Von Angesicht zu Angesicht (4)


Startseite Warum?
Schriften Linkliste
Literatur E-Mail
Impressum


VON ANGESICHT
ZU ANGESICHT

Verlust und Wiederherstellung

der Unmittelbarkeit

_____________________________________________________________


Eine Abhandlung

über heutige Gemeindestrukturen

und ihre Beurteilung aus

biblischer Sicht.



Verschiedene Studien.
_____________________________________________________________

4. Wer ist Dein Schiedsrichter?


Inhalt

Der Friede Gottes, Schiedsrichter des Herzens * Sonne und Mond oder: Was siehst du? * Dienst an den Füßen: Licht auf meinem Wege * Die Hülle und das Angesicht * Die falsche Demut oder: Willst du befördert werden? * Paradierende Botschafter: Der geraubte Friede * Pädagogen der Unmündigkeit * Anmerkungen


Titel
Anmerkungen Downloads << Kapitel 1  < Kapitel 2 < Kapitel 3 Kapitel 5 >>



Der Friede Gottes, Schiedsrichter des Herzens

    Wenn der Herr Seine Werkzeuge nicht einmal zur Zeit des Alten Bundes durch menschliche Vermittlung einer Leiterschaft berufen hatte, ist es hinsichtlich des Neuen Bundes geradezu irreführend, ja gefährlich, solches auch nur annehmen oder erwarten zu wollen. Auch wenn Gott verschiedene Brüder auf unserem Weg gebraucht haben mag, offenbart Er Sich und spricht zu uns immer zuerst in unseren Herzen, seit Er in uns wohnt (1Jo 2. 27). Dies gilt auch und erst recht bei den uns „von außen” zukommenden Äußerungen und Manifestationen. Haben wir den Frieden, das Zeugnis und die Bestätigung ihrer Richtigkeit in unserem Geist (vgl. Rö 8. 14 - 16) empfangen, so ist das an uns Herangetragene von Gott; kann sich – auch nach einer Zeit des Gebetes – ein solcher Frieden nicht einstellen, so dürfen wir sicher sein, daß das an uns Herangetragene nicht von Gott kam; es mögen seelische, verstandesmäßige oder auch durchaus gutgemeinte Ratschläge und Wünsche anderer gewesen sein. Es könnte sich aber auch um Äußerungen falscher Prophetie und verführerischer Lehren handeln. Insbesondere diese hat Paulus stets im Blick.

    Insofern sind auch prophetische Worte Ermutigungen, die uns in dem, was wir in unserem Herzen gegebenenfalls tragen, lediglich bestätigen und uns damit gewisser machen und uns ermutigen sollen, den damit verbundenen Weg tatsächlich auch zu gehen. In diesem Sinne wird uns gesagt, daß der Friede Gottes der Schiedsrichter in unseren Herzen sein soll (Kol 3. 15). Das an dieser Stelle verwendete griechische Wort ist brabeuo, Schiedsrichter sein, eigentlich schieds-richten (der brabeus war der Schiedsrichter bei sportlichen Wettkämpfen). Diese Instanz des Friedens Gottes in unseren Herzen ist der von Gott gesetzte einzige Ort, an dem über Wahrheit oder Unwahrheit, Richtigkeit oder Unrichtigkeit entschieden wird. Daher heißt es in demselben Brief bezüglich menschlicher Lehren und ihrer Vertreter:

    Niemand entscheide als Schiedsrichter gegen euch (eigentlich: von oben herab gegen euch; über euch hinweg), der sich in Demut und dem Ritual der Boten mit dem wichtigtun will, was er gesehen hat, nichtig aufgeblasen von dem Denksinn seines Fleisches und sich nicht an das Haupt haltend, aus dem der gesamte Körper, mit Einverleibung versehen und durch Bänder (Eph 4. 3, Kol 3. 22) vereinigt, nach Gottes Wachstum wächst.
Kol 2. 18, 19

    Das hier für „als Schiedsrichter entscheiden” gebrauchte Wort ist katabrabeuo, gebildet aus unserem bekannten brabeuo, schieds-richten, und der Vorsilbe kata, d. h. gegen, über und herab. Der Schiedsrichter ist die Person, die über Recht oder Unrecht, Richtigkeit oder Unrichtigkeit, Wert oder Wertlosigkeit, Gültigkeit oder Ungültigkeit zu entscheiden hat. Gemeint ist im Verszusammenhang ganz offensichtlich ein Sich - Darüber - Stellen, ein Entscheiden über die Offenbarung Gottes hinweg, über dem, was der Friede Gottes als der von Gott gesetzte Schiedsrichter in den Herzen der einzelnen Glieder bezeugt, und ein Ersetzen dessen mit (zumeist gesetzlichen) Lehren oder Aussagen, die nicht von Gott kommen. Niemand soll dies tun dürfen, und den Entscheidungen solcher sollen wir nicht Folge leisten. Ein solches Verhalten bezeichnet der Apostel schon im Vorfeld des Gesagten als ein

    „beraubt wegführen durch Philosophie und leere Verführung gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundregeln der Welt und nicht gemäß Christus”

    und warnt somit vor ihnen (Kol 2. 8). Wir wollen im Nachfolgenden den Inhalt der betreffenden Schriftstellen, insbesondere bezüglich ihrer Aussagen über jene, vor denen Paulus hier ganz eindringlich warnt, ein wenig tiefgehender untersuchen.


    Das Wort aus Kol 2. 19 erscheint uns vielfach in einem gewissen Dunkel, weil wir hier durch die meisten Übersetzungen ganz offensichtlich fehlgeleitet werden können. Besonders mißverständlich ist dabei, daß das griechische Wort angelos, das eigentlich Bote oder Überbringer im Sinne der Übermittlung von Botschaften bedeutet, in den meisten Bibelübersetzungen mit „Engel” wiedergegeben wird. Auch die Septuaginta, die griechische Wiedergabe des Alten Testamentes, übersetzt das dem entsprechende hebräische Wort ma’lak mit Bote (angelos) bzw. das ma’lak jahweh mit Bote Gottes. Das Wort an sich läßt nämlich zunächst offen, ob es sich bei dem angelos um einen menschlichen oder aber einen himmlischen Boten handelt, da es weder deren Wesen noch Herkunft, sondern ihre Tätigkeit beschreibt. Das uns geläufige Wort „Engel” ist dagegen von dem lateinischen angelus entlehnt, welches lediglich eine Umschrift des griechischen angelos darstellt, und ruft beim Zuhörer sofort die Assoziation eines himmlischen Wesens hervor. Dies ist in der Schrift jedoch nicht immer der Fall, und so verdunkeln solche Transliterationen manchmal mehr als sie nutzen.

    So kann auch in unserem Wort Kol 2. 18 - 19 jene Festlegung nicht aufrechterhalten werden, daß die hier angeführten Boten ausschließlich Engel sind. Beispielsweise sprechen auch die Sendschreiben der Offenbarung von dem „Boten der herausgerufenen Gemeinde” in Ephesus, Smyrna, Pergamus usw. als dem, an den zunächst die Botschaft ergeht und der sie der betreffenden Gemeinde offensichtlich überbringen soll (Off 2 und 3). Besonders hier erscheint deren Wiedergabe mit dem Wort „Engel” als äußerst mißverständlich. Halten wir zunächst also fest: Ein Bote ist ein Überbringer; er hat etwas, was er im Auftrage des ihn Sendenden übermitteln soll; er spricht nicht für sich selbst und kommt nicht in eigener Mission. Und um Boten, oder zumindest um solche, die den Anspruch eines Boten darzustellen, ja hervorzuheben suchen, geht es in dem Wort aus dem Kolosserbrief, wobei der Zusammenhang zumindest auch die Einwirkung menschlicher Boten nahelegt.

    Nochmals zu unserer Schriftstelle, diesmal im ganzen Kontext von Kol 2. 16 - 23. Wir lesen hier nach der konkordanten Übersetzung:

    „Daher richte euch niemand in Speise oder Trank, oder in Einzelheiten eines Festes, Neumonds oder Sabbats, die ein Schattenbild zukünftiger Dinge sind; der Körper aber ist Christi! Niemand entscheide als Schiedsrichter gegen euch, der sich in Demut  und dem Ritual der Boten mit dem wichtigtun will, was er gesehen hat, nichtig aufgeblasen von dem Denksinn seines Fleisches und sich nicht an das Haupt haltend, aus dem der gesamte Körper, mit Einverleibung versehen und durch Bänder vereinigt, nach Gottes Wachstum wächst. Wenn ihr nun zusammen mit Christus den Grundregeln der Welt gegenüber gestorben seid, was stellt ihr euch wie in der Welt Lebende unter Erlasse: Rühre das nicht an! Koste das nicht! Taste das nicht an! (das alles ist durch Verbrauch zum Verderben bestimmt) gemäß menschlichen Vorschriften und Lehren, die zwar einen Ausdruck von Weisheit in willkürlichem Ritual, in Demut und Nichtverschonen des Körpers haben, die aber von keinerlei Wert sind, außer zur Befriedigung des Fleisches.”

    Zunächst wird hier vor dem Befolgen gesetzlicher Lehren als von Geboten und Beschränkungen gewarnt (Speise und Trank als irdische Dinge, Feste, Tage, Sabbatgebote usw., vgl. Vers 16). Naturgemäß werden diese Vorschriften durch Boten der Gemeinde überbracht, die ihr solches als angeblichen Willen Gottes verkünden. Auch das mosaische Gesetz, aus dem diese Dinge entnommen werden, ist bekanntlich durch Boten übermittelt worden (siehe Apg 7. 53, Ga 3. 19). Paulus spricht an anderer Stelle, doch in ähnlichem Zusammenhang von jenen falschen Aposteln, die sich zu Boten (Überbringern) des Lichts verstellen (vgl. 2Kor 11. 13 und 14). Diese Boten sind es, die als Schiedsrichter über die Gläubigen entscheiden wollen (Kol 2. 18), indem sie die Einhaltung ihrer Gebote und Satzungen fordern (Verse 16, 21 und 22). Dieses Fordern wird zu einem Ritual, d. h. also zu einer festgefügten Ordnung, einem feststehenden Recht erklärt. Diese Ordnung besagt, daß der Bote als Überbringer besonderer, als gottgemäß zu beachtender Weisungen zu verehren sei.

    Ihre Legitimation suchen diese Boten nun damit zu untermauern, daß sie vorgeben, etwas gesehen zu haben. Damit werden Visionen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Es geht bei solcher Verkündigung also nicht mehr zentral um das geschriebene Wort, sondern um die ausgegebene Vision, der sich nun alles, auch die Schriftauslegung, unterzuordnen hat. In dem der Gemeinde gegenüber angetragenen Begehren, der Vision dessen zu folgen, der sich infolge dieser gerade zum Leiter erhoben hat, wird eine Ordnung einer falschen Demut (grie. tapeino-phrosuné, wörtlich Niedrig-Gesinnung) als einer Unterordnung in der Verehrung oder des Rituals der Boten aufgerichtet. Diese Ordnung beinhaltet, daß nicht mehr allein dem Haupt, sondern nun in erster Linie diesen Boten, die sich selbst wiederum anderen Boten zu unterstellen vorgeben, Ehre, Gehorsam und Unterordnung zu gewähren sei gilt es doch, die Vision des Leiters verwirklicht zu sehen – auf dieser Erde. Wer hier nicht mittut und dabei geltend zu machen sucht, daß er solches nicht von Gott gehört habe, gilt als stolz und hochmütig – ordnet er sich doch der „Leiterschaft” nicht unter. Dies alles wird mit diversen Schriftstellen, die stets im Zusammenhang mit der ausgegebenen Vision dargestellt werden, gut begründet. Die so eingeleitete Verführung kommt also keineswegs in weltlicher Gestalt daher, sondern erscheint in biblischem Gewand: die vorstehend angeführten Inhalte über den Verzicht auf gewisse Speisen sowie die Einzelheiten von Sabbaten, Neumonden und von Festzeiten deuten dies an; sie kommen aus dem Gesetz (Vers 16). So stellt sie, im Zusammenhang mit der dargebrachten Vision, ein äußerst geschickt eingefädeltes Manöver der Finsternis dar, das dazu geeignet ist, wenn möglich auch die Auserwählten zu verführen (Mt 24. 23 - 24, Mk 13. 22 - 23): Wird hier doch unser Ziel in der Himmelswelt, das Wachstum des Christuskörpers zur vollen Mannesreife und damit die Zurüstung der Braut Christi als Vorbereitung auf den Tag Seiner Wiederkehr, aus der Mitte gerückt (Eph 1. 2 - 23, 4. 1 - 16, 5. 25 - 27).



Sonne und Mond oder: Was siehst du?

    Noch ein Wort zur geistlichen Konsistenz der verkündigten Lehren. Das Gesetz, das den Inhalt dessen ausmacht, was diese Boten verbreiten, hat nicht das Wesen der Dinge selber, sondern ist nur ihr schattenhafter Abdruck – Schattenwürfe des Zukünftigen (Kol 2. 16). Mondlicht – man beschäftigt sich ja mit Neumonden – ist ein zwar von der Sonne gekommenes, nun aber, weil es reflektiert wurde, geschwächtes, gebrochenes und darum verfälschtes Licht. Mondlicht ist überdies auch kaltes Licht; ihm fehlt, da es nur übermittelt wurde, die Wärme und damit auch die Gegenwart der Liebe selbst. Es ist entlehntes Licht, und erscheint in der Nacht (1Mo 1. 16). In den Bereich der Nacht hinein gehören auch Träume; sie sind Erscheinungen, Visionen der Nacht. Wer viel auf Träume hält und sein Leben auf diese gründet, beweist damit, daß er noch nicht im Tag angekommen ist; er beschäftigt sich mit Stroh, wo er doch den Weizen, die Frucht vorziehen sollte (Jer 23. 28). Ein Träumender ist ein Schlafender. Die Zeit des Schlafes ist die Nacht; auch die sich berauschen, sind des Nachts berauscht (1Thes 5. 5 - 10). Berauschung, durch welches Rauschmittel auch immer, sei es durch Drogen, sei es durch Massensuggestion, sei es durch Bezauberung äußerlichen Glanzes, bedeutet das Verlassen der Nüchternheit, und gehört damit in die Nacht, in den Bereich der Finsternis hinein. Nüchternheit gehört in den Tag. Wir, die wir in diesen Tag gesetzt sind, sollen nüchtern sein und wachen, also Eigenschaften des Tages anlegen (1Ptr 5. 8). Trunkenheit aber – von welcher Art auch immer – ist Bestandteil der Nacht, die vom Mond erleuchtet wird. Mondlicht ist das Licht des Gesetzes, des Angestrahlten und damit, da es durch Boten überbracht wurde, des Vermittelten, Botenmäßigen.

    Christus aber ist die Sonne der Gerechtigkeit, die denen unvermittelt aufgeht, die Gott Selbst lieben (Mal 3. 20, Mt 17. 2, Off 1. 16 und 21. 23). Die Sonne regiert den Tag und will uns selbst, unreflektiert, erleuchten (1Mo 1. 16 - 17, Ps 136. 8). Sie ist Quelle, von der das Licht ausgeht, sie reflektiert nicht; sie ist Angesicht, nicht Spiegel. Am Tage zu wandeln bedeutet daher, sich dieser Sonne, als der Herrschaft des Unmittelbaren, Unangestrahlten auszusetzen – gänzlich in Ihm, im Licht, wie Er im Licht ist, was auch zur Lichtgemeinschaft untereinander führt (1Jo 1. 3 - 7). Eine solche Gemeinschaft ist immer unvermittelt; es ist eine von Angesicht zu Angesicht. Eine gute Illustration, die den Gegensatz zwischen dem Wandel gemäß des von Boten Übermittelten und dem Wandel in der Unmittelbarkeit aufzeigt, finden wir bei Hiob. Hiob kannte Gott vom Hörensagen, nicht aber aus persönlicher Anschauung. Hörensagen ist das, was wir andere sagen hören und spricht daher von Übermittlung. Die Vermittlung anderer und das damit verbundene Schauen auf sich selbst bewirkte jedoch nicht die Erleuchtung, sondern gerade die Verdunkelung des Ratschlusses Gottes in seinem Herzen (Hiob 38. 2). Am Ende eines langen, schmerzvollen Weges aber sagte er, nachdem er durch viele Prüfungen gegangen war:

    „Von Hörensagen hatte ich von dir gehört. Nun aber sehe ich dich mit meinen Augen; darum widerrufe ich und will im Staube und in der Asche Buße tun.”
Hi 42. 5 - 6, Schlachter

    Aus der Verdunkelung des von Boten Verkündigten – Eliphas, Bildad und Zophar (Hiob 1 - 32) ist Hiob zur Nüchternheit des Anschauens Gottes gekommen – im Tag. Allein hier, da unsere Augen sehen, finden wir auch zur rechten Sicht über uns selbst. Gott sagte, daß Er uns mit Seinen Augen leiten will; wir brauchen also Augenkontakt, wenn wir Seiner Führung folgen wollen (Ps 32. 8). Die geöffneten Augen unseres Herzens (Eph 1. 18), die auf diese Augen sehen, sprechen vom Wachen, vom Wandel im Tag, und damit im Licht der Sonne – der Sonne der Gerechtigkeit. Allein der Wandel in diesem Licht birgt uns auch in Seinem Schutz; allein dann, wenn wir nicht im Mondlicht des Vermittelten, Angestrahlten, sondern im Sonnenlicht des Unvermittelten wandeln, erleben wir Ihn, der dieses Licht ist, auch als unseren Schild, unsere Festung und unsere Burg. Unser Gott ist beides, Sonne und Schild zugleich beide Wirklichkeiten lassen sich also auch nur im Zusammenhang erleben und führen so in die Gnade hinein (Ps 84. 12). Verlassen wir, einmal mündig geworden, diese Gegenwart wieder und suchen erneut die Vermittlung – die einer bestimmten Gemeinde etwa –, fallen wir, da wir Sein Licht der Unmittelbarkeit aufgeben, sowohl aus diesem Schutz als auch aus der damit verbundenen Gnade heraus, und wenden uns damit dem Mondlicht des menschlich (gesetzlich) Vermittelten zu, mit all seinen Irrungen, Schwankungen und den verschiedensten Winden der Lehre, von denen wir alsbald umhergetrieben werden [1]. Deshalb, diesen Wahrheiten entsprechend, erscheint die Endzeitgemeinde, aus der der mannhafte Sohn hervorgehen wird, auch mit der Sonne umkleidet sie ist gänzlich von ihr eingehüllt – und hat den Mond, das Wesen des Angestrahlten, unter ihren Füßen (Off 12. 1).

    Zu diesem Mondhaften, Angestrahlten gehört somit auch jede andere Herrschaft als die des göttlichen Hauptes allein. Richten wir unser Augenmerk doch noch weiter auf diese Füße. Paulus verkündet, daß Er, der Christus,

    „über jede Fürstlichkeit und Obrigkeit, Macht und Herrschaft, auch über jeden Namen, er nicht allein in diesem Äon, sondern auch in dem zukünftigen genannt wird”,

    hocherhaben ist, und fährt fort:

    „Alles ordnet Er Ihm unter, Ihm zu Füßen, und gibt Ihn als Haupt über alles der herausgerufenen Gemeinde, die Seine Körperschaft ist, die Vervollständigung dessen, der das All (ta panta=alles, das Ganze) in allem vervollständigt.”
Eph 1. 21 - 23

    Jede Herrschaft und jede Macht wird in Ihm abgetan; sie muß damit unter die Füße kommen, um zur Reife, und damit zur Vollendung zu gelangen. Da unser Haupt, der Herr im Himmel, zusammen mit dem Körper den Christus bildet, wird deutlich, wo die Füße zu sehen sind: Es sind die Füße der Gemeinde, Seines Körpers, derer also, die über die Erde wandeln. So wird in diesem einst vollendeten Leib, da jede Herrschaft unter ihre Füße getan wurde, keinerlei Herrschaft mehr zu finden sein außer der Herrschaft des Hauptes allein (vgl. Eph 4. 3 - 5). Damit gilt es schon heute, jeder Anwendung von Macht, einem jedem Sich-über-andere-Stellen ein für allemal abzusagen, ganz gleich, wie immer dies dargestellt, umgedeutet oder verbrämt wird, wollen wir zu der uns verheißenen Vollendung, der Einheit des Glaubens und dem Vollmaß des Wuchses Christi gelangen (vgl. Eph 4. 13). Da müssen all die „Häuptlinge” – die, die sich zu Häuptern aufgeschwungen haben – abtreten und ihre angemaßten Throne aufgeben, wollen wir zu der Reife gelangen, die Gott für uns vorgesehen hat. Daher ist die Beschäftigung mit den Füßen, nicht aber mit den Köpfen besonders anzuraten.



Dienst an den Füßen: Licht auf meinem Wege

    Als der Herr den Jüngern die Füße wusch, sagte Er, daß Er ein Beispiel gegeben habe, „daß ihr einander tut, wie Ich euch getan habe (Jo 13. 5 - 15). Hier werden wir jedoch nicht nur zum Dienen an Bruder und Schwester angehalten, was uns in die Demut führt, sondern wird unser Augenmerk als Ganzes auf die Füße gelegt. Wir sollen uns mit den Füßen befassen, nicht aber mit den Köpfen anderer, auch nicht mit ihren Händen: wir sollen lediglich einander die Füße waschen (Jo 13. 10). Das allein ist der Dienst derer, die auf der Erde sind. Die Füße, die auf dieser Erde laufen, genießen hier also oberste Priorität und Pflege, ja Ausschließlichkeit. Die Köpfe aber – der Kopf des Menschen ist seine höchste Stelle – befinden sich nicht auf der Erde, sondern im Machtbereich der Luft, dem Sitz der Mächte der Finsternis (Eph 6. 12). Die Höhe ist demnach nicht der Ort, dem wir unsere Aufmerksamkeit zu widmen haben. Hier greift bereits der Gedanke der Verführung durch andere Mächte, die uns zu Fall bringen wird. Wer daher ständig in die Höhe sieht, gerät in die Gefahr, seinen Weg aus den Augen zu verlieren, und sich statt dessen auf Irrwege zu begeben. Das Wort ist „meines Fußes Leuchte und ein Licht für meinen Pfad (Ps 119. 105, Schlachter). Wer jedoch allzuviel auf andere Häupter schaut, der wird zu einem geistlichen „Hans-Guck-in-die-Luft”, der den Überblick über seinen Weg verliert und alsbald zu straucheln droht. Wohin richten sich unsere Augen?  Stolze, hoch aufgerichtete Augen sind dem Herrn ein Greuel (Spr 6. 16). So gilt:

    „Die Bahn der Redlichen bleibt vom Bösen fern; denn wer seine Seele hütet, gibt acht auf seinen Weg, vor dem Zusammenbruch wird man stolz, und Hochmut kommt vor dem Fall. Besser demütig sein mit dem Geringen, als Beute teilen mit dem Stolzen. Wer auf das Wort achtet, findet Glück: und wohl dem, der auf den Herrn vertraut!”
Spr 16. 17 - 20, Schlachter

    Mit Recht wird der Leser nun einwenden, was denn nun mit den Führern sei, denen wir zu gehorchen hätten; sollten wir nicht doch einer Leiterschaft untergeordnet sein? Daher seien an dieser Stelle ein paar Worte zum Dienst des Beaufsichtigens und des biblischen Vorstehens eingefügt, ohne das Gesamtthema dabei sprengen zu wollen; vielleicht ist ein andermal mehr möglich. Es ist geradezu bezeichnend, daß wir im Bereich der neutestamentlichen Gemeinde einen Begriff einer menschlichen Leiterschaft, wie er heute in der Regel kolportiert wird, an keiner einzigen Stelle erwähnt sehen; der Geist Gottes ist es, der in alle Wahrheit leitet, nicht aber „Leiterschaft” (Jo 16. 7 - 15). So werden auch die Gnadengaben in, niemals aber über den Körper gesetzt (1Kor 12. 18). Dies betrifft auch die Gabe des Steuerns (1Kor 12. 28). Die Gemeinschaft des Neuen Bundes ist – und dies betrifft alle Glieder des Christuskörpers – immer eine zu gleichen Teilen (koinonía), und wir werden stets angehalten, uns dieser koinonía zu befleißigen, und somit das Band des Friedens zu halten (Eph 4. 4). Dieses Band des Friedens führt uns auch zu dem Band der Liebe (Kol 3. 14) – zu dem nämlich, das alle Anderen jeweils höher achtet als sich selbst, wodurch jede Herrschaft von vornherein nicht nur ausgeschlossen, sondern in ihr völliges Gegenteil verwandelt wird. So wird das, was auf dem Kopf stand, endlich wieder auf die Füße gesetzt. Hier ist also niemand Herr über den anderen, sondern sind alle allen untergeordnet, um dem jeweils Nächsten mit der Gabe zu dienen, die er empfangen hat, und andererseits auch alles anzunehmen, „einzuverleiben”, was durch alle anderen Glieder dargereicht wird (Eph 4. 15 - 16). Dieser Vorgang wird im Epheserbrief damit beschrieben, daß Gott es ist, der alles in allen wirkt (Eph 4. 6).

    Mit dem Aufseherdienst haben wir uns bereits im vorigen Kapitel beschäftigt. Das griechische Wort hierfür lautet episkopos und wird mit Aufseher übersetzt. Der Aufseherdienst ist den Älteren gemeinhin als Älteste übersetzt angetragen, wobei sich der Begriff Ältere (presbyteroi, wörtlich die Vor-Hinein-Schreitenden) ganz eindeutig auf die geistliche Reife bezieht. Petrus, der sich ihnen vorstellt als der Mitältere „und Zeuge der Leiden des Christus und Teilnehmer an der Herrlichkeit, die künftig enthüllt werden soll” hält sie wörtlich dazu an: „Hirtet das Herdlein des Gottes inmitten von euch” (1Ptr 5. 1 - 2). Hier wird oftmals ein unter verstanden und auch so wiedergegeben. In der wörtlichen Übersetzung jedoch wird deutlich, daß die Älteren, die auf andere achthaben sollen, nicht über, sondern mitten in die Herde hinein gesetzt sind. Hier steht nicht, daß sich die Herde unter ihnen befände, sie also über der Herde stünden, sondern es wird, da im Griechischen ein me (von meson, Mitte) verwendet wird, ein in, eine Mitte angezeigt. Wir kennen ja auch im Deutschen die Redewendung „wir wollen unter den Menschen sein”, die ausdrücken soll, daß wir uns inmitten von ihnen, als innerhalb einer Menschenmenge befinden wollen, und nicht, daß diese Menschenmenge uns nun unterstellt wäre.

    Solche Mißverständnisse sind allerdings durch jahrhundertelange Abschleifung und daraus erfolgte Wortungenauigkeiten bedingt, und man hat sich zu wenig Mühe gemacht damit, solchen Fehldeutungen durch eine genauere Wortbetrachtung zu begegnen. Hier wird es kaum anders sein. So sind die Älteren Teile der Herde, weshalb Petrus andere Teile derselben Herde ja auch als Jüngere (wörtlich: neoteroi, Neue) beschreibt, die sich diesen Älteren in der rechten Weise unterordnen, sich sagen lassen sollen (1Ptr 5. 5a). Hier wird also gerade nicht gesagt, daß die alles überragende Ordnung der Gemeinde darin bestünde, daß jedermann sich einem festgesetzten Leiterschaftsgremium unterzuordnen und sich dessen Anweisungen zu fügen habe, sondern es wird den Neuen, im Verhältnis zu den Gereiften geistlich Jüngeren als den im Glauben noch Unerfahrenen angeraten, sich etwas sagen zu lassen von denen, die ihnen auf dem Weg, den sie noch zurückzulegen haben, schon vorangegangen sind. Und das sollten sie, wenn auch sie einmal in dieselbe Reife gelangen wollen, in der die geistlich Älteren sich befinden, da wir ohne diese Reife nicht zur Vollendung gelangen können.


    Denn die Ordnung, die für alle gilt, folgt erst nach der Ermahnung, die Petrus an die Jüngeren richtete. Diese Ordnung hat Petrus mit dem Wort aber von dem an die Jüngeren gerichteten Wort unterschieden; hier wird ein inhaltlicher Wechsel angezeigt, da er sich erst an die Jüngeren richtet, dann aber an alle. Den Jüngeren sagt er: „Ordnet euch den Älteren unter”; danach fährt er jedoch fort:

    „Seid alle aber mit der Demut umschürzt, weil Gott sich den Stolzen widersetzt, den Demütigen aber gibt er Gnade” (1Ptr 5. 5).

    Hier finden wir also zweierlei Ordnungen vor, die sich keineswegs widersprechen, sondern einander ganz wunderbar ergänzen, weil sie zusammen gehören: die erste richtet sich an die noch Ungereiften, die sich an die Alten halten sollen, die zweite richtet sich an alle, die untereinander mit der Demut umschürzt sein sollen. Beide Ordnungen haben daher mit der Demut, wörtlich Niedrig-Gesinnung zu tun. Während den Ersten noch angeraten wird, besonders gut zuzuhören, wird allen gesagt, sich einander, d. h. Einer dem Anderen unterzuordnen. Irgendwann sollte auch der Unmündige zum Mündigen werden. Dann geht für ihn die Zeit zu Ende, in der er vorrangig von Anderen hört; dann beginnt auch für ihn die Zeit, geübte Sinne zu haben (Hbr 5. 12 - 14), reift auch er in den Stand hinein, in dem er vom Herrn Selber hört. Doch die Zeit, in der Einer den Anderen höher achtet, ihm gerne gibt, aber auch gerne von ihm annimmt, die vergeht nie. Die Liebe bleibt immer (1Kor 13. 13). Hier, auf dem Weg dieser Liebe, die sich dem Anderen hingibt, finden wir den Weg der echten Demut vor, in der einer sich unter den Anderen stellt, ihm ebenso dient, wie er auch von ihm empfängt. Dieser Weg ist es, der sich unter die gewaltige Hand Gottes demütigt. Dies ist dann auch der Weg, auf dem Gott unserer Sorge begegnet. Indem wir nicht mehr für uns selbst sorgen, sondern für den Anderen, sorgt Gott für uns, wie dies im sechsten und siebten Vers ganz wunderbar zum Ausdruck kommt. Und diese Sorge betrifft gerade auch unseren Weg, den wir hier nicht vergessen wollen: War nicht das Herabhalten zu dem Niedrigen, das Schauen auf die Füße notwendig, um diesen Weg nicht aus den Augen zu verlieren?


    Ich selbst habe zu sagen, daß ich vor allem in der ersten Zeit meines Glaubens von lieben Alten sehr profitieren durfte – und noch immer darf. Zu weltlichen Vergnügungen fühlte ich mich nicht mehr hingezogen; so besuchte ich, da ich schon immer mit den Alten besser klar kam, ältere Kinder Gottes und unterhielt mich mit ihnen über zumeist geistliche Themen. Diese Veranlagung, ja Gnade hat mich ein solcher Rückblick sei hier einmal gestattet doch sehr vorangebracht. Noch heute pflege ich so manchen Kontakt und genieße die Ergänzung durch den Älteren, Weiseren, sowohl an Jahren als auch im Glauben sehr viel Reiferen. Denn die Älteren, um die es hier geht, sind nicht nur wichtig, sondern geradezu unverzichtbar; sie sind uns gesetzt. Sind sie doch jene, die vor uns waren; sie sind den Weg voraus gegangen, was in dem griechischen Wort presbyteroi, wie wir weiter oben sahen, gut zum Ausdruck kommt. Das Wort wird leider zumeist verflachend und, ein herausgehobenes Amt suggerierend, mit „Älteste” wiedergegeben. Das ist zwar nicht grundsätzlich falsch. Dabei sind jedoch ganz feine Nuancen außer acht gelassen worden, die für unser Verständnis aber äußerst wesentlich sind. Dies hat sehr häufig zu katastrophalen Mißverständnissen über den Ältestendienst geführt, weswegen wir hier den Begriff Ältere vorziehen, weil es dabei eben nicht um Leute an der Spitze ganz oben geht, sondern um Leute, die uns in Wandel und Lehre ein Vorbild sein sollen.

    Wenn heutige Pastoren dagegen ein als Ältestendienst bezeichnetes Gremium tatsächlich in der Weise verstehen, daß sie in einem hierarchisch-klerikalen Amtsverständnis von sich aus Menschen als
Älteste einsetzen, die ihre jeweiligen Willenserklärungen, Verfügungen und Visionen bis in die Niederungen des vermeintlichen Volkes (den so genannten Laien) [2] durchsetzen sollen, dann haben solche Leiter von dem Gegenstand der Betrachtung wohl kaum wirklich etwas verstanden. Der presbyteros ist in der wörtlichen Übersetzung der Vor-Hinein-Schreitende, was wir auch gut mit dem Wort Fortgeschrittener wiedergeben könnten. Die Holländer übersetzen dieses Wort übrigens zwar einfach, doch aber sehr zutreffend mit de voorgangers, Vorgänger. Der Vorgänger ist einer, der den Weg vor anderen geht und diese damit anführt, bis sie auch in den Stand gelangt sind, den jener bis dahin verkörpert hat. Hat der so Angeleitete dessen Stand erreicht, hat der Vorgänger naturgemäß aufgehört, ihm Vorgänger zu sein – die Einheit des Glaubens wird so erreicht (Eph 4. 16). Dazu sind auch jene Vorläufer hinzuzurechnen, die vor uns gewesen sind und uns ein Vorbild des Glaubens hinterlassen haben. Der Hebräerbrief etwa mahnt dazu, solche im Gedächtnis zu behalten (Hbr 13. 7 - 8). Zum Begriff der Älteren, derer also, die vorangehen, gehört auch der Begriff geistlicher Väter, derer also, die gereift sind, und durch deren Dienst Leben weitergegeben werden kann.

    Die Väter sind es ja gerade, die den erkannt haben, „der von Anfang an ist” (1Jo 2. 14). Sie haben also eine tiefe und wesensmäßige Erkenntnis Gottes, des Vaters und vermögen die, die noch geistliche Kinder sind, sowohl zu bewahren als auch an diese Erkenntnis heranzuführen. Hier finden wir also einen Hirtendienst vor, der im Wesentlichen sowohl aus dem Dienst des Achthabens als auch aus dem des Weidens besteht. Reife, die wir auch mit dem Begriff des geistlichen Alters umschreiben können, benötigt kein Etikett; Reife besitzt man, oder man besitzt sie nicht. Reife erkennt man, und Reife zieht an: Der Gereifte kann etwas weitergeben, was es wert macht, ihm zuzuhören; der Unreife kann es nicht oder nicht in der gebotenen Weise. Der Ältere, der Hirte wie Aufseher gleichermaßen sein soll, kennzeichnet also eine Eigenschaft, ein Wesen, aber keine Institution. Er besitzt, mit Ausnahme des zurückgelegten Weges, also keinerlei Vorzug gegenüber denjenigen, denen er dienen soll. Leider hat man, unter grober Mißachtung dieser Tatsachen, im Verlauf der Kirchengeschichte aus dem Begriff des Aufsehens einen Bischof, aus dem Begriff des Hirtendienstes einen Pastor und aus dem des Älteren ein über alle gesetztes „Ältestenamt” gemacht und diesen eine Stellung eingeräumt, als ob sie in der Gemeinde Regierungsbefugnis besäßen. Das ist jedoch keineswegs der Fall, werden doch die zu Aufsehern Gesetzten dazu angehalten, den Dienst so zu vollführen,

    „nicht als beherrschtet ihr die Losteile, sondern – werdet Vorbilder des Herdleins” (1Ptr 5. 4).

    Hierin also ist der wesenhafte Anteil dieses Dienstes zu sehen: in seiner Vorbildwirkung, nicht aber in der Betonung eines feststehenden, vermeintlich übergeordneten Amtes. Anhand dieses Vorbildes, das die Älteren abgeben sollen, erklärt sich auch der Begriff ihres Vorstehens und schließlich auch der ihres Führens. Der den Weg vor den anderen geht und ihnen somit ein Vorbild ist, steht damit bildhaft vor ihnen; er kann ihnen den Weg erklären und zu gehen helfen, den er schon gegangen ist - für alle erkennbar. Allein dadurch wird er auch zum Führenden. So sehen wir in diesem Dienst der Begriff des Vorstehens begründet. Von solchen Geschwistern dürfen, ja sollen wir uns gerne etwas sagen lassen. Damit wird der Hirtendienst ganz klar allen Älteren, geistlich Gereiften angetragen, und ist nicht Privileg einer besonders herausgehobenen und alle beherrschenden Kaste von Pfarrern oder Pastoren, die sich als sogenannte „Leiterschaft” über alle anderen gesetzt wähnen oder eine solche zu implementieren suchen. Es ist insbesondere ein Liebesdienst, der das Wohlergehen der ihm anvertrauten Schafe im Blick hat, nicht aber den Ertrag, den er aus der Herde zieht, oder den Erfolg, den ihm die Herde einbringen könnte, so geistlich dieser auch immer dargestellt werden möge. „Der edle Hirte gibt sein Leben für die Schafe hin”. Der andere gibt nicht, sondern nimmt, um es für seine Vorhaben und Ziele zu verbrauchen; er ist ein Dieb – er „kommt lediglich, um zu stehlen, zu schächten und umzubringen.”

    Hieran erkennen wir den Unterschied zwischen dem Auftreten wirklicher Hirten und dem von Mietlingen, also von solchen, deren Triebfeder weniger der Gehorsam gegenüber Gott, als vielmehr der äußerliche Erfolg, das Ergebnis (der Lohn) ihres Handelns ist (Jo 10. 11 - 13). So wird auch die Problematik einer bloßen Einsetzung durch Menschen erkennbar, die die Liebe und die damit verbundene Reife außer acht läßt (Jo 22. 15 - 19). Dieser Reife aber bedarf es, nicht einer menschlichen Einsetzung oder einer feierlich vorgetragenen „Ordination”. Gleiches ist auch über Bibelschulen zu sagen; sie können zwar Wissen vermitteln, doch zur Reife zu führen vermögen sie nicht. Die Reife selbst nur, die aber lediglich im Lebensvollzug erfahren werden kann, vermag auch zur Reife anderer zu verhelfen. Und Unreife ist unter uns reichlich vorhanden, leider – eine Unreife, die sich gerade in solchen Gemeindestrukturen, in denen „Leiterschaft” so sehr betont wird, daran erzeigt, daß man den Älteren keine Achtung mehr entgegenbringt, ihnen kein Gehör mehr schenkt, sie also nichts mehr zu sagen haben!


    Ähnliches gilt den Gaben des Lehrens, des Prophezeiens und dem Dienst von Aposteln, die sich in den Dienst aller anderen Glieder gleichermaßen einzureihen haben, keineswegs aber über sie gestellt sind. Gerade diese Gaben haben in den letzten Jahren eine erhebliche und nicht statthafte Überhöhung erfahren. Unreife ist somit an die Stelle von Reife und echter Vorbildwirkung getreten, gepaart mit Unwissenheit, Unmündigkeit, Beraubung und schier grenzenloser Überheblichkeit (1Kor 11. 20). Statt der zu erzielenden Einheit des Glaubens aller und der Erkenntnis des Sohnes Gottes (Eph 4. 13) ist es somit zur Sonderstellung Einzelner und zu einer Entmündigung „der großen Masse” gekommen. Hier ist in der Vergangenheit eine ungeheuerliche Verdrehung und Entstellung der biblisch fundierten Lehre über die Gnadengaben geschehen, die dringendster Korrektur bedarf. Einem Vorbild, das sich immer auch am Wort Gottes prüfen lassen muß, dürfen, ja sollen wir nachahmen; dem durch solche Vorbilder verkündigten Wort Gottes sollen wir folgen, einer Person, die sich beständig auf ihr Vorrecht beruft, Bestandteil einer über alle gesetzten „Leiterschaft” zu sein, jedoch nicht: Eine solche Person hat, da sie Unterordnung fordert, den Weg der Demut, nämlich sich selbst herab zu halten zu dem Niedrigen, längst verlassen, und führt uns damit in die Irre. Der, der seine besondere Sendung oder gar „Salbung” betont, und aufgrund seines wie auch immer gearteten Sendungsbewußtseins andere auffordert, ihm zu folgen, der macht sich selbst zu einem falschen Apostel, zu einem falschen Gesandten also, zu einem solchen, vor denen Christus warnte: „Glaubt es nicht” (Mt 24, 23 - 25).

    Richten wir unsere Augen daher auch weiterhin nicht in die Höhe, sondern in die Niedrigkeit; halten wir uns nicht hinauf zu hohen Dingen, sondern herab zu dem Niedrigen (Rö 12. 16). Große, gewaltig einher schreitende „Dienste”, die in gleißendem, buntschillerndem Auftreten Beachtung heischen und dabei Unsummen verschlingen, sind also nicht dazu geeignet, unsere Aufmerksamkeit an ihnen zu verschwenden, da sie den Dienst in dieser Niedrigkeit vermissen lassen. Hierzu gehört generell die Betonung auf große Projekte, sogenannte Riesengemeinden („mega-churches”) und gewaltige Unternehmungen. Der Eingang in das Königreich Gottes ist allerdings weder die breite Straße noch das weit geöffnete Tor, durch das die Massen strömen, sondern der schmale Pfad und die enge Pforte, die nur von wenigen gefunden werden (Mt 7. 13, Lk 13. 23). Diese enge Pforte aber ist es, durch die der Herr uns gehen heißt – Nadelöhr wird sie genannt (Mt 19. 24). Der Weg der Massen war daher noch nie der Weg Gottes, und sichtbarer Erfolg war noch nie Frucht. Damit wird klar, daß die heute weitverbreitete Erwartung von Massenerweckungen in diesem Zeitalter als nicht schriftgemäß zurückgewiesen werden muß. Bekehrungen, die sich in Massenevangelisationen zutragen, bleiben in der Regel in Oberflächlichkeit stecken und führen kaum wirklich aus weltlicher Gesinnung, und damit aus dem alten Leben heraus.

    Denn hier wird der Tod umgangen, aus dem uns doch erst das wirkliche Leben, das Auferstehungsleben Christi quillt. Hier wird regelrecht vermieden, daß der Sünder sein Leben angesichts des für seine Sünde Gekreuzigten wahrlich in diesen Tod gibt und vor Ihm niederfällt, um das Leben des Sohnes Gottes zu empfangen, der doch seinen Tod starb. Hier wird auch jene Selbsterniedrigung ausgeklammert, die mit dem Erkennen und dem Bekennen der Sünde auch vor dem Bruder und der Schwester einhergeht und für uns doch so notwendig ist, wollen wir ins wirkliche Leben eingehen. Hier, wo es doch ans eigene Zuschandenwerden, ja sogar ans eigene Sterben gehen soll, um das Leben selber zu empfangen, begnügt man sich allzu oft mit einem gemeinsam nachgesprochenen Vers, einem in der Masse ausgeübten Ritual, dem dann ein, freilich gut organisiertes, „christliches Leben” folgen soll. Wieder einmal gibt man sich damit zufrieden, daß der Sünder sein Verhalten ändere, wo der Herr seinen Tod fordert, redet man vom Lebensstil, wo der Herr vom Leben selber spricht.

    Solche Verkündiger beweisen damit, daß sie kaum wirklich in dem zu Hause sind, wovon etwas wissen zu wollen sie vorgeben; darum setzen sie auch Methoden an die Stelle des Werkes, das nur der heilige Geist tun kann. Und so brechen Wiedergeburten auch nicht wirklich durch; die sogenannte „Rückfallquote” der hier „Bekehrten” spricht wahrlich Bände. Wer also das imaginäre „Gemeindetor” weit aufmachen will, damit die „herein strömenden Massen” es leichter haben, kann daher sicher sein, daß er nicht jene sammelt, die der Herr gesammelt wissen will; wer aber nicht mit Ihm sammelt, der zerstreut (Mt 12. 30). Das Niedrige ist beachtenswert, nicht das Gewaltige, Hohe; als Christus auf die Erde kam, hatte Er

    „keine Gestalt und keine Pracht, wir sahen ihn; doch sein Anblick gefiel uns nicht” (Jes 53. 2, Schlachter).

    Welche Herrlichkeit ging aber aus Dem hervor, den man so verachtet hatte! So ist es immer der Tag des geringen Anfangs, der nicht verachtet werden darf (Sa 4. 10).


    Beschäftigen wir uns also weiter mit dem Anfang, den Füßen. Die Füße, nicht die Köpfe waren es ja, denen wir unser besonderes Interesse und unsere Pflege angedeihen lassen sollten. So, indem wir unsere Blicke auf unsere Füße richten und damit von der Höhe wegwenden, sprechen die Füße auch von Demütigung. Demütigung und Richtungsweisung hängen eng zusammen. „Bevor du mich demütigtest, irrte ich”, weiß der Psalmist zu sagen (Ps 119. 67). Wer sich daher mit den Füßen beschäftigt und auf seinen Weg sieht, muß sich herabhalten und unten bleiben, will er diesen Weg nicht aus den Augen verlieren. Unten ist der Weg; unten sind die Füße, die darauf unterwegs sind. So sind es auch die Füße, nicht der Kopf, die uns Standfestigkeit und Durchhaltevermögen verleihen - sie sind es, die den ganzen Körper zu tragen vermögen. Sie sorgen nicht nur für festen Stand, sondern sind auch unser einziges Fortbewegungsorgan. Wer die Sicht auf die Füße verliert und statt dessen auf Köpfe schaut, kommt auf seinem Weg nicht voran. Das Sehen auf andere „Häupter” jedoch – auf die Vermittlung menschlicher Leiterschaft – macht all diese Dinge zunichte; sie läßt uns innerlich zusammenbrechen und straucheln. Suchen wir uns andere Leiter als den uns gegebenen Heiligen Geist, so verlassen wir damit das unseren Weg erhellende Sonnenlicht der Gegenwart Gottes, und begeben wir uns wieder in das Mondlicht des Vermittelten – zurück in die Nacht, zurück in das Verwaschene, Unklare und Dunkle, wo nur wenig und zudem verfälschtes Licht vorhanden ist.

    Die schon früh erörterte Thematik, wer in der Schar der Jünger der Größte, „der Leiter” sei, gehört in diese falsche Sichtweise und führt damit vollständig in die Irre (Mt 23. 11, Mk 9. 33 - 37). Sie zeugt überdies auch von einem Verharren im Unreife – im Kindheitsstadium derer, die noch

    „der Milch bedürfen und nicht fester Nahrung; denn jeder, der an der Milch teilhat, ist unerprobt im Wort der Gerechtigkeit, weil er noch unmündig ist”
Hbr 5. 13

   
er bedarf also noch der Vermittlung von Vormündern und Verwaltern, und beweist damit, daß er aus der Wesenhaftigkeit des Gesetzes nicht herausgekommen ist (Ga 4. 1 - 2). Die in der charismatischen Bewegung, aber auch in anderen Gruppen und Gremien unaufhörlich geführten Auseinandersetzungen über das Thema Leiterschaft zeugen von dieser geistlichen Unreife. So hat man sich im Laufe der Jahre noch immer nicht in das Erwachsenenalter führen lassen, in dem das Kindische abgetan wird und wir, nachdem wir „die Dinge der Unmündigkeit” verlassen haben, Ihn Selbst erkennen (1Kor 13. 11 - 12). Hier werden wir wieder an Jesus, die Sonne der Gerechtigkeit erinnert, die unseren Weg erhellt: Ist „Dein Mond” unter deinen Füßen, bist du mit Jesus, der Sonne umkleidet?



Die Hülle und das Angesicht

    Auch das Gesetz als der Dienst des Vermittelten hat Licht und vermag eine gewisse Orientierung zu geben, wie wir sahen; es ist jedoch Mondlicht, ist entlehntes Licht, dessen Herrlichkeit durch die Einwirkung von Boten verdunkelt wurde. So übertrifft die Herrlichkeit des Evangeliums die des Gesetzes bei weitem, führt sie doch in die Gegenwart Gottes hinein, was dem Gesetz, dem noch das Wesen der Vormünder und der Verwalter, einer Mittlerschaft also anhaftete, versagt bleiben mußte (vgl. Ga 4. 1 - 3). Im Zweiten Korintherbrief wird uns beides gegenübergestellt: die Herrlichkeit des Gesetzes, des Vermittelten, was durch die Decke vor Moses Angesicht gekennzeichnet wird, und die Herrlichkeit des Unvermittelten als die des aufgedeckten Angesichts. Mose, der Mittler des Gesetzes, bedeckt hier sein Angesicht, und verdunkelt die Herrlichkeit Gottes vor seinem Volk, um sie in ihren Augen erträglich zu machen, damit diese wegen ihrer Sünde nicht sterben (2Mo 34. 29 - 35). Der Dienst des Gesetzes war der Dienst des Todes, der Verhüllung; der Dienst des Evangeliums aber der Dienst des lebendig machenden Geistes – von Angesicht zu Angesicht. Paulus führt, anders als Mose, seine Leser geradewegs in die Herrlichkeit hinein, aus der er selbst kommt und von der er spricht. Moses Angesicht war verdeckt; das des Paulus ist frei. Daher, schreibt der Apostel,

    „da wir nun eine solche Erwartung haben, gebrauchen wir viel Freimut und sind nicht wie Mose, der eine Hülle über sein Angesicht tat, damit die Söhne Israels nicht unverwandt sähen, wie das Aufgehobene zum Abschluß kam, sondern ihre Gedanken wurden verstockt; denn bis zum heutigen Tag bleibt ihnen dieselbe Hülle beim Lesen des Alten Bundes und wird nicht enthüllt, weil sie ja nur in Christus aufgehoben wird. Ja bis heute, sooft auch Mose gelesen wird, liegt diese Hülle auf ihrem Herzen; sobald es sich jedoch zum Herrn umwendet, wird die Hülle fortgenommen. – Der Herr aber ist... Geist. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Wir alle aber, mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn widerspiegelnd, werden in dasselbe Bild umgestaltet von Herrlichkeit zu Herrlichkeit wie von des Herrn lebendig machendem Geist.”
2Kor 3. 12 - 18

    Der Wandel in der Vermittlung gehört also zum Bereich der Nacht, während Wandel in der Unmittelbarkeit das Licht des Tages charakterisiert. Wir gehören daher weder der Nacht noch der Finsternis an, sondern sind für den Tag, den Wandel im Licht, bestimmt. Die hier (Kol 2. 8 - 23) in die Mitte gestellten Lehren aber sind als zu befolgende Lehren des Gesetzes – auch das Anwenden sogenannter Glaubensprinzipien (von Gesetzmäßigkeiten also) fällt darunter – Bestandteile der Nacht. Ein Evangelium, eine Freudenkunde also, die zwar Freude zu vermitteln weiß, aber nicht in die unmittelbare Beziehung mit Gott führt, ist ein anderes Evangelium, das die Hörenden nicht ins Licht Seiner Gegenwart, sondern in die Finsternis bringt – an Ihm vorbei. Dazu gehört auch die Betonung von Methoden, mit denen selbst die Ruhe und das vermeintliche Glück, das Feiern bereitet werden soll, geht es doch auch um Einzelheiten von Sabbaten oder Festzeiten (Kol 2. 16 - 17). [3] So mancher Versuch, die Seelen der Zuhörerschaft zu animieren und aufzupeitschen – „Ich will jetzt tanzen”, „Ich will mich jetzt freuen”, „Mach doch endlich mit”, „Sag doch endlich Amen”, „Geht das nicht lauter, ich habe nichts gehört”, usw. – ist in diese Rubrik mit einzurechnen. So manche seelische Berauschung hat hier schon stattgefunden. Wer diesen Lehren und den damit zusammenhängenden Praktiken folgt, wird Opfer eines Pseudo-Evangeliums und geht damit in die Nacht hinein, gelangt in den Machtbereich der Finsternis. Jede Zauberei – ein anderes Evangelium bezaubert (Ga 3. 1 - 2) - führt zuletzt in den geistlichen Tod. Diese Lehren aber sind es, die hier (Kol 2. 18) im Zusammenhang mit ausgegebenen Visionen (dessen, was man sieht, man gaukelt also Tageslicht vor!) erscheinen. Und doch handelt es sich dabei, obwohl aus biblischen Inhalten entlehnt, um eine Verkündigung, die in die Täuschung, in die Nacht hinein führt.


Die falsche Demut oder: Willst du befördert werden?

    Mit all dem bisher Ausgesagten wird klar, daß Lehren, die sich zwar wohl mit Schriftworten schmücken, aber – nach Kol 2. 18 – aus der Sichtweise von Visionen dargebracht werden, als betrügerische Lehren zu entlarven sind. Das Verführerische erzeigt sich dabei insbesondere auch an der Betonung von Demut. Hier wird eine ganz zentrale Verhaltensweise angesprochen, die Schlüsselfunktionen in unserem Leben ausübt. Demut ist ein entscheidendes Kriterium einer echten Kindschaft Gottes und ihrer Teilhabe am Reich der Himmel: es wird nur dem Demütigen erschlossen. Dem Hochmütigen widersteht Gott bekanntlich; allein dem Demütigen schenkt Er Gnade und Gelingen (Spr 3. 34, 1 Ptr 5. 5). Befinden wir uns in Stolz und Überhebung, sind wir meilenweit von Gott entfernt. Stolz wird der, der vor dem Zusammenbruch steht, und Hochmut kommt vor dem Fall (Spr 16. 18). Niemand möchte daher als hochmütig gelten. Diesen Umstand machen sich jene Gesetzeslehrer – die im Kolosserbrief angesprochenen Inhalte verdeutlichen dies – zunutze. Demut wird hier als Unterordnung unter sie als den die Vision verkündenden Boten umgedeutet und damit ausgedrückt, daß der, der eine solche Demut nicht aufzuweisen habe, sich aus dem Einfluß des Geistlichen und damit Gottes ausschließe. Statt der Unterordnung unter das Haupt wird nun die Unterordnung unter Leiterschaft in die Mitte gestellt und damit zum eigentlichen Schlüssel der Gemeindezugehörigkeit erklärt. Damit wird der Hörende aus der Unmittelbarkeit der Gegenwart Gottes in die Mittelbarkeit der Gegenwart sogenannter Leiterschaft gedrängt – ein echter Schachzug der Finsternis.

    Die echte Demut beugt sich vor Gott, weist auf Ihn hin und gehorcht Ihm mehr als Menschen. Hier aber erscheint eine Demut, die das Gegenteil zur Folge hat. Es handelt sich dabei um eine Demut, die sich selbst, von sich aus, klein macht, um befördert zu werden: am Ende will sie in der Hierarchie aufgehen, will selbst oben, will selbst Bote sein. Eines Tages wird sie sich über andere ebenso wie jene erheben; damit dient sie der Befriedigung des Fleisches (Kol 2. 23). So fügt sich diese Demut nahtlos in das im Kolosserbrief beschriebene Ritual der Boten, der Überbringer ein, und bestimmt somit die Verehrung von Boten zu ihrem Mittelpunkt: Schließlich will sie selbst verehrt und in die Mitte gestellt werden. – Der in uns wohnende Geist Gottes aber verherrlicht nicht Menschen, sondern verklärt uns immer den Sohn; dieser allein offenbart uns den Vater. In der Schrift wird ausnahmslos von Menschen weggewiesen. Wird uns ein anderer gezeigt als der Sohn, so haben wir es demnach auch mit einem anderen Geist zu tun, der nicht aus Gott ist. Ein Geist, der nicht den Sohn, sondern andere Gesalbte als Ihn Selbst in die Mitte stellt, ist der Geist des Antichrists (1Jo 2. 18 - 27).

    Die Vorsilbe anti bezeichnet ein Anstatt, ein Gegenstück, eine Entsprechung. Es ist also ein Geist, der unentwegt versucht, Ihn zu ersetzen, um Verführer an Seine Stelle zu setzen, Menschen also, die sich selbst als Gesalbte (Christusse), als von Gott Gesandte und somit als Boten bezeichnen. Das Kommen nicht nur des einen, sondern vieler Antichristen, die viele verführen, ist ein Zeichen der letzten Tage, in denen wir uns unzweifelhaft befinden (Mt 24. 4 - 5, 11, 23 - 24 und 1Jo 2. 18; vgl auch Apg 20. 29 - 30). Unentwegt fordern diese in ihre Nachfolge, weisen falsche Propheten auf ihre alles überragenden Dienste hin. Hervorstehendes Merkmal des Antichristen ist es, daß er sich in den Tempel Gottes zu setzen, und sich selbst als Gott, das heißt als Unterordner, Richter und Platzanweiser, zu erweisen sucht (2Thes 2. 4). So setzen sich Menschen, die ihre Stellung als besondere Gesalbte betont wissen wollen und von den sie Hörenden Unterordnung heischen, in der Gemeinde an Gottes Stelle. Unsere Zeit geht bereits schwanger mit diesem Geist. Damit aber hat sich seit langem schon eine Entwicklung angebahnt, die in der Selbstinthronisation des Antichristen münden wird – des Antichristen, der die ganze Welt verführt.


    Nicht mehr das, was Sein Geist in den Herzen der Zuhörer, sondern das, was Boten lehren, ist nun also von Interesse und steht von nun an besonders im Vordergrund, ja mehr noch – das, was Gottes Geist in den Herzen bezeugt, soll sich nun anhand der Lehren dieser Boten prüfen lassen. Die Installation und die Existenz der Boten wird sukzessive zum alleinigen Inhalt; sie wird zum Selbstzweck. So wird die Anmaßung vollkommen gemacht. Hier wird also mittelst raffiniertester Täuschung Gott ersetzt, werden die Hörenden aus Seiner Gegenwart herausgeführt. An die Stelle Gottes wird ein anti, eine Entsprechung gesetzt; Menschen erscheinen nun in der Mitte des Geschehens. Ehrfurcht vor Menschen – es war vom Ritual, der Verehrung der Boten die Rede – tritt nun an die Stelle, die die Furcht des Herrn einnehmen sollte. Ihnen, den Boten zu folgen, wird nun als Weg in die Weisheit beschrieben, wird nun als sinnfüllend dargestellt und zur Zielsetzung für alle gemacht. Jedoch gilt, daß die Furcht des Herrn der Weisheit Anfang ist, d. h. sie beschreibt den Eingang, das Tor zu ihr wie zur Erkenntnis (Ps 111. 10, Spr 1. 7 und 9. 10). Sie ist aber nicht nur Anfang der Weisheit, sondern stellt die Weisheit selbst dar (Hiob 28. 28).

    Damit wird deutlich, daß die hier verkündigte Weisheit, die von ihrem Wesen her Menschenfurcht darstellt, nicht die Weisheit Gottes ist und somit nicht zu Gott hinführen kann. Denn allein die Furcht Gottes führt in Weisheit hinein. Sie ist, wie wir sahen, die Weisheit selbst. Jene aber wollen eine Weisheit verkünden, die die Hörenden in die Abhängigkeit von Menschen bringt. Diese Weisheit ist jedoch eine willkürliche (Kol 2. 23), d. h. eine nach menschlicher Willkür und Gutdünken erwählte. Damit wird klar, daß diese nicht von Gott kommt; sie wurde nicht gegeben, sondern ist von Menschen selbst herausgenommen worden. Paulus nennt diese Weisheit folgerichtig einen leeren Betrug (Kol 2. 8), und warnt vor einer Demut, die sich unter diesen Betrug unterordnen soll. Denn damit wird klar von der Unterordnung unter das göttliche Haupt abgelenkt, an das man sich selbst nicht mehr hält, da man nun Boten verehrt und in die Mitte rückt (Kol 2. 18). So wird auch unter diesem Aspekt die Fälschung, der ausgeklügelte Schachzug einer falschen Demut offenbar.



Paradierende Botschafter: Der geraubte Friede

    Nun darf das Gesagte nicht in der Weise mißverstanden werden, daß niemand mehr sich etwas sagen lassen solle. An anderer Stelle ist das schon angeklungen. Wirkliche Demut wird selbstverständlich auch in unserem Verhalten gegenüber unseren Geschwistern erkennbar werden, sollen wir doch nicht nur unserem Herrn, sondern auch untereinander, d. h. einer dem anderen, in Demut untergeordnet sein (1Ptr 5. 5). Diese Demut erzeigt sich gerade dann, wenn wir unseren Nächsten, Bruder und Schwester, jeweils höher achten als uns selbst (Phil 2. 1 - 8), und sie daher lieben an unserer Statt (Mt 19. 19 u.v.a.; vgl. 3Mo 19. 18). Da wir Glieder eines Körpers sind, gehört hierzu auch die Fähigkeit, geistlichen Rat von Geschwistern anzunehmen, zumal dann, wenn diese in ihrer geistlichen Reife viel weiter sind als wir selbst. Hier aber wird eine nur scheinbare Demut in dem Verneigen vor Menschen zur festgefügten Ordnung erklärt, ganz als sei diese Art der Verehrung ein zu erweisender Gottesdienst, der man allen angetragen wähnt. Vergleichbar mit den Pharisäern und Schriftgelehrten zur Zeit Jesu, die

    „in prächtigen Gewändern umhergehen wollen, auf den Märkten sich begrüßen lassen, Vordersitze in den Synagogen (übersetzt ‘Versammlungen’) und erste Liegeplätze bei Gastmählern beanspruchen, die Häuser der Witwen verzehren und zum Vorwand weitschweifig beten,”
Mk 12. 38 - 40; vgl. Mt 23. 5 - 7, Lk 11. 43, 44 und 20. 46 - 47

    wollen auch jene Boten sich

    „mit dem wichtigtun”, was sie gesehen haben und nun darzubieten suchen (Kol 2. 18).

    Das Wort für „wichtigtun” lautet im Griechischen embateuo. Es kommt aus dem Wortschatz von Politik und Militär und hat die Bedeutung von „in Aufzügen und Paraden einherschreiten”. Hier soll also gegenüber der staunenden Menge etwas vorgeführt werden; man will Ehrfurcht einflößen vor sich selbst, da man doch etwas darzustellen vorgibt, und dies nun ebenso lauthals wie sichtbar zu „repräsentieren” gedenkt. Die Nähe zu dem uns bekannteren Wort „Ambassadeur” (Botschafter) ist mehr als augenfällig; es ist demselben Wort entlehnt.


    Der Ambassadeur ist der Botschafter eines Landes, der dieses im Ausland repräsentiert. Das, was jene nun dem sogenannten „Volk” darzubringen vorgeben, indem sie damit „paradieren”, also dem staunenden Publikum gegenüber gewissermaßen eine Show veranstalten, bezieht sich auf das, was sie „gesehen” haben, ihre ‘Gesichte’ und ‘Visionen’ also. Diese nehmen sie zum Anlaß, sich damit über andere zu erheben, d. h. sich „aufzublähen” – so wörtlich für das griechische Wort physioumenos in Kol 2. 18, das dort mit „nichtig aufgeblasen” wiedergegeben ist. Dieses Wort – man denke an die dem verwandte Physiognomie – kennzeichnet auch die Betonung auf alles Physische, körperlich Faßbare, d.h. also auf den sichtbaren Körper. Auch das Bestreben, das zu repräsentieren, was man zu besitzen meint, das „Paradieren” und Glänzen vor anderen, von dem oben die Rede war, bedient das, was vor Augen ist. Naturgemäß gehört das Herausstellen von Visionen, von Gesehenem also, dazu. Darin erzeigt sich ein Betonen von Sichtbarkeit und von Dingen, die in diese Sichtbarkeit führen. Das Begehren der Augen – dessen also, was man sieht – ist jedoch nicht von Gott, sondern von der Welt (1Jo 2. 16). Die Sichtbarkeit dieser Welt, nicht aber der unsichtbare, aber dennoch gegenwärtige Herr Jesus, unser Haupt, und dessen inwendig anwesendes, unsichtbares Reich, das auf äußerliche Gebärden verzichtet, wird hier in den Mittelpunkt gerückt. Bereits der Herr wies darauf hin, und warnte vor denen, die jenes „Siehe hier, siehe dort” so sehr betonten, und wies die Jünger an, weder hinzugehen noch ihnen zu folgen (Lk 17. 20 - 23). Spätestens hier wird deutlich, daß solche sich nicht an das Haupt halten (Kol 2. 19). Ihre vermeintliche Vermittlung – die Vision, die sie gesehen haben – wird nun, da der Friede in den Herzen als Entscheidungsinstanz Gottes übergangen werden soll, an die Stelle dieses Friedens gesetzt. So wird der innewohnende Geist aus der Mitte gedrängt; der Mensch macht sich selbst zum Leiter. Der Bote, dessen Weisungen unbedingt einzuhalten sind, wird so zum Maß aller Dinge gemacht; er gilt als unantastbar, hat er der Gemeinde doch – so der Anspruch seine Vision zu unterbreiten.

    So geben wir, wenn wir diesen Boten folgen, unseren freien Zugang zu Gott auf, der unsere Herzen durch den in ihnen wohnenden Schiedsrichter, Seinen Frieden, regieren will. Wer sich entschließt, diesen Weg zu gehen, der verliert diesen Frieden alsbald, und begibt sich auf die Straße des Gehetztseins, des inneren Ausgebranntwerdens und der Ruhelosigkeit. Der Herr lud uns ein, zu Ihm zu kommen: Ich werde euch Ruhe geben”, so versprach Er. Statt das schwere Joch unserer und der Lasten anderer bat Er uns, Sein Joch zu tragen; Sein Joch ist sanft, und Seine Last ist leicht, so sagte Er, „so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen” (Mt 11. 29). Wie viele Beladene, wie viele Mühselige gibt es heute in Körperschaften, die es wagen, sich als „Gemeinde” zu bezeichnen? Findest auch Du nicht zur Ruhe, hast auch Du den Frieden verloren? Dann folge doch Seinem Ruf! Unser Herz findet nur Ruhe, wenn es Ruhe findet, Gott, in Dir, sagte schon Augustinus. Wie wahr ist das.


Pädagogen der Unmündigkeit

    An die Stelle des Friedens – Seines Friedens – sind nun jedoch, da man Menschen folgt, Mittler (Boten), Vormünder in den Weg getreten, an denen und deren Regeln vorbei es keine Möglichkeit mehr gibt, selbst von Gott zu hören und Ihm zu dienen. Dieser Weg wird von Paulus als ein Weg in Unmündigkeit beschrieben – es ist der Weg unter dem Gesetz (Ga 4. 1 - 4). Das Gesetz wird als der Geleiter zu Christus hin bezeichnet (Ga 3. 23 - 24). Das Wort Geleiter lautet im Griechischen paidagogos. Der uns allen wohlbekannte Pädagoge, der Erzieher, leitet sich von dort ab. Das Wort ist eigentlich ein Kompositum aus den beiden Wörtern paidion, Knabe, [4] und ago, führen oder bringen, und ist daher wörtlich mit Knabenführer zu übersetzen. Denn der Knabe ist noch unmündig und braucht daher Führung und Erziehung, um durch diese für das noch vor ihm liegende Leben vorbereitet zu werden. Der Knabenführer, der paidagogos, war der strenge Geleiter des Altertums, der die Knaben vermögender Eltern zur Schule brachte und strikt darauf zu achten hatte, daß der Knabe unterwegs nicht vom Wege abkam. War die Schule erreicht, war seine Pflicht getan. Gleichnishaft ist das Gesetz der Geleiter, der Erzieher auf Christus hin, das dem im Bilde gleichermaßen noch unmündigen Israel – gewissermaßen in seinem „Knabenalter” – mit auf den Weg gegeben worden war, und zwar bis zu der vom Vater festgelegten Zeit, als Christus kam (Ga 3. 19, 4. 2), der Zeit der Reife also.

    Und so war dieses Gesetz als Geleiter aufgrund der Sünde hinzugefügt worden – es enthält ja eine bewahrende Kraft und läßt uns unsere Sünde erkennen – und sollte so auf Sein Kommen vorbereiten. Jetzt ist Er gekommen – die Schule ist erreicht, der paidagogos hat seine Schuldigkeit getan, da der Sohn sich nun unter der Obhut seines Lehrers befindet: Jesus heißt nun der Rabbi, der es lehrt, vertreten durch den Heiligen Geist (Mt 23. 8 - 10, Jo 15. 26 und 16. 12 - 15; Ga 4. 4 - 7). Hier regiert nun nicht mehr der alte Geleiter, treten die Vormünder zurück. Der Weg des Geleitetwerdens durch das äußerliche Gesetz aber, das bekanntlich durch Boten übermittelt worden ist (Ga 3. 19) hier haben wir die Vormünder wieder hatte solange Gültigkeit, bis der kam, der das Gesetz als den Geleiter ablösen sollte. Der Weg vom Alten in den Neuen Bund kennzeichnet also im Wesentlichen einen Weg, der von der Mittelbarkeit der Boten zurück in die unvermittelte Gemeinschaft mit dem gegenwärtigen Gott führen sollte. In diese Unmittelbarkeit möchte Paulus die Galater führen, denen er jedoch vorzuwerfen hat, daß sie, nachdem sie anfänglich so gern und willig in der Freiheit dieser Gegenwart liefen, sich nun – durch die Annahme gesetzlicher Lehren – wiederum jenen zu unterstellen suchten, von denen Christus sie doch befreit hatte. So begaben sie sich erneut in die Unmündigkeit, aus der sie doch gerade erst herausgekommen waren.

    Wer unmündig ist, zeigt damit an, daß er unter die Grundregeln dieser Welt versklavt ist. Er ist nicht mehr frei, und sein Versklavtsein ist ein solches unter weltliche Strukturen. So hat der Unmündige wohl alle Rechte eines Sohnes; doch vermag er sie nicht wahrzunehmen, weil er Vormündern und Verwaltern unterstellt ist. Der Vormund ist – so der Sinn des griechischen Wortes epitropos - ein „Gestattender”. Die wörtliche Übersetzung lautet Aufdreher. Ein epitropos ist also einer, der etwas „aufdreht”, der uns etwas zu „eröffnen” hat, was seinen Anspruch bekräftigt, derjenige zu sein, der Vollmacht hat, uns etwas zu erschließen. Damit tritt er als Mittler göttlicher Zuteilungen in den Vordergrund. Ohne ihn, so wird unterstellt, hat der unmündig Gemachte keinen Zugang zu seinen Rechten; er braucht seinen Vormund, der diese Rechte zu verwalten und ihm zuzuteilen vorgibt. Somit heißt es nun nicht mehr, daß der Friede Gottes uns regieren soll, durch den der Sohn sich sowohl bewahrt als auch geführt wissen darf. Jetzt gilt das Regelwerk der Vormundschaft: „Rühre das nicht an! Koste das nicht! Taste das nicht an!” (Kol 2. 21, 22). Ausdrücklich aber sind deren Lehren als nicht von Gott kommend gekennzeichnet; definitiv und mit Bestimmtheit kennzeichnet Paulus die Lehren dieser Vormünder, dieser Boten als menschliche (Verse 22 und 23) – wird doch der Zugang zu Gott nicht eröffnet, sondern verbaut: Denn „es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus” (1Ti 2. 5). Nur ein Mittler führt zu Gott, hier aber wollen es deren viele sein. Doch bleibt er bei dieser Beurteilung nicht stehen und wird seinen Lesern auch die in dieser Problematik durchaus enthaltene okkulte Komponente als die eigentlich dahinterstehende Wirklichkeit erklären.


Titel
Anmerkungen Downloads << Kapitel 1  < Kapitel 2 < Kapitel 3 Kapitel 5 >> Startseite


Anmerkungen und Erklärungen zum Kapitel

[1] So in Eph 4. 14. Hier steht im Griechischen für Wind allerdings der Begriff anemos; vgl. dazu das lat. Wort anima (lebendes, eigentlich beseeltes Wesen), das daraus entstandene englische Wort animal (Tier) oder auch unsere aus diesem Sprachzusammenhang entlehnten Wörter Animation, Animateur oder animieren. Im Zusammenhang unserer Stelle aus dem Epheserbrief bedeutet anemos so viel wie durch Belehren animieren, Lebensäußerungen hervorrufen, die Zuhörerschaft in bestimmte Richtungen bewegen („wehen”, „Wind”) durch verschiedenartige Belehrung (didaskalía).

[2] Volk=láos; daraus wurden die so genannten Laien, die im Gegensatz zu den so genannten kleronomoi, den gesetzlichen Anteilseignern standen, aus denen so genannte Klerus wurde.

[3] Die Beschäftigung mit solchen Dingen weist wieder auf das Mondhafte hin; die verschiedenen Sabbatzeiten und Festzyklen etwa werden durch Mondbeobachtung (Mondphasen) ermittelt. Die Lichter des Himmels, Sonne, Mond und Sterne, wurden zur Zeitunterscheidung und zur Orientierung gesetzt. „Dann sagte Elohim: Es werden Leuchten in der Atmosphäre der Himmel, um den Tag von der Nacht zu scheiden, damit sie Zeichen für bestimmte Zeiten, Tage und Jahre seien” (1Mo 1. 14). Es handelt sich damit zunächst um eine gute Ordnung Gottes, die aber dann verkehrt wird, wenn wir sie außerhalb des ihr gesetzten Rahmens, Lichter der Nacht zu sein, gebrauchen. So war auch die Geburt des Herrn durch die Erscheinung eines Sterns angezeigt worden. Auch ein Stern gehört zu den oben beschriebenen Leuchten bzw. Zeichen der Nacht. Dieses Zeichen galt jedoch Magiern (mágoi), das waren Sterndeuter, Astrologen; also Menschen, die sich in Finsternis befanden, da sie Ihn auf andere Weise nicht hätten finden können (Mt 2. 1 - 12). Sie sind es dann auch, die über ein Traumgesicht Weisung erhalten, nicht zu Herodes zurückzukehren (Vers 12). Auch Träume sind Dinge, die in die Nacht gehören und damit denen gesetzt sind, die sich zumindest erkenntnismäßig in Bereichen der Nacht befinden. – Herodes nutzte dann gerade solche Erkenntnisse, die er dazu noch mit den Auskünften der damaligen Vertreter des Gesetzes ergänzte, um den Ort Seiner Geburt auszuforschen und Ihn umzubringen, was zum grausamen Kindermord im Gebiet um Bethlehem führte. – Überhaupt ist das ganze Geschehen der Geburt unseres Herrn eines in der Nacht, die nun – prophetisch – durch den Stern erhellt wird. Er jedoch kam als das Licht selbst in diese, in unsere Finsternis, was durch den Stern nur angezeigt wird; „das Volk, das in der Finsternis wandelt, sieht ein großes Licht, über den Bewohnern des Landes der Todesschatten geht eine Leuchte auf” (Jes 9. 1, Schlachter). Wir aber als die, die erleuchtet wurden und damit in den Tag gesetzt sind, sollten uns nun an Ihn Selbst halten und nicht bei den Lichtern der Nacht Anlehnung suchen.

[4] Das griechische Wort paidion (wörtlich: Spielende[-r]/[-s]) bezeichnet nicht das Geschlecht des Kindes, sondern das Alter.





Verwendete Bibelübersetzungen und Textausgaben

Wo nicht anders angegeben, wurde für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose,
die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die Konkordante Übersetzung verwendet.

Konkordantes Neues Testament (KNT)
mit Stichwortkonkordanz 5. Auflage 1980, neu überarbeitet

Konkordantes Altes Testament (KAT)
Das Erste und Zweite Buch Mose, 2. erw. Auflage

Die Psalmen, 1. Auflage 1994

Konkordanter Verlag Pforzheim

Die im KAT verwendete Transliterierung für den Gottesnamen haben wir in der Wiedergabe jeweils durch das gebräuchlichere „Jahwe” ersetzt.

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)

Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”, 73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung

Verlag R. Brockhaus, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung

„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments
Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen
Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter,
Neu bearbeitet und herausgegeben durch die
GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985”

sowie die Übersetzung „Schlachter 2000”


Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes

Übersetzung von Fritz Henning Baader, Schömberg


Novum Testamentum Graece

(Nestle-Alandt)

26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988,
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart







Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.


Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Stand: 04. 05. 2012

© 2003 ff.
Titel
Anmerkungen Downloads << Kapitel 1  < Kapitel 2 < Kapitel 3 Kapitel 5 >>

Download Download dieses Kapitels:

An dieser Stelle kann das Dokument auch im PDF-Format heruntergeladen werden. Zum Speichern bitte die rechte Maustaste benutzen, einfach Link-Ziel / Verknüpfungsziel speichern unter... wählen und die Datei in einen Ordner freier Wahl kopieren. Allen viel Segen damit!

DownloadDownload der ganzen Schrift (Hauptseite)


Schreiben  Möchte jemand schreiben?

Startseite Warum?
Schriften Linkliste
Literatur E-Mail Impressum

Bitte entfernt in Eurem Mailprogramm die Leerzeichen aus der Adresszeile (wg. Schutz vor Spam-Mails). Vielen Dank!