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Als
der
Schreiber
der
nachfolgenden
Erklärungen
(und
seit
2004
auch
Betreiber
der oben genannten Website) habe ich mich selbst jahrelang in den
Irrtümern der so genannten „Glaubensbewegung” befunden. [1]
Sie hat mich selbst vieles gekostet, zu viel. Nicht nur ich
selbst, sondern viele andere auch verdanken ihr das, was man heute
wohl eine „gebrochene Biografie” nennt, standen oder stehen noch
vor den Trümmern ihres Lebens und vor den Scherbenhaufen
zerbrochener Beziehungen. Gott hat mich gewissermaßen ans
eigene Ende geführt. Als nichts mehr ging, war ich dabei, nicht
nur mich selbst, sondern auch Ihn aufzugeben; Er aber gab mich nicht
auf, warf mich nicht weg, wie dies Menschen so gerne tun. Nie hat Er
mich verlassen; immer lief Er mir nach, immer war Er da. Das Alte
hatte Gott zerbrechen lassen; jetzt begann Er, mich auf eine neue
Grundlage zu stellen - auf den Grund Seiner Gerechtigkeit.
Durch eigenes und jahrelanges Schriftstudium in der Stille wurden mir
die Augen geöffnet sowohl über die Irrtümer dieser
„Bewegung” als auch über die Gefahren, in denen sich
Christen befinden, die sich sowohl ihrer Leiterschaft als auch den
durch sie verbreiteten Irrlehren ausgeliefert haben.
Auf
diesem Wege entstand eine Reihe von Schriften.
Die
„Zehntenlüge”
ist eine der ersten davon; sie wurde freilich immer wieder einmal
überarbeitet und ergänzt, so daß sie über die Zeit hinweg den
Umfang eines kleinen Buches angenommen hat. Sie ist, wenngleich sie nur
einen Teil der Gesamtproblematik beleuchtet, die für mich
bedeutsamste; sie ist gewissermaßen selbst, und das stückweise, Schritt
für Schritt, „durchlebt”
worden. Mittlerweile liegt eine zweite, kürzere
Schrift zum
selben Thema vor. All diese Schriften entstanden zunächst in dem
Bestreben, mein eigenes Erleben für mich selbst aufzuarbeiten, dann
aber auch, um andere an dieser Entwicklung teilhaben zu lassen.
Was mir mit den Jahren deutlich wurde, das schrieb ich nieder. So kam
schließlich immer mehr
hinzu. Manches wurde dabei auch immer wieder abgeändert, mitunter auch
korrigiert, ohne daß ich sagen könnte
oder wollte, daß diese
Aufsätze „fertig” seien. Dankbar bin ich dabei auch
für jene, die
mir auf diesem Weg geholfen haben, sei es durch ein Wort, ein Gebet,
einen Hinweis oder auch durch eine Handreichung. Ich habe versucht,
den hier besprochenen Dingen auf den Grund zu gehen,
Oberflächlichkeiten zu vermeiden, herauszuarbeiten, was das Wort
Gottes als solches – und nicht
die oft nur allzu menschliche Zusammenstellung einzeln
herausgesuchter und passend interpretierter „Bibelstellen” –
wirklich darüber sagt. Gerade das Denken in komplexen
biblisch-theologischen Zusammenhängen ist es ja, dessen wir oft
ermangeln und das uns vielfach ganz verloren gegangen zu sein
scheint.
Gottes Wort - ohne Menschen zu schlagen
Bei
den hier beschriebenen Studien war es mir daher besonders wichtig,
bei jeder der zu behandelnden Fragen von dem auszugehen, was
im Wort Gottes, der Bibel, darüber geschrieben steht. Viele
machen eigene Aussagen oder wiederholen einfach nur das, was
sie von anderen gehört haben, und suchen dann, Belege für
ihre Aussage in der Bibel zu finden, die sie dann publizieren.
Ganz ähnlich gehen sie dann auch mit ihren Verletzungen um.
Immer wieder beschreiben sie das, was mit ihnen geschehen ist,
und ziehen daraus ihre Schlüsse, die sie dann – erst in der
Folge – mit Bibelstellen zu untermauern suchen. Das zeigt, daß
sie mit diesen ihren Verletzungen nicht zu Rande gekommen sind und
geradezu nach Hilfe schreien. Ein erster, vielleicht sogar der
notwendigste Schritt wäre hier, sich einzugestehen, daß man sich selbst auf Abwege begeben hat und
darum der Hilfe, zunächst einmal aber vor allem der Umkehr bedarf. Darum geht es bei
einer solchen Aufarbeitung immer auch um die eigene Schuld. Ich sage
dies
nicht als Anklage; es ist
einfach nur eine Bestandsaufnahme. Ich erlebte es nicht anders.
Deshalb durfte ich nicht einfach nur irgendwelche Mißstände beschreiben
und dann einfach „nach allen Regeln der Kunst”
sozusagen „dagegen reden” und sie „in Grund und Boden stampfen”, um auf
solche Weise gegen jene „zurückzuschlagen”,
die uns tatsächlich oder auch nur vermeintlich verletzt haben. Und aus
demselben Grunde konnte ich auch nicht dahingehend ausweichen, einfach
nur das zu tun, was wohl die meisten tun, nämlich einige Namen
zu
veröffentlichen,
die sich meiner Ansicht nach in so genanntem „geistlichem Mißbrauch”
besonders hervorgetan hatten, um die Menschen, die diese Namen
nun einmal verkörperten, gewissermaßen „an den Pranger”
zu stellen. [2] Nein, das wollten, das wollen
wir nicht. Dann müßten wir
nämlich auch da stehen. Gott wird uns jedoch nicht helfen, solange wir
die Schuld nur bei anderen sehen und uns demzufolge noch in
Selbstgerechtigkeit befinden. Das Anprangern anderer löst – nichts.
Ich bedauere in dem Zusammenhang zutiefst, daß auch viele durchaus gutgemeinte Internetauftritte, die sich dem Thema des geistlichen Mißbrauchs widmen, über das Anklagen von Geschwistern – ja, auch die Täter sind unsere Geschwister, insofern sie einmal Jesus angenommen und eine geistliche Neugeburt erfahren haben – auch über Jahre hinweg nicht herauszukommen scheinen. Ich spreche ja nicht von jenen, deren Wunden noch frisch sind, und die des Klagens tatsächlich auch bedürfen, sondern von solchen, die sich mit kaum etwas anderem mehr beschäftigen als mit diesem. Wir wälzen uns oft so gerne in unseren Verletzungen, oder auch in denen anderer, und bemerken gar nicht, wie sehr wir dem Feind mit diesem unseren Verhalten wiederum auf den Leim gehen, ihm entgegenarbeiten und uns immer wieder auch um uns selber drehen. Überhaupt scheint ein nur geringes Bewußtsein darüber zu bestehen, wen wir in dem Sinne eigentlich als unseren Feind anzusehen haben. Menschen sind es – nach der Schrift – jedenfalls nicht. Das bedeutet zwar nicht, daß wir unter ihnen keine Feinde hätten, wie einige zu denken uns unterstellt haben; Feindschaft gegen Menschen ist aber nie etwas, was von uns ausgehen oder entsprechend kultiviert werden darf. Ein lieber Zeitgenosse bemerkte einmal, daß nicht eine Theologie, sondern Menschen uns dies angetan hätten, als ob hier ein Hinweis auf bloßes menschliches Fehlverhalten und ein Anprangern desselben genügte. Sicherlich haben Menschen dies getan; und Menschen sind auch dafür verantwortlich; und doch konnte dies nur geschehen, nicht nur weil wir unwissend waren oder noch in Unwissenheit gehalten werden, sondern auch, weil jene sich in Unwissenheit befinden und sich über wesentliche Bereiche biblischer Lehre nicht im Klaren sind.
Ich sage dies – im Bewußtsein auch des eigenen Versagens – nicht überheblich, als ob wir die Wahrheit nun „gepachtet” hätten, wie man uns verschiedentlich vorgeworfen hat. Wohl kaum etwas liegt uns ferner als das. Aber wir sollten uns nicht einreden lassen, daß es uns nicht möglich sei, Dinge zu erkennen, die nun einmal in der Bibel stehen, und Dinge zu verwerfen, die so, wie sie uns vorgetragen werden, nicht in der Bibel stehen. Diese Menschen sind vor allem selber Werkzeuge geworden, da sie sich vom Bösen mißbrauchen lassen; aber sie sind eben nicht nur Werkzeuge, sie bedienen sich auch ihrerseits gewisser Werkzeuge, indem sie Gottes Wort, die Bibel, in die eigene Hand nehmen und sie gerade deshalb mißbrauchen, um Menschen hinter sich her zu ziehen und mit ihnen ihr eigenes Reich zu errichten, das sie fälschlicherweise für Gottes Reich halten. Was ist da folgerichtiger, als ihnen dieses selbstangemaßte Werkzeug aus der Hand zu schlagen, indem man ihnen nachzuweisen sucht, daß sie sich eben gerade nicht auf die Bibel berufen können? Was ist richtiger, als jenen Werkzeugen des Bösen ihre Kraft, ihre Rechtfertigung und vor allem ihren falschen „Salbungsanspruch” zu nehmen, indem man ihnen – gerade angesichts ihrer vielen Opfer – ihre Irrlehren als solche nachweist, und dies vor einer möglichst großen Öffentlichkeit? Sind wir denn – und dazu zähle ich all jene, die sich durch Gottes Gnade haben aus den Irrtümern der Glaubensbewegung haben befreien können – nicht auch verantwortlich, dies auch all den anderen zu sagen?!
Hinter jeder Verführung steht Satan selber, wie ja auch Paulus dies – im Hinblick auf die falschen „Überapostel” – immer wieder betont hat; denn Satan selber verstellt sich in ihnen zum Boten des Lichts (angelos, umgangssprachlich Engel, wörtlich aber Bote, d. h. Überbringer, 2Kor 11. 13 - 15). Und darum haben wir es eben gerade nicht mit Fleisch und Blut zu tun, wie der Apostel schreibt: „Wir lassen uns in kein Handgemenge mit Fleisch und Blut ein, sondern stehen gegen die Fürstlichkeiten, gegen die Obrigkeiten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit inmitten der Überhimmlischen” (Eph 6. 12). Ohne Zweifel spricht Paulus mit dieser seiner „geistlichen Waffenrüstung” aus Eph 6. 10 - 20 vor allem auch unser Denken an; damit aber spricht er zugleich immer auch vom Wort Gottes selber, mit dessen mächtiger Hilfe wir nicht nur „an dem bösen Tag zu widerstehen” vermögen, sondern auch, wie der Apostel schreibt, „wenn ihr sämtliches ausgeführt habt, standzuhalten” (Vers 13; es empfiehlt sich, den ganzen Zusammenhang zu lesen und in sich aufzunehmen). Hier sind nicht nur die Waffen, die Gott uns gegeben, sondern hier ist auch der Kampf, den er uns verordnet hat. Wir befinden uns im Irrtum, wenn wir meinen, diese Dinge auf der nur menschlichen Ebene klären zu können, indem wir uns vor allem mit dem ständigen Anklagen des Fehlverhaltens anderer beschäftigen und damit in dem Denken in Täter-Opfer-Schemen verbleiben. Denn damit wird letztlich nichts anderes getan, als daß die Verletzungen in unserem Leben zementiert, für alle Zeiten festgelegt werden, indem wir nämlich immer weiter verletzen und selbst auch weiter verletzt werden. So kommt die Heilung nie; statt dessen werden immer neue Wunden aufgerissen.
Ständiges
Anklagen von Geschwistern wird uns darum nicht weiterbringen. Im
Gegenteil – wir laden immer nur weitere Schuld auf uns, und wenn wir
dies tun, machen auch wir uns zum Werkzeug des Teufels. Hinter
jedem Anklagen der Brüder steht immer er, der Verkläger der
Brüder (Off 12. 10). Wir dürfen niemals übersehen,
daß die vielen, die in diesen Dingen sündigen, nach wie
vor Brüder sind, natürlich auch Schwestern, Heilige in
Christus, Bluterkaufte, Kinder desselben einen Vaters, die wir nicht
zu richten oder sogar zu diffamieren haben, wie dies in so vielen
Publikationen und auch Internetseiten leider immer wieder geschieht.
Weiter oben haben wir dies schon angedeutet. Wer solche Dinge sucht,
gerade auch unter der Vorgabe, alle anderen „aufklären”, vor
diesem oder jenem unserer Geschwister
„warnen” zu wollen, wird hier nicht fündig
werden. Warnen wollen, ja müssen wir
freilich,
schon
aus
unseren
eigenen
Erlebnissen
heraus
– doch warnen wir nicht vor
Menschen. Wir wollen für die Wahrheit einstehen, wollen die Lüge
aufzeigen, aber nicht einander bekämpfen, wie dies unter uns
leider so oft geschieht; Jesus vergoß für uns alle
dasselbe eine Blut. Ich habe in den vorliegenden Schriften
deshalb – vor allem aber auch aus den weiter oben genannten
Gründen – weitestgehend vermieden, irgendwelche Namen zu nennen.
Einige
Ausnahmen bestehen lediglich dort, wo dies im Zuge einer
geschichtlichen Aufarbeitung unumgänglich wurde, oder auch an
Stellen, an denen es um die Kennzeichnung gewisser Lehren oder
handfester Sekten ging,
die
zumeist
auch
mit
bestimmten
Namen verbunden werden und auf
anderem Wege nicht zu kennzeichnen sind. In solchen Fällen haben
schließlich auch
die Apostel die Namen von Irrlehrern benannt und als „anathema”
(wörtlich: neben-gesetzt sein, siehe Ga 1. 6ff) öffentlich angeprangert.
Doch auch unter diesem Gesichtspunkt gilt: Da wir selbst nicht ohne Sünde sind, bleibt uns auch das Steinewerfen glücklicherweise verwehrt. Die Erkenntnis der eigenen Sünde hält uns auch von „Rachegelüsten” ab; sie ist das Ende der Selbstgerechtigkeit und der Anfang der Barmherzigkeit. Wir haben allerdings das Recht, zu klagen, nachdem wir verletzt wurden; wir dürfen sagen, dieser oder jener habe dies getan; wir dürfen nicht nur, wir müssen uns aussprechen, und zwar um unserer selbst willen; Jesus ist nicht gekommen, die Gesunden zu heilen, sondern die Kranken. Solange wir stolz noch unsere vermeintliche Gesundheit „bekennen”, während wir in Wahrheit doch krank sind – und ich spreche hier durchaus jenen falschen und irreführenden „Bekenntnisglauben” an, der unter Kindern Gottes so sehr verbreitet worden ist – kann der Arzt nicht zu uns kommen, und die Hilfe muß ausbleiben. Wir erreichen also gerade das Gegenteil dessen, was uns in jener „Theologie” vorgegaukelt worden ist.
Vergebung, das Ende der Anklage
und neues Vertrauen
Dann aber kommt früher oder später eine Zeit, in der dies aufhören muß, damit wir uns nicht auf dieselbe Ebene mit denen begeben, die uns zuvor verklagt, angezeigt, in den Schmutz getreten, gedemütigt haben. Solange wir uns selbst noch auf derselben Ebene mit denen befinden, deren Fehlverhalten wir eigentlich beklagen, kann Gott weder uns noch jene heilen, die uns diese Dinge zugefügt haben. So ging es auch hier nicht ums Anklagen, ums Richten und Trennen; es durfte nicht darum gehen; vielmehr ging es gerade um die Wiederherstellung der Beziehung, sowohl der Beziehung zu Gott als auch zu den Geschwistern. Wie aber kann man Beziehung auf eine Lüge aufbauen? Darum ging es zuerst einmal ganz schlicht und einfach um die Wahrheit – nicht mehr um das, was funktionierte oder wenigstens funktionieren sollte, sondern um das, was in Gottes Augen recht, und das, was in Seinen Augen unrecht war. Beziehung und Wahrheit gehören zu eng zusammen, als daß sie voneinander geschieden werden könnten – oder es jemals dürften. Es sollte darum immer zuerst das Wort Gottes reden können und erst dann sollte das Erlebte daran gemessen und mit ihm verglichen werden, um daraus entsprechende Schlüsse für unser Leben ziehen zu können. Es galt nicht den einzelnen Menschen, sondern die Lüge beim Namen zu nennen, damit das Finstere entlarvt und im Licht der Wahrheit geoffenbart werden kann; nur so verliert es für uns seine Kraft, und nur so werden wir freikommen. „Ihr werdet die Wahrheit erkennen”, sagte Jesus den Jüngern; erst dann sagte Er, daß dieselbe Wahrheit sie auch frei machen würde. Ich mußte also mit Hilfe des Wortes Gottes herausfinden, was in meinem Leben eigentlich geschehen war, wie es geschehen war, und vor allem, warum es geschehen war. Bei solchem Schriftstudium tat sich mir eine neue und doch so vertraute Welt auf. Es war die Welt des Vaterhauses. Ich fand nicht nur heraus, daß so gut wie keine der von der „Glaubensbewegung” verbreiteten Lehren biblischen Ansprüchen wirklich genügte; ich erlebte darüber hinaus selbst Gottes Auferbauung, Seinen heilenden Zuspruch und damit auch einen neuen Anfang für mein Leben, das ich nach alledem bereits für abgeschlossen gehalten hatte. Kurzum – ich begann von neuem glauben, d. h. vertrauen zu lernen, nachdem mir ein „Glaube” zerronnen war, der bei näherem Hinsehen nie einer gewesen ist.
Hierbei
durfte auch das Thema der Vergebung nicht ausgeklammert
werden, nachdem uns diese Vergebung (und damit auch ein gutes
Stück Wiederherstellung) von Gott her widerfahren sind. Wir sind
ja nicht nur Opfer eines Systems; wir sind – als
Bestandteile dieses Systems – immer auch
selbst Täter,
wir werden nicht nur enttäuscht und verletzt, wir
enttäuschen und verletzen immer auch selbst. Viele ungute
Lebenssituationen entstanden nicht zuletzt auch deshalb, weil wir uns
nicht nur selbst in Dinge hineinbegeben, sondern auch andere in
dieselben Dinge hineinmanövriert haben, in Situationen, in die
wir besser nicht hineingegangen wären und vor denen Gott uns
alle eigentlich bewahren wollte. Es galt und gilt darum, sich immer auch der
eigenen Verantwortung zu stellen, eigene Schuld zu erkennen,
zu
bekennen und damit auch zu bereinigen – sowohl vor
Gott als
auch, wo immer dies möglich ist, vor den Menschen. Hier brauchen
wir vor allem ein gerüttelt Maß an Demut - sich vor dem
anderen zu beugen, die eigene Sünde vor ihm beim Namen zu
nennen und um Vergebung zu bitten, bedeutet den Abschied vom
Stolz, der uns oft so eigen ist. Dann aber geht es immer auch darum,
dieselbe Vergebung, die wir empfangen haben, nun auch anderen zu
gewähren, die vielleicht an uns schuldig geworden sind. Die auf
diesem Weg entstandenen und schriftlich fixierten Bibelstudien
und
Aufsätze möchte ich nun gerne auch an
andere weitergeben und nutze hierzu das Internet. Vielleicht vermag
das eine oder andere zu helfen, kann es Augen öffnen, kann es
auch neuen Mut machen, sich nicht aufzugeben, um gerade jetzt
weiter mit Gott zu gehen. Was auch immer geschehen sein mag oder
welche Sünden wir auch begangen haben mögen – Gott läßt
niemanden los, der sich hat einmal von Ihm rufen lassen. Das habe
auch ich erfahren dürfen. Denn, so schreibt der Apostel Paulus,
„ich habe eben dies Vertrauen, daß der unter (o. in) euch
das gute Werk angefangen hat, es bis zum Tage Jesu Christi
auch vollenden wird” (Phil 1. 6).
In diesem Zusammenhang, da es um
Vergebung geht, möchte ich etwas zum Thema Mut anfügen. Es braucht Mut, sich die Dinge einzugestehen, die
man selber falsch gemacht hat, vor
sich selber anzuerkennen, daß man falsche Wege gangen ist und
auch anderen wehgetan hat. Es braucht Mut, jenen Schmerz anzunehmen und
zu ertragen, den eine solche Erkenntnis – und dies ist
eine harte Erkenntnis – nun einmal
mit sich bringt. Und ich bitte den, dem es auch so geht: Ja, habe
diesen Mut. Ertrage diesen Schmerz und weiche ihm nicht aus. Gehe den
Weg des Zerbruches, der
notwendig ist, sei bereit, die ganze
Wegstrecke zu gehen,
die der Herr Dich führt – wenn denn der Herr Dich diesen Weg
führt. Weine, wenn Du weinen mußt; verweigere Dich dem nicht. Auch das
braucht Mut – ist uns doch so vieles anders
erzählt worden und wird uns vieles noch anders erzählt. Aber hier ist Trauerarbeit vonnöten.
Denn daß dieser Weg vom
Herrn kommt, ist
gewiß; er ist die erste Medizin zur eigenen Genesung (2Kor
7. 9 - 10, vgl. Ja 4. 9). Mut,
nur Mut! Dieser Weg, diese Trauer führt wieder in die Freude! Alles
andere führt zu – nichts.
Umdeutung der Begriffe
Aus einer solchen Aufarbeitung ergab sich für mich, aber auch für viele andere, daß die hier angesprochene „Glaubensbewegung” von ihrem Wesen her weder etwas mit den wahren Gnadengaben Gottes, den Charismen, wie sie das Neue Testament zweifelsohne bezeugt, noch mit biblischem Glauben etwas gemein hat. Man sollte also – vor allem auch in evangelikalen Kreisen – sehr vorsichtig damit sein, die hier angesprochenen Dinge etwa als „charismatische Äußerungen” zu bezeichnen, um nun mithilfe ihrer Fälschung auf denselben herumzuschlagen! Nein, weder mit Gnade hat all das etwas zu tun, noch mit den Gaben, die diese Gnade hervorbringt. Denn hier wurde die Gnade nicht gesucht, wo sie zu finden ist, sondern sie wurde gerade verlassen; wir sehen die tägliche Abhängigkeit von Gott aufgegeben; Gesetzeslehren und Werkgerechtigkeit sind in weiten Bereichen wieder aufgerichtet, wie dies etwa die Einführung der sog. Zehntenlehre hinlänglich beweist. Die „Glaubensbewegung” ist von ihrem Wesen her vor allem gnostisch geprägt, da sie Selbsterlösung durch sogenannte „Erkenntnis” lehrt; durch eigenes Anwenden vorgeblich „geistlicher Prinzipien” und „geglaubter” Schriftstellen soll der Mensch sich in Bereiche der ihm tatsächlich oder auch vermeintlich zugeeigneten Erlösung, wie Heilung, Wohlstand, Erfolg usw., hinein selbst Zugang verschaffen, wobei all diese „Segnungen” immer im Irdischen begründet sind und den, der nach ihnen strebt, darum auch immer auf diese Erde führen. Das Neue Testament lehrt den Weg der Selbstverleugnung und Kreuznachfolge; die „Glaubensbewegung” lehrt den Weg zum Erfolg. In dem Verwurzeltsein in der Gnosis und dem damit zusammenhängenden Umgehen mit geistlichen Kräften liegt auch die besondere Gefahr der ganzen Bewegung, eine Gefahr, die in weiten Bereichen bis heute unerkannt geblieben ist, gerade auch in den Konsequenzen, die sie für diejenigen mit sich bringt, die sich in diese Dinge verstrickt haben. Wir werden uns im Folgenden etwas ausführlicher damit auseinandersetzen.
Und selbst mit dem biblischen Glaubensbegriff hat diese Bewegung, die sich doch gerade mit dem Wort „Glauben” so sehr schmückt und dieses Wort so plakativ vor sich herträgt, als habe gerade sie es neu erfunden, nur sehr wenig gemein. Das erste Wort dieser Bewegung, und damit das Wort, mit dem sie sich bei uns eingeführt hat, ist bereits eine Lüge! Damit stehen wir auch schon vor dem eigentlichen Pferdefuß der gesamten Strömung. Hier besteht die Irreführung vor allem darin, daß man wohl das Wort „Glaube” verwendet, dieses Wort aber dann mit anderen Inhalten füllt, die uns in der Folge als „biblischer Glaube” untergeschoben werden. Der biblische Glaubensbegriff aber beruht auf der Tatsache, daß Jesus treu bleibt, auch dann, wenn wir untreu sind; alle Gottesverheißungen sind Ja in Ihm; Er kann Sich nicht verleugnen (1Kor 1. 9, 2Kor 1. 18, 2Tim 2. 12, 13). Er verändert Sich nicht: „Jesus Christus ist gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit” (Hbr 13. 8, Schlachter). Allein darauf – d. h. also auf Ihn, auf Seine Person – setzen wir unsere ganze Hoffnung; damit aber ist es gerade nicht unser, sondern Sein Glaube und damit – nach dem Grundtextwort pistis – Seine Treue, auf die wir vertrauen und auf die wir unser Leben gründen sollen. Dieses Vertrauen in die Person und in den Glauben Jesu verkehrt die Glaubensbewegung in das Vertrauen in einen eigenen „Glauben” – namentlich in einen Glauben an das eigene Anwenden vorgeblich funktionierender Prinzipien und Formeln, an die Wirksamkeit des Umgehens mit Kräften, die uns zur Erlangung zeitlicher und darum vergänglicher Güter dienen sollen. Aus dem Glauben an die Person und das Werk Jesu wird somit der „Glaube an den Glauben” – und damit doch wieder der Glaube an die eigene Leistung.
Damit aber werden wir zugleich immer auch angehalten, uns aus der Abhängigkeit Gottes herauszubegeben und unseren Lebensweg in die eigene Hand zu nehmen. Wir werden also vermittelst theologischer Kunstgriffe genau den Weg gelehrt, der in die Sünde, in die Trennung von Gott wieder hineinführt! Und so begegnet uns auch hier die der Glaubensbewegung so ganz eigene Umdeutung der Begriffe. Die Erkenntnis, in die Gott uns hineinführen will, ist die Erkenntnis Seiner Selbst; die Erkenntnis, die die Glaubensbewegung lehrt, ist die Erkenntnis einzelner Prinzipien und Schriftstellen – exakt jener Weg des Wissens über Gut und Böse, den die Schlange dem Menschen anbot und ihm suggerierte, er werde sein wie Gott, wenn er nur diesen Weg ginge (1Mo 3. 1 - 7). Das Anwenden von Bibelzitaten ist es dann auch, was diese Bewegung so begehrenswert-verführerisch, und damit gleichzeitig auch so undurchschaubar macht. „Wie kann etwas falsch sein, wenn es doch mit so vielen Schriftstellen einhergeht, ja sogar mit ihnen begründet zu werden scheint”, so denken wir. Und doch geschieht unter solchen Kunstgriffen genau das, wovor Paulus – im Hinblick auf die vielen „hervorragenden Apostel” – die Gemeinde so eindringlich gewarnt hatte; „ich befürchte aber”, so schrieb er, „ob nicht etwa, wie die Schlange in ihrer List einst Eva täuschte, auch eure Gedanken verderbt würden, hinweg von der Herzenseinfalt und Lauterkeit, die auf den Christus gerichtet ist” (2Kor 11. 3 - 6).
Die List der Schlange
Doch auch bei dem Sündenbegriff macht die hier besprochene Umdeutung nicht halt. Der Sündenfall der Bibel besteht in der Unabhängigkeit des Menschen von Gott; der „Sündenfall” der Glaubensbewegung besteht in mangelnder Erkenntnis, und daraus resultierend, in Mißerfolg, Krankheit, Armut und anderweitigem Zukurzkommen. Hier wird also immer das Sichtbare, das äußerlich Glänzende betont, das Wohlerscheinende nach den Maßstäben unserer Sicht, unserer Entscheidung darüber, was Gut und was Böse ist. Wer diese „Vorzüge” nicht aufzuweisen hat, der bleibt nach solcher Vorstellung dahinten. Was soll auch anderes dabei herauskommen, wenn man den Baum des Lebens verlassen und statt seiner die Frucht des Baumes der Erkenntnis gewählt hat! Es ist dieselbe List der Schlange, die uns sagt, daß Gott uns etwas vorenthielte; wir müßten vielmehr die Prinzipien erkennen, deren bloße Anwendung uns in den Besitz des Ersehnten bringen würde. „Ihr werdet sein wie Gott”, sagt die Schlange – und hält dem Menschen eine Frucht entgegen, schön anzusehen, verlockend für die Augen, glänzend im Sichtbaren. Dann wispert sie ihm ins Ohr: „Alles das, was euch vor Augen ist, steht euch zu; wartet darum nicht länger, bis der Vater es euch gibt, sondern eßt, nehmt es an euch. Hier, heute und jetzt sollt ihr es haben; name it and claim it, bekennt es und ihr habt es – wenn ihr nur wißt, wie es richtig funktioniert.” Ist das nicht verführerisch? Endlich können, ja sollen wir unser Schicksal, unsere Lebensumstände selbst bestimmen! Das ist doch endlich mal was!
Schon die Art der Frucht hätte uns die Augen dafür öffnen müssen, wohin die Reise wirklich geht: „Als nun das Weib sah, daß von dem Baume gut zu essen wäre und daß er eine Lust für die Augen und ein wertvoller Baum wäre, weil er klug machte, da nahm sie von dessen Frucht und aß und gab zugleich auch ihrem Mann davon, und er aß” (1Mo 3. 6, Schlachter). Fragen steigen in mir auf: Was wird da bedient? Seit wann leben wir aus dem Schauen? Die Frucht bedient das Sichtbare, sie will die Lust der Augen befriedigen. Wir sollen aber gerade nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare, auf den unsichtbaren Herrn. „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist,” schreibt Johannes, und fährt fort: „Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.” Und schließlich läßt auch er uns nicht im Unklaren darüber, was in der Welt ist, was die Welt ausmacht, die wir gerade nicht lieben sollen: „Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und das hoffärtige Leben kommt nicht von dem Vater her, sondern von der Welt; und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit” (1Jo 2. 15 - 17, Schlachter). Betrachten wir nun die Frucht der Schlange, die als eine Lust für die Augen erschien, so ergibt sich die verhängnisvolle Weichenstellung, daß es die Welt, nicht der Himmel ist, wohin uns diese Frucht bringen will. Warum nur haben wir unsere Bibel nicht gelesen?
Die Welt liegt euch zu Füßen, sagt die Schlange; ihr seid ihre Herren, ihr müßt sie euch nur erobern – heute, hier und jetzt könnt ihr sie haben. Ist eine solche Vollmacht, nennen wir sie besser Autorität, nicht verlockend? Ihr werdet sein wie Gott, flüstert sie, ihr werdet handeln wie Gott, ihr werdet Resultate erzielen wie Gott – wenn ihr nur von der Frucht eßt, die euch das Wissen Gottes bringt. Damit unterstellt sie, daß wir uns selbst, von uns aus, in einen Stand versetzen könnten, der uns befähigte, uns göttliches Wissen anzueignen und vermittels solchen Wissens die Welt zu regieren. Als letzten Schachzug garniert sie dieses Aneignen und Anwenden vermeintlich „göttlichen Wissens” reichlich mit Schriftstellen, die sie vorher aus ihren Zusammenhängen herausgerissen hat, und verkauft uns das Ganze im Paket – als biblischen Glauben. Ja, auch die Schlange gibt sich bei Bedarf sehr fromm. Und sie weiß tatsächlich eine ganze Menge. Sogar von Erweckung redet sie, und liefert uns die Anleitung, wie wir diese „Erweckung” selbst hervorbringen können, gleich mit! Hier haben wir dieselbe gerissene Taktik vorliegen, die sie schon bei Jesus anwandte: „Wenn du Gottes Sohn bist”, sagte sie, wenn du also Vollmacht hast, kraft deiner göttlichen Stellung und Geburt, dann „sage, daß diese Steine Brot werden” (siehe Mt 4. 4). Als wäre Vollmacht ein statisches Gut, das man zu jeder Zeit je nach Bedarf abrufen und herbeizitieren könnte! Als wäre eine solche Vollmacht, ein solches Sohn-Sein unabhängig vom Gehorsam, losgelöst vom Hören auf das, was der Vater uns täglich sagt! Dazu brauchen wir freilich die Stille im Verborgenen, nicht das Geschrei in der Öffentlichkeit. Hören wir die Antwort Jesu? Hören wir sie! „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein”, sagt Er, „sondern von jedem Wort, das aus dem Mund des Vaters kommt”. – An wessen Mund hängen wir?
Jesus bestand diese Probe; wir sind leider schon bei der ersten Prüfung durchgefallen. Wir sprechen lieber selber, als auf den Vater zu warten. Schaffe dir dein eigenes Brot, sprich die Dinge selbst „in Existenz”, das ist auch die Linie der Glaubensbewegung. Der Erfolg ist in deinem Munde, die Saat ist in deinen Händen, die Heilung gehört dir, und was wir dergleichen mehr zu hören und zu lesen bekommen. Tatsächlich werden wir dabei auch noch zur Kühnheit angehalten. Eine solche Kühnheit ist jedoch kein Glaube, wie unterstellt wird, sondern Raub und Anmaßung; sie ist kein Mut, sondern gefährlicher Hochmut. Daß man unseren menschlichen Stolz damit auch noch „theologisch” verbrämt und pseudo-biblisch „veredelt” – schließlich ist man ja ein Gott, und darum hat man alle Macht in seinen Händen – , ist nur eine der großen Gefahren, die mit der Glaubensbewegung einhergehen und mit ihr regelrecht verwoben sind. Warum nur muß ich dabei an die Mythologie der griechischen Götterwelt denken? Ist es vielleicht nicht doch deshalb, weil uns hier Heidentum entgegentritt – Heidentum in christlichem Gewand? Was soll bei dem Angebot der Schlange auch anderes herauskommen als Heidentum? Erinnern wir uns noch? Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Leben waren von dieser Welt, aber es waren auch die Merkmale jener Frucht, die die Schlange uns entgegenhielt. Ihr Inhalt besteht in der Aneignung und Anwendung von Wissen, das uns sichtbare Ergebnisse präsentieren soll, darum erscheint ihr Baum in menschlichen Augen auch so begehrenswert – „weil er klug macht” – und Klugheit immer Macht enthält (1Mo 3. 6).
Macht durch Wissen – Wissen von Prinzipien, die funktionieren und darum zum Erfolg führen sollen – das ist das große Versprechen, das ist die große Lüge der Glaubensbewegung. Wer von dieser Frucht ißt, der läßt sich auf einen nur allzu perfiden Tausch ein. Gott hat nicht ohne Grund verboten, von ihr zu essen (1Mo 2. 17). Wir könnten uns durch Wissen selbst erlösen, gaukelt uns die Frucht vor, die die Schlange uns entgegenhält; wir könnten Erfolg haben, so sagt sie uns – Erfolg im Hier und jetzt, schier grenzenlose Freiheit und Unabhängigkeit im Schatten des durch solchen „Glauben” erworbenen Wohlstands. Das überfließende Leben der Bibel verkehrt sie in ein vermeintliches Leben in eigenem Überfluß, in ein Schlemmen in paradiesischen Zuständen, die wir einfach nur für uns „in Anspruch nehmen” und nur inbrünstig genug „begehren” müssen. Merken wir, wie sehr hier das Kreuz regelrecht umgangen wird, das wir doch täglich auf uns nehmen sollen? Begreifen wir, wie sehr dabei die tägliche Abhängigkeit vom Vater ausgehöhlt wird zugunsten des Machtversprechens, durch die Anwendung von Formeln selber Herr über die Umstände zu sein? Erkennen wir auch, wie sehr Gottes Wort mit solchen Lehren übertreten wird, das uns doch gebietet, garade nicht zu begehren? Mögen wir hier die Augen geöffnet bekommen, ehe es zu spät ist und ehe es ein böses Erwachen gibt! Denn am Ende steht nicht die Freiheit, sondern die Gebundenheit, steht nicht das Leben, sondern der geistliche Tod, weil sich die Kräfte dieses Todes tatsächlich auch auswirken. Aus der Anwendung solchen Wissens heraus beziehen die Okkultisten jeglicher Couleur ihre Kraft; die Prinzipien, derer sie sich bedienen, sind dieselben!
Das ist der Kern der Lehre, die mit mir viele andere aus der Aufarbeitung des Erlebten gezogen haben: Hier wirkt nicht der Gott, der uns in der Bibel vorgestellt wird; hier wirkt ein anderer. Da muß Jesus kommen, der Stärkere, und uns wieder auf Seinen Weg bringen, damit Er uns aus der Religion des „Positiven Bekennens” und all der anderen Irrlehren wieder herausführen kann! Das kann manchmal ein sehr langer Weg sein, der hier notwendig wird – nicht, weil Gott uns nicht schneller befreien könnte, sondern um unserer selbst willen, weil wir diese Zeit der eigenen Aufarbeitung einfach brauchen – weil nämlich unser Denken verdorben worden ist (2Kor 11. 3). Wir können diesen Weg auch nicht abkürzen, und das umso weniger, je tiefer wir uns in diese Dinge verstrickt haben. Hier haben wir geradezu ein Schulbeispiel der Verführungskünste vorliegen, mit denen der Teufel arbeitet. Wir dürfen das nicht unterschätzen, dürfen mit solchen Dingen nicht herumspielen. Die Bibel sagt nicht umsonst, daß die Schlange „listiger als alle anderen Tiere des Feldes” aufgetreten sei, und beschreibt sie an anderen Stellen als ein überaus schönes und kluges Wesen, als das Gott es vorzeiten erschaffen hatte (1Mo 3. 1, siehe auch Jes14. 5ff, Hes 28. 1 - 19). Genau dieses Wissen – das eigene Handeltreiben mit diesem Wissen – und das Betrachten der eigenen Schönheit sind es auch, die diesen Engel einst zur Überhebung verleiteten und damit zu Fall brachten. Schließlich wurde er aus der Gegenwart Gottes entfernt und auf die Erde geworfen. „Ich schaute den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen”, sagte der Herr angesichts der Freude der Jünger darüber, daß ihnen sogar die Dämonen untertan waren. Dann fuhr er fort: „Indessen freut euch nicht darüber, daß die Geister sich euch unterordnen. Freut euch aber, daß eure Namen in den Himmeln eingeschrieben sind” (Lk 10. 17 - 20). Mit diesem Fall wurde Luzifer, der Lichtträger, genannt auch Sohn der Morgenröte, am Ende zu Satan, dem Widerwirker, und damit zu jenem Bösen, der die ganze Erde verdirbt.
Der falsche Baum oder: Was macht mein Sohn bei den Schweinen?
Dasselbe Prinzipienwissen, dasselbe Streben nach Erkenntnis, das schon Luzifer zu Fall brachte, steht nun im Zentrum der Glaubensbewegung. Darum ist auch der Jesus der Glaubensbewegung ein anderer als der Jesus der Bibel. In ihrer Vorstellung ist Jesus vor allem ein Lehrer, der uns wiederum die „Prinzipien” und „Gesetzmäßigkeiten” jenes „Glaubens” lehrt, dessen Anwendung uns das vermeintliche Paradies auf Erden eröffnen soll. Damit haben wir genau jene Irreführung vorliegen, der Paulus sich angesichts jener falschen Apostel gegenübergestellt sah, vor denen er die noch jungen Gemeinden schützen wollte: Denn auch mit ihnen empfing man einen anderen Jesus, darum auch ein anderes Evangelium und damit zugleich auch einen anderen Geist (2Kor 11. 4). Es gibt eben auch hier nichts Neues unter der Sonne. Spätestens jetzt bemerken wir, daß wir mit der Anwendung jenes Wissens, das in der Ausübung der in der Glaubensbewegung üblichen Praktiken liegt, bei wesentlichen Elementen der Gnosis, der „fälschlich so genannten Erkenntnis” angelangt sind, gegen die die Apostel zeitlebens, gegen Ende ihres Lebens sogar noch zunehmend angekämpft haben (vgl. 1Tim 6. 20 - 21 u. a.). Das ist die eigentliche Crux der Glaubensbewegung: sie ißt von einem falschen, von einem verbotenen Baum. Damit zieht sie uns nicht in den Himmel, sondern auf die Erde, und bringt uns wieder zurück in die Finsternis und zuletzt in die Trennung von Gott. So sieht sich der, der in dieser Strömung verbleiben will, geradezu gezwungen, das Unvergängliche, vielmehr aber noch den Unvergänglichen - Jesus Selbst - einzutauschen gegen die Vorteile und Güter dieser Welt, welche doch vergehen.
Bald müssen wir uns verrennen. Doch wir merken es nicht; schließlich wurden wir es so gelehrt. Aus Demut wird Hochmut, aus dem Bitten ein Fordern, so überzeugt sind wir davon, daß das, was wir gerade jetzt begehren, uns zur selben Zeit tatsächlich auch zustünde. Immer wollen wir etwas haben – und ganz selbstverständlich wollen wir es vor der vom Vater zugewiesenen Zeit. Mit solchem Zuvorkommen aber fallen wir wiederum auf den Dieb, den Lügner und Mörder von Anfang herein (Jo 10. 7ff). Dinge vorwegzunehmen, „Problemlösungen” anzubieten, bevor Gott noch eingreift, das ist sein Metier. Nur gelöst wird damit nichts. Wir geraten nur noch weiter in Schwierigkeiten hinein. Paulus wußte immerhin von einer solchen Gefahr, in der er stand; er schrieb einmal davon, daß es sogar ihm möglich sei, „vom Satan übervorteilt” zu werden; „denn seine Gedanken sind uns nicht unbekannt” (2Ko 2. 11). Wieder geht es um Gedanken. Aber so etwas ist hier im besten Falle zweitrangig, und so werden auch diese Warnsignale überfahren. Die Welt lockt, und Macht und Unabhängigkeit locken noch viel mehr. „Gib mir das Erbe, das mir zusteht” - dieses Fordern ist es, das sich diese Bewegung vor allem zu eigen gemacht hat. Sicher wissen wir, daß der Vater den Söhnen daraufhin das Gut teilte (Lk 15. 11ff). Oh ja, endlich haben wir Erfolg, mögen wir gedacht haben. Ob wir bei solchem „Erfolg” aber auch bedacht haben, daß der, der sein Erbteil vor der Zeit haben will, genauso bei den Schweinen, in Unreinheit, in Not und Gottesferne enden könnte wie jener verlorene Sohn? Am Ende seines Begehrens steht jedenfalls der Schweinetrog. Das war, das ist Fakt. So weit mußte es mit ihm kommen, damit er endlich zu seinem Vater umkehrte. Da war er ganz unten. „Da begehrte er nur, sich an den Johannisschoten zu sättigen, von denen die Schweine aßen; doch niemand gab sie ihm” (V. 16). Das ist gerade das Tragische am Weg dieses Mannes – am Ende litt er Hunger, obwohl er sich in seiner Not doch gerade an einen Vermögenden, an einen Landbesitzer gehängt hatte! Hier haben wir sie wieder – die Erde!
Das hätte uns eigentlich warnen müssen. Und doch fragen wir nicht mehr nach bloßem Gehorsam. Unsere Erfolge im Hier und Jetzt sind zum Maß der Dinge geworden, und wir drohen dem, der keine Zahlen, keine Erträge, keine Reichtümer aufzuweisen hat, mit dem Ausschluß aus dem Kreise der „Erleuchteten” – irgendwie gehört er wohl nicht so ganz dazu. Daß der Sauerteig solcher Lehren und Vorstellungen sich mittlerweile auch in anderen christlichen Richtungen breitgemacht hat, macht ihn keineswegs besser. Da wundert es dann auch nicht mehr, daß die Liebe dahinten bleibt, und Hochmut und Stolz zu ständigen Begleitern werden. Sogar dafür finden wir noch eine „biblische Begründung” und präsentieren sie dem staunenden Publikum. Wir haben ja Erfolg, denken wir. Da muß Gott doch mit uns sein. Dann versteigen wir uns zu dem Umkehrschluß: Jene haben keinen Erfolg. Da kann Gott nicht mit ihnen sein. So wird Gottes Liebe ad absurdum geführt. Aus der im Neuen Testament gebotenen Selbstverleugnung wird bald Selbstverwirklichung, und die Kreuzesnachfolge wird in einen Weg des Erfolges und des zu erzielenden Reichtums verkehrt. Aus dem Christ-Sein der Bibel wird schlußendlich eine christliche Religion von Leistung und Profit. Von daher ist es offensichtlich, daß wir es hier mit einem gnadenlosen System zu tun haben, das in der Form eines radikalen Kapitalismus in pseudo-biblischem Gewand einherschreitet. [3] Hier wird, religiös verbrämt, der „american way of life” beschritten und dieser Weg zum Weg des Lebens umdefiniert. Aber nicht überall, wo Leben draufsteht, ist auch Leben drin!
Damit aber ist das Göttliche ins Diabolische geradezu umgekehrt worden. Und damit wären wir bei den deutlich okkulten Komponenten angelangt, aus denen all diese Lehren hervorgebracht worden sind. Kurz zusammengefaßt, ist die „Glaubensbewegung” bzw. „Wort des Glaubens - Bewegung” (Word Of Faith Movement) vornehmlich aus der amerikanischen „Christlichen Wissenschaft”, der Philosophie des sog. „Neuen Denkens”, aus Einflüssen der Visualisierung, des Schamanismus und anderen okkulten Strömungen heraus entstanden und mit Elementen der Zauberei geradezu durchsetzt. [4] Sie hat die eigentliche und ursprüngliche charismatische Bewegung, wie ich sie einmal kennen- und schätzengelernt habe, mittlerweile in fast allen Bereichen unterwandert und infiltriert, hat sie pervertiert, umgedeutet und verfälscht. [5] Ich selbst habe – damals lebte ich noch in der ehemaligen DDR – diesen Umbruch etwa in den Jahren 1986 - 88 erlebt, andere vielleicht früher, andere später. Hier war es vor allem die Zeit der „Jüngerschaftsschulen” und die der ersten vermeintlich „freien Gemeinden”, in der die Welle der Glaubensbewegung, vom Westen her kommend, gewissermaßen „hinüberschwappte” und alles fraß und zerstörte, was ihr im Wege stand oder ihr zumindest im Weg zu stehen schien. Mit dieser Welle haben ganz unzweifelhaft okkulte Praktiken ihren Einzug gehalten, Praktiken, für die man dann nur noch Schriftstellen finden und in obigem Sinn uminterpretieren mußte, um sie, von der Masse unentdeckt, entsprechend einführen und – vor einem im Wortsinn zunehmend „begeisterten” Publikum – immer weiter ausbreiten zu können. Hier wurden nicht nur Dinge miteinander vermischt, die keineswegs zusammengehören; hier sind auch Menschen in erheblichem Maße an dunkle Mächte gebunden worden!
Gemeindestrukturen und neue
Denominationen - falsches Reich und falscher Himmel
Dies ist jedoch nicht das einzige Problem, mit dem wir uns beschäftigen sollten. Ein anderes, das freilich mit dem erstgenannten in Verbindung steht und darum nicht von ihm isoliert gesehen werden kann, wiegt nicht weniger schwer. Während die Bibel Jesus verherrlicht und in die Mitte rückt, verherrlicht die „Glaubensbewegung” vor allem Menschen und rückt diese auf den Thron, und zwar in einem besonders starken, in früheren Zeiten nicht dagewesenem Maße. Das Neue Testament spricht von dem Leib Christi, dessen einzelne Glieder wir sind; sie aber hat diesen Leib umgedeutet in eine durch menschliche Leiterschaft errichtete und „von oben nach unten” durchorganisierte, gewissermaßen hierarchiemäßig durchgesetzte „Gemeinde”-Struktur. (Solche und ähnliche Lehren haben sich mittlerweile nicht nur in weiten Bereichen der charismatischen Bewegung, sondern auch innerhalb anderer Denominationen und Richtungen an vielen Orten durchgesetzt.) Alles, was die Glaubensbewegung zu bieten hat, ist Ersatz, ist Fälschung. Und doch – oder vielleicht gerade darum – hat sie sich bei uns gerade mit dem Anspruch eingeführt, das Alte, Überkommene ersetzen zu wollen, um an die Stelle des in ihren Augen „Religiösen”, des vermeintlich „bloß Kirchlichen” zu treten. Habt Ihr schon einmal all die Lehren dieser Bewegung daraufhin untersucht? An dieser Stelle ersetzt sie den Leib des Christus, der ein durch die Jahrhunderte hindurch gewachsener, lebender Organismus ist, mit einer neuen, im Hier und Jetzt organisierten und darum toten – das Leben tötenden – Gemeindestruktur, in die sich alle fügen sollen!
Hier ist also nicht weniger als eine weitere Denomination entstanden, eine neue Kirche zusätzlich zu den vielen, die wir bereits haben. So hat man nicht nur einmal mehr den Leib Christi gespalten; man hat vor allem das göttliche Haupt aus der Mitte gedrängt; Seine Herrschaft, die sich allein in der Liebe ausdrückt, wurde ersetzt mit der Machtausübung von „Pastoren”, „Gesalbten” und sogenannten „Dienstgaben”, und das alles gut begründet und mit passend umgedeuteten Schriftstellen versehen. Der ernsthafte Bibelleser wird jedoch spätestens hier erkennen, daß die Glaubensbewegung sich wesensmäßig als antichristlich entlarvt, da sie einen Anstatt, einen Antipol an die Stelle des Christus setzt; an die Stelle der jedem Gläubigen innewohnenden Salbung und Gegenwart des Geistes Gottes sind die sogenannten „Gesalbten”, die angeblichen „Männer Gottes” getreten, die zu umsorgen und zu hofieren der zum „gemeinen Volk” degradierte Leib Christi nun angehalten werden soll, statt zu lernen, selbst auf Gottes Stimme zu hören und gemeinsam und in Liebe das zu tun, was Er, das Haupt, zu sagen hat. Damit aber hat man den Dienst, der ja die eigentliche Grundregel des Christuskörpers darstellt - einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen, Ga 6. 2 - niedergerissen und wiederum einen Levitendienst nach alttestamentlichem Muster an seine Stelle gesetzt. Der Neue Bund ist damit nicht weniger als außer Kraft gesetzt worden. Darum regiert hier nun nicht mehr das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus, sondern wieder das Gesetz der Sünde und des Todes, unter der Herrschaft von Vormündern und Verwaltern (vgl. Rö 8. 2ff, Ga 4. 1ff u. a.). Dieser Rückfall, dieses Fallen aus der Gnade ist die ganz große Tragödie im Leben derer, die in dem System der Glaubensbewegung gefangengenommen worden sind.
Somit
stellt,
unter
Berücksichtigung
der
vorstehend
genannten
beiden
Punkte,
diese
Bewegung
eine
große Verführung
dar, die für viele nur schwer zu durchschauen ist und der
auch ich lange Zeit erlegen war. Vieles an ihr sieht ja so „echt”,
so „geistlich” aus, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich mit
vielen Bibelstellen schmückt, die regelmäßig, ja
schon planmäßig aus dem Zusammenhang gerissen, verdreht
und vom Sinn her entstellt werden. Ja, sie stellt sich dem, der
weiterkommen will, als überaus schillernd und verlockend dar,
und sie umgibt sich durchaus mit verschiedenen Wahrheiten, die
zu einem gewissen „Netz” verwoben worden sind, zu einem ganzen
Lehrsystem, das in sich selbst sogar schlüssig zu sein
scheint. Als Ganzes gesehen aber ist sie eine einzige große
Lüge. Diese Lüge besagt im Wesentlichen, daß es dem
Menschen gegeben sei, das Reich der Himmel an sich zu reißen
und damit Gottes Herrschaft auf dieser Erde selbst auszuüben.
Somit paßt sie so ganz in die Reihe der Endzeitverführungen
durch falsche Propheten und selbsternannte Christusse, durch jene
„Gesalbte” also, vor denen Jesus die Jünger so eindringlich
gewarnt hatte. Ihre Praktiken führen den, der sich ihrer
bedient, in die Finsternis, und ihr Weg ist mit zerstörten und
zerrütteten Leben gepflastert. Viele derer, die ihnen zu dienen
sich aufgemacht haben, sind heute innerlich leer und ausgebrannt,
nicht wenige von ihnen sind verwirrt, und manche befinden sich sogar
in psychiatrischen Einrichtungen. Einige davon sind mir persönlich
bekannt. Schuldgefühle, Ängste, Bedrückung und Streß
sind zu ständigen Begleitern ihres Lebens geworden. Ja, ihr
ganzer Lebensverlauf zeugt von jener gebrochenen und darum –
so scheint es –
in vielen Bereichen „entwerteten” Biographie, von
der ich eingangs gesprochen habe. Wie gut ist es da zu wissen, daß
Gott über unserem Leben das letzte Wort hat!
So verkommen die Gemeinden, die all dies zugelassen haben, immer mehr zu gefährlichen Sekten, in denen das vermeintliche „Volk” nichts, der fast schon wie ein Guru verherrlichte, unantastbare und jeglicher Korrektur enthobene „Leiter” und die von ihm verordnete „Gemeindestruktur” aber alles ist. Wenn man schon das Gesetz des Christus außer Kraft setzt, das Gesetz also, in dessen Grundregel der Leib des Christus überhaupt erst Bestand haben kann, dann wundert es nicht, daß auch dieser Leib selber außer Kraft gesetzt und damit zum Verstummen, zu bloßem schemenhaften Funktionieren im Sinne des von einer „Leiterschaft” verfügten Strukturaufbaus verurteilt ist. [6] Der vor allem geistliche Schaden, den die sogenannte Glaubensbewegung nicht nur zahlreichen Kindern Gottes, sondern mit ihnen auch dem ganzen Leib Christi zugefügt hat, ist immens, unüberschaubar, nach menschlichen Maßstäben wäre er irreparabel. Und doch gibt es Hoffnung; diese Hoffnung aber haben wir nur in Gott; denn nur Gott Selbst kann das heilen, was wir Menschen nicht können und unter Umständen längst aufgegeben haben. So ist es mir ein Herzensanliegen, daß die vielen, die dieser Verführung erlegen sind, die Stimme Gottes in ihrem Leben wieder und ganz neu vernehmen und aus diesen Dingen herauskommen, um wieder hineinzutreten in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes und damit auch in die Gemeinschaft der Liebe unseres Herrn. Laßt Euch nicht einreden, daß es mit Euch aus sei und Gott nichts mehr von Euch wissen wolle. Habt doch Mut, möchte ich Euch zurufen, um in die Gnade zurückzukehren, laßt Euch den Mut, das Vertrauen und vor allem die Hoffnung nicht rauben, die wir allein in Jesus haben!
Durch
das
Studium
sowohl
des
Wortes
Gottes
als
auch
historischer
Quellen
–
u. a. aus der Kirchengeschichte – wurde die o.
a. „Glaubensbewegung”
für mich immer mehr „enttarnt”. Ich erkannte, daß sie
nichts anderes darstellte als die Einführung eines anderen,
eines falschen Evangeliums; auch Paulus, der solches den Galatern
schrieb, hätte sie wohl kaum als etwas anderes bezeichnet.
Endlich verlor sie ihren schillernden Glanz; statt dessen entlarvte
sie sich immer mehr als ein ganzes ausgeklügeltes System
geistlicher, seelischer wie auch materieller Beraubung und
Knechtschaft, umgeben von Irrlehre, falscher Prophetie, Träumerei,
Unnüchternheit und gefährlicher Schwärmerei. Für
viele wird es darum einmal ein böses Erwachen geben, nachdem
sich all ihre Träume, die ihnen vielleicht sogar einmal ein
sogenannter „großer Prophet” geweissagt hat, eines Tages
nicht nur in Luft aufgelöst, sondern unter Umständen in ihr
Gegenteil verkehrt haben. Diese Dinge, die unser Gehör kitzeln,
„uns ködern” sollen, sind gewissermaßen das
„Zuckerbrot”; jene schon gehirnwäscheartig ausgegebenen
gesetzlichen Anweisungen aber, daß der „Zehnte” stets zu
geben, dem „Leiter” unbedingt zu gehorchen und – in einer
von Gott losgelösten und damit fehlerbehafteten Auslegung von Hebräer
10. 25 – die jeweils
„eigene Versammlung” ja nicht zu verlassen sei, sind
sozusagen die „Peitsche”, mit der unaufhörlich auf dieselben
Kinder Gottes eingeschlagen wird, die Jesus, ihr Herr, doch für
Sich mit
Seinem eigenen Blut erkauft hat. Hier wird denen, die mit solchen
Strukturen nicht übereinstimmen können,
weil ihnen ihr von Heiligen Geist beeinflußtes Gewissen ihnen etwas
anderes sagt, Sünde suggeriert, wo ganz gewiß keine Sünde zu suchen
ist. Unterschwelliges wie offenes
Anklagen und Liebesentzug, das Ausstoßen von Drohungen, ja
sogar das Aussprechen von Flüchen denen gegenüber, die den
Vorgaben der sogenannten „Leiterschaft” nicht genügen oder
nicht genügen können, sind weitere Kennzeichen des
hier beschrittenen, verhängnisvollen Weges, der diejenigen, die
auf ihm unterwegs sind, nicht ins Licht, sondern ins Verderben führt.
The show must go on?
Und
doch benutzt man diese Dinge immer wieder, um Geschwister, die allzu
fragend werden könnten, weiter „bei der Stange” zu halten.
„The show must go on”, meint man; der Betrieb soll
weitergehen, koste es, was es wolle; schließlich habe Gott ja
zur Leiterschaft geredet. Menschen mit einem wachen Geist, die
frei genug sind, selbst auf Gott zu hören, mag man in
dieser Bewegung nicht. Man ist nicht bereit umzukehren, weil man
keine Irrtümer einräumen will; immer gebietet es der Stolz,
die eigene Position zu wahren; man will nicht anerkennen, daß
man sich in seinem Wahn verrannt, in seinem Hochmut sich verstiegen
hat; darum will man sich auch nicht durchschauen lassen; so
stünde wahre Prophetie dieser Bewegung auch nur im Wege.
Insofern stellen nicht nur die eben beschriebenen Träumereien,
Irrlehren und falschen Prophetien, sondern vor allem der mit diesen
Dingen einhergehende Mißbrauch das große Thema
dar, um das es hier im Grunde geht. Immer sind es Menschen, die sich
über andere Menschen erheben, indem sie sich zu ihrem Leiter
erklären. Bereits hier hat Mißbrauch begonnen;
deshalb ist der Thematik „Leiterschaft” und dem mit Leiterschaft
immer einhergehenden System hierarchischer Unterdrückung
und Reglementierung von Kindern Gottes auch besondere Aufmerksamkeit
gewidmet worden.
Diese Problematik, die wir nicht umgehen dürfen, betrifft nicht
nur die sog. Glaubensbewegung, obwohl es in ihr besonders deutlich, ja
drastisch
zutage tritt; sie betrifft vielmehr die ganze Kirche zu allen
Zeiten und auf allen Kontinenten, wie wir hinsichtlich der
Kirchengeschichte unschwer erkennen können. Bislang hat man zwar
immer wieder einmal versucht, dieses System zu kurieren –
vergeblich. Nicht etwa das System ist krank, daß es geheilt
werden müßte, nein – „das
System ist die Krankheit,
der wir unseren Schaden zu verdanken haben”, wie ich darum in
der „Zehntenlüge”
niedergeschrieben habe. Das freilich ist ein Tagesordnungspunkt, der
weit über die Zehnten- bzw. „Opfer”debatte
hinausgeht. Von daher sind der Zehnte
und all die anderen damit einhergehenden, artverwandten Forderungen nur
die
Spitze des Eisbergs, der da auf uns zugeschwommen kommt. Eisberge haben
es nun einmal an sich, daß man von
ihnen nur ein Siebtel sieht; der übergroße Rest bleibt unter der
Wasseroberfläche verborgen – wie man weiß.
Diese nicht sichtbaren sechs
Siebtel sind der „Titanic” einst zum
Verhängnis geworden.
Daß
die
schier
allgegenwärtige,
schon
überbordende
Leiterschaftsproblematik
also
den
eigentlichen
Krebsschaden unserer christlichen
Versammlungen ausmacht, und zwar schon von Anfang an, ist
anhand der vorliegenden Schriftstudien,
wie
ich
meine,
gründlich
bewiesen
worden.
Spätestens
hier
entpuppen
sich
die
angezeigten
Symptome
als systemimmanent. Überall
dort, wo Menschen sich über andere Menschen „gesetzt”
wähnen und Herrschaft ausüben, geschehen immer
auch Verletzungen, die über das Normalmaß hinausgehen,
entsteht Trennung, wird geistliches Sterben, geistlicher Tod
hervorgebracht. Hier greift die Erkenntnis, daß der, der seinen
Bruder haßt, ihn nach biblischem Sprachgebrauch also
herabsetzt, in diesem Herabsetzen zu seinem Mörder wird, wie wir
im ersten Brief des Johannes lesen (1Jo 3. 15) . Doch nicht nur das;
lesen wir doch einmal ein wenig weiter, genauer; nicht nur zum Mörder
wird er, nein, er verliert selbst dabei das Leben, das Gott ihm gab,
zwar nicht sogleich, doch immer mehr, schleichend, zunehmend, Stück
um Stück. Hier haben wir die Gründe dafür vorliegen,
weshalb es auch in unserem Land so viele gute, geistliche Aufbrüche
gab, die alle immer wieder „versandet” sind, manche nach Monaten,
Jahren, einige aber auch schon nach wenigen Tagen –
und zwar
versandet an genau dem Punkt, als man sich um die Thematik
„Leiterschaft” stritt, darum, wer der Größte
sei, im Großen
wie im Kleinen.
Haben wir ein „Kainsmal” auf der Stirn? Vor Gott Selbst wiegen diese Dinge jedenfalls schwer, sehr schwer. So hat all dies auch für uns verhängnisvolle Folgen, wie wir immer wieder gesehen haben. Deshalb ist es nicht damit getan, daß wir „lediglich” auf gewisse einzelne Praktiken verzichten und uns von diesen Dingen reinigen, was allerdings unumgänglich ist. Darum müssen wir endlich auch herunterkommen von den vielen menschengemachten Thronen, um Dem die Herrschaft einzuräumen, dem diese Herrschaft allein gebührt. Darum müssen alle anderen Häupter abtreten, wenn Jesus, unser Haupt, zum Zuge kommen soll! Da haben wir uns voreinander zu demütigen, Bruder für Bruder, Schwester für Schwester, und zwar ohne jede Ausnahme. Da gibt es weder Knecht noch Meister, weder Regierende noch Regierte in diesem Sinn; da gibt es nur noch die Einigkeit in Christus, besteht ein gegenseitiges Höher-achten, lebt die Gemeinschaft Seiner Liebe wieder auf. Dann wird die Welt auch wieder erkennen, daß wir Jesu Jünger sind, wenn wir uns einander lieben, so wie Er uns geliebt hat. Wir haben, zusammengefaßt, zur ersten Liebe zurückzukehren, was aber geradezu voraussetzt, daß wir damit brechen, uns über andere, oder auch andere über uns zum Leiter zu erheben. [7] Es geht also darum, das Problem bei der Wurzel zu packen! Solange wir dies alles jedoch weder vor uns selbst noch vor anderen einzugestehen wagen, wozu ohne Zweifel großer Mut und ein bislang nicht gekanntes Ausmaß an innerer Wahrhaftigkeit gehört, bleibt die endgültige Heilung der hier besprochenen Fragen für uns in weiter Ferne.
Verletzungen, die nur allzu vielen durch diese Dinge angetan worden sind – bzw. die wir einander angetan haben, füge ich um der Wahrheit willen einmal hinzu – , sollen endlich wieder geheilt werden, und zwar wirklich, gründlich und dauerhaft. Das geht jedoch nicht, solange wir damit fortfahren, nur die Symptome zu behandeln, wenn wir sie denn überhaupt behandelt haben. Die Heilung einer eiternden Wunde setzt das Erkennen und dann auch die Entfernung des Eiterherdes voraus, damit die Wunde, nachdem sie gereinigt worden ist, endlich verbunden werden und dann auch wieder zuheilen kann. Sie setzt dann aber auch das Entfernen jener Zustände voraus, die immer wieder zu solchen Verwundungen führen! Auch dürfen unsere Verletzungen nicht dazu führen, daß geistliche Dinge insgesamt abgelehnt werden, weil man sie verdreht und überdehnt hat; die Wahrheit des Wortes Gottes soll nicht weiter verlästert werden können von denen, die in unserem Fehlverhalten nur allzu oft Begründungen und Rechtfertigungen für ihre eigene Zurückweisung geistlicher Dinge gesucht und immer wieder auch gefunden, gewissermaßen „frei Haus geliefert” bekommen haben. Mögen diese Seiten ihren Beitrag dazu leisten.
Gegenüberstellung
einiger Schriften Hagins mit denen Kenyons
Stellungnahme zu den
Übereinstimmungen der Schriften Hagins mit denen Kenyons
Zehn
Gründe
gegen
die
Wort-des-Glaubens-Lehre
Die obenstehende Erklärung
kann
an dieser
Stelle auch als PDF-Dokument heruntergeladen werden.
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