Von
Angesicht zu Angesicht - Kapitel 5
VON
ANGESICHT
ZU
ANGESICHT
Verlust
und Wiederherstellung
der
Unmittelbarkeit
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Eine
Abhandlung
über
heutige Gemeindestrukturen
und
ihre Beurteilung aus
biblischer
Sicht.
Verschiedene
Studien.
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5.
Gott hat Wege aus dem Tod
Beraubt
und weggeführt: Apathie, der stumme Hilfeschrei
Im
Zusammenhang des Kolosserbriefes bezeichnet Paulus das Wirken jener
„Diener”, mit denen wir uns im vierten Teil beschäftigt
haben, seinem Charakter nach als ein „beraubt” wegführen
„durch Philosophie (Weisheitsfreundschaft) und leere
Verführung, gemäß der Überlieferung der
Menschen, gemäß den Grundregeln der Welt und nicht gemäß
Christus” (Kol 2. 8). Das griechische Wort für
Verführung lautet apate und bedeutet
zunächst Täuschung, Verführung oder
Betrug. Diese Täuschung erweist sich als leer, es ist also
nichts dahinter. Der Täuscher gaukelt ein Ziel vor, zu dem
er nicht hinführen kann oder will, und beschreibt seinen
Zuhörern Wege zu diesem Ziel, gibt er doch vor, es in einer
Erscheinung gesehen zu haben (Kol 2. 18). Täuschung ist, wie
die Vorsilbe a anzeigt, vom Wesen her eine Hinwegführung.
Wir werden im Folgenden noch sehr viel genauer darauf eingehen; hier
soll dies zunächst genügen, um das Wesen der Täuschung
zu beschreiben und uns in deren Begrifflichkeit einzuführen.
Derjenige,
der das vom Täuscher vorgegebene imaginäre Ziel zu
erreichen gedenkt, soll hierzu einen Weg zurücklegen, eine
Leistung erbringen, was den gesetzlichen Charakter dieser
Vorstellung offenbart. Um den Sinn gut zu erfassen, mag es in diesem
Falle hilfreich sein, das deutsche Wort täuschen von
seinem (deutschen) Wortstamm her zu betrachten. Bei einer Täuschung
geht es wesensmäßig um einen Tausch: der eine Stand
soll verlassen werden, um einen anderen einzunehmen, wobei die
Täuschung suggeriert, daß dieser neue Stand auch der
bessere sei. Dieser Sinn ergibt sich auch aus dem
Griechischen. Täuschung ist also eine Verführung,
eine Hinwegführung im Wortsinn, die Betrug zum
Inhalt hat. Erst wenn nach (zumeist mehrfachem) Erbringen der
angetragenen Leistung ersichtlich wird, daß das angegebene
Ziel, die Einnahme des vorgeblich besseren Standes, nicht erreicht
werden kann, wird sowohl der Betrug, als auch die Täuschung, die
als apate vom Wesen her eine Hinwegführung kennzeichnet,
als solche offenbar. Nun erst erkennt der so Getäuschte,
daß er in eine Inhaltslosigkeit hinein weggeführt,
regelrecht entführt worden ist. Deshalb beschreibt Paulus
die Täuschung bzw. die Verführung auch als eine leere
(Kol 2. 8, s. o.). Bei dem, der getäuscht wurde, hat also auch
eine Entleerung stattgefunden, die um so tiefer geht, je
länger die Täuschung andauert. Dies kann schwerwiegende
Folgen für den Geist, die Seele und schließlich auch für
den Körper des Getäuschten haben. Ein Kind Gottes
wird jedoch, gelangte es nicht rechtzeitig aus dieser Täuschung
heraus, deren Ergebnislosigkeit schließlich auf Gott projiziert
haben – war ihm doch gesagt worden, daß der Weg, auf dem
es in die Täuschung gelangte, der Weg Gottes sei. Es hat
zu diesem Zeitpunkt wohl erkannt, daß es getäuscht wurde,
doch ist es nicht in der Lage zu erkennen, von wem und womit.
Solche Gotteskinder befinden sich aufgrund ihres Mangels an
Erkenntnis Gottes in großer Gefahr. So kommt es zur
Beeinträchtigung und schließlich zum Bruch der Beziehung
zu Gott. Dieser Bruch wird sich zuerst daran erzeigen, daß der
sich so betrogen Sehende zunehmend nachläßt, im Wort
Gottes zu leben, und vor allem aufhört, den Vater im Gebet zu
suchen, und setzt sich im Aufgeben der Gemeinschaft mit den Menschen
fort – ist in seinen Augen doch der Hilfeschrei seines
Geistes nicht gehört worden.
Dieser
Hilfeschrei weist auf eine Seite hin, die sich im Bereich sowohl des
Seelischen als auch des Körperlichen, vor allem aber dem des
Geistes im Leben der so Getäuschten auswirkt. Diese Seite
stellt die eigentliche und zentrale Auswirkung der oben beschriebenen
Täuschung dar und darf daher nicht umgangen werden. Eine
Betrachtung der Wortzusammenhänge zeigt uns, wie erstaunlich
vielschichtig die Bedeutung dieses Wortes ist; es ist kaum möglich,
eine allumfassende Deutung zu erbringen. Wir wollen aber nicht darauf
verzichten, auf die wesentlichsten Zusammenhänge des
Griechischen einzugehen, soweit dem Schreiber dies erkenntnismäßig
gegeben ist. Die Verwandtschaft von apate zu dem Wort Apathie
(apateia) zeigt uns, daß beide aus ein und demselben
Wortstamm kommen; sie gehören eng zusammen. Der Begriff der
apate bedeutet zunächst ein zur Seite schlagen. Er
beinhaltet eigentlich eine Nebensetzung (ein Ent-Setzen im
Wortsinn) und weist vom Wortstamm her auf das Verb pat,
jemanden schlagen oder verwunden hin, verbunden mit der Vorsilbe
a für aus, gegen, weg oder neben. Hier
wurde also ein Schlag geführt, eine Verwundung, ein Leiden
zugefügt, dessen Wesen in einer Daseinsänderung besteht.
Eine andere Bedeutung von patasso lautet treffen. Wir
alle kennen ja die Redensart, daß uns der Schlag getroffen
habe. Der hier ausgeführte Schlag traf also sein Ziel und rückte
es aus seiner Mitte, seinem Bezugspunkt. Er bewirkt, wie wir sahen,
eine Nebensetzung; hier findet ein Tausch, ein Wechsel statt, der von
der Unversehrtheit in die Täuschung, in den Betrug führt.
Das
Wort patasso ist ebenso mit dem Wort patéo, treten
verwandt. Dies verrät uns, daß das Ganze einen Übertritt
darstellt. Getreten wird nach unten – mit den Füßen,
die die untersten Glieder darstellen, also von oben herab. Es gibt
demnach ein Obenstehen, ein Überordnen dessen, der da
tritt. Hier findet eine Vergewaltigung sowohl auf der geistlichen als
auch auf der seelischen Ebene statt, da das Opfer sowohl übergetreten
wird als auch sich selbst genötigt sieht, an
diesem Übertreten teilzuhaben. Der Bedrängte wird, da er
einem gewissen, oft subtil erscheinendem Druck ausgesetzt ist, die
ihm gesetzte Ordnung, die als Ordnung des Friedens eine Beziehung
darstellt, verlassen und selbst in den anderen Zustand, die eine
Ordnung des Förmlichen, des Zwanges ist, hinübertreten.
Dies bestätigt sich, wenn wir bedenken, daß das Wort
patasso seinerseits wiederum mit dem Verb tasso, ordnen,
verwandt ist. Mit dem hier ausgeführten Schlag wird also eine
Ordnung, die vor allem ein geordneter Zustand ist, verlassen,
um in eine wesensmäßig andere, wenn auch nur vermeintliche
Ordnung überzuwechseln. Wer so geschlagen wurde, der wurde aus
seiner Lebensbahn, aus seinen Geleisen geworfen, zumal dann, wenn
viele Schläge über eine längere Zeitspanne
hinweg erfolgt sind. Die dabei zugefügten Verwundungen, die von
ihrem Charakter her ein Aus-Ordnen darstellen, richteten sich
gegen
den Geist des Menschen. Dieser Geist ist aus seiner Verankerung,
der Beziehung zu Gott und schließlich auch zu seinen
Mitmenschen herausgeschlagen und beeinträchtigt worden. Der
somit entstandene Riß in der Persönlichkeit des
Geschlagenen kennzeichnet die eigentliche Schwere dieser Verwundung.
Apate ist dabei erzeugendes, apateia das erzeugte
Phänomen – ein verselbstständigter, eingefleischt
wordener Zustand der Selbsttäuschung und Beziehungslosigkeit.
Dieser Prozeß geht regelmäßig einher mit Zuständen
mehr oder minder großer Verwirrung, da das Opfer seine Probleme
nicht mehr einzuordnen weiß – ist es doch verführt,
ja völlig getäuscht worden. Diese Verwirrung zeigt den
Urheber der Verwundung, und damit die Quelle der die apate
auslösenden Lehren an: Es ist der Diabolos, der
Durcheinanderwerfer, die alte Schlange.
Wir
wollen noch ein wenig bei der Erklärung der Wortzusammenhänge
bleiben. Das oben Gesagte bezog sich mehr auf die Ursache und den
Vollzug; nun wollen wir uns dem Erscheinungsbild selbst zuwenden. Im
Vorfeld war gesagt worden, daß mit der Verführung, der
apate ein Schlag geführt wurde, der in eine
Verwundung mündete. Hier wurde also, wie wir an der
Verwandtschaft mit dem Wort patasso sahen, ein Leiden
geschlagen, wurden Schmerzen zugefügt. Der leitende
Aspekt des Wortstammes von apate bzw. apateia wird
daher auch durch das verwandte griechische Wort pathéo,
leiden, angezeigt. Unser Wort Patient ist daraus entlehnt.
Das zugehörige Substantiv, das ebenso das Leiden wie die
Leidenschaft anzeigt, ist pathéma. Die wörtliche
Bedeutung von pathéma ist aus der Ordnung, aus dem
Thema sein. Das hier enthaltene Wort théma ist mit
Gesetztes wiederzugeben und weist auf eine festgesetzte
Ordnung, auf ein Ganzes, auf einen Inhalt hin. Das Wort stellt also
einen Stand, ein Feststehendes dar. Das Wort pathéma
kennzeichnet demnach ein Aufgeben, ein Verlassen bzw. ein
Versehrtwerden dieses Standes. Wer
sich im Leiden, im pa-théma befindet, der befindet sich
also wörtlich in einem Nebengesetzten, neben dem, was ihm
gesetzt ist. Hier wird ein Verlassen der Ordnung und somit ein
entstandener Riß, eine Trennung angezeigt. Auch das aus dem
Griechischen stammende Wort Pathos, das am Besten mit
Leidenschaftlichkeit zu übersetzen ist, ist wesensmäßig
eine Nebensetzung und gehört in dieselbe Begrifflichkeit hinein.
Wer leidenschaftlich wird, der ist von etwas hingerissen worden;
er geht aus Anderem heraus, da er nur noch die eine
Leidenschaft, die eine Nebensetzung sieht. Hier erkennen wir
bereits einen Verlust oder zumindest eine Beeinträchtigung von
Beziehungsfähigkeit.
Zur
Wortfamilie ist schließlich auch die Sympathie
hinzuzurechnen; auch sie stellt, da in ihr ein pathéma
enthalten ist, zunächst eine Nebensetzung dar. Hier aber ist in
der Nebensetzung ein Beziehungspunkt vorhanden, der mit der Vorsilbe
sym-, einem zusammen mit angezeigt wird. Es wird also
das Eigene verlassen, um in eine andere Beziehung einzutreten,
um an ihrer Stelle, für sie und darum mit ihr
etwas zu übernehmen. Sympathie zeigt demnach die im
Gegensatz zur Apathie stehende Fähigkeit an, Mitgefühl
zu haben, mit jemandem zusammen mitleiden zu können. Die
wörtliche Übersetzung des dem zugrundeliegenden
griechischen Wortes sympáscho bzw. sympathéo
ist demgemäß zusammen-Leiden und wird etwa in Rö
8. 7 verwendet, wo es darum geht, mit dem Christus mitzuleiden,
oder in 1Kor 12. 26, wo ausgesagt wird, daß alle Glieder
des Christuskörpers mitleiden, wenn auch nur eines
leidet. Hier finden wir auch beide Ebenen wieder, um die es uns hier
geht: sie betreffen die Fähigkeit, sowohl mit dem Christus, also
mit Gott Gemeinschaft zu haben, als auch mit unserem Nächsten,
mit dem Bruder und der Schwester.
Mit
dieser Gemeinschaftsfähigkeit wird also unsere Anteilnahme
angesprochen, die auch die Fähigkeit des Mitleidens besitzt und
die darüber hinaus aber auch in der Lage ist, sich in tätig
werdendem Mitgefühl, ja Mitleid äußern zu
können. Mitleid ist das Vermögen, sich aus der Fixierung
auf sich selbst herauszubegeben und sich statt dessen in die
Leiden Anderer hineinzuversetzen. Die Fähigkeit des
sympathéo, des Mitfühlen-Könnens, ist dem
Wesen nach Liebesfähigkeit; die Liebe aber ist es, die ihre
Seele für die Brüder niederlegen und damit ihr Leben mit
ihnen teilen kann (1Jo 3. 16). In einem solchen Niederlegen
finden wir die Nebensetzung, das pathéma wieder,
das in diesem Fall jedoch in eine Zusammenführung, in ein
sym- mündet. Dieser Zusammenhang wird in der wörtlichen
Übersetzung von sympathéo deutlich, die
demnach nicht nur ein Zusammen-Leiden, wie wir weiter oben
gesehen haben, sondern darüber hinaus ein Zusammen-Nebensetzen
darstellt. In diesem Zusammen-Nebensetzen werden bereits
Kräfte der Heilung, des Ganzwerdens wirksam, da der Zustand der
Trennung verlassen, also nebengesetzt und eine Beziehung, eine
Gemeinschaft eingegangen wird. Erst der Mitleidende vermag, da
er nicht mehr auf sich selbst fixiert ist, das Leid Anderer zu teilen
und mitzutragen, indem er es auch zu dem eigenen werden läßt.
Er fühlt also mit dem Anderen gemeinsam, entwickelt Mitgefühl
im Wortsinn. Mitgefühl stellt im erweiterten Sinne also die
Fähigkeit dar, sowohl aus sich selbst heraus als auch auf
den Anderen einzugehen, indem es dessen Anliegen zu dem
Eigenen macht.
Das
Leid wie auch die Freude des Anderen läßt den Mitfühlenden
nicht kalt. Mitgefühl ist daher der innerste Ausdruck des Lebens
in der Gemeinschaft, in der Beziehung. Durch eine solche
Gemeinschaftsfähigkeit, die auf den Gegenüber eingehen kann
und daher von ihrem Wesen her eine Beziehungsfähigkeit
darstellt, wird ein Zusammenleben überhaupt erst
ermöglicht. Das all diesen Entlehnungen zugrundeliegende Wort
pathéo oder auch pascho kennzeichnet, wie wir
sehen, also auch eine Fähigkeit, ein Vermögen.
Hier geht es demnach aber nicht nur um die Fähigkeit, Schmerz zu
erleiden, sondern um die, überhaupt Gefühle zu entwickeln,
Anteil zu nehmen, gemeinschaftsfähig zu werden und in einer
Beziehung zu leben. Diese Fähigkeit wurde durch die apate,
die wie eingangs beschrieben eine Hinwegführung darstellt,
jedoch genommen. Im Gegensatz zur Sympathie, die die Fähigkeit
besitzt, sich für einen anderen nebenzusetzen, fehlt ihr
die Beziehung. Apate ist eine Nebensetzung in die Leere, in
die Beziehungslosigkeit hinein. Somit kommt es zur apatheia,
der Apathie, dem mehr oder weniger ausgeprägten Verlust der
Empfindungs- und Mitteilungsfähigkeit. Wie wir sahen,
bezeichnet die in apate bzw. apateia enthaltene
Vorsilbe a eine zusätzliche Negierung; sie weist
somit darauf hin, daß dieses Phänomen, das in seinem
Wortstamm ja selbst ein pathéma, ein Weggesetztes
beinhaltet, in einer Wegsetzung ins Nichts besteht: der
Leidende kann selbst keinen Anteil an der Umwelt mehr nehmen, kein
Mitgefühl mehr entwickeln. Verführung, die als apate
bekannte Hinwegführung, beschreibt dabei die Ursache,
während Apathie, apatheia, das Hinweggeführtsein
und damit die Auswirkung verkörpert. Beide Wörter, apate
wie apateia, beinhalten vom Ansatz her also ein Leiden, das
ein Getrenntsein im Nichts darstellt und den Betreffenden
völlig in die Isolation führt.
Apathie
kennzeichnet in seiner Beziehungslosigkeit das Ende von Sympathie,
von Hingezogensein und Gemeinschaftsfähigkeit - sowohl Gott als
auch den Menschen gegenüber. Ein apathischer Mensch ist
unempfänglich geworden, erscheint seinen Mitmenschen gegenüber
wie gelähmt und nimmt von ihnen nichts mehr an: zu oft und vor
allem zu lange ist er betrogen worden. Apathie im Endstadium ist im
wesentlichen die zur Eigendynamik fortgeschrittene, weil beständig
aufrechterhaltene und somit über einen langen Zeitraum hinweg
erstarrte Täuschung. Diese Erstarrung ist ein Kennzeichen jener,
die sich allzu lange der Täuschung hingegeben haben und infolge
dieser sowohl in der Seele als auch im Geist verwundet worden sind.
Ständig getäuscht wordene Menschen stumpfen allmählich
ab, werden teilnahmslos, werden regelrecht ausgelaugt. Die Lüge
hat für sie den Schein von Wahrheit angenommen; die Lösung
des Problems scheint ihnen so nah und ist doch so fern. Schließlich
geraten sie in eine Wirklichkeit hinein, die andauernd zwischen
Erwartung und Selbstverurteilung schwankt – in einer ganz
eigenen und verschlossenen Welt, die am Ende keinerlei Zugang mehr
zuläßt, weder von innen nach außen, noch von außen
nach innen. Diese Wirklichkeit ist in Wahrheit jedoch eine
Pseudowirklichkeit, aus der es nun aber kein Entrinnen mehr zu
geben scheint. So ist das ununterbrochen betrogen wordene Herz, das
sich ständig zwischen erzeugten und unerfüllten Hoffnungen
hin und her getrieben sah, krank geworden (Spr 13. 12). Der von
Apathie Geplagte ist innerlich ausgebrannt, er ist, wie wir oben
sahen, entleert worden. Es kommt zu beginnenden Depressionen,
die – langfristig – zu einer Aufspaltung der
Persönlichkeit führen können.
Zum
Vergleich sei einmal eine weltliche Definition des Apathiebegriffs
eingefügt. Diese Definition erscheint bei weitem zu flach, zeigt
aber doch die Symptome auf und kennzeichnet dabei wesentliche
Zusammenhänge. Die Microsoft Encarta 99 definiert den
Begriff der ausgewachsenen Apathie wie folgt: „Von
griechisch apatheia, Schmerzlosigkeit, Unempfindlichkeit... In der
Terminologie der Medizin und der Psychologie ein Zustand völliger
Teilnahmslosigkeit, wie er beispielsweise bei extremer körperlicher
und geistiger Erschöpfung möglich ist. Die typischen
Kennzeichen einer Apathie sind die Abwesenheit von Gefühlen
sowie völlige Antriebslosigkeit. Apathie ist symptomatisch für
schwere Formen der Depression und der Schizophrenie” (Microsoft
Encarta 99 Enzyklopädie, 1993 - 1998 Microsoft Corporation, Alle
Rechte vorbehalten).
An
dieser Stelle mag ein kleines Zeugnis aus dem Leben einer lieben
Schwester, sie lebt im Nordosten unseres Landes, erwähnt werden,
die sich für längere Zeit unter den Bedrückungen
befand, die hier ein wenig erläutert worden sind. Sie wurde
daraufhin krank, ernsthaft krank, und war unter den entsprechenden
Symptomen, wie sie hier umschrieben worden sind, in die
psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses eingeliefert worden.
Dort kam sie zur Ruhe, und dort begegnete ihr der Herr. In einer
akustisch hörbaren Stimme hörte sie Ihn: „Dort,
wohin du bis jetzt gegangen warst, gehst du nicht mehr hin.”
Der Herr wies sie an, in die Gemeinschaft zu gehen, in der sie
sich früher befunden hatte. Sie erwiderte, daß sie
gehorchen würde, wenn es der Herr sei. Daraufhin stand sie von
ihrem Bett auf und war augenblicklich geheilt. Die Ärzte kamen
nicht umhin, die völlige Genesung zu bestätigen, und
entließen ihre Patientin aus der Station. So verließ sie
ihre bedrückende Situation und erfreut sich nun der
Gemeinschaft, in die Gott sie hineingesetzt hat. Ihr Weg ist
nun ein Weg in Seinem Frieden und in großer Freude, ein Erweis
von großer Gnade. – Dies zeigt uns an, daß wir
solche Menschen nicht aufgeben dürfen. Mögen liebe
Verwandte, Geschwister usw. am Ende nicht einmal mehr ansprechbar
sein – der Herr vermag sie dennoch anzusprechen und ihr Herz zu
erreichen. Hier ist, neben einer Atmosphäre der Ruhe und der
Annahme, anhaltendes und vor allem hörendes Gebet vonnöten.
Wenn Satan auch gekommen ist, die Jünger Jesu
durcheinanderzubringen, zu sieben und zu sichten, so hat auch Er,
Jesus Selbst, gebeten, daß unser Glaube nicht aufhöre (Lk
22. 31 - 32). Solche Menschen sind nicht etwa dämonisiert –
ihr Herz ist verletzt, ihrem Geist eine Verwundung zugefügt
worden, die nur Gott Selbst heilen kann. So bedarf es mitunter
außerordentlicher Geduld, die jedoch belohnt wird.
An dieser Stelle sei noch etwas eingefügt bzw.
ergänzt. Monate, nachdem wir dies geschrieben haben, bekamen wir Kunde
von anderen Geschwistern aus der Glaubensbewegung, in deren Leben exakt
– Wort für Wort – diese Dinge stattfinden, mit denen wir uns eben
beschäftigt haben, genau dieselben Symptome, genau dasselbe Bild zu
sehen ist. Wir sind selbst erschüttert darüber, wie genau das, was wir
aus Gottes Wort herausfinden durften, auch in der Wirklichkeit
stattfindet – und wir haben voher eigentliche keine Ahnung über diese
Dinge gehabt und darüber, wie weit das geht! Das sind die Früchte; laßt euch
also nicht weiter verführen, kommt heraus, solange ihr könnt, und betet
für die, die noch gefangen sind!
Der
Dienst des Todes: Erstarrte Salzsäulen
Ja,
der Tod ist es, mit dem wir hier zu tun haben, und in dessen
Bereich unweigerlich die so Verführten, wie dies anfangs des
vorigen Kapitels beschrieben worden ist, hineingerieten. Wurden doch
jene, die so beraubt worden sind, gefangen weggeführt (Kol 2.
8), heraus aus der Gemeinschaft des unsichtbaren Gottes und damit
weg von der Gnade, die nur in der Gemeinschaft und Abhängigkeit
Gottes wirksam werden kann. Hierin erkennen wir nicht nur den
Gegensatz zwischen dem Gesetz und der Gnade, sondern auch eine
Wegführung aus der Gnade heraus in das Gesetz hinein, die in
eine Gefangenschaft, die eine Gefangenschaft des Todes ist,
hineinmündet. Das Gesetz ist der Weg, sich durch bloßes
Anwenden eines Regelwerks scheinbar geistlicher Prinzipien –
Paulus bezeichnet diesen Weg als „Philosophie” –
den Bereich sogenannter, im Sichtbaren liegender „Segnungen”
selbst anzueignen. Die Gnade aber ist der Weg der
Gemeinschaft mit dem unsichtbaren Gott, d. h. der
Erkenntnis Seiner Person und damit der Vereinigung mit Ihm. Der
Weg des Gesetzes führt demnach in das Irdische, Sichtbare, der
Weg der Gnade jedoch in das Himmlische, Unsichtbare.
Während
der Apostel darum ringt, daß die Empfänger seines
Schreibens „... in Liebe und zu allem Reichtum der
Vollgewißheit des Verständnisses vereinigt seien, zur
Erkenntnis des Geheimnisses Gottes und des Vaters Christi, in welchem
alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind”
(Kol 2. 2 - 3), verkündigen die, vor deren Raub der
Apostel warnte, eine Weisheit, die im Einhalten von
Gesetzen, Prinzipien und Regeln als „den Grundregeln
dieser Welt” (oder Elementen, Kol 2. 20) besteht. So
setzt man an die Stelle der Erkenntnis des Geheimnisses und der
Person des unsichtbaren Gottes (Kol 2. 2) eine als Gnosis
bezeichnete, vom Gesetz geprägte Wissenserkenntnis sichtbarer
Dinge (siehe 1Tim 1. 3 - 11 und 6. 20 - 21). Diese Dinge sind es
dann auch, die es scheinbar lohnenswert machen, sie sich anzueignen.
Versprechen sie uns doch, wie Gott werden zu können, und
verheißen sie uns, Dinge in die eigene Hand zu nehmen und
selbst entscheiden zu dürfen, was Gut und Böse sei (1Mo 2.
16 - 17, 1Mo 3. 1 - 7). Gott können wir nicht sehen,
sehr wohl aber mit Ihm Gemeinschaft haben; Dinge sieht man –
doch ist es unmöglich, mit Dingen zu kommunizieren. Prinzipien
und Regeln mag man anwenden, ja in ihrer Anwendung Erfolg haben; doch
in die Gemeinschaft mit Gott bringen sie nicht, führen sie doch
von Ihm Selbst weg. Adam war schließlich, nachdem er von der
verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und des Bösen
gegessen hatte, aus dieser Gemeinschaft hinausgewiesen worden. Mit
dem Verlust der Gemeinschaft hatte die Verführung, die apate ihr
Ziel erreicht, das sich im Todeszustand der Apathie ausdrückt.
Denn Gott hatte dem Adam gesagt, daß er nicht von dem Baum der
Erkenntnis von Gut und Böse essen solle, „denn in dem
Tag, da du von ihm ißt, wirst zu sterben du sterben”
(1Mo 3. 17, Baader). Hier wurde ein Todesprozeß
eingeleitet, begann also genau der Zustand sich auszuwirken, den wir
hier zu behandeln haben: die beginnende Apathie als Vorbote, ja als
Prozeß eines geistlichen Sterbens selbst. Die Folge all
dieses Gebarens ist der sichere geistliche Tod – das geistlich
Abgestorbensein, d.h. das Fallen aus der Gemeinschaft mit Gott.
Und einige der Auswirkungen dieses Todes haben wir oben gesehen.
In
dem Zusammenhang solcher zum Tode führender Verletzungen
spielt fortgesetzt ausgeübter Druck durch gewisse Gesetzeslehrer
und sogenannte Leiterschaft - „Koste dies nicht, rühre
das nicht an”, „du hast dies oder hast es nicht, weil du
dieses oder jenes nicht tust oder läßt”, „du
bist unter dem Fluch, weil du jenes unterlassen hast”, „du
hast dich der Leiterschaft unterzuordnen”, „du bist
krank, weil du dies oder das nicht bekannt hast”, „dieses oder jenes wird dir
zustoßen, weil du nicht zehntest” und vieles
andere mehr – eine wesentliche und auslösende Rolle. Hier
finden wir die Quelle der angesprochenen Problematik vor: diese
Dinge zerstören Leben; sie töten, da sie wesensmäßig
von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen herrühren
und somit aus der Gemeinschaft mit Gott wegführen. Nicht umsonst
wird ja der Dienst des Gesetzes – dem unter Vormündern
und Verwaltern – auch als „Dienst des Todes”
bezeichnet! Denn der Buchstabe, der die Vermittlung von Lehrmeinungen
und Dogmen zum Inhalt hat, tötet; während der Geist Gottes,
Seine Gegenwart Selbst, lebendig macht (2Kor 3. 6 - 7). Und um
das Befolgen von Lehren geht es hier. Immer ist es dabei das Opfer
dieser Lehren, das für diverse Umstände und Gegebenheiten
selbst verantwortlich sein soll, wird ihm doch suggeriert, daß
es deren Beseitigung in der Hand habe, da es die vermeintliche
Weisheit dieser Boten – das Befolgen der von ihnen verkündigten
Elemente – vernachlässigt habe.
Bereits
hier ist ein erheblicher Mißbrauch von Geschwistern, und damit
ein Verwunden des Christuskörpers selbst im Gange. Die durch den
Einfluß von apate langfristig erzeugte Apathie
zeigt an, daß im Leben dieser Menschen bereits ein
geistig-geistliches Sterben begonnen hat. Hier wird also, wie wir
anhand des ersten Adam sahen, bereits der Tod wirksam. Da hier
schon Bereiche im Leben, Denken und Fühlen dieser Glieder
regelrecht abgestorben sind, kann dieser Prozeß nur durch ein
Werk der Gnade Gottes selbst heilend und erneuernd beendet
werden, wie dies anhand des Zeugnisses der lieben Schwester aus dem
vorigen Kapitel ganz wunderbar zum Ausdruck gekommen ist. In diesen
Zusammenhängen liegen einige der Gründe für die
seelischen Erkrankungen von zahlreichen Kindern Gottes, die sich
solchen Boten nur allzu sehr ergeben haben. Dies gehört mit zu
den traurigsten Früchten der im Kolosserbrief beschriebenen
Täuscher und ihrer Werke, eine Tatsache, über die kaum
jemand zu sprechen wagt, die aber endlich einmal erwähnt werden
sollte. Spätestens jetzt wird offenbar, daß im Leben der
hier Angesprochenen viel früher schon eine Beraubung
stattgefunden hat, vor der Paulus so eindringlich warnte, daß
sie eintreten würde, wenn die Leser seines Briefes es an der
nötigen Vorsicht fehlen ließen und den Verkündern
gesetzlicher Lehren Einlaß gewährten, ja mehr noch, sich
ihnen – dem Ritual der Boten entsprechend –
„unterordneten” und ihren „Visionen” –
dem also, was diese gesehen haben – nachfolgten.
Noch
ein Weiteres muß anhand der Betonung von Gesehenem
deutlich gemacht werden: Der Weg des äußerlich-vordergründigen
Sehens ist nicht der von Gott gewählte Weg, auf welchem Er uns
begegnet. Er sagte uns, daß wir leben, indem wir stille
sind und - aus dieser Stille heraus – Ihn hören.
„Hört Mich, so werdet ihr leben!” (Jes 55. 3).
Allein dieses Hören kann in der Folge auch zu einem
Auftun der geistlichen Augen führen. Es ist in dem
Zusammenhang geradezu bezeichnend, daß ein Saulus, der als
außerordentlich Gesetzeskundiger sich sehend wähnte, erst
erblinden mußte, um die Stimme des Herrn zu hören
und, nun geistlich sehend, zum Paulus zu werden (Apg 9. 3 –
18). Hier geht es in der Tat um zwei ganz verschiedene Wege, wird
entschieden zwischen dem einen als dem Weg des Lebens, und dem
anderen, als dem Weg der Verführung, der apate und des
Todes, der wesensmäßig durch eine Apathie –
einem Prozeß sterbenden Sterbens (1Mo 3. 17*) –
eingeleitet wird. Daher war auf die Betonung dessen, was wir sehen
können, stets zu verzichten. Deshalb erwiderte auch der Herr dem
Versucher, nachdem dieser ihm angetragen hatte, seinen Hunger zu
stillen, indem er sichtbaren Steinen befehlen sollte, zu ebenso
sichtbarem Brot zu werden: „Nicht vom Brot allein wird der
Mensch leben (also vom körperlich Faßbaren), sondern
„von jedem Wort, das durch Gottes Mund ausgeht”(Mt
4. 4, vgl. 5Mo 8. 3). Leben aus Gott wird demgemäß
durch das gehörte und angenommene Wort – dem Ausspruch
Seines Mundes – hervorgebracht. Hier gibt es nichts, was
nicht durch das Wort entstanden wäre. Und dieses Wort, dieser
Ausspruch des Mundes Gottes ist Fleisch geworden, damit wir mit
Ihm Gemeinschaft haben können (Jo 1. 3 - 4, 14), doch nicht nur
mit Ihm, sondern auch untereinander (1Jo 1. 1 - 4).
* „ denn
sterbend wirst du
sterben” (1Mo 3. 17 wörtlich).
Der
Betrug der Schlange jedoch fand nicht auf der Ebene des Wortes, des
Unsichtbaren also, sondern auf der des Sehens statt.
Sie bot dem Menschen jene Frucht dar, die seinen Augen
verlockend erschien – die Begierde der Augen war so nicht nur
geweckt, sondern auch bedient worden, was in der Sünde, d. h.
der Unabhängigkeit von Gott endete (1Mo 3. 4 - 24). Das Resultat
dieser Unabhängigkeit, die vorgab, wie Gott sein zu können,
indem sie selbst zwischen Gut und Böse zu unterscheiden
wußte, war der geistliche Tod. Jene Apathie, die wir oben
betrachtet haben, und das mit ihr zusammenhängende Erstarrtsein
zeigt ja, wie nun immer wieder deutlich wurde, nichts anderes als das
schleichende Fortschreiten dieses Todes an. Jeder Weg einer
allmählichen Erstarrung hat einmal durch Fixierung auf Gesehenes
begonnen: Schon das Kaninchen starrt auf die Schlange und ist dabei
so auf ihren Blick fixiert, daß es, in einen
hypnotischen Erstarrungszustand geraten, ihrem tödlichen Biß
nicht mehr entfliehen kann. Auch Lots Frau sah etwas: sie sah
zurück auf die Dinge der Welt, und erstarrte zur
Salzsäule (1Mo 19. 26). Gedenke an Lots Frau!
Von
der Verwundung zur Heilung: Behüte dein Herz
In
diesem Zusammenhang wollen wir noch einmal zum Thema der
Verwundbarkeit unseres Geistes zurückkehren. Unser Geist ist es
ja, der nach seiner Wiedergeburt als Sprachort Gottes, d. h.
als die Instanz der Beziehung zu Ihm fungiert, da in ihm
Gottes Geist wohnt, der uns nicht nur unseren Weg führen,
sondern uns – in unserem Geist – auch über diesen
Weg belehren will (vgl. Rö 8. 17 und besonders 1Jo 2. 18 - 20,
26 - 27). Und nicht nur das, Er will mit uns täglich, ja
ununterbrochen wandeln. Der in unserem Geist wohnende Geist
Gottes erst macht uns mit dem Herzen Gottes bekannt, erforscht aber
auch unser Herz, um es dem Vater zu zeigen (1Kor 2. 10 - 13). Durch
Ihn erst wird uns eine zutiefst innerliche Gemeinschaft mit dem Vater
erschlossen. Diese Gemeinschaft spricht von Vereinigung: wir werden
ein Geist mit Ihm (1Kor 6. 17). Infolge dieser Vereinigung ist
die zentrale Folge des Sündenfalles aufgehoben: Geist kommt
wieder zu Geist; der Geist Gottes kann wieder mit dem Geist des
Menschen kommunizieren und mit ihm eins sein. Deshalb ist ja
gerade das Hören, das in unserem Geist stattfindet, so überaus
wichtig, weil uns aus diesem Hören, aus dieser Vereinigung
heraus das eigentliche Leben quillt. Wird dieses Hören
übergangen, fallen wir aus der Gemeinschaft mit Gott heraus, die
unser Leben ausmacht – denn Ihn kennen ist Leben (Jo 17.
3). Die Trennung vom Leben aber ist der Tod. Hier sterben wir
geistlich; hier verlieren wir den Frieden in unseren Herzen und
werden damit, da wir ungehorsam geworden sind, aus der Einheit mit
Gott herausgedrängt. Hier also finden wir den eigentlichen
Ort der Verwundung vor. Hier erfolgt der Todesstoß; hier
wird der wiedergeborene Geist des Menschen verletzt; hier werden ihm
Schmerzen zugefügt, da ihm gewissermaßen sein
„Lebenselixier”, die Gegenwart der Liebe, entzogen wird,
ohne die er nicht sein kann.
Liebe
spricht von Hingezogensein, von Vereinigung. So schreit unser
Geist beständig zu Gott, seinem Vater, der ihn einmal gezeugt
hat, ohne daß sein Sehnen gestillt würde - die
Gemeinschaft ist verlassen worden. Damit kommt es zum
Auseinanderbrechen der Beziehung und, wenn dieser Prozeß lange
genug gedauert hat, zur Erstarrung als Ausdruck völliger
Beziehungslosigkeit. Erstarrung aber kündet vom Tode. Tod ist,
wie wir sahen, nichts anderes als ein Abgetrenntsein von der
Beziehung, die der Geist hervorbringt; denn wir haben das Leben nicht
aus uns selbst, sondern von Ihm, unserem Gott. Der Körper ist
aus Materie erschaffen, der Geist wurde von Gott eingegeben; die
Seele (das Leben) aber entsteht, wenn Körper und Geist
zusammengefügt werden (1Mo 2. 7). Der Geist ist es, der lebendig
macht (2Kor 3. 6), die Seele aber ist das Leben, das lebendig
gemacht wurde. Deshalb wird der Schlag des Teufels
gerade gegen den Sprachort Gottes, gegen den Geist geführt,
bedeutet das Abtrennen des Geistes, d. h. die Trennung von Körper
und Geist, doch den sicheren Tod, das Ende des Lebens, das sich durch
die Seele ausdrückt. Nicht ohne Grund wird in 1Thes 5.
23 der Wunsch ausgesprochen, daß der Gott des Friedens
– hier haben wir wieder unseren Schiedsrichter! –
die Lesenden „ganz und gar”, d. h. also völlig
und damit jeden Bereich unseres Lebens umgebend, heiligen möge,
„und möge euer Geist unversehrt und die Seele
und der Körper tadellos bewahrt werden in der Anwesenheit
(Parusie) unseres Herrn Jesus Christus”, nachdem dazu
angehalten worden ist, sich von allem fernzuhalten, was auch nur böse
aussieht. (1Thes 5. 22 - 23). Schon vom Alten Testament her
wurden wir eindringlich dazu angehalten, auf unser Herz zu
achten - über alles andere hinaus. Deshalb gilt noch
immer: „Mehr als alles andere behüte dein Herz: denn
von ihm geht das Leben aus”(Spr. 4. 23).
Gesinnung
des Geistes: Sieg über den Tod
Deshalb
heißt es: „Wenn ihr dem Fleisch gemäß lebt,
seid ihr im Begriff zu sterben; wenn ihr aber im Geist die Handlungen
des Körpers zu Tode bringt, werdet ihr leben” (Rö
8.13). So ist „die Gesinnung des Fleisches... Tod, die
Gesinnung des Geistes aber ist Leben und Friede” (Rö
8. 6). Leben und Friede sind die Zwillingsgeschwister, die den
begleiten, der in Ihm, in Seiner Gemeinschaft bleibt, verbunden mit
unsagbarer Freude, die selbst in Verfolgungen standhält, ja
durchträgt. Dies alles spricht von der Hingabe derer, die allein
Ihm hingegeben sind. Henoch (hbr. Eingeweihter) starb
nicht, sondern wurde zu Gott entrückt, da er beständig
mit Gott wandelte (1Mo 5. 21 - 24). Er wandelte nicht im
Tode, sondern im Leben. Darin gilt er auch als Abbild der Gemeinde,
derer, die überwunden haben (Off 12. 11). Die Gemeinschaft
mit Gott hebt den Tod auf. So wird der Tod besiegt im
fortlaufenden Wandel mit Gott: „Durch den Glauben wurde
Henoch hinweggerafft, um den Tod nicht wahrzunehmen, und er wurde
nicht gefunden, weil Gott ihn wegraffte. Denn vor seiner
Hinwegraffung wurde ihm bezeugt, daß er Gott wohlgefallen habe”
(Hbr 11. 5). Allein den im Wohlgefallen Gottes Wandelnden ist
auch Frieden verheißen. Diese Proklamation verkündete
die Geburt Jesu, des Retters: Friede befindet sich in den Menschen
Seines Wohlgefallens, in denen auf der Erde, die allein Seine
Verherrlichung suchen (Lk 2. 14). Es ist der Frieden der Söhne
Gottes, die in Ihm wandeln, die sich vom Geiste Gottes leiten lassen
(Rö 8. 14). Er ist insbesondere Zeugnis der Gemeinschaft mit
Gott. So kündet dieser Frieden – der Schiedsrichter in den
Herzen, dem wir folgen sollen – von dem Geborenen, kündet
vom Leben Gottes in uns, kündet damit auch vom Sieg über
den Tod. Am Ende ist dieser Sieg der Gemeinde verheißen: „Wenn
aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anzieht und
dieses Sterbliche Unsterblichkeit anzieht, dann wird sich das Wort
erfüllen, das geschrieben steht: Verschlungen wurde der Tod in
den Sieg! Tod, wo ist dein Sieg? Sünde, wo ist dein Stachel? Der
Stachel des Todes aber ist die Sünde, und die Kraft der Sünde
ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt, durch
unseren Herrn Jesus Christus!” (1Kor 15. 54 - 57). –
Hast du den Frieden, der in diesen Sieg hineinführt? Dann sei
und bleibe in Ihm! Denn diesen Frieden mußt du
haben, um das gesetzte Ziel zu erreichen!
Denn
dieser Friede zeigt den Weg an, auf dem ein Versehrtwerden des
Geistes – was zum Tode führt – vermieden und Körper
und Seele untadelig bewahrt werden können, und sagt uns
andererseits, daß die hier besprochenen Verletzungen zustande
kommen werden, wenn wir uns nicht in der völligen und
damit jeden Bereich unseres Lebens umgebenden Heiligung durch den
Gott des Friedens befinden. Der Kolosserbrief sagt uns klipp
und klar: Bewegen wir uns aus diesem Schutz heraus, indem wir
um eines Menschen willen die uns gesetzte Instanz des Friedens
übergehen, die uns in unseren Herzen leiten will, geraten wir in
die Täuschung, in die apate hinein, und werden, wenn wir
uns langfristig in ihr befinden, unter ihren Folgen, der Apathie,
zu leiden haben, wie dies oben beschrieben worden ist. Damit geraten,
wie wir sahen, nicht nur Körper und Seele in Mitleidenschaft,
sondern auch und vor allem unser Geist wird beeinträchtigt
– ein geistliches Sterben beginnt, wie wir dies im Vorigen zu
erläutern bemüht waren. Die Verwundung des menschlichen
Geistes geht sehr viel tiefer als eine solche der Seele und stellt
eine sehr schwerwiegende Verletzung dar, die nach menschlichem
Ermessen unheilbar ist. Hier aber dürfen wir, kommen wir aus der
Täuschung heraus, der festen und gewissen Zusage und damit des
Trostes Gottes sicher sein, daß unser Schade wohl unheilbar
ist, aber Gott ihn dennoch heilen kann, wenn wir den Bereich der
Täuschung verlassen und zu Ihm umkehren (vgl. Jer 30. 12
- 17). Unser Gott ist ein Gott zur Rettung,
„und
Jawes, meines Herrn, sind die Ausgänge des Todes” (Ps 68.
21).
Verwendete
Bibelübersetzungen und Hilfsmittel
Wo
nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und
Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die
folgenden Ausgaben der Konkordanten
Übersetzung verwendet:
Konkordantes
Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage
1995, Alle Rechte vorbehalten
Konkordantes
Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw.
Auflage
Konkordantes
Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage
1994
Konkordantes
Altes Testament, Jesaja
Studienheft
mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage
Konkordantes
Altes Testament, Daniel
1. Auflage
1991
Konkordanter
Verlag Pforzheim
Leipziger
Str. 11
75217
Birkenfeld
An
allen anderen Stellen wurden verwendet:
Elberfelder
Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die
Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73.
Auflage 1993
Revidierte
Elberfelder Übersetzung
Verlag R.
Brockhaus, Wuppertal
Schlachter
- Übersetzung
„Die
Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung
der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen
Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER
BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985”
Die
Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung
von Fritz Henning Baader, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright
1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg
Novum
Testamentum Graece
Nestle -
Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche
Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle
Rechte vorbehalten
Theologisches
Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg.
Gerhard Kittel u. a.
Verlag
Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969
Lieber
Bruder, liebe Schwester!
Wir
hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen
geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner
Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm
berührt worden sind.
Gleichzeitig
bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob
es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll
unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht
auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums
bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der
Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).
Wir
wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben
entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu
Schatzhebern werdet.
Wenn
Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an
Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach
haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt
und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese
Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu
verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller
Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER
aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten
auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir
zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch
hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben
wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern
schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus
Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür
eine Tür aufgetan hat.
Bitte
beachtet dabei die folgenden drei Dinge:
1.
Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr
wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).
2.
Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig
weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem
Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden.
Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.
3.
Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit
kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.
Thomas Giese,
Velbert * Simone Schmieder, Plauen
©
2003 - 2005