Das offene Gesicht


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Auge um Auge, Zahn um Zahn: Das Ende der Blutrache

Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern, um es zu erfüllen

Das offene Gesicht – Wesensart des Vaters



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Auge um Auge, Zahn um Zahn: Das Ende der Blutrache

Es beschäftigt uns das Wort Jesu in Matthäus 5, 38 - 48.

38.
Ihr habt gehört, dass geboten worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn.
39. Ich aber sage euch, dem Bösen nicht Widerstand zu leisten; sondern wer dich auf deine rechte Wange ohrfeigt, dem wende auch die andere zu.
40. Wer mit dir rechten und dein Untergewand nehmen will, dem lass auch dein Obergewand.
41. Wer dich zu einer Meile zwingt, mit dem gehe zwei!
42. Dem, der dich bittet, gib; und von dem, der von dir leihen will, wende dich nicht ab!
43. Ihr habt gehört, dass geboten worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
44. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
45. damit ihr Söhne eures Vaters in den Himmeln werdet, weil Er ja Seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und es auf Gerechte und Ungerechte regnen lässt.
46. Denn wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was für einen Lohn habt ihr zu erwarten? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?
47. Wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Außergewöhnliches? Tun nicht dasselbe auch die aus den Nationen?
48. So werdet ihr nun vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

    Das ist eine ebenso bemerkenswerte wie weithin mißverstandene Rede, in der es um die Art des Vaters geht, zu der Jesu Jünger heranreifen sollen. Jesus nimmt hier zunächst die Bestimmungen der Thora, des Gesetzes, erneut auf, aber nicht, um sie weiterhin zur Grundlage zu machen, sondern, um sie noch auszuweiten. Diese Sätze sind oft als Erlaubnis, ja als Gebot verstanden worden, Rache zu üben für erlittenes Unrecht, um es dem Schädiger nach der Maßgabe seiner Tat, geradezu buchstäblich genau, heimzuzahlen. Tatsächlich hat sich diese Fehlinterpretation und Verzerrung der Heiligen Schrift besonders in der islamischen Überlieferung, wie wir sie in entsprechenden Ländern und Gesellschaften vorliegen haben, bis heute aufrechterhalten. Hier spielt noch der uralte Gedanke der Blutrache hinein, wie er im althergebrachten Heidentum jener Völker immer wieder zum Vorschein gekommen ist.

    Das durch Mose überlieferte Gesetz, das zu seiner Zeit eines der modernsten und fortschrittlichsten überhaupt gewesen sein dürfte, aber hatte dem – gerade entgegen der heute so häufig postulierten Auffassung – ein Ende gemacht, und so erzeigen sich seine Bestimmungen im Grundsatz als Anleitung zur exakten Schadenswiedergutmachung, in der der Schädiger selbst den Geschädigten in einen Zustand versetzen soll, der ihn nach aller Möglichkeit schadlos dastehen läßt, allenfalls nicht ohne Ersatz, was wir in einem vielfältigen Regelwerk in der Thora bestätigt finden. Dieses bis dahin einmalige Regelwerk, das in den Zehn Geboten seine Zusammenfassung findet, ist ethisches Vorbild bis in die europäische Kultur und schließlich auch bis in unser Bürgerliches Gesetzbuch hinein geworden. Jede darin enthaltene Regel ist im Grunde darauf zurückzuführen. Wir lernen daraus, daß es bei Gott kein Handeln gibt ohne eigene Verantwortung vor Ihm und vor der gesamten Schöpfung. Gott ist ein Gott des Rechts, und Er bricht dieses Recht nie. Jesus fügt dem jedoch Sein „Aber” hinzu: „Ich aber sage euch”, ich aber habe etwas mitzuteilen, was dem zwar nicht widerspricht, dennoch aber noch weit darüber hinaus geht. Damit wären wir beim Titelthema angelangt: dem offenen Gesicht.

Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern, um es zu erfüllen

    In dem Zusammenhang ist es wichtig zu begreifen, daß Jesus das Gesetz, von dem Er ausgeht, an keiner Stelle in Frage stellt. Es besteht bei Ihm kein Widerspruch zwischen dem Gesetz auf der einen Seite und dem, was Er dazu zu sagen hat, auf der anderen. Jesus löst das Gesetz an keiner Stelle auf, sondern sagt, daß Er gekommen sei, es zu erfüllen - und gerade damit dem Rechtsanspruch Gottes Genüge zu tun.



Das offene Gesicht – Wesensart des Vaters

    Mit dem zweiten Vers aber beginnt auch unser zweites Mißverständnis, das weit verbreitet ist. Dieses Mißverständnis besagt, daß das Hinhalten der linken Wange, nachdem die rechte geschlagen wurde, einer Aufforderung gleichkäme, den Schlagenden einzuladen, weiterzuschlagen. Das aber meint Jesus hier gerade nicht. Wie kann etwa der Sohn Gottes von Seinen Nachfolgern verlangen, etwas, was der Vater als Sünde ansieht, gleichsam nicht nur unkommentiert fortbestehen zu lassen, sondern auch noch dazu auffordern, weiterzumachen, und dabei gleichzeitig von Gottes Art sprechen, die in solchem Verhalten liegen solle? Das ist schlicht unmöglich, und so haben es wir hier mit einer eindeutigen und geradezu diabolischen Pervertierung göttlicher Aussagen zu tun, deren angebliches Vorhandensein von den Feinden des Glaubens aller Art, durch alle Zeiten hindurch, erst kolportiert und danach genußvoll ausgeschlachtet worden ist. [1] Jesu Intention ist jedoch eine völlig andere, die sich nur aus dem Orient, und insbesondere aus dem hebräischen Denken heraus, erklären kann. Bis heute haben sich hier solche Begriffe erhalten wie „das Gesicht hinwenden”, oder auch „das Gesicht verlieren”, die so ganz andere Verhaltensweisen zum Inhalt haben, als wir sie gewohnt sein mögen. Das Hinhalten der anderen Wange bedeutet nichts weniger als das Fortbestehen der Beziehung, die sich im offenen Gesicht, dem andern gegenüber, manifestiert. Dieses unabgewandte und damit offene Gesicht sagt: ich wende mich von dir als meinem Gegenüber nicht ab – selbst wenn du mir Unrecht antun magst, indem du mich in dieses offene Gesicht schlägst und damit nicht nur mich, sondern auch unser Miteinander verletzt, denn jede Sünde manifestiert sich in der Beziehung, dem Menschen gegenüber, den Gott mir in den Weg gestellt hat, und damit immer auch Gott Selbst gegenüber.

    Wir sprechen ja von der Art des Vaters, die sich im „Söhne Werden” der Jünger in V. 44 und 45 andeutet, die dieselben nach Jesu Wort erfahren sollen. Hier ist natürlich nicht gemeint, daß wir auf diesem Wege, der dann ein Weg der Werkgerechtigkeit wäre, Christen, Kinder Gottes also, werden sollen. Jesus spricht ja die an, die bereits Jünger sind, und ist ihnen dabei selbst, als Abbild des Vaters, Gott, erschienen in Menschengestalt, das größte Vorbild. Als dieser wurde
auch Er nicht nur gelästert, sondern auch geschlagen, ja zum Tode gebracht – und vergab. Nie, an keiner Stelle, gab Er das auf, was wir eingangs das „offene Gesicht” genannt haben. Nie sahen wir seine Kommunikation gegenüber diesen Menschen eingestellt. Am Kreuze noch sprach er unvermittelt mit denen, die über Ihn spotteten, und bat den Vater, ihnen zu vergeben, da sie nach Seinem Urteil nicht wußten, was sie tun. Es geht also nicht darum, als Kinder Gottes neu geboren zu werden, sondern darum, daß unser Verhalten, ja unser ganzes Wesen die Art dessen annehmen soll, aus dessen Samen wir geboren worden sind, so daß auch nach außen hin erkennbar wird, wessen Art wir teilhaftig, wessen Kinder wir also sind.

    Nur in solcher Betrachtungsweise erhält die Rede Jesu auch ihren eigentlichen Sinn. Zunächst galt: Wer jemandem das Auge ausschlug, der soll den Schaden erstatten, der diesem Auge entspricht. Ist es der Zahn, der geschädigt oder zerstört wurde, so soll der Schädiger den Zahn ersetzen; kurzum, er soll den Geschädigten so stellen, als ob er niemals geschädigt worden wäre. Soweit der Sinn des Gesetzes, das wir oben schon angesprochen haben und das von Gerechtigkeit spricht, das dem Geschädigten widerfahren soll. Das Wort Gottes bewegt sich also diametral entgegengesetzt zu dem unterstellten System der Rache, das dem Geschädigten scheinbar erlaubte, dem Schädiger seine Tat mit gleicher Münze heimzuzahlen. Über solche Wiedergutmachung aber geht Jesu Wort weit hinaus, ohne freilich das Gesetz an sich in Frage zu stellen. Es ist die Haltung des offenen Gesichtes, das die Jünger annehmen sollen und von der Er spricht; sie umfaßt alles, und so soll sie bestehen bleiben gegen jedermann.

    Jesus hat in unserem Text aus Matthäus 5 nicht nur den Schläger aus V. 38, 39 im Fokus, sondern in V. 40 und 41 auch den Räuber und den, der anderen Menschen ihre Freiheit stehlen will; dabei spricht er jedoch nicht den Täter, sondern das zumindest potentielle Opfer an: Wende dich nicht ab, sagt Jesus zu ihm, sondern bleibe zugewandt, und zeige dies, indem du auch solchen gegenüber über ihre Forderungen hinaus sogar noch willfährig bist, und teile gerade solchen Leuten damit die Art des Vaters mit, der die Sonne scheinen und es regnen läßt über Gerechte und Ungerechte gleichermaßen. So zeigend, daß es nicht mehr nur um Gesetzeserfüllung, sondern um die Liebe und damit nicht mehr um sich selbst, sondern um die Hinwendung zum Nächsten geht, soll die Vollkommenheit des Vaters in uns Gestalt annehmen, die über jedes Heidentum weit erhaben ist.


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Anmerkung zum Thema

[1] Der als Prediger von Buchenwald bekannt gewordene und im dortigen Konzentrationslager ermordete evangelische Pfarrer Paul Schneider (1897-1939) etwa sagte seinen Peinigern sehr klar, was er von ihnen hielt, und erfüllte gerade darin Jesu Wort und Weisung an dieser Stelle. Seine Aufrichtigkeit, geistliche Klarheit und Unbeugsamkeit gegenüber dem verbrecherischen nationalsozialistischen Regime, auch in der Lagerhaft und unter Torturen, bezahlte er mit seinem Leben.


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Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel

Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz

6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose

2. erw. Auflage


Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen

1. Auflage 1994


Konkordantes Altes Testament, Jesaja

Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln

3. Auflage


Konkordantes Altes Testament, Daniel

1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim

Leipziger Str. 11

75217 Birkenfeld


An allen anderen Stellen wurden verwendet:


Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)

Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”

73. Auflage 1993


Revidierte Elberfelder Übersetzung

Verlag R. Brockhaus, Wuppertal


Schlachter - Übersetzung

Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 1985” sowie


„Die Bibel / Übersetzt von Franz Eugen Schlachter nach dem hebräischen und griechischen Grundtext mit Parallelstellen und Studienhilfen / Version 2000 / Neue revidierte Fassung / GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 2003”


Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes

Übersetzung von Fritz Henning Baader, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998

Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg


Novum Testamentum Graece

Nestle - Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988

Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten


Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament

Hrsg. Gerhard Kittel u. a.

Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969ff.




Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Diese Schrift ist am 17. 10. 2013 zuletzt bearbeitet worden.

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