch immer nicht, daß Geld nichts mit dem Himmel zu tun hat? Dann – ganz am Rande und nebenbei – eine kleine Anekdote, die einmal im Fernsehen berichtet worden ist.
Vor Jahren brachten einige junge Männer eine Menge alter Geldscheine in eine der Landeszentralbanken in Süddeutschland mit der Bitte, sie in gültige Banknoten neuer Währung umzutauschen. Es handelte sich bei den Scheinen, wenn ich mich noch recht an den Bericht erinnere, um alte D-Mark-Scheine. Der Angestellte in der Bank wurde jedoch stutzig: es war weniger das Aussehen der Scheine, sondern vielmehr ihr Geruch. In der Tat – die Scheine rochen ziemlich stark nach Fäulnis und Moder. Die Sache klärte sich alsbald auf. Die Jungen hatten einen der stillgelegten Bergwerksstollen gefunden, in die hinein man die alten, für den Zahlungsverkehr ungültig gewordenen Scheine gebracht und dann schließlich der Verrottung überlassen hatte. Der Stollen war nur unzureichend gesichert worden; es war also ein Leichtes, dort einzusteigen. Da lagen die Banknoten dann auch gleich bergeweise, so daß man die Gelegenheit beim Schopf packte und reichlich davon mitnahm. Die Scheine wurden natürlich nicht umgetauscht; statt dessen sah man sich alsbald vor Gericht wieder...
Fürwahr: Geld und Gut dieser Erde modern und rosten, und manchmal stinkt es schon; all das, was heute noch glänzt und dem die Massen nachjagen, ist morgen dahin, fällt dem Verderben anheim. Nein, sagt Jesus, du sollst dein Leben und deine Versorgung eben gerade nicht auf diese Dinge gründen; du sollst sie eben nicht begehren, du sollst sie eben nicht mehren, sondern vollkommen fahren lassen; und dann komm, gründe dich allein auf Mich, den Schatz in den Himmeln, an den dein Herz sich fortan hängen soll; Ich gehe dir von nun an voran. – Sorgst du dich um Essen, Trinken, Kleidung? Bist du umhergetrieben von dem Woher und dem Wohin? Laß ab, sagt Jesus, folge Mir nur, denn Ich sorge von nun an auch für dich. Welch unaussprechliche Freiheit steckt doch in diesen Worten!
Hier geht es freilich nicht etwa um irgend einen Weg der Tugend; ebensowenig geht es darum, einen Unterschied zwischen den Jüngern und der Welt auszuarbeiten; hier geht um den Weg zu und mit Gott – gilt es doch, das Himmlische zu erringen, und schließlich Jesus, den Schatz, den Himmlischen Selbst, Seine Herrschaft, Sein Reich. Und so haben wir immer aus dem Irdischen herauszutreten und jede Teilhabe daran gänzlich zu verlassen, wollen wir in die neue Ordnung – das Reich der Himmel – eintreten und daran teilhaben. Diese Erde, der Erdboden, das Irdische also wird von nun an nicht mehr die Grundlage sein, von der wir, die wir doch Himmelsbürger sein wollen, leben können. Der Erwerb von Besitz, auf den der reiche Jüngling sein Leben noch gegründet hatte, gehört von nun an der Vergangenheit an, wenn wir im Reich der Himmel leben wollen! Der Mensch in Jesu Gleichnis, der den einen Schatz, der mit diesem Reich verglichen wird, in dem Acker findet und verbirgt, verkauft alles, was er hat, um diesen Acker zu erwerben; aber nicht, um ihn wiederum zu bestellen, sondern um an diesen Schatz zu kommen, der von seiner Natur her nichts mit dem Acker, dem Erdboden also, gemein hat – ist er doch um so vieles wertvoller als der Acker selbst (Mt 13. 44).
Dies alles ist äußerst bedeutsam, wenn wir die Aussagen bei Matthäus 6 in ihrem Kontext betrachten. Sie stehen nämlich mitten in den Reden, die das Gesetz als das irdisch verständliche Gut (als „das von der Erde”) behandeln, um dann, indem Er dieses Gesetz in seine Vollendung führt (Mt 5. 17 - 18) – die Zuhörer in die Gegebenheiten des Neuen Bundes – des Himmels hineinzubringen, wie ja hier auch immer wieder von Gott als dem himmlischen Vater gesprochen werden wird.
Wie wir hinreichend gesehen haben, steht das Gesetz Israels im Bezug auf das verheißene Land. Das Teil Israels war der Boden als die ihnen von Gott gegebene Grundlage ihres Segens, der ein irdischer war. Dies bedeutete, daß der, der ernten wollte, den Boden bedienen mußte, und der, der nicht gesät hatte, auch nicht ernten konnte. Sie hatten für den ihnen verheißenen Segen selbst zu sorgen. Segen oder Fluch standen also jeweils am Ende ihrer Bemühungen, was ein Gleichnis für das ihnen gegebene Gesetz ist, welches sie segnete, wenn sie alle seine Gebote hielten, und sie verfluchte, wenn sie es nicht beobachteten. Das Bedienen des Bodens, das Säen in ihn und das Ernten aus ihm schließen – gleichnishaft – das Speichern der so erzeugten Früchte in sich ein, womit wir wieder bei Maleachis Kornhaus wären.
Der
Herr führt nun dieses Aufspeichern des durch
eigene
Werke
erlangten Gutes seinem
Ende
entgegen,
indem Er aufzeigt, daß dieses Gut verderblich, zeitlich
ist, vor
Gott also keinerlei Bestand hat. Und so sagt Er
schließlich,
daß es
nicht möglich ist, beidem
zu dienen: Man kann nicht Gott – als dem himmlischen
Vater – dienen
und zugleich
dem Mammon, dem Gespeicherten
von der Erde.
Das griechische Wort für Mammon
ist mamonas
und
bedeutet das
Treue,
Sichere, und
kommt
von dem aramäischen Wort mamona,
das jenes Gut beschreibt, das man zuverlässig und sicher
hat, als
das, was man in Sicherheit gebracht, also für
sich
selbst
aufgespeichert
hat. Dieses
für sich selbst Speichern, jenes für sich selbst
Säen
und Ernten,
dessen Früchte – als die
Ergebnisse eigenem
Tuns – man für sich
selbst verwahrte, das ja
noch die Gegebenheiten des
Alten Bundes – dem des
Landes
–
so sehr charakterisiert hatte,
genau das
entspricht nun nicht mehr
der Ordnung des
Himmels.
Vom Reichen, dessen Acker gut getragen hatte
Auch Lukas berichtet uns, daß Jesus all diese Worte zu Seinen Jüngern spricht. Hier aber stellt Er sie in den Zusammenhang jenes Reichen, „dessen Acker gut getragen” hatte. Hierbei ist zu bedenken, daß wir es mit Gliedern des jüdischen Bundesvolkes zu tun haben, mit denen und über die Jesus hier redet. Als solche waren sie sich der Bedeutung des ihnen zugelosten Landes immer bewußt, und verstanden daher sofort, auf was sich Seine Reden bezogen. Wir erkennen also auch hier den Segen Israels, dem des Landes, wodurch ihnen dieser Reichtum zuteil geworden ist. Nicht umsonst sind die meisten der Gleichnisse Jesu aus den Bildern des Ackers oder des Säemannes entnommen – derer also, die den Boden besaßen und aus ihm lebten.
„Dann redete Er in einem Gleichnis zu ihnen: ‚Der Acker eines reichen Mannes hatte gut getragen; so erwog er bei sich: Was soll ich tun, da ich keinen Platz habe, wohin ich meine Früchte sammeln soll? Dann sagte er sich: Dies will ich tun: Ich werde meine Scheunen einreißen, größere bauen und dort all mein Getreide und meine Güter sammeln. Und zu meiner Seele werde ich sagen: Seele, du hast für viele Jahre zahlreiche Güter daliegen; ruhe dich aus, iß, trink und sei fröhlich!
Gott aber sagte zu ihm: Du Unbesonnener, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und was du dir bereitet hast, wem wird es zufallen? – So geht es jedem, der für sich selbst Schätze aufspeichert und nicht für Gott reich ist.’
Zu Seinen Jüngern aber sagte Er: ‚Deshalb sage Ich euch: Seid nicht besorgt für eure Seele (also was ihr essen möget) noch für euren Körper (was ihr anziehen sollt). Denn die Seele ist mehr als die Nahrung und der Körper mehr als die Kleidung. Betrachtet die Raben: sie säen nicht, noch ernten sie, sie haben keine Kammer und keine Scheune, und Gott nährt sie doch. Um wieviel mehr überragt ihr nun die Flügler!
Wer von euch kann mit Sorgen seinem Vollwuchs eine Elle hinzufügen? Folglich, wenn ihr doch nicht das geringste könnt, was sorgt ihr euch um das übrige? Betrachtet die Anemonen, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht, noch spinnen sie. Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war so umhüllt wie eine von diesen. Wenn aber Gott das Gras auf dem Feld, das heute da ist und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel eher wird Er euch kleiden, ihr Kleingläubigen?’ ”
Lk 12. 16 - 28; vom 25. Vers an vgl. Mt 6. 27 - 30
Wir erkennen in jenem Ackersmann bei Lukas zunächst einmal einen Gesegneten des Alten Bundes: Sein Acker hatte so gut getragen, daß es keinen Platz mehr gab, um all die Erträge unterzubringen. Dies entspricht – im Wortsinn – voll und ganz der Verheißung Maleachis, der dem Israeliten, der die Ordnungen Gottes einhielt, den Ertrag des Bodens so sehr mehren würde, daß es keinen ausreichenden Platz mehr gäbe, um ihn unterzubringen (Mal 3. 10; vgl. auch 5Mo 28. 3 - 6, 8, 11 - 12). Die überaus reiche Ernte dieses Mannes wies jeden Gesetzeskundigen also sofort darauf hin, daß er das Gesetz und die darin enthaltenen Zehnten befolgt haben mußte, worin wir wieder die Gerechtigkeit des Gesetzes als die der eigenen Werke erkennen, die bekanntlich aussagte, daß der, der all seine Gebote hielt, durch sie leben würde.
Dem, der aus den Scheunen lebt, stelllt Jesus nun jene gegenüber, die ganz offensichtlich ohne eigenes Säen und Speichern gesegnet sind. Meinte Jesus etwa, daß wir nicht mehr arbeiten sollten? Natürlich nicht. Es handelt sich bei dem Gesagten um eine Bildrede; hier geht es ganz andere Zusammenhänge, um die Frage, ob wir ein Leben aus dem Gesetz oder ein Leben aus der Gnade führen wollen. Während wir bei dem erwähnten Landbesitzer – einem Gesegneten des Alten Bundes, derer also, denen das Land zugeordnet war – noch die Dinge des Landes erkennen (Reicher Erntesegen durch das Land, Speicher), sind jene, die den Himmel bevölkern, ohne Kammern und ohne Scheunen; ausdrücklich wird gesagt, daß sie – im Gegensatz zu unserem Landmann aus Israel – für sich selbst weder säen noch ernten, aber ihr himmlischer Vater sie dennoch ernährt. Dementsprechend ist in der Schrift die Aussage enthalten, daß die jungen, nach Nahrung umherirrenden Raben nur zu Gott schreien, und Er Selbst ihnen ihre Nahrung gibt. (Hi 38. 41, Ps 147. 9).
In dieser Rede unseres Herrn ist nun jedoch nicht nur von den Raben bzw. von den Flüglern des Himmels die Rede, sondern auch von den Anemonen des Feldes, die sich weder selbst mühen, noch spinnen, und doch werden sie von dem himmlischen Vater in einer Weise eingekleidet, die selbst die Herrlichkeit übertreffen, mit der Salomo umkleidet war. Wörtlicher übersetzt muß es heißen, daß Salomo sich selbst bekleidet hat, während von den Anemonen als dem Gras im Felde gesagt wird, daß diese nicht sich bekleiden, sondern von dem himmlischen Vater bekleidet werden – mit einem herrlicheren Gewand, als jenes es war, mit dem Salomo sich selbst umhüllt hatte. Alles Bemühen, sich selbst zu bekleiden, erlangte also nicht die Herrlichkeit, die jenen zuteil wird, die von Gott als dem himmlischen Vater bekleidet werden. Dies weist auf den Neuen Bund hin, der ein besserer Bund ist, deren Inhaber mit einer besseren Gerechtigkeit umkleidet werden, als die derer, die unter Salomo Tempel und Gesetz dienten und sich mit ihrer eigenen Gerechtigkeit (selbst) bekleideten, derer also, die das Land besaßen und die für den Erwerb des ihnen zugeteilten Segens selbst verantwortlich waren, die also, um in dem Bilde zu bleiben, sich selbst mühen und sich ihr eigenes Gewand spinnen mußten – ihre Gerechtigkeit bestand in ihren Taten, während die Gerechtigkeit derer, die der Herr mit den Anemonen vergleicht, in dem Bekleiden ihres himmlischen Vaters liegt. Die Gerechtigkeit Salomos war also noch eine von der Erde, die der „Anemonen” kommt aus dem Himmel.
Die bessere Gerechtigkeit dieser „Anemonen” ist die unseres Herrn; gleichwie das Gewand, mit dem der Herr Jesus auf der Erde bekleidet war, in einem Stück durchgewebt war und sich an ihm also keinerlei Naht befand (Jo 19. 23 - 24), ist auch diese himmlische Gerechtigkeit eine vollkommene, unauftrennbare, in einem Stück verliehene. Im Gegensatz dazu meint das Hebräische, wenn es in den Schriften des Alten Bundes von der den Menschen eigenen Gerechtigkeit spricht, eigentlich immer den Plural, nämlich die Gerechtigkeiten als die richtigen Taten. Hier wird also das Stückweise und Unvollkommene einer solchen, aus dem eigenen Bemühen heraus aufgerichteten Gerechtigkeit – als der aus einzelnen gerechten Taten bestehenden – offenbar. Dementsprechend spricht Jesaja davon, daß unsere Gerechtigkeiten nur wie schmückende Gewebe oder Gespinste sind (Jes 64. 5). Dies ist die Aussage des Grundtextes; die meisten gängigen Übersetzungen sind hier leider mißverständlich. Gemeint ist eigentlich, daß unsere gerechten Taten gleich einer Aneinanderfügung von einzelnen, wenn auch schönen Gewebefäden sind, die doch kein Kleid hervorbringen, das in der Lage wäre, unsere Blöße gänzlich zu bedecken – ein unvollkommenes Gespinst.
Dieser Gerechtigkeit des Alten Bundes, die von der Aneinanderfügung einer gerechten Tat an die andere hergeleitet wird, entspricht nun auch die in diesem Bund geoffenbarte Versorgung derer, die das Land besaßen. Wie unser Landmann aus Lukas 12 immer wieder zu säen hatte, um ernten und seine Scheune füllen, und wieder erneut säen zu können, mußte das Gesetz in allen seinen Regelungen beständig befolgt werden, um im Strom aufeinanderfolgender Segnungen bleiben zu können – nämlich dem Erhalt der Fruchtbarkeit des Landes. Die Gerechtigkeit wie die Versorgung des Himmels ist jedoch eine andere, vollkommene, die nicht einem der Aneinanderfügung einzelner Taten folgenden Segen – einem Lohn für unser Wohlverhalten also entspricht, sondern von oben, vom Himmel her aus Gnade denen in Vollkommenheit geschenkt wird (vgl. Rö 4. 4), die in die Ordnung des Himmels gesetzt sind. Deshalb sagte der Herr auch von den Anemonen, daß diese nicht selbst spinnen – also keine Fäden zu einem Ganzen zusammenzufügen bemüht sind, d. h. in dem Bilde nicht Tat an Tat, Voraussetzung an Voraussetzung fügen müssen, um sich daraus ihre Gerechtigkeit selbst zu erwirken, und um sich aus dieser heraus der Beständigkeit ihrer Versorgung sicher sein zu können, wie dies noch unserem Landmann aus Israel zu eigen war, der meinte, sich auf das auf diesem Wege erlangte, für sich selbst gespeicherte Gut verlassen zu können, was ihm vor Gott den Ruf eines Unbesonnenen (Luther: Narr) einbringen wird.
Ja mehr noch – nicht umsonst wählte Jesus gerade die Pracht der tiefrot blühenden Anemonen, die in Israel jeder kennt und die auf den Feldern weitverbreitet sind, für sein Gleichnis aus. Es wird nämlich deutlich, woher die Gerechtigkeit kommt, die denen gehört, die ihr Gewand nicht selbst zu weben haben. Das Tiefrot der Blütenfarbe macht es deutlich. Hier zeigt sich die Gerechtigkeit dessen, der das Gericht an den Völkern selbst vollzog und dem dabei niemand beistand; es ist der Herr Selbst, der uns bei Jesaja als der Keltertreter geschildert wird, der Sein eigenes Gewand über und über mit Blut besudelt hat – nun jedoch nicht mit dem der Sünder, sondern mit dem eigenen, da Er das Gericht stellvertretend an Sich Selbst vollzieht.
„Wer kommt dort von Edom her, mit geröteten Kleidern von Bozra? Prächtig sieht er aus in seinem Gewand; stolz tritt er auf in der Fülle seiner Kraft! Ich bin es, der ich von Gerechtigkeit rede und mächtig bin zum Retten! Warum ist denn dein Gewand so rot und sehen deine Kleider aus wie die eines Keltertreters? Ich habe die Kelter allein getreten, und von den Völkern stand mir niemand bei... Denn ich hatte mir einen Tag der Rache vorgenommen, das Jahr meiner Erlösten war gekommen. Und ich sah mich um; aber da war kein Helfer; ich ward stutzig, aber niemand unterstützte mich...”
Jes 63. 1 - 5, Schlachter). –
Es ist gerade das rote Gewand eines Königs, mit dem Jesus zum Hohn umkleidet wird, bevor Er an den Kreuzespfahl gehen wird (Mt 27. 28, Mk 15. 17 usw.); es ist das rote Gewand unserer Sünde und Ungerechtigkeit, das Er stellvertretend an das Fluchholz bringen würde, um uns das Königsgewand Seiner Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen:
„Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Purpur, sollen sie wie Wolle werden.”
Jes 1. 18, Schlachter
Und wiederum erscheint uns das rote, in Blut getauchte Gewand unseres Herrn als dem des auferstandenen und verherrlichten Christus,
„dessen Name ist: Das Wort Gottes” (Off 19. 13).
Die Gerechtigkeit des Himmels als die derer, von denen Jesus in Seinem Gleichnis spricht, ist die Gerechtigkeit des Königs, der für uns bezahlt hat, und somit selbst zu der Gerechtigkeit wurde, mit der wir nun bekleidet werden, und die besser ist als die, die dem König Salomo zu eigen war. Es ist dies daher auch jene Gerechtigkeit, die weitaus besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, von der Jesus in dem Kontext des hierzu bei Matthäus Gesagten spricht, und die auch dort als zu dem Reich der Himmel gehörend beschrieben wird (Mt 5. 20).
Auch hier haben wir wieder Gott als den himmlischen Vater; auch dies weist auf die himmlische Ordnung und die himmlische Gerechtigkeit hin, in die nun die Jünger hineingeführt werden sollen, zu denen Jesus hier spricht und die Er, wenn sie in diese Ordnung eintreten, mit diesen Anemonen vergleicht, ja ihre Versorgung sogar noch über diese stellt. Die Anemonen wachsen gemeinsam mit der Saat auf ein und demselben Boden. Dies zeigt uns die gemeinsame Grundlage Beider auf. Beide gehen zunächst auf ein und denselben Segen, ein und dieselbe Verheißung zurück, wie auch in dem Segen Abrahams beide Verheißungen – die des Landes und die des Segens für viele Völker, des Himmlischen also – enthalten sind. Denn beide gehen zunächst aus dem Land hervor, das Gott verheißen und gegeben hat. Während das Korn nun von dem gesät wurde, der das Land besitzt, sind die Anemonen Blumen des Feldes; es sind Wildblumen, die einen anderen Samen haben als das Korn und sich, von weither durch den Wind getragen, scheinbar von selbst ausgesät haben. Dies weist auf die Nationen hin als die wilde Saat, während Israel die Saat darstellt, die von dem Landmann einst von dem Land genommen, gehegt und gepflegt und schließlich wieder ausgesät bzw. gepflanzt worden ist. Nicht umsonst wird Gottes Volk vielfach als „Weinberg Gottes” und als „die Pflanzung unseres Herrn” bezeichnet (Jes 5. 7, 60. 21; Mt 21. 33 - 45 u. a.).
Das Edle Israels und das Wilde der Nationen wird später auch anhand der Aussage des Paulus deutlich, daß Israel der edle Ölbaum ist, als der Stamm, der in dem Erdreich und damit in dessen Ordnung wurzelt, während er die Kinder Gottes, die der Herr aus den Nationen herausgerufen hat, mit den wilden Zweigen vergleicht, die in diesen Stamm eingepfropft sind und die in den Himmel ragende, also die mit der himmlischen Ordnung verbundene Krone bilden (Rö 11. 16 - 24). Interessanterweise ist der Ölbaum der einzige Baum, in dessen edlen Stamm wilde Zweige hineingepfropft werden, die dann, obwohl selbst wild, die edlen Früchte des Stammes hervorbringen. Bei allen anderen zu veredelnden Gewächsen wird andersherum verfahren; dort wird ein unedler Stamm mit einem daraufgesetzten edlen Reis veredelt. –
Auch der Herr Jesus gebraucht das Bild eines Baumes; hier ist es jedoch das kleine Senfkorn, das – im Abbild des Reiches Gottes – einmal auf das Land ausgestreut, zu jenem riesigen Baum – das Bild für das in dem Erdreich wurzelnde Israel – werden wird, auf dessen hochragenden Zweigen die Vögel des Himmels (die Bewohner der himmlischen Ordnung also) nisten (Mt 13. 31 - 32). Hier ist es das Senfkorn, das kleiner ist als alle anderen Samen – auch dies ist ein klares Bild für das Volk Israel als das, das am Anfang des Reiches Gottes steht, das von Gott einmal das kleinste unter allen Völkern genannt worden war (5Mo 7. 7). Auch damit wird klar, daß Israel als Grundlage der Verheißung in das Land gesetzt worden ist, während der Wildwuchs zwar aus ein und derselben Grundlage hervorgegangen ist, dann aber einen anderen Weg, gemäß einer anderen Ordnung gehen wird, als es der gezogenen Saat bzw. dem mit dem Erdreich verbundenen Stamm gegeben ist. – Das Korn auf dem Acker – die Pflanzung Israel – bedarf also einer Saat, einer Pflege und einer Fürsorge, einem Pflügen und Bearbeiten des Landes, die Anemonen – der aus den Nationen kommende Wildwuchs, der ohne eigenes Zutun in die himmlische Ordnung eingeführt wird – nicht. Sie wachsen von selbst, und ohne ihr eigenes Zutun werden sie bekleidet, und wie die Vögel, das andere Bild derer, die den Himmel bevölkern, sorgen sie sich um nichts.
Die Ordnung der Himmelsbewohner: Das Brot des Lebens
Wir erkennen hier also eine doppelte Bedeutung: Wie diesen, die Jesus mit den Vögeln und den Anemonen vergleicht, eine bessere Gerechtigkeit zuteil wird als jenen, die unter dem Alten Bund lebten, als dem Bund, der der Verheißung des Landes entsprach, so ist auch ihre Versorgung demgemäß eine andere und bessere, als die es war, denen das Land gehörte. Während deren Versorgung eine irdische war – eine der Erde entsprechende; sie mußten säen, um zu ernten, und ihr eigenes Verhalten, ihr eigenes Tun, ihr Erfüllen oder Nichterfüllen des Gesetzes bestimmt ihnen Segen und Fluch – ist die Versorgung der „Raben” oder der „Flügler” eine andere, aus der Ordnung des Himmels stammende, die es ihnen – im Bilde – untersagen wird, für sich selbst zu sorgen. Die Versorgung derer, die den Himmel bewohnen, löst also diejenige ab, die denen gehört, denen das Erdreich zugelost worden ist, mit all dem, was dazugehört – Saat, Ernte, Kornhaus – einschließlich des dazugehörigen Zehnten, der als Bestandteil des Gesetzes eine von Gott eingerichtete Ordnung Israels für ihre weitere Versorgung und folgendem Segen des Landes darstellte, aufgrund derer sie existierten.
Auch hierfür gibt es Vorbilder des Alten Bundes: das etwa des Propheten Elia, der, als er sich außerhalb des Landes Israel, dazu noch während einer Zeit der Dürre und Hungersnot, jenseits des Jordan, am Bach Krit befand – von den am Himmel fliegenden Raben mit Brot und Fleisch versorgt worden war (1Kö 17. 2 - 6). Auch später wird er im Bilde schon der neuen Ordnung gemäß von einem Engel, einem Boten des Himmels also, mit auf heißen Steinen gebackenem Brot und einem Krug Wasser versorgt (1Kö 19. 1 - 8). All dies sind also Bilder, die klar und eindeutig schon auf die Art und Weise der Versorgung des Neuen Bundes als der des Himmels hinweisen – kein Korn, keine Früchte, kein Most, kein Öl, keine Milch, kein Honig, wie es eben der Verheißung des Landes entsprach (2Mo 3. 8, 4Mo 13. 23, 26, 27; 14. 7 - 8, 16. 13 - 14; 5Mo 7. 13 u. a.), sondern Brot, Fleisch und Wasser. Und dies geschah nicht durch die immer wiederkehrende Bemühung von Saat und Ernte, die den Boden zu bedienen, also für die Erlangung des Segens selbst zu sorgen hatte, sondern ohne eigene Bemühung, ohne eigene Werke durch den dem Elia verheißenen Raben als dem Vogel des Himmels, und durch den ihm später erschienenen Engel (Boten) aus der himmlischen Welt. Auch hieran erkennen wir die einfache Regel: Das Land Israels bedeutete Saat, Ernte, Kornhaus und Zehnter, und außerhalb dieses Landes zu sein bedeutete zu allen Zeiten keine Saat, keine Ernte, kein Kornhaus und keinen Zehnten zu haben. Das ständig zu bearbeitende Land ging konform mit dem Gesetz als dem des für sich selbst Sorgens und Erschaffens, während sogar schon zu Zeiten des Alten Bundes der, der seinen Segen nicht aus dem Land Israels bezog, sondern letztlich aus dem Himmel, stets auf die ihm unverdient zukommende Gnade angewiesen war.
Wir fassen daher zusammen, daß die irdische Ordnung dem Gesetz, die himmlische dagegen der Gnade zuzuordnen ist. In all diesem erkennen wir also die Wahrheit, daß der Zehnte der irdischen Ordnung Israels, als der des Landes, nicht aber der der Gemeinde entspricht, die der himmlischen Ordnung angehört. Das Bild der Nahrung Israels war dem zugeteilten Segen des Landes entsprechend: es war das Korn als die Frucht des Erdbodens. Das Bild der Gemeinde aber, als der mit dem geistlichen Segen in den Himmeln Gesegneten, ging weit darüber hinaus: es war das allen gemeinsame und gleichermaßen zustehende Brot des Lebens – als das geistliche Manna, das aus dem Himmel gekommen war. Wie der dem Abram als dem Stammvater Israels zugesprochene Segen, Gott wolle seinen Samen wie den Staub der Erde machen, so symbolisiert auch das Kornhaus Maleachis, mit dem darin lose zusammengebrachten Getreide, schon das Vergehende und das noch Vorläufige des Alten Bundes. Als Jesus mit dem Finger auf die Erde schrieb (Jo 8. 7 - 8), zeigte er an, daß jene, mit denen er sprach – als die dem Gesetz Folgenden – bereits im Vergehen begriffen waren, wie die Schrift im Sand, die ein bloßer Windhauch alsbald verwischt haben würde. Wie der Sand verweht, um den darunterliegenden Boden freizugeben, und wie das Getreide zermahlen und daraus ein Brot gebacken wurde, so wurde der Alte Bund abgeschlossen und mündete in den Neuen, wodurch er zur Vollendung gebracht wurde; ebenso mußte auch auch der irdische Körper unseres Herrn – als ein einzelnes Samenkorn – zerschlagen werden, um – als ein aus dem Ofen des Leidens hervorgebrachtes Brot – in der Form Seines auferstandenen Körpers, der die Gemeinde darstellen sollte, von Neuem hervorzukommen. Erinnern wir uns noch an das Brot, das Elia gebracht worden war? Es kam aus dem Himmel, denn ein Engel brachte es; und es war auf heißen Steinen gebacken.
So werden uns bereits hier die Leiden unseres Herrn in einer einzigartigen Weise bezeugt (Jo 5. 39). Selbst die Ähre mußte gedroschen werden, und das so hervorgebrachte einzelne Samenkorn mußte, sollte es Frucht bringen, in die Erde gelegt werden und sterben, wollte es nicht allein bleiben (Jo 12. 24), sondern wiederum zur Ähre und letztlich zum Brot werden, von dem alle leben könnten. Das Brot stellt damit nicht nur die Nahrung dar, sondern symbolisiert auch den vom Himmel her geoffenbarten, einen Körper als ein Ganzes (wir sprechen auch vom „Laib Brot”), während die einzelnen Getreidekörner noch den losen Verband eines Volkes als einer von der Erde entstammenden, unzählbaren Schar kennzeichnete, wie sie dem Abram zuerst verheißen worden war, wonach dieser Gott einen Altar baute (1Mo 13. 14 - 18). Die Ordnung der Gemeinde, die jener also, die so zahlreich wie die Sterne des Himmels werden sollten, wie Gott dem Abram danach verhieß (1Mo 15. 1 - 6), sehen wir jedoch vorgebildet nicht in dem Korn, das ja noch die Eigenschaft seiner Vorläufigkeit in sich trug, sondern sowohl in dem aus dem gemahlenen Getreide heraus zur Vollendung gebrachten Brot, als auch – dem entsprechend – in dem vom Himmel gefallenen Manna, das die Israeliten in der Wüste einsammelten und damit für alle Glieder dieses Volkes gleichermaßen zur Nahrung geworden war. Und es war diese zweite Verheißung, die nicht mehr den Altar, sondern den Glauben hervorbrachte, der gerecht macht; denn sie resultierte in dem Wort:
„Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete Er ihm zur Gerechtigkeit an.”
1Mo 15. 6, vgl. Ga 3. 5 - 9
Die Art und Weise der Versorgung der Glieder des Neuen Testaments wird also von zwei miteinander zusammenhängenden Bildern angezeigt; ist es einerseits das Bild des einen Brotes, das Paulus auch bei seinen Erläuterungen zum Brotbrechen gebraucht, das die Gemeinschaft des Körpers Christi verdeutlicht (1Kor 10. 17 - 20; siehe auch 11. 20 - 34), so ist es andererseits das Bild des dem Himmel gekommenen Manna, des Brotes, das aus dem Himmel herabgestiegen ist, das Zeichen Jesu, des wahrhaften Brotes des Lebens (Jo 6. 30 - 40), wie dies der Herr ausgerechnet im Zusammenhang mit der Speisung der Fünftausend bezeugt hatte (Jo 6. 1 - 14, 26 - 29). Der ganze Christuskörper wird in dem noch ungeteilten Brotlaib versinnbildlicht. Demgemäß führt Paulus einige Kapitel vorher aus, daß wir als Heilige aus nur einem Teig – dem Ungesäuerten – bestehen, und uns darum reinigen sollen
„von dem alten Sauerteig des Üblen und der Bosheit” (1Kor 5. 6 - 8).
Wird nun dieser, aus ein und demselben Teig bestehende Laib gebrochen, wie dies beim Mahl des Herrn geschah, so heißt dies sowohl, daß wir dessen gedenken, der – als das Brot des Lebens – Seinen Leib für uns zerschlagen ließ, als auch, daß wir Anteil haben an diesem einen Brot, dessen gebrochene Stücke, die Teile dieses einen Brotes sind, die Glieder des einen Körpers darstellen. Wie die Kraft das ganzen Brotes in jedem einzelnen Bissen liegt, so hat jedes einzelne Glied seinen Anteil daran, und wird demzufolge aus der Kraft des ganzen Körpers ernährt. Diese Anteile, die für alle dieselben sein sollten, finden wir auch in der Anwendung des Manna vor, des Brotes also, das aus dem Himmel gekommen war. Ihnen wollen wir uns im folgenden Kapitel ausführlich zuwenden. Wie anhand dieses vom Himmel gekommenen Manna, das für alle dieselbe Speise darstellte, so erkennen wir auch am Bild des ganzen Brotes, als dem des einen Körpers, den großen Unterschied zu der Art und Weise der Versorgung des Alten Bundes.
Das Manna in der Wüste: Maß des Himmlischen
Die Wüstenwanderung Israels nun, während der Gott das Volk mit dem Manna versorgte, ist uns – als der aus den Nationen herausgerufenen Gemeinde – zur Belehrung und Mahnung geschrieben worden (1Kor 10. 1 - 11). Gleichwie Israel durch die Wüste ging, um ihr von Gott verheißenes, irdisches Ziel – das Land Kanaan – zu erreichen und einzunehmen, so laufen auch wir unseren Weg als Fremdlinge durch diese Welt (1Ptr 1. 1, 17 und 2. 11; vgl. auch Hbr 11. 13 - 14), um in das himmlische und unerschütterliche Reich einzugehen (Hbr 3. 7 - 4. 10, 12. 28). Ihr Ziel war das irdische Jerusalem hier, unseres ist das himmlische droben (Ga 4. 21 - 28; Hbr 12. 18 - 29). So wie Israel seine ihm verheißene Heimat nicht in der Wüste vorfand, so haben auch wir in dieser Welt keine bleibende Statt, sondern suchen die zukünftige (Hbr 13. 14). Unsere Heimat ist daher nicht irgend ein Ort auf dieser Erde, wie jene ihn noch suchten, sondern der Himmel, in dem wir „einen besseren und bleibenden Besitz” haben (Hbr 10. 34). Zum Weg in die himmlische Heimat gehört auch die Versorgung nach der Art und Weise der himmlischen Heimat. Deshalb wird Paulus viele hundert Jahre später diese Art der Versorgung als eine für die Gemeinde geltende aufnehmen (2Kor 8. 13 - 15). Denn wie nun Gott – vorbildlich – Sein altes Bundesvolk in der Wüste versorgte, als dieses Volk auf seiner Reise war, so wird Er auch uns mit allem Notwenigen versorgen, während wir auf unserer Reise sind, und zwar genau nach der Ordnung, nach der Er schon Israel versorgte, als sie noch nicht in dem Land waren, das zu geben Gott ihnen verheißen hatte – weswegen Gott hier das Manna vom Himmel gab, da, wie wir nun wissen, der Zehnte in Verbindung mit dem Land steht, in dem sie sich zu der Zeit jedoch nicht befanden. Deshalb gab es hier auch keine Zehnten, die zu entrichten gewesen wären. Denn das Gesetz, das Israel empfangen hatte, war ihnen im Hinblick auf dieses Land gegeben worden (3Mo 18. 1 - 5).
Es ist schon etwas ganz Eigenartiges, ja Außerordentliches um dieses Manna, das Gott hatte vom Himmel regnen lassen. Es ist so außerordentlich, daß Gott dieser Ordnung gewissermaßen einen „Gedenkstein” setzte, der so groß ist, daß er bis in die neutestamentliche Zeit hineinragt. Damit aber ist diese Ordnung als eine für alle Zeiten fortbestehende, unabänderliche gekennzeichnet; anders als die sich auf Landerwerb gründende, deshalb also irdische und darum vergängliche Ordnung der Zehnten ist sie eine unvergängliche, himmlische. Was aber war damals geschehen? Was war daran so außerordentlich wichtig, daß sie Niederschlag nicht nur in den alttestamentlichen Überlieferungen des Mose, sondern auch in den neutestamentlichen Briefen des Paulus fand? Damit wollen wir uns nun auseinandersetzen.
Da sprach Jahwe [3] zu Mose: Siehe, Ich will für euch Brot vom Himmel regnen lassen. Wenn das Volk hinausgeht, so soll es die tägliche Kost für diesen Tag auflesen, damit will Ich es erproben, ob es nach Meinem Gesetz wandeln will oder nicht. Am sechsten Tag, wenn sie zubereiten, was sie einbringen, dann soll es die doppelte Menge von dem sein, was sie Tag für Tag aufgelesen haben. So sagten Mose und Aaron zu zu all den Söhnen Israels: An diesem Abend werdet ihr erkennen, daß Jahwe euch aus dem Land Ägypten herausgebracht hat; und am Morgen werdet ihr die Herrlichkeit Jahwes sehen, denn Er hat euer Murren gegen Jahwe gehört... Dann sagte Mose zu Aaron: Sprich zu der ganzen Gemeinde der Söhne Israels: Naht herzu zu Jahwe, denn Er hat euer Murren gehört. Wie Aaron zu der ganzen Gemeinde der Söhne Israels redete, da wandten sie sich zur Wildnis hin um, und siehe, in der Wolke erschien die Herrlichkeit Jahwes...
2Mo 16. 4 - 7, 9 - 10
Die ersten beiden Sätze unseres Textes sind in der Tat bemerkenswert. Gott will Brot geben, so ist die Verheißung; Gott läßt uns nicht unversorgt; wir haben hier Seine ganz klare Zusage vorliegen. Und doch gibt Gott das Brot nicht irgendwie; Er gibt es nur innerhalb einer ganz bestimmten, klar geregelten Ordnung. Gott gibt Brot vom Himmel her, ist das erste Wort. Obwohl es hier zunächst ganz klar um die Versorgung auf dieser Erde geht, ist sie doch keine von dieser Erde, sondern eine aus dem Himmel. Daher muß sie auch eine ganz anders geartete sein als die, die von dieser Erde kommt. Sie ist also, und zwar von Gott her, von vornherein ganz anderen Regeln unterworfen; damit ist auch die Wesensart dieser Versorgung eine ganz andere: Gott gibt sie nicht auf Vorrat. Das ist das Zweite, was Gott über die Versorgung sagt, die Er geben will: sie ist die tägliche Kost für den Tag (Vers 4). Er gibt also Brot, das nur für die Versorgung an dem Tag dient, an dem es gegeben wird, mit nur einer Ausnahme: der des Sabbattages, des Ruhetages Gottes, an dem nicht gesammelt werden soll. Erinnern wir uns noch daran, was Jesus über das Gebet sagte?
„Unser tägliches Brot gib uns heute”,
sollen wir bitten – wortgemäß also auch hier: um das auskömmliche Brot für den Tag (Mt 6. 11; Lk 11. 3). Es geht also um unser tägliches Auskommen, um das, was wir an diesem Tag brauchen, um die „Tagesration”, um nicht weniger, nie aber um mehr. Wir sollen ja nicht mehr zu denen gehören, die in die Scheunen sammeln, wie wir weiter oben gesehen haben.
„Folglich seid nicht um den morgigen Tag besorgt; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen”,
sagte der Herr (Mt. 6. 34). So ist dies die Art, in der Gott versorgt; deshalb sagt Er auch, daß Er die Seinen erproben wolle, ob sie bereit seien, nach Seinem Gesetz, nach Seinem Wort, Seinem Reden, Seinen Vorgaben, in Seiner Art also zu wandeln! Würden sie so sammeln, wie Er es wollte? Und würden sie damit so umgehen, wie Er es vorgesehen hat? Würden sie also nach Seinem Gesetz wandeln?
Nun, das Gesetz, die Thora, gab es damals noch nicht, mögen wir einwenden. Das ist hier auch nicht gemeint; Gott kann ja nicht von einem Gesetz reden, das Er bis dahin noch nicht gegeben hat! Hier haben wir vielmehr eine Ordnung vorliegen, die ihre Wirksamkeit ganz eindeutig jenseits, also außerhalb jenes Gesetzes entfalten will. Und gerade weil es zu der Zeit das Bundesgesetz Israels noch nicht gab, wird das zeitlos Gültige dieser Anweisung, die weit über den Alten Bund hinausreicht, offenbar. Gott gab das Manna, als es das Gesetz noch nicht gab; Israel war ja noch auf dem Weg in das ihm verheißene Land, in welchem dann, erst sehr viel später, auch das Gesetz mit seinen verschiedenartigen Zehnten in Kraft treten sollte – innerhalb der Grenzen dieses Landes, und zwar für die Zeit sowohl desselben Gesetzes als auch des mit diesem Gesetz zusammenhängenden Priesterdienstes. Paulus, der Apostel, wird dasselbe Geschehen wiederum erwähnen, nachdem Christus gekommen war, das Gesetz erfüllt, es also zu seinem Abschluß gebracht, und mit Seinem Blut einen neuen Bund, der weitaus besser war als jener erste, und damit den Weg in den Himmel eingeweiht hatte (vgl. Hbr 8. 6 - 13, 10. 19 - 22). So hat dieses Manna, ja vielmehr noch die Art, wie es Gottes Volk versorgen sollte, eine für uns, die wir in diesem Bund, in dem Himmlischen also leben und gegründet sein sollen, ganz wichtige Bedeutung, und uns, nicht nur jenen, hat es etwas zu sagen! Kennen wir solche Proben wie die, von der Gott sprach? Sind wir bereit, in der Versorgung zu wandeln, die Gott für uns hat? Wollen wir nach Seinem Gesetz, d. h. hier also nach Seiner Ordnung wandeln? Dann ist dies das Allererste, was wir unbedingt zu lernen haben: Gott gibt das Brot nur für den Tag, für diesen einen Tag, für den Weg, den es an diesem Tag zurückzulegen, für die Aufgaben, die es an diesem Tag zu lösen gilt. Gott gibt nichts für Gestern, und Er gibt nichts für Morgen; Er gibt nur im Heute für Heute; heute ist der Tag oder, wie der Hebräerbrief bezüglich des hier besprochenen Geschehens sagt: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht!” (Hbr 3. 12 - 15, s. a. Ps 95. 7 - 8).
Am Morgen lag der Nachttau rings um das Lager her. Als der daliegende Nachttau aufgestiegen war, siehe, da war auf der Oberfläche der Wildnis etwas fein und flockig, dünn wie Rauhreif, auf dem Boden. Als die Söhne Israels das sahen, sagten sie, ein jeder zu seinem Bruder: Was ist dies? (hbr. man hu; daher der Begriff des Manna); denn sie wußten nicht, was es war. So sagte Mose zu ihnen: Es ist das Brot, welches Jahwe euch zur Nahrung gegeben hat. Und dies ist das Wort, welches Jahwe geboten hat: Jeder lese davon auf, einen Homer für jeden Kopf, nach der Zahl eurer Seelen; ein jeder für die, welche in seinem Zelt sind, das sollt ihr nehmen. Da taten die Söhne Israels so. Einige lasen mehr auf, andere weniger. Sie maßen mit einem Homer, und der mehr gesammelt hatte, hatte nichts übrig, und der weniger gesammelt hatte, dem mangelte nichts. Jeder entsprechend seinem Bedarf zum Essen, so hatten sie es aufgelesen.
2Mo 16. 13b - 18
Aus
unserem zweiten Abschnitt wollen wir die Art erlernen, wie das
Manna
gesammelt und untereinander geteilt werden sollte. Hierbei
gewann ein
Maß an Bedeutung, das man Homer, Garbenmaß
nannte;
ein
Hohlmaß, das knapp 2¼ Liter umfaßte, ein
Zehntel des
Epha,
einem Maß, das wörtlich mit der Fügung wo
hier
zu
übersetzen ist (2Mo 16. 36). So weisen wiederum beide, der
Homer
wie
das Epha, in ganz unvergleichlicher Weise auf das Hier,
Jetzt und
Heute hin. „Die tägliche Kost für den
Tag”,
so haben wir es gelesen (2Mo 16. 5). Dieses
Maß
war
so
bedeutungsvoll,
weil
Gott
es
erwählt
hatte;
nach
Seinem
Willen
galt
es
jedem
Einzelnen,
dem
Größten
wie
dem
Kleinsten.
Und mit der Verwendung dieses Maßes als Maß
der Versorgung hatte Gott etwas getan, was den
Menschen
meist nicht glücken will: Er hatte eine Versorgung
eingeführt, die
wirklich funktionierte. Einen
Homer
für jeden Kopf sollte jeder sammeln; einer
für all
die, die sich in seinem Zelt, in seinem Verantwortungsbereich
also
befanden, und zwar Tag für Tag, an jedem Morgen aufs neue,
um es
dann nicht nur für sich zu verbrauchen, sondern vielmehr
unter
allen
aufzuteilen, wobei dann wiederum jeder einen, seinen
Homer bekam. (2Mo 16. 8, 13, 21). Hier finden wir nebenher auch
die
Art und Weise wieder, in der Gott die Familien, denn um diese
handelte es sich, versorgen will. Jeder, der sammelte, maß
das
Gesammelte mit dem Homer. Und so geschah es, da
für jeden Kopf nur ein Homer gesammelt werden durfte,
daß
der, der viel sammelte, am Ende keinen Überschuß, und
der,
der
weniger sammelte, keinen Mangel hatte! Wir wollen unser Wort
einmal
nach der sehr viel wörtlicheren Baader-Übersetzung
betrachten. Wir lesen dort nach dem Grundtext:
Und die Söhne Jissrae´ls taten also und lasen auf, der eine mehrend, und der andere weniger sein lassend. Und sie maßen´s mit dem Omär, und nicht machte Überschuss der Mehrende, und der weniger sein Lassende machte nicht mangeln; dem einzelnen Mann entsprechend seine Speise, so hatten sie´s aufgelesen.
2Mo 16. 17 - 18
(Die Geschriebene des Alten Bundes, DaBhaR-Übersetzung aus dem masoretischen Text)
Merken wir etwas? Ja, ganz recht: der, der mehr sammelte, der sein Manna also mehrte, hatte keinen Überschuß; er besaß nie mehr, als er für sich selbst brauchte; er machte keinen Gewinn, wie wir vielleicht sagen würden. Der aber, der weniger sammelte – der weniger sein Lassende – hatte keinen Mangel, obwohl er doch soviel weniger in sein Zelt trug als sein Nachbar, der sein Manna gemehrt hatte. Denn dafür sorgte der Homer, jenes Maß, das allen gleicherweise galt. „Dem einzelnen Mann entsprechend seine Speise, so hatten sie´s aufgelesen”. Schon hier wurde also deutlich, daß die Vermehrung für sich selbst, die Erzeugung eines „Überschusses”, ganz klar ausgeschlossen war und nie in diese Ordnung gehörte – wie das Sammeln und Speichern auch. Gott selbst weiß, was jedem entspricht, wessen er also bedarf. Das Erkennen und Zuteilen dessen ist jedoch in die Hände der Sammelnden gelegt. Willst du wirklich an Gottes Versorgung teilhaben? Dann bleibt das „Prinzip Saat und Ernte”, das Mehren und Gewinn machen, der ‚Segen des Aufbewahrten’ draußen! Verschwende also keinen Gedanken mehr daran! Wohl magst Du mehren; doch was wird damit eines Tages geschehen? Du magst wohl sammeln; für wen aber wird es sein, was Du da gesammelt hast? Wie lautete noch Jesu Gleichnis? „Du Unbesonnener”, sagte Gott darin dem, der neue, noch größere Scheunen bauen wollte, „in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und was du dir bereitet hast, wem wird es zufallen? (Lk 12. 20). Sehen wir nun, wie Jesu Wort mit dem übereinstimmt, was viele Jahrhunderte zuvor geschehen war? Denn was war dort mit dem passiert, was einige über den Tag hinaus verwahrt hatten? Sie fanden es am nächsten Morgen stinkend, von Würmern zerfressen vor!
Dann sagte Mose zu ihnen: Niemand lasse davon bis zum Morgen etwas übrig. Doch sie hörten nicht auf Mose, und einige (wörtlich: Männer) ließen davon bis zum Morgen übrig. Da hob es sich empor vor Würmern und stank. Und Mose ergrimmte über sie.
2Mo 16. 19 - 20
Wir können an dieser Stelle nicht auf alle Zusammenhänge des himmlischen Manna eingehen. Freilich steht es nicht nur für die Versorgung mit Irdischem, sondern, weit darüber hinaus gehend, mit der himmlischen Speise. Und doch ist das Irdische ebenso notwendig, weil wir, die „Staubgeborenen”, ja noch auf dieser Erde unterwegs sind. Kann man Beides trennen? Nein, nicht wahr? Gott war dieses Geschehen jedenfalls so überaus wichtig, daß er das Manna mitsamt jenem wunderbaren Maß, dem Homer, für alle Zeiten konservieren ließ – zum Gedenken zukünftiger Generationen!
Die Söhne Israels nannten seinen Namen Manna. Es war wie weißer Koriandersamen und sein Geschmack wie Kuchenscheiben mit Honig. Da sagte Mose: Dies ist das Wort, welches Jahwe geboten hat: Ein Homer voll davon sollt ihr zur Aufbewahrung für alle eure Generationen behalten, damit sie das Brot sehen mögen, das Ich euch in der Wildnis zu essen gab, als Ich euch aus dem Land Ägypten herausbrachte. Dann sagte Mose zu Aaron: Nimm eine Urne und gib einen Homer voll Manna dort hinein und laß es vor Jahwe als Behalt für alle eure Generationen stehen, so wie es Jahwe Mose geboten hatte. Da ließ es Aaron vor dem Zeugnis als Behalt stellen.
2Mo 16. 31 - 34
Die Urne mit dem Manna fand schließlich Platz in der Bundeslade – in dem Allerheiligsten, innerhalb jenes Zeltes, das die Bauordnung des himmlischen Tempels Gottes symbolisiert, wie wir an anderem Ort bereits gesehen haben. Darum wird diese Lade hier auch als „Zeugnis” benannt. Denn das Zelt, in dessen Allerheiligsten sie stand, war die exakte Abbildung, die „Vorschattung” des himmlischen Zeltes, das nicht mit Händen gemacht ist (Hbr 8. 1 - 5; vgl. 2Mo 25. 40). In eben dieser Bundeslade ruhte sie, der Stätte Seiner Gegenwart, direkt unter dem Sühnedeckel, beschirmt vom den Cherubim, als Ausdruck des Herzens Gottes. Dort, und an keinem anderen Ort, diente sie „als Behalt” für alle Generationen, die noch folgen sollten. Daran, an dem von Gott gegebenen Maß, sollte also festgehalten werden, nie sollte man es je vergessen. Und so hat dies Maß, da es im Himmel verwahrt wird, niemals seine Gültigkeit verloren, bis heute nicht – und damit hat auch die Ordnung weiterhin Bestand, die es fortan und für alle Zeiten repräsentieren sollte. Wir lesen dazu aus dem Hebräerbrief:
...Hinter dem zweiten Vorhang aber war das Zelt, das Heilige der Heiligen genannt (siehe 2Mo 40. 22 - 24), wo sich das goldene Räucherfaß befand und die überall mit Gold bedeckte Bundeslade, in der die goldene Urne mit dem Manna war und der Stab Aarons, der gekeimt hatte, dazu die Tafeln des Bundes. Oben aber, über ihr, waren die Cherubim der Herrlichkeit, die den Sühnedeckel überschatteten, über welche nun nicht im Einzelnen zu reden ist.
Hbr 9. 3 - 5
Die Bundeslade ist nicht nur ein Teil des himmlischen Tempels; sie ist auch eine Darstellung des Herzens des Gläubigen, in dem das Wort Gottes Aufnahme gefunden hat. So ist das Ganze also auch für uns heute höchst bedeutsam, da es den Weg aufzeigt, neben dem es für uns als denen, die die himmlische Ordnung gesetzt worden sind (Kol 1. 13), von Gott her keine Versorgung geben wird. Denn als Paulus auf unser Geben zu sprechen kommt, bezieht er sich genau auf dieses Manna in der Wüste, indem er Moses Überlieferung ihrem Sinn entsprechend aufnimmt und sagt, daß
„der
viel gesammelt hatte, dessen Teil nahm nicht zu; und wer
wenig
gesammelt hatte, dessen Teil war (eigentlich wurde) nicht
geringer.”
Die Ordnung der Gemeinde – als die des aus dem Himmel gefallenen Manna, als der Art der Versorgung derer, die in den Himmel gesetzt sind – besteht daher in dem Ausgleich des Mangels bei dem, der Mangel hat, durch die, die Überfluß haben, nicht aber darin, daß ein Volk, dem das Land zugeordnet war, für die zwischen ihm und Gott vermittelnde Priesterschaft mit seinem Segen – den Früchten dieses Landes – einzustehen hatte. Denn, wie wir sahen, ist das Los der Gemeinde nicht irdischer, sondern himmlischer Natur, da ihr nicht der irdische, sondern der himmlische Segen zugeeignet ist. Es gibt aber noch einen zweiten Grund. Während Israel aufgrund der Sünde der Vermittlung von Priestern bedurfte, spricht Gott im Neuen Bund zur Gemeinde vom Haupt her als zu einem Körper, d. h. zu allen seinen Gliedern persönlich und gleichermaßen. Während das Priestertum des Alten Bundes von nur einem Stamm des Volkes – dem Stamm Levi – gebildet worden war, die allein Zutritt zu dem Heiligtum hatten, besteht das Priestertum des Neuen nunmehr aus allen Gliedern, die nicht nur alle Zutritt haben, sondern selbst Bestandteil des einen Tempels und Körpers sind (1Ptr 2. 4 - 9). Jene dienten noch dem Tempel auf der Erde, als dem Schattenbild des Himmlischen, wir aber sind der vom Himmel her geoffenbarte Tempel selbst – nämlich der Tempel Seines Körpers, beginnend mit dem auferstandenen Herrn als dessen Grundstein (Jo 2. 19 - 22).
Die Ordnung, nach der Gott die Gemeinde versorgt, besteht daher nicht in der Ernährung einer geistlich hervorgehobenen Schicht durch ein Volk, dem die Erde gehört, sondern in dem Ausgleich zwischen allen Gliedern eines Körpers und zugleich Priestertums, dessen Teil der Himmel ist.
Das bezüglich dieser Ordnung des aus dem Himmel gekommenen Manna angeführte Wort aus 2Kor 8. 14 für den Ausgleich innerhalb des Gemeindekörpers meint eigentlich ein Auffüllen, wobei das Maß derer, die Mangel haben, mit dem Maß derer, die überfließend sind, ausgeglichen wird. Dies resultiert darin, daß jeder das gleiche Maß an Versorgung, ihm entsprechend, besitzt, und muß daher unweigerlich auch zu der Einheit in Liebe führen, an der es der Gemeinde zu allen Zeiten so sehr gebrach [7] (vgl. 1Kor 12. 20 - 26). Man vergleiche dazu etwa auch die Anweisung des Apostels in 1Kor 16. 2, die besagt, daß ein jeder das für die Kollekte „an einem der Sabattage” zurücklegen solle, „worin es ihm gut gegangen sein mochte”, worin er also eine über seinen eigenen Bedarf hinaus gehende, eine besonders „gute”, überfließende Versorgung erlebt hatte. In solchem Überfließen haben wir gewissermaßen den zweiten, dritten oder vielleicht auch vierten Homer vorliegen, der nicht dem galt, der gesammelt hatte, sondern denen, die in seinem Bereich lebten und derselben Nahrung bedurften. Der Sammelnde durfte diese zusätzlichen Homer ja nicht für sich behalten, sondern war nach Gottes Willen geradezu verpflichtet, sie weiterzugeben! Denn der, dessen Maß überfließt, der also, um im Bilde zu bleiben, mehr als den ihm zustehenden einen Homer hat, der befindet sich dann auch in dem Zustand, den der Apostel im zweiten Korintherbrief mit der Fähigkeit umschreibt, „im Segen” geben zu können (2Kor 9. 6). Und so ist nur der, der reichlich, d. h. überfließend hat, auch in der Lage, ein „freudiger Geber” zu sein, weil er nicht aus Betrübnis oder genötigt gibt, da er sich ja im Segen befindet und daher freudig geben kann (9. 7). Deshalb erscheint schon im Vorfeld die deutliche Mahnung, daß eine solche Gabe als Segen bereitet, d. h. also, dem zuvor empfangenen Segen entsprechen solle, und nicht wie Geiz aussehen dürfe (9. 5ff).
Du fragst, woran wir erkennen, daß unser Maß voll ist, und wann wir merken, daß es überzufließen beginnt? Nun, die Antwort ist nicht schwer, denn
„jeder entsprechend seinem Bedarf zum Essen” –
bis er also satt war –
„so hatten sie es aufgelesen” (2Mo 16. 18b).
Dies heißt: Ist dein Hunger gestillt, bist du satt, dann ist „dein Homer” gefüllt, dein Maß ist voll; alles, was Du darüber hinaus besitzt, das gehört dann nicht mehr dir. Lasse es darum überfließen, gib es deinen Nächsten, dem Bruder oder der Schwester, die weniger haben als du. Speichere und sammle es also nicht für morgen. Diese Ordnung zieht sich durch das gesamte Neue Testament und ist somit bis heute unverändert für alle die gültig, die am Neuen Bund, als dem Wesen des Himmlischen, teilhaben dürfen.
„Haben wir aber genug Nahrung und Wetterschutz, so sollen uns diese genügen”,
sagte Paulus (1Tim 6. 8). Es scheint, als wiederhole er alles zwei Mal, um den Lesser dessen zu vergewissern, daß „genug” tasächlich auch „genug” bedeutet. Wieviel Gutes ist doch in all dem enthalten, und wieviel schenkt uns Gott Tag für Tag! Nahrung, das ist nicht nur Essen und Trinken, das auch ist die Arbeit, die wir brauchen, sind die Geräte, die wir dazu benötigen. Wetterschutz ist nicht nur die Kleidung, wie Luther übersetzte; er ist auch das Haus, die Wohnung, die Wärme, das Fahrzeug für den weiten Weg. „Wenn du das alles ausreichend hast, dann laß dir daran genügen, nimm dir nicht mehr”, sagte Paulus sinngemäß, „Laß es darum überfließen”. –
„Wer zwei Untergewänder hat, teile mit dem, der keines hat”,
verkündete schon Johannes der Täufer, als er von der Frucht der Umkehr sprach und die Menschen ihn fragten, was sie tun sollten;
„und wer Speisen hat (Plural!), tue gleicherweise” (Lk 3. 11).
Auch der Zöllner darf nur dasjenige fordern, was ihm verordnet ist (Vers 13). Tatsächlich verwendet Johannes den Begriff der Kost-Ration, die dem römischen Soldaten zustand und mit der sich begnügen sollte (Vers 14). Auch bei Paulus findet sich dieser Begriff wieder; es gibt ihn im Neuen Testament genau diese beiden Male; wir werden sogleich darauf zurück kommen. Denn um genau diese Kost-Ration für den Tag geht es. Im Reich der Himmel gilt: Sammle nicht für dich; speichere nicht für deine Zwecke; gib vielmehr weg, was dein Maß übersteigt, wenn es doch überfließen will.
„Umsonst habt ihr es erhalten, umsonst gebt es weiter! Erwerbet kein Gold, noch Silber, noch Kupfer in eure Gürtel! Nehmt keinen Bettelsack mit auf den Weg, weder zwei Untergewänder noch Sandalen, noch einen Stab; denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert”,
sagte Jesus, als Er die Jünger sandte, um nicht ein irdisches, sondern das Königreich der Himmel zu verkünden (Mt 10. 8 - 10). In all diesen Anweisungen finden wir, wenn auch abgewandelt, immer wieder unseren „zweiten Homer” vor.
Paulus
nun vergleicht jene, die nach Gottes Willen etwas weitergeben
sollen,
mit einem Säenden,
dessen
Saat
einmal
aufgehen
und
auch
eine
Ernte
hervorbringen
soll,
die
„nicht nur ein
Auffüllen
des Mangels der Heiligen” darstellt, sondern auch
in
eine große, überfließende Danksagung und
Verherrlichung Gottes
mündet (2Kor 9. 10 - 15). Denn dem, der
säen soll,
gibt Gott immer zweierlei:
Er
gibt ihnen sowohl die Speise also auch das Saatkorn
oder,
um es im Bild des Homers zu sagen, Er
gibt
ihm
immer
über
das
ihm
zustehende
Maß
hinaus,
also
überfließend,
mehr
als
das,
was
er
selbst
für
sich
oder
für
die
ihm
anstehenden
Aufgaben
verbrauchen
kann.
Überfluß ist
also immer ein besonders anvertrautes Gut, und allein denen, die
überfließend
haben,
gilt dieses Wort; ihnen kommt also ganz besonders die
Verantwortung
eines Verwalters
zu.
Gott wird allerdings nie
verlangen, daß wir das, was Er uns oder unserer
Familie zur
„Speise”
gegeben hat, weggeben, also irgendwohin „säen” sollen.
Eine
Speise hat ebensowenig die Fähigkeit, aufzugehen, zu
wachsen und
Frucht zu bringen, wie es einem Saatkorn nicht möglich
sein wird,
uns hinreichend zu sättigen. Gott hat eine Eigenschaft,
die unter
uns Menschen oftmals abhanden gekommen zu sein scheint: Er
ist
über
alle Maßen gerecht. Er wird daher niemals jemandem
sagen,
daß er
das Wenige, was er hat und womit er kaum selbst „über
die Runden”
kommt, auch noch weggeben solle!
Tatsächlich
kennt
auch
Paulus
das
Berauben anderer, indem von ihnen genommen wird, was sie zu
dem
Zeitpunkt aber gar nicht geben sollen, sondern
andere:
Oder beging ich etwa eine Sünde, als ich mich selbst
erniedrigte,
damit ihr erhöht würdet, weil ich euch das
Evangelium Gottes
umsonst verkündigt habe? Andere
herausgerufene Gemeinden habe ich beraubt, indem ich
Kostrationen nahm,
um den Dienst an euch zu tun. Als ich bei euch
anwesend war und
Mangel litt, fiel ich niemandem zur Last; denn meinen Mangel
füllten die Brüder auf, die damals aus Mazedonien
kamen. In
allem hielt ich darauf, daß ich euch nicht beschwerlich
fiel; und
ich werde es auch weiterhin so halten.
Die Korinther sind zu der Zeit also ganz offensichtlich in der Lage gewesen, andere zu unterstützen, ließen es aber daran fehlen, so daß andere für sie einsprangen, was diesen wiederum zum Mangel gereichte, denn sonst hätte Paulus kaum von deren Beraubung gesprochen. An dieser Stelle finden wir unseren Begriff der „Kost-Ration” wieder, der aus dem Militär kommt und von dem wir oben schon gesprochen haben. Eine Kost-Ration (die Tagesration eines römischen Soldaten) ist nicht zur Aussat, sondern zum Verzehr an dem Tag bestimmt. an dem sie anfällt. Insofern kann aus einer solchen „Saat” auch nichts aufgehen. Das Einzige, was aus solchen Praktiken hervorgeht, sind Mangel und Ungerechtigkeit, und die erleben wir in solchen „Gemeinden” zuhauf. Hier wird also keineswegs angeordnet, wie in diversen Zehnt- und Opferpredigten immer wieder einmal behauptet wird, daß wir aus Mangel heraus reichlich geben sollten, damit diese unsere „Saat” endlich aufgehe und mit der dann zu erwartenden „Ernte” unser bestehender Mangel behoben werde. Mit einem „freudigen Geben” hat dies nichts zu tun, vielmehr mit einem angstvollen, betrübten, genötigten (2Kor 9. 7). Eine solche Lehre ist daher eine grobe Verfälschung der Wahrheit und stellt zudem einen klaren Mißbrauch des Wortes Gottes dar. Denn die Ordnung, in der wir wandeln sollen, ist eine ganz andere; sie steht solchen Vorstellungen völlig entgegen. Weder sollst du geben, während du Mangel leidest, noch soll mit deiner Gabe deinem Mangel begegnet werden, sondern, dem Maß des Homer gemäß, immer dem Mangel der anderen. Sei also sicher, daß Gott deinem Mangel auf diesem Wege nicht begegnen wird. Wir wollen daher ruhig noch einmal vertiefen, was der Apostel meinte, als er sich auf die Aufteilung des Manna bezog.
„Also denn nicht so, daß andere Entspannung haben, ihr aber Bedrängnis, sondern zum Ausgleich soll bei der jetzigen Überfülle den Mangel jener ausgleichen, so daß ein andermal die Überfülle jener eine Hilfe für euren Mangel werde, wie geschrieben steht: Wer viel gesammelt hatte, dessen Teil nahm nicht zu; und wer wenig gesammelt hatte, dessen Teil war nicht geringer.”
2Kor 8. 13 - 15
Wir halten daher noch einmal fest, daß der, der Mangel hat, selbst nicht geben soll; ihm ist vielmehr zu geben, und zwar allezeit – solange, bis sein Mangel aufgehoben ist, auf daß er selbst also auch wieder anderen etwas geben kann. Deshalb sollten die Korinther ja gerade eine Kollekte zusammenlegen, weil sie sich offenbar im Überfluß befanden, während andere, namentlich die Kinder Gottes in der Provinz Achaja, zur selben Zeit Mangel litten (9. 1 - 4). Die Korinther hatten also mehr als das Maß, das Gott ihnen zugedacht hatte, deshalb sollten sie die Geber sein. An die Gläubigen von Achaja konnte diese Mahnung nicht ergangen sein; hatten sie doch weniger als das Maß, das Gott ihnen zugedacht hatte, und deshalb waren sie die Empfänger der Gaben. Dies sind also klare Anweisungen Gottes, die nicht nur den Korinthern, sondern mit ihnen auch uns an dieser Stelle erteilt werden. Denn der Apostel greift bei seinen Ausführungen ja nicht umsonst auf die von Gott vorgeschriebene Art und Weise der Versorgung zurück, die das Einsammeln und Aufteilen des Manna betraf, das Gott vorbildlich hatte vom Himmel her regnen lassen, und stellt damit das in ihr enthaltene Maß, das Homer, als die von Gott für alle Zeiten geoffenbarte Grundlage unserer Versorgung dar, eine Versorgung, die nur ein Maß kennt – ein Maß für alle. Denn einen einzigen Homer gab es, einen für jeden; es gab niemanden, der keinen, und niemanden, der zwei bekommen hätte. Wer viel gesammelt hatte, der tat es nicht für sich; er tat es für die, die ihm anvertraut waren. Jeder bekam einen, seinen Homer, und nur einer blieb für den Sammler selbst. Der aber, der weniger sammelte, hatte dann auch weniger aufzuteilen, weniger Münder zu stopfen, so daß auch für ihn ein Homer übrigblieb – ein Homer für den Tag. Mehr durfte er für sich selbst nicht verbrauchen; er durfte weder etwas über den Tag hinaus verwahren, noch durfte er den Seinen weniger geben als das, was ihm selbst zustand.
„Sie maßen mit einem Homer”,
haben wir von der Sammlung und Austeilung des Manna gelesen (2Mo 16. 18). Jedem galt also dasselbe eine, von Gott angeordnete Maß; niemand sollte mehr und niemand weniger bekommen – Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, und zwar solange, bis sie in das verheißene Land gekommen waren.
Genau dieses eine Maß nimmt Paulus nun auf und beschreibt seine Gültigkeit für die Kinder Gottes im Neuen Bund, für die also, denen nicht das vergängliche Losteil dieser Erde, sondern das unvergängliche Losteil in den Himmeln verwahrt ist (1Ptr 1. 3 - 4). Der Homer wird uns also mindestens solange begleiten, bis wir unseren Weg auf dieser Erde vollendet und in unserem himmlischen Zuhause angekommen sind! Wie anders, wie erdverhaftet und vergänglich, wie unzureichend war doch noch die Ordnung der Zehnten, und wie unvergleichlich weist uns der Homer, das Maß der himmlischen Ordnung Gottes, dagegen auf den Weg der Liebe hin! War der Zehnte als eine Grundbedingung für den Erhalt der Fruchtbarkeit des Landes noch ein irdisches, für seine Zeit begrenztes Maß, das denen galt, die aus der Wirksamkeit des Bodens lebten (vgl. Mal 3. 7 - 12), so ist der Homer ein himmlisches, unbegrenztes, das allein jenen zufällt, deren Zuhause nicht die Erde ist und deren Versorgung demnach auch nicht von den Maßstäben dieser Erde abhängen soll. Galt der Zehnte allein in dem Land, das Israel zugelost worden war, und zwar als integraler Bestandteil des dazugehörigen Gesetzes, so entfaltete der Homer seine Gültigkeit vor und nach, jedenfalls außerhalb des Landes und damit jenseits des diesem Lande zugeordneten Gesetzes.
Während jene also noch dem Gesetz des Buchstabens dienten, sind wir berufen, dem Gesetz der Liebe zu dienen.
„Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt ”,
sagte der Herr,
„so wie Ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.”
Jo 13, 24 - 35
So beschreibt der Homer, das Garbenmaß, kein anderes als das Maß der Liebe, nach dem einer des andern Last tragen soll, um das Gesetz des Christus zu erfüllen (Ga 6. 2). Demnach besagt die hier besprochene Regel einwandfrei und ohne jede Ausnahme, daß der, der hat, dem gibt, der nicht hat, nach der Maßgabe des Segens, den ein jeder selbst zuvor empfangen hat, und daher dem anderen auch weitergeben kann. Oder, um es vereinfacht zu sagen:
Der, der Überfluß hat, gebe dem, der Mangel hat, und stille so dessen Bedarf, den Bedarf des Nächsten, des Bruders und der Schwester. Man hat dies in der Vergangenheit leider allzusehr nur am Thema „Geld” festgemacht. Hier geht es jedoch nicht nur um Geld oder um irgendwelche materiellen Güter. Denn eine jede vorhandene Gabe soll in den Körper einfließen; ganz gleich, ob diese nun „geistlicher” oder „irdischer” Natur sei; alles, was da ist, was Gott also geschenkt und somit nicht nur einzelnen Gliedern, sondern dem ganzen Leib zur Verfügung gestellt hat, soll in diesen auch einverleibt werden und am Ende wiederum allen Gliedern dieses einen Körpers zufließen. So gehört schließlich allen alles gemeinsam, jedes Glied wird – seinem Bedarf entsprechend – gefördert, und allen kommt endlich auch alles zugute – so kann Gott in dem Dienst dieses Körpers schließlich auch alles in allen oder durch alle wirken (Eph 4. 6). Diese gesegnete Praxis können wir in der Apostelgeschichte nachlesen, in der allen alles gemeinsam war, und dem Mangel der Bedürftigen durch die Gaben derer, die etwas zu geben hatten, aufgeholfen wurde, so daß
„kein Darbender unter ihnen”
war (Apg 4. 32 - 35).
Bezeichnend war dabei gerade das vielen gehörende Land, Felder oder Häuser, das diese gänzlich veräußerten (!) und dessen Erlös zu Füßen der Apostel legten, damit es der ganzen Gemeinde zugute käme –
„je nachdem einer Bedarf hatte” (Verse 34 und 35).
Bei all dem müssen wir bedenken, daß das ganze Geschehen in Jerusalem stattfand, bei jenen also, denen – ihrem Bund gemäß – noch das Erdland gehörte, und die nun erst in eine neue, andere Ordnung eingeführt werden sollten, nämlich in die des Himmels. Dieses Verkaufen von Land ist also gerade deshalb so bedeutungsvoll, weil wir gesehen haben, welch zentrale Rolle für Israel dieses Land spielte; und nicht umsonst wird in den Versen 36 und 37 desselben Kapitels ein gewisser Joseph erwähnt, ausgerechnet ein Levit, der einen Acker veräußert hatte – denn es war nicht normal und nicht alltäglich, daß ein Levit, dem ja sonst kein Anteil an dem Land beschieden war (da die Leviten dem Tempeldienst zugeordnet waren, siehe 5Mo 10. 9, Jos 13. 14 u. a.), einen Acker besaß.
An
dieser
Stelle
erkennen
wir
die
Wirksamkeit
der
Ordnung,
die
schon
in
Matthäus
6
und
Lukas
12
offenbar
geworden
ist,
und
die
wir
nachfolgend
mit
der Erwähnung
des
himmlischen Maßes, des Homer, konkretisiert haben. Diese
Ordnung
bedeutete das Ende des Lebens aus dem Land, von Saat und Ernte,
von
Aufspeichern der Erträge aus der Erde, um statt dessen in
den
Himmel, in das Maß der Liebe hineinzuführen. Jene
nun, die
an der
neuen Ordnung teilhaben wollten, mußten aus der alten, aus
der
Ordnung
des Mammons – dem Speichern von der Erde und dem Bewahren
des Irdischen für sich selbst – heraustreten und
diese
gänzlich verlassen, um nun nicht mehr für sich selbst
zu
sorgen,
sondern dem zu folgen und nach dessen Reich zu trachten, in
dessen
Wirklichkeit sie gerade eingetreten waren: der liebenden
Fürsorge
für den Nächsten, für den Bruder und für die
Schwester. All das,
was zuvor Inhalt ihres Lebens und Ergebnis ihrer
Frömmigkeit war –
wir sprachen ja von dem Halten des Gesetzes als dem Befolgen des
Prinzips von Saat und Ernte, um aus diesem heraus in den
irdischen
Belangen gesegnet zu sein – hatte nun dem Armen zu dienen,
der weniger hatte als sie. Aus dem Befolgen des Gesetzes als dem
Weg,
selbst gesegnet zu werden, wurde nun der Weg der Liebe – der
Zuwendung an den Bruder und die Schwester, um derer willen alles
andere
aufzugeben war.
Tod und Leben, Segen und Fluch
Es gereichte in dieser Periode der unmittelbaren Gegenwart der Herrlichkeit Gottes jenen zum Tode, die an diesem Neuen teilhaben wollten, indem sie vorgaben, dafür alles andere aufgegeben zu haben, gleichzeitig aber auch noch aus dem alten Prinzip heraus leben wollten und einen Teil dessen Erlöses selbst behielten, also von den Neuen hinweg für sich verbargen. Es ist die Rede von Ananias und Sapphira, die gleichfalls erworbenes Gut – einen Acker – verkauft hatten und einen Teil dessen Geldes zu den Füßen der Apostel niederlegten, um den anderen Teil zurückzubehalten, und dies in der Gemeinde verschwiegen (Apg 5. 1 - 11). Das Gericht des anwesenden Gottes über diese Unwahrhaftigkeit traf sie sofort und unmittelbar; sie fielen tot um und wurden begraben. An dieser Stelle traf das Urteil des Herrn, nach welchem der, der seine Seele retten will, sie verlieren wird, und daß derjenige sie retten würde, der sie verlieren würde um Seinetwillen (Mt 10. 39, 16. 25 u. a.), sofort und unvermittelt ein – Ananias
„fiel... um und ward entseelt”,
und auch seine Frau
„fiel... nieder und ward entseelt” (Apg 5. 5 und 10).
Dies war das Ende derer, die wohl etwas gaben, gleichzeitig aber geltend machen wollten, daß dieses Etwas alles gewesen sei – als hätten sie eine Pflicht zu erfüllen gehabt, die ihnen nun das Tor zu weiteren Segnungen – ganz nach der alten Manier des Erwerbens durch Wohlverhalten – öffnen würde. Der Segen, um den es hier ging, war allerdings die Zugehörigkeit zu Gott und zu der Schar derer, die ihr früheres Leben drangegeben hatten, um Ihm zu folgen. Die Grundlage dieses Lebens aber war der Boden, aus dem sie, die sie Juden und daher Teilhaber der Verheißung dieses Bodens – mithin des Landes – waren, vordem gelebt hatten.
Ananias und Sapphira wollten Beides zugleich für sich behalten. Ohne sich dessen wirklich bewußt gewesen zu sein, weil sie dies als tatsächlichen Weg ansahen, wollten sie Jesus und das Gesetz zugleich. Das Alte war für sie nicht vergangen; sie waren dem Gesetz nicht abgestorben (2Kor 5. 17; Rö 7. 1 -4). So gaben sie nach der Weise, nach welcher ein Teil Gott gehören solle, und das andere ihnen, wobei sie den Teil, den sie gaben, als das Ganze „abzurechnen” suchten. In ihren Augen war dies ein zu erfüllendes Gesetz, das sie mit einem Segen belohnen würde, wenn sein Anspruch erst einmal befriedigt wäre. Dies sollte ihnen nun den vollen Zutritt in die Gemeinschaft und zu den Segnungen der gerade entstandenen Gemeinde des Neuen Bundes gewährleisten. Und genau dieser Weg war es schließlich auch, der sie zur Lüge gegen den Heiligen Geist verleitet hatte (Apg 5. 3), die ihnen unter der Heiligkeit und dem Gericht des unter Seinen Kindern unmittelbar anwesenden Gottes zum Tode gereichte. Damit sind sie auch heute noch ein tragisches Beispiel derer, die das Wesen des Neuen nicht begriffen haben, und noch immer in dem Alten – des Segens des Alten Bundes als dem von der Erde – verharren wollen. Wer also noch immer mit seinen Gaben eine Regel und ein Gesetz zu erfüllen sucht, nach der er auf irdische Weise einen Segen für sich selbst zu erheischen oder sich daraus herzuleiten, und diese Praxis in die Gemeinde des Neuen Bundes einzubringen sucht, befindet sich mit ihnen in ein und derselben Tradition – auf dem sicheren Weg zum Tode.
Schon hier bestätigt sich die spätere, eindringliche Mahnung des Apostels Paulus, der davor warnt, „in sein Fleisch", d. h. für sich selbst, „zu säen”. Dies schreibt er in Verbindung mit der Anweisung, daß der, der im Wort unterwiesen wird, dem ihn Unterweisenden „Anteil an allem Guten” zukommen lassen soll (Ga 6. 6).
„Irret euch nicht: Gott läßt Sich nicht spotten; denn was auch ein Mensch sät, das wird er auch ernten, denn wer in sein Fleisch sät, wird aus dem Fleisch Verderben ernten; wer aber in den Geist sät, wird aus dem Geist äonisches Leben ernten.”
Ga 6. 7 - 8
Man lese das Ganze im Zusammenhang. Diese zumeist mißverstandenen und von vermeintlichen „Glaubenslehrern” immer wieder falsch ausgelegten Verse sagen nämlich nichts anderes, als daß die Saat, die ein Mensch sät, um für sich selbst einen Gewinn, eine Ernte aus dieser Saat zu erwarten, eine Saat „in sein (wörtlich sein eigenes) Fleisch” darstellt, aus der er Verderben ernten wird. Dagegen ist die Saat, die ein Mensch in einen anderen sät, um ihm aus Liebe heraus dasjenige zukommen zu lassen, was ihm mangelt, eine solche, die Zuteilungen göttlichen, ewigen Lebens zur Folge haben wird – eine Saat in den Geist (6. 8). Die Ernte ist dabei nicht für den Säenden gedacht, sondern erwächst dem, für den gesät worden ist. In diesem Vers geht es nicht darum, was ich für mich selbst, sondern für andere tue. Der Acker dessen, für den die Saat ausgebreitet wird, trägt für diesen immer auch die Ernte ein. Hier gilt also das Wort des Herrn, nach dem der Erntende ein anderer ist, als der, der gesät hat:
„Schon jetzt erhält der Erntende Lohn und sammelt Frucht zum äonischen Leben, damit sich zugleich der Säende wie auch der Erntende freue. Denn darin ist das Wort wahrhaft: Es ist ein anderer, der sät, und ein anderer, der erntet. Ich habe euch ausgesandt zu ernten, um was ihr euch nicht gemüht habt; andere haben sich gemüht, und ihr seid in ihre Mühe eingetreten.”
Jo 4. 36 - 38
Wenn es auch bestehen bleibt, daß Saat und Ernte nicht aufhören werden (1Mo 8. 22), und damit auf jede Saat auch eine Ernte folgt, so ist die alttestamentliche Gegebenheit von Saat und Ernte für sich selbst doch ganz klar aufgehoben. Denn die Verheißung, daß Saat und Ernte nicht aufhören werden, galt „für alle Tage der Erde”, hat also auch hier wieder klar den irdischen Bezug des Landes. Der Neue Bund kommt jedoch vom Himmel her: Eine andere, bessere Ordnung ist nun an die Stelle der alten getreten, nach der Gott für den sorgt, der besorgt ist um seinen Nächsten, den Bruder und die Schwester. Ein solches Geben ist in der Tat ein Geben, das erfolgt, ohne etwas dafür wiederzuerwarten (vgl. Mt 6. 3 - 4, Lk 6. 24 - 38).
„Demnach (nach der Regel der mitteilenden Liebe, der des Neuen Bundes also) wirken wir nun, wie wir Gelegenheit haben (!), für das Gute an allen, am meisten aber an den Gliedern der Familie des Glaubens.”
Ga 6. 10
Man kann das liebende Wesen des Reiches Gottes – dem der Himmel – weder mit dem von der Erde erkaufen noch Beides miteinander verknüpfen; eine Vermischung beider wirkt den Tod. Jedes Aufrichten einer Frömmigkeit, die den Erwerb irdischen Gutes als erstrebenswertes Ziel in den Mittelpunkt stellt, bewirkt das Ende der Liebe – das Aufhören der Handreichung und der liebenden Zuwendung an den Bruder und die Schwester, die Gott uns an die Seite gestellt hat. Denn das Begehren, Erzeugen und Speichern für sich selbst ist gerade ihr Gegenteil. Diese innige Liebe zueinander und das wechselseitige Geben und Nehmen aber war das, was die erste Gemeinde so sehr ausgezeichnet hatte. Hier war tatsächlich die hingebungsvolle Liebe – die der agape nämlich, die alles, ja sich selbst daran gibt, um dem anderen zu dienen – das klare Erkennungsmerkmal jener geworden, die Jesus nachfolgten:
„Ein neues Gebot gebe Ich euch, daß ihr einander liebt; so, wie Ich euch geliebt habe, sollt ihr auch einander lieben. Daran wird ein jeder erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.”
Jo 13. 35
Jede eigennützige Berechnung aber schließt diese Liebe aus.
Von der Gemeinschaft der Liebe zur christlichen Organisation
Als
man die gemeinsame Handreichung
der
Liebe zu vernachlässigen
begann, die
die Anfänge noch so sehr begleitet hatte, fing auch die
junge
Gemeinde mehr und mehr an, von dem herabzugleiten, was ihren
ursprünglichen
Stand von Gott her noch kennzeichnete. Das Murren der
Hellenisten
(das waren ursprünglich in der Diaspora lebende,
griechisch
sprechende Juden), deren Witwen man hier
„bei
der täglichen Handreichung”
schlicht
vergessen
hatte,
ist
nur
die
äußerliche
Frucht davon (Apg 6. 1 - 4).
Dieses
aufkommende Murren, das darum Raum gewann, weil man gerade
das
Wichtigste, die tätige Liebe nämlich, hintenan
gestellt
hatte, richtete sich ausgerechnet gegen die Hebräer,
jene Juden also, die aus dem Land Israel
kamen, und die daher
gewissermaßen
die
„Geber” gewesen sind – als diejenigen, die Ländereien
besaßen,
und diese anfangs veräußert und deren Erlöse
zu
Füßen der
Apostel niedergelegt hatten, um sie den Bedürftigen
zukommen zu
lassen. Man hatte sich also von dieser, anfänglich im
Mittelpunkt
stehenden Praxis des Auffüllens des Mangels der
Notleidenden mit
den
Gaben derer, die diese überfließend hatten,
bereits entfernt.
Während damals noch
„kein
Darbender unter ihnen”
gewesen war (Apg 4. 34), litten nun beträchtliche Teile des Körpers Mangel. Erst als dieser Mangel in Uneinheitlichkeit mündete und dies durch das Murren einer Gruppe gegen die andere allzu offensichtlich geworden war – wir erkennen also bereits eine beginnende Spaltung des einen Körpers in einzelne Gruppierungen! - ging man endlich daran, Abhilfe zu schaffen. Die selben Apostel jedoch, die in der Phase des einen Herzens und der einen Seele – als der Zeit der ersten Liebe – sich noch ganz zentral mit dem Verwalten und Aufteilen der hereinkommenden Gaben an die Bedürftigen befaßt hatten (Apg 4. 35 und 5. 37), verweigerten nun diesen Dienst an den Tischen, da sie sich allein zu vermeintlich Wichtigerem berufen sahen (Kap. 6. 2 und 4). Eine der verhängnisvollsten Folgen dieser Fehlentwicklung war die damit beginnende Aufteilung des einen Körpers in solche, die ausschließlich an Wort und Gebet dienten, und in solche, die die Tische zu bedienen hatten, aus denen dann später die „Kleriker” und die durch sie bevormundeten „Laien” wurden.
Hier setzt ein schon beginnender Rückfall in die alttestamentliche Denkweise ein. Es geschah demnach eine Aufspaltung in „Geistliches” und in „Irdisches”; während der „Dienst am Wort” als geistlich gilt, wird der Dienst der Liebe zu etwas Irdischem degradiert. Der Gedanke des einen Körpers wird hierbei klar verlassen: Nun wird von der „Menge der Jünger” einerseits, und von den Aposteln andererseits gesprochen – die Apostel befinden sich nicht mehr in der Gemeinschaft des Körpers, sondern rufen die anderen Glieder zu sich (Kap. 6. 2a). Hier ist nicht mehr die Rede von der Gemeinschaft des einen Herzens und der einen Seele, wie sie in Kap. 4. 32 noch vorhanden war. Statt dessen begann sich eine Haltung einzuschleichen, die die Apostel als gesonderte, geistliche Dienste ansah, die sich von der „Menge der Jünger” abzuheben hatte – womit die Liebe der ersten Zeit mehr und mehr unterwandert wurde, bis sie nahezu gänzlich erkaltet war.
Im Verlauf der nachfolgenden Jahrhunderte wird infolge dieser verhängnisvollen Entwicklung aus der sich im gegenseitigen Geben und Mitteilen erweisenden Liebe ein Dienst an einer Organisation. An die Stelle des geschwisterlichen Austausches innerhalb des Christuskörpers tritt eine durchstrukturierte Hierarchie Einzelner, die sich – als abgesondert Herausgehobene – über andere gesetzt wähnen. Damit ist also ganz klar ein Weg von der unmittelbaren Beziehung – sowohl zu Gott als auch zu den Menschen – hinweg zur Mittelbarkeit, zur vermeintlichen Vermittlung Einzelner über viele beschritten worden. Im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte wird es schließlich zur Bevormundung der „Masse” bzw. des so genannten „Volkes" durch den „Klerus" kommen, jene so genannten „Geistlichen”, die sich vom „gemeinen Volk” abzuheben haben und dieses vormundschaftlich regieren. Dieser erschütternde Zustand ist der weithin unerkannt und im Wesentlichen unbeseitigt gebliebene Krebsschaden der Gemeinde bis zum heutigen Tag, und begonnen hatte diese Entwicklung bereits in den ersten Tagen der Christenheit – dokumentiert im sechsten Kapitel der Apostelgeschichte. Wir werden auch im Folgenden immer wieder darauf zurückkommen müssen.
Gebt ihr ihnen zu essen: Die erste Liebe
Wir
sagten bereits, daß diese Entwicklung frühzeitig
schon
begonnen
hatte, Fuß zu fassen; in
der
Gemeinde
nimmt
sie
mit
der
Abgrenzung
und
Hervorhebung
von
Brüdern,
die
sich über die Menge der anderen Glieder hinaus
zu
Besonderem, zu Geistlichem „gesetzt” wähnten, ihren
neuerlichen
und unübersehbaren Anfang.
Die wenigen und knapp gehaltenen Sätze aus der
Apostelgeschichte,
die uns hierzu übermittelt worden sind, sprechen aufgrund
ihrer
Brisanz und
vielleicht
gerade
in
dieser
ihrer
Knappheit
dennoch
eine
klare
Sprache. Später, als am Beginn des achten Kapitels
derselben die Gemeinde in Jerusalem durch eine sich erhebende
Verfolgung zerstreut wird, erleben wir, daß die Apostel
selbst
nicht
mehr mit dabei sind; sie
sitzen
für sich,
und
die
Herde ist verlassen:
„...alle
außer den Aposteln
wurden
in
die
Gegend
von
Judäa
und
Samaria
zerstreut.”
Schon
vorher werden erste
Handlungen
in beginnender Unabhängigkeit
vom Herrn, dem Haupt erkennbar; diese Handlungen sind es dann
schließlich auch, die am Anfang des ganzen
Verhängnisses
stehen und
es somit ganz unmittelbar eingeleitet haben. Und so ist es
wiederum
Menschenherrlichkeit und die daraus resultierende eigene
Entscheidung, die das Haupt beiseite setzen und sich selbst
auf den
Thron erheben wird. Begonnen aber hat das ganze Geschehen mit
einem
Akt der Lieblosigkeit, der sich in der Vernachlässigung
der Armen
erzeigte: Denn
der, der
den Menschen beiseite setzt, der doch nach Gottes Ebenbild
erschaffen
ist, der wird alsbald auch seinen Schöpfer beiseite
setzen.
Bereits
hier werden jene Zusammenhänge sichtbar, die
später der
Apostel
Johannes beschrieb: Liebe entäußert sich, gibt
ihre eigene
Seele
hin um der Brüder willen, so wie Jesus Seine eigene
Seele für
uns
dahingegeben hat; Haß aber bedeutet, wie das
griechische Wort
miséo
ausdrückt, das Zurücksetzen des Bruders,
zurück an die
zweite
Stelle: zuerst also komme ich, kommt „mein Dienst”, dann
erst
kommt der Bruder mit seinem Anliegen. Und so ist es eben
nicht
möglich, Gott zu lieben, den man nicht sieht, wenn man
die
Brüder
nicht liebt, die man sieht (1Jo 3. 14 – 18, 4. 19 – 21).
Wie
kommen wir in diesem Zusammenhang ausgerechnet auf die Liebe?
–
„Gebt ihr ihnen zu essen”,
hatte
der
Herr
Jesus
einst
denen
gesagt,
die
mit
Ihm
waren,
als sie sich
nur allzu oft der Menschenmassen gewahr wurden, die der Stimme
des
Meisters bis zu Einbruch der Nacht, manchmal sogar über
Tage
hinweg,
zugehört und darüber immer wieder hungrig geworden
waren.
Schon
damals hatten die Jünger damit so ihre Schwierigkeiten;
sie sahen
wohl, daß die Menschen hungrig waren; doch erschien
ihnen dies
nicht
ihre Sache zu sein. Wer Hunger hatte, sollte selber hingehen,
in die
Häuser anderer, und sich etwas zu essen kaufen, so war
ihre
einhellige Meinung;
offenbar hatte beides nichts miteinander zu tun.
Nein, berichtigte sie der Herr da: die, die nichts hatten,
sollten
bleiben; sie sollten eben nicht fortgehen, um für sich
selbst zu
sorgen, und um dieser Sorge willen die Gegenwart und das Wort
des
Herrn verlassen zu müssen. Dafür aber, daß
dieses nicht
geschah,
sollten die Jünger Sorge tragen. Beides,
das Wort und das Brot des Herrn, gehörten also von
Anfang an
zusammen, so daß es nicht vorgesehen war, das Eine um
des Andern
willen jemals aufgeben zu müssen; Wortgemeinschaft
sollte immer
auch
Brotgemeinschaft sein.
Der
Herr
duldete es also nicht, daß man an dem geistlichen Brot
teilhatte,
während es an dem irdischen mangelte.
Diese
Verbindung aber war nach dem Willen des Herrn so eng und
unauflöslich
miteinander verzahnt, daß
Er
schließlich
das
Eine
mit
dem
Andern
gleichsetzte;
das
Wort
war
auch
das Brot des Lebens, leben sollte man durch das Wort, das
aus
dem Munde Gottes kam; aber das Wort wurde auch zu dem einen,
ausgeteilten Brot, von dem wiederum alle essen und leben
sollten
(vgl. Mt 16. 5 – 12 und 4. 2 – 4, Jo 6. 48 – 51, 1Kor 10. 16
–
17). Und so war es an denen, die von Beginn an bei Ihm waren
und die
etwas bei sich trugen, daß diese ihre Gaben nun nicht
für
sich
verbrauchen, sondern sie mit denen teilen sollten, die
weniger hatten
als sie. Für die Vermehrung dieser Güter aber, die
nach
menschlichem Ermessen niemals genügen würden,
sorgte der Herr
auf
wunderbare Weise Selbst, so daß die wenigen Fische und
die paar
Brote am Ende nicht nur für die Volksmengen völlig
ausgereicht
hatten, sondern selbst für die Gebenden ein Mehrfaches
von dem
übrig
geblieben war, als das, was sie vorher besaßen.
Und diese Angelegenheit erschien dem Herrn von so großer
Wichtigkeit, daß Er sie zu verschiedenen Gelegenheiten
gleich
mehrere Male wiederholt hatte, wie dies in den verschiedenen
Speisungen der Viertausend und der Fünftausend immer
wieder zum
Ausdruck kam (siehe Mt 14. 13 – 21, 15. 32 – 28, Mk 6. 33 –
44,
8. 1 – 9, Lk 9. 11 – 17, Jo 6. 1 – 13).
Wer aber waren die, die einst mit Ihm zogen und diese Wunder miterlebt hatten? Waren es nicht jene, die sich auch hier, in dem Bericht der Apostelgeschichte, ganz im Zentrum des Geschehens befinden? War es nicht gerade jener innere Kreis der Zwölf, derer um Petrus also, die ganz eng mit Jesus gegangen waren (Apg 4. 13)? Waren es nicht genau dieselben, denen der Herr – im Hinblick auf die vor ihnen liegende Zeit nach Seinem Tode – bedeutet hatte, daß sie allezeit Arme bei sich haben würden, die Notwendigkeit, ihnen eine Versorgung zukommen zu lassen, also niemals ein Ende finden würde, solange sie auf dieser Erde lebten (Mt 26. 11, Mk 14. 7, Jo 12. 7 - 8)? Und so sind es tatsächlich ein und dieselben Brüder, die zu Zeiten der körperlichen, sichtbaren Gegenwart des Herrn jene Ermahnung zwar gehört und damals noch beherzigt hatten, ihr aber nun, in Zeiten Seiner unsichtbaren Gegenwart, den notwendigen Gehorsam versagten – wähnten sie sich doch zu „Höherem” berufen als zu dem, was der Herr sie in jenen Tagen gelehrt hatte! Da waren die Tische nicht mehr wichtig, zwar für andere, doch nicht für sie: Sie fühlten sich allein zum Gebet und zum Wort, zum Lehren, zur „Geistlichkeit” bestimmt. Hatten sie denn schon wieder vergessen, daß sie darauf verzichten sollten, sich „Rabbi”, sich „Vater”, sich „Lehrmeister” nennen zu lassen? War ihnen etwa aus dem Sinn gekommen, daß sie die vorderen Sitze in den Synagogen meiden und sich statt dessen mit den hinteren Plätzen begnügen sollten? Und sollte der, der unter ihnen groß sein wollte, sich nicht gerade darin auszeichnen, der Diener aller zu sein? Sollte denn nicht allein der, der sich selbst erniedrigte, erhoben werden, während der, der sich selbst erhob, erniedrigt werden würde (Mt 23. 6 – 12)?
Es war diese Frage, mit der sie sich schon in früherer Zeit so schwer taten, ganz wie wir heute auch; so hatten sie dieses Wort am Ende nicht behalten. Vergessen war das Erlebte; und so hatten die Jünger und späteren Apostel gerade diese ihre so wichtige Lektion nicht gelernt, wiewohl sie der Her doch fortwährend und über Jahre hinweg wiederholt hatte. Das, was Gott so eng, so unauftrennbar zusammengefügt hatte, war das Wort und das Brot, wie wir vorhin sahen; das also, was also nie hätte voneinander geschieden werden dürfen, das schieden sie nun voneinander und verließen so Sein Wort (vgl. Mt 19. 6). Die Liebe, durch deren Wirksamkeit der Herr sie wunderbar versorgen würde, war alsbald verlassen und erkaltete zusehends; es kam zum Mangel, und ein großes Murren darüber begann den Platz einzunehmen, der vorher noch der Liebe gehört hatte. Dasselbe aber, was sie ihrem Nächsten, dem Bruder und der Schwester antaten, das taten sie alsbald auch ihrem Herrn an – überging man erst den Bruder und die Schwester, übergeht man schließlich auch den Herrn Selbst; man nimmt es in die eigene Hand, zu entscheiden, was zu tun oder zu lassen sei (vgl. Mt 25. 35 – 40, 42 – 45). Wie tragisch ist doch der weitere Werdegang, wie ihn die Apostelgeschichte uns überliefert hat:
Eingedenk des Murrens der Hellenisten, deren Witwen von den Aposteln in ihrer Versorgung übergangen worden waren, sollen die Brüder sich selbst umsehen
„nach sieben Männern voll Geist und Weisheit”, „denen ein guter Ruf bezeugt wird; die wollen wir für dieses Bedürfnis einsetzen.”
Apg
6. 4
Hat man die Beziehung zu dem Bruder und der Schwester aufgegeben, so leidet alsbald auch die Verbindung zu ihrem Herrn. Wir lesen von keinem Wort der Umkehr; wir hören kein Wort, als an Gott gerichtet, aber auch kein Wort an die, die man vernachlässigt hatte. Auch spricht man nicht davon, daß man selbst wieder zu dem zurückkehren wolle, was am Anfang noch so wichtig war – dem Dienst an den Tischen, der Zuwendung und der Teilung der Güter für die, die bedürftig waren. Im Gegenteil: die Tische will man gerade verlassen, sind sie doch lästig; es fehlt dafür die Zeit, man selbst sieht sich zu Höherem bestimmt, und so sollen andere sich nun darum kümmern. Wir hören auch nichts davon, daß doch der Herr dazu wenigstens einmal befragt werden müsse. Nein – hier soll nur ganz schnell etwas gerade gerückt werden, eine Fehlstellung, die man auch für die Zukunft durch fest eingerichtete Dienste möglichst ausschließen will; man sucht in der Frage nicht zuletzt also auch die eigene Sicherheit; das Murren soll endlich verstummen, der Betrieb weitergehen. So beschließt, sucht und wählt man schließlich selbst, was in eigenen Augen recht dünkt; man fragt nicht den Herrn, sondern begehrt ein Urteil, das von der Menge, von Menschen kommt, und verfährt dann danach; schließlich teilt man ein, wie es die Notwendigkeiten offenbar zu diktieren scheinen, und stellt die so Gewählten
„vor die Augen der Apostel”,
damit diese ihnen nun die Hände auflegen und über ihnen beten (Apg 6. 3 - 6).
Hier wird in der Tat, unter frommen Floskeln zwar, der Herr entthront; man tritt aus Seiner Gegenwart heraus und setzt Seinen Willen beiseite. Hier führt nicht mehr der Herr, sondern entscheidet anhand der Situation wieder der Mensch, der für seinen eigenen Weg durch Handauflegung und Gebet erst im Nachhinein eine Bestätigung zu finden sucht (Vers 6). Wir wollen diese Wahl, die man erst sehr viel später als eine Wahl der Diakone bezeichnen wird, nicht kritisieren. Sie ist die logische Konsequenz eines Weges, der in dem Verlassen der Liebe seinen Anfang nahm. Nun kann man nicht mehr anders, als jene zu wählen. Sie alle kommen ja ausgerechnet aus den Kreisen jener Hellenisten, deren Witwen man erst vernachlässigt hatte und aus denen darum das Murren aufgestiegen war. [8] Wohl mag das Murren verstummen. Wohl mag man auch dem Segen zu neuem Durchbruch verhelfen. Der Weg Gottes ist dies dennoch nicht. Wie bei der Wahl des Matthias ganz am Anfang (1. 15 - 26), so lesen wir auch hier nichts davon, daß Gott dies angeordnet hätte. Das nachfolgende Geschehen – die weiter fortschreitende Verbreitung des Wortes Gottes und die Zunahme der Zahl der Jünger – steht sehr viel eher in Beziehung mit der endlich ausgeübten Nächstenliebe, nämlich der Stillung des Mangels der Witwen, der ja zu dem Murren beträchtlicher Teile der Gemeinde überhaupt erst geführt hatte, als daß es eine Folge dieser, nach eigenem Gutdünken erfolgten Wahl und Einteilung von „Diensten” wäre. Denn bereits am Anfang wird deutlich, daß die überaus große Gnade und Einmütigkeit, in der die frühe Gemeinde noch gelebt hatte, in ursächlicher Beziehung zur praktischen, täglich gelebten Handreichung der Liebe steht, so daß auch nicht eines ihrer Glieder im Mangel zu leben brauchte (siehe Apg 2. 46 - 47 und 4. 32 - 35). Daß die eigenmächtig erfolgte Auswahl und Einsetzung von Diensten in Gottes Augen keinerlei weiterführende Rolle mehr spielte und auch in keiner Weise bestätigt worden ist, wird am Beispiel des Märtyrers Stephanus noch im sechsten und dann auch im nachfolgenden siebten Kapitel klar, da der Herr Jesus mit ihm einen gänzlich anderen Weg zu gehen hatte, als der, zu dem er von der Menge erwählt worden war. Auch Philippus, der mit zu den von Menschen Erwählten gehörte, ist danach einen gänzlich anderen Weg geführt worden (Apg 8. 26 - 40). Und dazu kam ja, daß ausgerechnet die Gemeinde in Jerusalem, für deren Bedürfnisse vor Ort man doch gerade erst besondere Diakone bestellt hatte, schon kurz danach in die Gegend von Judäa und Samaria zerstreut worden war, wie wir gesehen haben – mit Ausnahme der Apostel, die als einzige am Ort verblieben, nachdem man Stephanus gesteinigt hatte (8. 1b).
Wer die Apostelgeschichte aufmerksam studiert, der wird hier schnell den Bruch herausfinden, den die Geschichte der frühen Christenheit an genau dieser Stelle erfährt. Seither gibt es eine eindeutige und stetige, wenn auch erst langsam und fast unmerklich einsetzende Abwärtsbewegung der Gemeinde, die sich – gerade auch nach erneut erfolgenden Aufbrüchen der Gnade Gottes in ihr – immer wieder durchsetzen wird, solange dieser Schaden nicht behoben wird. All das, was fortan berichtet wird, geschieht – auch gerade trotz der durchaus noch vorhandenen reichlichen Segnungen, die in der Kirchengeschichte übrigens noch bis weit ins dritte Jahrhundert hinein bezeugt werden – angesichts einer Gemeinde, die aus dem Ersten und Eigentlichen, was Gott ihr zu geben hatte, herausgefallen ist, nämlich aus der Unmittelbarkeit Seiner Gegenwart und der aus ihr heraus erfolgenden, direkten Führung und Ansprache – der Zeit der ersten Liebe.
Dasselbe
ist
von
den
zahlreichen
Briefen
zu
sagen,
die
die
verschiedenen
Apostel
verfaßt
haben; besonders in den Paulusbriefen kommt
dieser
Schmerz oftmals und immer wieder zum Ausdruck (vgl. 2Kor 11. 2 -
3,
Eph 4. 30, Phil 2. 20 - 21, 1Tim 4. 1, 2Tim 1. 15 und 4. 16). Immer
wieder wird dabei deutlich, daß die Gemeinde ihr von
Gott
gesetztes
Ziel und ihre hohe Bestimmung bereits in einem frühen
Stadium
verfehlt hat, so daß Paulus in seinen Briefen
zunächst von
der
Erwartung Seiner Wiederkehr als „dem Tag der Erlösung”
schreibt,
die die Gemeinde noch zu Lebzeiten - bereits in den
frühen Tagen
ihres Bestehens (!) –
nicht
versäumen
soll,
indem sie den Heiligen Geist
betrüben würde (Eph 4. 30), um in späteren
Schreiben
dann doch
davon ausgehen zu müssen, daß die Gemeinde
zunächst
einer
Abfallszeit entgegengehe (1Tim 4. 1, 2Tim 4. 1 - 4).
Demgemäß heißt es in dem ersten
Sendschreiben der Offenbarung als zu dem der Gemeinde, die aus
ihrer
ersten Liebe (d. h. aus dem, was zuallererst, am Anfang
war) gefallen ist:
„Doch habe Ich gegen dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast.
Erinnere dich nun, woher du gefallen bist,
sinne um und tue die ersten Werke,
(nämlich die vor dem Fall)
sonst komme Ich über dich
und werde deinen Leuchter aus seiner Stelle bewegen,
wenn du nicht umsinnst”
(Off 2. 4 – 5).
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Anmerkungen und Erklärungen zum Kapitel.
[1] Besonders
bezeichnend
ist,
daß
sogar
die
Tagelöhner von jeglichem Darbringen der Zehnten
ausgenommen waren. Sie wurden, als nicht Selbstständige,
nämlich zum Hausstand derer, die das Land besaßen
und
für die sie auf diesem Land arbeiteten, mit
hinzugerechnet. Wir
würden heute von den so genannten „abhängig
Beschäftigten” sprechen, die als Angestellte
oder Arbeiter
regelmäßig wiederkehrenden Lohn empfangen, von
ihren
Arbeitgebern also abhängig sind.
So
erweist
sich sogar an
dieser Stelle das heute üblich gewordene, nicht zuletzt
auch
undifferenzierte Einfordern von Zehntgaben als nicht biblisch;
es kann
noch nicht einmal alttestamentlich genannt werden!
[2]
Vielfach, besonders bei Luther, auch als "Erbteile"
übersetzt, was jedoch insofern falsch ist, da Gott nicht
stirbt
und
daher auch niemanden beerben kann.
[3] Die Konkordante Übersetzung hat den Gottesnamen mit "Jewe" transliteriert; wir geben ihn hier mit dem gebräuchlicheren und aus unserer Sicht besseren "Jahwe" wieder. So auch in allen anderen Vorkommen aus dieser Übersetzung.
[4] Eine ähnliche Freiwilligkeit begegnet uns, und zwar ganz markant, wiederum im Verhalten Jakobs, der, nachdem ihm Gott begegnet war, aus völliger Dankbarkeit und innerer Ergriffenheit heraus Gott gelobt, Ihm sowohl ein Haus aufzurichten – aus dem Gedenkstein, den er soeben gesetzt hat – als auch den Zehnten von allem zu geben, was Gott ihm zukommen ließe, wenn Er ihn behüten, versorgen und mit Frieden heim zu seinem Vater bringen werde (1Mo 28. 16 – 22). Allerdings geht Jakob in seinem Gelübde über den Zehnten Abrams hinaus: während jener nur ein einziges Mal zehntete, und zwar von seiner eben errungenen Beute, will Jakob dies zeitlebens tun. Was Jakobs Vorsatz mit dem Handeln Abrahams vergleichbar macht, ist seine unbedingte und vollständige Freiwilligkeit. Warum sollte man heute nicht auch in dieser Weise verfahren dürfen? Man mag in der Tat, von der Liebe geleitet, sich frei dazu entschließen, den zehnten Teil oder einen anderen feststehenden Betrag seines Einkommens zu geben, um Geschwistern etwa eine regelmäßige Hilfe zukommen zu lassen, je nachdem, wie man dazu in der Lage ist und wo dies eine Not lindern hilft. Doch ist gerade auch dieses Beispiel nicht dazu geeignet, eine etwa schon vor dem Gesetz bestehende Zehntenforderung aus ihm abzuleiten, die allein deshalb noch heute Geltung habe, weil es das Gesetz damals noch nicht gab. Denn Jakob befand sich zwar im Gebiet des verheißenen Landes, doch diese Verheißung stand für ganz Israel ja noch aus; auch zog Jakob gerade von dort weg und war unterwegs nach Haran (1Mo 28. 10). Bezeichnenderweise gelobt Jakob dies gerade auf eine zukünftige, gelungene Wiederkehr hin, was später auch geschieht, allerdings nicht ohne Weisung Gottes (1Mo 35. 1 – 8). Später nennt Gott ihn Israel, segnet ihn und erneuert Seine Verheißung. Eine Anordnung Gottes, daß Jakob den Zehnten zu entrichten habe, bestand jedoch auch hier nicht, noch wird sie auch nur an irgendeiner anderen Stelle erwähnt. Hätte Jakob sonst die Nowendigkeit dafür gesehen, hierfür Gott ein Gelübde zu leisten, wenn eine entprechende Anordnung schon bestanden hätte? Keineswegs!
[5] In der ersten Hälfte desselben Jahres – an dem Tag, an dem dieser Artikel eingefügt worden ist, schrieben wir Montag, den 12. Juli 2004 – waren bereits 135 Fälle von Gewalttätigkeit gegen französische Juden sowie 375 Drohungen gezählt worden. Im gesamten Vorjahr 2003 waren es „nur” 127 gewalttätige Vorfälle gegen die Juden Frankreichs, die von „alltäglichen” Angriffen über teilweise schwere Körperverletzung, Demolieren von Autos, Anzünden von Synagogen bis hin zum Judenmord gereicht haben. Somit hatte sich die Anzahl der (offiziell registrierten) Übergriffe bereits im ersten Halbjahr 2004 mehr als verdoppelt; sie beträgt schon jetzt 120% gegenüber der von 2003. Ganze Scharen jüdischer Bürger haben das Land verlassen, um in Israel Schutz und Heimat zu finden. So rechnete man dort noch im selben Jahr mit einer Einwanderung von etwa 2.000 Juden allein aus Frankreich.
Dieser
Teil
ist am 10. 06. 2011 zuletzt
bearbeitet worden.

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