Nikodemus und die neue Geburt


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Eine etwas andere Predigt oder:
Kannst Du das Königreich Gottes sehen?



    Wir lesen das Wort Johannes 3. 1 – 8.


    Unter den Pharisäern war ein Mann, dessen Name Nikodemus war, ein Oberer der Juden. Dieser kam bei Nacht zu Ihm und erklärte Ihm: Rabbi, wir wissen, daß Du als Lehrer von Gott gekommen bist; denn niemand kann die Zeichen tun, die Du tust, wenn Gott nicht mit ihm ist.

    Jesus antwortete ihm: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir: Wenn jemand nicht von oben her gezeugt  wird, kann er das Königreich Gottes nicht gewahren.” Da sagte Nikodemus zu ihm: „Wie kann ein Mensch, ein Greis, gezeugt werden? Er kann doch nicht ein zweites Mal in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden?” Jesus antwortete ihm: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist gezeugt wird, kann er nicht in das Königreich Gottes eingehen. Das vom Fleisch Gezeugte ist Fleisch, und das vom Geist Gezeugte ist Geist. Sei nicht erstaunt, daß Ich dir sagte: Ihr müßt von oben her gezeugt werden. Der Windhauch weht, wo er will; du hörst sein Sausen, weißt jedoch nicht, woher er kommt und wohin er geht. Ebenso ist es mit jedem, der aus dem Geist gezeugt ist.”

    Jesus spricht in diesem Wort von einer Notwendigkeit, die jedem begegnen wird, der Anteil haben will am Königreich Gottes. Wenn irgend jemand – wer also auch immer – das Reich Gottes gewahren will, so sagt Er, dann muß er von oben, vom Himmel, von Gott her gezeugt werden. Er spricht also von einer ganz neuen geistlichen Existenz, die der von oben her empfangen haben muß, der in Gottes Reich eingehen, ja der auch nur irgend etwas von ihm gewahren will. Es gibt keine andere Möglichkeit: Ihr müßt von oben her gezeugt werden – wenn ihr in Gottes Reich eingehen wollt – aus Wasser und Geist.

    Sowohl die Zahl Zwei als auch die beiden Begriffe Wasser und Geist werden uns also ganz zentral zu beschäftigen haben, wie die unserem Wort vorausgegangenen Zeichen, die Nikodemus so sehr umgetrieben haben, daß er sich entschließt, den so ungewöhnlichen Rabbi zu nächtlicher Stunde darüber zu fragen. Es sind dies die beiden Zeichen der Verwandlung von Wasser zu Wein, das auf Jesu Geheiß in Krüge gefüllt worden war, die für gewöhnlich zu kultischen Reinigungszwecken dienten, als auch das dem nachfolgende Zeichen der Austreibung der Händler aus dem Tempel Gottes (in Johannes 2 die Verse 1  - 11 und 12 - 25). Die Beachtung dieses Zusammenhanges, der Nikodemus' nächtlichem Besuch vorausgeht und in den hinein er gebettet ist, ist für unseren Text essentiell. „Wasser” und „Wein” sind göttliches Programm und werden daher geradezu prophetisch abgebildet: Die Versorgung der Hochzeitsgesellschaft mit dem kostbaren Wein kommt aus Krügen, die der Reinigung dienten, sind das erste Zeichen, das der Herr überhaupt tut; die Reinigung des Tempels folgt dem nach: Kein Wein wieder ein Bild, nämlich für den Heiligen Geist und das Leben Gottes also ohne Wasser und damit ohne Reinigung und Neuwerden des Gefäßes, wie auch der Tempel, dem Gebäude, in dem Gott wohnen will, nicht ohne eine Reinigung auskommen kann. Und auch der Tempel ist eine Allegorie: Wir sprechen nicht nur vom Tempel, der mit Steinen gemacht ist, sondern auch dem aus Fleisch und Blut, dem Leib des Menschen, der als ein Tempel Gottes erschaffen worden ist und es nun wieder werden soll. Wasser, Geist und Tempel, das sind also die Dinge, um die es geht. Der Tempel muß gereinigt, ausgekehrt werden, bevor der Wein ins gereinigte Gefäß noch ein Bild des Leibes gegeben werden kann. Folgen wir dem Wort in aller Konsequenz, gibt es ohne dies kein Leben aus Gott, bleibt Sein Reich uns verschlossen, sind Licht und Erkenntnis unmöglich. Diese Zusammenhänge durchziehen geradezu das gesamte Johannesevangelium, wie Goldadern das Erz in einer Goldmine.

    Am Ende des zweiten Johannes-Kapitels sehen wir, daß der Tempel niedergerissen werden muß, um erneut und verherrlicht aufzuerstehen: Jesus „aber hatte von dem Tempel Seines Körpers gesprochen”, Jh 2. 21. Er ist damit der Erste, der diesen Weg ging, und damit „der Erste unter vielen Brüdern” geworden. Alle diese Dinge kehren in der folgenden Auseinandersetzung wieder.

    Wasser ist einerseits ein Bild für das Wort Gottes. Die Bibel spricht von dem reinigenden „Wasserbad im Wort” (Eph 5. 26). Wir hören das Wort, lassen uns korrigieren, uns von den alten Dingen reinigen, ändern unseren Sinn. Hier ist die Stelle, an der das Wort seine reinigende Kraft entfalten können muß, damit uns diese Reinigung auch zuteil werden kann. Hier sind wir bei der zweiten Bedeutung des Wassers. Es steht für die Sinnesänderung, die Buße, in der die Reinigung vollzogen wird. Damit aber steht es zugleich auch für die Taufe, die die Buße bekräftigt und sowohl im Sichtbaren wie im Unsichtbaren ein für allemal bestätigt: Die ersten Christen bekannten ihre Sünden und ließen sich daraufhin taufen, und so waren ihre Sünden abgewaschen worden, was durch die äußerliche Waschung, das Bad der Taufe, angezeigt worden war. All diese Elemente sprechen vom Tod, vom Ende des alten Wesens. Anhand des Gesetzes Gottes, der Zehn Gebote etwa, erkennen wir unseren verlorenen, sündigen Zustand. Wir erkennen, daß wir den Tod verdienen, tun Buße, kehren um zu Gott. Wir kommen zum Kreuz und bekennen unsere Sünde. Im Wasserbad der Taufe wird der Sünder schließlich begraben; der aus der Taufe herauskommt, aufersteht „aus den Toten”, ist ein neuer Mensch. Denn der Geist, der auf ihn herabkommt, ist Der, der lebendig macht. Er steht darum für den Neuanfang, für das neue Leben aus Gott. Da bildete Gott der HERR den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase, und also ward der Mensch eine lebendige Seele (1Mo 2. 7).

    Zur Wiedergeburt gehören darum immer beide, das Wasser und der Geist, der Tod und das Leben. Bei Gott gibt es kein Leben ohne den Tod. Bei Ihm kommt das Leben stets aus dem Tode. Der Tod bedeutet nicht weniger als das Ende des alten Lebens. Willst Du diesen Tod nicht, dann hast Du auch das Leben nicht. Tut Buße, und ein jeder lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen (Apg 2. 38), heißt der Satz, der nicht nur von den Volkskirchen weitgehend abgelehnt wird. Und doch kommt an ihm keiner vorbei, der zu Gott kommen und zu Ihm gehören will. Die neue Geburt geschieht immer nur mit dem Tod des alten Lebens. Weil eine neue Geburt den Tod des Lebens dessen voraussetzt, der von neuem, das heißt also nochmals geboren werden soll, bezeichnen wir sie, zusammen mit dem Neuen Testament, auch als „Wiedergeburt”. Wie das Wasser den Tod des alten, so führt der Geist den Beginn des neuen Lebens herbei. Gott aber gibt Seinen Heiligen Geist ausschließlich denen, die Ihm gehorchen (Apg 5. 32). In denen, die auf Seinen Ruf antworten und ihm Folge leisten, indem sie umkehren und Buße tun, geschieht die neue Geburt von Gott her – sie werden zu Gottes Kindern; Gottes Geist zieht in ihr Herz ein; ihr Geist wird tatsächlich von neuem geboren.

    Das ist etwas ganz Entscheidendes, was in der heutigen Verkündigung oder „Evangelisation” fast schon regelmäßig unterschlagen wird: es ist die Notwendigkeit eigenen Sterbens und Zuschandenwerdens vor dem Thron Gottes. Ich weiß, diese Botschaft ist in den heutigen Wohlfühl-Gottesdiensten evangelikaler oder pseudo-charismatischer Prägung nicht mehr populär. Und erst recht die Liberalen und Bibelkritiker wollen sie nicht hören. Sie stößt viel zu sehr ab; wer möchte schon seine Gäste vergraulen. „Take it easy” - mach´s dir leicht, mach´s dir bequem und genieße die Vorstellung – das ist die heutige Botschaft. Man mag damit wohl volle Säle und vielleicht auch hohe Mitgliederzahlen bekommen. Man mag „erfolgreich” sein nach den Maßstäben dieser Welt. Doch die Tür ins Reich Gottes – hier schlägt man sie zu. Denn der Eingang ins Reich ist nicht das große Tor der gar herrlichen „Mega-Gemeinde”, sondern die enge Pforte; der Weg ist nicht die breite Straße, sondern der schmale Pfad, und nur wenige sind auf ihm unterwegs. Wer also die Massen betört, der geht nicht mit Gott; er öffnet nicht, sondern verschließt Gottes Reich vor den Menschen; der Zutritt bleibt ihnen verwehrt; sie bleiben im geistlichen Tod und damit in der Sünde. Denn nur wer zuvor geistlich stirbt, kann auch von Neuem, d. h. wieder-geboren, ein zweites Mal also geboren werden. Das ist der eigentliche Sinn des Wortes „Wiedergeburt”. Das ist die tiefste Bedeutung dessen, was Nikodemus, der wohl ahnen mußte, worauf es ankam, Jesus zu nächtlicher Stunde fragte: „Kann ein Mensch ein zweites Mal in den Leib seiner Mutter gehen und noch einmal geboren werden?”

    Überlege – Nikodemus kommt allein. Ein Gelehrter legt all seine Gelehrsamkeit ab und kommt zu Dem, Der ihn einzig lehren kann. Niemand außer ihm kann diese Frage stellen; niemand außer Jesus kann sie ihm beantworten. Er bespricht sich nicht „mit Fleisch und Blut”, sondern wendet sich an den Sohn Gottes. Willst Du zu Gott, so ist das nicht eine Sache zwischen Dir und einer Kirche oder einer Gemeinde oder sogar auch einer theologischen Fakultät; es ist eine Sache zwischen Dir und dem lebendigen Gott allein; und niemand außer dem lebendigen Gott Selbst kann sie Dir erklären.

    Und: Es ist tiefste Nacht, als Nikodemus diese Frage stellt... So wie der menschliche Tag sich neigt und seinem Ende zugeht, so muß auch Dein Tag, Dein Licht, Deine Art zu erkennen, ja Dein ganzes Leben mit all dem, was dieses Leben ausmachte, überhaupt zu Ende gehen, muß ganz zuschanden werden, ehe das Sonnenlicht des neuen Tages Dir aufgehen kann - die Sonne, die der Christus ist. Du mußt tatsächlich wieder „in der Mutter Leib” hineinkriechen, mußt Dich ganz klein machen, ganz winzig; Du mußt tatsächlich darin verschwinden; Du mußt also wieder zu dem werden, mußt in dem aufgehen, aus dem Du einmal gekommen bist: Du mußt, bildlich gesehen, wieder „zur Erde” werden, „von der du genommen bist; denn du bist Staub und kehrst wieder zum Staub zurück” (1Mo 3. 19).

    Gott Selbst macht es vor; Er macht Sich ganz klein, um in den Schoß einer menschlichen Mutter gelegt und als Mensch geboren zu werden. Damit beginnt das Werk der Erlösung.

    „Du wandelst den Sterblichen in Staub und sprichst: Kehret zurück, ihr Menschenkinder(Psalm 90. 3). Willst Du also zu Gott kommen? Willst Du wieder-kommen in der Art und Weise, in der Gott hier einlädt? Dann bedenke, daß Er Dich zuvor geistlich sterben, „zu Staub” werden läßt. Nichts wird bleiben von dem, was bis dahin war – außer Staub. Daraus rührt auch der Begriff der Buße „in Sack und Asche”.

    Wahrlich – hier geht´s um die Existenz, um Sein oder Nichtsein. Vielleicht ist das der Grund, weshalb eher die Armen, Verachteten und Ausgestoßenen dieser Welt ins Reich Gottes eingehen als die Reichen, Wissenden und Wohlanständigen: sie haben wenig, was sie aufhält. Denn der Eingang in das Reich Gottes ist die geistliche Armut. Sie hat nichts aus sich selber: Selig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Himmelreich, sagt Jesus (Mt 5. 3). Mit diesem Wort beginnt der Erlöser Seine Predigt vom Reich Gottes. Hast du was, bist du was, sagt die Welt. Hast du was, bist du – nichts, sagt der Herr uns hier.

    Darum singen wir im Lied: Nichts hab´ich zu bringen, alles, Herr, bist Du.

    Bist Du noch immer weise in den eigenen Augen? Dann kann Dir Gott nichts geben, und die Bibel bleibt für Dich ein verschlossenes Buch. Gott kehrt alle unsere Maßstäbe um; Er stellt sie vom Kopf auf die Füße. „Du bist in deinen Augen noch viel zu groß für die Gnade Gottes”, hatte mir einmal ein väterlicher Freund zu sagen. Ihm war recht zu geben. Gott will, daß das Große der Menschen gering werde vor Ihm, damit uns Seine Größe umso heller erstrahle.

    Den Gläubigen in Korinth schreibt Paulus:

    „Denn das Wort vom Kreuz ist zwar denen, die umkommen, eine Torheit. Uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft; denn es steht geschrieben: Ich werde die Weisheit der Weisen zunichte machen und den Verstand der Verständigen verwerfen. Wo ist der Weise? Wo der Gebildete? Wo ist der Fragensteller dieses Äons? Macht nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit? Denn weil (in der Weisheit Gottes) die Welt in ihrer Weisheit nun nicht erkannt hat, befand Gott es als gut, durch die Torheit der Heroldsbotschaft die zu retten, die glauben(1Kor 1. 18 – 21).

    Und weiter schreibt der Apostel:

    „Seht doch nur eure Berufung an, Brüder. Da sind nicht viele Weise dem Fleisch nach, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme; sondern das Törichte der Welt erwählt Gott, damit Er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt erwählt Gott, damit er das Starke zuschanden mache. Das Niedriggeborene der Welt und das Verschmähte erwählt Gott, ja das, was bei ihr nichts gilt, um das abzutun, was bei ihr etwas gilt, damit sich überhaupt kein Fleisch vor den Augen Gottes rühmen könne” (1Kor 1. 26 – 29).

    „Verkaufe, was du hast”, rät der Herr dem Reichen, und gib den Erlös den Armen. Gib alles dran. Und dann komm – und folge – nicht einer Regel, nicht einem Gesetz, nicht einer Gemeinde und nicht einer Religion – folge Mir, sagt der Herr (nach Mt 19. 21). Wer nicht absagt allem, was er hat, kann nicht Mein Jünger sein(Lk 14. 33).

    Der Herr kommt nicht zu den Gerechten. Nicht zu denen, die aus sich selbst noch etwas haben. Die, die Ihn nicht zu brauchen meinen, die läßt Er in Ruhe. Diese Ruhe aber ist trügerisch. Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.(Lk 5. 31 - 32). O Dein Stolz! O Deine eigene Gerechtigkeit! Wie hindern sie Dich doch, mit Gott voranzukommen! Gib sie dran, gib sie ans Kreuz, laß ganz ab davon, wenn Du Jesus folgen willst! Laß sterben, was da sterben muß!

    Als ich mich 1982 zu Gott bekehrte (damals war ich zwanzig Jahre alt) da war mir klar geworden, daß ich nach dieser Bekehrung ein anderer war als zuvor. Ich hatte endlich meine Sünde vor Gott im Angesicht eines Zeugen, eines Bruders bekannt, die ich so lange schon mit mir herumgeschleppt hatte. Wir beteten gemeinsam; der Bruder, der selber schon beim Herrn ist, sprach mir die Vergebung zu – in Jesu Namen. So erfuhr ich die Vergebung und die Annahme Gottes.

    „Und dies ist die Botschaft, die wir von Ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und keinerlei Finsternis ist in Ihm. Wenn wir sagen: wir haben Gemeinschaft mit Ihm –, und dabei in der Finsternis wandeln, so lügen wir und sprechen nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie Er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. Wenn wir sagen: wir haben keine Sünde, so führen wir uns selbst irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Er treu und gerecht, daß Er uns unsere Sünden erläßt, und uns von jeder Ungerechtigkeit reinigt” (Jo 1. 5 - 10).

    All meine Sünde war weggenommen – in einem einzigen Augenblick. Ich war frei, denn ein anderer hatte die Strafe für meine Sünde auf Sich genommen. Jesus, der Gerechte, war am Kreuz meinen Tod gestorben, den Tod des Sünders, der ich war, den Tod, der mir zustand. Er, der Reine, nahm meine ganze Unreinheit auf Sich. Das ist das größte Wunder, das ein Mensch erleben kann, und ich hatte es für mich angenommen. Denn für mich, den Sünder, war es geschehen. Ich bezeugte dann der ganzen Versammlung, was ich damals gewesen war, und was nun nicht mehr; ich sprach darüber, was ich vorher nicht war, nun aber geworden war. Ich erinnere mich daran, als wäre es heute geschehen. Die Aussage dessen, was ich da aus mir herausbrachte, war eigentlich ganz schlicht: Früher war ich ein Dieb, und jetzt bin ich ein Kind Gottes. Und der Dieb war es, der zu sterben hatte! Und - wer bist Du?

    Das ist das Todesurteil Gottes. Gottes Zorn über den Sünder ist geoffenbart. Nicht der Segen. Nicht der Wohlstand. Nicht die Heilung. Nicht die überquellende Geldbörse, nicht das schicke Auto und auch nicht der Erfolg in dieser Welt. Sondern Gottes Zorn, der den Tod des Sünders fordert. Unerbittlich und klar. Aber damit beginnt ja das Evangelium!

    „Es brennt!” will uns das Evangelium sagen. „Rette sich wer kann!”

    Denn enthüllt wird der Zorn Gottes über alle Unfrömmigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit niederhalten, weil das über Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist: Denn Seine unsichtbaren Wesenszüge sind seit der Schöpfung an den Tatwerken begreiflich und ersichtlich geworden (nämlich Seine unwahrnehmbare Kraft und Göttlichkeit) damit sie unentschuldbar seien. Weil sie, Gott kennend, Ihn nicht als Gott verherrlichen oder Ihm danken, sondern in ihren Folgerungen eitel wurden, ist auch ihr unverständiges Herz verfinstert. Vorgebend, weise zu sein, sind sie töricht geworden und verändern die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in die Gleichgestalt eines Bildes: der vergänglichen Menschen, der Flügler und Vierfüßler und Reptilien.

    Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben, in Unreinheit ihre Körper unter sich zu verunehren: sie, welche die die Wahrheit Gottes in Lüge abändern und die Schöpfung verehren und ihr Gottesdienst darbringen anstatt dem Schöpfer, der gesegnet ist für die Äonen! Amen!

    Deshalb hat Gott sie in ehrlose Leidenschaften dahingegeben; denn auch ihre Weiblichen änderten den natürlichen Gebrauch zur Unnatur ab – gleicherweise auch die Männlichen: den natürlichen Gebrauch der Weiblichen verlassend, entbrannten sie in ihrer Brunst zueinander, Männliche mit Männlichen Unschicklichkeit treibend und so, wie es sein mußte, die Heimzahlung ihrer Verirrung an sich selbst wiedererhaltend.

    Und so wie sie es als nicht bewährt erachteten, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie in ihren unbewährten Denksinn dahingegeben, das zu tun, was sich nicht gebührt: erfüllt mit jeder Ungerechtigkeit, Bosheit, üblem Wesen, Habgier; gedunsen vor Neid, Mord, Hader, Betrug, Übelwollen; Ohrenbläser, Verleumder, Gott Verabscheuende, Frevler, Stolze, Hoffärtige, Erfinder übler Dinge, gegen Eltern Widerspenstige, Unverständige, Unzuverlässige, Lieblose, Unversöhnliche, Erbarmungslose, die die Rechtsforderung Gottes erkennen, daß die, die solches verüben, den Tod verdienen; nicht nur tun sie es selbst, sondern pflichten auch denen bei, die es verüben (Römer 1. 18 – 32).

    Dahingegeben! Dahingegeben! Dahingegeben! Dreimal dahingegeben! Lies, was Paulus schrieb; dann schau Dir unsere Welt an; dann sage mir, daß das nicht zutrifft, was hier steht! Das wird auch Dir schwerfallen, wenn Du ehrlich bist, nicht wahr? Und dann sieh auf Dein Leben. Nicht auf das des Nachbarn, des Arbeitskollegen, des Chefs oder wessen auch immer. Sondern auf Deines, denn um dieses Leben geht es. Bist auch Du - dahingegeben? Hast auch Du einige von jenen Dingen in Deinem Leben, von denen Paulus hier spricht, und von denen Du nicht weißt, ob sie Dir wirklich vergeben sind? Du bist nicht frei, nicht los von dem bösen Gewissen? Du hast keinen Frieden in Deinem Herzen? Du weißt auch gar nicht, ob Du eigentlich Gottes Kind bist? Keine Heilsgewißheit - die innere Gewißheit der Errettung - ist in Deinem Leben?

    „...wie geschrieben steht: Es ist keiner gerecht, auch nicht einer... Denn da ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes”, sagt die Bibel. Aber sie läßt uns nicht dabei stehen: „... so daß sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst, durch seine Gnade, mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist” (Rö 3. 10ff, 23, 24).

    Auch du brauchst diese Gerechtigkeit. Du kannst nicht in der eigenen vor Gott bestehen. Auch nicht in der eigenen vermeintlichen Wohlanständigkeit. Noch nicht einmal in der eigenen „Christlichkeit”, auf die wir uns manchmal so vieles einbilden. Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. „Unsere Tugenden sind wie ein beflecktes Kleid”, sagt die Bibel (Jes 64. 5). Dafür starb der Herr am Kreuz und vergoß für Dich Sein Blut. Darum komm heute noch zu Jesus. Er will Deine Sünde abwaschen. Er will dir Seine Gerechtigkeit geben. Aber dafür mußt du etwas lassen: Es ist Dein altes Leben. Du kannst es nicht mitnehmen, wenn Du mit Gott gehen willst. Es ist das Leben der Gottlosigkeit und darum der Sünde – und der Sünden. Gib es Jesus, gib es alles ans Kreuz – es hat nun ausgedient! Laß doch die alten Lumpen! Und dann nimm es an, empfange im Glauben das neue Leben!

    Du weißt nicht wie? Suche Dir (bitte Gott darum) einen Menschen, von dem Du weißt, daß er mit Gott geht, daß er sich an Gottes Wort hält. Solche Menschen findest Du in jeder Kirche oder Gemeinschaft, die Jesus in der Mitte hat und in der Er der Herr ist. Sprich mit diesem Menschen darüber. Geht zusammen vor Gottes Angesicht und redet mit Gott. Wir nennen das Beten. Und dann sprich mit diesem Bruder oder mit dieser Schwester (so nennen wir sie) die Dinge aus, die Dich bedrücken. Suche Gottes Wort und biblische Lehre. Lies die Bibel und glaube dem, was geschrieben steht, laß Dir aber auch von anderen etwas sagen. Beginne am besten mit den Evangelien. Du wirst nicht gleich alles verstehen. Das ist völlig normal; es geht mir immer noch so, daß ich nicht alles begreife und bei anderen, die älter und reifer sind, nachfragen muß. Niemand lebt für sich allein. Es gibt ja auch noch die anderen Kinder Gottes, die jetzt Deine Geschwister geworden sind, als Kinder desselben einen himmlischen Vaters. Laß Dir darum die Gemeinschaft mit ihnen schenken, in der Weise, wie Gott es will. Wo man es ernst meint, da wird man Dir alles näher erklären und kann Dir so weiterhelfen. Bitte Gott, daß Er Dich mit Seinem Geist erfüllen möge und Dir durch diesen Geist die Dinge aufschließe. Suche allezeit Gott – auch im gemeinsamen Mahl und im Gebet. Und schließlich: laß Dich auch im Wasser taufen – als äußeres Zeichen und Verkörperung dessen, daß Dein altes Leben mit Christus begraben ist und Du mit Ihm zu neuem Leben auferstanden bist.

    Das aber ist dann das Ende des alten Lebens. Für immer. Denn ein neues Leben ist geboren – tief in Dir. Was aber haben wir daraus nicht alles gemacht? Sprachen wir nicht oft vom „Lebensstil, wo der Herr vom Leben selber sprach? Und redeten wir nicht oft genug einer bloßen Abänderung von Verhaltensweisen das Wort, wo der Herr unseren Tod meinte? Nein, hier geht es eben nicht darum, unter Aufbietung aller unserer Kräfte ein richtiges Leben zu führen, einen richtigen Lebensstil an den Tag zu legen. Hier geht es nicht um unsere Gerechtigkeit oder um unser Tun, nein: hier geht um die Bankrotterklärung unseres alten Lebens – und darum gerade um das Ende unserer eigenen Gerechtigkeit.

    „Geht ein durch die enge Pforte, sagt der Herr. Denn der Weg ist schmal, der ins Leben führt. Wenige nur sind es, die ihn finden(Mt 7. 13). Und dann sprach er auch von dem breiten Weg, auf dem die Massen, die vielen gehen. Es ist der Weg ins Verderben. Wo läufst Du, lieber Zeitgenosse? Mit wem? Und wohin?

    Willst Du nun mit Jesus gehen? Soll Dein Lebenshaus auf dem Felsen stehen? Die Stürme des Lebens werden kommen. Denke ja nicht, daß alles glatt gehen wird. Kämpfe und Schwierigkeiten werden Dich auf diesem Weg begleiten. Spott und Hohn sind Dir sicher, und manchmal auch Verfolgung. Du wirst auch durch eigenes Versagen gehen. Du wirst Deine eigenen Fehler machen, wie ich meine eigenen Fehler gemacht habe. Dann verzage nicht, denn bei dem Herrn ist viel Vergebung. Er richtet uns immer wieder auf und hilft uns in unserer Schwachheit. So lernen wir alle daraus und kommen weiter. Du aber sei verbunden mit dem lebendigen Gott, mit Dem, der Himmel und Erde geschaffen hat. Du bist im Frieden, im Frieden mit Gott, während die Stürme toben. Es stimmt, daß Gott Dir einen Tisch deckt. Er segnet Dich mit vielem: ER deckt Dir diesen Tisch aber stets im Angesicht der Feinde(Ps 23). In jeder Not ist der Herr dabei; Er errettet nicht immer aus der Not, wohl aber immer in der Not, und trägt uns durch. Das habe ich erfahren dürfen. Das Kreuz wirst Du, werde ich tragen unser ganzes Leben lang. Nie werden wir es los, wenn wir Jesus folgen und bei Ihm bleiben wollen. Wir werden bei Ihm Leben haben und volle Genüge, ja – aber immer ist es „Leben aus dem Tode”, Leben aus dem Mitgekreuzigtsein, zusammen mit Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Nur so wird Friede werden können. Willst Du diesen Tod nicht, dann hast Du auch das Leben nicht, das aus diesem Tode quillt.



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