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< Die Gabe und der Raub | Die Versammlung Gottes > |
Denn
gerade diese fundamentale Bibelkritik ist es, mit der Satan
als „Fragensteller dieses Äons” (1Kor 1. 8 wörtlich) das
Wort Gottes grundsätzlich in Frage stellt und damit eben
dieses Wort, das der Same zur Wiedergeburt ist (1Ptr 1. 23),
für den Hörenden in seiner ganzen Substanz verdirbt, damit
dieser es nicht aufnehmen kann, so daß diese neue Geburt nicht
stattfinden kann oder, falls sich ein entsprechendes Wirken
nicht mehr ganz verhindern läßt, dieselbe wenigstens im
seelischen Bereich stecken bleibt, damit die Amtskirche in
ihren Grundfesten nur ja nicht erschüttert werde. Es gibt für
diese Irrlehrer keine absolute Wahrheit; Wahrheit ist in ihren
Augen etwas, was es im Auge des Betrachters zu relativieren
und damit seiner Unumstößlichkeit zu entheben gilt. So setzt
sich menschliche Hybris über Gottes Wort, damit aber über Gott
Selbst. In der Folge wird Sein Wort seiner Autorität beraubt,
und was bleibt, sind einige eindrucksvolle Geschichten
zwischen zwei Buchdeckeln, meinethalben auch Weltliteratur, an
die man glauben kann oder auch nicht. Dasselbe „Sollte
Gott gesagt haben...?”, das die alte Schlange schon dem ersten
Menschenpaar entgegengeworfen hatte, wirkt auch hier denselben
Betrug und zeitigt daher auch dasselbe Ergebnis (s. 1Mo 3.
1ff). Dazu gesellt sich die Irreführung durch die
Taufwiedergeburtslehre, die den Menschen vorgaukelt, daß
ebendiese Wiedergeburt „in
der Taufe” geschehen und aufgrund
derselben, wie man sagt, auch der Heilige Geist schon
verliehen sei. Und auch die paulinische Gnadenlehre wird
bemüht, um die vorgebliche Unumstößlichkeit des in der
Säuglingstaufe vermuteten, vermeintlich göttlichen Handelns
als etwas zu zementieren, das ganz jenseits menschlicher Einwilligung
bestünde, weswegen diese Irrlehre auch so schwer als eine
solche zu erkennen ist. Hier hat der Diabolos, der Durcheinanderwerfer,
ganze Arbeit geleistet. Denn diese Lehre, die an die Stelle
des Echten einen höchst fragwürdigen, weil nur scheinbaren Ersatz
feilbietet, ist gerade in dieser Konstellation, da das eine
mit dem anderen direkt zusammenwirkt, eine diabolische
Irreführung par excellence, ist sie doch geradezu ein
Schulbeispiel dafür, wie der Teufel arbeitet.
Da man
nach kirchlichem Dogma den Geist und mit ihm das neue Leben
aus Gott „in der Taufe” schon empfangen haben will,
sucht man dies nun unter Aufbietung aller eigenen Kräfte unter
Beweis zu stellen, indem man nach Möglichkeit viele eigene
Werke tut und diese Werke in der Lehre, aber auch in der
kirchlichen Selbstdarstellung entsprechend in den Vordergrund
rückt. Echte Geistesfrucht wird hier jedoch mit eigenen, ergo
Fleischeswerken verwechselt. Das Resultat ist ein in
Werkgerechtigkeit verharrendes Christentum, das ebenso stolz
wie vehement das vermeintliche Recht verteidigt, sich mit dem Namen schmücken zu
dürfen, nach dem es lebe, während es nach dem Urteil des Herrn
doch tot ist (Off 3. 2 - 3) – weil es in Seinen Augen ganz
offensichtlich das nicht ist, was es vorgibt zu sein. Im
Ergebnis ist ein solches Christentum nämlich zu nichts anderem
als einem zwar
wohlmeinenden, dennoch aber toten, kirchlich verbrämten Heidentum mehr
fähig, das dem Irrglauben nachhängt, daß seine eigenen
Anstrengungen schon Beweis empfangener Gnade seien, da es dem Trugschluß
erlegen ist, nach dem es genügen müsse, wenn es sich in seinem Tun formal auf diese Gnade berufe, indem es
vorgibt, daß sie an ihm – auch
ohne sich dem Thema Buße und Bekehrung jemals gestellt zu
haben – schon geschehen sei. Bei solchem Betrug nützt
es dann auch herzlich wenig, daß dasselbe vorgibt, unter
Christus zu stehen, wenn es dies wegen seines alten,
gefallenen Wesens und seiner Natur zwar mit vielen
menschlichen Aktivitäten,
jedoch nicht mit wirklichem Leben
zu erfüllen vermag, da es Letzteres nicht besitzt und
aus eigener Kraft auch nicht aufzubringen vermag. Dieses
Schicksal teilt es allerdings mit dem Weihnachtsbaum, der zum
Fest wohl fein geschmückt worden ist, was ihm aber nichts nützt, da ihm die Wurzel fehlt;
so muß er am Ende doch verdorren, um
schließlich in den Abfall geworfen zu werden und – mitsamt seinem ganzen
traurigen Schmuck – der
Vernichtung anheimzufallen. Gewiß, mühen muß man sich, und nur
allzu oft ist dieses Bemühen in gläubigen protestantischen
Kreisen vernachlässigt worden. Aber alles Bemühen ist vor Gott nichts, wo Christus
Selbst nicht gegenwärtig ist.
Mitmenschlichkeit zu üben ist notwendig und löblich; wer sie aber losgelöst von Christus ausüben will, der entzieht ihr das notwendige Fundament, und dies darum, weil wir Menschen Sünder sind und ob unserer sündigen Natur der Herrlichkeit (des Ruhmes, der Ehre) ermangeln, die wir bei Gott haben sollten (Rö 3. 23). Wer dies außer acht läßt, der mißachtet Gott und macht den Menschen allein zum Maß der Dinge. Ohne Gott wird Mitmenschlichkeit zur Beweihräucherung in Selbstgerechtigkeit, ein Bunker des Stolzes gegen Gott und somit nicht nur zur Farce, sondern auch zum Werkzeug des Bösen. So wird sie zum größten „Ablaßhandel” unserer Zeit, so daß derjenige, der sie an die Stelle des Evangeliums der Schrift setzt, und sei es, indem er sie mit diesem verwechselt oder ihm gleichsetzt, dann auch nicht darüber wundern darf, wenn er von Bibelkundigeren an der Stelle derer verortet wird, über die Paulus nach Galater 1. 6 - 10 sein großes Anáthema gesetzt hat, weil sie ein anderes Evangelium eingeführt haben neben dem, was durch den Heiligen Geist für alle Zeiten überliefert worden ist. Dieser Hang zur lediglich noch als „christlich” verbrämten Menschengefälligkeit [1] ist auch der maßgebliche Grund dafür, daß die Kirche, allen voran die evangelische, bis heute nicht aus ihrer geistlichen Lethargie entrinnen konnte und die Mitgliederzahlen weithin schwinden. Dazu gesellt sich die Aufgabe zentraler biblischer Lehrinhalte, und so ist es kaum verwunderlich, daß selbst Teile ihrer Oberen (erklärtermaßen!) [2] nicht mehr an den Kreuzestod Jesu als stellvertretendem Sühnopfer für die Sünde der Welt glauben, sondern daraus lediglich eine diffuse Solidarität Gottes mit menschlicher Armut, Krankheit und Tod gemacht haben, auf die man vertrauen solle.
Den Grund solchen Sterbens – „zu
sterben wirst du sterben” (1Mo 2. 17) – aber will man nicht kennen. Über die
Notwendigkeit von Buße und Bekehrung wird kaum mehr
gesprochen; Sündenerkenntnis, die vor dem heiligen Gott
erzittern ließe, ist ein seltenes Gut. Häufig werden diese Dinge
relativiert und verharmlost, die sie Vertretenden belächelt,
nicht selten auch bekämpft. So hat
die Kirche ihre Konturen verloren und bietet keine
Alternative mehr zu der sie umgebenden Welt, weil sie längst
ein Teil derselben geworden ist. Eine solche Kirche kann
niemand mehr ernst nehmen. Im Ergebnis des von ihr weithin
vertretenen, ebenso seltsamen wie gefährlichen Konglomerates
aus magisch verstandener Säuglingstaufe, Bibelkritik,
Werkgerechtigkeit und dem Hang, Menschen zu gefallen, sehen
wir die Grenzen zwischen dem Reich Gottes und der Welt
zuerst verwischt, dann zunehmend aufgegeben. Das Evangelium
ist dabei langsam, aber stetig zu einem bloßen Appell an ein
gutmenschlich-soziales Engagement verkommen, das zwischen
„Gut” und „Böse” kaum mehr zu unterscheiden vermag. Damit
ist die Kirche häufig anfällig geworden für einschlägig
„sozialistische” Ideologien. So sind Breschen gerade
inmitten der Großkirchen geschlagen worden, durch die
weitere zumeist kulturrelativistische Irrlehren eingebrochen
sind, und so hat man dem Feind eine ganze offene Breitseite
dargeboten, auf die er fortan seine Giftpfeile abschießen,
sich auf derselben nach Lust und Laune austoben und das
Ganze für seine bösen Zwecke instrumentalisieren kann.
Zugleich aber sind damit zentrale biblische Lehren den
Sekten preisgegeben worden, die sich an den Rändern in- und
außerhalb der Kirche ausgebreitet haben. Das ist im
wesentlichen der Bestand, wie er sich heute darbietet.
Von der
Toleranz: böse und gute Fundamente
Für diese
Entwicklung geradezu charakteristisch ist die stete
Einforderung, daß man derlei Meinungen zu „tolerieren” habe,
während man dieselbe „Toleranz” gegenüber Andersdenkenden
naturgemäß nicht zu gewähren bereit ist. Diese Vorgänge
stellen unter anderem wohl auch die Ursache dafür, weshalb es
in den Kirchen allem Anschein nach – oft bis in die Besetzungen der Pfarrämter und sogar
bis in höchste Gremien hinein – eine Unterwanderung durch so
viele seltsame politische Gruppierungen gegeben hat, die meist
dem linksgrünen, marxistisch indoktrinierten 68er „Ungeist”
frönen, während sie naturgemäß mit einem Evangelium, das der
Heiligen Schrift gemäß wäre, nun wirklich gar nichts am Hut
haben und aus ihren Reihen sogar oft – und zuweilen sehr
aggressiv – gegen Menschen vorgegangen wird, die ein solches
vertreten. Der „Marsch durch die
Institutionen” ist also auch hier für sie
erfolgreich gewesen und verdrängt alles andere. Tatsächlich
sehen sich gerade schriftgläubige Christen heute zunehmend
einer Feindschaft ausgesetzt, deren Ausmaß und Militanz, die
mittlerweile auch vor körperlichen Angriffen,
Kirchenschändungen und Brandanschlägen nicht haltmacht, selbst
im DDR-Alltag noch undenkbar gewesen wäre. Hier ist längst
eine Saat des Hasses aufgegangen, deren Herkunft in der
Demagogie sicher nicht aller, aber doch vieler solcher
Gruppierungen durchaus zu verorten ist. Ein Blick auf die
Kirchentage der evangelischen Kirche mit ihren „Märkten der
Möglichkeiten”, auf denen biblisch fundierte Angebote eher ein
Schattendasein frönen, während vorrangig sozial-politischen
Erwägungen gefrönt und außerbiblische Lebensentwürfe bis hin
zu Esoterik,
Götzendienst
und Okkultismus präferiert oder gar
gefeiert werden, läßt uns dieses Bild recht schnell bestätigt finden. Tatsächlich präsentieren sich diese Ereignisse in weiten
Bereichen eher wie Parteitage der „Grünen”, als daß sie eine
Ermutigung zu schriftgemäßem Glauben wären.
Auch die
Vertreter der Schöpfungslehre sehen sich vermehrt
Anfeindungen, Ausgrenzungen und Stigmatisierungen ausgesetzt.
Wer immer auch die vorherrschende darwinistische Doktrin zu
kritisieren wagt, wird schnell in die Ecke böser und
aggressiver Radikalisten gestellt, die ihrerseits, so der
Tenor, gegen die Evolutionisten vorgingen. Hier scheint
allerdings wieder einmal der sprichwörtliche Dieb nach dem
Dieb zu schreien, während er selber die Diebesbeute noch in
der Hand behält: Ein aggressives Vorgehen gegen Andersdenkende
ist jedem Christen, der sein Christsein wirklich leben will,
nämlich fremd; es ist nicht bei ihnen, sondern regelmäßig auf
der Seite derer vorzufinden, die ihnen dies vollmundig und vor
allem medienwirksam zu unterstellen suchen; daß ausschließlich
diesen in den Medien eine Stimme eingeräumt wird, während
dieselben Medien höchst einseitig gegen „die Kreationisten” agitieren, vermag indes eindrucksvoll darauf
hinzuweisen, wem in diesem Lande Macht gegeben worden ist und
wem nicht. Dasselbe betrifft auch alle die, die angesichts
einer überbordenden Homosexualisierung schon im Kindesalter,
Genderismus und Abtreibung ein kritisches Wort zu sagen wagen.
Gegen solche hat es, neben verbalen Entgleisungen und
Verleumdungen mittlerweile auch bereits gewalttätige
Übergriffe gegeben, die dem zumeist linksgrünen, feministischen und z.
T. auch dem radikal-militanten Homosexuellen-Lager zuzuordnen
sind, mit dem ich aber ausdrücklich
nicht alle homosexuell empfindenden Menschen in einen Topf
geworfen wissen will. Alles das wird, neben den
Christenverfolgungen vor allem in der islamischen Welt, von
den entsprechend eingefärbten Mainstream-Medien naturgemäß
verharmlost, relativiert oder gleich ganz verschwiegen.
Andererseits sind dieselben Medien sehr schnell dabei, wenn es
gilt, mit zweifelhaften, nur dem Anschein nach seriös
gefertigten „Reportagen” bibelgläubige Christen zu
diffamieren. Diese Art der
Diffamierung, die nun schon über Jahre geht, ist für
gewöhnlich die Saat, aus der überall auf der Welt
Christenverfolgungen geboren werden.
Eine neue
und geradezu ungeheuerliche Qualität haben diese
Auseinandersetzungen mit der Forderung einiger evangelischer
„Kirchenleiter”, wiederum dem linken bzw.
liberal-theologischen Lager stammend, gefunden, nach der es an
der Zeit sei, nun auch offen gegen so genannte „christliche
Fundamentalisten” vorzugehen, deren
Gedankengut man als „rassistisch” und „menschenverachtend”
verunglimpfte. Anlaß waren die Mord- und Terroranschläge des
offensichtlich geistesgestörten Norwegers Anders Behring Breivik
vom 22. Juli 2011, nachdem dieser in den Medien
wahrheitswidrig als ein solcher bezeichnet worden war. Als
„Fundamentalisten”
wurden dabei ausgerechnet jene benannt, die an Inhalte wie
Jungfrauengeburt, Sühnopfer und die Irrtumslosigkeit der Bibel
glauben. Mit Recht ist dies durch seriöse Theologen jedoch
zurückgewiesen worden. [3] Damit aber wurden
wiedergeborene Kinder Gottes mit einem Prädikat versehen, wie
es sonst nur islamischen Selbstmordattentätern und
Bombenlegern zugeeignet wird, und somit entsprechend
stigmatisiert. Daß Letztgenannten jedoch das eine Hauptmerkmal so
genannter „christlicher Fundamentalisten” fehlt, nämlich der
Glaube an Gott, der Sich uns in Jesus Christus offenbart,
sowie an die Heilige Schrift als überliefertem Gotteswort,
scheint diesen Leuten „versehentlich” entgangen zu sein.
Ebenso entgangen zu sein scheint ihnen auch, daß die
Lehrgrundlagen christlicher so genannter „Fundamentalisten” nicht nur jeglicher
Gewaltanwendung widersprechen, sondern sogar solche Dinge wie
die Feindesliebe betonen, so daß sie denen des radikalen Islam diametral
entgegengesetzt sind: für dessen Befolger sind solche
Vorstellungen lediglich ein Ausdruck von Schwäche, was sie mit
Breivik und anderen desselben Schlages allerdings gemeinsam
haben. Breivik bezeichnete sich übrigens selbst als einen
Kulturchristen, der nichts anderes als ein sich auf eine
„christliche Kultur” berufender „Atheist oder Agnostiker”
sei. Er dürfte einen Großteil seiner Vorstellungen eher aus
der Freimaurerei bezogen haben, die sich in Norwegen recht „christlich” gibt. Hierzu dürfte,
wenigstens in Teilen, auch der „Templermythos”
gehört haben, dessen Breivik sich bedient hat. Freimaurerei
und Christsein im Sinne der Lehre schließen einander jedoch
aus. [4]
In
offenkundiger „Unkenntnis” dieser Dinge verstieg sich
denn auch die evangelische Pastorin Adelheid Ruck-Schröder in der ARD-Sendung „Wort zum Sonntag” vom 24. 07. 2011, den Attentäter, der
allerdings selbst erklärt hatte, keine Beziehung zu „Jesus und Gott” zu haben, mit solchen
Menschen in einen Topf zu werfen: Wer „fundamentalistisch” denke, schätze „den Tod leicht höher als
das Leben”. In
dieselbe Kerbe schlug sogleich das ZDF in Gestalt seines
einschlägig bekannten „Terrorexperten” Theveßen. Auch solche
Printmedien wie der Spiegel, der Breivik als „Christ
und Massenmörder” zugleich bezeichnete, stimmten in diesen Chor
mit ein. In der Politik wurden Stimmen laut, nach denen
bereits der sich verdächtig mache, der sich von den
Großkirchen abspalte. [5] Hier ist demnach eine ganze Lawine an
Falschaussagen, Unterstellungen und böswilligen Hetztiraden
losgetreten worden, so daß man mit Fug und Recht von einer
zielgerichteten Kampagne gegen ernsthafte Christen sprechen
kann, mit der ein Geist bedient worden ist, aus dem es
weltweit zu Übergriffen, aber auch hierzulande bereits zu
Anschlägen gegen vor allem katholische Kirchen und kirchliche
Einrichtungen gekommen sein dürfte. [6] Mit solcher
Hetze, die nur vordergründig aus den „eigenen Reihen” zu
kommen scheint, kulminiert im Grunde jedoch nur ein Werdegang,
der in den weiter oben beschriebenen Zusammenhängen begründet
ist. Dieselben Entwicklungen haben sich allerdings schon in
den evangelischen Landeskirchen in der ehemaligen DDR recht
gut nachverfolgen lassen, wenngleich sie (systembedingt) nicht
dieses hohe Maß der Ausprägung oder gar Radikalisierung
erreicht haben dürften. Die diversen Bürgerrechts- und
Umweltbewegungen in der DDR hatten zu einem guten Teil im Raum
der Kirche ihr Dasein; wir sehen dies als Sonderfall und
wollen es daher nicht weiter kommentieren, müssen aber doch
darauf hinweisen, daß diese Entwicklung mit dem Evangelium
nach der Schrift (dem sie zumeist ablehnend gegenüberstanden)
nichts zu tun hatte, zumal – nach dessen Lehre – weltliche Politik und Gottesreich strikt voneinander
zu trennen sind (Mt 22. 15 - 21, Rö 13. 1 - 7).
Von Sadduzäern, Pharisäern und anderen Besserwissern
Wie zu den Zeiten des Erdenlebens Jesu, haben auch wir heute es mit „Sadduzäern” (Auferstehungsleugnern) und „Pharisäern” (vom Volk Abgesonderten und Gesetzesstolzen) zu tun, deren jeweilige Lehren und Intentionen dem Anspruch Gottes nicht genügen können. Insofern gibt es auch hier nichts Neues unter der Sonne (Pr 1. 9). Zu den „Sadduzäern” (um in diesem Bilde zu bleiben) haben wir uns oben bereits geäußert; wenden wir uns nun den „Pharisäern” zu, die unsere Reihen bevölkern. So ist an die Stelle des Lichtes wirklicher Offenbarung, die nur der Geist geben kann, gerade in konservativen, sich streng lutherisch gebenden Kreisen sehr häufig eine enge (gesetzliche), starre und tote Orthodoxie getreten, in der nur der, der „Theologie studiert” oder wenigstens entprechende Kurse belegt hat, dann auch das Wort verkündigen darf – im Gegensatz zum Neuen Testament, in dem nicht nur Jesus Selbst, sondern auch Seine Zeugen keinerlei Bildungsweg absolviert hatten als nur den, von Gott, dem Vater, gemeinsam erzogen und von Seinem Geist geführt worden zu sein (Jo 7. 15, Apg 4. 13, Ga 1. 12, Hbr 5. 8). [7] Dies gilt für alle anderen Denominationen, ihren jeweiligen Ausprägungen gemäß, freilich in gleicher Weise, und davon sind gerade auch die nicht ausgenommen, die ihre eigene Gruppe, in Abgrenzung zu den anderen, als „denominationslos” bezeichnet und damit, wie jene Korinther, die sich einst „christlich” nannten, doch wieder eine eigene Denomination begründet haben (1Kor 1. 11 - 12). Die neutestamentliche Regel, nach der in den Versammlungen „ein jeder etwas habe”, ist hier klar aufgehoben und in ihr Gegenteil verkehrt. Das kann auch kaum anders sein, wenn doch der Geist aus solchen Treffen durch menschlichen Eigenwillen und anhaltende Untreue entweder vertrieben worden ist oder noch nie Einzug halten durfte, welcher ein solches Miteinander in Lehre und geistlichen Gaben überhaupt erst ermöglicht (Apg 2. 1ff, 1Kor 12. 4 - 13ff, 14. 26 -33; 40). Daß die Gegenwart Gottes, wie in den Tagen des alten Israel, aus solchen Versammlungen, die das Prädikat „Gottesdienst” zu Unrecht tragen, auch entweichen kann, daran müssen wir uns in unserem Stolz freilich erst noch gewöhnen. Wenn das Gottesurteil „Ikabod” („die Herrlichkeit ist gewichen”, 1Sam 4. 21) erst einmal gefallen ist, nützt es herzlich wenig, daß man zuvor das Lied „Gott ist gegenwärtig” in oberflächlicher Weise angestimmt haben mag. Ist Gottes Gegenwart nicht oder nicht mehr vorhanden, ist alles das ein trauriger Schein und Selbstbetrug.
Daß
allerdings die wohl meisten der so genannten „neuen” respektive „freien Gemeinden”
mittlerweile dieselbe Entwicklung genommen und einen mitunter
recht etablierten „Klerus” hervorgebracht haben, der
sich der
entsprechenden Vorrechte erfreut, die geistlichen Anteile zu
besitzen [8], während es allen anderen
mehr oder weniger ausschließlich
obliegt, die Stühle zu stellen, den Saal zu ordnen, den
Sanitärbereich zu putzen, die Predigt der Leiterschaft zu
bestätigen und die ganze Angelegenheit zu finanzieren, zeigt
überdeutlich, daß sie vor Jahrzehnten wohl aus einer in
eigenen Augen abtrünnigen Kirche, nicht aber dem Wesen
derselben Abtrünnigkeit wirklich ausgegangen sind und sich
somit im selben Widerspruch zur Heiligen Schrift befinden
(1Ptr 5. 1 - 4). Bei dem Übermaß des in solchen Kreisen
vorherrschenden „fremden Feuers”, das man mit gesetzlichem
Eifer zu verbreiten sucht, sollte man sich allerdings nicht
wundern, wenn es gerade dort so viele ausgebrannte Christen
gibt, während Gottes Feuer
wohl brennt, reinigt und heiligt, seinen Träger selbst aber
nicht aufzehrt (vgl. 2Mo 3. 2 im Gegensatz zur Rotte Korah in
3Mo 10. 1 - 3). Daß man diesem Klerus biblische oder
scheinbiblische Bezeichnungen – Apostel, Prophet, Lehrer,
Pastor etc. pp. – untergeschoben hat, macht es allerdings
nicht richtiger, sondern schlimmer – denn auch, wenn man dies
hinter der Wahl der „richtigen” Begriffe verborgen haben und
sich damit selbst belügen mag, bleibt es doch ein eigener (und damit
sektiererischer) Weg, der nichts anderes zeigt, als daß man in
seinem Bestreben, selbst zu
bauen, den göttlichen Eckstein genauso verworfen hat wie jene,
die man (in eigenen Augen) selber dieser Sünde anklagt (1Ptr
2. 4 - 8). Auch dieses zeigt, daß das „richtige Etikett”,
wiewohl man sich damit „auf seine untrügliche Bibel” beruft,
noch lange kein Erweis dafür ist, daß das, was darauf
geschrieben steht, darunter auch zu finden ist. Insofern haben
wir es auch hier mit einer waschechten Irreführung zu tun.
Dualismus von Bildung und geistlicher Offenbarung
Wir
polemisieren nicht gegen Bildung, auch nicht gegen
theologische. Wir sind zwar nicht von der Welt, leben aber in der Welt, und
menschliche Bildung ist in der Welt nicht nur segensreich,
sondern auch unabdingbar. In
Bezug auf geistliche Dinge aber ist sie dem Wesen nach
Fleisch; sie kann keine geistliche Offenbarung
hervorbringen, da Fleisch den Willen Gottes weder zu erkennen
noch auszuführen vermag (Jo 3. 6, 6. 63 - 64); Fleisch und
Blut haben keinen Anteil am Reiche Gottes (1Kor 15. 50).
Doktoren- und Professorentitel mögen in der Welt einen guten
Klang haben; dort sollen sie auch ihre Ehre finden; im Reiche
Gottes sind sie jedoch nicht nur nichts wert, sondern die
Berufung auf sie ist geradezu schädlich, da Gott die
Weltweisheit erklärtermaßen zunichte machen will und ausschließlich das
beruft, was in der Welt nichts gilt (1Kor 1. 18ff).
Nichtsdestotrotz hält man diese Dinge für das Licht der
Offenbarung, und so bewahrheitet sich aufs Neue das Wort des
Herrn: „Wenn nun das Licht in dir
Finsternis ist, wieviel dichter ist dann die Finsternis!” (Mt 6. 23). Im Grunde hat man damit den
selben alten Irrtum konserviert, dem die römische Kirche
erlegen ist. Wenn der Papst im Zuge seiner Begegnungen im
Rahmen der Ökumene etwa den hoffnungsfrohen Evangelischen
erklärt, daß der Glaube nicht verhandelbar sei, dann wird
etwas davon sichtbar. Solche Sätze wären richtig, wenn das
Umfeld stimmte. An dieser Stelle aber berücksichtigen sie
nicht die gewichtigen menschlichen und außerbiblischen
Einflüsse, die dem römischen Glauben zu eigen sind. So
vermögen sie auch nicht zu denen zu dringen, denen sie
gegolten haben, weil sie im theologischen Liberalismus
befangen sind.
So bleibt Richtiges oft ungehört. Dies ist auch eine Frage geistlicher
Vollmacht, die gewiß an die Erkenntnis, aber sehr viel enger
noch an unseren Gehorsam gegenüber diesem Erkannten gekoppelt
ist. Damit will der Schreiber dieser Sätze sich gewiß nicht
über seine Mitchristen erheben. Es bleibt festzustellen, daß
alle von uns, die wir geistliche Aussagen machen wollen, immer
auch unser Eigenes hinzufügen, anderes aber übersehen werden,
da wir als Menschen fehlbar sind. Berücksichtigen wir diese
unsere Fehlbarkeit nicht, dann geschieht an uns jedoch genau dasselbe Gericht, dem
die Pharisäer der Zeit Jesu erlagen, da sie in stolzem Hochmut
verkündeten, daß sie sehend seien, während aus genau demselben Grunde ihre Sünde blieb
(Jo 9. 41). Gleichzeitig stießen sie den im Wunder Jesu sehend
Gewordenen hinaus, womit sie auch das Licht, das Jesus ihm
geschenkt hatte, von sich stießen (V. 34) und somit Jesus, der das
Licht ist, Selbst verwarfen (s. Jo 1. 5, 10f). [9] Sie alle zeigen, daß die
Welt, und sei sie noch so belesen, den Geist Gottes, der der
Geist der Wahrheit ist, nicht empfangen kann (Jo 14. 17). Dem
Wiedergeborenen aber, sei er nun akademisch gebildet oder
nicht, bleiben Seine Geheimnisse nicht verschlossen, denn Gott enthüllt sie ihm durch
Seinen Geist, während der Weltweise sie nicht zu
entschlüsseln vermag (1Kor 1. 18ff, 2. 6 - 13 s. u.; vgl. Mt
13. 10 - 17). Dazu bedarf es in ganz erheblichen Maße
geistlicher Demut. Ein hochmütiger Mensch, der immer nur
andere kritisiert, wird nichts erkennen. Nichts ist Gott so
zuwider wie ein hoffärtiges Wesen, das wohl alle anderen, sich
selbst aber niemals in Frage stellen würde.
|
Wir reden allerdings Weisheit, unter den Gereiften;
aber keine Weisheit dieser Welt, auch nicht der
Obersten dieser Welt, welche vergehen. Sondern wir
reden Gottes Weisheit im Geheimnis, die verborgene,
welche Gott vor den Weltzeiten zu unserer Herrlichkeit
vorherbestimmt hat, welche keiner der Obersten dieser
Welt erkannt hat; denn hätten sie sie erkannt, so
würden sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt
haben. Sondern, wie geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen
und kein Ohr gehört und keinem Menschen in den Sinn
gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die Ihn
lieben”, hat Gott aber uns geoffenbart durch
seinen Geist; denn der Geist erforscht alles, auch die
Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im
Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in
ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als
nur der Geist Gottes. Wir haben nicht den Geist der Welt
empfangen, sondern den Geist aus Gott, damit wir
wissen, was uns von Gott gegeben ist; und davon
reden wir auch, nicht in Worten, die von
menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in
solchen, die vom Geist gelehrt sind, indem wir
Geistliches geistlich beurteilen. Der seelische
Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geiste Gottes
ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es
nicht verstehen, weil es geistlich beurteilt werden
muß. Der geistliche Mensch aber erforscht
alles, er selbst jedoch wird von niemand erforscht;
denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, daß er ihn
belehre? Wir aber haben Christi Sinn.
(1Kor 2. 6
- 16, Schlachter)
|
Paulus hat diese Geheimnisse alle gelehrt und damit ans Licht gebracht, so daß ein jeder, der von neuem geboren war und damit den Geist Gottes hatte, diese auch verstehen und im Glauben ergreifen konnte. Die Taufe ist wohl ein geistliches Geheimnis; nichtsdestotrotz hat sie nichts Mystisches an sich. Einen solchen Mystizismus, der von verschlossen bleiben müssenden Geheimnissen lebt, kennt das Neue Testament nirgendwo; es gibt ihn nur im Okkultismus (lat. occultus = das den Augen Verborgene, Verdeckte, Geheime, verschlossen Seiende), wobei anzumerken ist, daß Gott Seine Geheimnisse dem Ungläubigen ganz bewußt verschließt, weswegen Jesus zu den Jüngern in Gleichnissen sprach, die die anderen nicht verstehen konnten. Wer an dieser Erkenntnis vorbei Licht gewinnen will, der kann es nur auf verbotenem Wege; es ist allerdings ein Trugschluß zu glauben, daß darauf etwas anderes als Irreführung und – im Wortsinn – Verblendung zustande käme. Der Verweis auf okkulte Zusammenhänge sollte uns also entsprechend hellhörig machen, da die kirchlichen „Taufhandlungen” in jenen Kreisen (ich halte es für verfehlt, von jenen Handlungen als von Taufen zu sprechen) in erster Linie als Initiationsriten gehandhabt werden, die nicht nur – so die Behauptung – das Himmelreich erschließen sollen, sondern deren Absolventen auch die Teilhabe an den so genannten „kirchlichen Rechten” (Beistand zu Trauungen, Beerdigungen u.a.) überhaupt erst ermöglichen. Daß diese Riten eben keine Einsetzung Gottes sind, sondern fast durchweg aus dem Heidentum kommen, wird uns auch hier noch zu beschäftigen haben. [10]
Lutherische
Bekenntnisschriften im Widerstreit mit der Schrift
Es hatte
lange gedauert, bis ich dahinter kam, länger aber noch, als
ich mir endlich selbst einzugestehen wagte, woher alle diese
Unstimmigkeiten kamen: Verantwortlich für all diese falschen
Lehren zeichnen letztlich die Bekenntnisschriften der
Evangelischen Kirche, die an entscheidenden Punkten von der
Lehre der Heiligen Schrift abweichen, wiewohl sie sich doch
vehement darauf berufen, indem sie sich selbst als „norma normata”, (genormte Norm), die Heilige Schrift aber
als „norma normans”
(normierende Norm) benennen. Das will sagen, daß die
Bekenntnisschriften der Kirche vorgeben, „Norm” sein zu wollen für
alles kirchliche Handeln, die sich dann aber aus der Norm der
Heiligen Schrift herleite, die diese – so der Anspruch – prägen und bestimmen soll.
Damit aber entstehen gleich mehrere Probleme, wobei das eine
aus dem jeweils anderen resultiert. Das erste besteht darin,
daß Menschenlehren sich an die Stelle des Wortes setzen, indem
sie den Anspruch erheben, daß ohne ihre Erklärung eine
geistliche, von Irrtümern freie Auslegung nicht möglich sei,
und somit sehen wir in ihnen den bibeltheologischen Grundsatz
aufgehoben, daß das Schriftwort keiner menschlichen Auslegung
bedarf, weil es sich, seinen eigenen Zusammenhängen gemäß,
selbst auslegt (vgl. 2Ptr 1. 19 - 21).
Damit
aber kehrt das Luthertum selbst zu dem Schema der römischen
Kirche zurück, das nicht etwa nur besagt, daß die Lehre der
Kirche und das Wort Gottes gleichberechtigt nebeneinander stünden,
sondern behauptet, daß dieses Wort der Auslegung der Kirche,
d. h. des Klerus, erst noch bedürfe
und es damit – in
der Konsequenz – wieder unter die von der
Kirchenlehre beanspruchte
Autorität stellt.
Dies wird ein überzeugter Lutheraner natürlich sofort und
energisch von sich weisen. Die lutherische „Reform” beinhaltet
jedoch tatsächlich nur eine Änderung der Form, nicht des Wesens,
bei der sich die Rolle des Klerus in der
römischen Kirche auf die Bekenntnisschriften in der
lutherischen
lediglich
verlagert hat, die freilich wiederum vom Klerus, diesmal von
dem der lutherischen Provinienz, verwaltet werden. Sie ist
also keine Erneuerung, sondern tatsächlich eine
Rückformierung, eine Re-Formation in begrifflichem Sinn, deren
Ergebnis häufig noch finsterer ausfällt als der Zustand, in
dem sie einmal begonnen hat, da sie sich, unter dem Anspruch,
zu neutestamentlicher Lehre zurückzukehren, lediglich wieder
auf die Kirche zurückbezieht. Mithin
werden die alten Praktiken nicht geändert, sondern nur neu
erklärt und in der Folge in etwas vermeintlich Neues, das
sich vor allem auf Paulus beriefe, hinein verklärt. Da die sich in ihr neu
bildende Geistlichkeit [11] die Bekenntnisschriften nicht nur verwaltet,
sondern vor allem auf deren strikte Einhaltung zu achten
hat, bleibt die Herrschaft des ordinierten Klerus über das Wort der Schrift auch in der lutherischen
Kirche ungebrochen; sie nennt sich nur anders als ihr
römisches Pendant, aus dem sie einst erwachsen war.
Insbesondere aber stellt das Augsburger Bekenntnis eines
jener Sonderbekenntnisse neben Christus dar, die Paulus in seinen ersten Brief
an die Korinther energisch bekämpft, weil alle diese
Namenssetzungen Zertrennungen bewirken (1Kor 1. 10ff). So
entlarven diese Normen infolge ihres häretischen auch ihren
ganz eigenen spalterischen (schismatischen) Charakter, und
seither ist es geradezu sprichwörtlich geworden, daß der
„Spaltpilz” derselben Kirche innewohnt, die diesen doch so
vehement bekämpfen will. Damit aber konnte Luthers
eigentliches Anliegen, die Kirche vom Wesen her zu erneuern,
statt eine neue zu gründen, nicht mehr gelingen.
Im Grunde
hat Luther Paulus nie wirklich verstanden, weshalb vor allem
die lutherische Rechtfertigungslehre in halbgarem, will sagen
unausgereiftem Zustande geblieben ist wie so vieles andere
auch. Nur so ist zu erklären, weshalb Luther sich
diesbezüglich einem Kampf gegenübergestellt sah, der geradezu
ein Kampf mit Windmühlenflügeln gewesen ist, die er – um in diesem Bilde zu
bleiben – zuvor allerdings selbst in
den Wind gerichtet hat, mit dem sie angetrieben worden sind.
Alle, von den müntzerschen Schwärmern und Gewalttätern
angefangen bis hin zu den Bilderstürmern, wähnten sich mit ihm
in einer Linie und beriefen sich auf ihn, wiewohl sie weiter
zu gehen bereit waren als Luther es je wollte oder konnte.
Ihre Gedanken fanden darum auch kein wirkliches Korrektiv und
keine vernünftigen Bahnen, in denen sie hätten sich bewegen
können. Sie alle sollten sich geirrt haben, und so kam es
immer wieder auch zu Entgleisungen der übelsten Art. Und
dennoch sind gerade sie die Geister gewesen, die Luther rief
und nie wieder losgeworden ist. Mit solcherart verirrten
Gemütern plagt sich die nach ihm benannte Kirche aus denselben
Gründen bis heute. Auch dieser aussichtslose Kampf, der vor
Gewalt und Mord nicht halt machte und am Ende auch die
tangierte, die nie hätten bekämpft werden dürfen, gehört zur
Tragik der Reformationsgeschichte. Dies erklärt zumindest
einen Teil der Furcht, mit der die lutherische Orthodoxie bis
heute mit allem umgegangen ist, was in ihren Augen neu,
ungewohnt erschien, und damit stets auch die verfolgte, die in
echter geistlicher Erkenntnis weiter gingen, als Luther selbst
gehen wollte oder zu gehen in der Lage war. Aus dieser Furcht
speiste sich im Grunde auch das Bedürfnis, allen diesen
Umtrieben durch ein zu schaffendes Bekenntnis Grenzen zu
setzen. Dieses Bekenntnis barg jedoch weitere Risiken und
Gefahren in sich, denen die Kirche Luthers bis heute erliegen
mußte, wozu erschwerend noch hinzukam, daß dieses Bekenntnis
alsbald zu einem die Christenheit spaltenden Sonderbekenntnis
geworden war, das Grenzen abbrach, die hätten bestehen
bleiben, und zugleich neue Grenzen schuf, die hätten vermieden
werden müssen.
Seither
hat es viele weitere ernste Bestrebungen gegeben, nun auch die
evangelische bzw. die lutherische Kirche im Sinne einer
geistlichen Erneuerung zu reformieren; die Krux aber, die all
diese Bemühungen (oft nach hoffnungsvollen Anfängen) stets
zunichte machte, bestand jedes Mal darin, daß man sich den
Bekenntnissen der lutherischen Kirche gegenüber verpflichtet
hatte. und sich daher stets gehalten sah, jede neugewonnene
geistliche Erkenntnis an derselben auszurichten. Denn auf
diese Bekenntnisschriften hin, allen voran die vorstehend
genannte „Confessio Augustana” Melanchthons aus dem Jahre
1530, ist jeder Pfarrer bis heute mit seiner Ordination gebunden, was in
gleicher Weise für jedes Mitglied dieser Kirche gilt, weil es
durch seinen Eintritt respektive „Taufe”, sofern es ihnen
nicht widerspricht, diesen Dogmen mitunter quasi von Geburt an
untergeordnet
ist. Da man in der Annahme, daß
erst die in den Bekenntnisschriften vorgegebene Lehrtradition
das Wort Gottes recht erkläre, beide Elemente,
das Wort und die kirchliche Lehrtradition gleichermaßen aufrechterhalten
und in Übereinstimmung bringen will, gerät jeder Versuch, bei
fortschreitender Erkenntnis des Wortes Gottes aus den alten,
ausgefahrenen Gleisen auszubrechen, zwangsläufig zum Bumerang.
Die Glorifizierung und teilweise sogar „Vergottung” des Luthertums mit seinen
Lehren (die man denen des Wortes Gottes gleich setzte) auf der
einen Seite und die erbarmungslose Dämonisierung jeglichen
Widerspruchs
auf der anderen,
die wenigstens bis dahin geht, daß man Widersprechende zu
Häretikern stempelt und sie damit zu „ewig Verlorenen” erklärt, wie dies auch dem
Schreiber dieser Zeilen widerfuhr, sorgt bis heute leider mit
Erfolg dafür, daß sich deren Glieder kaum kritisch mit den
Lehren auseinanderzusetzen wagen, unter deren Joch sie sich
befinden. Die
große Problematik, die Freunde wie Gegner kirchlicher Lehren
selten verstehen, ist dabei die, daß durchaus tiefgläubige
Vertreter all dieser Lehren die biblischen Schritte alle
gegangen sind, klar erkennbar Gottes Geist haben und somit
geistlich wiedergeboren sind, dieselben Zusammenhänge aber
stets mithilfe der überkommenen Tradition zu erklären
versucht haben. Damit aber wird die Wahrheit nicht erhellt,
sondern verdeckt; zugleich aber wird die Spaltung, die man
mit solchen faulen Kompromissen gerade zu verhindern
glaubte, vorangetrieben. Da man diese Dinge nicht ans Licht
bringt, bleiben sie im Dunkeln; so entfaltet die Finsternis
weiter ihre zerstörerische Macht.
Römische Elemente
im „Talar evangelischer Rechtgläubigkeit”
Die
Kraft, die all diesen Dingen innewohnt, macht es ihnen dann
auch so schwer zu erkennen, daß – neben den oben beschriebenen
spalterischen Tendenzen – diese Bekenntnisschriften einer
eingehenden Prüfung anhand der diesen unterstellten biblischen
Zusammenhängen nicht standhalten können und letztlich nur die
lutherischen Unsicherheiten, Ungewißheiten und inneren
Widersprüche in Rechtfertigungs- und Tauflehre konservieren,
die die evangelische Theologie seit den Tagen Luthers so sehr
geprägt haben. Damit stehen sie für die traurige Tatsache, daß
das Luthertum sich nie hat wirklich von den alten römischen Elementen lösen können,
wiewohl es nach Kräften gegen dieselben polemisiert hatte;
statt dessen war es ins selbe alte Wesen zurückgefallen, und
so ist es auch kein Wunder, daß man sich aus ihren Reihen bald
wieder gegen jene erhob, die weiter gehen wollten, als man
selbst zu gehen bereit war, wobei die Schüler ihren Meister in
ihrer Verfolgungswut bald noch übertrafen und mit den
Widersachern von einst z. T. sogar gemeinsame Sache machten. [12] Mit
diesem Erbe aber, das einige als das „Flucherbe der
Reformation” bezeichnet haben, muß sich der herumschlagen, der
sich auf die Lehren dieser Kirche einläßt; ihm bleibt keine
andere Wahl. Zu einem Ergebnis kommen, das alle diese
Widersprüche auflösen könnte, kann er dabei freilich nicht. Es
bleibt ihm nur noch die Wahl, die allzu offenkundigen
Widersprüche für nicht existent zu erklären. Damit aber begibt
er sich mit dem Vater der Lüge auf ein und dieselbe Ebene, und
ich behaupte, nicht immer, aber doch sehr häufig wider
besseres Wissen, wie jener Pfarrer es ausdrückte, als er, wie
man mir berichtete, auf solches Nachfragen erwiderte: Ja,
alles das sei richtig, aber sein Brötchengeber sei die
Kirche...
Mit solchen Erkenntnissen, die sich im Laufe der Jahre freilich nur bruchstückhaft aneinanderfügten, entlarvten sich für mich viele dieser Dinge vom Wesen her als ein ganzes Gewirr scheintheologischer Lügengebäude, womit die oben bezeichnete geistliche Gebundenheit, eine (wenn den meisten auch unbewußte) Schuldknechtschaft [13] und damit Gefangenschaft jener offenbar wurde, die auf all diese Lehren eingeschworen worden waren; der vermeintliche „Felsen”, für den sich die lutherische Theologie hielt, entpuppte sich als ein in langen Jahrhunderten festgetretener Sand; der wird der Flut und den Stürmen der bereits herannahenden Gerichte, die aus dem Völkermeer gegen uns herangetragen werden, allerdings nicht mehr standhalten können, wie Jesus dies in Matthäus 7. 24ff prophetisch vorhergesagt hat. Tatsächlich aber hat es unter eingefleischten und fanatischen Lutheranern solche Sprüche wie: „Gottes Wort und Luthers Lehr’, die wanken nie und nimmermehr!” gegeben! Und so erschien auch hier wieder dasselbe verhängnisvolle Spiel, wie wir es oben schon gesehen haben: Man hielt den Sand für den Felsen, und die Finsternis für das Licht. Aus dieser höchst einseitig-lutherischen so genannten Orthodoxie, die man für die „reine Lehre” hielt, wiewohl sie der des Paulus in ganz zentralen Aussagen widersprach, ergab sich ein allezeit bewährtes Mittel, das geeignet schien, alle die auszuschalten und beiseitezudrängen, die es besser wußten, wobei die ur-lutherische, geradezu panische Angst vor allem Ungewohnten, neu Erscheinenden, oft nur vermeintlichem Schwärmertum und sonstigen einschlägigen „Ketzereien” eine nicht geringe Rolle gespielt haben dürfte. [14] Was war es da noch ein Wunder, daß man diejenigen wenigstens für sehr suspekt hielt und mit Argusaugen zu überwachen suchte, die dem Widerstand der Oberen zum Trotz ein gutes Maß an geistlicher Freiheit in die kirchliche Erstarrung hinein zu bringen vermochten. Eine ganze Reihe von wiedergeborenen, geistlich empfindenden, mutigen Pfarrern befand sich darunter, die ihre Kirchen für geistliche Aufbrüche offen gehalten haben. Aber auch sie vermochten tragischerweise nicht, die Decke ganz zur Seite zu tun, unter die sie sich selbst mit ihrer Ordination begeben hatten (vgl. 2Kor 3. 1 - 18, 4. 3 - 6). Und die, die mit dieser Decke brachen, wurden aus dem Dienst entlassen und verloren damit ihre Existenz. So ist es bis heute geblieben.
Jene
aber, die bleiben, die Kirche jedoch geistlich erneuern wollten, sahen sich
zuweilen dem Vorwurf ganz besonderer „Bösartigkeit” ausgesetzt. Wer auch immer
es wagte, alle diese Kirchenlehren von ihrer Grundsubstanz her
in Frage zu stellen und dies auch öffentlich zu machen
versuchte, der wurde meist nicht nur „betont nicht
verstanden”. Recht schnell, oft mit geradezu pawlowschem
Reflex, und unnachgiebig wurden solche in die Ecke „böser
Sektierer” gestellt, wurden mit stetem Fleiß gemobbt und
gemieden, und es wurde eigentlich alles unternommen, was sie
als unmöglich erscheinen lassen und für diese Gemeinschaft
untragbar darstellen könnte, um sie endlich loszuwerden. Waren
sie gegangen, konnte man wiederum gegen sie vorgehen und
behaupten, daß sie gegen die Einheit der Kirche, was immer man
darunter verstehen mochte, gesündigt hätten, ja „vom rechten Glauben
abgefallen” seien. Jedes Mal lieferten
die lutherischen Bekenntnisschriften dazu die lehrmäßige
Grundlage und entlarvten sich damit als die „Satzungen der Ältesten und
Schriftgelehrten”, die Jesus so sehr
verurteilt hatte, weil sie das Wort Gottes regelmäßig an die
Seite drängten, zugleich aber den Anspruch erhoben, Ausdruck
dieses Wortes zu sein. Damit wiederholte sich dieselbe
Verfolgung, der schon der Sohn Gottes ausgesetzt war, ein
weiteres Mal, und zeitigte dieselben Ergebnisse. Daß sich
zuweilen auch wiedergeborene Kinder Gottes innerhalb der Kirche an
dieser Hatz beteiligt haben, macht die Sache umso tragischer,
weil dies etwas von der Bindekraft aufzeigt, die all diesen
Menschenlehren innewohnt, unter die sie sich selbst begeben
haben. Nicht wenige sind durch den Druck, dem sie ausgesetzt
waren, auch verleitet worden, ihre Erkenntnis wieder zu
verleugnen und die Geschwister, die ihr treu geblieben waren,
zu bekämpfen. Als man diese endlich dahin getrieben hatte, daß
sie die Kirche (manchmal sehr widerstrebend) verließen und in
der Konsequenz eigene Gemeinden gründeten, war es zu spät. Das Kind war „in den Brunnen gefallen” und die Spaltung vollzogen. Nun
aber wetterten jene, die zu großen Teilen die Ursachen dieser
Spaltungen erst gesetzt hatten, erst recht gegen sie. Ein
Schelm, der Böses dabei denkt.
Spaltungen entpuppen sich als Irrweg
Ist der Weg des Gründens eigener Gemeinden grundsätzlich falsch gewesen? Trotz der oben angesprochenen Umtriebe meine ich ja, und ebenso gewiß erscheint es mir, daß wir, die wir diesen Weg gegangen sind, viele der eigenen Fehlhaltungen und Vernachlässigungen lediglich „vergeistigt” und „den anderen” angelastet haben. Der Weg, die Fehler der jeweils anderen Seite zum Verbergen der eigenen Unzulänglichkeiten zu benutzen, um sich vermittelst dieser selbst zu profilieren und somit seine eigene „Geistlichkeit” herauszustellen, ist bis heute auf beiden Seiten erkennbar. Anhand dieser bis heute offen zutage tretenden Unreife erkennen wir nur zu deutlich, was aus diesen Gründungen jener Zeit entstanden ist an Entzweiungen unter Brüdern, Verwerfen der Väter, Sektenbildungen, zweifelhaften Praktiken, falschen Geldlehren, unbiblischem Leiterschaftsgebaren, mitunter ausuferndem Hochmut und entsprechenden vielfältigen geistlichen Mißbräuchen, um die wohl wesentlichsten zusammenzufassen. Man sieht in diesen Strukturen förmlich, wie sehr ihre Urheber geistliche Dinge an sich gerissen haben ohne jegliches Fundament. Dieses Fundament aber besaßen viele der Väter, die in der Kirche geblieben waren, durchaus. Heute ergibt sich für mich die Frage, was anderes dabei herauskommen soll, wenn der Mensch das Zepter in die eigene Hand nimmt, statt auf den Herrn zu warten, und die Warnungen der Alten dabei in den Wind schlägt. Es bleibt im Rückblick aber auch die ebenso wichtige Frage, ob jenen Geschwistern damals überhaupt eine andere Option übrig geblieben wäre. Wir sagen eben nicht, daß dieser Weg richtig gewesen sei. Aber manchmal kann auf falsche Vorgaben nicht anders als nur falsch reagiert werden. Leider hat man in der Kirche bis heute aus diesen Dingen kaum etwas gelernt. Wohl ist man nicht mehr ganz so schnell dabei, solche Brüder aus der Kirche zu entfernen. Das gilt dann aber auch nur so lange, wie sie für die von ihnen erkannte Wahrheit nicht auch einstehen und sie offen bezeugen. Und so lastet man dieselbe Spaltung heute wieder einseitig nur jenen an, die schon damals nach der Wahrheit fragten, und stellt sich selbst mit „weißer Weste” dar. Den Herrn der Wahrheit, dessen Augen tiefer sehen, als wir Menschen je werden erahnen können, vermag dies allerdings nicht zu beeindrucken.
Ich sehe also nicht, daß das Grundproblem der Entzweiung, das sich ja ganz wesentlich auch an der Tauflehre entzündet hatte, gelöst wäre. Im Gegenteil – man hat dem damals bestehenden noch viele andere hinzugefügt, und dies geschah durchaus auf beiden Seiten. So hat man dafür gesorgt, daß man selber nicht geistlich weiter kommt. Nun ist es gut, wenn man endlich wieder miteinander redet und auch das geschwisterliche Miteinander entsprechend pflegt. Überhaupt ist die gegenseitige Anerkennung als Geschwister, die etwas von Gott empfangen haben, die wesentlichste Grundvoraussetzung dafür, daß wir als solche auch wieder zusammenfinden. Allerdings kann die Problematik nicht gelöst werden, indem man die Unklarheiten, die auf beiden Seiten bestehen, dabei einfach nur unter den Teppich kehrt. Ich selbst bin nach Irrwegen, die ich hierbei gegangen bin, und nach langem und schmerzlichem Zerbruch zu der Erkenntnis gekommen, daß die Gründung „eigener” so genannter „Gemeinden” verworfen werden muß, weil diese Gründungen lediglich scheingeistliche Sekten hervorgebracht haben, die das Fleisch bedient und die Trennung gefördert haben (1Kor 1. 10ff, 3. 1 - 4), während sie mit dem Begriff der ekklesia (w. Herausgerufenen) des Neuen Testaments nichts zu tun haben, da es sich dabei durchweg um eigene, weltliche Gründungen handelt, zu denen wohl Menschen riefen, aber nicht der Herr Selbst gerufen hat. Wiewohl man sich dabei mit Fleiß auf die Bibel berief, und wiewohl man die in ihr erwähnten (überdies noch nicht einmal überall einheitlichen) gemeindlichen Strukturen nachzubauen suchte, ist mit solchen Gründungen doch ein falsches Fundament errichtet worden, da einen anderen Grund niemand mehr legen kann, denn dieser Grund ist längst gelegt und der ist Christus allein. Es ist ein Trugschluß zu glauben, daß ein bloßes „Anwenden” von Bibelversen genüge, um das vermeintlich Rechte zu tun, und das umso weniger, wie diese dem Zusammenhang entrissen und auf das eigene menschliche Maß unserer gewiß unvollkommenen Erkenntnis heruntergezogen worden sind.
Im Nachhinein erkenne ich, daß
diese Entzweiung hätte vermieden werden können.
Welcher Zacken wäre wohl aus der Krone der „Kirchenfürsten” gefallen, wenn sie Täufer
und Befolger der kirchlich überkommenen Tauflehre in ihrer
Kirche nicht voneinander getrennt, sondern beieinander
gelassen hätten? War es denn wirklich so schwer, einander die
Rechtschaffenheit einmal nicht abzusprechen, sondern einander
so zu akzeptieren, wie man war? Hätte man denn nicht warten
können, bis der Herr das Rechte würde Selbst offenbaren
können? Konnten wir – um es mit den Worten des Herrn zu
sagen – wieder einmal nicht warten „bis zur Ernte”? Diese Fragen treffen beide
Seiten. Sie zeigen aber auch, daß die alte
pharisäische Tradition, durch Menschenlehren das Wort Gottes
außer Kraft zu setzen, nach wie vor ungebrochen ist. Damit
aber wird deutlich, daß dieselben nicht geklärt werden können,
indem die „ach so bösen Wiedertäufer” reumütig einfach in den
Schoß der „Mutter Kirche” zurückkehren, das Erkannte
(soweit es richtig war) verleugnen und alles für richtig
erklären, was diese tut. In der Tat hat es solche Bestrebungen
eines Wiedereintritts gegeben. Auch der Schreiber dieser Sätze
hat lange an diesem Gedanken getragen. Ein Wiedereintritt ist bis zur
Stunde jedoch zwingend
an die Anerkenntnis kirchlicher Tauflehren gebunden, womit
ein solcher denen, die ihre Erkenntnis aus Gewissensgründen
nicht verleugnen wollen und können, zumindest erschwert,
wenn nicht unmöglich gemacht wird. [15] Diese Wunden können jedoch
nur durch beiderseitige, demnach allen gemeinsame Umkehr und
Rückkehr zur Wahrheit des Wortes Gottes geschlossen werden.
Ich bin mir freilich bewußt, daß dies in der großen Masse
nicht geschehen kann. Weder die Kirche, noch die Ausgetretenen
werden gruppenmäßig umkehren (die Wahrheit ist, daß alle diese
Strukturen abgetan werden); es betrifft einzelne, die Gottes
Ruf hören werden, so schmerzlich dies auch ist; mit der Frage eines Ein- oder eines Austritts,
bezüglich welcher Kirche oder Gruppierung auch immer, hat
dies nichts zu tun, sondern mit einem hörenden Herzen Gott
gegenüber.
Angesichts der sonst üblichen relativistischen Tendenzen, wenn
es um die Wahrheit geht, wäre es an der Zeit, daß die Kirche
ihre starre und und unnachgiebige Haltung in dieser Frage
überdenkt und auch im Taufverständnis, auch wenn es der
(vermeintlich) „reinen lutherischen Lehre” widerspricht, einen
gewissen Pluralismus, in biblischen Bahnen freilich, zuläßt.
Hierzu gehört auch die Akzeptanz solcher Geschwister, die man
als „Wiedertäufer” bislang noch diffamiert und
ausgegrenzt hat. Diese Diffamierung ist ein ganz zentrales
Teil jenes unrühmlichen Erbes, das ich weiter oben als „Flucherbe
der Reformation” bezeichnet habe. Wir müssen endlich über diese
Dinge reden und auch einmal Widersprüche aushalten, statt
einander auszuschließen!
Laodizäa
Hier
haben wir nämlich die Situation vorliegen, daß der Herr vor der Tür steht und
anklopft, damit der, der
Seine Stimme hört, diese Tür zu Ihm öffnet, damit der
Herr zu ihm eingehen und das
Mahl mit ihm halten könne (Off 3. 20). Es ist die Situation Laodozäas,
das den Schatten und das Vermischte so sehr liebt, daß es
weder heiß noch kalt zu sein vermag (V. 15). Laodizäa (grie. laodikeia=volksgerecht)
ist geistlich gesehen der Ort, an dem die Mehrheit darüber
befindet, was Recht und was Unrecht ist. Man befragt also
nicht mehr den Herrn, sondern das Volk, und sucht dessen
Meinungsbildungen höchstens noch im Nachhinein, wie man sagt,
„biblisch zu begründen”. Schon Paulus hat den
Galatern jedoch unmißverständlich klar gemacht, daß das von
ihm verkündete Evangelium nicht den Menschen gemäß ist, und
verwahrte sich gründlich gegen die Idee, daß er, falls er ein
solches „dem Menschen entsprechendes” predigte, noch Christi
Knecht wäre (Ga 1. 10). Einige mögen diese „Volksgerechtigkeit” noch als „Demokratie”
begrüßt haben. Eine solche aber gibt es im Reiche Gottes
nirgendwo, und die Wahrheit ist, daß dies nicht einmal in eine
solche mündet, sondern konsequenterweise in einer
Ochlokratie, einer Herrschaft des Pöbels enden muß, in der
jeweils diejenigen Recht bekommen, die am lautesten und
durchschlagendsten ihre Ansichten kund zu tun vermögen. Dem Herrn ist diese Situation
zuwider, und so droht Er Laodizäa mit Seinem Munde
auszuspeien (Off 3. 16). Denen, die Gott lieben, aber
noch in dieser Vermischung gefangen sind, kann nur noch mit
göttlicher Züchtigung geholfen werden (V. 19).
Hier geht es eben nicht mehr darum, den Herrn anzunehmen, ist Laodozäa doch eine Gemeinde (grie. ekklesía=Herausgerufene), die einst den Herrn angenommen hatte, was ja auch die entsprechende Abkehr von der Welt beinhaltet haben mußte. Es geht auch nicht darum, immer wieder noch eine „neue Gemeinde” zu gründen, die vorgeblich „alles richtig” macht. Denn damit wird das Problem eigenen Tuns nicht gelöst (wie wir gesehen haben), sondern unter anderem Vorzeichen lediglich fortgesetzt und verschleppt, und viele weitere, die durchweg mit Sektenbildung zu tun haben, werden geschaffen. Der Inhalt des „Anklopfens” unseres Herrn besteht vielmehr in dem Ruf, aus Vermischung auszugehen, die Laodizäa angenommen und dann auch von ihrem ganzen Wesen her so sehr gekennzeichnet hat. Wenn wir nun analog zu Laodizäa auch bezüglich der Auseinandersetzung mit den kirchlichen Tauflehren davon sprechen, daß nur einige davon ausgehen werden, dann hat das zwar etwas mit dem entsprechenden Sendschreiben zu tun. Es ist nun aber nicht so, daß wir uns darauf ausruhen dürften, als ob uns diese Angelegenheit gerade nichts anginge.
Denn wenn auch nicht alle hören werden, so ist doch klar, daß der Herr alle ruft; wer Seine Stimme hört, der hat Seine Verheißung gewonnen, so daß er mit Ihm dann auch das Mahl (d. i. im Endresultat das Hochzeitsmahl des Lammes) feiern darf; wer aber in Laodizäa bleibt, der bleibt zu seinem eigenen Schaden, weil er unter Gericht kommt, wie sich dies aus dem neunzehnten Vers ergibt. Tatsächlich wird dieser Starrsinn viel Leiden ergeben, weil nur so diese Dinge, den Schlacken im Silber des Schmelzers gleich, geläutert werden können (vgl. Ja 5. 1 - 6). Solche „Schlacken” gibt es unter uns deren viele. Wir müssen einfach realisieren, daß die entsprechenden Irrlehren gottwidrige Vermengungen von Gutem mit Bösem darstellen (vgl. 1Mo 2. 9, 16 - 17) und daher wesensmäßig als Sauerteig zu bezeichnen sind. Es ist die Krux vieler gewiß ehrlich gesonnener Geschwister, daß sie diese Dinge irgendwie doch noch mit dem Wort zu vereinbaren suchen, um die Einheit mit ihrer Kirche unter allen Umständen aufrechtzuerhalten. Dies geschieht jedoch auf Kosten der Wahrheit, und da das Fleisch immer gegen den Geist streitet und der Geist gegen das Fleisch, bleiben diese gewiß gut gemeinten Bemühungen eine Illusion (Ga 5. 16, 17). Sauerteig kann man nicht reformieren; er durchsäuert vielmehr auch all das Gute, das noch vorhanden ist (Ga 5. 9). Damit aber wird das einstmals Wertvolle unbrauchbar, weil es selbst zu Sauerteig geworden ist. Darum war Sauerteig etwas, was in dieser Frage unbedingt zu meiden war – von Anfang an, und zwar als ewige Ordnung für alle Generationen, was damit nicht nur für das Israel des Alten Bundes gilt (vgl. 2Mo 12. 1 - 20).
Auch bei
Paulus stehen die Einsetzungsworte zum Herrnmahl, das auf
obiger Ordnung fußt, direkt im Zusammenhang mit dem Ausgehen
aus Vermischung mit Heidnischem (1Kor 10. 14 - 22). Denn das
mit dem Mahl in direktem Zusammenhang stehende Passahfest soll
ja begangen werden durch Auskehren des alten Sauerteigs, „wie ihr ja als Heilige
ungesäuert seid” (s. 1Kor 5. 6 - 8). Bis heute sagt die Schrift klipp und klar,
daß aus Sauerteig auszugehen ist (Mt 16. 6ff, Mk 8. 15, Lk 12.
1 usw., 1Kor 5. 6 - 8; siehe auch 2Kor 6. 14 - 7. 1). Die
Verbindung des Herrnmahls sowohl
mit dem Feiern des Passah (s. o.) als auch der Einheit des
Leibes (1Kor 10. 16 - 17, 11. 17 - 34) zeigen, daß – neben der geschwisterlichen
Liebe und Fürsorge füreinander – auch das Ausgehen aus allem Sauerteig eine
Grundvoraussetzung für die Einheit des Leibes Jesu ist. Nicht
umsonst ist ja die Einheit des Glaubens erklärtes Ziel; darum
gibt Gott diesem Leib auch die entsprechenden Gaben mit, ohne
deren Mitwirkung der Irrtum planmäßig gemacht würde und der
Leib, in solchem Irrtum befangen, nicht vollendet werden kann
(Eph 4. 13 - 16). Wohlbemerkt,
sind die hier besprochenen Lehren Sauerteig und nicht die
Geschwister, die vielleicht noch in diesen Lehren hängen.
Wir müssen die falschen Lehren hinauswerfen und zugleich
einander gewinnen und herzlich lieben. Und doch werden wir nicht darum herumkommen, auch diese Arbeit des Trennens von
Lüge und Wahrheit, von Schein und Sein zu vollbringen, gerade auch bezüglich der
Taufe. Sie muß getan
werden; es gibt für uns keine andere Möglichkeit. Dazu
beizutragen, sei die vorliegende Schrift, in der wir
kirchliche Auffassungen dem Wort der Schrift jeweils
gegenüberstellen wollen, ein Versuch.
„Quo Vadis”, so haben wir dieses Kapitel genannt. Diese
Frage gilt nicht nur dem Bereich der äußerlich verfaßten
Kirche oder denen, die in ihr geblieben sind. Sie gilt
gleichermaßen auch allen denen, die sich von ihr getrennt
haben und seither eigene Wege gegangen sind. Insofern stehen
wir alle an einem Scheideweg, auf dem die Spreu von dem Weizen
getrennt werden wird, und wir wären die größten Toren, wenn
wir glauben wollten, daß diese Trennlinien auch nur
ansatzweise etwas mit den von uns oft so fleißig gehüteten
Denominationsgrenzen zu tun hätten.
| Inhalt |
Einführung |
Anmerkungen | Download |
< Die Gabe und der Raub | Die Versammlung Gottes > |
Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe
Ein
väterlicher Freund, mit dem ich geistlich durchaus verbunden
bin, obwohl er der Säuglingstaufe anhängt, bedeutete mir
einmal, daß wir über die Taufe nicht diskutieren müßten, da es
„nur eine Taufe” gäbe. Wer sich also „ein weiteres Mal” (so
seine Auffassung) taufen ließe, gebe damit diese eine Taufe
des Neuen Bundes auf; eine zweite Taufe aber „mache der Herr
nicht mit”, so daß wir durch diese irregeführt und damit ein
Raub der Dämonen würden. Diese Worte sind mir sehr
nachgegangen, so daß ich mich veranlaßt sah, nachzusehen, ob
diese einer Überprüfung anhand der Heiligen Schrift würden
stand halten können. Grundsätzlich sind sie voll und ganz zu
bejahen. Doch vor dem Hintergrund der von ihm vertretenen
Säuglingstaufe kam ich zu keinem anderen Schluß als dem, daß
sie in der Form, in der er sie vortrug, eine Mischung aus
Wahrem und Unwahrem enthalten mußten. Gerade darum, weil sie
nicht differenzieren wollten, was Taufe ist und was nicht,
erwiesen sie sich nicht nur als irreführend, sondern auch als
ein sich selbst gesprochenes Gericht. Wahr sind sie
unzweifelhaft dann, wenn wir tatsächlich mit der Taufe des
Neuen Testamentes getauft worden sind; unwahr aber sind sie
dann, wenn die als Taufe benannte erste Handlung keine
wirkliche Taufe nach dem Willen Jesu Christi war. Es besteht also ein signifikanter
Unterschied zwischen einer Taufe
bzw. einer Taufberichtigung
auf der einen Seite, wie sie auch das Neue Testament kennt
(vgl. Apg 19. 1 - 7) und einer Wiedertaufe (nochmaligen Taufe) auf der
anderen Seite.
Wenn wir
also die unbiblischen Taufgebaren und entsprechenden Irrlehren
der Kirche in diesem Sektor kritisieren, dann geht es darum,
diese Dinge in Lehre und Praxis zu berichtigen und nicht
darum, Menschen, die schon getauft sind, nochmals zu taufen.
Eine solche Handlung, die die neutestamentliche Taufe ersetzen
oder ihr etwas hinzufügen wollte, wäre tatsächlich ein Werk
der Finsternis, weil sie zu etwas anderem führte als zu dem,
was der Herr gesagt hat. Insofern wird diese Unterstellung dem
Unterstellenden tatsächlich selbst zum Gericht. Hier tritt das
Wort in Kraft, nach dem der, der die Erkenntnis der Wahrheit
ablehnt, ein Opfer von Verführung wird, die in sich selbst
wirkt (2Thes 2. 10 - 12). Denn es ist eine grobe Anmaßung und
ein Kennzeichen entsprechender Verblendung, nicht nur von
einer solchen Pseudo-Ersatzhandlung als von einer Taufe zu
sprechen, sondern dieselbe obendrein auch noch zur Basis
geistlicher Einheit zu erklären. Hier bauen gleich mehrere
Lehrgebäude aufeinander auf, wird Richtiges mit Falschem
verwoben. So entsteht ein unter dem Etikett biblischer
Rechtgläubigkeit agierendes Schaustück diabolischer
Irreführung par excellence, mit dem zugleich all jene wirksam
ausgegrenzt werden, die anhand der Bibel zu anderer Erkenntnis
gelangt sind. Natürlich bestand auf Seiten des Bruders hierzu
keinerlei Absicht, und die soll ihm auch nirgendwo unterstellt
werden. Es geht jedoch darum, den geistlichen Hintergrund zu
beschreiben und die Finsterniswelt zu entlarven, die diese
Irreführung bewirkt. Wir wollen aber doch einmal die Stelle
lesen, die der Bruder zur Grundlage seiner Erklärungen gemacht
hatte.
|
Ich spreche euch nun zu – ich, der Gebundene im Herrn,
würdig der Berufung zu wandeln, zu der ihr berufen
wurdet, mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld
einander ertragend. Befleißigt euch, die Einheit des
Geistes durch das Band des Friedens zu halten: Ein
Körper und ein Geist, so wie ihr auch zu einem
Erwartungsgut eurer Berufung berufen wurdet; ein Herr, ein Glaube,
eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der
über allen ist und durch alle und in allen wirkt. Eph 4. 1 - 6
|
Die hier
beschriebene Reihenfolge – ganz offenkundig ist es eine –
kommt nicht von ungefähr. Sie bedeutet im Grunde nichts
anderes, als daß wir nur über
den Weg des einen Herrn auch zu dem einen Glauben und damit schließlich zu der
einen Taufe werden
finden können, die das Neue Testament lehrt. Wir kommen also
nicht zu dem einen Herrn „über den Glauben an die eine Taufe”,
wie der Bruder behauptete, sondern nur von dem einen Herrn
über den einen Glauben auch zur einen Taufe. Wer immer einen „Glauben an eine Taufe” verkündigt, auch wenn er
dies explizit nicht so ausdrücken mag, der steht wenigstens in
der Gefahr, den Glauben an den Herrn in einen „Glauben an die Taufe” zu verkehren. Genau hierin liegt auch der große
Pferdefuß lutherischer Verkündigung, der zeigt, daß Luther
sich nie wirklich vom katholischen Sakramentsglauben, dessen
Wurzeln freilich schon bei Augustinus zu finden sind, hat
lösen können, sondern ihn – unter eigenem Vorzeichen freilich – lediglich fortgeführt
hat. [16] Damit aber wird ein solcher „Glaube” zu einem
Götzendienst in „christlichem” Gewand, der den Herrn aus
der Mitte drängt und den Weg für allerlei „magische” Vorstellungen ebnet, von
denen die, nach der die Taufe uns vorgeblich zu Kindern Gottes
mache, die wohl signifikanteste sein dürfte. Nein – erst kommt der Herr, der Sein Wort ergehen läßt;
dann kommt der Glaube an diesen Herrn aufgrund Seines
Wortes; und diesem Glauben folgt schließlich die Taufe, die
letztlich ein Ausdruck dieses Glaubens ist. Dies
betrifft sowohl die Stellung der Taufe an sich als auch die
Einheit in dieser selben Frage. Denn wir sehen ja im folgenden
Vers, daß genau diese Angelegenheit, so sie bei allen Gliedern
des Leibes stimmig ist, zu der Anschauung des einen Gottes und
Vaters führt, der dann nicht nur gleichermaßen über allen ist,
sondern zugleich auch durch alle und in allen wirken kann,
nach dem Reichtum Seiner Gnade. Die Frucht dieser Einheit, die
eine organische Einheit ist nicht nur des einzelnen Gliedes
zum Haupt, sondern auch den Gliedern untereinander, ist die
Auferbauung aller durch alle, die zur Vollendung des
Christusleibes führt, wie Paulus dies in der Fortsetzung
desselben Themas zeigt (Eph 4. 13 - 16).
Wenn es
also nur diese eine Taufe
gibt und die Akzeptanz dieser einen Taufe als Bestandteil des Bandes des
Friedens, das den Leib zusammenhält, für die Einheit
so wichtig ist, wie wir sahen, dann kommen wir also nicht
umhin, genau diese Arbeit zu tun, die der Bruder nicht tun
wollte. Wir können den Weg nicht abkürzen; daher müssen wir
eindeutig klären, was diese eine Taufe des Neuen Testamentes
ist, was sie auszeichnet und was sie bedeutet. Aus solcher Klärung ergibt
sich dann, was Taufe nicht ist, was sie nicht auszeichnet und
was sie demnach auch nicht bedeutet. Darum müssen wir uns mit
den entsprechenden Lehren beschäftigen,
denn wir sahen ja, daß wir von dem einen Glauben an den einen Herrn her kommen
müssen, wenn wir zu der einen Taufe – d. h. nicht nur zur
Taufe selbst, sondern damit auch zu der Einheit in Tauffragen
– gelangen wollen. Nur so können wir diese eine Taufe von
allen anderen Lehren und Handlungen, die der Einheit des
Leibes im Wege stehen, trennen. Denn daß wir eine Einheit
bekämen, ohne diese Dinge aus unserer Mitte zu tun, wäre
gerade aufgrund des oben angeführten Wortes eine Illusion.
Auf der
anderen Seite aber dürfen wir uns dennoch mit allen jenen eins
wissen, die Jesus lieben und durch Seine Gnade zum Glauben
durchgebrochen sind, auf welchen, manchmal verschlungenen,
Lebenswegen dies auch immer geschehen sein möge. Dabei ist es
völlig belanglos, wie diese Geschwister nun benannt werden
oder sich selbst benannt haben, und ebenso unwichtig in dieser
Frage ist es, welche Lehre diese vorziehen mögen und welche
nicht, solange diese eine große Frage unseres Einganges ins
Gottesreich geklärt ist. Bei allen Unterschieden in der Art
und Weise, in der Gott uns geführt haben mag, wissen wir doch
um den einen Weg zum
Heil, neben dem es keinen anderen gibt. Wer wiedergeboren ist,
der ist uns zum Bruder und zur Schwester gesetzt, und wir
haben dies anzuerkennen, weil es das Werk Gottes ist, und
dabei ist es ganz gleich, aus welcher Kirche, Denomination
oder Gruppierung dieser Bruder oder diese Schwester nun kommen
mag. Anzunehmen haben wir demnach auch all das Richtige und
Gute, was Gott den Geschwistern in den verschiedenen
Denominationen gegeben hat, und das umso mehr, als wir bei uns
selbst einen Mangel darin erkennen. An Mängeln gibt es bei uns
deren viele. Wer wirklich von Gott ergriffen ist, der wird nur
danken können angesichts eines Bruders, der etwas von Gott zu
überbringen hat. Dabei ist es herzlich gleichgültig, aus
welchem Stall dieser Bruder kommt. Ich freue mich wie ein
Kind, wenn ein Bruder aus der Kirche ein biblisches Kapitel
vollmächtig auslegt. Ebenso genieße ich die Stille in
katholischen Kirchen, in der ich beten kann. Wir alle, die wir Gott lieben,
haben etwas von Ihm, jeder auf seine Weise, und wir gehören
alle zusammen. Und dennoch kommen wir nicht umhin, zu
den Wahrheiten zu stehen, die wir erkannt zu haben glauben.
Das eine nennt die Bibel Bruderliebe, das andere Treue, beides
aber hat etwas mit Demut und Wahrheitsliebe zu tun, und ein
göttliches „Wehe” träfe uns, wenn wir alle
diese Tugenden gegeneinander auszuspielen gedächten. Diese
Spannung aushalten zu können – und es gilt sie auszuhalten –
dürfen wir mit Fug und Recht als ein Merkmal gereiften
Christseins bezeichnen.
Daraus
ergibt sich noch ein Zweites. Bislang ist allen denen der
Wille zur Spaltung unterstellt worden, die die Wahrheit in der
Tauffrage gesucht und in der Taufe selbst auch gefunden haben.
Unser obenstehendes Wort aus Epheser 4 zeigt, daß dieser Anwurf nicht nur keinerlei
Substanz hat, sondern in
sich selbst Spaltungen hervorruft und zementiert,
indem sie denen, die bestimmte Entwicklungen anhand der Bibel
kritisieren, den Willen zur
Spaltung darum unterstellen, weil sie diese Kritik üben, und
sie damit als geistliche Parias, mit denen man besser keinen
Umgang zu pflegen hat, zur Seite setzen. Anhand der
Perfidität solcher Anwürfe wird spätestens jetzt deutlich,
woher die Spaltungen in dieser Frage kommen. Sie rühren eben
nicht daher, daß man die biblische Wahrheit von der Taufe
wieder herauszuarbeiten und entsprechend umzusetzen sucht,
sondern eindeutig daher, daß man andere Lehren darüber in die
Welt setzt oder diese Lehren und auch die entsprechenden
Praktiken befördert und damit Dinge – um jeden Preis, also
auch den der Einheit – verteidigt, die nicht in der Bibel
stehen. Dabei ist es völlig unwesentlich, wie lange diese
Dinge schon Bestand haben und welche namhaften Kleriker sie
einst für richtig befunden haben. Nicht umsonst erwähnt Paulus
unbiblische Lehren als spalterisch, wenn er eindringlich vor
denen warnt, die „neben der Lehre, welche ihr lerntet, Zwistigkeiten
und Fallstricke verursachen”, und überdies gebietet, solche zu meiden (Rö 16.
17; s. a. Kol 2. 8, 2Thes 2. 15). Die „Lehre, welche ihr lerntet” – wobei das Wort „ihr” ganz offensichtlich für die
hier angesprochenen Römer steht – aber ist eine signifikant
andere als die, die man uns heute aufgetischt hat. Insofern
ist die einfache Übernahme dieses Wörtchens, als gelte es
allein darum schon uns, weil wir es lesen, Betrug. Es geht
nämlich um die Einheit in
der Lehre der Apostel und nicht um eine solche, die
in der Aufrechterhaltung von Kirchenlehren bestünde, wie alt
diese auch immer sein und wie sehr sie sich auch durchgesetzt
haben mögen.
Ein anderer Bruder beklagte sich mir gegenüber denn auch angesichts der vielen Sonderlehren, die jenseits der Kirche entstanden seien, und bezog sich dabei auch auf die biblische Tauflehre. Damit aber verwechselte er Licht und Schatten. Denn Sonderlehren sind zweifellos all jene, die in der Bibel nicht zu finden sind. Wenn wir mit Paulus sagen, daß es bezüglich der Taufe im Wasser nur eine Taufe gibt, dann ist es auch notwendig, an dieser einen Taufe festzuhalten, damit die Einheit und Unversehrtheit des Leibes Christi gewährleistet werden kann (Eph 4. 1 - 5). Daß dieses Festhalten in der Majorität nicht geschehen ist, sondern ein Abweichen von dieser einen Taufe zu anderen so genannten „Taufen” oder „Taufformen” hin stattgefunden hat, die in der Schrift nirgendwo bezeugt sind, ist eine der Hauptwurzeln der Spaltung des Leibes Jesu in Denominationen. Die Rückkehr zur Einheit wird also niemals geschehen können durch eine falsch verstandene „Toleranz” (technisch gesehen: Abweichen von der Norm), nach der „alles gleich” angesehen werden könne, sondern einzig und allein durch eine Umkehr zu der Offenbarung (der „Norm”) des Neuen Testamentes gerade auch in dieser Frage. Nicht jene betreiben also Spaltung, die diese Umkehr befördern wollen, indem sie die Dinge richtigzustellen suchen, sondern jene betreiben Spaltung – und das oft genug unter „ökumenischem” Deckmäntelchen – die diese Rückkehr verweigern und durch allerlei wohlfeile theologische „Winkelzüge” und Vermischungen unterbinden wollen. Dazu gehören auch die Ausgrenzungen solcher Brüder, die diese Dinge auszusprechen wagen, weil sie an ihr Gewissen gebunden sind. So tut man alles, nur damit die „Decke” erhalten bleibt und das Licht der Offenbarung nur ja nicht durchkommt, womit man sich zu einem Werkzeug des Teufels hat machen lassen (2Kor 3. 12 - 16 und 4. 3 - 4).
Vielleicht bemerkt der Leser etwas von dem inneren Schmerz,
der in all diesen Auseinandersetzungen mitschwingt, weil es
darin nie darum ging, sich von den Brüdern zu trennen, sondern
darum, die falschen Lehren endlich hinauszutun, wenigstens
aber sanktionsfrei sagen zu dürfen, daß sie falsch sind. Die
Säuglingstaufe ist nirgends überliefert als allein in den
Arsenalen der Kirchengeschichte. Anders als deren Vertreter
behaupten, sind die Spaltungen, die sich an ihr festmachen
lassen, nämlich nicht neu, sondern Jahrhunderte alt. Sie sind bereits entstanden, als
man sich von der Wahrheit des Wortes Gottes immer mehr
abwandte und zu Zwecken politisch-religiösen Machterhalts
und Einflusses eigene Wege beschritt. Was lag da
näher, als in den „christianisierten
Gebieten” schon die Kinder zu taufen,
sie somit gleich nach der Geburt zu Kindern Gottes zu
deklarieren und
damit möglichst große Menschenmassen von vornherein der Kirche
einzuverleiben? Das ist eine eindeutig satanische, niemals
aber göttliche Vorgehensweise, denn Gott übergeht den Menschen
nicht und respektiert immer seine eigene Entscheidung – selbst
dann, wenn sie ihn ins Verderben führen würde.
Sowohl das Alter als auch die Verbreitung dieser Irrlehren tut der Tatsache, das es sich dabei um eine durch Sonderlehren angerichtete Spaltung (eigentlich einen Riß, ein Schisma) handelt, keinen Abbruch. Die neutestamentliche Lehre ist die ältere, ursprüngliche, vom Geist Gottes eingegebene, an die wir uns zu halten haben. Die Wahrheit wird weder durch Mehrheitsentschluß entschieden, noch kann sie auf menschlichem Wege, durch theologische Gremien etwa, verfügt werden. Sie kann nämlich nicht mehr entschieden werden, da sie längst besteht und anhand des Wortes Gottes sowohl erkannt als auch anerkannt wird. Wir sind also entweder auf der Seite der Wahrheit oder auf der Seite der Lüge, demnach auf Seiten des Herrn Jesus, der Sich Selbst als „die Wahrheit” bezeichnete, oder auf Seiten dessen, den derselbe Herr als den „Vater der Lüge” bloßgestellt hat (Jo 14. 6 und 8. 44). Beides ist nicht nur unvereinbar, sondern einander feind bis auf den Tod. Wie bei jeder Wahrheit, so gilt also auch hier, daß der Druck in dem Maße zunehmen wird, je mehr man den Deckel über dieser ganzen Sache geschlossen hält. Die Wahrheit und das Leben Gottes, das im Neuen Testament aus gutem Grunde nicht nur schlechthin als „ewig”, sondern auch als „unvergänglich”, wörtlich: „unertötlich” (athanasion) beschrieben wird, werden sich stets einen Weg zu bahnen wissen. Das Wort bedeutet durchaus mehr als ein Bestehen über den körperlichen Tod hinaus. Es hat immer treue Seelen gegeben, die trotz der sich alsbald erhebenden kirchlichen Verfolgung, die über lange Zeiten hinweg eine schwere und blutige war, an der Taufe des Neuen Testamentes festgehalten und die entsprechenden Irrlehrer, der Weisung des Apostels gemäß, verworfen haben. So sind es also nicht diese, die die Spaltungen angerichtet haben, sondern jene sind es, die weiterhin an Dingen festhalten, die nicht in der Schrift stehen und darüber nicht gewillt sind, Buße zu tun. Mit dieser Haltung geben sie letztlich auch den Ketzergerichten recht, die im Verlaufe der Kirchengeschichte über jene Treuen verhängt worden sind, und kreuzigen damit den Herrn ein weiteres Mal. Dadurch stehen sie dem Wachstum und der Vollendung des ganzen Leibes Jesu nicht nur im Wege, sondern versuchen ihn nach Kräften zu unterbinden. Damit aber haben sie sich zu Werkzeugen des Bösen machen lassen.
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Dieses
Thema mag als herausfordernd formuliert empfunden werden. Wenn
ja, dann ist das auch beabsichtigt. Denn in der Tat finden wir
eine solche Lehre, wenngleich man sie mit Schriftstellen zu
untermauern versucht hat, nirgends in der Bibel. Die
Taufbundlehre ist jedoch wie geschaffen für die
volkskirchliche Tradition der Säuglingstaufe, mit der sie sich
ihren Bestand über Jahrhunderte hinweg gesichert hat.
Abgesehen davon, daß nach biblischer Lehre zumindest zu
bezweifeln ist, ob es sich bei diesen Handlungen überhaupt um
Taufen im originären Sinne handelt, besagt sie im Grunde
nichts anderes, als daß Gott Sich mir „in der Taufe” zugewandt
habe und ich diese Taufe darum nur noch als „gültig”, d. h. als eine
Handlung, die mich bereits ins Reich Gottes hineingebracht
habe, anzunehmen bräuchte. In diese Wortwahl hinein gehört
auch die hinsichtlich der Säuglingstaufe vielfach geäußerte
Floskel, ich müsse „meine” Taufe annehmen. Wir sprechen hier jedoch nicht
von der Taufe des Bruders Lehmann oder der Schwester
Annemarie, sondern von der Taufe Gottes. Wenn wir
also sagen, daß mit der lutherischen Formulierung eines
Taufbundes ein anderer Bund formuliert und ins Dasein gebracht
wird als der Neue Bund, dann hat dies triftige Gründe.
Wir lesen nämlich nirgendwo, daß
der Neue Bund „durch Wasser” geschlossen worden sei. Es
gibt, von den Opfern Noahs (1Mo 8. 20 - 9. 17) angefangen,
bei Gott nicht einen Bund, der ohne Blut geschlossen worden
wäre. So besteht folgerichtig auch der Neue Bund nicht ohne
Blut; nämlich in der – die vormaligen Opfer ablösenden –
Kraft des Blutes Christi, denn ohne Blutvergießen gibt es
bei Gott keine Vergebung (Hbr 9. 22). Die Grundlage
dieses Bundes ist daher Sein am Kreuz vergossenes Blut und
nicht die Taufe. Wer demnach einen „Taufbund” formuliert, der
begründet einen anderen Bund als den Bund, der im Blut
besteht, und hält menschliches Handeln für das Heilshandeln
Gottes. Dieser so genannte „Taufbund” als
ein in der Konsequenz von Menschen initiierter Bund – und ein jeder Bund
bewirkt, was der Name sagt – verbindet
mich demnach nicht mit Jesus Christus, sondern mit der
Kirche, auf deren Lehren ich in diesem Falle eingehen muß und
unter deren (gemäß 2Kor 3. 4 - 4. 6 die Offenbarung Gottes im
Angesicht Jesu Christi verhüllende!) Decke ich mich damit
begebe. Der Bund Jesu
verbindet mich jedoch mit Ihm selbst, was natürlich auch
alle die mit einschließt, die – als meine Schwestern und
Brüder – in demselben Bund eingeschlossen sind, und dieser
Bund besteht nicht durch eine Taufe, sondern nur „durch das Blut der Besprengung”, das Jesus als der „Mittler eines neuen Bundes”
vergoß, welches „besser redet als das Abels” (Hbr 12. 24).
Die Befolger der kirchlichen Lehre befinden sich hiner in
einem unauflöslichen Dilemma: Auf der einen Seite sind sie, so
sie gläubig sind, klar in den Bund mit dem Herrn eingetreten;
auf der anderen Seite aber versuchen sie mit aller Kraft einen
Bund aufrechtzuerhalten, der dem ersten widerspricht und den
Gott nicht ausgerufen hat, den sie aus Unkenntnis aber für
denselben halten, und so sind sie ein ganzes Leben lang und in
den meisten Fällen sicher aufrichtig bemüht, Kirche und Gott,
Menschen- und Gotteslehre – dazu natürlich auch die jeweiligen
Praktiken – auf einen Nenner zu bringen.
Daraus
ergibt sich ein unglaubliches, schier unauftrennbares Amalgam
aus einander widersprechenden Lehrgebäuden, von Richtigem und
Falschem, von Gnade und Gesetzlichkeit, wie es gerade in der
lutherischen Tradition so überreich vorhanden ist. Es gibt bei
Gott jedoch keinen Automatismus, kein Überstülpen von Dingen
und Dogmen, von denen der Mensch nichts weiß noch wissen will.
Wenngleich jeder Bund Gottes in jedem Falle von Gott Selbst
ausgegangen ist, hat jedes dieser Bündnisse doch zwei Seiten.
Der Neue Bund besagt, daß Gott Sich mir, dem Sünder, in
Christus am Kreuz zugeneigt hat; dies gilt es nun im Glauben
zu ergreifen, indem ich dem Ja Gottes mein eigenes Ja folgen
und mein altes Leben in Sünde und Eigenregie fahren lasse, für
das Christus, der unseren Tod starb, am Kreuz hat furchtbar
leiden und sterben müssen. Dieses
„Ja” Gottes ist jedoch – wiederum, wie wir sehen – am Kreuz
erfolgt und nicht erst in der Taufe. Die Taufe ist nicht das
Ja Gottes zum Menschen, sondern gehört zu des Menschen Ja zu
Gott; sie ist eben nicht Grundlage des Heils, wie
diese kirchlichen Herrschaften lehren, sondern lediglich eine
Antwort darauf, die allerdings eine willentliche Entscheidung
eines insoweit geistlich mündigen Menschen voraussetzt, als
dieser auf Gottes „Ja” sein eigenes „Ja” selbst zu erwidern vermag.
Damit ist sie, obschon sie
ein in die Hände von Menschen gelegtes Geschenk ist, dessen
richtige Verwendung (allerdings!) wiederum geistliche Dinge
auslöst, die in weitere Bereiche der Gnade und der
Überwindung des Bösen hineinführen, immer nur Folgehandeln
und nie Ursache des Glaubens. Die volkskirchliche
Tauflehre dreht diese Zusammenhänge jedoch nicht nur um,
sondern klammert sie regelrecht aus, indem sie die eigene
Taufhandlung an die Stelle des rettenden Glaubens setzt und
damit die Notwendigkeit der Bekehrung umgeht. Ja mehr noch –
sie deutet die Taufe, die doch nur Bad der Wiedergeburt sein kann, frech um
und behauptet, sie sei die Wiedergeburt selber, in deren Kraft
dem Täufling der Geist verliehen worden sei. Das ist Magie im Reinstformat.
Diese
magische und vollkommen schriftwidrige Lehre, die das Heil in
eine kirchliche Taufhandlung verlegt, aber lebt wie keine
andere davon, daß man diese Handlung als Handeln Gottes
deklariert hat. Dies ist, angesichts der Tatsache, daß
Menschen es sind, die ihr eigenes Handeln als ein göttliches
Werk bezeichnen, geradezu Blasphemie. Solche Lehren übergehen
nämlich regelmäßig die Tatsache, daß Jesus Selbst nirgendwo mit Wasser
tauft, sondern mit dem Geist. Zwar schreibt der Evangelist
Johannes, daß man Jesus nachsagte,
daß er taufe, nicht aber, ohne dies sogleich durch Erwähnung
dessen zu konkretisieren, daß die Jünger getauft haben und
nicht Er selbst (Jo 3. 22, 4. 41 - 3). Das, was die Jünger taten, das
vollzogen sie demnach im Auftrage, woraus folgt, daß die
Taufe im Wasser den Menschen übertragen wurde, während Jesus
allein es ist, der allein mit dem Geist und mit Feuer tauft.
Wenn wir also darauf hinweisen, daß die Wassertaufe kein göttliches, sondern ein
menschliches Handeln ist, dann hat das seinen guten
Grund, der allerdings nirgends die Taufe entwertet, weil eben
diese Taufe zwar von Gott eingesetzt (angeordnet) worden ist,
derselbe Gott sie aber in die
Hände und damit in die Verantwortung der Menschen gelegt
hat. Denselben Vorgang haben wir schon bei Johannes
dem Täufer vorliegen, der stets darauf hinwies, daß er zwar in
Wasser taufte, aber ein Stärkerer nach ihm kommen werde,
welcher es sei, der mit Geist und mit Feuer taufe – während
er, Johannes, nicht wert sei, Ihm die Schuhriemen aufzulösen
(Mt 3. 11ff., Mk 1. 2 - 8, Lk 3. 15 - 17, Jo 1. 24 - 44). Wie
schon die Johannestaufe, so waren auch die von Jesu Jüngern
vollzogenen Taufen jedoch Vorläufer der christlichen, da Jesus
noch leibhaftig auf Erden, der Geist noch nicht verliehen und
die Gemeinde (ekklesia) noch nicht geboren war. Damit eignet
sich diese Stelle nur schwer für eine Verwendung in dieser
Auseinandersetzung. Geblieben ist dabei aber die Erkenntnis,
daß Christus zwar die Taufe der Gemeinde anvertraut, die
Verleihung des Geistes aber Sich Selbst vorbehalten hat.
Der
Gedanke, daß der Geist in einer bloßen Taufhandlung verliehen
würde, zumal in einer solchen, in der der Täufling gar nicht
willentlich beteiligt wäre, wäre auch unter diesem
Gesichtspunkt völlig absurd. Wäre es an dem, würde dies die
Lehre von der ausschließlichen
Heilsmittlerschaft des Menschen Christus Jesus, wie
Paulus sie später formuliert hat, nämlich vollständig
konterkarieren (1 Tim 2. 5). Die
Wahrheit ist, daß zu einer Wiedergeburt die Taufe im Wasser
nicht einmal vonnöten ist, und so sind auch die
Berichte der Apostelgeschichte erklärlich, in denen einige
Gläubige den Geist Gottes empfangen hatten, ohne zuvor getauft
worden zu sein (Apg 10. 44 - 48). Das ist abermals ein Erweis
dessen, daß das Bild des Wassers in der Heiligen Schrift nicht
in jedem Falle für die Taufe steht und daher auch nicht in
jedem Falle für die Taufe verwendet werden darf, wie auch das
Wort „Taufe” nicht in jedem Falle mit der Taufe im Wasser in
Verbindung zu bringen ist, da es im Neuen Testament
verschiedene Taufen mit entsprechend unterschiedlichen
Bedeutungen gibt. Die Wiedergeburt aber geschieht nach
einhelligem Zeugnis der heiligen Schrift aus Wasser und Geist, was bedeutet,
daß Wasser und Geist zusammenkommen und miteinander
verschmelzen müssen, wie bei jeder Zeugung menschlichen Lebens
Samen und Eizelle zusammenkommen und zu neuem Leben
verschmelzen müssen, damit ein neuer Mensch geboren werden
kann. Obschon
entsprechende Zusammenhänge bestehen, steht das Bild des Wassers, das
Jesus in der nächtlichen Unterredung mit Nikodemus (Jo 3. 3ff)
gebraucht, weniger für die Taufe, als vielmehr für das
verkündigte Gotteswort, das ich aufzunehmen und dem ich zu
antworten habe. Dieses
Gotteswort, das nach Jo 1. 14 in Jesus Fleisch geworden ist,
ist nach 1Ptr 1. 3, 32 der Same der Wiedergeburt, der
sich mit dem in der Verkündigung gegenwärtigen Geiste Gottes
verbindet und so im Herzen des
Empfangenden ein neues Leben wirkt, ihn demnach zu
reinigen und zu heiligen vermag (vgl. Eph 5. 25 - 27). Ohne
eine eigene Bekehrung und Abkehr von den Sünden ist es demnach nicht möglich,
den Geist Gottes zu erhalten und damit von neuem geboren zu
werden, denn Gott gibt – in
dem Zusammenhang –
Seinen Geist denen, die sich Ihm fügen (Apg 2. 37 - 40, 5.
32).
Gemäß
volkskirchlicher Lehre sei die Taufe „das Ja Gottes” zum
Menschen, das Er nicht zurück nehme. Diese Lehre ist nicht nur
verkürzt, sondern verkehrt auch die Wirkung zur Ursache, und
darum ist sie falsch. Wir können sie daher mit Fug
und Recht – im Wortsinn – als Verdrehung oder, um das
fremdsprachliche Pendant zu benutzen, Pervertierung der
Wahrheit bezeichnen. Das „Ja Gottes” zum Menschen hat Gott in Jesus Christus
gesprochen (Johannes 3. 16), und dieses Ja gilt allen
Menschen, ob sie nun getauft sind oder nicht. Daß diese
Menschen dieses „Ja” nun erwidern müssen, um in die
Gemeinschaft mit Gott einzutreten, ist wohl wahr; es ändert
aber nichts daran, daß Gott dieses Ja bereits gesprochen hat,
und zwar in Christus und nicht erst in einer Taufe.
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Versammlung Gottes > |
Wohl in kaum einem anderen biblischen Kapitel ist uns dieser Vorgang so umfassend und tiefgehend dargestellt worden wie auf den ersten Seiten des Lukasevangeliums., da die Geburt unseres Herrn und Erlösers beschrieben worden ist. Diese Seiten sind für unsere Wiedergeburt darum so hilfreich, da Christus der Erstgeborene unter vielen Brüdern genannt wird; insofern gilt Seine Geburt und Menschwerdung als Typus der neuen Geburt des Gottessohnes und damit Seines Lebens in einem jeden von uns, wie Maria gleichnishaft – als „neue Eva” – den Typus der Gemeinde darstellt, die Jesus gläubig empfangen hat.
Wir
möchten so gerne „aktiv” sein; Maria aber zeigt uns, daß wir rezeptiv werden müssen, damit Gott in
unser Leben kommen kann. Rezeptiv, empfangend sein, hat
allerdings nichts zu tun mit jener von der Kirche gelehrten,
geradezu fatalistischen Passivität, die etwa eine Taufhandlung
über sich ergehen ließe, ohne dazu etwas zu sagen. Das
Empfängliche der Maria drückt sich gerade dadurch aus, daß sie
sich dem, was Gott sagt, völlig ergibt, indem sie dem zusagt und sich zur Magd des Herrn
erklärt: „Mir geschehe, wie Du
gesagt hast”. Also geschieht es auch. Gott übergeht, auch in
Seiner freien Gnadenwahl, den Willen und damit die
Persönlichkeit eines Menschen niemals. Jedes Übergehen
menschlicher Entscheidungsfreiheit wäre von nicht
göttlicher, sondern dämonischer Natur, wie auch die
verschiedenen Berichte von dämonisierten (umgangssprachlich
besessenen) Menschen im Neuen Testament zeigen. So handelt
Gott niemals. Gott fragt immer; Er wartet stets auf eine
Antwort.
Diesen
Zusammenhang finden wir in dem Bericht von der Maria, die
eifrig auf das hörte, was Jesus zu sagen hatte, im Gegensatz
zu deren Schwester Martha, die unaufhörlich dienen wollte, so
daß sie sich über ihr Tun vom Hören abziehen ließ, anschaulich
erklärt (Lk 10. 38 - 41). Es geht nicht darum, nichts zu tun,
sondern zu hören und aus solchem Hören heraus sich auf das
einzustellen, was Gott zu sagen hat. Hören und Tun stehen
nicht im Gegensatz zueinander, sondern müssen zusammenwirken, wenn unser Leben mit
Gott Frucht bringen soll.
Maria,
die Mutter Jesu, ist ohne jeden Zweifel von Gott erwählt
worden; sie hat sich nicht selbst erwählt. Und dennoch kann
jene Befruchtung des Menschseins nicht stattfinden, wenn
dieser von Gott erwählte Mensch sich nicht auch in diese
Erwählung dreinschickt, indem er „Ja” sagt zu solchem Plan. So kommen Wort und Geist, dem Samen
eines Mannes und der weiblichen Eizelle vergleichbar,
zusammen; überall dort, wo diese Vereinigung des Wortes und
des den
dieses Wort Annehmenden überschattenden Heiligen Geistes (Lk 1. 35)
stattfindet, geschieht in ihm die Neuzeugung göttlichen Lebens
ein weiteres Mal:
|
Da sagte Maria (Mirjam) zu dem Boten: »Wie soll dies
möglich sein, weil ich doch keinen Mann kenne?« Darauf
antwortete ihr der Bote: »Heiliger Geist wird auf dich
kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich
beschatten; darum wird auch das Heilig-Gezeugte ›Sohn
Gottes‹ heißen.«
Lk 1. 34, 35
|
Der das Wort Gottes überschattende Gottesgeist
kommt in unseren Geist und macht ihn, der tot war in Sünden,
durch das Wort wieder lebendig; der Sündenfall ist
aufgehoben, das Werk der Schlange vernichtet – die
Verbindung mit Gott ist da, ein neues Leben ist geboren.
Diesen Vorgang, der einhergeht mit dem Empfangen des Geistes
Gottes, dem „Getauftwerden im Geist”, nennt die Bibel
Wiedergeburt. Ein solcher Mensch ist daher geistlich
wiedergeboren; ihm ist nun der Stand eines Kindes Gottes
verliehen worden. Es gibt jedoch keine neue Geburt ohne vorherige
freiwillige, wissentliche Auslieferung des eigenen Willens:
„Ich bin des Herrn
Magd, mir geschehe nach Deinem Wort” (V. 38). Maria ist dafür ein
leuchtendes Beispiel, das umso heller strahlt darum, daß Gott
sie für die Menschwerdung des Erlösers erwählte: In ihr wurde
das Wort Fleisch, wurde Gott zu einem realen Menschen. Das hat
sie allen anderen voraus, [17] und darum werden sie „glückselig preisen alle
Geschlechter” (Luk 1. 48).
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Diese Argumentationskette ist recht bekannt. Sie enthält zunächst eine für viele bestechende, weil in einem wesentlichen Punkt richtige Aussage, die besagt, daß man auf dem Weg mit Gott sich der Kinder besonders anzunehmen habe. Nur kann man dies schwerlich auf die Taufe beziehen, zumal im Text nichts davon steht, daß man die Kinder vor Jesus gelegt habe. Diese Kinder konnten nämlich laufen; sie waren von Ihm angezogen und drängten geradezu in Seine Gegenwart. Und so steht in allen diesen Texten von einer Taufe kein einziges Wort, und dies aus dem ganz einfachen Grunde, weil sie mit der Taufe nichts zu tun haben. Üblicherweise befinden sich solche Aufstellungen in dem Irrtum, anzunehmen, daß „Taufe” und „ewiges Heil” identisch wären. Weder sind sie das, noch wäre die Taufe an sich zur Errettung notwendig, soweit der Terminus der Errettung die Vergebung der Sünden und den Zugang ins Reich Gottes beschreibt, wie Jesus dies u. a. dem reuigen Schächer am Kreuz bedeutete, dem Er verhieß, „heute noch” werde er mit Ihm „im Paradiese sein” (Lk 23. 43). Alle diese Lehren begehen den einen Kardinalfehler, daß sie Taufe und ewiges Heil nicht nur miteinander vermengen, sondern auch das Heil von der Taufe, was immer man darunter verstehen mag, abhängig machen und damit den alten römischen Sakramentalismus erneut bedienen. Nun kann man schlecht behaupten, daß eine andere als die Säuglingstaufe ungültig sei, und verfällt so auf einen Schachzug: Unter der Vorgabe, daß sowohl Säuglings- als auch Glaubenstaufe gültig seien, sucht man der Glaubenstaufe zumindest indirekt (im wahrsten Sinne des Wortes) wieder das Wasser abzugraben, denn wenn auch die Säuglingstaufe gültig wäre, machte die im Neuen Testament gelehrte Gläubigentaufe im Grunde keinen Sinn, und jene würden irren, die sie vollzögen oder an sich vollziehen ließen.
Um ein unmündiges Kind zu Jesus zu bringen, damit Er es anrühre und es so auch an dem Segen der ganzen Gemeinde teilhaben könne, bedarf es nach obiger Erkenntnis weder einer Taufe, noch bringt eine solche es ins Himmelreich. Die Taufe hat einen anderen Zweck, der zwar aus den Kräften der Himmelswelt – aus Jesu Tod und Auferstehung – sich speist, jedoch mit dem Wandel des Christen in der Welt zu tun hat (Römer 6). Auch daraus wird ersichtlich, daß die Taufe nur an solchen vollzogen werden kann, die bereits wiedergeboren, mithin also Christen geworden sind. Für die himmlische Ewigkeit brauchen wir die Taufe nicht, und dafür wurde sie auch nicht gegeben. Der neutestamentliche Begriff der Errettung ist dualistisch; er bezieht sich nicht nur auf den Himmel, sondern auch auf den Wandel hier. Im Gericht verurteilt werden wird der, der Gottes Botschaft nicht geglaubt hat, aber nicht der, der etwa nicht getauft worden ist (Mk 16. 16). Es ist in dem Zusammenhang überdies einhelliges Zeugnis der Heiligen Schrift, daß Kinder gläubiger Elternteile, indem sie zu ihrem Hausstand gehören, über eben diese Eltern bereits durch deren Glauben für Gott mitgeheiligt sind (1Kor 7. 14). Selbst im Alten Testament war dies vom Grundsatz her nie anders. Indem ein Kind zu einem gläubigen Hause gehört, wobei zur Definition eines „gläubigen Hauses” ganz offensichtlich bereits ein gläubiges Elternteil ausreichend ist, gehört es demnach auch zur Gemeinde und somit zu Gott. Dieses „Mitgeheiligtsein” gilt in der Folge so lange, bis das Kind eigene Entscheidungen fällen und artikulieren kann, bis es also nicht mehr völlig unmündig ist, wie dies auch einige Brüder beschrieben haben (d. i. die so genannte Religionsmündigkeit). Alles andere hieße wahrlich „Eulen nach Athen zu tragen”, wie dies wohl nicht nur viele Vertreter der Kirche, sondern wir alle so oft und auch so gerne tun.
Darum
stellen wir die Frage: Wozu will man dann noch Säuglinge
taufen als nur dazu, der jeweiligen Kirche Mitglieder
einzuverleiben und so, auf möglichst bequeme Weise,
sozusagen „automatisch” deren Bestand zu sichern? Denn hier
geschieht nichts anderes als das Aufrichten einer solchen
Satzung, wie sie andernorts mit Recht kritisiert worden ist:
Das Kind
könne nicht am Heil teilhaben und auch kein Teil der
Gemeinde sein, wenn man es nicht zuvor „taufte”. Wie wir oben gesehen
haben, beruht dieser „Glaube” jedoch auf einer Irrlehre.
Warum wohl, denken wir, hat Jesus die Kinder ohne jede
weitere Bedingung angenommen und in die Arme geschlossen,
wenn ihre Eltern dafür erst hätten die Vorbedingung einer an
ihm zu vollziehenden Säuglingstaufe erfüllen müssen? Diese
ganze Vorstellung wäre doch dem Grundgedanken des
Evangeliums – allein aus Gnade, nicht aus Werken – völlig
zuwider und von daher geradezu absurd. Demnach hätte Jesus
das Kind nicht annehmen können, sondern hätte es zuvor den
Jüngern übergeben müssen mit dem Hinweis, daß diese es erst noch zu taufen hätten? Dann
hätten die Jünger mit ihren Einwänden also doch recht
gehabt? Niemals! Jesus sagt nichts anderes,
als daß den Kindern das Reich der Himmel ohne jede Vorbedingung offen steht, ja Er
erwartet von den Jüngern, daß sie selber werden wie dieses
kleine Kind, das Er da vor ihnen in ihre Mitte stellt. Von einer Taufe,
einer Säuglingstaufe gar, steht dort kein einziges Wort. Die
ist nämlich ein Relikt der Kirche des Mittelalters, ihrer
Furcht vor dem Tode, ihres magischen Denkens und ihrer
Werkgerechtigkeit, weswegen es dort bis weit in unsere Zeit
– für besondere Fälle angesichts eines möglicherweise
nahenden Todes und dergleichen – auch die Form der so
genannten „Nottaufe” gegeben hat, mit der allerhand Unfug
und Aberglauben getrieben worden ist. Dies wiederum zeigt,
welchen Vorschub man mit derlei Lehren und Praktiken dem
Teufel geleistet hat.
Hier wird genau das getan, was man denen, die die neutestamentliche Taufe lehren, die allerdings nur aufgrund des Glaubens vollzogen werden kann, so gerne nachgesagt hat: Dem allen unmündigen Kindern zustehenden, freien Zugang zu ihrem Heiland hat man Schranken gesetzt, nach denen nur jenes unmündige Kind zu Gott kommen könne, das – über den Umweg der Eltern freilich – erst noch das Kennzeichen eines an ihm zu vollziehenden kirchlichen Rituals, Taufe genannt, vorzuweisen habe. Dies „riecht” geradezu nach religiöser Vorleistung, aber nicht nach Gnade. Daß man hier nach der Methode des sprichwörtlichen Diebes vorgeht, der seinen Verfolgern zuruft, man solle den Dieb halten, während der Erstgenannte die Diebesbeute selber noch in der Hand behält, ist die eine Sache. Daß man diese Schranke zur Tür erklärt hat, die allen offen stehe, während dies die Tatsache nicht ungeschehen macht, daß dies eine Schranke bleibt, die erst nach dem Erfüllen von Vorbedingungen seitens klerikaler, „besonders Eingeweihter” geöffnet wird, allerdings die andere. Mit kindlichem Glauben hat dies nichts zu tun, ganz im Gegenteil. Hier geschieht wahrlich Böses, da man Satzungen errichtet, die das Wort Gottes bereits in seiner Grundsubstanz aufheben. Dies ist allerdings auch ein Erweis dessen, daß man Begriffe wie „Kirche” oder „Gemeinde” hier auf Erden mit dem Reiche Gottes verwechselt hat, und diese Krankheit ist beileibe nicht nur in den Großkirchen zu finden.
Die
Grundproblematik all dieser Praktiken besteht darin, daß
man nicht in Demut zu warten bereit ist, und sich vor der Zeit und für alle Zeiten sichern
will, was nur durch Gnade und nur zu Gottes Zeit im Herzen eines
Menschen heranreifen kann. Einen solchen Raub und
Gewalt an Menschenseelen, die schon den Säuglingen das Heil
überstülpen will, bevor sie auch nur einen Laut artikulieren
können, aber macht Gott nicht mit, was sich daran erzeigt,
daß all diesen „Getauften”, so sie nicht glauben, jegliches geistliche Leben
fehlt, weil die Zusage einer Gotteskindschaft nun einmal
über eine Taufhandlung nicht zu haben ist. Dabei sagen wir
nirgends, daß ein Problem darin bestünde, ein Kind zur Taufe
zu führen. Nur
kann dies nach biblischer Lehre nur dann stattfinden, wenn
dieses Kind bereits auf Jesu Wort und Werben eingegangen
ist. Das
kann auch in einem sehr jungen Alter geschehen, und dann
darf es das nicht nur, dann sollte es dies auch. Wie viele
wundervolle Berichte hat es gegeben, in denen Jesus Sich
über jedes Bitten und Verstehen hinaus gerade in Kindern und
durch Kinder verherrlicht hat! Es geht im Neuen Testament,
soweit es diesen Zusammenhang betrifft, nirgendwo ums
Lebensalter, sondern um den Glauben. Das Evangelium ist so
einfach, daß ein Kind es verstehen kann, wie wir gesehen
haben. Immer wieder spricht Jesus gerade von dem Glauben der Kinder, weswegen es wahrlich
hanebüchen ist, diesen für sie ausklammern zu wollen. Ja wir
brauchen diesen einfachen und kindlichen Glauben, um ins
Reich Gottes einzugehen, wie Jesus sagte – aber diesen
Glauben brauchen
wir dann
auch. Es ist nicht möglich, ohne Glauben zu Gott zu kommen,
wie geschrieben steht:
|
Ohne Glauben ist es unmöglich, Ihm wohlzugefallen;
wer zu Gott kommen will, muß glauben, daß Er ist,
und denen, die Ihn ernstlich suchen, ein Belohner
ist. Hbr 11. 6
|
Insofern greift hier auch die kirchliche Lehre von der Erbsünde nicht, denn wir sehen ja, daß diese Kinder – wegen des Glaubens ihrer gläubigen Eltern oder Elternteile – für die Zeit ihrer Unmündigkeit bereits Gott gehören und Ihm zugerechnet werden, und zwar ohne auch nur irgendeine Taufhandlung (oder sonstige Handlung) erfahren zu haben oder zu müssen. Solchen steht das Reich der Himmel allezeit und ohne jede Vorbedingung offen. Nirgends ist in der Schrift geboten, solche zu taufen, und nirgends wäre eine solche Handlung an ihnen notwendig. Diese Fragen stellen sich ihnen erst dann, wenn sie nicht mehr völlig unmündig sind. Wenn solche Kinder ihr Leben Jesus Christus übereignet haben, ist wohl kaum eine Schwierigkeit darin zu sehen, sie taufen zu lassen, wenn sie darüber belehrt worden sind und das selbst wünschen, da Bekehrung und Taufe zusammengehören. Es geht überhaupt nicht ums Erwachsen- oder Nichterwachsensein, auch nicht schon ums Erfassen der „ganzen Wahrheit” (das ist uns unmöglich, solange wir auf Erden sind), sondern um Glauben oder Nichtglauben. Glaube ist keine Leistung, sondern der Weg, auf dem die Segnungen Gottes für uns wirksam werden. Gott vertrauen – genau das meint das griechische Wort „pistis” nämlich – aber kann jedes Kind, das dem Säuglingsstadium entwachsen ist. Der Glaube kommt im Neuen Testament jedoch nirgends aus der Taufe, sondern immer nur aus dem Hören des verkündigten Wortes (Rö 10. 8 - 13). Damit führt Glaube wohl zur Taufe hin, nie aber Taufe zum Glauben. Der Fels, auf den unser Glaube sich gründet, ist Christus und nicht die Taufe, und wer anderes verkündet, der sollte sich fragen lassen, ob er damit nicht einem Götzendienst Vorschub leistet, der sich „christlich” nennt.
Man hat auf solche Stellen wie Mt 18. 5 - 14 verwiesen und richtigerweise gesagt, daß diese das Gericht anzeigten, das jemanden erwarte, der Schwache und Geringe daran hindere, in Sein Reich zu kommen. Geflissentlich „vergessen” aber hat man dabei, daß es in dieser Auseinandersetzung (18. 3) darum geht, daß diese Schwachen und Geringen in dasselbe Reich hineingehen und damit zu Ihm kommen sollen, was ihnen die Jünger an anderer Stelle verwehrt hatten. Insofern ist das Bringen der Kinder zu Gott nur vorläufiger Natur. Wer diesen selbst das Kommen verbaut, und sei es dadurch, daß er ihnen suggeriert, daß sie nicht zu Ihm zu kommen bräuchten oder sollten, der schlägt ihnen gegenüber die Tür gerade wieder zu. Dasselbe tut der, der einem solchen Kommen Schranken auferlegt, was solche Protagonisten der Säuglingstaufe aber insofern tun, indem sie suggerieren, daß diese „zuvor zu erbringende Säuglingstaufe” der Eingang ins Reich Gottes sei. Der Eingang ins Himmelreich ist jedoch nicht die Taufe, sondern die geistliche Armut, und nicht ohne Grund ist dies die erste aller Seligpreisungen (Mt 5. 3). Diese Armut besagt, daß alles von Gott zu erwarten ist, aber nichts mehr von sich selber; sie hat nichts mehr, was sie selbst noch erbringen könnte; insofern geht sie mit Glauben einher. Wer da noch allerhand Ausflüchte hat, um nur nicht zu Jesus kommen zu müssen, und zu tun, was Er sagt, der zeigt, daß er noch viel zu reich und auch zu groß ist in sich selber. Wer von neuem geboren werden will, der muß sich selbst ganz klein, arm und gering machen – dessen Leben endet am Kreuz von Golgatha.
Ein ganz Findiger hat einmal die Frage aufgeworfen, wie man in dieser Frage etwa mit „Schwerstkranken, Behinderten und Komapatienten” verfahren solle, die einen eigenen Glauben nicht würden ausdrücken können. Nur kann man von Behinderten und Komapatienten gar schwerlich auf „alle Menschen” schließen. Das wird auch nicht davon besser, wenn man solche Gruppen als Extrembeispiel hervorholt und dieselben dann – quasi im Nachhinein – zur „Norm” erklärt, anhand derer biblische Zusammenhänge zu erklären seien. Solche Fragen gehen völlig an der biblischen Botschaft vorbei. Tatsache ist nämlich, daß derjenige, der selbst nicht in der Lage ist zur Taufe zu gehen, von der Notwendigkeit einer Taufe ausgenommen ist. Man sollte ihm darum, auch im Nachhinein, keine solche überstülpen wollen. Der reumütige Schächer am Kreuz brauchte gewiß keine Taufe, um mit Christus im Paradies zu sein. Eine Taufe ist zur Teilhabe an der Erlösung nicht notwendig; sie ist uns nämlich nicht zur Erlangung der Gotteskindschaft, sondern bezüglich des Wandels innerhalb der Gotteskindschaft hier auf der Erde gegeben, wie Paulus dies eindrucksvoll in Römer 6 ausgeführt hat. Es geht in der Taufe nicht darum, uns in den Himmel zu bringen, sondern darum, ein Leben auf der Erde zu führen, das aus Jesu Tod und Auferstehung sich nährt. Damit aber wird deutlich, daß die Taufe nur solche erfahren können, die bereits Gotteskinder sind. Solche Gedanken zeigen wiederum, daß die oben angeführten Fragesteller, wiewohl sie dies mit Fleiß leugnen mögen, nahezu ausschließlich in magischen Vorstellungen verhaftet sind und die Taufe nie wirklich verstanden haben.
Eine ganz ähnliche magische Schriftklitterung nehmen die vor, die sagen, wer Vergebung der Sünden erlangen wolle, der müsse nur am Abendmahl teilnehmen, weil dieses Mahl „zur Vergebung der Sünden” gegeben werde. Aber Vergebung der Sünden erlangen wir nicht anders als durch Bekennen derselben vor Gott und Menschen. Wer seine eigene Sünde nicht bekennen und von ihr lassen will, der wird an diesem Mahl keine Freude haben; genauso ist es auch bei der Taufe, die immer nur das besiegeln kann, was zuvor geglaubt worden ist. Nicht das Mahl an sich ist es, das Vergebung der Sünden bewirkt, sondern allein das Blut Jesu, das beidem – sowohl dem Mahl als auch der Sündenvergebung – zugrunde liegt. Anteil an beiden Segnungen aber haben wir nie anders als durch den Glauben.
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Diese Gedanken, die mir in ähnlicher Form ein Bruder schrieb und denen wir einige Schriftstellen beigefügt haben, werde ich mit Gottes Gnade zu jeder Zeit meines Lebens von ganzem Herzen unterschreiben können – mit einer Ausnahme. Die in ihnen beschriebene Stellvertretung Jesu hat nämlich nichts mit dem falschen „Stellvertreterglauben“ zu tun, der in diesen Worten bereits ein wenig anklingt und den die Kirche zur Rechtfertigung ihrer eigenen „Taufgebaren“ lehrt. Insofern zeigt oben angeführte Passus einen „Hinkefuß“, als daß er die Fürbitte und den Glauben Jesu mit unserem Beten und Glauben gleichsetzt. Das ist in der Form aber nicht möglich, weil Jesus unser Stellvertreter ist, aber nicht wir die eines anderen sein können. Fürbitte ist zwar ein Einsetzen für einen anderen vor Gott, hat aber mit einer Stellvertretung, in der wir an Stelle eines anderen agieren würden, nichts zu tun. Weiterhin ist Fürbitte, als echter Ausdruck priesterlichen Dienstes, immer ausgehend von Gott und nie von uns selbst, weswegen Gottes Geist Sich für uns verwendet, wobei diesem Geist dann auch wieder Stellvertreterfunktionen zukommen (vgl. Rö 8. 26 - 27; s. a. Hbr 5. 4). Nicht umsonst hat Jesus den Jüngern, als diese ihn baten, sie zu lehren, was sie beten sollten, zuerst das Grundmuster des Vaterunsers nahegelegt, bevor Er ihnen – nach der in solchem Beten erfolgten Hingabe unseres Willens – weitere Anweisungen gegeben hat, die in die Bitte um den Geist Gottes münden (Lk 11. 1 - 13; vgl. auch Mt 6. 5ff).
Gerade der Hinweis auf das Hohepriesterliche Gebet zeigt aber eben auch, daß der Herr Jesus von solchen spricht, die bereits an Ihn glauben. Allein der Umstand, daß Jesus als Hohepriester handelt, indem er nicht nur für uns Fürbitte leistet, sondern uns durch Seinen Opferweg (Sein Opfer ist nach Hebräer 10. 19 - 22 eben nicht nur ein Akt, sondern auch ein Weg) auch zu Gott führt, beweist nichts anderes, als daß es vor Gott keine Möglichkeit gibt, durch den Glauben oder eine „stellvertretende Buße“ eines anderen sündigen Menschen zu Ihm zu kommen, denn sonst hätte Jesus nicht zu sterben brauchen. Die Lehre, nach der ein anstelle eines anderen vollzogener Glaube jemanden ins Reich Gottes brächte, ist gotteslästerlich zu nennen und schlägt dem Sohn Gottes ins Angesicht, weil es damit Seiner Stellvertretung als sünd- und tadelloses Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trug, Hohn spricht. Es gibt kein Opfer eines Menschen, der dem des Lammes Gottes gleich käme, und zwar allein schon darum, weil ein solcher Mensch nicht ohne eigene Sünde ist; „der Lohn der Sünde ist Tod, aber die Gnadengabe Gottes ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Rö 6. 23). Ein zum Tode Verurteilter kann vor Gott jedoch nicht für einen anderen zum Tode Verurteilten Sühne leisten, weder, indem er sein Leben für ihn gäbe, noch, indem er irgend etwas anderes, als zu dessen Gunsten, leistete. Ein Mensch mit unvergebener Sünde hat mit Gott keinerlei Gemeinschaft; der Zugang ist verbaut; er bleibt im Tode (1Jo 1. 5 - 7). Wer durch die Gnade wiedergeboren ist, vermag dagegen wohl erhörlich zu beten und „geistliche Opfer“ der Fürbitte zu bringen; auch sollte er nach Kräften ein Vorbild sein; einen anderen ins Reich Gottes hineinzubringen aber vermag er nicht. Der Welt die Augen zu öffnen, ist auschließliche Aufgabe des Heiligen Geistes; der aber wird von dem gesandt, der den Preis für unsere Sünde bezahlt hat, und das ist niemand als Jesus allein.
Solch verqueren Gedanken aber folgen letztlich jene, die an dem Gedanken eines stellvertretenden Glaubens oder gar einer stellvertretenden Buße festhalten, wie dies in einschlägigen Kreisen häufig üblich ist. Als ich jenen Bruder bat, mir doch bitte einen Schriftstellenbeleg dazu anzuführen, der nachweisen würde, daß es einen stellvertretenden Glauben gäbe, der Menschen zu Jüngern mache, kamen Ausflüchte. Auf eine Antwort warte ich allerdings bis heute. Wie sollte es denn auch anders sein. Ein Jünger kann nur ein solcher sein, der Jesu Ruf gehört und sich selber aufgemacht hat, diesem Ruf zu folgen. Ob dies nun mit vielem oder wenigem Versagen einhergeht und ob dieser nun sieben oder siebzig Jahre alt ist, ist für die Beantwortung dieser Frage nicht von Belang. Nicht wir haben uns erwählt, sondern Jesus hat uns erwählt. Diese Erwählung aber wird uns nichts nützen, wenn wir uns nicht auch auf sie einlassen, weswegen Paulus von der Notwendigkeit spricht, diese Erwählung auch festzumachen.
So ist
es auch mit der Gotteskindschaft. Es gibt nur einen Mittler zu
Gott – und das ist der Mensch Jesus Christus (1Tim 2. 5).
Immer haben wir es mit Ihm zu tun,
wenn wir zum Vater kommen wollen, nicht aber mit der
„Vermittlung“ anderer Christen. Wie ein bekannter Evangelist
bemerkte, hat Gott keine Enkelkinder. Daran merken wir, wie
„römisch“ solche Lehren in Wahrheit noch sind.
Nichtsdestotrotz werden diese gerade von denen, deren Kirche
am meisten und häufig auch am unsachlichsten gegen die
katholische Kirche polemisiert hat, dieselben Lehren
geradezu mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wie glücklich
scheint man zu sein, wenn man endlich dazu auch eine
Schriftstelle gefunden zu haben meint, die in eigenen Augen
zu diesen Vorstellungen kompatibel wäre. So behauptete ein
„lutherischer“ Zeitgenosse in einem Schriftwechsel allen
Erstes, eine solche vermeintlich „passende Stelle“ gefunden
zu haben, und verwies dabei ausgerechnet auf 1Kor.15. 29,
die er in der Weise auslegte, daß es Christen gegeben habe,
die sich stellvertretend für ihre verstorbenen Verwandten
hätten taufen lassen, damit diese dann auch mit auferstehen
würden. Dann fügte er noch hinzu, daß ein Toter als ein
Unmündiger gelte, da er weder Glauben bekennen, noch sich
sonstwie äußern könne.
Mit solch hanebüchenen Lehren, die auf
ein großes Maß an Unkenntnis über die geistliche Welt
schließen lassen, ließe sich allerdings trefflich und über
den Tod hinaus noch Christen machen. Es ist jedoch ein
Trugschluß zu glauben, daß wir Menschen Zugriff auf die
unsichtbare Welt Gottes hätten. Wer immer dies versucht, der landet nicht bei
Gott, sondern bei den Dämonen. Abgesehen davon, daß
solche an den Haaren herbeigezogenen Vorstellungen in der
Schrift nirgends anzutreffen sind, finden wir hier dieselbe
Sonderlehre vor, wie sie unter anderem von den Mormonen,
einer m. E. gefährlichen spiritistisch-freimaurerischen
Sekte, verbreitet wird, und es hat schon ein übles
Geschmäckle an sich, daß ausgerechnet innerhalb der Kirche,
die diverse „Sektenbeauftragte“ stellt, solche Lehren
offensichtlich nicht nur geduldet, sondern zuweilen offen
kolportiert werden, wenn sie nur den eigenen Vorstellungen
willfährig erscheinen. Die hier unterstellte Wiedergabe, wie
sie ganz ähnlich auch in den diversen Luther-Revisionen zu
finden ist, ist allerdings äußerst fragwürdig und mit Recht
zu kritisieren; sie ergibt sich nämlich nicht zwingend aus
dem griechischen Text heraus, der in seinem Urzustand
bekanntlich keine Interpunktion, Satzzeichen und Pausen
kennt. Folgt man dem Gesamtzusammenhang dessen, was Paulus
hier sagt, bleibt eigentlich kaum eine andere Wahl, als (mit
der Konkordanten Übersetzung übrigens) zu übersetzen:
| „Sonst, was werden die tun, die sich taufen lassen? Es wäre ja für die Toten, wenn Tote allgemein nicht auferweckt würden? Was soll man sich für sie noch taufen lassen?“ |
Der Zusammenhang ist die Auferstehung, da einige von den Korinthern behaupteten, daß Christus nicht auferstanden sei. Wenn nun Christus nicht auferstanden wäre, wie diese behaupten (sagt Paulus damit) dann wäre ihre Taufe nicht für die Lebenden (Auferstehung), sondern „für die Toten“, d. h. sie wäre unnütz, und das aus dem schlichten Grunde, weil Taufe nicht nur unseren Tod, sondern auch unsere Auferstehung verkündet. Dies ist nämlich die einzige mögliche Aussage, weil sie sich auch aus dem Kontext ergibt. Eine Taufe „für die Toten“ (d. h. an deren Stelle und damit zu ihren Gunsten) gibt es im Neuen Testament nirgendwo. In solchen Vorstellungen, die es leider bis in die meisten Übersetzungen hinein geschafft haben, kommt die ganze Magie wieder zum Tragen, der man mit derlei ritualistischen Vorstellungen auf den Leim gegangen ist. Die Wassertaufe ist immer eine in Christi Tod, weil sie den Täufling mit demselben Tode verbindet; dies aber geschieht nicht, ohne zugleich im Glauben auf die Auferstehung des Täuflings zu vertrauen, der – im Bilde dieser Auferstehung – aus dem Wasser, nachdem seine Wogen über ihm zusammengeschlagen sind, als neuer Mensch wieder herauskommt (vgl. Rö 6. 7ff). Diese Darstellung eines Grabes und der Auferstehung aus diesem Grab, das nicht nur für die irdische, sondern gerade für die geistliche Welt (1Kor 4. 9, Hbr 10. 32 - 33) unabdingbar ist, aber sehen wir in der kirchlichen Taufpraxis zerstört; damit kommt es nicht mehr zum Tragen.
Eine andere Bedeutung, die mit dem Begriff „Taufe“ verbunden wird, kann die des Märtyrertums und des Leidens sein (bei Paulus der nächste Satz, 1Kor 15. 30ff) denn auch Jesus hat Sein Leiden und Sterben als eine „Taufe“ bezeichnet (Mt 20. 22, Lk 12. 50). Auch die frühe Kirche kannte noch den Begriff der „Bluttaufe“ für die Märtyrer, die ihr Leben um Jesu willen gelassen haben. Ebenso bekannt ist der Begriff der Taufe mit dem Heiligen Geist, die wir auch hier mehrfach angeführt haben, wobei das Neue Testament diesen Begriff als Substantiv nicht kennt, sondern davon spricht, daß wir mit demselben Geist getauft, d. h. getränkt worden seien, wobei sie ganz klar den Empfang des Geistes Gottes in der Wiedergeburt meint, durch welchen wir auch zu einem Leibe gefügt worden sind, nachdem wir gläubig geworden waren (1Kor 12. 13). Damit zusammen hängt auch die Taufe mit Feuer, die nicht nur vom Heiligen Geist, sondern zugleich auch von uns widerfahrendem Leid und von Gericht spricht, in welchem ungöttliche Dinge und „Schlacken“ ausgebrannt werden sollen (Mt 3. 11, Mk 1. 8, Lk 3. 16 - 17, Jo 1. 26 - 34). Zwischen allen diese Taufen (auch der Hebräerbrief spricht in Kap. 6. 2 von der „Lehre von den Taufen“ in der Mehrzahl) und der Wassertaufe, mit der wir in den Tod Jesu versenkt werden, bestehen zwar Zusammenhänge, sie sind aber keine „Unterart“ derselben und sind mit ihr auch nicht identisch. Wie es im Neuen Testament keinen stellvertretenden Glauben gibt, gibt es dort auch nirgendwo eine stellvertretende Taufe, geschweige denn eine „Taufe für Verstorbene“. Mit solchen (äußerst gefährlichen) Vorstellungen, die üblicherweise auch die einzige Mittlerschaft Jesu Christi in Frage stellen, weil sie menschlich-ritualistisches Handeln an ihre Stelle setzen, gerät man unvermeidlich in magisch-okkulte, spiritistische Phänomene hinein, wie dies auch oben bereits kurz angeführt worden ist. Die hier vorliegende Argumentation ist ein typisches Merkmal einer Sonderlehre, wie sie i. d. Regel auch die Sekten vollführen, indem sie bestimmte Aussagen, die sich u. a. an ungenauen Übersetzungen (zudem einer einzigen Schriftstelle) festmachen und die daraus resultierenden Mißverständnisse zum Dogma erheben wollen. Daß wir uns hier längst auf dem Boden pseudo-christlicher Zauberei bewegen, braucht dazu nicht weiter ausgeführt zu werden.
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„damit Er für Sich Selbst die
herausgerufene Gemeinde herrlich darstelle, so daß
sie keinerlei Flecken, Runzeln oder irgend etwas
solcher Art habe, sondern heilig und makellos sei.”
Eph 5. 26, 27
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Hier ist allerdings nicht die Rede davon, daß wir dieses „Wasserbad im Wort” selbst zu bereiten hätten, indem wir einer Taufhandlung (was immer wir darunter verstehen mögen) noch einige Bibelverse, passenderweise aus Matthäus 28, hinzufügten, damit das „Wasser der Taufe” mit diesen von uns gesprochenen Worten „auf wundersame Art zusammenwirken” könne und die so vollzogene „Taufe” ein „gültiges Werk Gottes” sei, um sich nur ja nicht dem Verdacht auszusetzen, daß man mit solchem „christlichen”, mit Bibelworten garnierten Hokuspukus nichts anderes als Magie betreibe, in der Erwartung, daß der dreimal heilige Gott diesen blasphemischen Unsinn auch noch mitmache. Wenn Jesus im Bilde des Weinstocks und der Reben davon spricht, daß die Seinen allein durch das von Ihm gesprochene Wort grundsätzlich rein seien, dann heißt dies nichts anderes, als daß Sein Wort allein es ist, das diese Reinigung vollbringt; somit erzeigt sich überall dort, wo wir Sein Wort in Vollmacht und unter Leitung des Heiligen Geistes verkündigt und von den Menschen angenommen sehen, diese Reinigung als gegenwärtig und in Kraft (Jo 15. 3). Schon in Johannes 13 sehen wir diese Wahrheit, im Zusammenhang der Fußwaschung, erwähnt, ohne welche die Jünger keinen Anteil an Ihm haben (V. 8). Von der Wassertaufe hören wir in allen diesen Zusammenhängen nicht ein einziges Wort. Das Wort Gottes selbst ist nämlich dieses Wasserbad, da es den Sünder, der dieses Wort hört und annimmt, reinigt und heiligt, weswegen Paulus in Epheser 5. 26 davon spricht, daß der Christus die Gemeinde durch eben dieses Wasserbad gereinigt habe, indem er hinzufügt, daß dieses reinigende Bad das des Wortes selber sei.
Im Zentrum der Erwähnung steht das „Wasser des Lebens” und nicht irdisches Taufwasser. Insofern wäre es ein Trugschluß zu glauben, daß „Taufwasser” uns von derselben Sünde reinigen könnte, zu deren Vergebung nichts weniger als das kostbare Blut desselben Herrn und Retters Jesus vergossen werden mußte, der nun Sein Wort an uns ergehen läßt. Luther hatte dies anfangs erkannt, ohne daß er darum von dem mittelalterlichen Hang zum römischen Sakramentalismus im Verständnis des „ex opere operato” – „durch bloßen Vollzug” am Ende abgekommen wäre, und diese inneren Widersprüche, die er im oben kritisierten Sinne geradezu verzweifelt miteinander zu vereinigen suchte, haben dann auch überaus reichlichen Eingang in die lutherischen Bekenntnisschriften gefunden. Sie zeigen, daß „Bruder Martin”, dessen Verdienste wir mit solcher Beurteilung (die ja keine Verurteilung ist und auch zu keiner solchen werden darf) keineswegs schmälern wollen, in dieser einen, nichtsdestotrotz fundamentalen Sache nie wirklich durchgebrochen ist. Die Reinigung durch Gottes Wort, die heilsnotwendig ist, weil wir ohne sie nicht in der Gemeinschaft Gottes leben können, aber ist ohne persönlichen Glauben und Umkehr, die sich unter anderem im Bekenntnis der eigenen Sünde mit der Bitte um Vergebung zeigt, gänzlich unmöglich (1Jo 1. 5 - 10, s. a. Hbr 11. .1 - 6). Ein Wort jedoch, das sich nicht mit dem Glauben verbindet, ist zu nichts nütze, da es in dem Fall seine Kraft nicht entfalten kann (Hbr 4. 2). Ein Same, der nicht auf einen empfangsbereiten Boden fällt, kann nicht aufgehen und geht zugrunde (Mt 13. 3 - 9, 18 - 23). Sicher will Gott, daß alle errettet werden. Mit Gewißheit liebt Gott alle Menschen, und für alle hat Er Seinen Sohn hingegeben. Derselbe Jesus, der dies sagte, sagte aber auch, daß diese Errettung nicht anders als durch den Glauben an Ihn geschieht (Jo 3. 16, vgl. 8. 32). Werden also alle errettet werden? Nein. Denn es ist offenkundig, daß nicht aller Teil der Glaube ist (2Thes 3. 2).
Oft wurde behauptet, im neuen Bund sei „die Taufe” Zeichen dafür, daß man zu Gottes Volk gehöre, wie im Alten Bund „die Beschneidung“ Zeichen dafür gewesen sei, daß man Teil des Gottesvolkes geworden wäre; somit werde man „mit der Taufe“ in die Gemeinschaft dieses Volkes eingefügt. Hier begegnet uns allerdings dieselbe „christliche“ Magie wieder, von der wir oben gesprochen haben. Schon der Gedanke, daß durch die Beschneidung jemand ein Teil des Gottesvolkes geworden sei, ist irreführend und falsch, und spätestens bei den weiblichem Gliedern desselben muß dies auch dem Dümmsten auffallen. Teil eines Volkes wird man nicht anders als durch Geburt; bis heute gilt im orthodoxen Judentum der als Jude, der eine jüdische Mutter hat. Wer zum jüdischen Glauben übertritt und sich beschneiden läßt, der ist wohl ein Konvertit, wird damit aber nicht zu einem Juden. [19] Genau so, wie man Glied des jüdischen Volkes nur durch Berufung und Geburt werden kann, so kann man auch Glied am Leibe des Herrn nur durch Berufung und Wiedergeburt werden. Als vollends unsinnig entpuppen sich solche Behauptungen dann, wenn auf jene verwiesen wird, die aus medizinischen Gründen beschnitten worden sind. Beschnittene gibt es deren viele; dies aber macht sie nicht zu Teilhabern der göttlichen Verheißung, wie Ismael zwar beschnitten war und trotzdem keinen Anteil an diesen Verheißungen, nämlich des Gottesbundes, besaß und damit, wiewohl gesegnet, auch nicht zum Volke Gottes zugehörig zählte. Dasselbe ist beispielsweise zu den Söhnen Moses zu sagen, die von einer midianitischen Frau geboren worden sind und – unter dem Eindruck drohenden Zorns – eilends beschnitten worden waren; dennoch werden sie in Moses Genealogie, innerhalb des jüdischen Volkes, nie wieder erwähnt; die Linie Moses endet traurigerweise mit Mose selbst, während die Linie der Söhne Aarons, des Bruders Moses, alleine weitergeht; aus ihnen entstand letztlich der Priesterstamm. Daß Moses Grab nicht nur verborgen wurde, sondern auch der Teufel mit dem Erzengel Michael um seinen Leichnam stritt (Judas 9), hat auch mit solchen Zusammenhängen etwas zu tun.
Darum bedarf der, der heute zu einem Gliede des Gottesvolkes werden will, nicht eines Rituals, auch nicht dem der Taufe, sondern der neuen Geburt „aus Wasser und Geist”, die ausschließlich nur „von oben her” vollzogen werden kann (Joh 3. 3ff). Die Taufe ist wohl von Gott verordnet; sie ist aber kein „göttliches” Geschehen, für das der Mensch „nichts könnte”, sondern ist klar in die Hände und damit die Verantwortung der Menschen gelegt, da anderenfalls die neutestamentlichen Anweisungen, zu taufen oder sich taufen zu lassen, ihres Sinnes entleert würden. Bis heute ist es die Frage aller Fragen: Haben wir den Heiligen Geist empfangen, da wir gläubig wurden? (Apg 19. 2). Dies ist eine eindeutige Frage, auf die eine ebenso eindeutige Antwort möglich ist, denn der Geist Gottes bezeugt unserem menschlichen Geist aufs Gewisseste, daß wir Gottes Kinder sind, wenn Er in unseren Herzen wohnt (Rö 8. 15 - 17). Wir haben in diesem Falle also ein inneres und unabänderbares Wissen, eine feste Überzeugung darüber, welche uns niemand streitig machen kann, weshalb dieses innere Wissen auch als „Heilsgewißheit“ bezeichnet wird. Diese Frage ist heilsentscheidend, denn „wenn jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein“, Rö 8. 9. „Glaube“ heißt eben nicht, einfach nur so „zu tun“, „es für wahr zu halten“ oder „es sich einzureden“, als „hätten“ wir die Dinge Gottes schon in unserem Besitz, nur weil Gott einmal davon gesprochen habe, daß die Seinen sie in ihrem Besitz gehabt hätten. Sogar Luther soll in der ihm eigenen drastischen Sprache davon gesprochen haben, daß Gott Sich „aus Seinem Wort herausschälen“ könne, „so daß ihr nur noch die Hülsen nachbehaltet“. An deren Wirksamkeit zu glauben, wäre vergeblich und nichts als Magie. „Leere Hülsen“, in denen nicht zu finden ist, was darauf geschrieben steht, finden wir heute allerdings viele, den „Glauben“ an sie auch. Die Bibel spricht jedoch von einem Glauben, der in sich tot ist, weil er keine Werke hat. Ein solcher Glaube ist ein gefährlicher Trugschluß, der niemanden erretten kann, denn „auch die Dämonen glauben und zittern“ (Ja 2. 18 - 26).
Glaube kann nicht sein, wenn er sich nicht auch in der Tat erzeigt. Ein Glaube ohne Tat ist kein Glaube, sondern entweder menschliche Phantasie oder Philosophie, wobei – nach Kol 2. 8 – die Grenzen zwischen beiden fließend sind. Einen solchen „Glauben“ meinte Paulus nie, und nichts von einem solchen finden wir bei den ersten Christen. Insofern sind Paulus und Jakobus sich sehr viel näher, als vielen Christen lieb sein dürfte, und bekanntermaßen liegt hierin auch ein Grund verborgen, weshalb Luther mit dem Jakobusbrief nicht viel anzufangen wußte, so daß er ihn als „stroherne Epistel“ bezeichnete und fast ans Ende des neutestamentlichen Kanons platzierte, weil er ihn nicht für „apostolisch“ hielt. So war auch die Taufe in der frühen Gemeinde eine höchst öffentliche und für alle ebenso sichtbare wie nachvollziehbare Angelegenheit. Wer durch die Verkündigung hinzugerufen war, der bekannte öffentlich seine Sünden und ließ sich ebenso öffentlich taufen, um allen anzuzeigen, daß er mit seinem früheren Leben restlos gebrochen hatte, indem er es im Wasser ertränken ließ, womit es in den Tod Christi versenkt wurde; der aus dem Wasser heraus kam, war ein neuer Mensch geworden, und dies nicht nur ideell, indem er daran „glaubte“, sondern – durch die neue Geburt – in der Realität eigener Lebenserfahrung. Von einer solchen Taufe kann man dann auch sagen, daß sie im Zusammenhang der Sündenvergebung stehe, und genau auf diese Dinge bezieht Paulus sich, wenn er bei jenen, zu denen er in seinen Briefen spricht, diese Dinge bei ihnen als geschehen voraussetzt. Er sagt also gewiß nicht, daß man an diese einfach nur zu „glauben“ habe, indem man sie als „für sich geltend“ betrachte. Der, bei dem dies nie geschehen ist, der hat auch kein Recht, davon zu sprechen, daß sie bei ihm „geschehen“ seien, nur „weil Gott dies in Seinem Wort schließlich so gesagt habe“. Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, haben nur die, die Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes, selbst angenommen haben (Jo 1. 14).
„Das ist das Evangelium“, schrieb mir einer jener Kirchenvertreter, „Jesus ist der Christus, der uns befreit hat – das ist eine Tatsache, auf die ich mich berufen kann. Auch bei der Beichte oder der Buße habe ich nur diese Tatsache“. Gewiß, wir bekennen unsere Sünden aufgrund der bereits vollzogenen Tatsache der Erlösung durch Jesu Opfer am Kreuz, weil wir aufgrund des Wortes Gottes wissen, daß, so wir unsere Sünde bekennen, Jesus treu und gerecht ist, daß Er uns die Sünden vergibt und uns von jeder Ungerechtigkeit reinigt (1Jo 1. 9). Was also muß geschehen, damit wir unserer Sünden tatsächlich ledig werden? Wir müssen sie vor Gott und Menschen reumütig bekennen (homo-logeo, gleich-sprechen, d. h. mit der Beurteilung Gottes übereinstimmend, vor Gott und mit einem Menschen als Zeugen, als Sünde aussprechen). Wir erlösen uns damit nicht selbst, wie zu glauben uns jene theologischen Hasardeure unterstellt haben, sondern gehen auf die vollbrachte Erlösung ein, weil sie uns sonst nichts nützt. Es ist also durchaus ein „Preis“ zu zahlen, und dieser Preis besteht in der Aufgabe unseres alten, sündigen Lebens. Die Befreiung, die Jesus vollbracht hat, wird uns eben nicht zuteil, indem wir einfach daran „glauben“, daß sie quasi „per Zuspruch“ unser sei, sondern indem wir – im Gehorsam und im Vertrauen auf die diesbezüglichen Verheißungen – die Schritte gehen, von denen uns die Heilige Schrift sagt, daß diese uns diese Befreiung auch zuteil werden lassen. Wie viele Kirchenchristen schleppen sich sündengebeugt Sonntag für Sonntag in immer denselben Gottesdienst und hören davon, daß ihnen „in Christus“ Vergebung zuteil geworden sei, ohne daß sie ihnen in der eigenen Lebensrealität tatsächlich auch zuteil geworden wäre! Was ist das nur für ein religiöser Selbstbetrug!
Mit solch oberflächlicher Predigt und den vorstehend beschriebenen kirchlichen Praktiken geschieht nichts anderes, als daß die göttlichen Verheißungen auf den eigenen, zutiefst menschlichen Standpunkt heruntergezogen werden; im Ergebnis sehen wir sie verdreht und ihres Sinns entleert, womit wir wieder bei den oben besprochenen „leeren Hülsen“ angelangt wären. Die Grundproblematik dieser Verirrung besteht jedesmal darin, daß man sich – ohne jemals nach „ihrem Preis“ zu fragen, von dem wir oben gesprochen haben – Dinge aus der Bibel zusammenklaubt, die so erzeugten Zusammenklitterungen nach eigenem Empfinden deutet und diese seine Deutung danach sowohl als für sich als auch für den „Rest der Welt“ als „gültig“ erachtet, womit sie Letzterem mit geradezu „missionarischem Eifer“ übergestülpt werden sollen. Die politischen Herrschaftsgelüste, die die Kirche spätestens seit Konstantin geprägt haben und die mit der religiösen Vergewaltigung ganzer Völkerscharen einhergegangen sind, haben genau hier ihren Grund und damit ihren Ursprung. Zwischen solcher „Christianisierung“ und dem Glauben, von dem im Neuen Testament geschrieben worden ist, bestehen allerdings Welten, gekennzeichnet durch den Unterschied zwischen Tod und Leben.
Denn niemand bekommt jemals Anteil an der göttlichen Verheißung, indem er einfach nur „glaubt“, sprich: es nach eigenem Duktus „für wahr“ hält, daß dieselbe sich – allein durch ihr Bestehen – schon in seinem Besitz befände, und ebensowenig gilt der Satz, daß jemand über einen solchen „Glauben“ auch andere Menschen ins Reich Gottes hinein bringen könne. Dennoch bildet diese Anmaßung einen so großen Teil kirchlich geprägter Theologie, daß sie auf derselben sogar aufbaut und dieselbe – in falschem und darum anmaßendem Rückgriff auf die Theologie des Apostels Paulus – für die „Rechtfertigung des Sünders“ hält. Der von mir sehr geschätzte, längst aber heimgegangene Autor Eugen Edel (+ 1951) schrieb einmal davon, daß ein ihm befreundeter Prediger auf einer seiner Bahnreisen in einem Abteil einem jungen Mann begegnet sei, der sich den dort mitreisenden Mädchen gegenüber sehr schamlos benommen habe. Von dem Prediger zur Rede gestellt, erwiderte dieser ihm, was er denn wolle, er sei doch auch „gut christlich“ – „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid“, das wäre auch sein Wahlspruch. „Ja“, sagte der Mann ihm. „Aber haben Sie dieses Kleid, von dem Sie da deklamieren, auch an?“ Da wurde der junge Mann sehr nachdenklich und sagte, er habe bislang gedacht, es genüge, wenn man das „fest glaubt.“ – Unwirklichkeit pur. [20]
Genau diese selbe Anmaßung religiösen Scheins, mit deren Hilfe man den Fortbestand der Kirche nicht nur zu sichern hoffte, sondern über lange Jahrhunderte hinweg tatsächlich auch sicherte, hat auch zur kirchlichen Tauflehre geführt, nach der man sich durch den bloßen Vollzug einer sakralen Handlung schon im Reiche Gottes wähnt, was man hernach „für sich“ nur noch „lebendig machen“ müsse, indem man „fest daran glaube“. Zur Bekräftigung dieser ebenso blasphemischen wie magischen Irrlehre wird zumeist angeführt, daß Paulus sage, daß wir doch durch den einen Geist zu einem Leibe getauft worden seien (1Kor 12. 13). So begegnet uns hier dieselbe Anmaßung erneut, die so falsch ist, wie etwas nur falsch sein kann. Genau hier liegt auch der Kern der dahinter liegenden Irreführung. Wer immer dies nämlich auf die Wassertaufe bezieht, der „verballhornt“ diese Stelle und vergewaltigt sie, da das Getauftwerden im Heiligen Geist, von dem sie (in der Verbform) spricht, nicht mit der Taufe im Wasser identisch ist. Hier steht eben nichts vom Wasser, durch das wir „in den Leib“ getauft würden. Es ist nicht die Taufe im Wasser, die uns zu Gliedern des einen Leibes macht, sondern die Taufe im und durch den Geist, und von der spricht Paulus hier; anderenfalls hätte er dies nicht gerade in Verbindung mit den Geistesgaben erwähnt, die im selben Kapitel, und zwar durchgehend, thematisiert werden. Dieser selbe Geist, der die Glaubenden zu einem Leibe zusammenfügt, ist es in dem Kontext des ganzen Kapitels auch, der ihnen – als den verschiedenen Gliedern dieses Leibes – jeweils unterschiedliche Geistesgaben schenkt, damit durch sie der Leib auferbaut werde. Und das ist auch derselbe Geist, den Jesus als Seinen Sachwalter und Fürsprecher zu senden verhieß, indem Er Seinen Jüngern zusagte, daß sie mit ebendiesem Geist getauft würden „nicht lange nach diesen Tagen“ (Apg 1. 5).
Diese Zusage finden wir im unmittelbar nachfolgenden Geschehen erfüllt. Von einer Wassertaufe steht jedoch auch hier kein einziges Wort; sie ist zwar ein an die Gemeinde gerichtetes Gebot, an sich aber keine Verheißung. Die Verleihung des Geistes hat Sich Gott Selbst vorbehalten: kein Mensch kann über Ihn verfügen. Jesus allein ist es, der mit dem Geist tauft (Mt 3. 11 ff, Mk 1. 8 usw.; Jo 1. 26 - 33; 14. 16 - 25; Apg 4. 4 - 5). Eine Gemeinde kann hier noch nicht taufen, da eine solche gerade erst vor ihrer Gründung stand, und diese Gründung geschah nicht anders als durch den verheißenen Geist, der die einzelnen Glieder, indem sie alle diesen Geist empfangen, zu einem Leib zusammenschloß. Wer immer dieses Geschehen also auf die Taufe im Wasser deutet, der muß sich daher wenigstens die Frage gefallen lassen, weshalb er Dinge in den Text hineinlegt, die sich – nachgewiesenermaßen – weder aus dem Text selbst noch aus dem Zusammenhang dieses Textes ergeben. Die Taufe mit dem Geist, auf die Pauls sich in der o. a. Korinther-Stelle ganz eindeutig bezieht, sehen wir erstmalig in der Apostelgeschichte sich ereignen, Kap. 2. 1 - 18, und wer immer betont, daß dies doch „nur ein einmaliges, den Juden bestimmtes“ Ereignis gewesen sei, der lasse sich darüber belehren, daß in derselben Schrift dieses selbe Ereignis sich in Kap. 10. 44 - 48 wiederholt, und zwar diesmal für die gläubig Gewordenen aus den Nationen, die noch beim gläubigen Hören des Wortes Gottes, für alle deutlich erkennbar, den Geist Gottes erhalten, „wie auch wir“ – womit Petrus sich ganz eindeutig auf den Anfang der Ereignisse in Apg 2 . 1ff bezieht – , weswegen man übereinkommt, daß diesen nun auch „das Wasser“ nicht vorenthalten werden dürfe (V. 47, 48; Kap. 11. 15 - 18). Die Taufe im Wasser folgt hier der Taufe im Geist; an anderen Stellen geht sie, nach erfolgter Bekehrung, ihr auch voran; nur identisch ist sie mit derselben nicht (s. a. Apg 2. 38). Diese Wahrheit läßt sich selbst anhand der Taufe Jesu noch nachvollziehen, da der Geist auf Ihn kommt, nachdem er getauft worden ist (Mt 3. 16, Mk 1. 9 - 11) und betet (Lk 3. 21).
Die Verheißung Jesu, nach der er seine Jünger so senden würde, wie der Vater Ihn gesandt hatte, erhält von hier aus eine tiefere Bedeutung, bezieht sie sich doch nicht nur auf den Weg der Leiden, des Spottes und der Verfolgung, die Seine Jünger erleiden würden, sondern auch auf den Dienst, den sie – in Jesu Namen – auf der Welt würden auszuüben haben, weswegen diese Zusage u. a. bei Johannes auch direkt mit der Anhauchung der Jünger, damit sie den Heiligen Geist erhalten sollten, im Zusammenhang steht (Jo 20. 19 - 22). Wiewohl Jesus Gott von Gott war, kam Er doch nicht in der Gestalt Gottes, sondern in der eines Menschen auf diese Erde. In Ihm wurde das Wort Fleisch; Gott wurde Mensch. Darum konnte Er auch nichts aus Sich Selbst, weswegen die Ausrüstung mit dem Geist aus der Höhe notwendig war, die Ihn nicht nur zum Dienst befähigte, sondern Ihn vor allem abhängig vom Vater machte, indem er nur das tat, was Er den Vater auch tun sah und was der Vater Ihm sagte. Es ist ein ebenso hochmütiger wie gefährlicher Trugschluß zu glauben, daß wir solcher Ausrüstung nicht bedürften. Der Jünger ist auch hier nie über dem Meister. Wenn schon der Sohn Gottes Sich erniedrigte, so daß er sich dieser Ausrüstung bedürftig erzeigte, wieviel mehr gebührt es uns, uns demütig vor Gott zu beugen und zu bekennen, daß wir ohne Ihn – und damit ohne den Geist aus der Höhe, den uns zu senden Er diesbezüglich verhieß – nichts tun können! (Joh 14. 12 - 20).
Die in der Kirche sehr häufig anzutreffende Unwilligkeit, diese Zusammenhänge (an-)zu erkennen, ist nicht nur ein Hinweis auf die Irrlehre der Taufwiedergeburt, nach der mit der Taufe vorgeblich auch der Geist verliehen werde. Sie zeigt darüber hinaus, daß man die Wahrheit von der Menschwerdung Christi zwar in der Dogmatik, nicht aber in der Konsequenz wirklich ergriffen hat. Genau so, wie Jesus am Beginn Seiner irdischen Wirksamkeit Sich Selbst entäußerte und ganz Mensch wurde, sollen nämlich auch wir gesonnen sein (Phil 2. 5 - 11). Jesus kam und wirkte auf der Erde nicht in der Gestalt Gottes, sondern in der eines von Gott gesandten, von Ihm abhängigen und begnadeten, allerdings in allem gehorsamen und sündlosen Menschen. Die Abhängigkeit, in die der Sohn Gottes Sich begab, ging so weit, daß die Schrift sagt, daß sogar Er den Gehorsam „lernte durch das, was Er litt“, wobei offensichtlich ist, daß sie sich dabei besonders auf die Ereignisse in Gethsemane bezieht (Hbr 5. 7 - 8). Diese Selbstentäußerung sehen wir vorausblickend dargestellt in der Taufe, der Jesus, wiewohl Er keiner Taufe bedurft hätte, Sich Selbst unterzog. Mit dieser Taufe zeigte Er an, daß Er Sein eigenes Leben – und damit das Recht auf dieses Leben – in den Tod gab, da jede Taufe, in der die Wasser über dem Täufling zusammenschlagen, den Tod desselben Täuflings bedeutet, während das Herausschreiten aus dem Wasser das Leben aus diesem Tode anzeigt. Diese Entäußerung des Gottessohnes von Sich Selbst, in der er es „nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein“, machte eine göttliche Ausrüstung und Leitung notwendig, und diese Ausrüstung wurde Ihm verliehen durch den Heiligen Geist, Der in Gestalt einer Taube auf Ihn herniederkam, während der Himmel sich öffnete und die Stimme Gottes sagte: „Dies ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe“, dieselbe Stimme, die später, am Berge der Verklärung, den bis ins Innerste erschütterten Jüngern gegenüber hinzufügte: „Den sollt ihr hören!“ (Mt 3. 16 - 17, 17. 1 - 8).
Es ist
dasselbe Geschenk des Heiligen Geistes, das nun auch die
Jünger, den Worten Jesu gemäß, erfahren (s. Apg 2. 1ff).
Diese allen gemeinsame Geisterfahrung, in der derselbe
Heilige Geist Sich in denselben Feuerflammen auf einen jeden
Einzelnen von Ihnen niedersetzt und sie alle Worte der
Verherrlichung Gottes aussprechen läßt, ein jeder in seiner
Sprache und in seiner Eigenart, schweißt sie zusammen zu einem Leib. Dies ist die Taufe mit Geist und mit Feuer;
davon, daß dazu eine Taufe im Wasser stattgefunden haben
müsse, lesen wir hier nichts. Von einer solchen wird im ganzen Zusammenhang
nicht ein Wort erwähnt. Dabei sind wir nicht der (uns gerne
unterstellten) Meinung, daß sich diese Erlebnisse in jeder
Einzelheit so zu vollziehen hätten, wie dies in der
Apostelgeschichte punktuell geschah. Wir glauben auch nicht
an einen „zweiten Segen“, in der eine gesonderte
„Geistestaufe“ sich der neuen Geburt noch anzuschließen
habe, wie einige Pfingstler lehren. Es geht bei diesem Thema
weder um die Pflege schwärmerischer „Bekehrungsklischees“,
in denen wir „Tag und Stunde“ derselben aufzusagen wissen,
noch darum, daß wir alle „Feuerflammen sehen“ und „in Zungen
reden“ sollten, sondern einzig darum, ob wir den Heiligen Geist erhalten haben, da
wir gläubig wurden, da wir ohne diesen Geist, den die Welt nicht
empfangen kann, keine neue Geburt erfahren und damit auch
keinen Anteil am Reiche Gottes haben können (s. Jo 14. 16 -
17). Wie wir oben sahen, ist dies eine einfache Frage, bei
deren Beantwortung es keine Unsicherheiten geben kann; wenn
Gottes Geist in uns wohnt, dann bezeugt Er nämlich unserem
Geist, daß wir Gottes Kinder sind, als inneres und
untrügliches Zeichen (Rö 8. 14 - 17). So finden wir auch
hier dasselbe Bild vor, das sich den Worten Jesu
entsprechend zeigt: Jesus ist es, Der mit dem Geist und mit
Feuer tauft; die Taufe im Wasser aber hat Er in die
Verantwortung des Menschen gestellt. Nie erscheint die Taufe anders als in
Verbindung mit dem Glauben und damit mit der Bekehrung,
wie wir dies u. a. auch im Missionsbefehl nach Markus
nachlesen können (Mk 16. 15 - 16). Daß
eine Taufhandlung ohne einen persönlichen Glauben des
Täuflings Gottes Gericht von ihm abwenden könnte, ist
demnach eine ebenso traurige wie gefährliche Illusion, die
darüber hinaus (wie wir sahen) von Vorstellungen zeugt, die
viel mit Zaubereisünde, aber nichts mit dem Glauben zu tun
haben, von dem die Bibel spricht.
Wenn nun ein anderer aus der Gilde lutherischer Theologen
schreibt, daß „weder Jesus noch die Apostel ein
ausdrückliches Gebot oder Verbot im Blick auf die
‚Kindertaufe’ gegeben“ hätten, „aber auch kein
ausdrückliches Gebot für die ‚Gläubigentaufe’“, dann muß man
diesem ganz offensichtlich bescheinigen, daß er seine Bibel
nicht wirklich gelesen hat, denn sonst wüßte er, daß die
Taufe immer mit dem Glauben zusammenhängt und in der Schrift
nie anders als mit dem Glauben zusammenhängend genannt wird.
Zu behaupten, Christus oder die Apostel hätten ein Gebot
einer Glaubenstaufe nicht ausgegeben, ist anhand des
geradezu erschlagenden biblischen Materials völlig absurd,
denn ganz klar haben die Apostel gesagt: „Tut Buße (metanoiete: sinnt
um, bekehrt euch), und
lasse ein jeder sich taufen auf den Namen Jesu Christi,
und ihr werdet empfangen die Gabe des Heiligen Geistes“
(Apg 2. 38). Buße und Bekehrung sind die ersten
Schritte des Glaubens. Was also haben wir hier anderes vorliegen als das
eindeutige Gebot, erstens zu glauben und zweitens sich auf
diesen Glauben hin taufen zu lassen? Und auch der Herr
Selbst ordnet die Taufe nicht anders als zusammenhängend mit
dem Glauben an, da er anderenfalls, wie wir vorstehend
gesehen haben, nicht davon gesprochen hätte, daß der, der nicht glaube, im Gericht
verurteilt werden würde.
Kurz zusammmengefaßt, lehrt die Schrift (im wesentlichen) zwei Dinge: Erstens, daß die Taufe uns mit dem Tod Jesu Christi verbindet, wie der Glaube mit Seiner Auferstehung; zweitens, daß die Einfügung in den Leib des Herrn – das ist die Gemeinschaft des Neuen Bundes – vollzogen wird durch den Heiligen Geist, den Gott denen gibt, die sich Seinem Ruf fügen (Apg 5. 32). Die Taufe im Wasser (die Taufe in den Tod, Rö 6. 3 - 4) ist demnach nicht dasselbe wie das Getauftwordensein (Getränktsein) mit dem Heiligen Geist (1Kor 12. 13). Das neutestamentliche Gegenbild für die Beschneidung des Alten Bundes, die mit Händen am Körper geschieht, ist die Beschneidung des Herzens, als die des inneren Menschen, welche nicht mit Händen, sondern durch die Wiedergeburt geschieht, nicht aber die Taufe, denn die geschieht mit Händen (Rö 2. 28 - 29, Phil 3. 3, Kol 2. 11). Daß eine äußerliche Taufhandlung noch keinen neuen Menschen hervorbringt, erkennen wir u. a. daran, daß die vielen, die nach solchem Verständnis doch „getauft“ sind und sich als aufgrund dieser im Stadium eigener Unmündigkeit und Unwissenheit „empfangenen Taufe“ nun als „Christen“ bezeichnen sollen, mit Gott i. d. Regel nichts am Hut haben und ihre eigenen Wege gehen; schon der Kirchgang wäre solchen lästig oder höchstens, je nach Situation, eine nicht zu umgehende Pflicht. Wer wiedergeboren ist, dessen Herz brennt dagegen für Jesus und ist erfüllt von Ihm; der liebt nicht nur Sein Wort, sondern auch die Gemeinschaft all derer, die in gleicher Weise an Ihn glauben. Ein Christ ist nach der Definition des Wortes ein Gesalbter des Herrn; wer diese Salbung (das chrísma) des Heiligen Geistes nicht hat, der „ist nicht Sein“ (Rö 8. 9) und hat demnach auch nicht das Recht, sich als Christ (christianos, Gesalbter) zu bezeichnen (vgl. 1Jo 2. 26ff). Taufe und Wiedergeburt hängen begrifflich zwar zusammen, sind aber keineswegs dasselbe; durch den Geist und das Wort Gottes werden wir von neuem geboren, und durch die Taufe wird diese Wiedergeburt – vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt – angezeigt und damit bezeugt. Hier werden, wie in der kirchlichen Lehre im allgemeinen, ganz entscheidende neutestamentliche Sachverhalte durcheinander gebracht und auf eine falsche, ungöttliche Weise regelrecht miteinander „verwurstet“.
Glaube ist kein Erbringen einer Leistung, sondern nichts als ein kindliches Vertrauen darauf, daß die Erlösung vollbracht, der Preis für meine Sünde bezahlt wurde und der Weg ins Reich Gottes mir offen steht. Nun muß ich diese geöffnete Tür nur noch als eine bestehende anerkennen und durch sie hindurchschreiten, indem ich mich Jesus (und mit Ihm dem Vater) zuwende. Und genau das nennt man Glauben (vgl. Hbr 11. 1 - 3, 6). Auch hierzu brauchen wir die Taufe nicht, noch öffnete sie mir diese Tür. Die Tür, von der wir reden, ist nämlich bereits offen, und die ist Jesus Selbst, der mit weit offenen Armen vor mir steht und fragt: „Willst Du nicht zu Mir kommen?“ – „Willst Du nicht durch Mich mit dem Vater versöhnt sein?“ Es gibt hierzu keine Bedingungen. Wir müssen nur im Glauben zu Ihm hinlaufen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gott nimmt uns an, wie wir sind. Aber zu Ihm kommen müssen wir. Gott stülpt uns das Heil nicht über; eine solche Vergewaltigung, die darum eine Vergewaltigung ist, weil sie ohne unsere Einwilligung auskäme, hätte mit Liebe nichts zu tun. Die Väter hatten recht, wenn sie von solchen Praktiken als von denen einer geistlichen Notzucht sprachen.
Gott gebot einst Noah, er solle die Arche bauen; Er sagte aber auch, das Noah die Seinen mitnehmen sollte. Das war der damalige Rettungsplan Gottes. Die Leute, die mitgingen, glaubten Noah, und es sollte sich erst in der Flut erzeigen, das dieser Ruf richtig gewesen war. Die Arche steht für die Rettung Gottes; sie steht aber auch für die Gemeinde der Erretteten. Es wäre nun fatal zu glauben, daß der Ruf, der an Noah ergangen war, ausgereicht hätte, um diejenigen zu retten, denen er gegolten hatte. Genauso wenig hätte allein die Tatsache, daß die Arche gebaut war, sie alle retten können. Erst als alles das zusammenkam, sowohl das, was Gott gegeben hatte, als auch das Eingehen des Menschen auf diese Dinge, konnte die Errettung geschehen. Wir behaupten also nicht, daß menschliches Handeln an sich retten würde, wenn die rettende Arche nicht vorhanden wäre. Glaube schafft keine neuen Dinge, sondern geht immer nur auf vorhandene Dinge ein. Insofern ist er auch nicht die Tür, wohl aber der Antrieb, der den Sünder durch die geöffnete Tür gehen läßt, eingedenk der Tatsache, daß sie anderenfalls niemandem nützen würde. Alle die, der Stimme Gottes nicht gehorcht haben, sind in der Flut umgekommen. Und so ist es entscheidend, daß nicht nur Noah, sondern auch alle Glieder seines Hauses selbst in das rettende Schiff hineingegangen sind. Da steht eben nichts davon, daß Noah sie – zu der Zeit handelte es sich ausnahmslos um erwachsene Leute – getragen hätte (1Mo 7. 1, 7). Daß Noah sie entsprechend unterrichtet haben muß, sagt der Kontext, denn es wäre wohl unmöglich anzunehmen, daß Noah sich angesichts solcher „Verrücktheiten“ wie der des Baues eines Schiffes auf dem Trockenen nicht hätte entsprechend erklären müssen. Wir hören das Wort i. d. Regel nicht durch Gott Selbst, wohl aber durch die, denen Er das Wort zuerst gegeben und die Er dann auch dazu beauftragt hat, es weiterzugeben. Das ist der biblisch normale und überdies auch logische Werdegang. Genau derselbe Werdegang besteht auch bezüglich der Taufe, deren alttestamentliches „Schattenbild“ die Sintflut ist. Wer so glaubt und sich taufen läßt, der sieht damit auf die „rettende Arche“, und folgt in schlichtem Vertrauen dem verkündeten Wort, um das zu tun, was darin gemäß der Anweisung Gottes gesagt worden ist. Nur so entfaltet die Taufe ihre errettende Kraft. Nicht umsonst verwendet Petrus gerade dieses Bild, wenn er auf die Taufe verweist (1Ptr 3. 17 - 22).
Die „Arche“ Gottes ist da. Niemand muß sie, niemand soll sie erst „bauen“ müssen. Aber hineingehen muß man selbst in sie, wie auch Noah und die Seinen, das sind acht Seelen, in die Arche hineingingen nach dem Wort des Herrn und durch die Wasser hindurch gerettet wurden. Niemand wird gerettet durch ein bloßes „Zusprechen“ der bestehenden Heilstatsachen, als ob sie allein damit schon sein eigen wären. Keiner kann ins Reich Gottes kommen, ohne daß er nicht auch selber hineingehen wollte. Und auch hier gibt es ein „Zu spät“, so daß der Schaden erleiden muß, der dem Ziehen und Locken des Geistes Gottes nicht „zur angenehmen Zeit“ Folge leistet. Taube und Ölzweig sind ja beides Synonyme für den Heiligen Geist, und so trifft sich Noah mit dem Neuen Bund auf einzigartige Weise. Wie die mit einem Ölzweig im Schnabel wiederkehrende Taube bei Noah das Ende des Gerichtes anzeigte, so zeigte dieselbe Taube des Heiligen Geistes nach Jesu Taufe an, daß der Wille Gottes vollzogen und der Gerechtigkeit Gottes Genüge getan worden war.
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Damit sind wir bei den Kennzeichen angelangt, die im Leben eines jeden Menschen zu finden sind, der den Geist Gottes empfangen hat. Wir unterscheiden dabei ein inneres Zeugnis und zwei äußere, die miteinander übereinstimmen und zusammenwirken, so daß einige auch von dem „dreifachen Zeugnis des Heiligen Geistes“ gesprochen haben. Das erste und innerste Zeichen besteht in der Bezeugung unseres (wiedergeborenen) Geistes zusammen mit dem Heiligen Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Wir haben ja nicht einen „knechtischen Geist“ empfangen, daß wir uns abermals fürchten müßten, sondern den Geist der Sohnschaft, der in uns ruft: „Abba, Vater“ (Rö 8. 8 - 9 und 14 - 16, Ga 4. 6). Dieser Geist schenkt uns also, wenn er in uns wohnt, eine ganz klare innere und unerschütterliche Überzeugung (wir nennen sie „Heilsgewißheit“), daß wir Kinder und damit angenommen worden sind. Dieses Zeichen, vermittelst dessen wir in eine Kindschaftsbeziehung zu Gott versetzt werden, ist das allererste und an uns selbst gerichtet; es ist das für das Leben eines Gläubigen wichtigste Zeugnis, weil dessen Fehlen darauf verweist, daß die neue Geburt und Verleihung des Heiligen Geistes noch nicht stattgefunden hat, so daß der, der sich in dieser Frage unsicher ist, aufgrund seines Zweifelns wisse, daß er diese Bekundung des Geistes Gottes nicht aufzuweisen hat und sich daher zu Gott bekehren muß, um den Heiligen Geist zu erhalten.
Das zweite Zeichen, das sich recht bald kundtut, ist nicht an das Innere des eigenen Herzens, sondern an das der anderen Gläubigen gerichtet; es besteht im Zeugnis des Vorhandenseins der Gnadengaben und Bekundungen des Geistes und richtet sich damit vornehmlich an die schon bestehende Gemeinde. Wo Gottes Geist ist, da sind immer auch Seine Gaben. Man kann Gott, den Heiligen Geist, nicht von Seinen Gaben trennen. Anhand des Vorhandenseins der Gnadengaben in einem Menschen erkennen wir darum das Vorhandensein des Geistes Gottes in seinem Herzen (Rö 5. 5). Dieses Zeichen kann durchaus unterschiedlich ausfallen und ist an die Gemeinde gerichtet; somit ist es vor allem eines für diejenigen, die schon etwas gereifter sind und diese Dinge zu erkennen vermögen (Apg 8. 14 - 18, 10. 44 - 46, 19. 6; s. a. Eph 4. 7 - 8 u. a.). In der Frühzeit der entstehenden Gemeinde etwa erkannten die Apostel die Gegenwart des Heiligen Geistes im Leben der soeben Gläubiggewordenen daran, daß sie „in anderen Sprachen“ redeten, die der Geist ihnen eingab, und prophetische Dinge zum Ausdruck brachten, weswegen sie überein kamen, daß diesen nun auch die Taufe nicht verwehrt werden dürfe. Im vorhergehenden Kapiteil haben wir diese Dinge bereits angesprochen.
Das dritte Zeugnis aber ist das Zeugnis der Frucht des Geistes (wobei neun Früchte unterschieden werden) und richtet sich damit „ganz nach außen“ an die Welt, damit sie an der Liebe der Gotteskinder untereinander erkennen kann, „wes Geistes Kinder“ wir geworden sind. Die Menschen merken einfach, woher wir kommen, daran, daß wir „anders“ sind als sie. Dieses „Anders sein“ hat mit irgendwelchen frömmlerischen, komischen und abstoßenden „Schrullen“ nichts zu tun. An der Liebe untereinander werden Jesu Jünger erkannt; der Friede, in dem diejenigen leben dürfen, die nicht nur Gott auch in den widrigen Umständen des Alltagslebens, sondern auch einander ergeben sind, ist vielen schon zum Zeugnis geworden. Dieses Zeichen der Liebe, in das die neunbeerige Frucht des Geistes mündet, ist das Zeichen für die Welt (vgl. Jo 13. 35, 1Jo 5. 2). Im Unterschied zu den ersten beiden ist es mehr wachstümlicher Natur, wie ja auch Früchte wachsen und nicht sofort ausgebildet sind. Doch auch äußere Erfolge wie Wachstum und Prosperität können nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir dort, wo alle diese drei Zeichen fehlen, wohl kaum von der Anwesenheit des Geistes Gottes sprechen können.
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Viele,
die den lutherischen und artverwandten Lehren noch anhängen,
verstehen die Rolle des Glaubens nicht. Schreiben sie schon
der Taufe magische Wirkungen zu, nach denen sie den Menschen
ins Himmelreich befördere, so unterstellen sie allen denen,
die auf die Notwendigkeit von Glauben und Bekehrung hinweisen,
dieselben magischen Vorstellungen im Hinblick auf den Glauben.
Sie denken, daß mit der Bekehrung lediglich die eigene
Willensentscheidung ausgedrückt werde, quasi das feierliche
Versprechen, nun „entschlossen” den Weg mit Jesus zu gehen.
Und sicherlich, so folgern sie richtigerweise, können solche
Versprechungen der Entschlossenheit nur durch mündige Menschen
getroffen werden. „Was wir
im allgemeinen davon zu halten haben”, schrieb ein
Bruder aus dieser Szene, „zeigt
uns Petrus gegenüber Jesus bei der Verleumdung. Tief
traurig, enttäuscht über sein Scheitern war er. Im
Johannesevangelium formuliert Jesus: (Joh 15. 16) Nicht ihr
habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und
bestimmt, das ihr Frucht bringt und eure Frucht bleibt.”
Wer
freilich den Begriff der Bekehrung lediglich als Ausdruck
einer eigenen Motivation versteht, unter Aufbietung seiner
eigenen Kräfte „entschieden” mit Jesus zu gehen, der wird
kläglich scheitern. Aber das
meint Bekehrung und insbesondere der damit verbundene
neutestamentliche Begriff der Umsinnung (metanoia) gerade
nicht. Insofern werden mit solchen Sätzen Dinge
unterstellt, die so nie gesagt und noch weniger so gemeint
worden sind. Nicht die vermeintliche Stärke der eigenen
Antriebskraft, sondern die Erkenntnis des eigenen Versagens
ist die Diagnose, zu der wir notwendigerweise kommen müssen;
mit der Bekehrung dagegen erst beginnt die „Krisis zur
Genesung”. Erst wenn wir mit uns ans Ende kommen, kann Gott
mit uns anfangen. Insofern ist der Hinweis auf das Versagen
des Petrus zwar richtig und notwendig; aber ebenso ist er
unvollständig, denn er will übersehen machen, daß sich Petrus
durch eben dieses Versagen ans eigene Ende geführt sehen
mußte, so daß Jesus ihm gerade
in diesem Zusammenhang klar machen mußte, daß er sich
einst bekehren würde,
wonach er seine Brüder zu stärken habe (Lk 22. 32). Die Bekehrung stand Petrus also
erst noch bevor – und das, obwohl er schon über drei
Jahre mit Jesus unterwegs gewesen war. Gott urteilt nie nach
dem, was vor Augen ist!
Solche Unterstellungen wie die oben
angedeuteten, die üblicherweise aufgrund der Zusammenmengung
von Wahrheit und Fiktion existieren, leben (wie wir gesehen
haben) von Unterschlagungen geistlicher Zusammenhänge und sind
Früchte eines unbiblischen
und entsprechend
fehlgeleiteten
Taufverständnisses, wie es gerade in Kirchenkreisen
(erfahrungsgemäß) weitverbreitet ist. Taufe ist immer Antwort, aber nie
Erwählung. Wohl mögen wir in Christus „das bessere Teil erwählt”
haben, wie es im Liede heißt, aber nicht, ohne zuvor von Christus
angesprochen, demnach von
Ihm berufen und erwählt worden zu sein. Es geht bei
einer Taufe also gerade nicht
um ein Versprechen eines möglichst tadellosen Wandels
mit Gott, sondern um das Eingeständnis unserer vollständigen
Unzulänglichkeit vor Ihm; das aber ist das völlige Gegenteil
dessen, was uns hier gerne unterstellt wird, daß wir es
glauben würden. Weil wir der Herrlichkeit (doxa, Ehre)
ermangeln, die wir bei Gott haben sollten, sind wir von Natur
aus „Kinder des Zorns” und gehören darum rechtmäßig ans Kreuz.
Dies ist das Urteil Gottes über uns, das in Jesus,
stellvertretend für uns, vollzogen wurde. „Stellvertretend für
uns” bedeutet jedoch nicht „ohne uns”, und darum wird Paulus
nicht müde zu betonen, daß alles das, was in Christus am Kreuz
geschehen ist, in Ihm nicht
nur für uns, sondern auch mit uns geschehen ist.
Jesus starb nicht nur für unsere Sünden, sondern Er, der „für uns zur Sünde gemacht”
wurde, obwohl Er „Sünde
nicht kannte”, starb auch unseren Tod, auf daß wir „würden die Gerechtigkeit Gottes
in Ihm” (2Kor 5. 21). Der Kreuzestod ist Gericht über
die Sünde wie über den Sünder gleichermaßen. Der Tod, den Jesus starb, ist
also unser Tod, während wir Anteil bekommen an der
Gerechtigkeit Gottes in Ihm. Jesus identifizierte Sich mit
uns, wie man sich nur mit einem anderen Menschen
identifizieren kann – das ist wahre
Stellvertretung!
Dies ist
ein Tausch, und so, wie er Sich mit uns identifizierte, haben wir uns nun auch mit Ihm, als dem Gekreuzigten und Auferstandenen,
zu identifizieren. Taufe ist demnach Ausdruck der eigenen
Einwilligung in den Tod Jesu – und damit des eigenen, denn wir
sind ja „zusammen
gekreuzigt mit Ihm” (Rö 6. 2ff). Ich begreife: Der Mensch, der da hängt, das bin
eigentlich ich. Darum muß ich nun auch begraben werden, so
wie Christus begraben wurde, so daß von Ihm nichts mehr
sichtbar war, bevor er nicht zu neuem Leben auferstand.
Die Taufe ist daher die erste Konsequenz dieses Geschehens:
Ich sage uneingeschränkt Ja zum Gericht Gottes über mich, dem
Sünder. Ich sage und bestätige: Ja, Gott, Du hast recht – dieses Kreuz ist meine
Strafe, und darum ist dieses Grab nun auch mein Grab. Denn
dieses Ende ist es, was ich, der Sünder, verdient habe.
Gekreuzigt mit Jesus – und darum auch begraben mit Ihm. Wo
begraben? In der Taufe.
– Taufe bedeutet: ich bin tot, und darum werde ich nun auch begraben für mich selber,
für die Welt; darum aber ist auch die Welt „perdu”, obsolet,
vergangen für mich. Denn der, der aus der Taufe herauskommt,
ist ein neuer Mensch geworden, auferstanden durch den Glauben,
und nichts anderes zeigt die Taufe an. Nur ein Toter kann
wiederauferstehen und von Neuem geboren werden. Darum stehen
Bekehrung und Taufe nicht nur zusammen, sondern stets
gleichermaßen und nie anders als zusammenhängend an der
Schwelle der Errettung und Wiedergeburt und damit des
Eintritts ins Reich Gottes (Mt 28. 18 - 20, Mk 16. 15 - 16,
Apg 2. 37 - 41; 5. 29 - 32 u. a.). Wer den Tod nicht will, der durch diese ausgedrückt
wird, der bekommt daher auch keinen Anteil am Leben. Was
Gott zusammengefügt hat, darf der Mensch nicht scheiden!
Damit wir uns recht verstehen: Das Urteil
trug Jesus, und niemand anders sonst; der Ort, an dem dies geschah, ist
weder die Bekehrung, noch die Taufe, sondern das Kreuz.
Doch gar viele der vermeintlich „Toten”, die sich fleißig
darauf berufen, wandeln noch im alten Wesen umher; bildlich
gesehen, „stinken” sie, da sie noch immer den alten Kadaver der überkommenen
Sündenknechtschaft mit sich herumschleppen, während sowohl sie
als auch ihre Umgebung unter dessen Auswirkungen zu leiden
haben. Denn der Ort, an dem wir mit Christus zu gleichem Tode
verbunden, indem wir in
diesen hineingesenkt
werden, ist nach
Römer 6. 3 - 6 eben nicht allein das Kreuz, sondern die Taufe, und dies
geschieht nicht anders als vermittelst des Glaubens. Es ist
die Krux der einschlägigen Kirchenlehren, daß sie da von Leben
sprechen wollen, wo Gott vom Tode spricht, und da vom Tode, wo
das Leben hervorbrechen soll. Im Neuen Testament geschieht
nichts ohne unsere entsprechende Beteiligung, und es gibt
nichts, was mit uns ohne unsere Einwilligung zustande käme.
Das Gericht über den Sünder wurde zwar an Christus vollzogen;
gerade darum aber geht es am Sünder nicht vorbei; anderenfalls
wäre die Aussage des Paulus, daß wir mit Christus
mitgekreuzigt worden seien, gegenstandslos; wir wären noch
immer unter der Macht der Sünde versklavt; das Opfer Jesu wäre
damit zunichte. Der „Skandal
des Kreuzes” (1Kor 1. 23) besteht eben gerade nicht
darin, daß Gott den Sünder „veredelt” und zu seiner „Besserung
Seines Geistes Kraft verleiht” (wie letzteres sich im „allgemeinen Beichtgebet” der lutherischen
Gottesdienstagenda bis heute erhalten hat), sondern darin, daß
Er ihn durch das Kreuz zum
Tode bringt. Wir
müssen nämlich ans Ende kommen mit uns selbst, bevor Gott
aus uns Gefäße Seiner Ehre machen kann. Wer sich immer nur
mit sich selber beschäftigt, und sei es im Hinblick auf die
eigenen Sündhaftigkeit, kann nicht mit Gott vorwärts
schreiten. Wer immer nur die Hand an den Pflug legt und
zurückblickt, ist nicht tauglich für das Reich Gottes (Lk 9.
62). Kaum irgendwo gilt dieser Satz mehr als hier. Ein jegliches Weizenkorn muß
sterben und in die Erde fallen; anders gelangt es nicht zu
neuem Leben und bringt daher auch keine Frucht (Jo 12. 24 -
26).
Gerade
den Satz vom Weizenkorn prägte Jesus nicht nur hinsichtlich
seines eigenen Leidens und Sterbens am Kreuz, sondern auch
hinsichtlich des Weges, den Seine Jünger zu gehen haben, und
es gilt nirgendwo mehr als hier, daß der Jünger nicht über dem
Meister steht (Mt 10. 24). Es ist ein gefährlicher Trugschluß
zu glauben, daß sich dies nicht auch auf die Taufe bezöge. Wer
immer auch diese Zusammenhänge – Sterben, in die Erde fallen – leugnet, der verharmlost
nicht nur, sondern der kultiviert letztlich die Sünde, indem
er sie noch ins Reich Gottes hinein zu „retten“ versucht, eine Sünde, die
besonders unter den Anhängern des Luthertums weitreichende
Wurzeln geschlagen hat. Die unter ihnen vertriebene Tauflehre
ist letztlich nicht anderes als die Frucht einer
unvollständigen, im Alten „hängen“ gebliebenen und damit nie
wirklich zum Durchbruch gekommenen Rechtfertigungslehre. So
kreist man in aussichtslosem Ringen mit der eigenen Sünde
stetig um sich
selbst, statt endlich los zu werden von sich selbst. Selbst namhafte
lutherische Theologen haben eben dieselbe Theologie nie
unkritisch gesehen und auf den Unterschied zwischen
neutestamentlicher und lutherischer Theologie entsprechend
hingewiesen. Über den deutlich erkennbaren Gegensatz der
Theologie Luthers zu der des Apostels Paulus etwa konnten wir
schon bei Prof. Althaus (1888-1966) lesen:
„Des Apostels Wort vom Christenstande
trägt die Züge einer Missions- oder Bekehrungstheologie.
Nicht nur seine Seelsorge, sondern auch seine Theologie ist
durch die Lage von ... Bekehrten bestimmt. Luthers Theologie
dagegen ist auf das innerchristliche Problem der Sünde
gerichtet. Sie hat es nicht mit Bekehrung und Bekehrten zu
tun. Hier fehlt die große
Entscheidungsstunde, der Wendepunkt, der Gegensatz von
Einst und Jetzt... An Stelle der Sukzession von
Einst und jetzt steht das Simultaneum, das simul von Sünde
und Gerechtigkeit... Die Sünde liegt nicht im Schatten der
großen Wendung, sondern im Lichte der immer neuen Erfahrung
eines Lebens, das von Anfang an Christenleben ist (?!) und jene Wendung als einmaliges,
grundlegendes Geschehen nicht kennt... Der
entscheidende Kairos in Bezug auf die Sünde liegt für Paulus
hinter ihm, in der Bekehrung und Taufe, für Luther vor ihm,
in Tod und Auferstehung. – Den Unterschied zwischen der
missionarischen und volkskirchlichen Lage der Erfahrung,
zwischen einer Theologie der Missionstaufe und einer
Theologie der Kindertaufe kann man sich nicht gründlich
genug klarmachen. Wo man ihn vergißt, drohen
verhängnisvolle Fehler des theologischen Denkens und des
kirchlichen Handelns...”
Aus: Althaus,
Paulus und Luther, S. 75, zitiert bei O. S. v. Bibra, Die
Bevollmächtigten des Auferstandenen, Otto Bauer Verlag
Stuttgart, 11. Aufl. 1989, S. 90.
Solche
Gedanken haben unter gewissen „Frommen” stets Empörung
ausgelöst. Entscheidend ist jedoch Gottes Sicht und nicht die
unsere, und so bedarf es eines Schnittes, der im Wortsinn als
radikal zu verstehen ist, denn er geht tatsächlich an die
Wurzel (radix) unseres alten Wesens. Gerade weil es um uns als
Sünder so ernst steht, daß der Schaden irreparabel zu nennen
ist, wurde die Taufe uns nicht zum Leben gegeben, sondern zum
Tode, während der Glaube es ist, der vom Leben kündet, das
allerdings ein anderes, neues Leben ist (2Kor 5. 17). Wie kaum
etwas anderes spricht die Taufe von Endgültigkeit: sie
besiegelt nämlich das Ende des alten Lebens, das wir vor
unserer Bekehrung geführt haben, und damit unseres bis dahin
erhobenen Anspruches an uns selbst. Taufe bedeutet
hinsichtlich des oben angesprochenen Gleichnisses vom
Weizenkorn nichts weniger als die Feststellung, ein
Gestorbener zu sein, da die Wellen des Wassergrabes über dem
Täufling zusammenschlagen; nur der bei der Taufe vorhandene
Glaube, daß Gott diesen Gestorbenen wieder aufzuerwecken
vermag, führt zum Leben, da nur er an
Gottes Gnade anzuknüpfen vermag. Darum werden wir auch nicht anders als durch diesen Glauben
auferweckt, weswegen Paulus ihn in Römer 6 auch als
Auferstehungsglauben definiert. Wie das neue Leben nun aber
nicht mehr meines, sondern aus Christus ist, so ist auch
dieser Glaube nicht der meine, sondern „der des Sohnes Gottes, der Sich
Selbst für mich dahingegeben hat” (Ga 2. 20). Dennoch
nützt er mir nichts, solange ich ihn, wie Paulus, mir nicht
selbst auch zu eigen mache und in ihm nicht zu leben bereit bin. Niemand kann Christus den Glauben
verwehren wollen und doch bei ihm daheim sein, und ebenso
kann niemand für einen anderen glauben, da er über das Herz eines
anderen nicht verfügen kann. Ich kann mich immer nur selbst dem Tode
überantworten, niemals aber einem anderen Menschen. Auch darum
sind Taufen Ungläubiger nicht möglich, ganz gleich, wie alt
sie sind. Aus denselben Gründen kann auch niemand sich selber
taufen.
Es gilt übrigens gerade auch in diesem Zusammenhang,
daß das Heilige nicht den Hunden zu geben ist, noch die Perlen
vor die Schweine geworfen werden dürfen (vgl. Mt 7. 6).
„Schweine” und „Hunde” sind in in der Schrift Synonyme für
„Ungläubige” und „Unreine”, solche also, die in Gottes Augen
noch in der Unreinheit ihres alten Lebens wandeln und daher
keine Vergebung dieser ihrer Sünden erfahren haben. Wir sind
uns als Christen sicherlich darin einig, daß die Taufe,
wiewohl sie von Menschen ausgeführt wird, von Gott eingesetzt
wurde und somit zu jenem Heiligen gehört, was diesen nicht zum
Fraße vorgeworfen werden darf. Damit aber ist deutlich geworden, daß die Taufe nicht
solchen gegeben werden kann, die nicht glauben, da
sie sonst profaniert, ihres Inhalts entleert und somit
entwertet würde, wie wir dies in der Geschichte der „christlichen” Welt immer wieder gesehen
haben.
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Wir
finden im Neuen Testament fünf Berichte vor, in denen – mehr oder weniger – Taufen eines „ganzen Hauses” (d. h.
der anwesenden Mitglieder eines ganzen Haushaltes) bezeugt
werden, die von den Verfechtern der „Säuglingstaufe” reichlich
Verwendung finden. In Anlehnung an diese Beispiele wird die
Behauptung in den Raum gestellt, daß in diesen Haushalten
unmündige Kleinkinder und Sklaven quasi „zwangsweise” – also
ohne auf eine entsprechende Verkündigung, Umkehr und Glauben
selbst reagiert zu haben – mit dem gläubig gewordenen Haupt
dieses Hauses jeweils „mitgetauft” worden seien, was der
Aussage, daß es im Neuen Testament keine Taufe ohne Glauben
gibt, entgegenstünde. Die hier angesprochenen fünf Haushalte
sind das Haus des Kornelius (Apg 10. 17 - 48), der Lydia (Apg
16. 11 - 15), des Kerkermeisters in Philippi (Apg 16. 30 -
33), des Krispus (Apg 18. 8, 1Kor 1. 16) sowie das des
Stephanas (1Kor 1. 16, 16. 15f). Wir halten es für eine große
Irreführung, daß viele kirchliche Stellen diese Dinge
anführen, um ihre Praxis der Säuglingsbesprengung zu
rechtfertigen und immer weiter zu verbreiten, die damit noch
zusätzlich genährt wird, daß diese Dinge von vielen Kindern
Gottes kritiklos übernommen werden nach dem Muster: „Man hat
Schriftstellen angeführt. Dann muß es richtig sein, denn es
ist ja das Wort Gottes”.
Es gibt
jedoch durchaus einen ungesunden Biblizismus, der mit der
Heiligen Schrift nicht in Übereinstimmung zu bringen ist, weil
er sich auf einzelne Schriftworte beruft, ohne ihre
Zusammenhänge zu kennen oder zu beachten. Diese Form der
Schriftklitterung ist die Art und Weise der Verführung des
Widersachers zu allen Zeiten gewesen. Schon dem ersten
Menschenpaar zitierte er in Gestalt der Schlange einige
Passagen der Aussprüche Gottes, nicht aber ohne sie vorher
entstellt und verdreht zu haben, indem er einige, nur scheinbar kleine Dinge wegließ,
andere Dinge hinzufügte, das Ganze durcheinanderwarf und und
so schließlich neue Betonungen setzte (1Mo 2. 16, 17;
vgl. dazu 3. 1 - 5). Exakt dieselbe
Vorgehensweise, mittels Zitieren aus dem Zusammenhang
gerissener
göttlicher Aussagen, bei deren gleichzeitiger Entstellung, ihr Gegenteil
bewirken zu
wollen, finden
wir bei der Versuchung Jesu durch ihn wieder vor, doch Jesus
hielt stand, indem er dessen Verdrehungen sein berühmtes „Wiederum steht auch
geschrieben” entgegensetzte (Mt 4. 1ff).
Satan (w.
Ankläger, Gegenredner)
ist ein
gefallener Engel (eig. Angelos, Bote), der sich als
Überbringer des Lichts geriert, wobei das vorstehend
beschriebene Muster, das durch seine Werkzeuge vorgetragen
wird, stets dasselbe ist (s. 2Kor 11. 14). Nicht umsonst wird
er auch als Diabolos,
Durcheinanderwerfer bezeichnet.
Dasselbe Grundmuster finden wir auch hier wieder vor. Eine eingehende Prüfung jedes der oben genannten Beispiele anhand der Schrift ergibt nämlich, daß ein jeder dieser fünf Haushalte für sich aus Gläubigen bestand, die zuvor die Verkündigung des Wortes Gottes gehört und diese auch angenommen hatten. Daraus ergibt sich, daß es keine „Pauschaltaufen” ganzer Häuser geben kann, sondern immer nur Taufen von Einzelpersonen, die sich zuvor jeweils persönlich dem alten Leben ab- und dem Herrn zugewandt haben, auch wenn sich diese idealerweise gemeinsam in einem Hausstand befinden sollten, deren Glieder nacheinander die Taufe erfahren, was zu dem Eindruck geführt haben mag, daß man „ein ganzes Haus” getauft habe. Nachfolgend wollen wir diese so genannten „Haustaufen” der Reihe nach untersuchen und beginnen mit der Taufe derer, die sich im Hause des Kornelius befunden haben, wobei wir den gesamten Kontext beachten sollten:
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17 Als Petrus bei sich selbst noch
betroffen war, was das Gesicht, das er gewahrt
hatte, wohl zu bedeuten habe, siehe, da standen
die Männer am Tor, die von Kornelius geschickt
worden waren und das Haus des Simon erfragt
hatten. 18 Sie riefen und erkundigten
sich, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu
Gast sei. 19 Während Petrus über das
Gesicht nachsann, sagte der Geist zu ihm: »Siehe,
drei Männer suchen dich! 20 Steh nun auf, steig hinab und geh mit
ihnen, habe keine Bedenken, denn Ich habe sie
geschickt.«
21 Da stieg Petrus
zu den Männern hinunter und sagte: »Siehe, ich bin
es, den ihr sucht. Was ist die Ursache für euer
Hiersein?« 22 Da antworteten
sie: »Hauptmann Kornelius, ein gerechter und Gott
fürchtender Mann, dem auch von der ganzen Nation
der Juden Gutes bezeugt wird, erhielt von einem
heiligen Boten Weisung, dich in sein Haus holen zu
lassen, um Aussprüche von dir zu hören.« 27
Während er sich mit ihm unterhielt, trat er ein und
fand dort viele zusammengekommen. 28 Da
sagte er mit Nachdruck zu ihnen: »Ihr
wisst
Bescheid, wie unerlaubt es
für einen jüdischen Mann ist, sich Andersstämmigen
anzuschließen oder zu ihnen zu gehen; doch mir hat
Gott gezeigt, keinen Menschen als gemein oder unrein
zu bezeichnen. 29
Darum kam ich auch ohne Widerrede, als nach mir
gesandt wurde. Ich möchte mich nun erkundigen, aus
welchem Anlass ihr mich habt
herbeiholen lassen.«
30 Da entgegnete Kornelius: »Vor vier Tagen fastete ich bis zu dieser Stunde, und um die neunte Stunde betete ich in meinem Haus. Und siehe, da stand ein Mann in glänzender Kleidung vor meinen Augen 31 und erklärte: »Kornelius, dein Gebet ist erhört worden, und deiner Almosen ist vor Gottes Augen gedacht worden. 32 Sende daher nach Joppe und lass einen gewissen Simon herbeirufen, der den Beinamen Petrus hat. Dieser ist zu Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer. 33 Folglich sandte ich unverzüglich zu dir. Du hast nun trefflich gehandelt, gleich zu kommen. Daher sind wir nun alle hier vor Gottes Augen, um alles zu hören, was dir vom Herrn angeordnet worden ist.«
34 Da tat Petrus
seinen Mund auf und sagte: »In Wahrheit erfasse
ich es nun, dass Gott nicht die Person ansieht, 35 sondern daß Ihm
in jeder Nation der annehmbar ist, der Ihn
fürchtet und Gerechtigkeit wirkt. 36 Ihr kennt das
Wort, das Er den Söhnen Israels gesandt hat:
den Frieden als Evangelium durch Jesus Christus zu
verkündigen (dieser ist der Herr über alle). 37 Ihr wisst
auch um die Dinge, die sich in ganz Judäa
zugetragen haben, angefangen von Galiläa nach der
Taufe, die Johannes geheroldet hatte, 38 wie Gott
Jesus von Nazareth mit heiligem Geist und mit
Kraft salbte, Ihn, der umherzog, Wohltaten erwies
und alle heilte, die vom Widerwirker unterdrückt
waren; denn Gott war mit Ihm. 39 Wir sind Zeugen
von allem, was Er im Land der Juden wie auch in
Jerusalem tat; den hat man ans Holz gehängt und
hingerichtet. 40 Diesen Jesus
hat Gott am dritten Tag auferweckt, und Er hat Ihm
gegeben, offenbar zu werden, 41 nicht dem
gesamten Volk, sondern den von Gott zuvor
erwählten Zeugen, uns, die wir nach Seiner
Auferstehung aus den Toten mit Ihm gegessen und
getrunken haben. 42 Er hat uns nun angewiesen, dem
Volk zu herolden und zu bezeugen, daß dieser Jesus
der von Gott ausersehene Richter über Lebende und
Tote ist. 43 Diesem bezeugen alle Propheten: Durch
Seinen Namen erhält jeder, der an
Ihn glaubt, Erlassung der Sünden.« 44 Noch während
Petrus diese Worte sprach, fiel der Geist, der
heilige, auf alle, die das Wort hörten. 45 Da waren alle
Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petrus
gekommen waren, außer sich vor Verwunderung, daß
auch auf die Nationen das Geschenk des heiligen
Geistes ausgegossen wurde; 46 denn sie hörten
sie mit Zungen sprechen und Gott hoch erheben. 47 Dann antwortete
Petrus: »Diesen kann man doch nicht das Wasser
verwehren, damit sie nicht getauft würden –-
diesen, die den Geist, den heiligen, ebenso
erhalten haben wie wir.« 48 Darauf ordnete
er an, dass sie im Namen Jesu Christi getauft
würden. Dann ersuchten sie ihn, noch
einige Tage bei ihnen zu bleiben.
Apg 10. 17 - 48
|
Von Säuglingen oder Kleinkindern findet sich in dem
gesamten Text nicht ein einziges Wort. Wir
lesen noch nicht einmal etwas davon, daß Kornelius Frau und
Kinder mit sich geführt habe. Allein vom Begriff „Haus” auf diese zu schließen, ist
zu dürftig, vor allem dann, wenn man darauf ein ganzes
Lehrsystem zu stützen gedenkt. Wir werden uns nachfolgend
ausführlicher mit diesem Begriff zu beschäftigen haben.
Insofern müssen sich die Verfechter der Behauptung, in dem
Geschehen seien Kleinkinder involviert gewesen, die Frage
gefallen lassen, weshalb sie Dinge in diesen Text hineinlesen,
die dort nicht stehen, statt das zu lesen, was dort steht.
Denn schon bei oberflächlicher Lektüre erschließt sich, daß
die Möglichkeit einer Taufe, ohne selbst Glauben zu haben, aus
dem Bericht nicht hergeleitet werden kann; sie würde nicht nur
die Verkündigung des Petrus, sondern auch das Wort der von ihm
angeführten Propheten (V. 43) Lügen strafen. Letztlich führt
alles zu diesem einen Satz hin, nach dessen Erwähnung,
denselben bestätigend, sogleich der Geist auf die ihn Hörenden
fällt. Auch sonst ist dieser Bericht ist ein wunderbares
Zeugnis des in allen Einzelheiten übereinstimmenden und die
Dinge zu diesem Kulminationspunkt hin zusammenführenden
Handelns Gottes durch Seinen Geist. So ist alles vorbereitet:
Wir haben es mit einem Hauptmann zu tun, der sich Gott bereits
zugewandt hat, wenn ihm auch die eine wichtige und
entscheidende Erkenntnis noch fehlt. Dazu wird Petrus,
einstmals jüdischer Fischer aus Galiläa, zu ihm gesandt, nicht
aber, ohne ihn zuvor durch eine Vision anzuweisen, die
Gläubiggewordenen aus den Nationen anzunehmen, da Gott es ist,
der sie gereinigt hat, denn Kornelius ist Römer und nicht Jude
(V. 15 davor).
Als
Petrus das Haus des Hauptmannes betritt, findet er eine ganze
Schar zubereiteter Menschen vor, die sich angesichts Gottes
zusammengefunden haben. Es gibt sogar bereits ein allen
gemeinsames Wissen über verschiedene geistliche Dinge („ihr wißt Bescheid...”, „ihr
kennt...”, „ihr wißt um die Dinge...”, V. 27, 36,
37). Es stellt sich heraus, daß alle diese den Petrus haben
rufen lassen („ihr habt mich
herbeiholen lassen”, V. 29). Von Säuglingen ließe sich solches
nicht behaupten. Diese alle, sagt Kornelius, sind vor
den Augen Gottes zusammengekommen, weil sie alle hören wollen,
was der Herr durch Petrus zu sagen hat (V. 33). Für sie alle
hat Petrus dieselbe Botschaft Jesu: „Durch Seinen Namen erhält jeder, der an Ihn glaubt, Erlassung der
Sünden” (V. 43). Das schließt alle die, die nicht
glauben, aus. Hier empfangen die Versammelten den Geist jedoch schon, während sie
Petrus noch reden hören. Wir haben nach diesem Wort also auf
bereite, schon glaubende Herzen zu schließen. Sollte man
tatsächlich unterstellen können, daß Teile derer, die Petrus
hatten rufen lassen, die bereits Kenntnis über verschiedene
geistliche Aussagen besaßen, die sich vor Gottes Angesicht
versammelt hatten um Sein Wort zu hören, die schließlich
glaubten und so die Erlassung der Sünden erhielten, hätten
Säuglinge sein können? Eine solche Unterstellung wäre geradezu
grotesk. Und so kann allen diesen auch das Wasser der Taufe
nicht verwehrt werden, nachdem sie den Geist Gottes schon
empfangen hatten, welches nicht anders als durch Umkehr und
Glauben geschieht (Apg 2. 38 - 40 und 5. 32, Ga 3. 2 - 5 und
14, Eph 1. 13 - 14).
|
Als sie dies
hörten, wurden sie still, verherrlichten Gott
und sagten: »Demnach hat Gott auch den
Nationen die
Umsinnung (Umkehr) zum
Leben
gegeben.«
Apg 11. 18
|
|
11 Als wir von Troas ausfuhren, kamen
wir geradewegs nach Samothrace, am folgenden Tag
nach Neapolis und von dort nach Philippi, 12 das die
erste Stadt in diesem Teil von Mazedonien ist,
eine römische Kolonie. In dieser Stadt hielten
wir uns einige Tage auf. 13 Am Tag
der Sabbate gingen wir zum Stadttor hinaus an
den Fluss, wo wir meinten, daß eine Gebetsstätte
sei; wir setzten uns dort und sprachen zu den
zusammengekommenen Frauen. 14 Auch
eine Frau namens Lydia hörte zu, eine
Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, die Gott
verehrte; ihr tat der Herr das Herz auf, auf die
von Paulus gesprochenen Worte zu achten. 15 Als nun sie und ihr Haus getauft waren, sprach sie uns zu und sagte: »Wenn ich nach eurer Beurteilung an den Herrn gläubig bin, so kommt in mein Haus und bleibt dort!« Und sie drang in uns. Apg 16. 11 - 15
|
„Aus Belegen der altchristlichen
Literatur geht hervor, daß der Begriff ‚Haushalt’ (bzw.
‚Haus’) alle die umfaßt, ‚die zur Hausgenossenschaft
gehörten’. Da waren unter Umständen die Haussklaven mit
einbezogen, die im Falle des Kornelius ausdrücklich als
‚fromm’ bezeichnet werden, während die Frauen und Kinder in
einem erweiterten Sinne des Begriffes ‚Haus’ nicht einmal
unbedingt mit dazugehört haben müssen. So erwähnt z.B.
Ignatius in seinem Brief an die Gemeinde zu Smyrna (Ign. ad
Smyrn. 13,1) die Frauen und Kinder für sich neben dem ‚Haushalt’: ‚Ich grüße die
Häuser meiner Brüder einschließlich der Frauen und Kinder’, und in
seinem Brief an Polykarp, den Schüler des Apostels Johannes,
(Ing. ad Pol. 8,2) schreibt er: ‚Ich grüße . . . auch die
(Witwe) des Epitropos mit ihrem ganzen Hause und ihren Kindern.’ Damit benutzt
er eine Formulierung, die sich fast wörtlich mit denen in
Apg. 18,8; 10,2; 11,14 deckt.”
Zitiert aus: Rolf Wiesenhütter: „Die schriftgemäße Taufe”,
bei: http://irrglaube.parlaris.com/ftopic754.html.
Vom Haus
des Kerkermeisters in Philippi steht geschrieben:
|
Dann
führte er [der Kerkermeister] sie hinaus und
fragte mit Nachdruck: »Ihr Herren, was muß ich
tun, um gerettet zu werden?« Sie antworteten:
»Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst
gerettet werden, du und dein Haus!« Dann
verkündigten sie [die Apostel] ihm und allen in
seinem Haus das Wort des
Herrn. Darauf nahm er sie in jener Stunde der
Nacht zu sich, wusch ihnen das Blut von den
Schlägen ab und ließ sich auf der Stelle taufen,
er und alle Glieder der Familie seines Hauses.
Dann führte er sie hinauf in sein Haus, setzte
ihnen einen gedeckten Tisch vor und frohlockte,
an Gott gläubig geworden, mit seinem ganzen
Hause.
Apg
16. 30 - 33
|
Wir sehen frei von jeglichem Zweifel, daß alle Mitglieder aus des Kerkermeisters Hause die frohe Botschaft hörten, glaubten und sich demgemäß taufen ließen. Wohl können auch Säuglinge akustisch mitbekommen, daß da irgend welche Laute artikuliert werden. Gewiß ist auch, daß sie Laute schon bestimmten Personen, vor allem der Mutter, zuordnen können. Aber daß ein Säugling Worte hören kann, was impliziert, daß diese Worte als solche auch inhaltlich vernommen werden, ist doch mehr als fraglich. „Glauben und sich taufen lassen” sind dementsprechend beides eindeutige Handlungen, die einen klar gefaßten Willen zugrundelegen, der dann auch zu der genannten Entscheidung geführt hat. Es kann also nicht die Rede von Säuglingen oder anderen Personen gewesen sein, die diese Worte nicht hätten verstehen oder diese Schritte nicht auch hätten gehen können. Hier hat durch das verkündigte Wort in den Herzen der Hörenden tatsächlich etwas stattgefunden, was auf die Annahme dieses Wortes und ein neues Leben schließen ließ. Jemand, der sich taufen läßt, der hat diese Taufe begehrt, der ist auch zu ihr hingekommen. Zwar handelt er nicht anders als aufgrund der in dem Wort dargebotenen Gnade; zugleich aber faßt er auch seinen eigenen Entschluß, der ihn diese Gnade beantworten läßt.
Damit
erklärt sich auch der Sinn des „Glaube an
den Herrn Jesus und du wirst gerettet werden, du und
dein Haus”. Man hat traditionell darunter verstehen
wollen, daß der Glaube des Kerkermeisters als Haupt seines
Hauses ausreiche, damit auch die anderen Glieder errettet
würden, und daraus – unter Verweis auf den Gelähmten in Mk 2.
3 - 5 etwa – einen „stellvertretenden Glauben” konstruiert,
der jemandes Errettung wirke. Dabei ist jedoch regelmäßig die Tatsache
übergangen worden, daß es sich bei dem Hintragen des Gelähmten
zu Jesus zwar um einen Glauben der ihn Tragenden handelte,
jedoch um einen solchen, der von vorläufiger, zu einem eigenen Glauben
hinführender Natur war, ohne den ihm alles das nichts
genützt hätte, und dies binnen
kürzester Frist, da diesem der eigene Glaube des zu
Heilenden, auf Jesu Wort hin, mit den entsprechenden Taten
folgen mußte (Mk 2. 10 - 12). Dazu gesellt sich eine
falsche, katholisierende Stellvertreterlehre: hinsichtlich der
Erlösung gibt es nämlich keinen anderen Mittler als nur den
Menschen Christus Jesus, nie einen anderen, also auch keine
Helfer, Eltern, Geschwister oder dergleichen (1Tim 2. 5, Hbr
12. 24). Darum ist auch nur Er es, der Sünden vergeben kann,
wie Sündenvergebung und Heilung auch als in einem Zusammenhang
stehend benannt werden (Mk 2. 6 - 9ff).
Nun sind
– um zu unserem Kerkermeister zurückzukehren – gläubige
Elternhäuser ganz gewiß der wohl größte Segen, den ein Sohn
oder eine Tochter je haben könnte. Und so stellt auch das
Gläubigwerden des Kerkermeisters sicherlich auch für sein
ganzes Haus gewissermaßen ein Öffnen einer Tür dar, so daß
auch für die Seinen ein Weg gebahnt wird, zu Jesus zu kommen.
Im Altertum hatte dies einen viel größeren Stellenwert als
heute, da wir in einer individualisierten Gesellschaft leben.
Aber durch diese Tür müssen – heute
wie damals – dann auch alle diejenigen selber gehen, die zu dem Hause gehören, das
nach seinem Haupt benannt ist. Das „Du und
dein Haus” bezieht sich also ebenso auf den Glauben, wie auch
auf die Errettung, die diesem Glauben folgt. Genau so,
wie „Du und dein Haus” glaubst, so wirst
auch „Du und dein Haus” errettet werden. Daß der
Kerkermeister dann auch mit
seinem ganzen Hause frohlockte, was ja dieselbe
Fügung darstellt, wird wohl kaum eine andere Bedeutung haben
können als die, daß sowohl
bei ihm als auch bei den anderen Mitgliedern dieses
Hauses große Freude herrschte, nachdem sie alle gläubig geworden waren.
Welchen Grund sollte es wohl bei einem Weltmenschen geben,
sich wegen einer Bekehrung eines anderen zu freuen?
Wenden
wir uns nun dem Haus des Krispus zu, von dem die
Apostelgeschichte berichtet:
|
Auch Krispus, der Synagogenvorsteher,
wurde mit seinem
ganzen Haus an den Herrn gläubig.
Apg 18. 8
|
|
„Ich danke Gott, daß
ich niemanden von euch getauft habe außer Krispus
und Gajus ... ich habe auch die Hausgenossen des
Stephanas getauft.”
1Kor 1. 14, 16
|
Damit
sind wir nun endlich auch bei dem Haus oder, wie Paulus oben
richtiger schreibt, den Hausgenossen des Stefanas
angelangt, die Paulus ebenfalls taufte. Die Fügung „Hausgenossen des Stefanas”
spricht für sich, denn sie sagt ja nichts anderes aus, daß
nicht etwa „ein ganzes Haus” getauft wurde, sondern ein jedes
Mitglied der Familie (oder sonstiger Unterstellter) des
Stefanas für sich. Übrigens
spricht Paulus hier noch nicht einmal von Stefanas selbst, sondern
nur von seinen Hausgenossen! Über das Haus des Stefanas und des
Fortunatus, die zusammen die „Erstlingsfrucht” in der Provinz Achaja
darstellten, schreibt Paulus noch
in demselben Brief, wobei ganz offensichtlich ist,
daß er sich auf deren Häuser
insgesamt bezieht, daß diese beiden „sich
selbst zum Dienst an den Heiligen verordnet” hätten (1Kor 16. 15 - 16).
Dies ließe sich wohl kaum von Kleinkindern berichten. Es gibt
also auch hier keinerlei Rechtfertigung für die Unterstellung
eines Vorhandenseins unmündiger Kleinkinder. Damit ist die
Taufe ausschließlich
Gläubiggewordener in allen diesen Fällen nachgewiesen, so daß
die Säuglingstaufe in keinem einzigen von ihnen auch nur
irgendeine Substanz vorfindet; die Unterstellung angeblicher
Säuglingstaufen hat sich damit als unwahr erwiesen.
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