Der Weg der Liebe - Arm und Reich


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Der Weg der Liebe

und die Wiederkunft des Herrn:

Der Richter vor den Türen.


Arm und reich: Gedanken zum Jakobusbrief.


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    Die nachfolgend niedergeschriebenen Gedanken zum Jakobusbrief stellen eine Überarbeitung eines Teils einer schon früher verfaßten, umfangreicheren Niederschrift dar, die allerdings in ihrer Ausdrucksweise verhältnismäßig knapp und eher stichwortartig geraten war. Nach einiger Zeit kam ich zu dem Entschluß, das Ganze in mehreren, kleineren Einzelschriften auszuarbeiten und dem, der solcher Nahrung bedarf, in dieser Form weiterzuvermitteln. Es soll dabei nicht verschwiegen werden, daß so manche Ereignisse im Verlaufe der letzten zurückliegenden Jahre meines Lebens mich zu den Studien bewogen haben, deren Ergebnisse nun in einzelnen Ausarbeitungen vorliegen. In dem hier Niedergelegten handelt es sich um Gedanken der Liebe zu Gott, die sich in der tätigen Liebe an dem Bruder und der Schwester ausdrückt, wie dies gerade auch der Jakobusbrief thematisiert, und dem darin bestehenden Zusammenhang mit der zu erwartenden Wiederkunft unseres Herrn. Hierbei will ich gern gestehen, diesen Brief vor den dieser Schrift zugrundeliegenden Studien nicht in diesem Licht gesehen zu haben. Der Jakobusbrief gehört ja, etwa neben der Offenbarung, den anderen Schriften des Johannes und nicht zuletzt gerade auch dem Hebräerbrief, nach wie vor zu den am meisten vernachlässigten, ja in seiner Bedeutung völlig verkannten Schriften des Neuen Testamentes.

    So hört man relativ wenig von ihm, und viele kennen aus ihm nur wenige markante oder in gewissen Richtungen herausgenommene und besonders betonte Schriftstellen. Selbst Luther konnte neben der Offenbarung auch mit dem Jakobusbrief nicht allzuviel anfangen und nannte ihn, völlig zu Unrecht, wie ich meine, eine „stroherne Epistel”. Wenn ich das Nachfolgende niederschrieb, dann geschah dies jedoch nicht, um nun suggerieren zu wollen, etwas vor anderen erkannt zu haben, sondern gerade deshalb, weil mir gerade erst etwas zu leuchten begonnen hatte, wovon wir alle heute noch bestenfalls hilflos zu stammeln wagen. Noch immer staune ich über die ungewöhnlich hohe geistliche Dichte, die der Jakobusbrief aufzuweisen hat, und das umso mehr, je häufiger ich ihn lese. Und so ist mir gerade dieser Brief, den Jakobus eigentlich an jüdische Gläubige gerichtet hat (siehe dazu seinen Eingangsgruß im ersten Vers), woraus sich dann auch seine vielen Hinweise auf das Gesetz erklären lassen, zu einem besonders wertvollen und unverzichtbaren „Schatz” geworden.

    Zur Thematik der sich den Geschwistern zuwendenden Liebe hat uns Jakobus in der Tat vieles zu sagen. Dem Johannes in seinem ersten Brief nicht unähnlich (1Jo 3. 10 - 16), so wird auch er in dem Zusammenhang des Beiseitesetzens von Geschwistern und des Verweigerns notwendiger Hilfeleistungen von Mord sprechen (Ja 2. 11 und 5. 6). Dieses Thema zieht sich  als ein maßgebliches  durch den ganzen Jakobusbrief hindurch, so daß es sich für unser Verständnis lohnt, den gesamten Brief durchzuarbeiten, um zu seiner Kernaussage zu kommen. Hier beginnen wir mit dem zweiten Kapitel. Zunächst rügt Jakobus das Zurücksetzen des Armen, das in dem Ansehen der Person seinen Ausdruck findet:

    Meine Brüder, habt den Glauben unseres Herrn Jesus Christus der Herrlichkeit nicht in Verbindung mit Ansehen der Person. Denn wenn in eure Synagoge (d. h. Versammlung) ein Mann mit goldenen Ringen und in glänzender Kleidung hineinkäme und es käme zugleich ein Armer mit unsauberer Kleidung hinein, und ihr würdet auf den blicken, der die glänzende Kleidung trägt, und sagen: Setz du dich hierher auf den schönen Platz, während ihr zu dem Armen sagen würdet: Stehe du dort, oder: Setz dich hier unten an meinen Schemel, würdet ihr da nicht bei euch selbst Unterschiede machen und zu Richtern mit bösen Erwägungen werden?

Ja 2. 1 - 4

    Jakobus beginnt unseren Abschnitt mit der Ermahnung, den Glauben unseres Herrn nicht in Verbindung mit dem Ansehen von Menschen zu bringen. Hier müssen wir zunächst bedenken, daß er nicht von einem Glauben an den Herrn Jesus spricht. Es geht eben gerade nicht umeinem Glauben, der von uns zu kommen, von uns auszugehen habe. Jakobus spricht von dem Glauben des Herrn Jesus Selbst. Dies nicht nur zu erkennen, sondern vor allem es wirklich anzuerkennen, ist für unser weiteres Verständnis ganz entscheidend. Wir reden hier freilich nicht einem Gnadenverständnis das Wort, das uns einreden will, daß es nicht mehr auf den Glauben ankäme. Es ist nur entscheidend, daß wir wissen, woher dieser Glaube kommt!

    Ohne Glauben ist es unmöglich, Ihm wohlzugefallen; denn wer zu Gott kommt, der muß glauben, daß Er ist, und denen, die Ihn ernstlich suchen, ein Belohner sein wird.

Hbr 11. 6

    Wohl sollen wir glauben; nur besteht dieser Glauben eben gerade nicht in den Exerzieren und eigenen Ausleben geistlicher Prinzipien oder Formeln; er besteht vielmer in dem Annehmen dessen, was Gott in Seinem Sohn für uns schon erwirkt hat, in dem täglichen Anvertrauen an Seine Person. [1] Jakobus war dies alles nicht fremd, sonst hätte er dies so nicht geschrieben; es war ihm so ganz und gar, so völlig selbstverständlich, so daß ihm diese eine kurze Fügung genügte: „habt den Glauben unseres Herrn Jesus”. Hier sehen wir Jakobus´ deutliche Übereinstimmung mit allen seinen Brüdern, die noch mit Jesus unterwegs gewesen waren, die Ihn aus eigener Anschauung kannten, den Jüngern seiner Zeit. Und gerade auch mit Paulus, der als späte und „unzeitliche Geburt” mitunter dieselbe Fügung gebrauchte, stimmt er durchaus überein (Ga 2. 16, Eph 3. 12). Auch der Herr Selbst sprach ja nicht von einem Glauben an Gott, als Ausdruck einer von uns ausgehenden Anstrengung, sondern von dem Glauben Gottes, den wir haben sollten. Das ist ein fundamentaler Unterschied!

    Jakobus hat uns aber noch etwas anderes zu sagen. Dieses „andere” wird für ihn nun zum ganz großen Thema. Für ihn geht der Glaube nicht vom Menschen aus, haben wir erkannt. Er führt zwar immer wieder zum Menschen hin, wie wir anhand der Liebe noch sehen werden, die diesem Glauben so eigen ist, so charakteristisch von seinem ganzen Wesen her; und doch und eben gerade darum orientiert, hängt er sich nicht an ihm, fragt nicht nach dem Sichtbaren, nicht nach dem Ansehen, nicht nach der Person. Vers 1 lautet wörtlicher: „Meine Brüder, habt den Glauben unseres Herrn Jesus... nicht im Ansehen der Person bestehend, oder „der Glaube... bestehe nicht in dem Ansehen der Person”, und erklärt uns damit, daß der Glaube weder von menschlichem Ansehen ausgehen kann, noch einen Bestand in ihm hat, noch sich aus ihm speist, wenn er sich als „authentisch”, sich als „echt” erzeigen soll. Schon der Herr hatte gesagt: 

    „Wie könnt ihr glauben, die ihr Verherrlichung (o. Ehre; wörtlich: doxa, Herrlichkeit, Verherrlichung, Glanz) voneinander annehmt, aber die Verherrlichung, die vom alleinigen Gott ist, nicht sucht?” 

Jo 5. 44

    Dieser Satz, diese Anfrage an die Pharisäer, die ja eigentlich eine Feststellung, eine Richtigstellung ihres Weges beinhaltet, wird sich auch Jakobus, dem Herrnbruder, damals fest eingeprägt haben.

    Der hier zu lebende Glaube, der Glaube, den Gott sucht, erzeigt sich also gerade nicht als vom Menschen her kommend. Und gerade deshalb ist er auch nicht von ihm abhängig, sucht die Ehre, das Licht, die Substanz nicht bei ihm. Es ist ja der Glaube unseres Herrn Jesus, der Glaube Gottes, der darum auch immer wieder zu Ihm, dem Vater, zurückkehren muß, um in Seine, in Gottes Ehre zu münden. Denn von Ihm ist er ausgegangen, und darum sucht er immer auch allein Seine Ehre, immer nach dem, was des Vaters ist (vgl. Ps 90. 3, auch Lk 2. 49). Es ist eben doch etwas anderes, die eigenen „Kräfte” einsetzen zu müssen, „Formeln” zu gebrauchen, „Prinzipien anzuwenden”, als Gott einfach nur in kindlichem Glauben zu folgen und Ihm  Tag für Tag aufs Neue  einfach und ganz schlicht nur zu vertrauen, einfach zu ruhen in dem, was Christus uns schon erworben hat, uns einfach nur führen zu lassen von Ihm, und das zu tun, was Er uns aufträgt.

    Menschlicher Glaube, die in solchem Glauben immer liegende Verherrlichung des Menschen und der Glaube Gottes schließen darum einander so völlig und so grundsätzlich aus, wie man etwas nur voneinander ausschließen kann. Denn bei menschlichem Glauben steht immer der Mensch, steht vor allem menschliches Tun im Mittelpunkt, bekommt der Mensch die Ehre. So erweist sich ein solcher Weg als ein gewaltiger Etikettenschwindel. Hier wird unter dem Begriff „Glauben” eine Gesetzesfrömmigkeit aufgerichtet und ausgeführt, die auch Jakobus nicht gemeint hat! Wer heute immer wieder einmal an die eigene Glaubensbemühung appelliert und Kindern Gottes (denn um solche geht es ja hier) vorhält, sie sollten endlich glauben, um aus solchem „Glauben” heraus dann dieses oder jenes „Resultat” zu erzielen, der muß sich fragen lassen, an was oder vielmehr an wen er da eigentlich appelliert, wessen Glauben es ist, den er da hervorbringen will, und vor allem, von wem die Kräfte kommen, die er da bewegen, die er da „in Gang setzen” möchte. Von Gott kommen sie ganz gewiß nicht!

    Im Verlaufe des Briefes werden wir immer wieder auf diese Art zu „glauben”, zurückkommen; uns wird vor allem zu beschäftigen haben, aus welcher Wurzel dieser „Glaube” sich nährt und wieviel Not dieser „Glaube” den Empfängern des Jakobusbriefes darum bereitet hatte. Wenn wir erst einmal die Wurzel dieses „Glaubens” erkannt haben, dann werden wir auch herausfinden, daß und vor allem warum dieser Art zu „glauben” die Liebe fehlt, jenes Element, das so untrennbar mit Gott, Seiner Nähe und Seiner Gegenwart zu tun hat, so unauflöslich mit Ihm verbunden ist, daß Johannes einmal schrieb: Gott ist Liebe(1Jo 4. 8). Ja, die fehlende Liebe unter uns ist eine große Not, und darum können wir uns auch auf die Gegenwart dessen nicht berufen, der diese Liebe ist und sie auch ganz neu wieder unter uns entfachen will. Nur allzu lange sind wir einer Bewegung nachgelaufen, die einen „Glauben” zelebrierte und noch immer zelebriert, der diese Liebe hervorzubringen weder die Kraft besitzt, noch diese Kraft jemals besitzen kann  gerade darum, weil dieser „Glaube” sich so sehr auf „Krafttaten”, große „Erfolge”, ja auf schier Außergewöhnliches berufen will. 

    Und so werden wir nicht nur erkennen, wie aktuell diese Not auch heute wieder ist; wir werden auch sehen, wie sehr sie zu unserer Not geworden ist. Vor Gott gelten ja nicht die außergewöhnlichen Taten etwas, die wir vollbringen wollen; Ihm geht es auch nicht um das formal richtige Tun, als das Halten von Regeln und Verordnungen; bei Ihm gilt der Glaube, der durch die Liebe wirksam ist (Ga 5. 6). Liebe bezieht sich immer auf die Person. Und diese Person ist zunächst Gott, dann aber auch der Nächste  der Bruder und die Schwester, die Er mir zur Seite gestellt hat. Ein solcher Glaube ist also gefragt, der nicht nur „Werke der Liebe” hervorbringt, etwa im Sinne „christlicher Werke”, sondern dem anderen als seinem Gegenüber sein Herz öffnet, sich um ihn kümmert, sich ihm zuwendet, tagein, tagaus, im Großen wie im Kleinen (Ga 5. 6). [2] 

    Wir sehen also, daß Jakobus gar nicht so weit von dem Apostel Paulus entfernt ist, wie wir das manchmal gedacht haben! Wie Paulus, so kommt auch Jakobus von der Gnade her, vom Glauben; wie Jakobus, so vernachlässigt auch Paulus nicht das Werk, die Frucht derselben Gnade, das Ergebnis desselben Glaubens. Beiden geht es um den Glauben; beiden geht es aber auch um die Werke, um die rechte Frucht dieses Glaubens. Und beide wissen schließlich auch um die Quelle, aus der der Glaube kommt, der diese Frucht hervorzubringen in der Lage ist. Am Ende aber wird gerade Jakobus uns die Augen öffnen über die Werke, die am Ende jenes falschen „Glaubens” stehen werden, den er in seinem Brief thematisieren wird: all diese Dinge werden zerschmelzen, werden verbrennen in der Hitze des Feuers; nicht wird von ihnen übrigbleiben im Gericht, wenn der Tag des Herrn kommt. Wie aktuell und brisant ist darum doch sein Brief, wie eindrücklich und klar redet er in diesen Fragen zu uns! Nein wir sollen nicht diesen Glauben haben, der auf unserer Kraft, auf unserer eigenen Einwirkung beruht. Wir brauchen einen ganz anderen Glauben, einen Glauben, der von Gott kommt! Bereits der Herr sagte wörtlich:

    „Habt den Glauben Gottes” (Mk 11. 22).

    Wie bei Jesus, dem älteren Bruder, so handelt es sich also auch bei Jakobus nicht um unseren Glauben, um unsere „Anstrengung”. Auch bei ihm ist dieser Glaube ein Geschenk Gottes, ja der Glaube Gottes Selbst.

    Schon eingangs läßt Jakobus uns darüber nicht im Unklaren: Es ist dies gerade der Glaube eines Gottes, der allen großmütig gibt und keine Vorwürfe macht (Ja 1. 5). Unser Gott gibt gern und reichlich, und jedes gute Geben und jede vollkommene Schenkung ist von oben, kommt von dem Vater der Lichter herab, bei dem es keine Veränderung gibt, keinen Wechsel zu Beschattung (Ja 1. 17) – und zwar für alle ohne Unterschied; denn bei Ihm gibt es kein Ansehen der Person (Apg 10. 34, Rö 2.11, Eph 6.9, Kol 3.25, 1Ptr 1.17). Er ist reich für alle, die Ihn anrufen (Rö 10. 12). Haben wir Seinen Glauben, wird dies an genau derselben Haltung zu erkennen sein; wo nicht, ist unser Glaube nicht in Ihm gegründet, nicht von Ihm. Deshalb ist es geradezu unmöglich, im Glauben Gottes zu leben und gleichzeitig die Person anzusehen. Dort, wo dies dennoch geschieht, indem man sich somit an Menschen und ihrem äußerlichen Erscheinungsbild orientiert und daran den Glauben festmacht, hat man sich von Gott entfernt und damit die Liebe in Person verlassen (Jo 4. 7 - 12). Ja, der Glanz ist es, jenes Leuchten und Strahlen, das den menschlichen Glauben immer wieder so sehr beschäftigt. Oben haben wir ja über diesen „Glanz”, diese „Ehre”, diese „Verherrlichung”, über dieses kleine und doch so entscheidende, so gewichtige Wort „doxa” gesprochen, über jene Dinge also, die sich so sehr an Menschlichem, an Äußerlichem orientieren – an dem, was wir sehen, was „vor Augen” ist, am „An-sehen” im Wortsinn. Dieses Ansehen äußerlichen Glanzes wird Jakobus hernach als Götzendienst brandmarken, denn „doxa” – Ehre, Verherrlichung – ist etwas, was nur Gott zusteht und nicht Menschen.

    Man erkennt den Bruder und die Schwester nun nicht mehr nach dem, was Christus getan hat, sondern dem Fleische nach (2Kor 5. 16), als dem, was wir äußerlich meinen zu sehen und erkennen zu können. Dies wird unweigerlich zu Unterscheidungen zwischen Geschwistern führen, zwischen groß und klein, arm und reich. Ein solcher Glaube kommt nicht mehr von Gott her und von Seinem Willen, sondern von dem, was man an Menschen sieht und von daher als erfolgreich, als richtig deutet, und gründet sich somit in dem, was vor Augen ist. Schon hier wird deutlich, daß der, der die Person ansieht, Gott zuvor aus den Augen verloren hat: Die Sünde gegen Gott, nämlich – trotz jenes vermeintlichen „Glaubens” – Ihn verlassen zu haben, mündet in die Sünde gegen den Nächsten, den man in einem solchen Stand nur noch in fleischlicher Weise erkennen kann. Da der Blick nicht mehr auf den unsichtbaren Herrn, sondern auf die sichtbare Person gerichtet ist (2Kor 4. 18), wird das Sichtbare nun zum alles beherrschenden Maß, nach dem man zu „sehen” meint. Erscheint uns dann der Nächste „in glänzender Kleidung” – hier, in dem Wort lampro, leuchten, finden wir auch unseren „Glanz”, unser „Strahlen” wieder! – , so wähnen wir ihn „gut” und „richtig”, sehen wir ihn aber in „unsauberer Kleidung”, fehlt uns also dieser „Glanz”, so scheint er uns „schlecht”, „böse” und „unzureichend” zu sein (Ja 2. 2). Armut und Mangel erscheinen dem so Urteilenden bald als Zeichen des Unglaubens und eines verkehrten Standes vor Gott, während das Erlangen von Reichtum als erstrebenswert, als Zeichen rechten Wandels gedeutet wird. So erliegt man alsbald der Versuchung, bei sich selbst Unterschiede zu machen, und wird „zu Richtern mit bösen Erwägungen” (Vers 4). Hier sehen wir, daß der falsche Glaube in „böse Erwägungen”, das heißt also in die Bosheit, in böse Gedanken hineinführt – und darum zuletzt auch in Werke, die böse sind! [3]

    Der Reiche wird nun hofiert und angesehen – ob er vielleicht ein großes Opfer geben wird? –, während der Arme, der nichts zu geben hat, aufs Abstellgleis geschoben wird. Durch dieses Verhalten wird der Arme dieser Welt, der in Gottes Augen doch zu einem

    „Reichen im Glauben und Losteilinhaber des Königreichs erwählt”

    wurde, verunehrt (Verse 5 und 6). Besonders kraß wird dies veranschaulicht in der dem Armen hingeworfenen Anweisung

    „setz dich hier unten an meinen Schemel (grie. hypodion, d. h. das unter dem Fuß Befindliche)”,

    dem eine Symbolik zugrunde liegt, die daraus herrührt, daß im Altertum die besiegten Feinde nach dem Ende der Schlacht unter die Fußschemel bzw. zu den Füßen der Sieger auf der bloßen Erde präsentiert wurden, um sie in den Staub zu demütigen und um ihre völlige Unterwerfung und Unwürdigkeit anzuzeigen. Über den Herrn wird ausgesagt, daß Gott Seine Feinde unter den Schemel Seiner Füße erniedrigen wird (siehe Mk 12. 36, Lk 20. 13, Apg 2. 35, vgl. Hbr 1. 13 usw). Der Fußschemel (hypodion) des Herrn ist die Erde selbst (Mt 5. 35), und die Füße des Christuskörpers stellen die auf der Erde wandelnde Gemeinde dar. Da die Armen nun das schöne Bild der perfekt organisierten Gemeinde trüben, stören sie nur; während der Reiche auf den vorderen Plätzen präsentiert wird, stellt man die Armen in der Gemeinde Unwürdigen, Feinden und Ungläubigen gleich. Man behandelt sie also wie Feinde, die man sich unterworfen hat. So werden sie hinter alle anderen zurückgesetzt und um in dem Bild des Fußschemels zu bleiben – wie die Erde, auf denen die Füße gehen, oder um es deutlicher zu sagen, wie Schmutz, wie der „Auskehricht dieser Welt” (1Kor 4. 13) behandelt und „in den Staub” erniedrigt. Nach jüdischem Verständnis und nach dem Gesetz gilt er somit als unrein, da die Füße die Erde berühren (siehe 2Mo 30. 17 - 21 und 40. 30 - 32, Jo 13. 10). Damit ist ihm der Eintritt ins Heiligtum verwehrt. Man plaziert ihn somit an den Rand des Geschehens – wie die Aussätzigen etwa, die außerhalb des Lagers leben mußten (vgl. 3Mo 13. 45 - 46 und 14. 3). In diesem Tun und den damit einhergehenden „bösen Erwägungen” erhebt man sich zu Richtern über dem Armen (Ja 2. 4). Das ist, grob skizziert, der eigentliche Inhalt, der „Kern” des hier Ausgedrückten, wie auch Jakobus, der ja von der jüdischen Bibel her argumentiert, ihn kaum anders erkannt haben dürfte.

    Jakobus bleibt hier jedoch nicht stehen, sondern geht folgerichtig weiter:

    „Ihr aber entehrt den Armen. – Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken? Gerade sie ziehen euch vor die Richter! Lästern nicht sie den edlen Namen, der über euch angerufen wird?”

Ja 2. 6, 7

    Der Arme wird verunehrt und unterdrückt. Das Wort entehren (grie. atimazo) bedeutet nicht ehren, mißachten, verächtlich behandeln, beschimpfen, zurücksetzen, jemandem etwas mißgönnen und entziehen: was dem Armen rechtmäßig zusteht, wird ihm hier durch Nichtgewähren entzogen; durch ihr Zurücksetzen klagen sie ihn an, gerade weil er so arm ist. Hierin verhalten sie sich keinen Deut besser als die Reichen dieser Welt, die sich nun ihrerseits das Recht herausnehmen, sie selbst zu unterdrücken und vor die Richter zu zerren (Vers 6b), wenn und gerade weil sie ihren „Ansprüchen” nicht genügen können. Die Welt sieht nun wiederum ihre Armut; und gerade diese Armut suggeriert ihr, sich daraus das vermeintliche Recht an ihnen herzuleiten, sie zu bedrücken, zu richten und auszugrenzen. Hier kündigt sich schon jene Unterdrückungshierarchie an, von der der Herr sagte, daß sie unter den Jüngern keinen Gebrauch finden darf. Eben durch solche Verhaltensweisen lästern

    „sie den edlen Namen, der über euch angerufen wird” (Vers 7).

    In dem „edlen Namen” erkennen wir den „Namen über alle Namen”, den Namen unseres Herrn Jesus. Auch Er, der arm war in sich selber, doch reich in Gott (vgl. Jo 5. 19, 6. 38, 8. 28, 2Kor 8. 9 u. a.), wurde verachtet und geschmäht; auch Ihn traf die Schmach der Frommen und Selbstgerechten, und ihre falsche Anklage lieferte Ihn zuletzt dem Todesurteil aus, das durch eine weltliche Gerichtsbarkeit vollstreckt wurde – „außerhalb des Lagers”, „draußen vor dem Tor” (vgl. Mt 27. 1 - 2, Hbr 13. 11 - 13). Im Mißachten, Zurücksetzen und Aburteilen des Armen in der Gemeinde, der zwar arm in den Augen der Welt erscheint, doch von Gott zu einem Reichen im Glauben erwählt wurde (Vers 5), wiederholt sich dies nun. – In völligem Gegensatz dazu lehrte jedoch schon Paulus,

    „welche uns die weniger geehrten Glieder des Körpers zu sein scheinen, diesen legen wir weit mehr Ehre um. So erhalten unsere unschicklichen Glieder weit mehr Wohlanständigkeit ...”,

    da Gott Selbst den Körper so zusammengefügt hat,

    „daß Er dem Glied, das im Nachteil ist, weit mehr Ehre gibt, damit keine Spaltung (!) im Körper entstehe, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander haben.”

1Kor 12. 22 - 26

    Als Antipol zu dem bisher geschilderten Verhalten erklärt Jakobus den Empfängern seines Briefes nun das göttliche Gesetz:

    „Wenn ihr allerdings das königliche Gesetz vollbringt nach dem Schriftwort: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (3Mo 19. 18), so handelt ihr trefflich. Wenn ihr aber die Person anseht, wirkt ihr die Sünde und werdet vom Gesetz als Übertreter überführt. Denn wer das ganze Gesetz halten will, aber in einem strauchelt, ist allem verfallen. Denn der gebot: Du sollst nicht ehebrechen, sagte auch: Du sollst nicht morden (2Mo 20. 13, 14). Wenn du zwar keinen Ehebruch treibst, aber mordest, bist du zu einem Übertreter des Gesetzes geworden”

Ja 2. 8 - 11

    Das Gesetz Gottes mündet unmittelbar hinein in das Doppelgebot der Liebe: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand, und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In der Liebe ist das Gesetz begründet und zusammengefaßt; hierin liegt das ganze Gesetz und die Propheten, sagte der Herr (Mt 22. 37 - 40 u. a.). Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes; jedes einzelne Gebot gipfelt in dem Wort „Lieben sollst du deine Nächsten wie dich selbst” (Rö 13. 8 - 10, Ga 5. 14). Gegen solche, die in Liebe wandeln, gibt es kein Gesetz (Ga 5. 22, 23 und 1Tim 1. 9), und „die Vollendung aber der Anweisung ist Liebe aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben” (1Tim 1. 5). Dieses Lieben des Nächsten, und zwar so, als sei er an des Liebenden Stelle („wie dich selbst”) ist das königliche Gesetz, von dem Jakobus hier spricht. Das hat nichts mehr mit Selbstliebe zu tun!

    „Ehebruch” ist nun gleichbedeutend mit einer Übertretung des Gesetzes (Gesetzesbruch). Das abtrünnige Israel wird in der Schrift des öfteren als Ehebrecherin betitelt, da es den (Ehe-) Bund mit Gott verlassen und Sein Gesetz gebrochen hat (vgl. Jes 57. 3 - 8; Jer 3. 6 - 13 und 20, Kap. 7. 8 - 9, Kap. 9. 1 , 12 und 13, Kap. 13. 27; Hes 23; Hos 2. 4, Kap. 3. 1 u. a.). Jakobus kommt in seiner Erläuterung vom Gesetz her; seine Terminologie dürfte den Empfängern seines Schreibens, die aus dem Judentum kamen (Ja 1. 1), geläufig gewesen sein. Ehebruch bezieht sich hier eindeutig auf die Beziehung zu Gott, während Mord die Beziehung zu dem Nächsten kennzeichnet – als dem armen Bruder, den man wegen seiner Armut vorhin so schmählich in den Staub erniedrigt hat. Hierbei wird deutlich, daß der Mörder keinen Vorzug vor dem Ehebrecher hat (als dem, der Gott verließ); beide haben denselben Stand. Der Mordende ist ebenso ein Gesetzesbrecher wie derjenige, der die Ehe gebrochen hat; beide stehen so in der Schuld und unter dem Gericht des ganzen Gesetzes wie jedes einzelnen Gebotes, und daher ist auch das Urteil, Gott verlassen zu haben, über beiden gleich. Denn der Mord jener Selbstgerechten bestand ja gerade darin, den Armen nicht etwa aus seiner Armut aufzuhelfen, sondern ihn gerade wegen seiner Armut herabzuurteilen und als zum „Gemeindebetrieb” vermeintlich Unwerten zurückzusetzen. Das aber ist nichts Anderes als eine Form religiöser Euthanasie, des Mordes an dem Schwachen, an dem Bruder und der Schwester, die man der Hilfe nicht wert achtet (vgl. Jer 23. 1; Hes 34. 3 - 5, 10, 20 - 22). Der also die Person ansieht und den Reichen, der etwas zu geben hat, dem Armen, der nichts zu geben hat, vorzieht und den Armen somit erniedrigt, richtet den Armen und mordet - genau dieses Verhalten bezeichnet Jakobus als Mord, und führt aus, daß die, die solches verüben, als Abtrünnige und Ehebrecher (Ja 4. 4) nach dem Gesetz ein Urteil zu erwarten haben, d. h. vom und nach dem Gesetz gerichtet werden.

    Weiter heißt es:

    „So sprecht nun (‚von nun an’) und so handelt als solche, die künftig durch das Gesetz der Freiheit gerichtet werden. Denn das Gericht ist unbarmherzig gegen den, der keine Barmherzigkeit geübt hat. Barmherzigkeit rühmt sich gegenüber dem Gericht.”

Ja 2. 12, 13

    Das „Gesetz der Freiheit” legt den Maßstab der Liebe an. Der Unbarmherzige hat in dem Urteil des Gesetzes keine Barmherzigkeit zu erwarten, während Barmherzigkeit sich gegenüber dessen Gericht rühmen kann, da gegen den Liebenden und Barmherzigen kein Gesetz besteht (Rö 13. 8, 1Tim 1. 9).

    „Glückselig sind die sich Erbarmenden; den sie sollen Erbarmen erlangen”,

    lautete schon die fünfte Seligpreisung Jesu (Mt 5. 7). Angesprochen sind hier nicht die, die ein Gefühl des Mitleids und der Barmherzigkeit pflegen, sondern die sich Erbarmenden, mit den Worten des Jakobus diejenigen, die in der Tat Barmherzigkeit üben (Vers 13). Dies ist eine bewußte, aktive Handlung aus einem liebenden Herzen heraus. – Von nun an, nachdem eben ihre verkehrte Haltung angesprochen und berichtigt worden ist, sollen die Empfänger des Briefes so sprechen, d. h. urteilen, und als solche handeln, die durch dieses Gesetz gerichtet oder beurteilt werden. Im Folgenden wird Jakobus beschreiben, worin diese Barmherzigkeit besteht – nämlich in dem Bekleiden des Nackten und dem Sättigen des Hungrigen, den Gott uns als unseren Bruder und unsere Schwester an die Seite gestellt hat (Ja 2. 14 - 17).

    Statt einem solchen Glauben, der sich an Werken der tätigen Nächstenliebe an dem Bruder und der Schwester erzeigt, hing man indessen einer „Weisheit” an, die jedoch keine ist: Man verwechselte offensichtlich den durch die Liebe wirksamen Glauben (Ga 5. 6, Ja 2. 14 - 26) mit dem Anwenden vermeintlicher Weisheit und spezieller „Erkenntnis”, die nun dafür sorgen sollte, daß den irdischen Bedürfnissen, ja den „Lüsten” der Gemeindeglieder Rechnung getragen würde (Ja 4. 2)! [4]

    Genau so, wie der Apostel durch das Anführen von vier Beispielen (2. 15 - 26) den echten Glauben dem Unechten, als einem inhaltslosen Plagiat (Vers 20) gegenüberstellt, so verfährt er nun auch mit der Weisheit. Er beginnt zunächst mit einer Frage:

    „Wer unter euch ist weise und Meister? (so nach dem Grundtext) Der zeige durch sein edles Verhalten seine Werke in der Sanftmut der Weisheit. Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Ränke in eurem Herzen habt, prahlt und lügt ihr da nicht wider die Wahrheit? Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine, die irdisch, seelisch, dämonisch ist. Denn wo Eifersucht und Ränke herrschen, dort ist auch Aufruhr und jede schlechte Sache.”
Ja 3. 13 - 16

    Eine Grundproblematik in den Gedankengängen der Briefempfänger bestand ganz offensichtlich darin, den Glauben vom Werk der Liebe abgekoppelt zu haben. Bereits in 2. 18 hat demzufolge der Apostel sie herausgefordert, ihm ihren Glauben ohne Werke zu zeigen; so würde er ihnen seinen Glauben aus seinen Werken zeigen. Glaube an sich ist unsichtbar. Und doch „sieht” man ihn – wenn er echt ist. Hier fragt er nun, nachdem er davor gewarnt hat, daß allzuviele sich als Lehrer gebärden (3. 1), wer unter ihnen weise und ein Meister sei; ein solcher solle seine Werke in der Sanftmut der Weisheit zeigen. Wer weise ist, der kann auch andere lehren; strauchelt er in keinem Wort, ist er als gereifter Mann imstande, auch den ganzen Körper zu zügeln (3. 2) – ein Meister. Nur ein Weiser kann den Weg weisen, und Sanftmut ist das Zeichen, daß er auch ein Weiser ist. – [5]

    Bereits am Beginn des dritten Kapitels vergleicht Jakobus das Lehren (3. 1 - 2) und die damit verbundene Betätigung der Zunge (3. 3 - 5) mit dem Lenken des Steuerruders. Der ganze Körper wird durch die Zunge – unser Reden – beeinflußt und gesteuert, wie das Gebiß die Pferde (Ver 3), und ein Ruder ein Schiff lenkt (Vers 4). Die Zunge lenkt unseren Körper wie auch den der Gemeinde; sie bewirkt eine Frucht, und sie offenbart, was in uns ist.

    „Entweder macht den Baum edel, dann ist auch seine Frucht edel; oder macht den Baum faul, dann ist auch seine Frucht faul; denn an der Frucht erkennt man den Baum. Otternbrut! Wie könnt ihr, die ihr böse seid, Gutes reden? Denn aus der Überfülle des Herzens spricht der Mund”,

    hatte der Herr schon den Pharisäern zu sagen (Mt 12. 33 - 34). Wie das Reden der Pharisäer dort dem Herrn ihre innerliche Fäulnis, und an dieser wiederum ihre geistliche Herkunft als Brut von Schlangen offenbarte, so offenbarte das Reden der Gemeindeglieder hier, daß sie sich nicht in der Weisheit befanden, da sie wohl den Herrn und Vater segnen, gleichzeitig aber in ihrem aburteilenden Verhalten gegenüber dem Armen, wie dies zuvor von Jakobus erörtert worden ist (2. 1 - 13) jenen Menschen von ihrer vermeintlich „hohen Warte” herab fluchten (grie. kat-aráomai, herab-verwünschen; von oben herab etwas Böses anwünschen; sinnverwandt mit „zurück - oder herunterstoßen durch schlechtes Reden oder Richten”), die doch in Seiner Gleichgestalt erschaffen worden sind (3. 9).

    „Aus ein und demselben Mund geht Segen und Fluch aus. Dies, meine Brüder, braucht nicht so zu sein. Die Quelle sprudelt doch nicht aus demselben Loch süßes und bitteres Wasser...”,

 sagt Jakobus (3. 10 - 12), bevor er die Frage nach der Weisheit aufwirft (Vers 13). [6] Sie aber hatten nicht das Süßwasser der Weisheit, sondern statt dessen bittere Eifersucht und Ränke in ihren Herzen (Vers 14). Wie schon der Sauerteig der Pharisäer nicht mit dem Brot des Lebens (vgl. Mt 16. 6 - 12), so geht auch hier Süßes und Bitteres nicht zusammen. Genau deshalb verwehrte Jakobus ihnen schon im Vorfeld des hier Gesagten, daß allzuviele Lehrer würden, weil sie gerade nicht die notwendige Weisheit besaßen, um den Körper in die richtige Richtung lenken zu können (3. 2) und so schnell einem Gerichtsurteil anheimfallen würden (3. 1). Weisheit haben, Lehren und Meister sein gehören zusammen: Schon zur Zeit Jesu wurden die Lehrenden als Lehrmeister betitelt. [5]

    Hieran krankt diese Gemeinde: Jeder will Anführer, will Lehrer sein. Jeder will ‚befördert’ werden, will zu dem erlauchten Kreis derer gehören, die sich ihrem Verständnis nach für weise, für clever genug halten, um irgend etwas zu erwerben und den anderen vorweisen zu können. Jeder will zu den ‚Glaubenden’ und ‚Weisen’ zählen. Dabei war ihre „Glaubenslehre” so grundverschieden von der, die Jakobus ihnen ins Gedächtnis rufen will, und ihre „Weisheit” war eine andere als die, die die Schrift lehrt. Während die Weisheit von oben in der Furcht des Herrn begründet ist (Spr 1. 7, 29, Kap. 4; 11. 2 u.a.), und sich auch dem Nächsten gegenüber dementsprechend beträgt, bestand ihre Weisheit im wesentlichen darin, vermeintlich zu wissen, wie das Begehren und die Lüste der diesseitigen Welt zu stillen wären. Dies deutet auf dieselben Lehreinflüsse hin, die auch schon Paulus anprangerte und als sogenannte Gnosis entlarvte: Ihre vermeintliche „Wissensweisheit” ersetzte die Weisheit von oben.

    An solcher Weisheit von oben jedoch mangelte es ihnen:

    „Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Ränke in eurem Herzen habt, prahlt und lügt ihr da nicht wider die Wahrheit?”

Vers 14

    Das Zurücksetzen jener, die aufgrund ihres Mangels nach ihrem Verständnis von Weisheit zurückgefallen waren, wie gleicherweise das Bevorzugen des Reichen führte zu Ränken und bitterer Eifersucht. Jeder wollte vorne sein - auf dem schönen Platz, auf dem der Reiche schon in Kap. 2. 3 präsentiert worden war. Dem Stigma, als unter den Füßen der „Besseren”, der „Wissenden” sitzend erniedrigt zu werden, an den Rand gestellt und als „Außenseiter der Gemeinde” gebrandmarkt zu sein, wollte sich niemand aussetzen. Da man sich selbst für so weise hält, daß man nur allzu gern andere belehren will, lügt man wider die Wahrheit, die Jakobus ihnen schonungslos aufdeckt:

    „Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine, die irdisch, seelisch, dämonisch ist” (Vers 15).

    Bereits ihren Glauben hat er als einen solchen entlarvt, der auch den Dämonen zu eigen ist, da er ohne Werke der sich dem Nächsten zuwendenden Liebe auszukommen meinte (2. 19). Wie dort, so begründet er auch hier seine Aussage:

    „Denn wo Eifersucht und Ränke herrschen, dort ist auch Aufruhr und jede schlechte Sache” (3. 15, 16).

    Nun stellt er der vermeintlichen die echte, die göttliche Weisheit gegenüber:

    „Die Weisheit aber von oben ist vor allem lauter, darauf friedsam, gelinde, fügsam, angefüllt mit Erbarmen und guten Früchten, nicht Unterschiede machend, ungeheuchelt. Die Frucht aber der Gerechtigkeit wird für die in Frieden gesät, die den Frieden wirken.”

Ja 3. 17 - 18

    Nur diese Weisheit vermag auch gute Früchte hervorzubringen. Früchte aber sind stets für andere da; man kann sie essen: indem jeder sie genießen kann, bewirken sie Gerechtigkeit. Damit ist Gerechtigkeit die Quelle des Friedens untereinander. Wo dieser Friede nicht vorhanden ist, muß daher auf einen Mangel an Gerechtigkeit und – darauf schließend – auch auf einen Mangel an Weisheit geschlossen werden. Ganz offensichtlich war dies auch bei Jakobus' Adressaten der Fall. Daß ihrem ganz offensichtlichen Mangel an Weisheit begegnet wird, ist ihm daher ein führendes Anliegen. Schon zu Beginn seines Briefes rät er dem, den es an Weisheit fehlt, sie von Gott zu erbitten,

    „der allen großmütig gibt und keine Vorwürfe macht, und so wird ihm gegeben werden” (1. 5).

    Allein dies schon vermag uns nur allzu deutlich zu sagen: Die Weisheit, die Gott zu geben hat, ist die Weisheit Dessen, der Sich allen zuwendet, indem Er einem jeden großmütig gibt, und die des Einen, dem Vorwurf und Anklage fremd sind. Die Art und Weise, in der Gott Sich uns zuneigt, offenbart Seine Weisheit; und die Art und Weise, in der wir uns Gott und dem Nächsten zuwenden, verrät wiederum, ob wir uns in echter oder nur in vermeintlicher Weisheit bewegen. Dementsprechend nun beschreibt Jakobus diese Weisheit, die Gott zu geben hat, und die im Gegensatz zu ihrer vorhin vom Apostel umrissenen Fälschung wirklich von oben kommt (3. 17).

    Im Gegensatz zu den ‚Ränken’ und der ‚bitteren Eifersucht’, denen die Empfänger seines Briefes so sehr ausgeliefert waren (Vers 15), ist diese Weisheit zuallererst lauter. Böse Erwägungen und Erheischen von Vorteilen sind ihr fremd. Gerade deshalb kann sie friedsam, gelinde und fügsam sein. Schon Paulus mahnte die Kinder Gottes dazu, ihre Lindigkeit allen bekannt werden zu lassen, und damit allen zu zeigen, daß der Herr nahe ist (Phil 4. 5). Dies schließt vor allem jenes tätige Erbarmen in sich ein, an dem es den Empfängern des Jakobusbriefes so sehr gebrach. Durch dieses Erbarmen werden die guten Früchte des Glaubens sichtbar und können von allen Menschen erkannt werden; und genau dasselbe Erbarmen ist es, das durch und in seiner dem Nächsten gegenüber ausgedrückten herzlichen Liebe keine Unterschiede macht. Die Liebe erwartet keine Gegenliebe; sie liebt um der Liebe selbst willen. Sie hat es daher nicht nötig, dem Nächsten etwa eine Ergebenheit zu heucheln, um bei ihm etwas zu erlangen. Sie kann sich auch nicht über ihn stellen, wie dies hier dem Armen gegenüber getan worden war. Sie ordnet sich nicht über, sondern gerade unter den Nächsten ein: Sie ist fügsam (3. 17). [7] Dies alles macht den Menschen fähig zum Frieden mit Bruder und Schwester. Nur ein solcher kann „den Frieden wirken” (Vers 18); und dies ist – ganz im Gegensatz zu einem auch heute vielfach gelehrten Verständnis – die eigentliche Saat, die hier gesät werden soll.

    Doch kehren wir noch einmal an den Anfang dieses Abschnittes zurück. Jakobus schreibt hier nicht einfach nur, daß diese Weisheit rein sei. Nein, lauter ist sie. Hier ist ein tieferes Verständnis des Wortes nötig. Die griechische Übersetzung für lauter ist hagnon, und bedeutet gereinigt, geläutert seiend; ganz offensichtlich ist die Verwandtschaft mit dem Wort Hagiasmos, Heiligung, mit dem sie denselben Wortstamm teilt. Hier wird deutlich, daß diese Weisheit keine ist, die der Gläubige sich selbst etwa mühsam angeeignet hatte; denn dann wäre es dieselbe menschliche Weisheit geblieben, von der Jakobus zuvor gesprochen hat. Diese Weisheit ist eine, die dem Gläubigen allein auf dem Weg des Zerbruches, der Reinigung und Läuterung durch Gott geschenkt worden ist, nachdem er an das Ende aller eigenen Weisheit gekommen ist. Das Läutern des Silbers ist ein im Alten Testament gängiger Passus und bezeichnet den Vorgang, den der Schmelzer ablaufen läßt, der das noch verunreinigte Erz oder Rohmetall jener Reinheit zuführen möchte, die von ihm gewünscht wird (vgl. Hi 28. 1 - 2, Ps 12. 7 und 66. 10, Spr 17. 3 und 25. 4 - 5; Jes 48. 10, Hes 22. 17 - 22, Sa 13. 9, Mal 3. 3 u. a. m.; siehe auch 1Ptr 1. 7, Off 3. 18). Das flüssig erhitzte Kupfer, Silber oder Gold scheidet dabei die unreinen Inhaltsstoffe aus, da sie leichter sind als das Metall selbst, und darum an dessen Oberfläche schwimmen. Dieser Vorgang wird meist mehrmals wiederholt, solange nämlich, bis das Silber so rein ist, daß es verwendet werden kann (vgl. Jer 6. 29). Dies wird immer wieder auf die Art und Weise bezogen, in der Gott mit Seinem Volk umging und noch immer umgeht, um es zu reinigen und letztlich seiner Bestimmung zuführen zu können: Das edle Metall, das es dabei aus der Schmelze hervorzubringen gilt, kommt so mehr und mehr heraus, und die unreinen Schlacken als jene Materialien, die in den Augen des Schmelzers als zu leicht erfunden worden sind, werden abgetan; dort heißt es bei Gott mit den gleichen Worten, die Er schon bei dem König Belsazar an die Wand schreiben ließ: „Gewogen, gewogen und zu leicht erfunden!” (vgl. Dan 5. 5 und 25 - 30).

    Hier haben wir ein Feuer, das von Gott kommt, während die, denen Jakobus schrieb, es mit einem fremden, als der Hitze des Begehrens und Eiferns zu tun hatten (4. 1 - 3). Hier ist das echte Feuer, dort das fremde. So offenbart sich die ganze Frömmigkeit, der man anhing, als ein vor dem Herrn dargebrachtes falsches Feuer. In gleicher Weise nun, wie das Feuer Gottes schon die Söhne Aarons verzehrte, nachdem diese es gewagt hatten, vor dem Herrn ein fremdes Feuer zu entfachen, das Er nicht geboten hatte (3Mo 10. 1 - 7, 4Mo 3. 4 und 26. 61), so werden am Tag des Herrn auch jene durch das Feuer des Gerichts hindurch zu gehen haben, die zwar heiß, wörtlich siedend waren in dem Stillen ihrer Begierden, doch es nicht zuließen, daß Gott sie davon reinigte, damit diese Dinge ausgeschmolzen würden. Diese Botschaft ist auch eine des Jakobusbriefes, wie wir dies bis zum Ende dieser Abhandlung noch sehen werden. - Lesen wir doch einmal, was Jesaja sagte:

„Die Sünder zu Zion sind erschrocken, Zittern hat die Heuchler ergriffen: Wer von uns kann bei einem verzehrenden Feuer wohnen, wer von uns kann bei der ewigen Glut bleiben?” –

    um gleich darauf die Antwort zu geben:

    „Wer in Gerechtigkeit wandelt und aufrichtig redet; wer verschmäht, durch Bedrückung Gewinn zu machen; wer seine Hände abzieht, daß er keine Bestechung nehme; wer seine Ohren verstopft, daß er nicht von Blutvergießen höre; wer seine Augen zuschließt, daß er Böses nicht ansehe.”

Jes 33. 13 bis 16, Schlachter

    Gott ist der himmlische Schmelzer, der solange an uns arbeitet, bis die unreinen Schlacken alle an die Oberfläche kommen und abgetan werden können. Der Zerbruch der eigenen menschlichen Stärke, den wir alle törichterweise so gerne umgehen möchten, bedeutet Demütigung. Der Leser täusche sich an dieser Stelle nicht: Es gibt nichts, was Gott gebraucht, und was Er nicht zuvor läutern, reinigen und heiligen wird. Sogar über Seinem eigenen Wort wird ausgesagt, daß es siebenfach geläutert worden ist. Ps 12. 5 lautet:

    „Die Worte Jawes sind reine Worte, Silber, geschmolzen im irdenen Tiegel, siebenfach gefiltert (oder geläutert)”,

    was wir leicht nachvollziehen können, wenn wir uns dazu etwa die recht abenteuerliche Entstehungsweise des biblischen Kanons veranschaulichen würden. Wieviel mehr wird der Herr, der sogar Sein Eigenes Wort im Schmelztiegel reinigt – und dies siebenmal – dies bei Seinen Kindern nötig haben. – Viele, allzu viele tun jedoch diese Wahrheit, der heutigen Mode – und Lehre! – folgend, zu ihrem eigenen Schaden schon standardmäßig als „nur religiös” ab. Es wird jedoch keineswegs möglich sein, in eigener Stärke vor Gott auch nur zu stehen, geschweige denn zu bestehen. „Bevor Du mich demütigtest, irrte ich”, weiß schon der Psalmist zu sagen (Ps 119. 67). Eine solche Weisheit ist die, die von oben kommt: Es ist die Weisheit der Gedemütigten, der Gebrochenen und Zerschlagenen, jener Gerechten also, bei denen der Herr wohnt (vgl. Ps 34. 16 - 20; Jes 57. 16, 66. 2), und die nichts Eigenes mehr zu bringen haben. Es ist in Wahrheit die Weisheit derer, die sich selbst gestorben sind; derer, die sich selbst verleugnen können, da sie damit aufgehört haben, sich selbst behaupten zu müssen (vgl. Mt 16. 24 - 25, Mk 8. 34 - 35). – Die, denen sie geschenkt wird, sind darum nimmermehr daran interessiert, ihr Eigenes darzustellen, sich selbst in den Vordergrund zu rücken und begehren zu wollen, da sie nun mit dem Liede zu sagen wissen: „Nichts hab’ ich zu bringen – alles , Herr, bist Du”.

Nun kommt Jakobus wiederum auf die Zustände unter seinen Empfängern zu sprechen:

    „Woher kommen Streit und woher Zank unter euch? Kommen sie nicht von hier: aus euren Lüsten, die in euren Gliedern Krieg führen? Ihr begehrt und habt doch nichts; ihr mordet und eifert und könnt doch nichts erlangen; ihr zankt und streitet und habt nichts davon, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und erhaltet nichts, weil ihr übel bittet, um es für eure Lüste zu verbrauchen.”

Ja 4. 1 - 3

    Immer deutlicher, immer klarer werden damit die eigentlichen Beweggründe der hier Angesprochenen und damit die wahren Hintergründe ihrer vermeintlichen Frömmigkeit. Das, was sie für Glauben, ja für Weisheit hielten, sollte ihnen dazu dienen, etwas zu erlangen und ihr Begehren zu stillen. Ihr Sinnen und Trachten war zuerst auf das Irdische ausgerichtet; ihr Glaube war von egozentrischer, weltlicher, materialistischer Natur. Alles in diesem Glauben hatte sich dem Begehren und dem Sich Nehmen unterzuordnen; als ‚weise’ nach diesem Verständnis galt, wem es gelang, durch ‚Glauben’ möglichst viele materielle oder auch sonstige Güter anzuhäufen, und als ‚unweise’, wer diese ‚Kunst’ nicht beherrschte und solcherlei ‚Segnungen’ dann auch nicht aufzuweisen hatte. Wer in diesem Sinne reich war, wurde erhöht, während der Arme erniedrigt wurde. Dies erklärt den vielen Streit und Zank in dieser Gemeinde, in der es demgemäß Reiche und Arme, ein ‚Oben’ und ein ‚Unten’ gab. Unter ihnen war eingetreten, was Jakobus vorhin beschrieb:

    „Wo Eifersucht und Ränke herrschen, dort ist auch Aufruhr und jede schlechte Sache” (Kap. 3. 16).

    Hier offenbart sich eine Frömmigkeit, die allein die Lüste und das Begehren bedient, und dabei Gott und den Nächsten aus dem Blickfeld verloren hat:

    „Woher kommen Streit und ... Zank unter euch? Kommen sie nicht... aus euren Lüsten, die in euren Gliedern Krieg führen?”

Vers 1

    Die Lüste und Begierden des Fleisches, die in eben diesem Fleisch Krieg führen (2Ptr 2. 11), offenbaren sich und ihren Krieg nun in der Gemeinde, da man ihnen Raum gibt: „Ihr begehrt” (Vers 2). Dies ist ein deutlicher Affront gegen Gott, dessen Gesetz gebot: „Nicht begehren sollst du!” (2Mo 20. 17, Rö 7. 7). Schon Paulus warnte davor, dem Widersacher Raum zu geben (Eph 4. 27). Jakobus wird demgemäß später dazu auffordern, dem Widerwirker zu widerstehen, und sich gleichzeitig Gott zu nahen (Vers 7), was anzeigt, daß dieses Begehren sie in die Nähe des Teufels, und in die Trennung von Gott geführt hatte. Dasselbe Begehren, durch das die Gemeinde nun dem Widersacher Raum gab, führte zum Verachten, Zurücksetzen und Aburteilen des Geringen als dem, der nichts hatte und daher mit dem „Erfolgreichen” im Wettlauf um die Anerkennung der Gemeinde nicht mithalten konnte: „Ihr mordet” (Vers 2b). Das ist nun das zweite Mal, an dem dieses Wort von Jakobus gebraucht wird, und es wird nicht das letzte Mal sein (Ja 5. 6).

    Und doch müßte ihnen indessen aufgegangen sein, daß alles in allem das System nicht funktionierte, das sie sich selbst errichtet hatten:

    „Ihr mordet und eifert und könnt doch nichts erlangen” (Vers 2b).

    Der Brudermord war das Ergebnis maßlosen Eiferns um Gewinn. Das griechische Wort für eifern oder eifersüchtig sein ist zeloo, sieden. Im hitzigen Streit um die besten Plätze und den größten Gewinn schreckt man so vor dem Bruder und der Schwester nicht zurück. Ihre Zurücksetzung und Verurteilung ist eine feste Einrichtung dieses Systems: Selbst voranzukommen erscheint als das Maß aller Dinge, und das um jeden Preis, den der andere zu zahlen hat. Vor lauter Gier und Argwohn kocht man dabei regelrecht über. – Alles Begehren und Streben bleibt jedoch ohne Ergebnis: Niemand kann durch Sorgen seinem Wuchs auch nur eine Elle hinzufügen, sagte der Herr (Mt 6. 27). Gott bleibt immer noch Gott, und allein Er fügt hinzu, wessen wir bedürfen, wenn wir auf Sein Königreich und dessen Gerechtigkeit ausgerichtet bleiben (Mt 6. 33). Schon der Psalmist sagte: „Habe deine Lust an dem Herrn, und Er wird dir geben, was dein Herz begehrt” (Ps 37. 4). Sie aber hatten Sein Reich und die Lust an dem Herrn mit äußerlichem Begehren, mit der irdischen Befriedigung ihres fleischlichen Verlangens und ihrer menschlichen Bedürfnisse verwechselt. Selbst das Gebet hatte dazu zu dienen, ihnen Dinge zuzuführen und somit ihren Lüsten zu entsprechen:

    „Ihr bittet und erhaltet nichts, weil ihr übel bittet, um es für eure Lüste zu verbrauchen” (Vers 3).

    Ab Vers 4 nun kennzeichnet Jakobus ihr Verhalten als das des Ehebruches; er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, da sie in ihrem soeben beschriebenen Begehren die Ehe mit Gott gebrochen haben: „

    „Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen! Wißt ihr nicht, daß die Freundschaft dieser Welt Feindschaft Gott gegenüber bedeutet? Wer nun beabsichtigt, der Welt Freund zu sein, wird als Feind Gottes hingestellt. Oder meint ihr, daß die Schrift dies vergeblich sagt? Sehnt sich der Geist, der in uns wohnt, nach Neid? Die Gnade, die Er gibt, ist doch größer! Darum sagt Er: Gott widersetzt Sich den Stolzen, den Demütigen aber gibt Er Gnade.”

Ja 4. 4 - 6

    Jakobus, der schon zuvor darauf hingewiesen hat, daß der Mörder wie der Ehebrecher nach ein und demselben Gesetz gerichtet werden (2. 9 - 12), beginnt diesen Abschnitt folgerichtig mit dem Vorwurf des Ehebruchs: Gleichwie Israel seinen Gott, so hat hier die Braut den Bräutigam verlassen und hurt nun den Dingen dieser Welt nach. Das Begehren der Braut sollte allein ihr Bräutigam sein. „In seinem Schatten zu sitzen, gelüstet´s mich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß”, sagt die Braut in Hohelied 2. 3 (Rev. Elberfelder). Hier wird jedoch nicht mehr der himmlische Bräutigam erwartet, der bald erscheinen wird und an dessen bevorstehende Ankunft Jakobus gegen Anfang und Ende seines Briefes heftig erinnert (1. 11, 18 und 5. 7 - 11), sondern der Erfolg, das Begehren und der Gewinn nach dem Schema dieses Weltlaufs sind für die Braut von so vordringlichem Interesse, sind das Maß der Dinge geworden, daß sie ihren Bräutigam dabei ganz aus ihrem Blickfeld verloren hat.

    Schon Eva, die in der Schrift als ein Prototypus der Braut Christi gilt (Eph 5. 25 - 32, 2Kor 11. 2 - 3), hatte den Blick von dem in der Mitte des Gartens Eden stehenden Baum des Lebens (1Mo 2.9), einem Abbild des Herrn, der das Leben Selbst ist (Jo 1. 4 und 14. 6; 1Jo 1. 1 - 4), weggenommen und statt dessen auf den Baum der Erkenntnis gerichtet, da dieser

    „den Augen Gelüste machte und begehrenswert war als der Baum, der klug macht” (1Mo 3. 6).

    Wie Eva, so richten auch wir den Blick stets auf das, was wir begehren. Begehren wir den Herrn, so schauen wir auf Ihn und haben Ihn „allezeit vor Augen” (Ps 16. 8, 25. 15 u. a.), wenn aber nicht, wird Anderes zum Objekt unserer Begierde; indem wir von Gott weg und auf das Andere, uns nun begehrenswert Erscheinende hin sehen, kommt es zum geistlichen Ehebruch. In genau diesem Zusammenhang steht das Wort Jesu, daß der, der eine Frau auch nur ansieht, um sie zu begehren, mit ihr Ehebruch in seinem Herzen treibt (Mt 5. 27 - 30). Bereits am Beginn seines Briefes schreibt Jakobus davon, daß die eigene Begierde von Gott wegzieht und, gibt man ihr nach, die Sünde und den Tod gebiert (Ja 1. 14 - 16), also exakt die gleiche Frucht hervorbringt, der schon der Mensch im Garten Eden anheimfiel (1Mo 2. 17, 3. 19), nachdem er erst auf das Verbotene gesehen, davon begehrt und dann von ihm gegessen hatte (1Mo 3. 6). Die „Begierde des Fleisches” geht einher mit der „Begierde der Augen” (als dem, was und worauf man sieht) und der „Hoffart der Lebensweise” (1Jo 2. 16). - Indem sie so durch andere Dinge abgelenkt wird und von dem Herrn wegsieht, wird in solchem durch die Augenlust ausgelösten Begehren aus der Braut eine Ehebrecherin, die voller Inbrunst begehrt und eifert (Ja 4. 2). Darin brünstig und siedend (wörtlich für eifern) geworden, erinnert sie eindringlich an den Ehebruch, die Hurerei Israels, das mit den Götzen der sie umgebenden Völker Unzucht trieb und dabei einer von ihrer Lust umhergetriebenen, brünstigen Kamelstute glich (Jer 2. 25). Solches Begehren macht dabei auch vor dem Nächsten nicht halt:

    „Deine Söhne haben mich verlassen und schwören bei Nichtgöttern. Obwohl ich sie schwören ließ, haben sie Ehebruch getrieben... Feiste, geile Pferde sind sie; sie wiehern, ein jeder nach der Frau seines Nächsten” (Jer 5. 7 - 8, Rev. Elberfelder).

    Das Begehren als die Freundschaft dieser Welt, von dem Jakobus zuvor sprach, machte sie zu Feinden Gottes, setzte sie in Feindschaft gegen Gott. Nicht Gott erklärt sie nun zu Seinen Feinden, sondern sie erklären sich aufgrund ihres Begehrens und Eiferns zu Seinen Feinden. Die Haltung Gottes ist und bleibt Gnade (Vers 5). Nicht Er hat sie verlassen, sondern sie haben Ihn verlassen: Ihr ganzes Begehren zeitigt das Ergebnis, daß ihnen gerade nicht geholfen wird (4. 2 - 3), und so erfüllt sich, was schon Jesaja dem abtrünnigen Israel zu sagen hatte, auch an ihnen:

    „Siehe, die Hand des Herrn ist nicht zu kurz, um zu retten, und Sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören, sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, daß Er nicht hört.”

Jes 59. 1 - 2, Rev. Elberfelder

    Schon in Jesaja 50. 1 und 2 fragt Gott Sein abtrünniges Volk:

    „Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, mit dem ich sie verstoßen hätte? Oder welchem von meinen Gläubigern habe ich euch verkauft? Siehe, ihr seid um eurer Missetat willen verkauft, und um eurer Übertretung willen ist eure Mutter verstoßen worden. – Warum war niemand da, als ich kam, antwortete niemand, als ich rief? Ist etwa meine Hand zu kurz zum Erlösen, oder ist bei mir keine Kraft zum Retten?” (n. Schlachter).

    So hatte man – ganz wie das alttestamentliche Bundesvolk auch – die Beziehung zu Gott verwechselt, eingetauscht mit einem Erheischen von Segnungen, von Erfolg und Gewinn. Nach ihrem Verständnis war nicht der ‚in Ordnung’, der mit Gott verbunden war, sondern der, der möglichst viel ‚Segnungen’ bei sich anhäufen konnte. Es war jedoch gerade dieses Streben nach „Gewinn”, dieses Begehren, das sie zuerst von Gott, und danach von ihrem Nächsten entfernt hatte. Der in uns wohnende Geist hat nämlich nichts mit jenem Neiden zu tun, das anhand solcher Werke – begehren, morden und eifern – offensichtlich wird. Hier wird nun deutlich, daß sie in und mit diesem Begehren die Gnade verlassen hatten, auf die Jakobus sie hinweist:

    „Sehnt sich der Geist, der in uns wohnt, nach Neid? Die Gnade, die Er gibt, ist doch größer!”

    Von dieser Gnade waren sie, denen so sehr daran gelegen war, durch eigenes Bemühen an Segnungen, an Gewinn heranzukommen, meilenweit entfernt. Ihr Weg war der Weg des Stolzes: Eigene Werke und eigenes Streben, der Weg Gottes hingegen der Weg der Demut: Gnade. „Die sich an das Nichtige halten (wörtlich die Nichtse des Nichts verehren), verlassen ihre Gnade”, heißt es schon bei Jona (Jn 2. 9). Es wäre nun demütig gewesen, nichts aus sich und der eigenen vermeintlichen ‚Weisheit’, dafür aber alles von Gott als aus dieser Gnade zu erwarten. Da sie nun aber stolz geworden waren, indem sie begehrten und eiferten, mußte der Herr ihnen widerstehen, und konnte ihnen nicht geholfen werden: Nur dem Demütigen, der – als ein auf die Gnade Angewiesener – aus Seiner Fülle empfängt, gibt Gott Gnade, während Er dem Stolzen widersteht.

    Demgemäß fordert Jakobus nun zu einer radikalen, das heißt zu einer an die Wurzeln gehenden Umkehr auf:

    „Ordnet euch nun Gott unter, widersteht aber dem Widerwirker, und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott, und Er wird Sich euch nahen. Reinigt eure Hände, ihr Sünder, und läutert eure Herzen, die ihr eine doppelte Seele habt! Fühlt euch elend, trauert und jammert. Euer Lachen verkehre sich in Trauer und die Freude in Niedergeschlagenheit. Demütigt euch nun vor den Augen des Herrn, und Er wird euch erhöhen.”

Ja 4. 7 - 10

    Sie, die doch ihre Rechtschaffenheit, ihren Glauben vom Umfang ihrer erworbenen ‚Reichtümer’ ableiteten, waren gerade in diesem Begehren Gott nicht untergeordnet. Hier wird deutlich, daß vor Gott nicht „Gewinn” zählt, sondern die Beziehung; nicht das rechte Begehren und Erwerben von „Segnungen”, sondern die Gemeinschaft, ja Freundschaft mit Gott selbst. Gerade die wiederhergestellte Beziehung mit dem lebendigen Gott wird damit auch zum intakten Verhältnis mit dem Nächsten, dem Bruder und der Schwester führen. In der gleichen Reihenfolge, in der Jakobus bereits in 2. 11 zuerst die Sünde des Ehebruchs, als die zerstörte Beziehung zu dem Herrn, und dann erst die Sünde des Mordes als die abgebrochene Beziehung zum Nächsten aufzeigt, bringt er hier die Wiederherstellung derselben Beziehung ins Licht. Sünde ist immer gleichbedeutend mit Trennung. Doch ist diese Trennung stets zwiefach: wie sie von Gott trennt, so trennt sie auch vom Nächsten, dem Bruder und der Schwester.

    Der erste Weg aus dieser Trennung heraus ist darum der, sich Gott unterzuordnen, den man in seinem Begehren verlassen hat, dem Widersacher, unter dessen Einfluß man sich mit eben diesem Begehren begeben hat, zu widerstehen und sich wieder Gott zu nahen (Vers 7). Hier wird der Betrug deutlich, in dem die Angesprochenen sich befanden. Ihr fruchtloses Gebet offenbarte ihnen, die doch sonst zu wissen pflegten, wie Erfolg und Gewinn zu erzielen sei, daß ihr Gebet den, den sie anriefen, nicht erreicht hatte. Es erzeigt sich nun, daß sie auf den Weg und in die Bedrückung Satans geraten waren. Deshalb erfolgt, nachdem Jakobus zur Umkehr und zur Unterordnung unter Gott aufgerufen hat, die Mahnung, dem Widerwirker zu widerstehen und sich Gott zu nahen. „Widersteht ... dem Widerwirker, dann wird er von euch fliehen”; die Bedrückung wird aufhören. „Naht euch Gott, und Er wird sich euch nahen” (Vers 8): Der, der vorhin nicht zu hören schien, würde sich wieder offenbaren, und ihr Gebet würde gehört werden.

    Bis dahin jedoch hatte ihre verkehrte Haltung ihr Gebet aufgehalten; ihre Unabhängigkeit von dem lebendigen Gott, die sich in der Trennung von dem Nächsten erzeigt, bringt ihre Früchte hervor. Schon Jesaja spricht von einer Frömmigkeit, einem Enthalten, die gleichzeitig am Nächsten frevelt und gerade darin gottlos geworden ist. Lassen wir ihn, und darin das Wort des Herrn, deshalb noch einmal zu uns sprechen:

    „Zwar befragen sie mich Tag für Tag, es gefällt ihnen, meine Wege zu kennen. Wie eine Nation, die Gerechtigkeit übt und das Recht ihres Gottes nicht verlassen hat, fordern sie von mir gerechte Entscheidungen, haben Gefallen daran, Gott zu nahen. – ‚Warum fasten wir, und du siehst es nicht, demütigen wir uns, und du merkst es nicht?’ – Siehe, am Tage eures Fastens geht ihr euren Geschäften nach und bedroht (o. drängt) alle eure Arbeiter. Siehe, zu Streit und Zank fastet ihr ... Zur Zeit fastet ihr nicht so, daß ihr eure Stimme in der Höhe zu Gehör brächtet... ist nicht vielmehr das ein Fasten, an dem Ich Gefallen habe: Ungerechte Fesseln zu lösen, die Knoten des Joches zu öffnen, gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen und daß ihr jedes Joch zerbrecht? ... dein Brot dem Hungrigen zu brechen und daß du heimatlose Elende ins Haus führst? Wenn du einen Nackten siehst, daß du ihn bedeckst und daß du dich deinem Nächsten nicht entziehst?”  –

    Ein solches Fasten würde ihre mißliche Lage alsbald beenden:

    Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell sprossen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir herziehen, die Herrlichkeit des HERRN wird deine Nachhut sein. Dann wirst du rufen, und der Herr wird antworten. Du wirst um Hilfe schreien, und er wird sagen: ‚Hier bin ich’. Wenn du aus deiner Mitte fortschaffst das Joch, das Fingerausstrecken, und böses Reden und wenn du dem Hungrigen dein Brot darreichst und die gebeugte Seele sättigst, dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und beständig wird der Herr dich leiten, und er wird deine Seele sättigen an Orten der Dürre und deine Gebeine stärken. Dann wirst du sein wie ein bewässerter Garten und wie ein Wasserquell, dessen Wasser nicht versiegen.”

Jes 58. 3 - 11, Rev. Elberfelder [8]

    Hier wie dort, damals wie heute offenbart sich eine Frömmigkeit, die von Menschen ausgeübt wird, die „mehr Freunde des Genusses als Freunde Gottes” sind, und die zwar die äußerliche „Form einer Frömmigkeit haben, die Kraft derselben aber verleugnen” (2Tim 3. 4 - 5), eine Religiosität, die allein dazu gefördert wird, um ein Ergebnis zu erzielen, das eigene Lebensumstände zu ändern und menschliche Begierden zu stillen vermag, statt Gott und dem Nächsten zu dienen. Der Inhalt einer solchen „Frömmigkeit” beginnt jedoch nicht erst mit dem Besitz außerordentlichen Reichtums, auch nicht mit materiellen Gütern an sich, wie viele irrtümlich unterstellen mögen, sondern mit dem Begehren und dem Erwerb, dem Etwas-Bewirken-Wollen als dem Erzielen eines Gewinns, von Erfolgen schlechthin, um diese als Ergebnis des eigenen Strebens, des Anwendens eigener Praktiken genießen zu können oder, wie Jakobus es schlicht, aber eindeutig ausdrückte, „übel” zu bitten, um es „in den eigenen Lüsten zu verbrauchen” (4. 3), auf welchem Gebiet unseres Lebens auch immer dies stattfinden möge. Demgemäß wird Jakobus später den Handel bzw. den Erwerb jener anprangern, die diese Wege an die Stelle des Willens Gottes und Seiner unmittelbaren Führung setzen (4. 13). Paulus sprach warnend von der letzten Zeit als von einer solchen, in der eine solche Frömmigkeit an der allgemeinen und ganz gewöhnlichen Tagesordnung wäre, und riet schon damals dem Timotheus eindringlich, sich von solchen, die dieser in Wort und Tat nachgingen, abzukehren (2Tim 3. 1 - 5). – Es wäre wirklich einmal an der Zeit, daß auch wir unsere Augen öffneten, und erkennen würden, in welcher Zeit wir leben – nämlich ganz offensichtlich in gerade der, von der Paulus sprach –, und welcher Art Lehre, festgefügte Dogmen und Frömmigkeit sind, die uns vielfach umgeben und beschäftigen. – Jesaja wie Jakobus sprechen von radikaler Umkehr, und zwar einer solchen Umkehr, die sie Gott wieder nahen, und ihrem Nächsten wieder dienen ließe: Wiederum steht die Beziehung im Mittelpunkt, und was in den Mittelpunkt gehört, wird wieder dorthin gerückt.

    Eine Umkehr, in der Sünde nicht bekannt und ausgeräumt, die Haltung nicht geändert wird, ist es jedoch nicht wert, Umkehr genannt zu werden: „Reinigt die Hände, ihr Sünder”, fährt Jakobus in seinem Brief fort (4. 8b). Auch hier wird die verkehrte Blickrichtung derer, denen dies Wort galt, deutlich: Nicht die Beziehung, diesmal zu dem Nächsten, galt als Nachweis des rechten Wandels vor Gott, sondern der Erfolg, das Erzielen von Ergebnissen und von Gewinn durch Anwenden vermeintlicher ‚Weisheit’. Wenn man sich schon so rechtschaffen wähnt – was interessiert dann das vermeintlich ‚ungeistliche Gejammere’ von dem Bruder und der Schwester aus der Ecke, in die man sie gewiesen hat? Sollten sie nicht endlich ihr Schicksal ‚in die eigene Hand nehmen’ und ändern, indem sie auch so glauben wie wir, die Erfolgreichen?! Sollten sie nicht endlich ein anderes Reden, ein anderes ‚Bekenntnis’ an den Tag legen? Jakobus ist hier unerbittlich und reißt ihnen den Schleier ihres Selbstbetruges vom Gesicht: Sie, die sich keineswegs in Sünde wähnten, befinden sich in ihrer Haltung und ihrem Gebaren doch geradewegs auf dem Weg des Teufels und der Sünde; sie haben keine Gemeinschaft mit Gott, da sie Ihn in ihrem Begehren verlassen haben (Ehebruch), und die Beziehung zum Nächsten haben sie, die Eifernden, ebenfalls verloren (Mord).

    Schon Johannes weiß zu sagen, daß der Wandel im Licht, als die Gemeinschaft mit Gott, auch zur Gemeinschaft untereinander führt:

„Und dies ist die Botschaft, die wir von Ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und keinerlei Finsternis ist in Ihm. Wenn wir sagen: wir haben Gemeinschaft mit Ihm, und dabei in der Finsternis wandeln, so lügen wir und sprechen nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie Er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, Seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. Wenn wir sagen: wir haben keine Sünde – , so führen wir uns selbst irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen (grie. homologeo, gleich-sprechen, übereinstimmend sprechen), so ist Er treu und gerecht, daß Er uns unsere Sünden erläßt und uns von jeder Ungerechtigkeit reinigt. Wenn wir sagen: wir haben nicht gesündigt –, so machen wir Ihn zum Lügner, und Sein Wort ist nicht in uns.”

1Jo 1. 5 - 10 [9]

    Wandel mit Gott ist auch Wandel mit dem Nächsten. Wandel im Licht ist gleichbedeutend mit der Gemeinschaft untereinander, wie der Wandel in Finsternis gleichbedeutend ist mit dem Aufgeben der Liebe (1Jo 2. 9 - 11, 3. 10, 4. 11 - 21). Hier wird die ganze Selbsttäuschung auch schon derer, an die Jakobus schrieb, nur allzu offensichtlich. Da diese ihre rechte Stellung nicht mehr an der Beziehung zu Gott und dem Nächsten festmachten, sondern an ihren erzielten Erfolgen und dem Gewinn auf einem Weg, den sie für „Glauben” hielten (Ja 2. 14 - 26, 4. 13), waren sie von jeglicher Vorstellung, daß sie sich in Sünde – in Trennung von Gott und dem Nächsten – befinden könnten, weit entfernt. Erfolg und Gewinn hießen und heißen noch immer die Götzen, denen alles huldigte – und huldigt, und denen alles untergeordnet zu sein hat. Erstrebenswert war, in jeder Hinsicht reich zu sein; als Sünde hingegen galt der Mißerfolg, und da sie, die sich dem Erfolg so sehr verpflichtet und in ihm bestätigt sahen, demgemäß davon fest überzeugt waren, sich nicht in Sünde zu befinden, mußten sie aufgeweckt werden, indem ihnen ihre Lüge, Selbsttäuschung und Verblendung offenbart wurde: Reinigt eure Hände, ihr Sünder!

    Sünde an dem Nächsten ist gleichermaßen auch Sünde vor Gott; sie wird mit unseren Gliedern ausgeführt – an dem Bruder und der Schwester, als denen, in deren Gemeinschaft Gott uns gestellt hat. Schon David wußte zu sagen, „gegen Dich allein habe ich gesündigt” (Ps 51. 6), nachdem er seiner Sünde des Ehebruchs mit Bathseba und des Mordes an Uria durch den Propheten Nathan überführt worden war (Ps 51. 1 - 2; vgl. 2Sam 11. 2 - 27, 12. 1 - 13). Es geht bei solcher Sünde um nicht Weniges; nach dem durch Begehren vollzogenen Ehebruch an der Beziehung mit Gott ist Mord am Nächsten, ist Brudermord der zu verhandelnde Gegenstand des Jakobusbriefes. Die Dramatik dieser Ansprache wird besonders darin deutlich, daß diese Stelle (Ja 4. 8b) die einzige des Neuen Testaments ist, an der Gläubige als Sünder angesprochen werden – außer denen des Apostels Paulus, in denen er sich selbst bezüglich seines Wandels vor seiner Bekehrung, da er ein Lästerer war und die Gemeinde blutig verfolgte, als den größten aller Sünder bezeichnet (1Tim 1. 13 - 15). Wie so oft in unseren Tagen, haben gewiß auch die Empfänger des Jakobusbriefes die Angelegenheit als so geringfügig abgetan, daß sie es nicht für wichtig hielten, dem auch nur nachzusinnen, so daß Jakobus sie aufwecken muß, indem er deutlicher wird: Der den Mord verübte, hat Blut an den Händen: Deshalb müssen die Hände, als das Sinnbild menschlicher Verantwortung, gereinigt werden (4. 8; vgl. Spr 6. 17).

    Die nach außen sichtbar gewordene Sünde befindet sich im Herzen. Deshalb ergeht nun der Aufruf, die Herzen zu läutern. Die nach außen aufgebaute Fassade kann das, was darin ist, nicht länger verbergen: „Ihr von doppelter Seele”, fährt Jakobus fort (4. 8b). Bereits eingangs hatte Jakobus auf den hingewiesen, der um Weisheit betete, und aufgrund seines Unglaubens diese Weisheit nicht empfängt:

    „Denn jener Mensch bilde sich nicht ein, daß er vom Herrn etwas erhalten wird; er ist ein Mann von doppelter Seele, unbeständig in allen seinen Wegen.”

Ja 1. 8

Ein Mann von doppelter Seele ist ein solcher mit einer gespaltenen Persönlichkeit. Hier hat er einen Glauben, der doch in Wahrheit keiner ist (2. 1, 14 - 26), dort geht er einer Weisheit nach, die keine sein kann (1. 5 - 8, 3. 13 - 18), und mit ein und demselben Mund will er Gott segnen und flucht doch dem Nächsten, der nach dem Bilde Gottes erschaffen ist (3. 9 - 12) – welch ein Selbstbetrug. Hier wird deutlich, wie trügerisch die ganze zur Schau gestellte Freude ist, und Gott muß ihnen diesen Trug nehmen. Zur Freude gibt es wahrlich keinen Grund, da man so gesündigt, so gemordet hat, sondern nur zu Trauer; zum In - Sich - Gehen und zu großer Betrübtheit; hier ist es die Trauer, „die zu einem unbereubaren Heil führt” (2Kor 7. 10), und solche Trauer ist hier angesagt:

    „Fühlt euch elend, trauert und jammert. Euer Lachen verkehre sich in Trauer und die Freude in Niedergeschlagenheit.”

Ja 4. 9

    Hier ist das Ende aller „Wohlfühl-Gottesdienste”. Es war eben nicht die Freude des Herrn, die sie lachen machte, sondern ihre eigene, auf dem Weg des Hochmuts entstandene, weswegen Jakobus ihnen zu sagen hat, daß sie sich vor dem Herrn zu demütigen hätten, damit dieser sie erhöhen könne (Vers 10). [10]

    Nicht das Anwenden scheinfrommer Praktiken, sondern Umkehr heißt der Weg – heraus führt nur die eigene Demütigung vor Ihm. Statt sich selbst zu erhöhen, indem man sich selbst vorwegnehmen will, was Gott nur dem Gedemütigten zukommen lassen kann, ist es an uns, vor Ihm Selbst unsere Knie zu beugen. Gott allein wird den erhöhen, der sich unter Ihn gedemütigt hat und gedemütigt bleibt. Hier erfüllt sich auch das Wort Johannes des Täufers, nach dem kein Mensch sich etwas nehmen kann, es werde ihm denn vom Himmel her gegeben (Jo 3. 27). – Auf diesem Wege ist vieles in sein Gegenteil verkehrt worden. Statt sich selbst zu demütigen und den Nächsten zu erhöhen, hat man sich selbst erhoben, indem man sich durch eigenes Tun, durch das Anwenden vermeintlicher Weisheit etwas zu erwerben gedachte, und den Nächsten dabei in den Staub gedemütigt, weil er nicht so erfolgreich und „gesegnet” war wie man selbst. So wird nun der, der sich selbst erhöhte, indem er sich selbst zu nehmen wußte, was ihm nicht zustand, in denselben Staub erniedrigt werden, in den er seinen Nächsten zu setzen gedachte; wer sich selbst gedemütigt hat, indem er vor Gott ausharrte, wird hingegen von Ihm erhöht werden, wenn die Zeit hierfür gekommen ist (vgl. Spr 3. 34 und 28. 13 - 14; 1Ptr 5. 5 - 6).

    Dies ist die Umkehr, die Gott von uns erwartet – als Umkehr zu Ihm und zu unserem Nächsten, dem Bruder und der Schwester. Demgemäß wird Jakobus nachfolgend abermals dazu anhalten, den Bruder nicht zu richten (4. 11 - 12). Die Liebe zu Gott und dem Nächsten – als dem eigentlichen Anliegen Gottes, des Gesetzes und der ganzen Heiligen Schrift – bleibt im Zentrum des Gesagten. Liebe zu Gott und dem Nächsten statt Begehren und Erfüllung, die wiederhergestellte Beziehung ist das Einzige, was es zu erstreben gilt.

    „Man hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was fordert der HERR (denn) von dir - als (nur) Recht zu üben und Güte zu lieben und demütig zu gehen mit deinem Gott?

Mi 6. 8, nach Rev. Elberfelder

    Der praktische Wandel im Gesetz der Freiheit (Ja 1. 22 und 25, 2. 8 und 12) als dem der barmherzig tätigen Liebe im Gegensatz zu dem Richten der Brüder (Ja 2. 4, 4. 11 - 12), die Auseinandersetzung zwischen Reich und Arm (Ja 1. 9, 5. 1 - 6) und das Begegnen der Bedürfnisse unserer Nächsten (siehe Ja 2. 15 - 17, 5. 3 - 6) durchziehen dementsprechend thematisch wie eine einheitliche Linie den ganzen Jakobusbrief. Die Beziehung zu Gott und die zu unserem Nächsten, wie oben dargelegt, stehen dabei im Mittelpunkt: Wir haben es hier mit dem Grundanliegen dieses Briefes zu tun, in dem Jakobus gerade rückt, was durch eine falsche Herzenshaltung und Lehre in sein Gegenteil verkehrt worden ist. Nicht mehr das Erzielen von Erfolg und äußerlichem Reichtum, sondern der Herr Selbst und die dem Nächsten erwiesene Liebe als der zu gehende Weg sollten demnach wieder in die Mitte gestellt werden.

    Es waren jedoch gerade die Reichen nach eigenem Vermögen, die nur allzuviel damit beschäftigt waren, ihre Pläne zu verfolgen und durch Handel und Gewerbe ihren eigenen Gewinn zu mehren. Nicht mehr der Herr selbst und Seine Führung, sondern eigene Pläne und der daraus erworbene Gewinn – als der Erfolg eigenem Tuns – sind in der Gemeinde nun zum Maß aller Dinge geworden. Es kommt nun nicht mehr auf die Führung Gottes, sondern darauf an, zu wissen, wie man erfolgreich ist, und in diesem Wissen „Handel zu treiben und zu gewinnen”. Wer diesen Gewinn nicht aufzuweisen hat, erscheint ihnen in ihrer Selbstgerechtigkeit nicht als „gesegnet” genug, um so recht „dazuzugehören”. Irgend etwas muß wohl mit dem nicht in Ordnung sein, der nicht so geschäftig, erfolgreich und wohlhabend ist wie sie. Somit ist man schnell dabei, den vernachlässigten Bruder noch obendrein zu richten und herabzusetzen, wie dies anfangs schon erörtert worden ist (vgl. Ja 2. 4 und 4. 11 - 12). Dies alles gerät ihnen, die es besser wissen müßten und doch nicht tun, zur Sünde (4. 17). Da Handel und Gewinn zum eigentlichen Maßstab ihres Lebens geworden sind, erheben sie sich nun auch Gott gegenüber, da sie in nichts nach Seinen Wegen fragen. So sind sie reich geworden in sich selbst, in ihrem eigenen Tun. Deshalb hat Jakobus ihnen zu sagen:

    „Herbei nun, die ihr sagt: Heute oder morgen werden wir in diese oder jene Stadt gehen und dort ein Jahr verbringen, Handel treiben und gewinnen. (Diese wissen nicht über den morgigen Tag Bescheid; denn welcher Art ist euer Leben? Wie Dampf seid ihr doch, der kurz erscheint und darauf verschwindet.) Anstatt daß ihr sagt: So der Herr will und wir leben, werden wir dieses oder jenes tun. Nun aber prahlt ihr in eurer Hoffart. All solches Rühmen ist böse. Denn wer nun trefflich zu handeln weiß und es nicht tut, für den ist es Sünde.”

Ja 4. 13-17

    Jakobus bezeichnet ihr Verhalten und Vorsatz als Prahlen in Hoffart und als ein böses Rühmen (Vers 16). Sie, und nicht der Herr beschließen, welche Wege ihr Leben nehmen wird, und vergessen dabei, daß ihr Leben auf dieser Erde nur von kurzer Dauer, geradezu flüchtig ist.

    „Wie Dampf seid ihr doch, der kurz erscheint und darauf verschwindet” (Vers 14).

    Anstelle des Herrn gehen ihnen Handel, Erfolg und Gewinn voran und teilen ihnen ihr Leben ein. Hierzu sind sie stets und sofort bereit; gleich „heute oder morgen” wollen sie gehen und für ein ganzes Jahr bleiben. Dies auszusprechen ist Hochmut par excellence. Somit erfüllt sich, wovor schon Paulus warnte, der von Menschen sprach, „die einen durch und durch verderbten Denksinn haben und um die Wahrheit geprellt worden sind und meinen, die Frömmigkeit sei ein Kapital” (andere Lesart auch: Gewerbe, 1Tim 6. 5). Doch der Glanz ihres Erfolges, mit dem sie sich umgeben haben, ist ein trügerischer: Was heute noch die Massen betört hat, ist schon dabei, unterzugehen.

    „Es rühme sich aber der niedrig gestellte Bruder seiner Erhöhung, der reiche aber seiner Niedrigkeit, weil auch er wie die Blume des Grases vergehen wird. Denn die Sonne geht zusammen mit dem Glutwind auf und läßt das Gras verdorren, da fallen seine Blumen ab, und die Anmut ihres Angesichts geht unter: So wird auch der Reiche auf seinen Wegen verwelken”,

    wußte Jakobus schon am Beginn seines Briefes zu sagen (Ja 1. 9 - 11).

    Jakobus fordert nun zum zweiten Mal heraus:

    „Herbei nun, ihr Reichen, jammert und heult über euer Elend (wörtlich Bedrängnisse oder Drangsale), das über euch kommt. Euer Reichtum ist verfault, und eure Kleider sind zum Mottenfraß geworden. Euer Gold und Silber ist zerätzt, und ihr Ätzgift wird gegen euch Zeugnis ablegen, und das Ätzgift wird euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr speichert noch in den letzten Tagen Schätze auf. Siehe, der Lohn, der von euch den Arbeitern, die eure Äcker gemäht haben, entzogen worden ist, schreit, und die Hilferufe der Erntenden sind in die Ohren des Herrn Zebaoth eingegangen (vgl. 5Mo 24. 14 - 15). Ihr schwelgt auf Erden und verschwendet. Ihr nährt eure Herzen wie an einem Schlachttag. Ihr sprecht schuldig, ihr ermordet den Gerechten; und er widersetzt sich euch nicht.”

Ja 5. 1- 6

    Der Vorwurf, den Jakobus diesen Reichen zu machen hat ist der, daß sie sich in den letzten Tagen Schätze aufgespeichert haben. (Vers 3). Die Nähe zu den Worten Jesu, sich nicht auf Erden, dafür aber im Himmel Schätze zu sammeln, wo weder Motten und Rost sie fressen noch ein Dieb sie stehlen kann, ist mehr als auffällig (Mt 6. 17 - 21, Lk 12. 33 - 34). Jakobus war der leibliche Bruder des Herrn, und ganz gewiß wird er an diese Worte gedacht haben, als er die folgenden Sätze schrieb. Die Reichen aber haben sich Schätze auf Erden gesammelt, was einem Entziehen des Lohnes derer, „die eure Äcker gemäht”, d. h. in der Gemeinde für sie gearbeitet haben, gleichkommt. Bezeichnend ist hierbei, daß diese Äcker nicht etwa das Erntefeld des Herrn darstellen, wie etliche glauben machen wollen. Die hier gearbeitet haben, haben es für die Reichen getan. Es ist ihr Reichtum, nicht der des Herrn (Vers 2), und es sind ihre Äcker (Mehrzahl). Sie haben die Schnitter dazu bewogen, ihre Ernte, ihren Gewinn und ihren Erfolg einzubringen. So wird die Unterstellung, dies sei die Sache des Herrn, als Lüge entlarvt. Maßstab dieser Reichen war einzig und allein der Erfolg, die „Ernte” ihrer Unternehmungen. Ihr Blick ist nicht mehr auf die nahende Wiederkunft des Herrn, sondern auf das Ergebnis ihres Tuns auf der Erde ausgerichtet: „Ihr speichert noch in den letzten Tagen Schätze auf” (Vers 3). Sowohl die Führung Gottes als auch die Versorgung der Glieder, die sie für ihre Vorstellungen mißbraucht haben, sind dahinten geblieben. Sie haben nicht die Herde, sondern sich selbst geweidet: „Ihr schwelgt auf Erden und verschwendet. Ihr nährt eure Herzen wie an einem Schlachttag” (Vers 5). Jakobus spricht hier vom Schlachten eines Opfers. Das dargebrachte Opfer wird von denen gegessen, die es entgegennehmen (vgl. 5Mo 18. 3 - 8). Hier wird es dazu verwendet, um die Begierden derer zu befriedigen, die dieses Opfer verlangen, um sich ihren „Erfolg”, ihre „Ernte” zu sichern. Aus dem Dargebrachten nehmen sie und nähren ihre Herzen; sie weiden sich selbst. Sie schwelgen auf Erden in ihrem vermeintlichen, irdischen Reichtum und verschwenden das, was eigentlich dem Nächsten zugute kommen soll, für ihre Vorhaben; der Nächste, der Gerechte bleibt dahinten.

    Hierbei wird nun mehr als deutlich, wer die angesprochenen „Reichen” sind: Es sind falsche Hirten und all jene mit ihnen, die in demselben ‚Fahrwasser’ schwimmen wie sie (vgl. Hes 34. 1 bis 10). Der Gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe; sie aber stehlen, schächten und töten. Ihren ‚Dienst’ verrichten sie des Gewinnes (Erfolges) wegen; darin gleichen sie den Mietlingen, von denen Jesus sprach (vgl. Jo 10. 7 - 12). Da Prosperität ihre Maxime ist, sprechen sie den schuldig, der nichts hat und ihren Maßstäben, die Handel, Erfolg und Gewinn heißen, nicht genügt, und bei ihrem Gebaren demzufolge nicht mithalten kann. So wird der Gerechte erneut zu ihrem Opfer: „Ihr sprecht schuldig, ihr ermordet den Gerechten; und er widersetzt sich euch nicht” (Vers 6). Schuldig sprechen und morden, Schlachten und Opfer gehören zusammen. Es wird klar, wer das Opfer ist, das schuldig gesprochen und geschlachtet werden soll. Die Nähe zu dem in Jesaja geschilderten Opferlamm ist geradezu anspringend.

    „Er wurde mißhandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern, und er tat Seinen Mund nicht auf”,

heißt es in Jes 53. 7 (Revidierte Elberfelder). „Was immer ihr an einem dieser geringsten Meiner Brüder tatet – Mir habt ihr es erwiesen”, sagte der Herr (Mt 25. 40, 45). So tötet man Ihn, den Gerechten und Wehrlosen, in den erniedrigt und unversorgt gebliebenen Geschwistern ein weiteres Mal. Der Gerechte wird darum selbst zum Opfer, indem und gerade weil er zu seiner eigenen Rechtfertigung nichts beizutragen, zu bringen und zu geben hat. Mit eigenem Gewinn hat er sich nicht zu brüsten. Dies läßt ihn seinen Peinigern gegenüber verstummen: Ihr sprecht schuldig, ihr ermordet den Gerechten; und er widersetzt sich euch nicht.

    Wie bereits zuvor, so kennzeichnet Jakobus auch hier sowohl die Unterlassung als auch das Richten und Schuldigsprechen derer, die infolge ihrer Vernachlässigung arm und hilflos geblieben sind, als einen Mord, der nicht folgenlos bleiben kann. Denn der den Gliedern der Gemeinde entzogene Lohn schreit zum Himmel, und die Hilferufe derer, die mit den Vorhaben dieser „Reichen” beschäftigt wurden, sind bei Gott angekommen (Vers 4). Das Gericht über den angesammelten eigenen – nur scheinbar frommen – Reichtum ist schon unterwegs; die kommenden Drangsale der mit dem Tag des Herrn beginnenden Trübsale der antichristlichen Zeit, von der hier die Rede ist, werden nicht verziehen (siehe Vers 1). Sie, die nicht in der Zeit über ihre Sünde weinten (4. 9, 5. 1), werden dann in der Unzeit über sie zu weinen haben – wie die fünf törichten Jungfrauen, die kein Öl mit sich trugen und die Hochzeit des Lammes versäumt hatten (Mt 25. 1 - 13).

    Der Reichtum, auf den sie sich so sehr gegründet hatten, ist nun dahin. Die schönen Gewänder eigener Gerechtigkeit und selbsterworbenen Gewinns (vgl. Jes 59. 6, 64. 5) sind ein Fraß der Motten geworden: All dies ist ‚Inflationsgeld’, hohe Zahlen, die nichts wert sind. Ihre Werke, ihr angehäuftes „Gold und Silber” als das, was sie für wertvoll, für edles Metall hielten, war nicht rein genug, um vor dem Herrn zu bestehen, und das ständig wiederholte Bemühen Gottes, diese selbst erworbenen Dinge auszureinigen, war über eine lange Zeit hinweg vergeblich geblieben. Das Ätzgift, das schon seit jeher dazu verwendet wird, das Edelmetall von Unreinigkeiten und Schlacken zu reinigen, konnte nicht mehr reinigen, was nicht zu reinigen war, und so ist ihr Werk selbst von dem vielen Ätzen bereits angegriffen und ganz zerfressen worden. An ihnen, den Ehebrechern und Mördern, wiederholt sich nun, was schon der Stadt Jerusalem zur Zeit des alttestamentlichen Bundesvolkes widerfahren war:

    „Wie ist zur Hure geworden die treue Stadt! Sie war voller Recht; Gerechtigkeit wohnte darin, und jetzt Mörder! Dein Silber ist zu Schlacke geworden... ”,

    heißt es bei Jesaja (Jes 1. 21, 22, Rev. Elberfelder). Und Jeremia sagt, nachdem alles Schmelzen und Reinigen dennoch erfolglos geblieben ist:

    „Sie alle sind die Widerspenstigsten der Widerspenstigen. Sie gehen als Verleumder umher, sie sind Bronze und Eisen (d. h. wertloses Metall)... Versengt vom Feuer ist (schon!) der Blasebalg, das Blei (das als Trennmittel benutzt wurde) ist zu Ende: Vergebens hat man geschmolzen und geschmolzen: Die Bösen sind nicht ausgeschieden worden. Verworfenes Silber nennt man sie; denn der Herr hat sie verworfen.”

Jer 6. 28 - 30, Rev. Elberfelder

    Auch hier spricht der Prophet von Hurerei und Mord in derselben Terminologie wie Jakobus Jahrhunderte nach ihm. Wie das zerschmolzene Blei dort, so wird hier das verbrauchte Ätzgift zum Zeugen der Anklage für sie:

    „Euer Gold und Silber ist zerätzt, und ihr Ätzgift wird gegen euch Zeugnis ablegen” (Ja 5. 3a).

    Nachdem es ihr Werk zerstört hat, ist es nun dabei, sie selbst anzugreifen:

    „... und das Ätzgift wird euer Fleisch fressen wie Feuer” (3b).

    Hier wird wiederum deutlich, von welcher Konsistenz ihre Werke und Bestrebungen waren: All das, was in ihren Augen, ihrer „Weisheit” nach als geistlich angesehen wurde, da es ihnen als Gewinn erstrebenswert erschien (4. 13), war in Wirklichkeit nur Fleisch, und Fleischeswerke können vor Gott nicht bestehen: Fleisch ist zu nichts nütze (Jo 6. 63), und kein Fleisch, kein eigenes Tun ist vor Ihm gerecht (Rö 3. 20). Sie besaßen daher nicht die Weisheit eines Paulus, dem das Leben Christus, und das Sterben Gewinn war (Phil 1. 21), und dem all das, was ihm früher als Gewinn, nun als verwirkt, als Schaden galt (Phil 3. 7 - 12): Sie waren diesen Dingen nicht abgestorben. Das, was sie von ihren Schlacken nicht reinigen konnte, das frißt sie deshalb nun von innen her. Der Betrug, mit dem sie sich lange Zeit selbst getäuscht haben (vgl. 1. 21 - 27), zeitigt seine Früchte: sie selbst kommen dabei zu Schaden. Ihr Silber und ihr Gold offenbaren nun ihre wahre Beschaffenheit als nicht vom Himmel, sondern von der Erde, da nun das eintritt, was Jakobus eingangs schrieb – der Reiche ist wie Gras, und angesichts der aufgehenden Sonne und des Glutwinds verdorrt seine ganze eigene Pracht und Herrlichkeit, auf die er sich verließ. Sein Gold und Silber, sein Reichtum ist in den Augen Gottes Gras, und Gras wird brennen.

    „Denn die Sonne geht zusammen mit dem Glutwind auf und läßt das Gras verdorren, da fallen seine Blumen ab, und die Anmut ihres Angesichts geht unter: so wird auch der Reiche auf seinen Wegen verwelken”,

    steht schon am Anfang des Briefes. (1. 11, vgl. Jes 40. 6, 7). Nicht ohne Grund. Wovor schon Paulus warnte, wird hier nun zur traurigen Wirklichkeit – sie selber leiden Schaden, und ihre Werke taugen nur noch als Brennmaterial für die kommenden Gerichte:

    „Ob nun jemand... Gold, Silber und kostbare Steine aufbaut oder aber Holz, Gras und Stroh: eines jeden Werk wird offenbar werden; denn der Tag wird es offenkundig darlegen, weil es in Feuer enthüllt wird. Und welcher Art eines jeden Werk ist, das wird das Feuer prüfen. Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn erhalten. Wenn jemandes Werk verbrennen sollte, so wird er ihn verwirken: er selbst aber wird gerettet werden, jedoch nur so wie durch Feuer hindurch.”

1Kor 3. 12 - 15

    Die nahende Ankunft des Herrn als der Tag, an dem es in Feuer enthüllt wird (1Kor 3. 13), und als der Morgen, an dem die Sonne mit dem Glutwind aufgeht (Ja 1. 11), von dem Paulus wie Jakobus sprechen, drückt den ganzen Ernst der Lage aus:

    „Siehe, der Richter ist vor den Türen” (Ja 5. 8 - 9).

 

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Anmerkungen und Ergänzungen zum Thema.

[1]
Das wollen wir hier nicht genug betont wissen. Der Glaube, wie die Schrift ihn versteht, ist ja kein fruchtloses „Für-Wahr-Halten”, noch handelt es sich bei ihm um eine bloße Anerkenntnis biblischer Lehren oder sonstiger Dogmen. Und er besteht erst recht nicht in jenem Anwenden diverser Prinzipien, Formeln oder „Gesetzmäßigkeiten”, das heute fälschlicherweise immer wieder gelehrt wird! Er stellt eben gerade kein Einhalten von Gesetzen oder Regeln dar, mögen wir diese nun als „heilig”, „geistlich”, „biblisch” betiteln oder auch nicht. Glaube ist immer personen-, nie sachbezogen; nie läßt er sich loslösen von dem Gegenüber, „an den” man glaubt. Das ist so, anders kann es nicht sein. Und genauso ist es auch mit dem Glauben der Bibel! Chambers etwa bringt das hier Gesagte auf den Punkt, wenn er schreibt:

    Der Glaube weiß nie, wohin er geführt wird; doch liebt und kennt er Denjenigen, Der ihn führt. Der Glaube ist ein Leben im Glauben – nicht ein Vernunfts- und Verstandesleben, sondern ein Leben, in dem wir wissen, Wer es ist, Der uns gehenheißt. Das Wissen um eine Person ist die Wurzel des Glaubens. Eine der verfänglichsten Täuschungen ist die Annahme, daß Gott uns sicher zum Erfolg führe(aus: Oswald Chambers, Mein Äußerstes für Sein Höchstes, Tägliche Betrachtungen, 19. März: Abrahams Glaubensweg, Blaukreuz-Verlag Wuppertal, 28. Aufl. 2000, S. 79).

    Hier sollten sich auch die vielen neueren Gemeinden einmal fragen lassen, ob es ihnen gelingt, in einen
solchen Glauben hineinzuführen, oder ob sie nicht doch jenem Plagiat, jener Fälschung des Glaubens aufgesessen sind, mit dem wir uns hier gemeinsam mit Jakobus auseinanderzusetzen haben. Wir wären jedenfalls gut beraten, wenn wir gerade auch in dieser Frage doch wieder einmal mehr auf das hören würden, was und vor allem wie unsere Väter dachten. So schrieb auch Werner de Boor (1899 - 1976) noch im August 1973 in der alten „Wuppertaler Studienbibel” etwa zu 1Jo 5. 12:

    „Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben... Der Apostel bezeugt auf das Bestimmteste: Wer den Sohn Gottes hat... Dies geht gegen alle intellektualistischen Mißverständnisse des Glaubens’, die offenbar damals so nahe lagen, wie sie heute weit verbreitet sind. Glaubeim biblischen Sinn ist nicht das Fürwahrhalten von Lehrsätzen. ‚Glaube’ ist eine lebendige Verbundenheit von Person zu Person, so real, daß man den ‚haben’ darf, an den man glaubt. Unser deutsches Wort ‚Glauben’ – leider so viel mißverstanden und mißbraucht – hängt in seiner Sprachwurzel mit Worten wie ‚geloben’ und ‚sich verloben’ zusammen. Wer sich ‚verlobt’, der ‚hat’ den andern, obwohl dieser zugleich immer der andere als selbständige Person bleibt. Es ist eine entscheidende Frage an uns alle, ob wir Jesus Christus wirklich ‚haben’ oder uns nur gedanklich mit ihm beschäftigen oder die biblischen Sätze über ihn bejahen. Hier geht es um unser Leben!” (zitiert aus. Wuppertaler Studienbibel, Die Briefe des Johannes erklärt von Werner de Boor, 6. Auflage 1989, S. 157 - 158, R. Brockhaus - Verlag).

    Das grie. Wort
pistis hat den gleichen Sinn; es bezeichnet eigentlich eine Vertrauensbindung an eine Person, somit an Gott und Sein Wort – an Sein Wort aber immer als dem Ausspruch, der aus Seinem Munde kommt, stets eingebunden in die Erfahrung der persönlichen Abhängigkeit von Ihm. Jesus hat bereits in seiner ersten Versuchung durch den Widersacher darauf in der rechten Art hinzuweisen gewußt! (vgl. Mt 4. 1 - 4).


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[2]
Mit Recht ist auch im entsprechenden Schriftgut immer wieder die Gefahr einer rein mechanischen, rein pflichtgemäßen Ausübung sog. „christlicher Liebeswerke” erkannt und besprochen worden, mit der wir  „am Nächsten handeln” könnten, ohne daß wirklich auch „unser Herz dabei” wäre. Von einer bloßen Pflichtausübung, einer Regelerfüllung” etwa, die uns am Leben des Anderen unbeteiligt läßt, ist die Liebe meilenweit entfernt. So will auch Jakobus gerade nicht verstanden sein! Es ist eben ein ganz wesentlicher Unterschied, ob unser Herz wirklich für den Bruder brennt, oder ob wir mit kaltem Herzen an ihm Werke” ausüben, die ihn doch nur fröstelnlassen. Nicht nur Jakobus und Paulus, die wir hier ein wenig miteinander verglichen haben, nein, auch Johannes – der Jünger, den Jesus liebhatte (Jo 13. 23!) – sind, obwohl ihre Lebenswege und ihre Berufungen voneinander ganz verschieden sind, in dieser Frage völlig eins. Sie alle haben etwas dagegen, daß man den Nächsten zum bloßen Hilfsempfänger, zum Objekt des eigenen Handelns erklärt! Johannes schreibt: „Wer aber seinen Lebensunterhalt in der Welt hat und dabei zuschaut, wie sein Bruder Bedarf hat, und dann sein Innerstes vor ihm verschließt – wie bleibt da die Liebe Gottes in ihm? Kindlein, wir sollen nicht nur mit dem Wort noch mit der Zunge lieben, sondern mit dem Werk und (!) der Wahrheit(1Jo 3. 17 - 18). Es gibt eben auch eine „Hilfe”, die den Bruder einfach nur „loswerden” will: schnell speist sie ihn mit einer Gabe ab und setzt ihn dann doch wieder beiseite, läßt ihn „mit sich allein” – und verschließt gerade darin sein Herz vor ihm. Von einer solchen „Liebe” spricht die Bibel nicht!

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[3]
a.) Hieran erkennen wir die wohl größte und damit auch entscheidende Problematik einer Lehre, die nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch Gesundheit und äußerliches Wohlergehen als Ausdruck rechten Wandels definiert. Was sind böse Erwägungen, und wie sehen die bösen Werkeaus, die aus solchen Erwägungen folgen und von denen wir hier sprechen wollen? Bei Jakobus entspringen sie dem Richten und dem in diesem Richten immer liegenden Herabsetzen des Armen, des Bruders und der Schwester. Jakobus wird dies an anderer Stelle konkretisieren und in dem Zusammenhang jenes „Fluchen, jenes Herab-Verwünschen(kataraomai) geißeln, das seinen Briefempfängern anscheinend so leicht über die Lippen ging und das offenbar auch heute wieder ganz modern geworden ist (Ja 3. 8 - 10). So mancher, der den Gemeinden der sogenannten „Glaubensbewegung” entronnen ist, kann ein Lied davon singen! Ja, leider gibt es sie, jene Flüche, die über ein Menschenleben so schnell, so leichthin ausgesprochen werden, als wäre es nichts; es gibt sie auch unter uns, die sagen: Aus Dir wird nichts werden, weil du diese oder jene Voraussetzung nicht erbracht hast”; „Du wirst arm bleiben” oder gar „Du bist unter dem Fluch, weil Du nicht zehntest”, „Du wirst nochmal in der Psychiatrie enden” und was es da alles an mehr oder weniger „fromm” verpackten Verwünschungen noch gibt. Man könnte diese Liste mit einer ganzen Reihe von Beispielen noch erweitern. Es ist ganz gleich, wie eine Person aussieht oder wie sie uns entgegentritt: Wir haben solche Dinge nicht auszusprechen; wir haben zu segnen; auch und gerade hier gilt das Wort: Segnet (eu-logeo, wohl-sagen!), und verfluchet nicht! (Rö 12. 14, vgl. Lk 6. 28). Es ist nicht ganz unbedeutend, daß in den hier angegebenen Stellen das Fluchen stets auf der Seite derer zu finden ist, die die Jünger des Herrn verfolgen, während das Segnen die Reaktion ist, die der Herr von eben diesen Jüngern, von den Verfolgten erwartet. Auf welcher Seite werden wir zu finden sein?

    Und doch geht dieses Verfolgen oft genug von Christen selber aus. Es ist erschreckend, zu welcher Bosheit gerade wir fähig sind, die wir uns nach diesem Namen nennen! Und wie oft tun sich da gerade jene unter uns hervor, die sich für die „Besten der Besten”, für die „Heißesten der Heißen” halten! Das war ja gerade das Problem auch derer, an die Jakobus schrieb, daß eine ganze Reihe von ihnen sich in einem solchen Ausmaß „besser”, „richtiger”, „geistlicher” usw. dünkten als ihre Geschwister, über denen sie zu Gericht saßen, daß sie also so sehr mit bösen Erwägungen beschäftigt waren, daß sie alles andere darüber vergaßen. Da stehen vielleicht zwei zusammen. Bruder X ist arm, kann sich dieses oder jenes nicht leisten, sagt der eine und behauptet: Irgend etwas stimmt mit ihm nicht.” – Schwester Y ist krank, ist das letzte Mal nicht geheilt worden, sagt der andere und kommt zu dem Schluß: Sie soll endlich glauben! So fügt man eine böse Erwägung an die andere, richtet man den Bruder und die Schwester. Und immer wird dabei Druck ausgeübt, indem der, der in Not ist, für seine Not selbst verantwortlich gemacht wird! Das ist geradezu ein Kennzeichen jener, die einer „Theologie” nachlaufen, die sich Erfolg und Gewinn zum Maßstab, zum Aushängeschild eines vermeintlichen „Richtig-Seins” erkoren hat. Gerade hieran erkennen wir auch die immense Gesetzlichkeit, ja den in dieser Gesetzlichkeit liegenden Fluch einer ganzen „Bewegung”, deren Mitglieder regelrecht „zum Erfolg verdammt” worden sind (s. Ga 5. 10). Das ebenso Notvolle wie Typische an solchen Lehren ist ja, daß in ihnen das Verurteilen, das Herabsetzen des Armen, des Kranken und Erfolglosen quasi festgeschrieben, zum „Dogma” erhoben wurde. Schließlich habe Gott Erfolg verheißen, also hätten wir geradezu die Pflicht, erfolgreich zu sein usw. Wer diesen Erfolg, diesen Wohlstand, diese Gesundheit nicht oder nicht mehr aufzuweisen hat, der wird zuletzt mit Füßen getreten, den erklärt man der Hilfe nicht wert - immer unter „ausreichender”, „theologisch einwandfreier” Begründung und Rechtfertigung. Bei solchem Druck sind viele auf der Strecke geblieben; ihr Leben, ihre Persönlichkeit ist zerrüttet und manchmal auch ganz zerstört worden.

    Jetzt endlich, da wir den Zustand solcher Geschwister sehen, durchschauen wir auch die perfide Taktik Satans, des Verführers und Diebes, der gekommen ist,
zu stehlen, zu schächten und umzubringen (s. Jo 10. 1 - 10). Und mit besonders hochgradiger Verführung, die man nur schwer erkennt, haben wir es hier in der Tat zu tun! All dies sieht ja erst einmal so „richtig”, so „geistlich”, so „biblisch” aus; und doch zeigt die Abwesenheit von Friede, Freude und Gerechtigkeit im Leben vieler, daß wir es hier nicht mit dem Reich Gottes, sondern mit einer Fälschung zu tun haben; es wachsen die Früchte eines anderen, eines falschen Evangeliums heran (vgl. Rö 14. 17 - 18, s. a. Ga 5. 13 - 26). Hier werden dann endlich auch die Schattenseiten einer sogenannten Frömmigkeit sichtbar, mit denen sich Jakobus auseinandersetzt und mit denen darum auch wir uns einmal gründlich auseinandersetzen sollten. Je mehr wir den Jakobusbrief lesen, desto mehr fällt uns auf, wie sehr eine solche „Frömmigkeit” die menschliche Begierde, d. h. also unser „Fleisch” bedient. Es ist ja auch viel einfacher, den Bruder oder die Schwester herabzuurteilen, sich (wie Jakobus ja schreibt) zu Richtern über sie aufzuwerfen, Gründe für ihre Not bei ihnen zu suchen und zu „finden”, als ihnen die Liebe und Zuwendung entgegenzubringen, derer sie bedürfen und die zu geben wir in jedem Falle schuldig sind (vgl. Rö 13. 8ff, 1Kor 12. 20 - 26, Ja 2. 8ff).

    Wie aktuell, wie brennend dies alles ist, mag uns der folgende Bericht veranschaulichen. Vor einiger Zeit war mir zu Ohren gekommen, daß man einem alten, lieben und wahrlich gestandenen Vater in Christus, durch dessen Dienst im Verlaufe seines langen Lebens viele zum wahren Glauben durchgedrungen waren, damit gedroht (!) hatte, er würde sterben, „der Herr würde ihn von der Erde wegnehmen”, wenn er sich dem neuen „Leiter der Gemeinde
nicht „endlich” unterordnete. Das Ganze war also ein knallharter Fluch. Auch half man ihm nicht, auch nicht seiner Frau, wie es sich eigentlich gebührt hätte; man ließ die beiden Alten mit ihrer Schwäche und Hilflosigkeit, mit ihren Sorgen und Nöten einfach allein. Als ich von diesen Vorgängen hörte, war ich schockiert. Wo sind wir da nur hingeraten, und was ist das eigentlich für eine „Bewegung”, die so mit den Alten umgeht, durchfuhr es mich. Was für eine Anmaßung, welche Überhebung steckt überhaupt in solchen Worten, die man diesen Heiligen entgegenzubringen sich unterstand. Leider ist auch dies nur ein Beispiel von vielen. Ganz schlimm aber wird es, wenn einige in der Richtung auch noch „beten”, irgendwelche Dinge „bekennen” und diese Dinge weiträumig ausstreuen, indem sie überall davon reden, etwa in dem Sinne der Herr habe ihnen das und das gesagt, mit Bruder X oder Schwester Y geschehe dieses oder jenes. Es ist an der Zeit, daß wir solchen Leuten einmal in den Arm fallen und ihnen deutlich machen, daß so etwas der Herr ganz gewiß nicht gesagt haben kann! Wir bleiben dabei: wer immer solche Dinge ausspricht, der geht mit Flüchen oder, um es mit dem griechischen Wort auszudrücken, mit Herab-Verwünschungen um; immer stehen sie in Verbindung mit Magie; wer dies tut, der öffnet für sich und andere die Tore der Finsterniswelt; er handelt mit bösen Werken!



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[3]
b) (Fortsetzung.) Dies alles sei nicht schlimm und bewirke nichts, mögen wir im Augenblick unseres Redens vielleicht gedacht haben. Jakobus ist hier allerdings ganz anderer Meinung. Er sieht jenes Herab-Verwünschen in einer Reihe von Zungensünden, die durchaus etwas bewirken, weil sie eine Kraft in sich haben und damit auch Kräfte auslösen können! Gerade auch die Lehre stellt Jakobus ja in genau demselben Zusammenhang. Nicht umsonst werden wir ja Rechenschaft abzulegen haben über jedem Wort, das einmal aus unserem Mund herausgekommen ist (s. Mt 12. 34 - 37). Hier werden Dinge ja nicht nur einfach ausgesprochen – hier wird immer auch gelöst und gebunden, werden Menschen geistlich festgelegt – und das alles nur vermittelst der Kraft, die der Zunge innewohnt! Darum ist ihre Zucht auch so sehr wichtig, was allerdings nicht bedeutet, daß wir diese Zucht in die eigene Hand nehmen und in Eigenregie Dinge steuern, wie uns vielfach gelehrt worden ist – das wäre Zauberei! – , sondern daß wir unsere Zunge täglich unter den Gehorsam Gottes stellen müssen – in die ganz bewußte Abhängigkeit von Ihm. Es geht hier eigentlich nur um eine Entscheidung, die Gott uns nicht abnehmen kann, nicht abnehmen wird: Es ist die Entscheidung zwischen Segen oder Fluch, zwischen Licht oder Finsternis oder, um es mit Jakobus zu sagen, um die Entscheidung, ob aus der Quelle unseres Mundes Süßes oder Bitteres herauskommen soll (Ja 3. 10 - 12). Tod und Leben liegen in der Gewalt der Zunge, sagen die Sprüche – hier, bei Jakobus, wird es so recht anschaulich, was gemeint ist, wird es auch für uns plastisch, wird erfaßbar: Das Süßwasser der guten Quelle schenkt Leben dem, der aus ihr trinkt, das Salzwasser der schlechten aber bewirkt den Tod (Spr 18. 21 u. a., s. Ja 3. 11, 12). Wir wissen ja um die Berichte aus der früheren Seefahrt, aus der Zeit der Segelschiffe, als den Mannschaften auf hoher See, wochenlang umherirrend und von Stürmen getrieben, die Süßwasservorräte auszugehen drohten. Wer sich wegen des Durstes dazu hinreißen ließ, Salzwasser zu trinken, statt sich mit seiner Süßwasser zu begnügen, der war bald einem jämmerlichen Tode ausgeliefert. Nur das süße, das gute Wasser bringt das Leben. Wie wichtig, wie lebenswichtig ist das!

    Denn ums Straucheln geht es hier, darum, ob unser Weg (und der Weg anderer!) gelingt oder ob er scheitert, darum, ob wir gehen oder fallen, darum, ob unser Leben sein Ziel erreicht oder es verfehlt. Hier gilt: Wenn jemand mit keinem Wort strauchelt, so ist dieser ein gereifter Mann und ist imstande, auch den ganzen Körper zu zügeln(Ja 3. 2). Mit unserer Zunge lenken wir, steuern wir Geschehnisse, ebnen oder verstellen wir Wege, ob wir es nun wollen oder nicht. Und immer wirken sich diese Dinge im Körperlichen, im äußerlich-Sichtbaren aus; es ist ja der Körper, der gelenkt wird! Wie viele Wege haben wir etwa uns und anderen verstellt mit unserer Zunge, wie viele Dinge verbaut, wieviele andere falsche Entscheidungen ausgelöst, weil wir Dinge aus der Hand Gottes heraus und in die eigene Hand genommen haben? Sollten wir die Zunge nicht vielmehr dem Herrn Selbst unterordnen? Das wäre dann einmal eine Unterordnung, die Gottes Wohlgefallen hätte! - Jakobus fährt fort: Wenn wir den Pferden die Gebisse in ihre Mäuler legen, damit sie uns willfährig sind, so lenken wir auch ihren ganzen Körper. Siehe, auch die Schiffe, die ein solch großes Ausmaß haben und von harten Winden getrieben werden, lenkt man durch ein ganz geringes Steuerruder...(3. 3 - 4). Immer und immer wieder geht es dabei um unseren Weg.

    Diese Dinge sind freilich durch die Glaubensbewegung im Sinne eines vom Menschen her ausgelösten,
bewußten Steuerns und An-Sich-Reißens geistlicher Dinge in hohem Maße entstellt und mißbraucht worden. Doch hören wir, was Jakobus weiter schreibt: Denn die Natur allen Wildgetiers wie auch der Flügler, Reptilien und auch der Tiere im Salzmeer wird gebändigt und ist gebändigt worden von der menschlichen Natur. Die Zunge dagegen kann kein Mensch bändigen...(Ja 3. 8). Nein, wir Menschen können unsere Zunge nicht bändigen; nur Gott Selbst kann es; wenn aber Gott sie nicht bändigen darf, dann „bändigt” sie ein anderer, bekommt ein anderer sie in seine Gewalt. Das gilt gerade dann, wenn wir dieses „Bändigen”, dieses „Steuern” in die eigene Hand nehmen wollen, um an geistlichen Dingen herumzumanipulieren. Dinge, die wir uns selbst nehmen, obwohl sie uns nicht gegeben sind, führen uns in die Finsternis hinein, geradewegs in die Dämonie. Es ist ja bezeichnend, daß Jakobus das Wirken der Zunge als solches durchweg negativ sieht. Wir sollten uns also auf gar keinen Fall täuschen lassen!

    „Siehe, welch ein kleines Ausmaß an Feuer vermag welch großes Ausmaß an Material zu entzünden”, schrieb er zuvor. Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt der Ungerechtigkeit. Die Zunge ist unter unseren Gliedern als diejenige eingesetzt, die den ganzen Körper beflecken kann (eig, eingesetzt unter unseren Gliedern, die den ganzen Körper beflecken) und das Rad des uns Angestammten entflammt wie von der Gehenna entflammt wird” (V. 6). Wer also das Reden der Zunge in der hier vorbezeichneten Weise in die eigene Hand nimmt, der öffnet erst der Sünde, dann auch dem Feuer der Hölle, der „Gehenna” Tür und Tor, und zwar genau aus dem Grunde, weil er dieses Glied selbst eben nicht beherrschen kann; es ist ihm ganz schlicht und einfach nicht gegeben. Wer es dennoch versucht, der entzündet ein Feuer, das nicht von Gott, sondern aus der Hölle kommt. Hier haben wir jenes falsche Feuer vorliegen, das dem Volk Gottes aller Zeiten immer wieder so viel Not bereitet hat. Spätestens hier sollten jene, die sich der Bekenntnislehre der sogenannten Glaubensbewegung, jener aus Amerika importierten Philosophie des „name it, claim it (übersetzt etwa: „nenne es, beanspruche es”) so sehr verschrieben haben, sich einmal gründlich in Frage stellen und sich vor Augen führen, welchen Schaden sie mit solchen Lehren eigentlich anrichten!



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[4] Man hat auch in der theologischen Literatur Jakobus immer wieder einmal eine diffuse Gesetzesfrömmigkeit unterstellt und hat ihn darum gerade auch in dieser Frage nicht verstanden. Hier, aus der ihm so ganz eigenen Anteilnahme am Schicksal des Armen, d. h. also
am Ergehen dessen, der aus sich selbst nichts erbringen kann, wird für uns erkennbar, wird greifbar, wie sehr gerade auch Jakobus, obwohl er so eindeutig vom Gesetz her argumentiert, doch in der Gnade wurzelt und in ihr sein ganzes Dasein hat. Diese Gnade ist es, die er darum auch von seinen Hörern ausgelebt wissen will. In dem Zusammenhang stellt er ja jene Frömmigkeitsform gerade bloß, die auf der eigenen, durch den Gebrauch vermeintlicher Weisheit erworbenen Wohlanständigkeit beruhte – als eigentliche Gesetzesfrömmigkeit! – und die einem nicht unerheblichen Teil derer zu eigen war, denen Jakobus diese unbequemen Wahrheiten zu sagen hatte! Das sichtbare, für den Nächsten geradezu spürbare Kennzeichen einer solchen Frömmigkeitsform ist ihre nach außen hin getragene Gnadenlosigkeit und der für diese Gnadenlosigkeit so charakteristische, so deutliche Mangel an Liebe. Diesen Mangel thematisiert Jakobus nicht umsonst. Für Jakobus ist eine Gerechtigkeit, die keine Gerechtigkeit im Sein, in der Tat ist, keine Gerechtigkeit. Und doch bleibt er in der Gnade verwurzelt. Wir kennen schon bei Paulus die Ermahnung, die empfangene Rettung (die Gnade also, die wir schon erhalten haben!) mit Furcht und Zittern auszuwirken und daher dem Bruder und der Schwester gegenüber in der Furcht Gottes auszuleben - als Zeichen, Licht und Wegweisung, gewissermaßen als Anschauungsunterricht für eine gefallene Welt (s. Phil 2. 1 - 12ff). Und so weist auch Jakobus ganz vehement darauf hin, daß der, der dem Bruder und der Schwester die Gnade verweigert, die er selbst einmal empfangen hat, der also nicht in jenem Gesetz der Freiheit zu leben bereit ist, in das Gott ihn ja bereits gestellt hat, von Ihm ein Urteil erhalten wird - und zwar ein Urteil nach dem Gesetz!

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[5] Hierin wird auch der Anspruch Jesu offenbar, der sanftmütig auf einem Esel in Jerusalem einzog. Jakobus wird diesen Einzug des Meisters sicherlich im Blick gehabt haben, als er „Sanftmut haben” und „Meister sein” in einen Zusammenhang brachte.

[6] Jakobus schließt zwar aus, daß eine Quelle in der Natur zweierlei Wasser führen kann, aber er folgert daraus eben nicht, daß ein zwiespältiges Reden unmöglich sei., wie einige schwärmerische Ausleger dies zuweilen nahegelegt haben. Er sieht ja das Gegenteil anhand seiner Leser. Gerade weil er aber das Vorbild aus der Natur anführt, zeigt er auf, wie unnatürlich bei Gott solche Verhaltensweisen sind, die einerseits Gott loben, dem unvermögenden Bruder aber fluchen. Das darf nicht sein!

[7] Man lese hierzu auch die Ermahnungen des Petrus gegen Ende seines ersten Briefes: „Alle miteinander seid mit der Demut umschürzt”, 1Ptr 5. 5ff.

[8] Besonders in sich als „charismatisch” verstehenden Kreisen hat sich indes eine Fasten- und Gebetsauffassung eingebürgert, die unter Fasten und Beten jeweils einschlägige religiöse Praktiken versteht, die dazu führen sollen, Heilungen, diverse Segnungen und dergleichen bei Gott zu erhalten.  Ein solches Fasten, das von Gott verordnet wäre, kennt die Bibel allerdings nicht. Mit solchen Dingen werden die Grenzen zur Zauberei überschritten. Gebet und Fasten sind lediglich dazu da, um Gott zu nahen und ggf. Antwort auf verschiedene Fragen zu erhalten, so Gott will.

[9] Drei Mal geht es Johnnes dabei um das, was wir anderen gegenüber sagen. Insofern legen wir besonderen Wert auf die Feststellung, daß das Wort bekennen (homologeo) aus 1Jo 1. 9 nicht ein nebulöses Für-Richtig-Halten meint, auch bezeichnet es kein nur gedankliches oder stilles Auseinandersetzen mit der Sünde (das gewiß auch notwendig ist), sondern beschreibt ein tatsächliches und hörbares Aussprechen im Angesicht eines Anderen, eines Bruders oder einer Schwester. Insofern wollen wir wieder eine Lanze brechen für die altkirchliche (und vor allem segensvolle) Praxis der sogenannten Einzelbeichte. Hier wird die Sünde für den anderen hörbar beim Namen genannt und gemeinsam vor Gottes Thron gebracht (vgl. 2Kor 13. 1). Es gibt keinen anderen Weg, von seiner Sündenlast wirklich frei zu werden; hier haben wir die enge Pforte, durch die wir gehen müssen; hier ist in der Tat ein Tod zu sterben, bevor wir ins Leben eingehen; hier können wir uns nicht nur gedanklich, sondern müssen uns wirklich demütigen; hier wird unserem Stolz, unserem Hochmut der Todesstoß versetzt, nicht nur ideell, nicht nur formell, sondern ganz real. In dem uns so ganz eigenen Stolz finden wir dann auch die Antwort dafür vor, weshalb es uns so leicht fällt, Sünde allein vor Gott zu nennen und dabei doch wieder ins Verborgene mitzunehmen, aber so unsäglich schwer, sie vor dem Bruder und der Schwester auszusprechen und ins Licht zu bringen. Um diesen Zerbruch, um diese Demütigung und Trauer kommen wir jedoch nicht herum, wenn wir wirklich zur Freude, zum Heil gelangen wollen....die Betrübnis nach dem Willen Gottes bewirkt Umsinnung zu einem unbereubaren Heil, die Betrübnis der Welt aber bewirkt Tod, schreibt Paulus einmal (2Kor 7. 10; vgl. Mt 5. 4, 6; Lk 6. 20 - 25; s. 1Kor 5. 2; auch Ja 4. 9 u. a.). Es gibt eben keine Umkehr, die nur eine gedankliche oder auch nur handlungsgemäße wäre: wir haben etwas erkannt, nun ändern wir ein bißchen unseren Weg, machen einfach nur etwas anderes, neueres, „richtigeres” –  als ob es hier lediglich darum ginge, ein Etikett auszuwechseln, um dem alten Wesen einen neuen Namen, eine neue Richtung zu geben. Das meint Umkehr gerade nicht; hier gilt es, nicht nur einen Weg zu ändern; hier gilt es, Sünde auszuräumen und  zu einem Gott umzukehren, der gerecht und heilig ist - als zu dem, den wir mit dieser unserer Sünde verlassen haben!

    Vielleicht sollten wir, die wir Ihm ins Angesicht gesündigt, Ihn erzürnt und Seinem Herzen wehgetan haben, uns darum wieder etwas mehr an das alte Wort
Buße gewöhnen. Wir meinen hier nicht jene römische poenitentia, jenes Abbüßen, das eine Bußleistung in den Mittelpunkt stellt und damit die Leistung des religiösen Menschen schlechthin, auf die er sich noch etwas zugute halten darf. Aber wir müssen doch anerkennen, daß wir in der Vergangenheit, durchaus auch in dem Bestreben, das römische Bußverständnis zugunsten der neutestamentlichen metanoia meiden zu wollen, nur allzuschnell dem Verständnis einer eher nur gedanklichen Umsinnung gefolgt sind. Das ist nicht erst ein Mißverständnis unserer Tage. Schon vor über vierzig Jahren schrieb der Theologe Julius Schniewind (1883 - 1948) über den Begriff:

    „
Es geht bei der Metanoia um Gott... Metanoia ist auch weit mehr als ,Sinnesänderung’. Diese Übersetzung des griechischen Wortes, auf die man sich noch etwas zugute tut, ist einfach falsch. Kein Mensch hat in der Zeit des Neuen Testaments noch an die Etymologie (d. h. Herkunft und Geschichte) des Wortes Metanoia gedacht, das Wort ist ebenso abgegriffen wie unser Wort Buße. Zudem ist Sinnesänderung etwas viel zu Harmloses, eine Verfälschung der biblischen Metanoia: Wir denken dabei an unseren Sinn, an unsere Psyche; stolz wendet sich der Mensch vom Äußerlichen ab und ändert seinen Sinn. Aber Gott begnügt sich nicht mit unserem Sinn, sondern er fordert die ganze Tat, all unser Tun bis ins kleinste; ja und er fordert auch unsern Sinn, unser innerstes Herz, aber nicht so, daß sich hier ein vortrefflicher, neugesinnter Mensch darstellt, sondern so, daß sich Sinn und Herz wie Tat und Werk zu Gott wenden. Metanoia heißt Wendung zu Gott. Dies bedeutet nämlich das hebräische oder aramäische Wort, das Johannes der Täufer, das Jesus gebraucht (Mt. 3, 2; 4, 17). Das Wort heißt schubu und bedeutet Kehret um, Bekehrt euch. Luther beschreibt, wie es ihm eine befreiende Entdeckung war, daß das Wort tut Buße zu übersetzen sei mit convertimini, und nicht mit poenitentiam agite (WA. I, 525)... (Zitiert aus: Julius Schniewind: Zur Erneuerung des Christenstandes, Vandenhoeck & Ruprecht, Kleine Vandenhoeck-Reihe 226/227, Göttingen 1966, S. 10f.).

    So hat man auch uns ja über eine lange Zeit hinweg auf eine mehr gedankliche, eher
bekenntnismäßige Umkehr verwiesen, die mehr die Form einer Umkehr hat, als sie wirkliche Umkehr je sein könnte. Wir denken etwas, wir glauben etwas, sagen etwas; wir heben vielleicht die Hände, sprechen ein Gebet nach oder füllen eine Karte aus; dann meinen wir, herzutreten zu dürfen, weil wir eine der vielen Regeln erfüllt haben, die dann noch auf uns warten werden. Daß da Sünde im Raum stehen könnte, handfeste Sünde, die uns von Gott scheidet, und daß diese Sünde es uns ganz unmöglich macht, mit Ihm Gemeinschaft zu haben, wird dabei unterschlagen, ja ganz vergessen gemacht (s. 1Jo 1. 1 - 10). Dachten wir wirklich, daß der dreimal heilige Gott (Jes 6. 1 - 6), der in einem Lichte wohnt, da niemand zukommen kann (1Tim 6. 16), sich mit solchen Oberflächlichkeiten, mit solchen Rips-Raps-Veranstaltungen begnügen würde? Und doch hat man immer wieder versucht, uns den Zugang leichter zu machen, den Weg immer noch ein wenig breiter, das Tor immer noch ein wenig höher. Indem man auf die breite Pforte verwies, durch die die Massen strömen, hat man jene enge Pforte, durch die wir eingehen sollen, wieder verschlossen; wohl kochte unsere Seele, aber die wirkliche Gemeinschaft Gottes blieb uns verwehrt. Gehet ein durch die enge Pforte, sagt Jesus; denn breit ist die Pforte und geräumig der Weg, der zum Untergang hinführt, und viele sind es, die durch sie hineingehen. Wie eng aber ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben hinführt! Doch wenige sind es, die ihn finden (Mt 7. 13, 14). Ja, hier vor Gottes Majestät und Heiligkeit werden wir ganz klein, ganz unscheinbar, häßlich und gering; hier erscheint unsere Sünde in Seinem Licht; hier zerbricht unser Stolz so gründlich, so restlos, daß nichts mehr von ihm übrigbleibt (vgl. Hi 42. 1 - 6). Erst hier gelangen wir zu wahrer Trauer, echtem Zerbruch, wirklicher Reue; nun erst gelangen wir zu jenem zerschlagenen Geist und zu jenem gebrochenen Herzen, in dem Gott wohnen kann (Ps 34. 9, Jes 57. 15, Lk 4. 18). Erst jetzt, da von uns nichts mehr übrig ist, fällt uns auch das Aussprechen unserer Sünde nicht mehr schwer.

    Eine Umkehr ohne Schmerz und Trauer, ohne Abscheu vor der eigenen Sünde und vor allem ohne Zerbruch, den diese Abscheu mit sich bringt, ist Illusion. Doch nach solcher Trauer, nach solchem Bekennen kommt ganz gewiß die Freude darüber, daß die Sünde auch vergeben ist, kommt der Durchbruch, kommt die Freiheit, kommt endlich auch der Sieg. Nichts kann so klare und vor allem so unanfechtbare Gewißheit schenken wie das Bekenntnis vor dem Bruder und der daraufhin von ihm gehörte Zuspruch:
Deine Sünde ist dir vergeben! Wer die Sünde so bekennt, der nimmt Gottes Urteil erst über sie, dann aber auch über sich selbst, den Sünder, an und stellt sich darunter, stellt und beugt sich Seinem Gericht. Erst das vor den Ohren eines anderen Bruders oder einer anderen Schwester ausgesprochene Bekenntnis bringt das Finstere wirklich auch ins Licht und nimmt ihm dadurch, da es so der Verborgenheit entrissen wird, die Kraft und den Schrecken (s. Eph 5. 13, 14). Ein nur gedankliches oder auch allgemeines Bekennen, das die konkrete Sünde ungenannt ließe und im Verborgenen behalten wollte, wäre kein Bekenntnis, sondern eine Lüge und ein Selbstbetrug (s. 1Jo 1. 5, 6, 8). Hier würden wir uns und andere in einer ebenso trügerischen wie gefährlichen Sicherheit wiegen. Johannes hat die persönliche Erfahrung der Sündenvergebung darum ganz klar an dieses homologeo, an dieses gleich-sprechen gekoppelt - nicht um Gottes, sondern um unserer eigenen Seele willen!

    Auch Jakobus teilt diese Ansicht und ist damit ganz nah dabei.
Bekennt nun einander offen die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet, schreibt er in seinem Brief ganz unmißverständlich  (5. 16). Wir sind einem Trugschluß aufgesessen, folgen einem Irrglauben, wenn wir uns einbilden, daß dieses offen einander bekennen und das füreinander beten ohne den Bruder oder die Schwester möglich wäre! Die Praxis des gegenseitigen (!) Bekennens und der Reinigens von unseren Sünden finden wir darum prophetisch vorgebildet in jener Fußwaschung, die Jesus an den Jüngern ausführte und die sie zu verstehen sich so schwer taten; dann sagte Er ihnen: Ein Beispiel habe Ich euch gegeben, damit auch ihr tut, wie ich an euch getan habe (s. Jo 13. 4 - 15). Hier, in der Sündenvergebung über den Bruder und die Schwester und der darin liegenden gegenseitigen Demütigung voreinander, finden wir ihre größte und schönste Erfüllung, ja eigentliche Vollendung vor. Es ist der Dienst größter Liebe, der uns nicht den Kopf, sondern die Füße wäscht. Es sind ja unsere Füße, die den Erdenstaub berühren und sich an ihm immerfort verunreinigen, bildlich gesehen; darum bedürfen sie dann auch der ständigen, immer wiederkehrenden Reinigung, solange wir auf dieser Erde sind. Schon im Gesetz machte der Staub der Erde, der Wandel außerhalb des Lagers unrein, weshalb es mit verschiedenen Bestimmungen darauf eingegangen ist (vgl. 2Mo 29. 4, s. a. V. 20, Kap. 30. 17 - 21, 40. 30 - 32). Hier aber steht nun Jesus, das Opferlamm des neuen Bundes, und sagt, daß wir ganz rein, gebadet sind; wir sind ja von neuem geboren und das in uns gezeugte Leben aus Gott kann nicht sündigen (vgl. 1Jo 3. 9); wir bedürfen aber, daß Er uns die Füße wasche, die für den täglichen Wandel in der Welt stehen, solange der Leib der Sünde also noch Bestand hat (s. Rö 7. 17, 24; vgl. Kap. 8. 24). Und wir brauchen diese Reinigung, diese Waschung so sehr, daß Jesus dem Petrus sagte: Wenn ich dich nicht wasche, hast du kein Teil mit mir. Und auch Johannes spricht von der fortwährenden Reinigung durch Jesu Blut und sagt, daß der, der behaupte, keine Sünde zu haben bzw. nicht zu sündigen, diese Waschung also nicht benötige, sich selbst irreführe und nicht die Wahrheit spräche; das Wort Gottes ist nicht in ihm (1Jo 1. 8ff).

    Wir wollen noch ein wenig beim Füßewaschen bleiben. Jesus läßt keinen der Jünger aus; alle werden gewaschen, einer nach dem anderen; jeder erfährt die Reinigung seiner Füße. Schließlich kommt auch Petrus an die Reihe. Johannes stellt ihn besonders heraus, erzählt den Dialog, der sich zwischen ihm und Jesus entspannt und von dem wir oben schon ein wenig gesprochen haben (Jo 13. 6 - 10). Und das tut er nicht von ungefähr. Hier haben wir jenen Simon Levi stehen, dem geoffenbart worden war, daß Jesus der Christus, der Gesalbte sei; Jesus nannte ihn darum den Kêphas, Petrus, den Felsen, und sagte, daß Er auf diesen Felsen Seine Gemeinde bauen wolle.
Hier steht derselbe Petrus, dem Er sagte, daß er ihm die Schlüssel des Himmelreiches, die Vollmacht, zu binden und zu lösen übergeben werde (Mt 16. 13 - 19). Diesem Petrus, diesem Felsen wäscht Jesus hier die Füße und sagt, daß er ein Beispiel gegeben habe, damit auch ihr tut, wie ich an euch getan habe. Die Vollmacht zu binden und zu lösen, Sünden zu behalten oder zu erlassen, sind also in die Hände der Gemeinde, damit aber in die des Bruders und der Schwester gelegt, die Gott mir zur Seite gestellt hat. Gewaschen werden wir nach dem Willen Gottes nicht von uns selbst. Was wären wir, was wäre ich darum ohne den Dienst der anderen? Was wären wir ohne den Dienst unserer Väter, die uns immer wieder mit einer schier nicht enden wollenden Geduld die Füße gewaschen, die geistlichen Windeln gewechselt haben? Nichts! Damit aber hat Gott unsere Beziehung zu Ihm ganz untrennbar verbunden mit der Beziehung zu allen anderen, die in derselben Verbindung mit Ihm stehen wie wir auch. Wer sind wir also, daß wir solche Brüder, solche Schwestern verachten und meinen, ganz ohne sie auskommen zu können? Haben wir uns diesen Fragen einmal gestellt?

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[10] Es macht auch keinen Sinn, zu jubeln und zu jauchzen, wenn die Gegenwart Gottes von der Gemeinde gewichen ist. Schon Israel jauchzte, als die Bundeslade, als das äußerliche Symbol der Gegenwart Gottes, sich im Lager befand. Und doch richtete sie, die nur Symbol sein konnte, nichts aus, weil Seine Gegenwart selbst gewichen war: Man jauchzte, als es keinen Grund zum Jauchzen gab. Solches ist geschrieben in jenem denkwürdigen und traurigen, ja erschütternden Bericht von der Bundeslade, die nach all diesen Geschehnissen ins Haus Dagons, dem Tempel des gleichnamigen heidnischen Götzen gebracht worden war (1Sam 3 und 4). Schon zu Beginn des Geschehens lesen wir, daß zu jener Zeit eine Offenbarung Gottes, ein Wort oder ein Gesicht äußerst selten war (1Sam 3. 2), da Gott um des Ungehorsams willen, insbesondere des Hauses Eli, Seine Gegenwart mehr und mehr zurückgezogen hatte (1Sam 2. 12 - 17, 22 - 25, 27 - 36). So wurde, da der Schutz Gottes nicht mehr vorhanden war (vgl. 2Sam 22. 2 - 4; Ps 9. 10, 46. 6 - 12, 59. 10, 119. 114 u. a.), Israel von seinen Feinden vernichtend geschlagen (1Sam 4. 1 - 2). Aus eben diesem Grunde ließ man nun die Bundeslade herbeiholen, da man von ihrer bloßen Anwesenheit her auf die Gegenwart des Herrn Selbst schloß, und als sie da war, jauchzte man so sehr, daß die ganze Erde dröhnte (1Sam 4. 4 - 5).

    Hier findet eine ganz verhängnisvolle Umkehrung statt. Denn auch hier reißt man Himmlisches an sich, nimmt es in die eigenen Hände. Angesichts der hier beschriebenen Dinge sollten wir uns wirklich einmal fragen lassen, aus welcher Wurzel unser Jauchzen, unser Lobpreisen” eigentlich kommt! Ich unterhielt mich einmal mit einem Bruder, der der Meinung war, daß Gott herbeikäme, wenn wir nur genug riefen, tanzten und sängen. Als ich ihm zu widersprechen wagte, wurde er sehr ungehalten und gab mir doch recht deutlich zu verstehen, daß ich „keine Ahnung” hätte. Keine Ahnung? Nun, es bleibt jedenfalls dabei - wir können Gott nicht herbeirufen. Er ruft vielmehr uns; Er ist der Herr; wir haben zu kommen; wir rufen nicht Ihn, daß Er zu kommen habe. Wer da „kommt”, weil wir nach ihm rufen, ist ein anderer! Wir können Gott eben nicht „gebrauchen”, wie man ein Werkzeug „gebraucht”. Er will vielmehr uns gebrauchen! Ein Gott, der sich von uns „gebrauchen” läßt, der „erscheint”, weil wir singen, rufen oder andere Dinge tun, ist nicht der Gott der Bibel, sondern ein anderer, der den Schein erwecken möchte, daß er dieser Gott sei. Solche Praktiken rühren aus dem Heidentum her; man bezeichnet sie nicht ohne Grund als Schamanismus, eine Praxis, die wir in allen Religionen und Völkern und zu allen Zeiten vorfinden. Der Schamane ist ein Zauberer, der sich in Extase tanzt, singt und ruft; wenn er in diese Extase eingetreten ist, die Geister also gekommen sind, beginnt er unter ihrem Einfluß zu wahrsagen oder andere okkulte Riten zu vollführen. Ein gutes Beispiel dieses Prinzips finden wir bei den Baalspropheten vor, die Elia zusammengerufen hatte; sie schrien, hüpften um den Altar, den sie gemacht hatten, und fügten sich selbst sogar Verletzungen zu; dann wahrsagten sie (1Kö 18. 16 - 29). Und doch war da keine Stimme noch Antwort noch Aufmerken (V. 29, Schlachter). Ich sage hier ausdrücklich nicht, daß Lobpreis etwas Falsches sei, wie einige behaupten; wer so etwas sagt, der hat seine Bibel nicht gelesen. Lobpreis ist etwas sehr Wichtiges, aber auch Heiliges; Gott erwartet ihn von uns; er dient aber nur dazu, Ihm Ehre zu geben, und nicht, um eine Gegenleistung „herbeizusingen” oder irgendwelche anderen „Resultate” zu erzielen. Wenn Gott dann während des Lobpreisens oder während der Anbetung Sich offenbart, zu uns redet oder an uns handelt, ist das allein Seine ganz souveräne Entscheidung.

    Wie wir am Beispiel Israels sehen, ist die hier beschriebene Fehlentwicklung nicht neu. „Jauchzen” ist schon damals, wie die herbeigeholte Bundeslade auch, Mittel zum Zweck geworden:
Wieder einmal versucht man, auf dem Weg von Methode und Prinzip etwas zu erheischen, diesmal den so dringend benötigten Sieg. Wieder einmal möchte man den Weg abkürzen und die angenehme, leichtere Variante finden, die es nicht gibt. Statt der Wegstrecke, die der Herr uns zurücklegen läßt, wählt man die ‚Instant’ - Lösung: die nämlich des Befolgens von Prinzip und Methode. Damit reißt man an sich, was einem nicht zusteht; so verweigert man Gott die Umkehr, die Er fordert, und erhebt sich damit gegen Ihn Selbst. Daß diese Lösung keine ist, das hat so mancher schon bitter erfahren müssen. Wir wissen ja, wie die Geschichte ausgeht: Israel erleidet eine katastrophale Niederlage, es fallen dreißigtausend (!) Mann, und die Bundeslade wird als Siegestrophäe in den Tempel Dagons, des Gottes der Sieger, gebracht. Noch immer war ihnen nicht gewärtig, daß der Herr nicht mehr mit ihnen – in ihrer Gegenwart – war. Es gibt zu der Zeit nur einen einzigen Menschen, der begriffen hatte, was da eigentlich vor sich ging, und dieser Mensch ist eine Frau. Die Schwiegertochter Elis, Frau des Pinhas, bringt einen Sohn zur Welt, den sie Ikabod nennt – übersetzt Nicht-Herrlichkeit – , um auszudrücken: die Herrlichkeit ist von Israel gewichen(1Sam 4. 19 - 22).

    Der Herr bewirkte jedoch an den Feinden, was er zu dieser Zeit in Israel selbst nicht offenbaren konnte: Das Aufstellen der Bundeslade in ihrem Tempel endete damit, daß ihr Gott Dagon zu Boden fiel und zerbrach, und die Hand des Herrn lag so schwer auf ihnen, daß sie sich dann doch entschlossen, die Bundeslade wieder loszuwerden (1Sam 5). Nachdem über langen Irrwegen die Lade des Herrn wieder zurück nach Israel gelangt ist, braucht es dann noch volle zwanzig Jahre, bis Israel von ganzem Herzen zu dem Herrn umkehrt und endlich die fremden Götter aus seiner Mitte entfernt. Jetzt erst kann der Herr die Knechtschaft der Philister beenden, in die sie wegen ihres Ungehorsams geraten waren, indem ER ihnen den Sieg gibt, und all das, was Er ihnen einst gegeben hatte, wiederherstellt (1Sam 7). Zwanzig Jahre – das ist eine ganze Generation, die hier ins Land gehen mußte, ehe Israel zur Erkenntnis durchbrach. Und wie viele Jahre brauchen wir?

    Was dem Volk Israel damals nicht gelang, indem es Dinge und Praktiken anwandte, kann jedenfalls auch nicht denen gelingen, an die Jakobus seine dringliche Mahnung richtet: Alles Jauchzen und Jubeln verfehlt die Wirkung, die man sich davon erwartet hat – da man damit ja doch immer nur den Schein einer Wirklichkeit erschaffen kann, die in Wahrheit nicht vorhanden ist. Wie schon das Herbeiholen der Bundeslade durch jene, die sie als Fetisch einer buchstäblich gottlosen Frömmigkeit mißbrauchten, bleibt auch ihre Anstrengung ergebnislos. All dies wird zu einem makabren Schmierentheater in der geistlichen Welt, da Gott Selbst nicht mehr in ihrer Mitte zu finden ist. –

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Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel


Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage 1994

Konkordantes Altes Testament, Jesaja
 Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Daniel
1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985”

Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg

Novum Testamentum Graece
Nestle-Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969




Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.


Die vorliegende Schrift ist am 08. 07. 2011 zuletzt bearbeitet worden.

© 2003
          ff.


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