Wißt ihr nicht?
IHR seid der Tempel!
Der menschliche Körper
als Abbild des Christuskörpers.
DER CHRISTUS als eine von Gott über alles gesetzte
Person,
bestehend aus dem Haupt, dem Herrn im Himmel,
und der Gemeinde, Seinem Körper,
der Vervollständigung des Hauptes.
(Gedanken über die Gestalt der Gemeinde nach dem Neuen
Testament)
Der
Inhalt dieser Schrift beschäftigt sich mit der Gestalt der Gemeinde, [1] die Jesus Sich mit Seinem Blut zum Eigentum
erworben hat.
Diese Gemeinde ist Sein Körper. Das Neue Testament
lehrt uns die Vorstellung des auferstandenen Christus Jesus als dem Haupt, in
lebendiger Verbindung mit Seinem Körper, der aus
den vielen Gliedern besteht, die, bei aller
Verschiedenartigkeit, in Einheit diesen Körper bilden
(Eph 1. 22, 23). Diese Glieder sind all die Gläubigen,
die der Herr mit Seinem Blut erkauft und in das „Königreich
des Sohnes Seiner Liebe” (Kol 1. 14, 18; Off 1. 5,
6) hineinversetzt hat; und diese Gläubigen sind es
dann auch, die in Wahrheit zusammen mit ihrem Haupt sich
selbst starben, ihren alten Menschen demgemäß in
der Taufe in den Tod zu Grabe getragen haben (Rö 6.
3 - 4), mit Ihm zu einem neuen Leben durch den Glauben an die
wirksame Kraft Gottes geistlich auferstanden sind (Rö 6.
5 -14, 8. 1 - 10; vgl. Eph 1. 20) und die versiegelt wurden
mit dem Geist der Verheißung (Eph 1. 13, siehe auch
Rö 8. 15 - 17), durch den allein sie in diesen
Christuskörper hineingetauft
worden sind (1Kor 12. 13). Bereits anhand dieser Tatsachen
also wird deutlich, daß die Bildung und Auferbauung
dieses Leibes, um den es hier geht, niemand anders vollbringen
kann als nur das erhöhte Haupt Selbst.
Diese
Vereinigung aus dem Haupt, dem Herrn im Himmel, und dem
Körper, Seiner Gemeinde, stellt den einen von Gott gesalbten
Menschen, [2] den Christus [3] im Himmel und
auf Erden dar (Eph 1. 9 - 10, 2. 15). Dieser eine neue Mensch Gottes
ist es, den Gott in und mit uns offenbaren möchte, so
daß wir erkennen können, daß die Gemeinde,
dem im Abbilde Gottes erschaffenen Menschen gleich, in
untrennbarer Einheit bestehend aus Haupt und Gliedern, aus der
Sicht des Himmels eine
einzige Person bildet.
Die
Einheit und Stärke, in der Gott diese Christusperson
sieht, ist so gewaltig, daß das Wort Gottes von Jesus
als „dem Haupt über alles der herausgerufenen
Gemeinde” spricht, indem Gott, der Vater, Ihm alles
unterordnet, „Ihm zu Füßen”, [4] nach Seinem Vorsatz, „um in Christus das All (oder alles)
aufzuhaupten, beides, das in den Himmeln und das auf der
Erde”, wenn die Zeit hierzu erfüllt ist (Eph 1.
10, 22), [5] so daß Jesus, das Haupt der Gemeinde,
zusammen mit dieser und durch sie auch zum „Haupt über alles”
werden kann.
Dies ist
es, wozu der Apostel die Epheser in seinen Gebeten
erwähnt,
„damit der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der
Herrlichkeit, euch geistliche Weisheit und geistliche
Enthüllung zur Erkenntnis Seiner
Selbst gebe, (nachdem die Augen eures Herzens erleuchtet
wurden), damit ihr wißt, was das Erwartungsgut Seiner
Berufung ist”
Eph 1. 16 bis 18,
und wozu
jene Einheit des Christuskörpers, zuerst mit seinem Haupt und
darin auch unter seinen Gliedern, offenbar werden muß, damit Gott solches mit Seiner
Gemeinde vollbringen kann. – Diese Wahrheiten sind
mir erst nach längerer Zeit, auch des Zerbruches, nachdem
sie auch schon früher hier und da einzeln aufgeleuchtet
sind, nun um so deutlicher, ja herrlicher und strahlender als
je zuvor geworden, nachdem ich erkennen mußte, daß
man solches „Wissen” wohl „im Kopfe haben kann”, es dort aber
nichts nützt; da es uns wirklich von oben her geoffenbart worden sein
muß. –
Hier
wird
auch
deutlich,
worin
unsere
Einheit nur gegründet sein kann – sie fußt nämlich allein
in der oben beschriebenen Erwartung des Kommenden, dessen
nämlich, den es hier zu erkennen gilt, als dem, der die
Gemeinde zu dem herrlichen Ziele führen will, von dem
Paulus hier spricht. Daher können alle anderen Erwartungen,
von denen es in unseren Tagen nur allzu reichliche gibt – wie
etwa die Erwartung eines irdischen Reiches, einer irdisch
fixierten „weltweiten Erweckung” (von der man immer wieder
hört, die aber in der Schrift keineswegs verheißen
ist), [6] die Erwartung überhaupt
von Irdischem, von Wohlstand auf der Erde oder gar die
Ausrichtung auf menschliche Ehre – nur zur Spaltung des
Christuskörpers führen, und werden zwangsläufig
auch dazu führen müssen. In dieser Ausrichtung auf Irdisches anstelle
des uns zugeordneten himmlischen Erwartungsgutes liegt
letztlich auch der wesentliche Grund für den
jämmerlichen Zustand der Gemeinde, wie er sich uns heute
darstellt. Das Wort Gottes läßt jedenfalls keinen
Zweifel daran, daß wir uns mit dem Himmlischen und nicht
so sehr mit dem Irdischen beschäftigen sollten.
Diese
Einheit,
wie
sie
nur
im
Geist verwirklicht werden kann, hat auch nichts gemein mit so
manchen und vielerlei „Einheitsbestrebungen”. Sie kann und wird
sich nur dann einstellen, wenn wir gemeinsam in jener Einheit
mit dem Haupt stehen, in solcher Abhängigkeit von
Ihm, wie Er es mit dem Vater war und es uns in dem
Hohepriesterlichen Gebet überliefert worden ist (Jo 17). Es
ist jenes Gebet, das der Herr vor Seinem Opfer am Kreuz gebetet
hat, Ausdruck des letzten Willens Dessen, der sich eben zu
sterben anschickte. Insofern kommt es geradezu einem
Vermächtnis gleich. Und niemand sonst als nur Johannes, der
Jünger, den Jesus liebhatte, und der ganz nah am Herzen
des Meisters ruhte (Jo 21. 20, 24), hat es uns
überliefert. Ruhen auch wir am Herzen des Meisters, dann
werden also auch wir zu gleicher Erkenntnis gelangen. Dann wird
sich auch die Einheit mit all denen einstellen, die
gleichermaßen allein auf Jesus als unserem
verherrlichten Haupt ausgerichtet sind, und die bei vielen
erkaltete Liebe, auch untereinander, wird dann wieder oder ganz
neu entfacht werden können, weil der Eine, der wirklich
lieben kann, endlich wieder in unserer Mitte ist. –
Menschliche Bemühungen aber [7]
werden dies nicht erlangen können, da sie den
kläglichen Versuch darstellen, am Haupt der Gemeinde
vorbei, die Einheit ohne eine solche ständige Ausrichtung
zu erzielen; sie waren und sind zum Scheitern verurteilt.
Der
Christuskörper,
die
Gemeinde
also
stellt,
wie wir nachfolgend immer wieder sehen werden, auch jenen
heiligen Tempel dar, das Haus Gottes, von welchem Gott [8]
gesagt hatte, daß Er Selbst in ihnen, das sind die den Tempel
bildenden Glieder, wohnen und „unter ihnen wandeln” will
(2Kor 6. 16). Somit erscheint uns dieser Tempel als ein Ort des Redens Gottes und
Seiner Gegenwart, der Herrschaft
Seines Throns und der unmittelbaren Gemeinschaft mit Ihm; ein Ort, in dem der
Mensch zu schweigen und dem nichts von sich aus
hinzuzufügen hat; denn wer in die Gegenwart Gottes eintreten will, von dem
wird – im Bilde – gleichwie von einem Mose verlangt, ‚seine Schuhe auszuziehen’,
„denn die
Stätte, auf der du stehst – sie ist heiliger Boden” (2Mo 3.
5). –
Dies zeigt uns, wie weit wir von dem Zustand, ja einzigem Zweck noch
entfernt sind, zu welchem Gott diese Stätte Seiner
Gegenwart erwählt hat. Wie diese Gegenwart sich
auswirkte, das zeigen die ersten Kapitel der Apostelgeschichte
eindrucksvoll. Nichts Unheiliges konnte sich halten, ohne
daß das Gericht des unmittelbar gegenwärtigen Gottes
Seinen Tempel reinigte und seine Heiligkeit aufrechterhielt. Die
Geschehnisse um Ananias und
Sapphira (Apg 5. 1 - 11) beleuchten diese
Heiligkeit eindrucksvoll. Der soeben erstandene Tempel Seines
Leibes war so heilig, daß von den Außenstehenden es
niemand auch nur wagte, sich aus eigenem Antrieb zu der Schar
der diesen Tempel bildenden Jünger hinzuzutun (5. 13 - 14).
Und so war es immer der Herr
Selbst, Er ganz allein, der Seinem Tempel neue
lebendige Steine hinzufügte (2.47b). Dies währte so
lange, bis der Mensch das Zepter in die eigenen Hände nahm.
DIe Resultate der Kirchengeschichte sind vor aller Augen. Wie
also sieht das Gebäude aus, das sich uns heute darbietet?
Es erscheint längst nicht mehr in dem Zustand des Tempels,
wie Gott ihn Sich wünscht; verunstaltet durch unser
aller Menschenwerk,
zeigt es sich in einer Verfassung, die eines Zerbruches, ja
eines Abbrechens ganzer Strukturen und Gebäudeteile, der
Reinigung und grundlegenden
Erneuerung bedarf, die weitaus tiefer gehen wird, als
wir vielleicht auch nur zu ahnen wagen. In bespiellosem Hochmut
haben wir es gewagt, die Heiligkeit Gottes zu profanieren und
selbst Hand an Seinen Tempel zu legen, mit frommen Worten zwar
und stets „nach der Bibel”, aber doch in Eigenregie zu bauen, zu
schalten und zu walten. Und noch immer haben wir, die wir uns
Christen nennen, nicht begriffen, daß wir es bei diesen
Tempel nicht mit einer Gemeindestruktur, sondern mit dem
dreimalheiligen Gott Selbst zu tun haben, Der ihn bewohnen, regieren und
mit Seiner Gegenwart ganz erfüllen möchte! Wir werden nicht umhin kommen
können, anzuerkennen, daß all das, was Menschen
errichtet haben, nicht von Ihm ist und deshalb nicht in Seinen
Tempel gehört.
Mögen wir daher zu jener durchgreifenden Umkehr in der Lage
sein, die hierzu in den unmittelbar vor uns liegenden Zeiten,
die jedoch schon begonnen haben, zu einem solchem Zerbruch
notwendig sein wird. –
Wir glauben, daß Gott
Selbst in diesen Tagen die Gemeinde, die ja Seine und nicht etwa
„unsere” ist, als Seinen Körper und Tempel, wieder herstellt. Er allein schafft das, was Menschen nicht werden
vollbringen können. Es ist nun an uns, jenen Zerbruch zuzulassen, der hierzu unabdingbar
ist; es ist dies, Geburtswehen gleich, ein
schmerzhafter und uns schwierig erscheinender Vorgang, der aber
endlich zu der „Geburt” jenes „mannhaften Sohnes” führen
wird, durch den Gott Sich uneingeschränkt und unmittelbar, als mit und in diesem
Selbst gegenwärtig, verherrlichen kann (siehe Eph
4. 13, Off 12. 1 - 5; vgl. auch Ga 4. 19). Dieses Stadium des
männlichen Sohnes kennzeichnet die Vollreife des Leibes.
Johannes
sah in seinem Evangelium, gewissermaßen prophetisch, die
gleiche Situation. Er erkannte Jesus, als Er in den Tempel
Gottes kam, und bevor dort
irgend etwas anderes geschehen konnte, diesen zu reinigen
suchte. Dies gehört mit an den Beginn des öffentlichen Wirkens
unseres Herrn überhaupt, [9]
über das uns Johannes berichtet, und er erwähnt es in
seinem Bericht mit an vorderer Stelle.
13 b Dann zog Jesus hinauf nach Jerusalem. 14 Er fand
dort in der Weihestätte die Verkäufer von Rindern,
Schafen und Tauben und die Geldwechsler sitzen. 15 Da
machte Er aus Stricken eine Peitsche und trieb sie alle aus
der Weihestätte hinaus samt den Schafen und den Rindern,
schüttete das Wechselgeld der Makler aus und stieß
die Tische um. 16 Zu denen, die Tauben verkauften,
sagte Er: „Nehmt diese von hier fort! Macht nicht das Haus
Meines Vaters zu einem Kaufhaus! 17 Da erinnerten sich
Seine Jünger, daß geschrieben ist: Der Eifer um
Dein Haus wird Mich verzehren. (Ps 69. 10) 18 Die
Juden nun antworteten Ihm: „Was für ein Zeichen zeigst
Du uns, daß Du dies tun darfst?” 19
Jesus antwortete ihnen: „Reißt diesen Tempel nieder,
und in drei Tagen werde Ich ihn aufrichten!” ...
21 Er aber hatte von dem Tempel Seines Körpers gesprochen.
Jo 2. 13b - 19, 21
In dem vorliegenden
Bericht des Johannes spricht Jesus von einem Zeichen, das gegeben
werden würde. Zuvor hatte Er diejenigen, die im Tempel Handel trieben,
indem sie an geweihtem Ort mit dem Verkauf der als Opfergaben
(für die Zehnten) vorgeschriebenen Tiere ihr Geld
verdienten, mit Nachdruck
vertrieben mit dem Hinweis, das Haus Seines Vaters mit
solchem Treiben nicht zum
Kaufhaus zu machen, und macht damit klar, daß
Er der Sohn des Hausherrn
ist, der in Seinem Hause solches nicht dulden wird. – Sein Haus ist kein Kaufhaus,
in dem nur der Gott nahen und an Seinen Segnungen und Dienst
teilhaben kann, der dafür „zahlen kann, der hierzu etwas
leistet”, sondern soll
„ein Haus
des Gebets für alle Nationen heißen”.
Sie aber
machen es zu einer
„Höhle für
Wegelagerer” (Mk 11. 17). [10]
Das
geläufigere Wort hierfür ist Räuberhöhle;
dagegen ist Höhle
für Wegelagerer der genauere Begriff. Hier geht
es tatsächlich um Wegelagerei
an einem Weg, der eigentlich ein Weg zu Gott sein
sollte. Wegelagerer leben von denen, die regelmäßig „des Weges” kommen. Aus genau dem Grunde haben sie sich
dort niedergelassen. Wie bei den Karawanenräubern ist das
Ganze den meisten verborgen, solange, bis sie merken,
daß sie beraubt worden sind. Hier aber sind die am Weg Gottes Herzukommenden die
Opfer, da ihrem Zugang zu Gott – letzten Endes – Barrieren
und Schranken errichtet werden, an denen der, der Gott nahen
will, zuerst ihnen gegenüber etwas zu erbringen und abzugeben
hat, bevor er Gott nahen darf. Wer nicht zuvor bei ihnen
„kauft”, der ist nicht mit dabei. Sind sie es doch, die die
Herzukommenden erst mit dem zum Zutritt notwendigen Opfer „ausstatten”; deren Glaube
wird für sie zu einem Geschäft. [11] – Was sagt der Herr
des Hauses dazu? Solche
gehören nicht in den Tempel Gottes, und deshalb
reißt der Herr ihre gesamte – vermeintliche – Ordnung
herunter, indem Er „das
Wechselgeld der Makler” [12] ausschüttet, Tische und Stühle dieser Räuber, denn als
solche bezeichnet Er sie, umstößt, und nicht
zuläßt, daß auch nur irgend „jemand dergleichen Gerät
durch die Weihestätte” trage, und wirft sie, mit
all dem, was sie hierzu von
außen hineingebracht haben, mit Nachdruck
wieder hinaus. Selbst
die zur Schlachtung feilgebotenen Schafe und Rinder werden
hinausgetrieben, da das von Gott ersehene Schlachtopfer, das
wahre Lamm Gottes, Selbst
vor ihnen steht; ein Symbol dafür, daß der
alttestamentliche Opfer- und Tempeldienst, wie jegliche selbsterwählte Form
eines vermeintlichen Gottesdienstes sonst auch, aufhören wird. – Die
Juden fordern nun, um seine Legitimation hierzu in Frage
stellen zu können, ein Zeichen seiner Vollmacht.
In dem ganzen
Bericht geht es allein um das Haus, den Tempel Gottes.
So ist das Zeichen, von
dem Jesus hier spricht, das
Niederreißen „dieses Tempels”, welchen Er drei Tage nach
dessen Abbruch neu aufrichten würde. Dieses Zeichen ist,
wie die ganze vorangegangene Handlung, prophetischer Natur:
Der alttestamentliche Tempel und die alte Art des Gottesdienstes
würden ein Ende haben, ein neuer Tempel erstehen. Das Ganze ist
doppeldeutig: Denn dieser von
Jesus gemeinte Tempel, so beschreibt Johannes, ist Sein eigener Körper
(Jo 2. 21), und zwar zunächst der vor Seiner Auferstehung; Er
spricht also von dem Abbrechen seines eigenen und von dem
Auferstehen eines, Seines
neuen Körpers: Dabei würde nicht Er der
Einreißende sein, sondern Sein Körper würde
durch die Vertreter der religiösen Oberschicht, zu denen er
hier spricht, „niedergerissen” werden:
„Reißt
(ihr !) diesen Tempel nieder; und in drei Tagen werde Ich ihn aufrichten” (Jo 2. 19). [13]
Vorgezeichnet wird dies bereits vorher durch den Hinweis auf die
alttestamentliche Voraussage, daß der Eifer um das Haus Gottes Ihn
verzehren würde (Jo 2. 17).
Dieses
Geschehen
finden
wir
in
der
Kreuzigung und Auferstehung Jesu erfüllt. Er wurde von den
Pharisäern an die Römer ausgeliefert und durch deren
Hand getötet. Er starb um
der Sünde willen am Kreuz. Gleichwie nun ein
Weizenkorn allein bleiben wird und keine Frucht bringen
kann, wenn es nicht in die Erde gelegt wird und stirbt (Jo 12.
24, 25), so mußte auch der Herr sterben, in die Erde (in ein Grab) gelegt werden
und nach drei Tagen auferstehen (Mt 27. 63), um die Frucht hervorbringen zu
können, zu der Ihn Sein Vater bestimmt hatte: nämlich
die Seinen, die Ihm der Vater
nach Seinem Todesleiden gegeben hat (vgl. Hbr 2. 9 - 12).
So wurde Er zum „Erstgeborenen
unter vielen Brüdern” (Rö 8. 29; Hbr 1. 6)
, zum „Haupt der Gemeinde, deren Anfang Er ist als Erstgeborener aus den Toten” (Kol 1. 18): Er starb und
wurde, einem Samen gleich, in die Erde gelegt; Er war
hinabgestiegen „in die
untersten Örter des Todes”, wo Er nicht gehalten
werden konnte, da der Tod keinerlei Anrecht auf Ihn hatte (siehe
Apg 2. 24) - Er stand durch die wirksame Kraft Gottes auf und
war nun wiedergeboren worden als der Erste aller derer, die nach
Ihm von neuem geboren werden würden und aus denen sich dann
der neue Tempel Seines
Körpers, als dessen auferstandene Glieder,
zusammensetzen würde.
Um
diesen
Körper
des
Christus
nun
in der richtigen Weise zu verstehen, benötigen wir
zunächst ein Verständnis dessen, was Jesus in Seinem
Leibesleben hier auf der Erde tat und vor allem, in welcher Eigenschaft und in
welcher Art und Weise Er es tat. Wir sehen, daß der Herr
absolut keinerlei sichtbare Wirksamkeit auf der Erde
ausübte, und dies für die längste Zeit Seines
irdischen Lebens, nämlich über ganze dreißig
Jahre hinweg, bevor Er
nicht angetan worden war mit der Kraft aus der Höhe, und
bevor nicht Zeit und Stunde gekommen war. Erst nach Seiner
Taufe war Er somit zum Christus
(Messias) gesalbt worden. Er konnte jedoch nichts tun
ohne den Vater und ohne diese Ausrüstung aus der Höhe.
Getauft stieg Jesus sogleich aus dem Wasser, und siehe, da
öffneten sich ihm die Himmel; er gewahrte den Geist Gottes
wie eine Taube herabsteigen und auf Ihn kommen. Und siehe, eine
Stimme aus den Himmeln sagte: „Dies ist Mein geliebter Sohn, an
Ihm habe Ich Mein Wohlgefallen”.
Mt 3. 16 - 17
Dieser Punkt markiert den Beginn
Seiner Wirksamkeit:
Von da an [14] begann
Jesus zu herolden und zu sagen: „Sinnet um! Denn das
Königreich der Himmel hat sich genaht!”
Mt 4. 17
Bereits hier erkennen wir eines der größten, ja
tragischsten Mißverständnisse über den Dienst
und die Wirksamkeit Jesu. Viele Menschen glauben, daß
der Herr all die Erweise Seiner Kraft, Wunder und Zeichen in
göttlicher Eigenschaft aus Sich Selbst heraus vollbracht
habe. So genannte „Glaubenslehrer”
bringen uns dazu, „Wunder
und Zeichen” selbst zu vollbringen, und lehren uns, den Weg
scheinbar „göttlicher” Gesetze, Prinzipien und Praktiken
zu gehen. Die Heilige Schrift lehrt dagegen völlig klar
und unmißverständlich, daß Jesus Seine
Gottesgestalt vollständig abgelegt hatte: Er wurde Mensch wie wir (Phil 2. 6
- 8). Was jene lehren, ist Magie in „christlichem” Gewand; was Jesus uns
lehrt, ist Abhängigkeit von Gott.
Denn Er,
der
nun
nicht
mehr
in göttlicher Eigenschaft auf der Erde war, sondern als Mensch, der Gott
in völligem Gehorsam ausgeliefert war, konnte aus diesem
Grunde erst wirksam werden, nachdem
Ihn der Vater mit der Kraft des Heiligen Geistes
ausgerüstet hatte. Er war deshalb vollkommen –
ununterbrochen – abhängig vom Vater und wurde Ihm gehorsam [15] – bis hin
zum Tode am Kreuz. Allein
diese Salbung und Abhängigkeit vom Vater machte Ihn, den
Menschen, zum Gesalbten, zum Christus. [16] In diesem
Zusammenhang erschließt sich uns auch die Aussage des
Paulus:
„Denn einer ist Gott, und einer ist
Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.”
1Tim 2. 5, Revidierte Elberfelder
Das
größte
Mißverständnis
des
Dienstes unseres Herrn beruht daher auf einem fehlenden
Verständnis Seiner unmittelbaren
Abhängigkeit vom Vater. Oben ist das schon etwas
angeklungen. Und so wird, nachdem wir durchaus die Salbung des
Heiligen Geistes erhielten, diese notwendige Abhängigkeit
übergangen, weil man uns gelehrt hat, daß wir nun die Kraft zum Dienst
besäßen, und
die „Dinge Gottes
selbst durch Glauben
aneignen und vollbringen” könnten. Gerade diese Sichtweise
ist jedoch eine gefährliche Entstellung der Wahrheit, weil sie an Gott selber
vorbeigeht. Demzufolge gehen wir unweigerlich in die Irre, in
Stolz und Verblendung hinein, wenn wir das persönliche und
direkte Nachfolgen Jesu mit jenem Befolgen von „Glaubensprinzipien” ersetzen, wie dies in diversen Lehren der so
genannten „Glaubensbewegung” und artverwandten Gemeinschaften
vielfach der Fall ist. Der wesentliche Kern der Wahrheit besteht
darin, daß Jesus andauernd,
beständig abhängig war von dem jeweils aktuell geoffenbarten
Willen Seines Vaters. So vollbrachte der Sohn absolut nichts,
was Er nicht auch den Vater hatte tun sehen; und ebenso
können wir nichts tun, was wir nicht auch den Sohn tun
sehen, welcher uns den Vater offenbart (vgl. hierzu Jo 4. 25,
Kap. 5. 18 - 20, 14. 8 - 15, 15. 4 - 11 und 15; Kap. 17. 21 -
24). [17] Der ‚Schlüssel’ zum Reich Gottes ist die
geistliche Armut, das bedeutet, nichts aus sich selbst zu
haben und in allem auf Ihn angewiesen zu sein. Dies ist die erste Feststellung, mit der
Jesus Seine uns als Bergpredigt überlieferten Aussagen beginnt (siehe hierzu Mt 5.
2, Lk 6. 20). – Jener „Schlüssel
der Erkenntnis” ist es auch, den die Pharisäer
infolge ihres eigenen
Tuns, des buchstäblichen
Erfüllens und Befolgens
des Gesetzes, und des damit verbundenen Aufrichtens ihrer
eigenen Gerechtigkeit [18]
weggenommen hatten,
indem sie nicht in das Reich
Gottes eingingen, und dies auch den Hineingehenden
verwehrten (Lk 11. 52).
Gleichwie
nun
der
Herr
in
Seinem
irdischen Dasein ausgerüstet und geleitet worden war, wird
nun auch die Gemeinde
auf Erden angetan und geführt:
„So wie der Vater
Mich ausgesandt hat, sende auch Ich euch” (Jo 20.
21).
In dieser Sache gibt es keinen Unterschied. Wie Er dürfen
auch wir, wollen wir Ihm dienen, unser Leben nicht lieben bis in
den Tod; gleich Ihm werden wir in
den Tod getauft; was den wohl stärksten Ausdruck
in der Taufe nach Römer 6 findet. Dies bedeutet für
uns nicht weniger als den Verlust des alten, fleischlichen
Lebens mit allen seinen Fähigkeiten und seiner
vermeintlichen, eigenen Stärke, die Gott nicht gebrauchen
kann. Gleich Ihm werden auch wir demzufolge angetan mit der
Kraft, der Salbung des Heiligen Geistes, ohne die wir absolut
nichts, aber auch gar nichts tun können. Gleich Ihm – ja
mehjr noch als Er – müssen wir Gehorsam lernen und sind beständig abhängig
vom geoffenbarten Willen des Vaters und Seinem Plan. Nicht
umsonst waren ja die Jünger angewiesen worden, in Jerusalem zu warten, bis
die „Verheißung des
Vaters” gekommen wäre, was wir in dem
Geschehen am Tage der Pfingsten, als in der Tat die Kraft aus
der Höhe auf sie kam und sie vollkommen veränderte, in
wunderbarer Weise erfüllt sehen. [19]
Was in diesem Raum, in dem die
Jünger versammelt waren, eigentlich
geschah, ist vielen unter uns gar nicht geläufig. Die
Feuerzungen und verschiedenen Sprachen vermögen dies auch
nur anzudeuten; Hintergrund des eigentlichen, gewaltigen und
übernatürlichen Geschehens sind selbst sie nicht. Was hier geschah, ist nicht weniger
als die übernatürliche Bildung und Einsetzung
des Christus auf Erden,
des Gesalbten, bestehend aus Jesus, dem Haupt, und seinem
Körper, der Gemeinde, repräsentiert durch die vielen
Glieder, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Als
Jesus
noch
nicht
in
den
Himmel aufgenommen worden war, hatte Er die Jünger
angewiesen,
„nicht von Jerusalem zu scheiden, sondern die Verheißung
des Vaters abzuwarten, ‚die ihr von Mir gehört habt; denn
Johannes hat nur mit Wasser getauft, ihr aber werdet nicht
sehr lange nach diesen Tagen in Heiligem Geist getauft
werden’.”
Apg
1. 5,
woraufhin
sie sich versammelten und einmütig im Gebet anhielten (Vers
14). Am Pfingsttage waren sie dann, so wörtlich, alle zusammen auf ein und dasselbe
hin, nämlich auf das Reden und
die Offenbarung des Herrn gemäß Seiner unmittelbar
zuvor an sie ergangenen Verheißung, ausgerichtet. [20]
Im Folgenden soll auf die wunderbaren Geschehnisse, die aus
der Gruppe der versammelten Jünger einen Leib, den
Körper des Christus machten, näher eingegangen
werden.
1 Als sich der Tag der
Pfingsten erfüllte, waren alle zugleich am selben
Ort. 2 Da geschah plötzlich
aus dem Himmel ein Brausen, wie ein daherfahrendes,
gewaltiges Wehen, und erfüllte das ganze Haus, wo sie
saßen. 3 Und es erschienen ihnen
Zungen, wie von Feuer, die sich zerteilten, und es setzte
sich eine auf jeden von ihnen, 4
und sie wurden alle mit heiligem Geist erfüllt und
fingen an, in anderen Zungen zu reden, wie der Geist es
ihnen eingab, auszusprechen.
Apg 2. 1 - 4
Hier erleben die Jünger die
äußerliche Manifestation dessen, was der Herr ihnen
angekündigt hatte: Gott gießt Seinen Heiligen Geist
aus, der ihnen als ein
Feuer erscheint, das sich in viele
Flammen zerteilt und sich auf sie setzt, und zwar jede Flamme auf jeden einzelnen
von ihnen. Sie alle werden erfüllt mit dem Heiligen
Geist, überströmend, und fangen an, in anderen als
ihren eigenen Sprachen von den großen Taten Gottes zu
reden (Vers 11), Gott also zu loben und zu preisen, den
Umstehenden zum Zeugnis.
Auf deren spöttelnde Bemerkung, daß
die Jünger betrunken seien (Vers 13), gibt Petrus, nun
geführt durch den Geist Gottes, seine bemerkenswerte Rede, in
der er unter anderem ausführt:
22 Männer,
Israeliten, hört diese Worte: Jesus den Nazarener, unter euch als ein von
Gott gesandter Mann durch Machttaten, Wunder und Zeichen
erwiesen, die Gott durch Ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr
selbst wißt,
23 diesen Jesus,
der euch nach dem festgesetzten Ratschluß und der
Vorerkenntnis Gottes ausgeliefert wurde, habt ihr durch die Hand
von Gesetzlosen ans Kreuz heften und hinrichten lassen; 24 den hat Gott
auferstehen lassen, indem Er die Wehen des Todes löste,
weil Er unmöglich von ihm gehalten werden konnte... 32 Diesen Jesus hat Gott
auferstehen lassen, dafür sind wir alle Zeugen. 33 Nachdem Er nun zur Rechten Gottes
erhöht worden ist und
die Verheißung des Geistes, des heiligen, vom Vater
erhalten hat, gießt Er das aus, was ihr jetzt erblickt und
hört...
36 Mit
Sicherheit erkenne daher das ganze Haus Israel, daß Gott
Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr
gekreuzigt habt.
Apg 2. 22 - 24, 32 - 33, 36
Petrus
spricht hier von dem
Menschen Jesus, dem Nazarener, der von Gott gesandt
war, und durch den Gott in der beschriebenen Weise wirkte, und
der durch die Umstehenden („ihr”)
an die Gesetzlosen ausgeliefert worden war, damit diese ihn
kreuzigten. Er spricht von dem Jesus, der nach dem
Ratschluß Gottes für die Sünde der Menschheit
sterben sollte, und an dem das Gericht Gottes stellvertretend
für uns vollzogen wurde. Er redet von Dem, der, nachdem
er gestorben war, nicht vom Tode gehalten werden konnte, da
keine eigene Sünde an Ihm zu finden war, von Dem, den
Gott Selber hat auferstehen lassen.
Dieser Jesus, nachdem Er auferstanden war,
ist nun – soeben! – zur Rechten
Gottes erhöht worden und erhält jene
Verheißung des Vaters, den Heiligen Geist, die Ihn zum Herrn, zum Haupt und
jene versammelte Schar auf der Erde zum Körper des
Christus macht, und gießt gerade das aus, was „ihr jetzt erblickt und hört”.
Damit hat nicht weniger stattgefunden als die göttliche
Einsetzung des Christus,
des Gesalbten, auf der Erde, der aus dem Haupt, dem
Herrn im Himmel, und den Gliedern besteht, die nun durch den
Einen Geist zu Einem Körper getauft wurden, Seiner
Gemeinde (vgl. 1Kor 12. 13, Ga 3. 27). – Dies ist der
eigentliche Inhalt dieser Rede.
Durch den
vom Haupt empfangenen und auf die Versammelten ausgegossenen
Heiligen Geist werden diese nun zu einem Körper,
der ab sofort vom Geist Gottes Selber geleitet, mit
Kraft erfüllt und zum Dienst befähigt wird. Dieser
Körper wird nun dem Haupt, dem Herrn im Himmel, hinzugefügt; somit ist
der Christus, der Gesalbte Gottes auf Erden,
geboren. Gott Selbst kommt zu
den Menschen; es ist ja nicht nur der Körper des
Christus, sondern damit auch der Tempel Gottes, die Behausung
Gottes im Geist [21]
entstanden; Gott Selbst wohnt mitten unter den Seinen und spricht
und wirkt nun unmittelbar
unter uns gegenüber einer gefallenen Welt.
Die
äußerlichen Kennzeichen des Geschehens am
Pfingsttage verdeutlichen diese begonnene Innewohnung Gottes inmitten Seines Tempels,
zu dem die Versammelten geworden sind, in einer signifikanten,
ja atemberaubenden Weise. Es ist der eine Geist, der in Form
des Feuers auf die Versammelten fällt, sich in einzelne
Flammen zerteilt und, jedem nach seinem Anteil, auf sie setzt
– eine einzelne Flamme des
einen Feuers auf jeden einzelnen, was anzeigt,
daß jeder
einzelne des nun entstandenen Leibes Christi auf Erden seinen ganz bestimmten Anteil
desselben Einen Geistes erhalten hat. Es ist die ganze versammelte Schar,
die in verschiedenen – allen Umstehenden vertrauten – Sprachen
nun anfängt, von den großen Taten Gottes zu reden:
eine Zurschaustellung des Körpers des Christus für
alle Anwesenden, der aus den vielen Gliedern besteht, die aus
allen Völkern und Stämmen herausgerufen worden sind,
die nun durch den einen Geist Zeugen Seiner Herrlichkeit
geworden sind und durch die Gott jetzt – und zwar durch alle von ihnen, ein jeder
nach seinem soeben empfangenen Anteil des Geistesfeuers –
redet und handelt.
Kann es auf der Erde
noch Gewaltigeres geben ? –
„O kommt und staunt und
betet an den Herren Jesus Christ.
Er hat so Großes uns
getan, das nicht zu sagen ist.” –
Genau
so,
wie
Jesus
während
Seines
Erdenlebens in Seinem Körper den Christus (den
Gesalbten) zur Schau stellte, so stellt nun, nachdem sie eben
mit der Kraft des Heiligen Geistes gesalbt worden ist, die
versammelte Gemeinde in
der Vielzahl von Menschen insgesamt den Körper des Christus dar
und kann nun all das, was Jesus als nur eine einzelne durch
seine Körperlichkeit an einen Ort gebundene Person
vollbrachte, noch viel umfassender ausführen. Während
Jesus, das Haupt, nun im Himmel ist, wandelt somit Sein
Körper noch immer auf der Erde und vollbringt, geführt
vom Haupt, den Willen des Vaters.
Gleichwie
Jesus
während
Seines
irdischen
Wirkens
nach der Ihm verliehenen Salbung alle Dienste in Sich vereinigte und
durch Seine Glieder, Seine Hände, Seine Füße,
Seinen Mund usw. ausübte, übt nun die Gemeinde, Sein
Körper, alle Dienste durch alle ihre Glieder aus (vgl. Eph 4. 6). Die
Gemeinde als der zum erhöhten Haupt gehörende
Körper ist nun das Organ geworden, das Gott gebraucht, um
Seinen Willen kundzutun und Seine Pläne zu offenbaren.
Welch gewaltige Frucht es hervorbrachte, und welche Heiligkeit
und Furcht Gottes sich vielmehr offenbarte, als die versammelte
Gemeinde als Körper unter
der Herrschaft des unmittelbar gegenwärtigen Hauptes
durch den in ihnen wohnenden und sie führenden Heiligen
Geist im Gehorsam gegen den
Gott, der Seinen Thron in ihrer Mitte aufrichten konnte, zu
wirken begann, zeigen die ersten Seiten der Apostelgeschichte
und auch so manches spätere Zeugnis vieler dem lebendigen
Gott wirklich Hingegebener zur Genüge. – Laßt uns gemeinsam ihren Weg gehen!
* * *
Anmerkungen,
Erklärungen und Kommentare zum Thema
[1]
Ergänzend sei hierzu auf die Schrift „Die
Versammlung Gottes - Die Herausgerufene als
Hinauf-Zusammenführung des Herrn und Tempel Gottes”
verwiesen.
[2] grie.
anthropos, Hinauf - Gewandt - Schauender (nach:
Konkordantes NT). Dieser Eine, aus Haupt und Gliedern nach dem
Bilde Gottes neuerschaffene Mensch ist der, welcher den Vater
anschaut, und in welchem Der Vater Sich und Seine Herrlichkeit
widerspiegeln kann. Jesus hatte gesagt, „Ich habe die
Herrlichkeit, die Du Mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit
sie EINS seien, so wie wir eins sind: Ich in ihnen und Du in Mir, damit
sie zur Einheit hin vollendet werden und damit die Welt
erkenne, daß Du Mich ausgesandt hast und sie liebst, so
wie Du Mich liebst”
(Jo 17. 22, 23). -
[3] Christus,
die lateinische Form (Bibelübersetzung Vulgata) des
griechischen Christós, welches wiederum die Übersetzung
des hebräischen Wortes Messias darstellt, „der
Gesalbte”.
[4] Die Füße laufen
auf der Erde. Es sind ‚die Füße’ der Gemeinde, die – als der auf Erden
wandelnde Teil dieses Christuskörpers - zusammen
mit dem Haupt „den Christus”, „den Gesalbten” auf der Erde bilden. – Es muß
hier ergänzend jedoch auch gesagt werden,
daß wir an dieser Stelle oftmals einen Schnitt gemacht
haben, ganz als ob wir auf der Erde Lebenden schon den gesamten
Christuskörper ausmachten. Dem ist jedoch nicht so. Zum
Körper gehören nach dem Haupt ja nicht nur die
Füße, die auf der Erde wandeln, sondern auch der ganze
Körper, der in allen seinen Gliedern sich durch
die Himmel hindurch bis hin zu unserem erhöhten und
verklärten Haupt erstreckt. Hier
erschließt sich das Wort, das Jesus dem Petrus
erwiderte, als Er den Jüngern die Füße
wusch; während Petrus Ihn bat, auch die Hände und
das Haupt zu waschen, erwiderte Jesus ihm, daß es
ausreichend sei, die Füße – als dem auf Erden
wandelnden Teil des Körpers – zu reinigen (Jo 13. 5 -
10). Dieselben Füße auf Erden werden auch
mit dem Öl des Heiligen Geistes gesalbt, um einerseits
ihre Inbesitznahme durch Gott anzuzeigen, und um
andererseits – daraus resultierend – das Werk auf dieser
Erde tun zu können, zu dem Gott sie gesetzt hat. Prophetisch
wird dies dadurch veranschaulicht, daß Jesus
gestattete, daß jene Maria aus dem Dorf des Lazarus
ihm die Füße zunächst mit ihren
Tränen wusch, mit ihren Haaren abtrocknete und sie
anschließend mit kostbarem Würzöl einrieb,
welches sie an dem Tage Seiner Bestattung wiederholen sollte
(vgl. Jo 11. 2 und 12. 3; siehe auch Lk 7. 38 - 39).
Dieser Tag Seiner Bestattung – als dem des Abbrechens des
Körpers Seines Fleisches, in dem Er in die Welt
gekommen war – würde unmittelbar hinführen zur
Auferstehung und somit einmünden in die Erschaffung
Seines neuen Körpers, der Gemeinde (vgl. Jo 2. 19 -
21), deren Teil die auf der Erde wandelnden
Füße darstellen. Wenn wir also von den Füßen
als von dem Christus auf Erden sprechen, ist
demgemäß eigentlich der auf Erden lebende Teil
der gesamten Christusgemeinde zu verstehen. Der ganze
Christus ist doch so unendlich viel größer,
als wir alle zu denken wagen; er ist selbstverständlich
nicht nur über unser örtlich begrenztes Denken
erhaben, als ob unsere kleine, vor Ort begrenzte Gemeinschaft,
unsere Kirche, Richtung und Lehrgebäude, oder unsere, wie
wir behaupten mögen, vorgeblich „von all diesem freie” Gemeinde schon alles seien, sondern er
übersteigt bei weitem unseren kleinen Horizont, bei dem
wir nicht weiter als bis zu dem Sichtbaren, irdisch
Faßbaren schauen können.
Wie
geringfügig
und
völlig
unzureichend
bislang
oftmals
unsere
Schau gewesen ist, erzeigt sich in der gewaltigen
Perspektive, die etwa der Schreiber des Hebräerbriefes
uns vor unsere geistlichen Augen malt, indem er seinen
Lesern und Zuhörern zeigt, zu welch einer gewaltigen
und unfaßbaren Dimension der himmlischen Welt
Gott sie herbeigerufen hat: „Doch ihr seid zum Berg Zion herzugetreten und zur
Stadt des lebendigen Gottes, dem überhimmlischen
Jerusalem, zu einer All-Zusammenkunft und zu der
herausgerufenen Gemeinde der Erstgeborenen,
angeschrieben in den Himmeln, und zu Gott, dem Richter
aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten
und zu dem Mittler eines frischen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der
Besprengung, das besser spricht als das Abels” (Hbr 12. 22 -
24).
Zurück zum Haupttext
Gerade der Hebräerbrief offenbart in
einer einzigartigen Weise, daß um uns herum jene sind,
die ihren Lauf schon vollendet haben, indem er von der uns
umgebenden Wolke von Zeugen spricht, die nun
wiederum unserer Vollendung entgegenfiebern, da sie
nicht ohne uns vollendet würden (Hbr 11. 40); er
spricht von einem Wettlauf, den wir – für
unsere himmlischen Freunde einem Schauspiel gleich
(grie. theatron, so die ganz ähnliche Aussage
des Paulus in 1Kor 4. 9) - „mit Ausdauer rennen”
sollen, indem wir nämlich „alle Hemmungen samt der bestrickenden Sünde
ablegen, ... und (von alldem wegsehend) auf den Urheber
und Vollender des Glaubens blicken, auf Jesus, der anstatt
der vor Ihm liegenden Freude das Kreuz erduldete und die
Schande verachtete und Sich zur Rechten des Thrones Gottes
gesetzt hat”
(Hbr 12. 1 bis 2). Das griechische Wort, das hier mit Wettlauf
wiedergegeben wird, lautet agon; es ist doppeldeutig
und kennzeichnet zunächst den Kampfplatz der
griechischen Antike, auf dem Ring - und Wettkämpfe
aller Art, die bis aufs Blut gehen und das Leben kosten
konnten (in etwa vergleichbar den Gladiatorenkämpfen
im Colosseum in Rom) ausgetragen wurden. Daraus
resultiert die andere Bedeutung des Todeskampfes
(Agonie); das Wort beschreibt also sowohl die Art
dieses Wettkampfes, als auch den Ort, an dem solche
Kämpfe ausgetragen wurden. Das zugehörige Verb ist
agonízomai und wird beispielsweise für
den Todeskampf Jesu im Garten Gethsemane
gebraucht, in dem Er mit der Sünde rang,
die Er in dem Kelch des Vaters aufnehmen sollte, wobei es
heißt: „Sein Schweiß wurde wie
Blutgerinnsel, das auf die Erde herabfiel”
(Lk 22. 42 - 44). Dementsprechend sagt der Schreiber des
Hebräerbriefes auch seinen Empfängern, daß
sie sich noch „nicht bis aufs Blut ringend der
Sünde entgegengestellt”
hätten (Hbr 12. 4). Die Sicht des
Hebräerbriefes in diesem Zusammenhang ist in der Tat
die einer solchen Kampfarena; die Schar der
Wettläufer oder gewissermaßen der Gladiatoren,
die den Kampf auf der Erde bestreiten, ist die noch auf
Erden ringende, die alles bestrickende Sünde
überwindende Gemeinde, die ihren Kampf ausficht,
indem sie von alldem weg auf ihr Ziel, den Herrn als „den
Urheber und Vollender des Glaubens”
selbst aufblickt, der schon überwunden und sich nun zur
Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat (Hbr 12. 2),
während auf den Zuschauertribünen sich
diejenigen aus ihren Reihen befinden, die ihren Lauf
bereits vollendet haben (11.1), ihren Brüdern und
Schwestern vom Himmel her zusehen und diese bei ihrem
ihrer Vollendung entgegenstrebenden Wettlauf durch ihr
eigenes bereits gegebenes Beispiel anfeuern. Dies ist
die Wolke der Zeugen, die – gewissermaßen auf den die
Kampfbahn, auf der wir laufen sollen, umsäumenden
Rängen – uns ständig umgibt.
Diese
Wolke
der
Zeugen
ist
zunächst
zwar die Schar der Glaubensvorbilder des Alten Bundes, wie
sie Hebräer 11 uns beschreibt, jedoch haben wir es
nicht nur mit diesen zu tun. Der Christus – wir
sprechen hier über den ganzen Christus aus
Haupt und Gliedern – besteht ja nicht nur aus uns als den
auf der Erde Lebenden, als ob diese allein mit dem Haupt ein
Ganzes bildeten, sondern auch jene gehören dazu, die –
ganz wie oben beschrieben – ihren Lauf vollendet
haben, und nun nicht mehr sichtbar auf der Erde
sind. Trotzdem gehören sie zum Christuskörper. Sie
sind unsere bereits vollendeten geistlichen Väter.
Oft
genug
haben
wir
uns
jedoch
selbst
von dem Segen und dem Teil des Lebens abgeschnitten, den
Gott gerade durch diese vollendeten Glieder und durch ihr
früheres Wirken uns zugute kommen lassen wollte, indem
wir, dem vermeintlich Neuen entgegenpreschend, ihr Reden,
ihr Vorbild und ihre Mahnungen in Stolz und Überhebung
dahinten ließen und vorschnell verwarfen. Dies
schreibe ich nicht zuerst Anderen, sondern zunächst
für mich und dann aber auch für jene, die sich in
der gleichen beschriebenen Weise überhoben haben. Es
war doch allzu leicht, um des vermeintlich Neuen willen jene
Brüder und Väter in Christus zu verlassen,
um eigene Wege zu gehen und um sich selbst
in „neuen Gemeinden”
zu organisieren – und um nach einigen Jahren erkennen
zu müssen, daß jene kirchlich – gemeindlichen
Strukturen, die wir damals doch hinter uns gelassen zu haben
glaubten, nun in gesetzlichem, eigenem Tun ganz
offensichtlich und noch viel ausgeprägter
wiedererstanden sind. Wir haben dabei gänzlich
übersehen, daß wir uns von den unsere
Väter betreffenden Lebensströmen des Herrn
selbst abgetrennt haben! - und sind indes in die
Knechtschaft des Gesetzes geraten, indem wir uns jene
aufhäuften, die uns das verkündigten, worin sie
unsere Ohren zu „kitzeln” verstanden (2Tim 4. 3). – So sind wir –
es ist die Rede vor allem der charismatischen und
Glaubensgemeinden und Bewegungen – nach den damals
beginnenden und so hoffnungsvoll erscheinenden geistlichen
Aufbrüchen zwar ganz gewiß bunt und vielfarbig
schillernd, dafür aber in biblisch - theologischer
Hinsicht wurzellos geworden. Ein Baum ohne seine
Wurzeln jedoch beginnt zu sterben, ja er ist bereits
schon tot. Da nützt es dann auch nichts, den
toten Baum, mit welcher Aktivität oder welch
vermeintlichem Attribut auch immer, noch zu schmücken,
indem man versucht, durch einen äußerlichen
Anstrich von Werken, ganz als wolle man die toten
Blätter grün einfärben, Leben zu suggerieren.
Zurück zum Haupttext
Der Tod ist das unausweichliche
Schicksal eines jeden Baumes, der seine Wurzeln
verliert; und unsere Wurzeln sind jene
Lebensströme und jene Worte Gottes, die der Herr uns durch
unsere geistlichen Väter mitzuteilen gedachte,
und die wir wie oben beschrieben in Stolz und
Überhebung zurückgelassen haben. Mögen sich
mache dieser Väter an einigen Punkten geirrt haben oder
auch nicht – sie irrten nicht mehr als wir, eher sehr viel
weniger; wir alle, so sagt Jakobus uns, „straucheln allesamt in vielem”
(siehe Ja 3. 2). Anstatt nun alles, was sie zu sagen hatten,
anhand des geschriebenen Wortes Gottes zu prüfen, und das
Beste zu behalten (1Thes 5.21), haben wir an dieser
Stelle oftmals alles verworfen, was uns bis dahin
mit auf den Weg gegeben worden war, da andere, so meinten
wir, uns ‚das Neue’ als das vermeintlich Eigentliche, Wahre zu
geben hätten, und taten es darin den Galatern gleich,
die durch genau dieselben Verhaltensmuster unter die Knute
des Gesetzes geraten sind, da ihnen ein Glauben
verkündigt worden ist, der nichts mit Gnade, dafür
aber sehr viel mehr etwas mit Gesetz und ‚Glaubensleistung’ gemein hat, welche uns einreden will, durch Erbringen
von Werken, also durch Leistung als Vorbedingung
zur Erfüllung göttlich gegebener
Verheißungen und damit zu einer im
täglichen Leben erlebten, vermeintlichen Gnade zu
gelangen (vgl. Ga 1. 6 - 12, 2. 18 - 21, Kap. 3. 1 - 3 und
10 - 14; Kap. 5. 1 - 6 u. a.). -
In dem
Zusammenhang wurde mir sogar schon erklärt, daß man
sich woanders hin, u. a. nach Amerika orientieren müsse, da
es in Deutschland angeblich keine ‚geistlichen
Väter’ gebe. Diese
Behauptung ist ebenso ungeheuerlich wie falsch, da sie
suggeriert, daß ein Kind sich seinen Vater aussuchen
könne; wieviel weniger können dies geistliche
Kinder mit ihren geistlichen Eltern tun! Auch ist es
keineswegs so, daß wir in Deutschland keine geistlichen
Väter hätten –
es gibt sie zur Genüge – nur haben wir sie
verworfen! Und so überführen schon einige
wenige Blicke in die Kirchengeschichte diesen Satz der
Lüge. Als ich selbst vor nun mehr als 11 Jahren jenen
Bruder verließ, der mir über Jahre hinweg auch ein
geistlicher Vater war, da ich meinte, Anderem
folgen zu müssen, und mich den damals aufkommenden
Glaubensgemeinden zuzuwenden begann, war eines seiner letzten
Worte hierzu: „Wir haben nicht viele Väter”. Dieser
Satz ist wahr und hat sich mir so fest eingeprägt,
daß ich ihn wohl niemals vergessen werde; schon der
Apostel Paulus gebrauchte ihn: „Denn
wenn ihr auch zehntausend Geleiter in Christus hättet, so
habt ihr jedoch nicht viele Väter; denn in Christus Jesus habe ich
euch durch das Evangelium gezeugt” (1Kor 4. 15) - Die
Korinther wußten den Dienst eines solchen Vaters jedoch
nicht zu schätzen, und mißachteten alsbald das, was
Gott ihnen durch ihn zu geben hatte, um der „hervorragenden Apostel” willen (vgl.
2Kor 11. 5 und 12. 11); und ganz wie sie, die ohne die ihnen zur
Seite gestellten Brüder reich sein und wie Könige
herrschen wollten (1Kor 4. 6 - 13), so haben auch wir, von
unseren eigentlichen Vätern getrennt, im Laufe der Zeit
wohl den bunten Schein eines geistlichen Lebens und
geistlicher Kraft entwickelt, doch uns dabei nach und nach unserer
Wurzeln entledigt. Dies erzeigt sich u. a. daran,
daß es unter uns kaum oder nur selten noch eine gesamtbiblisch
fundierte und theologisch exakte Schriftauslegung gibt – die
Lehre der Schrift um der Schrift, das Wort Gottes um Gottes,
und nicht um einzelner ‚Lehren’
willen, um nur eines zu nennen; doch wer bemerkt dies
schon noch? Wer prüft das uns Dargebrachte? Wer
studiert denn noch das Wort selbst, und schlägt
nicht nur die vom „Prediger”
angeführten Schriftstellen zu dessen Bestätigung
nach?
Und
wo ist die wahre Anbetung des Vaters „im Geist und in
der Wahrheit”
geblieben (Jo 4. 23 - 24), von der in früheren Zeiten so
vieles zu hören war, und von der heute, statt sie weiter
zu verfolgen und darin zu wachsen, kaum mehr noch als nur
kümmerliche Reste – traurige Dokumente trügerischer
Selbstbeweihräucherung und einer Erhebung seelischer
Gefühle – übrig geblieben sind? Wer sucht noch
den Vater Selbst, und besingt nicht nur seine eigenen
Erlebnisse aus der Vergangenheit? Und so gibt es vieles
andere mehr zu sagen. - Wohl kaum jemand hat je die
Tragödie realisiert, die hier stattgefunden hat:
Herausgekommen ist bei all dem Gebaren, das wir uns selbst
erwählt haben, letztlich ein anderes Evangelium, nämlich
das der Werke, und ein daraus resultierendes, unmerkliches
Absterben und Zurückdrängen des Lebens, das Gott uns
durch die uns gegebenen Wurzeln eigentlich mitzuteilen
gedachte. Auf diesem Wege haben wir vieles verloren. Die Wurzeln
eines Baumes entfernt man eben nicht ungestraft, so daß
man sich nicht in dem Wahn befinden sollte, daß der Baum
auch ohne sie existieren oder gar wachsen könne. Gottes
Gebot, den Vater und die Mutter zu ehren, „auf daß du lange lebest im
Lande, das dir der Herr, dein Gott geben wird” (2Mo 20. 12,
Schlachter) – gilt es nicht auch für unsere geistlichen
Väter und Mütter? – Den wenigsten unter uns wohl ist
es geläufig, daß auch hier jenes Pauluswort
greift, das uns vor den Folgen warnt, wenn wir den ganzen
Christuskörper nicht unterscheiden bzw. nicht
anerkennen und ehren würden (1Kor 11. 29). Auch sollten wir
einmal dem Wort Mal 3. 24 nachsinnen, worin es – als
dem letzten Wort vor dem Beginn des Neuen Testamentes –
heißt, daß Gott noch vor dem Tag des Herrn „das
Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder
wieder zu den Vätern zuwenden” würde
(Schlachter). – Herr, gib uns Augensalbe, um zu
sehen!
Zurück zum Haupttext
[5] Konkordante
Übersetzung. Schlachter übersetzt hier „alles unter ein Haupt zu bringen
in Christus,
was im Himmel und auf Erden ist, in ihm”; sehr ähnlich auch
die Unrev. Elberfelder. – Die Revidierte Elberfelder
Übersetzung weicht von dieser Klarheit leider ab. Das oben
nach der hier zwar ungewöhnlichen, doch sehr eindeutigen
Konkordanten Übersetzung mit „aufhaupten”
wiedergegebene Wort lautet im griechischen Grundtext ana
kephalaioo (herauf-haupten); es hat eingebunden
den Wortstamm von kephalé, Haupt oder Kopf,
beinhaltet also im Sinnzusammenhang deutlich mehr als nur eine
Zusammenfassung, vielmehr ein gemeinsames Unterordnen
von beidem, „das in den
Himmeln und das auf der Erde” unter das
benannte Haupt, also durchaus ein „aufhaupten”,
indem diese ein gemeinsames Haupt „aufgesetzt”
bekommen.
[6]
Dies ist ein gewaltiger Irrglaube, dem man nun schon seit
Jahrzehnten nachhängt, ohne daß er sich auch nur im
Ansatz wirklich bestätigt hätte! Gottes Wort sagt
eben gerade nicht die große Erweckung voraus, sondern
den großen Abfall, Verführung und Gericht, bevor
Jesus wiederkommt (s. Mt 24. 3 - 24, 37ff, 2Thes 2. 3 - 12,
2Tim 3. 1 - 5).
[7] Nur
wenn jedes einzelne Glied des Christuskörpers für sich
und darin alle miteinander eins in Ihm, das
heißt allein auf Ihn ausgerichtet sind, ist
die von Gott her gewollte Einheit dieses Körpers vollzogen.
– Vor Jahren begegnete mir jemand, der ganz
überzeugend klarzumachen suchte, daß „es in unserem
Land demnächst eine große Erweckung geben würde”,
und an seinem Wohnort vieles geschehen würde, weil dort
eine so überaus große Einheit bestünde, indem
dort niemand „den Pastor kritisiere und sie ihm alle gehorchten”.
Neben dem Umstand, daß die Bibel hinsichtlich der Endzeit
nicht von einer großen Erweckung, sondern von einem
großen Abfall spricht, konnte mir allerdings schon damals
kaum eine größere und erschütterndere
Fehlinterpretation von Einheit vorstellen. Wenn auch klar
sein wird, daß wir nicht einander richten und verletzen
können, und wir aufeinander achten und hören
sollen, so kann doch die Gemeinde nicht in menschlicher
Unterordnung und – Menschen erwiesenen – vermeintlichem
Gehorsam eins werden. Dies ist nicht der Weg zum Segen,
sondern der zum Gericht, auf dem eine große Zahl von
Gemeinden sich heute offensichtlich befindet. Unsere Einheit
besteht in Christus allein; nur
das Haupt kann und wird jene Einheit vollziehen; kein
Pastor, keine Dienste, nicht Menschen oder Lehren bewirken dies;
im Gegenteil – die Schriften des Neuen Testamentes, vor allem
die Paulusbriefe, beweisen zur Genüge, daß eine
Ausrichtung auf Menschen zuletzt immer Spaltungen zur
Folge haben wird (siehe 1Kor 3). – Als der Herr mit Seinen
Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus auf jenem Berge der
Verklärung war, und nachdem sie dem Mose, dem Elia und
dem Herrn Zelte bauen wollten, nachdem
diese dort erschienen waren – als Mose und Elia gerade vom
Herrn schieden – , überschattete
eine Wolke das Geschehen, so daß die Jünger es
nicht mehr weiter verfolgen konnten; und nachdem diese
Wolke sich verzogen hatte, sahen sie niemand als Jesus
allein. „Und eine
Stimme ertönte aus der Wolke: ‚Dies ist
Mein auserwählter Sohn; höret auf Ihn!’
Während die Stimme erscholl, fand es sich, daß
Jesus allein war.” (Lk 9. 28 -
36). –
[8] Der
Tempel Gottes wird in der gesamten Heiligen Schrift allein
durch Seine Gegenwart, nie aber von dem Gebäude
selbst definiert. Wo Gott gegenwärtig ist und Selbst
spricht, dort ist Sein Haus und Seine Wohnung (d. h. Sein
Aufenthaltsort). Näheres
dazu in der Schrift „Die Versammlung Gottes - Die
Herausgerufene als Hinauf-Zusammenführung des Herrn und
Tempel Gottes” im
letzten Kapitel.
[9] Unmittelbar
nach dem Wunder der Verwandlung Wassers in Wein auf der Hochzeit
zu Kana, siehe hierzu Jo 2. 1 - 11. - In Mt 21. 10 - 12
und Lk 20. 41 und 45 wird uns die Tempelreinigung als erste
Handlung des Herrn nach seinem Einzug in Jerusalem
überliefert.
[10] Siehe
auch Jes 56. 7 und Jer 7. 11.
[11] Die
Verkäufer der Rinder, Schafe und Tauben stehen im
Zusammenhang mit der alljährlichen Darbringung der
Zehnten durch die Landbesitzer in 5Mo 14. 22 - 27. Der Zehnte
„deines Korns, deines Mosts,
deines Öls und die Erstgeburt von deinen Rindern und
Schafen” sollte an den Ort gebracht werden, „welchen Er erwählt,
daß Sein Name daselbst wohne”
(Vers 23, Schlachter), und dort gegessen werden. Wem
aber der Weg zum Tempel zu weit wäre, der sollte es in
Geld umsetzen; dieses Geld sollte man an seine Hand binden,
mit diesem Geld zum Tempel kommen und davon „alles, was deine Seele
gelüstet, es sei für Rinder, Schafe, Wein, starkes
Getränk, und was sonst deine Seele wünscht”
(Vers 26), erwerben, um es dort vor dem Herrn zu essen und mit
der ganzen Familie („du und dein Haus”) fröhlich zu sein. Dabei sollte auch der
Leviten, dem Stamm, der Priesterdienst tat und selbst kein
Land besaß, gedacht werden. Die entsprechenden Tiere
konnten hierzu bei den Verkäufern vor Ort erworben
werden.
Diese
Verkäufer
nun sind es, zusammen mit den Wechslern, auf die nachfolgend
eingegangen werden wird, die Jesus im Tempelbereich (in den
sog. „äußeren Vorhöfen”) vorfand. Sie lebten vom Handel mit den
Zehntengaben, was sich im Laufe der Zeit offensichtlich in
der Weise ‚verselbstständigte’; daß das
Nahen zu Gott zu ihrem festen „Geschäft” wurde, ohne das zu tätigen die
Hinzukommenden anscheinend nicht an jener Freude, an jenem
Fest vor den Herrn teilhaben konnten. Die Freude und das
Feiern vor dem Angesicht Gottes verkamen zum Geschäft
einiger und einer Last vieler. Der Zehnte, der zur
gemeinsamen Festfreude und der liebenden Zuwendung für
den Priesterstamm und für die Bedürftigen (5Mo 14.
29) gedacht war, wurde zur gesetzlichen Bürde, zur
Leistung, ohne die man nicht Gott nahen darf; „ohne” gehört man eben nicht „dazu”. So muß man sich seinen Zutritt zu Gott
und Gottesdienst ‚erkaufen’; das Haus des Vaters, das ein Haus des Gebets
sein sollte, verkommt zum Kaufhaus.
Das ausgesprochen Perfide an dieser Situation ist
der Sachverhalt, daß diese „Kaufleute” ja nicht gegen den Tempeldienst, ja den
Gottesdienst an sich sind - bietet er ihnen doch eine
sichere und beständige Einnahmequelle - sondern ein
Herannahen zu Gott wird ohne sie ‚offensichtlich’ unmöglich
gemacht; ‚ohne sie läuft nichts’ - zuerst kommen
sie und ‚ihr Teil’, und dann Gott: Wer zu Gott nahen will, der
muß
erst an ihnen vorbei. Man kann, so suggerieren sie,
nicht Gott dienen, ohne zuvor ihnen gedient, sie
ernährt, unterhalten und somit ‚ihr Geschäft’ aufrechterhalten zu haben. - Scheinbar
sind sie sogar ein Dienst, der zu der vor Gott versammelten
Gemeinde gehört, ja diese erst möglich macht (!).
So erscheinen sie dem unbedarften Betrachter sogar als ein
Bestandteil des Gottesdienstes. -
Dies vollzieht sich bis in unsere Tage hinein.
In solchem Zusammenhang, da eine ähnliche Entwicklung
später auch in der Gemeinde stattgefunden hat, schreibt
auch der Apostel Paulus von „falschen
Aposteln”
und „betrügerischen
Arbeitern”, deren Kennzeichen es ist,
die Gemeindemitglieder zu „versklaven”,
„aufzuzehren”
und „von ihnen zu nehmen”, d. h. sie zu berauben; er
bezeichnet solche als „Diener
Satans”, die sich, Satan gleich, „zu einem Boten des Lichts”, d. h. zu einem
Überbringer göttlicher Offenbarung und damit zu
einem Mittler Gottes verstellen (siehe 2Kor 11. 13 - 20;
vgl. auch Phil 3. 18 - 20). Wie jene „Verkäufer”,
die uns wie „Vormünder”,
wie „Davor - Gesetzte”
erscheinen, verlangen auch sie zuvor, ihre
Vorstellungen erfüllt zu sehen; zuerst kommt „ihr Teil”,
den sie vor die persönliche Offenbarung Gottes
setzen; ohne das Erfüllen ihrer (zumeist gesetzlichen)
Lehren und ohne ihnen zuerst gedient, ihnen gehorcht und sie
aufrechterhalten zu haben, dürfen die Herzukommenden nicht
Gott nahen: So stellen sie sich zwischen Gott und die
Anbetenden; die Begegnung mit Gott Selbst aber findet nicht mehr
statt - denn nur „einer ist Mittler zwischen Gott und
Menschen, der Mensch Christus Jesus” (1Tim 2. 5,
Revidierte Elberfelder). - Gott jedoch ändert sich
nicht (Ja 1. 17): Gleich jenen vermeintlichen „Dienern”
wird der Herr auch sie hinaustreiben, ihre vermeintlichen
„Ordnungen”
umstoßen und Seinen Tempel von ihren Werken reinigen.
Zurück zum
Haupttext
[12] Die
Geldwechsler oder „Makler”
tauschten die Münzen für das ursprünglich in
2Mo 30. 11 - 16 durch Mose erhobene „Versöhnungsopfer”, aus dem dann erst später,
beginnend unter Joas, einem König von Juda (siehe 2Chr
24. 6, vgl. auch Neh 11. 32) eine Steuer wurde. Joas hatte den
schlechten Zustand des Tempels gesehen und nahm sich aus
diesem Grunde aus sich selbst heraus vor, den Tempel
zu erneuern (2Chr 24. 4). Er ordnete den Priestern an, Geld
für eine jährlich wiederkehrende Ausbesserung des
Tempels aus dem Volk zu sammeln; als dies nicht in der von ihm
gebotenen Eile geschah, verwies er auf „die Steuer”, „welche Mose, der
Knecht des HERRN, auferlegte und welche die Gemeinde zur
Hütte des Zeugnisses brachte”
(Verse 5 - 6). Hierzu baute man eine Lade und stellte diese „außerhalb des Tores am
Hause des HERRN”
auf, wonach viel Geld zusammenkam (Verse 8 - 11).
So wurde durch eigene, menschliche Entscheidung, die
offensichtlich nicht auf ein Reden Gottes hin, sondern
aufgrund einer sich anscheinend darbietenden Notwendigkeit
getroffen wurde, aus einem einmaligen Opfer jene Tempelsteuer
(Kopfsteuer), die von allen Hinzukommenden
alljährlich zu entrichten war, aber nur nach alter
Währung (in Schekeln, einem Gewichtsmaß; der
Geldwert war hier nach Gewicht zu ermitteln) angenommen
wurde. Die zur neutestamentlichen Zeit wegen der
römischen Besatzung üblichen römischen und
auch griechischen Münzen waren deshalb im Tempel nicht
anerkannt und wurden durch die Wechsler gegen einen
Aufpreis nach der Tempelwährung
verrechnet, wobei eine Doppeldrachme (vgl. Mt 17. 24) dem
Gegenwert eines Schekels entsprach. – Diese Abgabe hatte
Gott dem Volk Israel unter Mose ursprünglich als einmaliges
Opfer (keine regelmäßige Steuer) auferlegt bei
der Musterung (Zählung) des Volkes, als die
Stiftshütte errichtet wurde. Jeder Gemusterte sollte
½ Schekel „nach
dem Schekelmaß des Heiligtums”
(20 Gera
= 1 Schekel) zur
Sühne, als „Hebopfer”
zur „Beschirmung für ihre Seelen”
darbringen, „damit sie
bei ihrer Musterung kein Schlag zum Verderben treffe”
(2Mo 30. 11 - 14, eine „Auslösung”, vgl. „Lösegeld”, gewissermaßen also ein
„Lösungsopfer”).
Dieses
Opfer
ist,
nach
der
Maßgabe,
daß die Einrichtungen des Alten Bundes ein Schatten
der Dinge des Neuen sind, die das Wesen dieser Dinge
selbst beinhalten, ein ‚Abbild’ der durch
Christus erworbenen Erlösung und Seiner Gerechtigkeit
(Hbr 8. 5 und 10. 1; vgl. auch Kol 2.17). – Das Silbergeld,
das bei der Hinzuzählung des Volkes
erhoben wurde, sollte dann für den Dienst der
Stiftshütte, dem Vorbild des Tempels,
verwendet werden (2Mo 30. 15). Es ist daher ein Ausdruck und
Abbild dessen, daß nur die Erlösten, die infolge
dieser Erlösung gerecht geworden sind, hinzugezählt
werden und Anteil haben an dem Tempel Gottes, der im Neuen
Bund die Gemeinde ist, und an dessen Dienst. Jeder, der zu
den Gemusterten des Volkes überging, sollte Gott dieses
Opfer geben, indem der Reiche nicht mehr und der Arme
nicht weniger als diesen halben Schekel darbringen
sollte, was aussagt, daß jeder gleichermaßen
Anteil an derselben Erlösung hat (2Mo 30. 14).
Deshalb spricht auch Jesus Selbst von Seiner Seele als Lösegeld,
die er für viele gegeben hat (vgl. Mt 20. 28), und
deshalb lehrt auch Petrus davon, daß die Gemeinde
durch Sein Blut „als das
eines makellosen und unbefleckten Lammes”
von dem früheren Wandel losgekauft worden ist
(siehe hierzu 1Ptr 1. 18 - 20).
Von dem Silber, das die Kinder Israel zum Bau
der Stiftshütte gaben, wurden die Fundamente für
die Stützpfosten des Zeltes hergestellt. Wie ein
Fundament, das zur Gründung eines Hauses auch nur einmal
gesetzt wird, so wurde auch die Erlösung ein
für allemal (vgl. Hbr 9. 26, 28a) vollbracht; wie
das Zelt der Zusammenkunft auf den Silberfundamenten ruhte,
die aus den Gott einmal dargebrachten Gaben der
Kinder Israel bestanden, so ruht auch der geistliche Tempel,
die Gemeinde, auf dem Fundament des einmal gezahlten
Lösegeldes, der Grundlage der Versöhnung durch das
ein für allemal dargebrachte Blut Jesu. Vorbildlich
für diese ein für allemal erbrachte
Erlösung war nun diese von allen Söhnen Israels
geforderte Gabe von jeweils ½ Schekel „zum Gedenken”
vor dem Herrn, „als
Beschirmung (Versöhnung) für eure Seelen”
(2Mo 30. 16), als einmaliges Opfer erhoben
worden.
Das hierbei zusammengekommene „Silber der Gemusterten aus der Gemeinde”
(603550 Mann) betrug 100 Talente und 1775 Schekel, die wie
schon erwähnt für die Sockel des Heiligtums, 1
Talent für jede Säule, verwendet wurden; der Rest
diente für die Haken und Verbindungsstücke
für sie (siehe 2Mo 38. 25 bis 28). Der ganze Bau konnte
nun gegründet und fest verankert werden auf dem Grund
dieses „Silbers” der „Erlösung”, ein wunderbares Bild für den
geistlichen Bau der Gemeinde. Die Führer Israels jedoch
machten aus dem ein für allemal, als
Erinnerung an die „Beschirmung (oder Versöhnung) der
Seelen” gegebenen Opfer ein immer wiederkehrendes
Ritual eines Opferdienstes, wozu nun die oben
angezeigten „Wechsler”, wie beschrieben, die gebräuchlichen
Münzen in diese halben Schekel, oder was auch immer zu
der Zeit verlangt wurde, umzutauschen hatten.
Es war
nun damals üblich, daß diese Wechsler (grie. kermatistes,
Knipser) bei der Verrechnung des dargebotenen Geldes beim
Wechseln, da der Geldwert nach Gewicht ermittelt wurde, einzelne
Stückchen von diesem „abknipsten”.
- Auch hier haben wir die Tatsache vorliegen, daß der
Besucher des Tempels, wollte er an der Anbetung Gottes, der
versammelten Gemeinde Anteil haben, letztlich über die
Weisung Gottes hinaus an gewisse „Dienste”
zu „zahlen”
hatte; es galt gewissermaßen: Wollt ihr Anteil am
Tempel und Seinem Dienst, Anteil am Gottesdienst der Gemeinde
haben, so handelt mit uns, gebt uns zuvor. Somit
richten solche ihre eigene Gerechtigkeit auf, und damit
nicht genug; sie zwingen hierdurch auch die Gemeinde, an
dieser ihrer eigenen Gerechtigkeit
teilzuhaben und mit ihnen zusammen Gott, dem sie eigentlich
nahen wollte, letztlich zu verfehlen. Hierin wird, neben
dem, daß sie von der Gemeinde nehmen, ihr
eigentlicher Raub deutlich, den sie als echte
„Wegelagerer”, als die Jesus
sie bezeichnet, verüben. - Jesus nun zeigt auf prophetische
Art und Weise an, daß solcher „Dienst”
keinerlei Grundlage besitzt, indem Er dessen Tische
umwirft; und Er beendet dies, indem Er nun dieses
beim Umtausch zustande gekommene „Wechselgeld der Makler”, diese abgekniffenen
Stücke (grie. kerma, Geknipstes) ausschüttet,
damit ihren gesamten Handel zunichte macht und
solchen vermeintlichen „Dienst”, als nicht
zum Tempel zugehörig, aus diesem entfernt.
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Haupttext
[13] Dies
entspricht der in Jo 10. 17 und 18 gemachten Aussage Jesu,
daß Er sowohl Vollmacht habe, Seine Seele hinzugeben,
als auch sie (Selbst!) wieder zu nehmen; „dieses Gebot habe
Ich von meinem Vater erhalten”.
[14] erst
nachdem Er mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet
worden war, nach einer Zeit der Versuchung durch den Teufel und
als Zeit und Stunde, die Erfüllung der
Verheißungen von Gott
her gekommen war (siehe hierzu Mt 4.
12 - 16).
[15] Die
Schrift lehrt sogar, daß Er - ganz wie auch wir - Gehorsam
erst lernen mußte (Hbr 5. 8).
[16] Die
Sohnschaft, die der Herr auf der Erde auslebte, war demzufolge
nicht auf den ihm verliehenen göttlichen Eigenschaften,
die Er seit Ewigkeiten besitzt, sondern erst aufgrund der nach
Seiner Taufe empfangenen Salbung des Vaters, der Kraft
aus der Höhe gegründet. Demnach erscholl auch die
Stimme aus dem Himmel „Dies ist mein geliebter Sohn, an
Ihm habe Ich mein Wohlgefallen”
(Mt 3. 16, 17; Lk 10. 21), erst nachdem der
Geist Gottes in der Gestalt einer Taube Sich auf Ihm
niederließ und auf Ihm blieb (siehe Jo 1.
32, 33). Jenes „auf Ihm Bleiben”
zeigt schon an, daß der Sohn Gottes beständig
in der durch diesen Geist gewirkten Gemeinschaft mit dem Vater
bleiben würde.
Ebenso macht
uns nicht der innewohnende Geist Gottes schlechthin, sondern
vielmehr erst der uns führende Geist Gottes zu Söhnen Gottes.
Demgemäß heißt es in Rö 8. 14: „Welche der Geist Gottes führt (oder leitet), diese sind Söhne Gottes” (húioi, Pl. von
húios, Sohn; nicht aber etwa Kinder, das wäre
teknía, wörtlich Gezeugte). –
Man vergleiche hierzu auch die Reifestadien der Kinder
Gottes, 1Jo 2. 12 - 14. - Durch den Geist Gottes geführt
werden zu können ist demzufolge auch ein Kennzeichen von Mündigkeit.
Erst die Führung des auf dem Geführten ruhenden Geistes und der
Diesem folgende Gehorsam machen zum Sohn; deswegen
wurde auch dem Sohn Gottes das Wohlgefallen des Vaters
bezeugt. Insofern ruht der Friede Gottes in den Menschen
des Wohlgefallens, wie dies in der Proklamation der
himmlischen Heerscharen Lk 2. 14 anläßlich der
Geburt, der Menschwerdung Jesu wörtlich bezeugt
wird. Deshalb spricht Paulus auch in Rö 8. 15 im
Zusammenhang der durch den Geist geleiteten Söhne
Gottes vom Geist des Sohnesstandes, wörtlich der
Sohn-Setzung (huio-thésia). Dies bedeutet ein Einsetzen
in den Stand eines mündigen
Sohnes, welcher vom Vater ins Vertrauen gezogen werden kann,
und kennzeichnet sowohl die Einsetzung Jesu, des
Sohnes Gottes als auch die der mündigen Söhne Gottes,
welche sich gleich dem erstgeborenen Sohn des Vaters (Rö 8.
29) vom Geist Gottes, der Salbung des Vaters, leiten lassen und
dieser Führung gehorsam sind.
[17] Insofern
steht auch hier der Jünger ganz gewiß nicht über
seinem Lehrer, noch ein Sklave über seinem Herrn, wie Jesus
dies in verschiedenen Zusammenhängen betont hatte (vgl. Mt
10. 24, 25 und Lk 6. 40).
[18] In
diesem Sinne einer geistlichen Armut vermag sich uns auch das
Pauluswort aus 2Kor 8. 9 zu erschließen: „Denn ihr kennt
die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, daß Er, wiewohl Er
reich ist, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch dessen
Armut reich würdet.” Jenes
„Reich werden”
erschließt sich uns nur durch die Armut unseres Herrn, der
Seinen eigenen Reichtum und Seine Herrlichkeit verließ,
also um unseretwillen arm wurde (Phil 2. 6 - 8). Er
verließ und entledigte sich der Herrlichkeit, die Er bei
Gott hatte, um als Mensch (Menschensohn) in der
Abhängigkeit des Vaters zu wandeln; und gleichermaßen
müssen auch wir auf unsere eigenen Möglichkeiten, auf
eigene Stärke verzichten, d. h. in Wahrheit arm werden in
uns selbst, uns also die Armut Jesu aneignen und beständig
in ihr wandeln, um reich zu sein in Ihm. In diesem Sinne spricht
Paulus auch vom „Haben, als
hättet ihr nicht”
(vgl. 1Kor 7. 29 - 31) und bezüglich seines Dienstes als
dem von solchen, „die nichts
haben und doch alles innehaben” (2Kor 6. 10).
Dies entspricht den von Jesus in der Bergpredigt
angeführten „geistlich
Armen”, denen das ganze Reich Gottes gehört.
[19] Lk
24. 47 - 49; Apg 1. 7; 2. 1 - 4. - In der Apostelgeschichte
siehe hierzu aber auch die Wahl des Matthias, welche, da sie
offensichtlich nach eigener Überzeugung, Erkenntnis
und Schriftauslegung wohl im Vorgriff auf die Gründung der
Gemeinde durch die Ausgießung des Geistes
durchgeführt worden war, im Folgenden keinerlei
Bestätigung oder Erwähnung mehr findet (Apg 1. 15 -
26), sondern - als eine „unzeitliche Geburt”
- statt dessen durch die göttliche Erwählung
des Apostels Paulus später die Zwölfzahl der „Apostel
des Lammes”
wiederhergestellt wurde (das sind
die ersten Apostel, wozu diejenigen gerechnet werden, die den
Herrn noch gesehen hatten; vgl. 1Kor 15. 5 - 9, Off 21. 14).
[20] Bezeichnend
ist, daß der Herr, als Er Sich nach Seiner Auferstehung „vierzig Tage unter ihnen (den
Jüngern) sehen ließ” nur
über Dinge sprach, „die das Königreich Gottes
betreffen”
(Apg 1. 3b). Allein in diesem Zusammenhang hatte Er
den Jüngern gesagt, daß sie die Verheißung
des Vaters, das Getauftwerden im Heiligen Geist, erwarten
sollten. Nicht die Frage nach dem irdischen Reich
(Israels), der Verwirklichung eines irdischen Reiches (einer
sichtbaren Struktur!) galt es für sie zu beantworten,
noch war dies eine Sache, mit der sie sich beschäftigen
sollten (vgl. Apg 1. 6 !), sondern allein das
Kommen des Heiligen Geistes war entscheidend, wodurch die
Herrschaft Gottes auf der Erde durch Seinen Christus (das
Königreich) verwirklicht werden sollte, zu dessen
Zeugen sie durch den Geist Gottes werden würden.
[21] vgl.
1Kor 3. 16; Eph 2. 22 u.a. - Daß jeder Körper
zugleich ein Bauwerk, eine ‚Behausung’ („Gehäuse”),
eine ‚Zeltwohnung’ und somit ein Tempel ist, entspricht
durchweg gängigem Denken im Neuen Testament. Petrus
schreibt davon, daß er die Gemeinde an gewisse Dinge
erinnern wird, „solange ich
noch in diesem Zelt bin”, und davon, daß das
„Ablegen meines Zeltes schnell
geschehen”
werde, also von dem nahenden Sterben seines Körpers (2Ptr
1. 13, 14). In ähnlichem Zusammenhang schreibt auch der alt
gewordene Paulus von seiner bevorstehenden „Auflösung”, nachdem er den guten
Kampf gekämpft habe (2Tim 4. 6, 7). In 2Kor 5. 1 - 5
heißt es von unserer „irdischen
Zeltwohnung”, also unserem jetzigen
Körper, daß dieser abgebrochen, also abgetan werden
wird, und wir sodann ein „Gebäude
(Haus) von Gott haben, ... in den Himmeln”, usw. Der Körper des
Menschen kann sowohl eine Behausung der Dämonen (Mt 12. 44,
45; Lk 11. 24 - 26) als auch „Tempel
des Heiligen Geistes”
sein (1Kor 6. 19), je nachdem, wo und in welchem Zustand sich
dieser Mensch befindet. In demselben Sinne schreibt Paulus auch
von dem sich in unseren Herzen offenbarenden „Lichtglanz der Erkenntnis der
Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi” als einem „Schatz in irdenen
Gefäßen”; „wir”, so schreibt er, „werden stets um Jesu willen in
den Tod dahingegeben, damit auch das Leben Jesu (der Schatz)
in unserem sterbenden Fleisch (dem Gefäß) offenbar
werde”
(2Kor 4. 6, 7, 11).
Verwendete
Bibelübersetzungen und Hilfsmittel
Wo nicht anders angegeben,
wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch
Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die
folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:
Konkordantes Neues Testament
mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten
Konkordantes Altes Testament,
Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage
Konkordantes Altes Testament,
Die Psalmen
1. Auflage 1994
Konkordantes Altes Testament,
Jesaja
Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage
Konkordantes Altes Testament,
Daniel
1. Auflage 1991
Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld
An allen anderen Stellen wurden
verwendet:
Elberfelder Übersetzung
(Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993
Revidierte Elberfelder
Übersetzung
Verlag R. Brockhaus,
Wuppertal
Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter
Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem
Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu
bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT,
Genf, 1985” sowie
„Die Bibel / Übersetzt von Franz Eugen Schlachter
nach dem hebräischen und griechischen Grundtext mit
Parallelstellen und Studienhilfen / Version 2000 / Neue
revidierte Fassung / GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 2003”
Die
Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, 3.
(überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg
Novum Testamentum Graece
Nestle - Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten
Theologisches Wörterbuch
zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969ff.
Lieber
Bruder,
liebe Schwester!
Wir hoffen, daß die vorliegenden
Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus
Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und
berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden
sind.
Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch,
selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält
(Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen
Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf
Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums
bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der
Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).
Wir wünschen uns, daß sich dieser
Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu
Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.
Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas
empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die
ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr
verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und
Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen
„Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen.
Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut
mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann
wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf
Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und
Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.”
Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die
wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört
also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt
diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine
Tür aufgetan hat.
Bitte beachtet dabei die folgenden drei
Dinge:
1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch
immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür
(Mt 10. 8 - 9).
2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem
vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten
durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden
sind, mißverstanden werden. Solche
Mißverständnisse können Schaden anrichten.
3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang
mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht
werden.
Diese Schrift ist am 19. 06.
2011 zuletzt bearbeitet worden.

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